0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 74

Traffic: Jim Capaldi – Dear Mr. Fantasy

0

Mit Traffic machte Jim Capaldi wunderschöne Musik und
schrieb einige Klassiker der 60er und 70er. Auch seine
Solowerke zeigten seine Klasse als Songwriter und Musiker.

Am bekanntesten ist er wohl als Schlagzeuger von Traffic, jener Band, die er 1967 mitbegründete, und folglich für seine tragende Rolle bei einem der wichtigsten Acts des experimentellen Rock. Doch die Muse trug Jim Capaldi in so viele Richtungen und Inkarnationen, dass eine kürzlich erschienene Reissue eines seiner Solo-Meisterwerke die perfekte Gelegenheit für einen Identitätscheck bietet. Island Records veröffentlichte online eines der Highlights unter den mehr als ein Dutzend Alben, die er unter seinem eigenen Namen machte: SHORT CUT DRAW BLOOD von 1975. Für Fans ist diese Platte wie ein Freund, den man nach langer Zeit wiedersieht. Für alle, die nicht mit seinem Werk vertraut sind, ist es aber ein Fenster in eine Karriere, die man viel zu leicht unterschätzen könnte. Dass sechs neue Reissues in schwerem Vinyl aus dem Box-set TRAFFIC – THE STUDIO ALBUMS 1967–74 nun einzeln erhältlich sind, hilft ebenso. Von einem loyalen Teamplayer zum Solo-Hitmacher und Philanthropen, von einem geschätzten Freund der Winwoods, Claptons und Harrisons zum preisgekrönten Songwriter war Jim Capaldi ein Mann mit vielen Gesichtern. Viele dieser Gesichter mögen nur Fassade gewesen sein, doch das spielt keine Rolle.

Die Musik selbst hielt ihn am Leben, bis zu seinem viel zu frühen Tod 2005 im Alter von 60 Jahren. Das Line-up des Tribute-Konzerts zu seinen Ehren 2007 im Londoner Roundhouse unter dem Titel „Dear Mr. Fantasy“ zeigte eindrucksvoll, wieviel Liebe und Respekt seine Zeitgenossen für ihn empfanden. Pete Townshend, Paul Weller, Jon Lord, Cat Stevens, Gary Moore und natürlich Steve Winwood waren unter den zahlreichen Anwesenenden, die ihm ihre Ehre erwiesen. SHORT CUT DRAW BLOOD ist eine wunder bare musikalische Zeitkapsel und ein bewun dernswerter Einstieg für alle, die ihre Wertschätzung für diesen stolzen West Midlander entwickeln wollen, der um die ganze Welt reiste. Aufgenommen nach dem ursprünglichen Ende von Traffic, waren darauf andere ehemalige Mitglieder jener verehrten Band zu hören, etwa Rebop Kwaku Baah und natürlich Steve Winwood, während Paul Kossoff, Chris Spedding, Jess Roden und John „Rabbitt“ Bundrick Gastauftritte ablieferten. Das Album changiert wie so vieles in Capaldis Katalog mühelos zwischen Pop, Rock, Jazz und Reggae und warf ganz nebenbei noch ein paar Hitsingles ab: eine kleinere mit dem sanften ›It’s All Up To You‹ und eine von einem durchschlagenden Erfolg gekrönte in Form einer Coverversion des unsterblichen ›Love Hurts‹, das zur selben Zeit wie ›Bohemian Rhapsody‹ in den britischen Top 5 war.

Ein unerwartetes Vergnügen für einen Mann, der mit den glorreichen 45ern des amerikanischen Prä-Beatles-Pop von z. B. Roy Orbison aufgewachsen war, dessen Version er liebte. Als ich mir dieses Album wieder anhörte, dachte ich darüber nach, wie oft Capaldi Teil nicht nur meiner musikalischen Erziehung, sondern auch meines Arbeitslebens gewesen war. Ich begegnete ihm zweimal zu Interviews, einmal zur Veröffentlichung seiner Platte SOME COME RUNNING von 1988 und dann gemeinsam mit Winwood, als sie sich 1994 unter dem Namen Traffic nochmal für FAR FROM HOME und die folgende Tournee zusammentaten. Zudem gab ich ihm die schreckliche Aufgabe, zu einem Artikel, den ich für eine Tageszeitung schrieb, eine Trauerrede für seinen Freund George Harrison beizutragen, als der 2001 verstarb. Und in trauriger Symmetrie war es dann keine vier Jahre später an mir, einen Nachruf auf Capaldi selbst für das Billboard Magazine zu verfassen. In beiden Fällen fühlte es sich schmerzhaft und viel zu früh an.

Der digitale Release von SHORT CUT DRAW BLOOD hat uns allen kollektiv den Gefallen getan, einen wichtigen Musiker neu zu beleuchten, ganz zu schweigen von einem Philanthropen, dessen treffend beobachtete Texte über die Sorgen und Leiden des Planeten heute erschreckend prophetisch erscheinen. Es ist eine Platte, die die Vielseitigkeit eines Künstlers unterstreicht, der richtig hart rocken konnte, aber genauso gut sensibles Songwriting im Stil von Justin Hayward oder sogar Carole King beherrschte. Und jetzt kommen wir in den Genuss einer exklusiv für diesen Artikel verfassten neuen Lobrede auf Capaldi von Steve Winwood, der verrät, dass Traffic sich wiedervereint hätten, wenn Capaldi nicht gestorben wäre.

„Jim war einer meiner besten Freunde und noch bis weit in die 90er mein Songwriting-Partner, 20 und mehr Jahre nach der Auflösung von Traffic“, so Winwood. „Er besaß grenzenlosen Enthusiasmus und eine fast kindliche Lebensfreude, ebenso wie eine fast unheimliche Fähigkeit, alle, denen er begegnete, mit seinem Charme zu verzaubern. Unsere Schreibmethoden waren in vielerlei Hinsicht unorthodox. Und
wir dürfen nicht vergessen, dass Jim ein großartiger Schlagzeuger war, ebenfalls unorthodox, es war also
unvermeidlich, dass Rhythmus und Trommeln ein Teil des Schreibprozesses waren. Dass unsere Schöpfungen aus Jams entstanden, ist teilweise korrekt, doch man muss sich daran erinnern, dass jegliche Komposition zunächst aus der Improvisation geboren wird. Jim schrieb oft Texte, bevor wir anfingen, die Musik zu improvisieren, und wenn es sich dann richtig anfühlte, begann ich, Jims Worte zu singen. Traffic lösten sich Mitte der 70er auf und ich denke, das lag an einer gewissen Desillusionierung, die Musikszene als solche betreffend. Der Punkrock kam auf und wir hatten wahrscheinlich das Gefühl, dass wir nicht mehr in die Zeit passten. Später wurde uns dann natürlich klar, dass Traffic sehr wohl einen Platz in der britischen Musikgeschichte hatten, und das belegten wir dann mit der Reunion von Traffic 1993. Wir hatten geplant erneut als Traffic zu touren, und das hätten wir auch getan, wenn Jim nicht viel zu früh von uns gegangen wäre. Auf SHORT CUT DRAW BLOOD arbeitete ich nicht mit Jim am Songwriting zusammen. Meine Rolle war, als Musiker bei einigen der Sessions zu spielen, und ich war an der Produktion beteiligt. Ich weiß, dass Jim seine eigenen musikalischen Ideen hatte, und seine Solowerke waren wohl die Vehikel für seine Musik, denn bei den Platten von Traffic war er darauf beschränkt, die Texte zu verfassen sowie Schlagzeug und Percussion zu spielen. Jim und ich nahmen uns gemeinsam die Zeit, uns aus allen Bereichen des Lebens inspirieren zu lassen. Wir verbrachten viele glückliche Stunden damit, auf dem Land umherzustreifen – hauptsächlich in England, manchmal auch in Wales – und dabei oft historische Stätten zu besuchen. Manchmal machten wir zufällige Bekanntschaften. Ich vermisse ihn immer noch sehr. SHORT CUT DRAW BLOOD ist ein angemessenes Vermächtnis und die Würdigung eines großen Mannes.“
(text: Paul Sexton)

Was macht eigenlitch: John Waite?

0

John Waite wäre gleich für mehrere „Was machen eigentlich?“-Seiten gut, hat er doch neben einer großen Solokarriere die Zugehörigkeit zu stilprägenden Rockbands wie The Babys und Bad English vorzuweisen. Da diese beiden Formationen aber nicht mehr existieren, streifen wir sie nur. Der heute 71-jährige Brite gründet die Babys mit Keyboarder Michael Cordy 1975 in London und hält in den Anfängen neben dem Mikro zusätzlich den Bass in der Hand. Nach eher moderaten Erfolgen landet man mit ›Isn’t It Time‹ 1977 und ›Everytime I Think Of You‹ 1979 zwei große Erfolge in den US-Charts. 1980 kommen Basser Ricky Phillips und Keyboarder Jonathan Cain hinzu. Mit den beiden spielt Waite Ende der 80er noch mal in der eingangs erwähnten und damals als Supergroup bezeichneten Truppe Bad English. Zuvor aber startet der Sänger nach der Auflösung der Babys 1981 solo richtig durch. ›Change‹ vom Debüt IGNITION wird zum Hit und NO BRAKES und ›Missing You‹ bringen den Briten endgültig ganz nach oben. Weitere erfolgreiche Alben wie MASK OF SMILES mit ›Every Step Of The Way‹ und ROVER’S RETURN mit ›These Times Are Hard For Lovers‹ folgen und machen die 80er zu DEM Waite-Jahrzehnt schlechthin. Zum Ausklang der Dekade dann Bad English und der Smasher ›When I See You Smile‹.

Mit „schlechtem Englisch“ ist 1992 aber schon wieder Schluss und Waite konzentriert sich auf sich selbst und veröffentlicht Platten wie TEMPLE BAR und WHEN YOU WERE MINE. Ersteres zählt Waite nach eigenen Angaben zu seinen besten Arbeiten überhaupt. Auch die 00er-Jahre erleben weitere Longplayer, die mal rockiger und mal eher akustisch ausfallen. Mit einer Neuauflage von ›Missing You‹ im Duett mit Alison Krauss schafft es Waite 2006 sogar in die US-Country-Charts. Auf Achse war und ist der Umtriebige bis heute, die Tour 2003 zusammen mit Ringo Starr & His All-Starr Band war ihm dabei sicher ein besonderes Anliegen. Die letzten Jahre haben vor allem Live-, Akustik-, und Hit-Compilations das Licht der Welt erblickt. 2019 haute Corona der Welt und Waite die bekannte Bremse rein. Das Bühnentier traf das natürlich besonders hart, wie Waite in den Interviews der 2022er Dokumentation „The Hard Way“ erzählt. Inzwischen dreht sich die Welt aber weiter und er ist fleißig auf Tour. Derzeit in den Vereinigten Staaten, wo er in Los Angeles lebt. Sein jüngster Release ist die EP ANYTHING. Die Erlöse der fünf Songs darauf kommen der Ukraine zugute. Und auch für nächstes Jahr tüftelt er an einem großen Projekt. Für September sind vier Shows in den Niederlan- den mit Barry Hay von Golden Earring und dem preisgekrönten Metropole Orchestra geplant. Als dritter Headliner ist Sharon den Adel von Within Temptation im Gespräch.

Video der Woche: Pink Floyd ›Learning To Fly‹

0

Wir senden herzliche Glückwünsche an Nick Mason. Der Pink-Floyd-Schlagzeuger feiert heute seinen 80. Geburtstag.

Nicholas Berkeley Mason gründete 1965 zusammen mit Syd Barrett, Roger Waters und Richard Wright die legendären Pink Floyd. Er ist das einzige Originalmitglied, das durchgehend Teil der Band und auf allen Alben vertreten ist.

So war er neben David Gilmour auch das einzige aktive Pink-Floyd-Mitglied auf ihrem 1987er Album A MOMENTARY LAPSE OF REASON. ›Learning To Fly‹ war die erste Singleveröffentlichung daraus.

Das Musikvideo wurde unter der Regie von Storm Thorgerson gedreht, einem langjährigen Wegbegleiter von Pink Floyd, der viele ihrer Albumcover entworfen hatte. Es wurde auf West Wind Ridge, einem Berg im Kananaskis Country in der Nähe von Canmore, etwa 50 bis 75 km westlich der Stadt Calgary, Alberta, während der Proben für die „A Momentary Lapse of Reason“-Tour gedreht. Das Video kombinierte Auftritte der Band mit der Geschichte eines indigenen Menschen, gespielt von dem kanadischen Schauspieler Lawrence Bayne, der auf einem Feld arbeitet. Nachdem er ein Flugzeug am Himmel erblickt hat, legt er die Sense nieder, steigt auf einen Berg, springt von einer Klippe und verwandelt sich schließlich in einen Rotschwanzfalken. Das Filmmaterial der Bühnenshow zeigt die Band bei der Aufführung von ›Learning To Fly‹, aber mit der farbenfrohen Lichtshow, die bei Live-Auftritten von ›One of These Days‹ verwendet wird. Das rot/orangefarbene Flugzeug ist eine Beech Model 17 Staggerwing.

Das Video erreichte im November 1987 Platz 9 im MTV Video Countdown und war die Nr. 60 der MTV Top 100 Videos von 1987. Es der Band ihren einzigen MTV Video Music Award für das „Beste Konzeptvideo“ im Jahr 1988 ein.

David Lee Roth: Macht sich über Wolfgang Van Halen lustig

0

Vor wenigen Tagen hat David Lee Roth damit angefangen, wieder regelmäßig witzige Erinnerungen und Geschichten in Kurzformat unter dem Titel „Roth Show“ auf seinem Youtube-Kanal zu veröffentlichen. Am 24.01. hat er einen neuen Kurzclip namens „This Crazy Kid“ veröffentlicht, ursprünglich „This fuckin‘ Kid“ genannt. In der von Roth persönlich gesprochenen Geschichte geht es um seine Erlebnisse mit Eddie Van Halens Sohn Wolfgang Van Halen – hier „this fuckin‘ kid“ genannt.

2006 hat Wolfgang Originalmitglied Michael Anthony am Bass ersetzt, da dieser die Band verlassen hatte. Es war die Zeit, als David Lee Roth wieder zu Van Halen zurückkehrte. Und genau um diese Zeit geht es auch in seiner gut fünfmiüntigen Online-Schmährede, in der Diamond Dave seinen Ex-Kollegen Wolfgang Van Halen als verzogenen, kleinen Jungen darstellt, der den Job nur wegen seines Vaters bekommen hatte und ihm gehörig auf die Nerven ging. Was genau diese verbale Attacke von David Lee Roth ausgelöst hat, ist bisher unklar. Wolfgang Van Halen selbst hat bisher noch nicht reagiert.

Melanie: Woodstock-Star verstorben

0

Melanie Safka ist im Alter von 76 Jahren verstorben. Das bestätigten die Kinder der Singer/Songwriterin in einem öffentlichen Statement. Unter dem schlichten Bühnennamen Melanie erlangte die Künstlerin durch ihren Auftritt am Woodstockfestival 1969 Bekanntheit. Ihr Auftritt dort inspirierte sie zum Lied ›Lay Down (Candles in the Rain)‹, der zu einem Hit in den Staaten wurde. In Deutschland wurde man auf Melanie aufmerksam, als sie 1970 den Rolling-Stones-Song ›Ruby Tuesday‹ coverte.

Mit ›Brand New Key‹ aus dem Jahr 1971 erlangte sie internationalen Erfolg und landete damit einen Nummer-1-Hit in den Staaten. Nach und nach verblasste Melanie Safkas Erfolgssträhne, trotzdem veröffentlichte die Künstlerin weiterhin regelmäßig Alben. Ihre letzte Platte erschien im Jahr 2010. 2022 hatte sie ihre letzten Auftritte gespielt. Ruhe in Frieden, Melanie!

https://www.youtube.com/watch?v=hlp3wmE4bbI

Eddie Van Halen: Ewiges Wunderkind

0

Eddie Van Halen gilt als einer der grandiosesten Rock-Gitarristen überhaupt. Richie Kotzen erklärt, was den Virtuosen so besonders macht.

1972 gründeten die Brüder Eddie und Alex Van Halen eine Band. Als Leadsänger holten sie die Jungs David Lee Roth dazu und zwar aus dem einfachen Grund, weil dieser stolzer Besitzer eines Soundsystems war. Der Rest ist sozusagen Geschichte.

Binnen kürzester Zeit erschütterte die Truppe die Clubszene in Los Angeles, wenig später die ganze Welt. Ihre ersten fünf Alben verkauften sich millionenfach. Als Hauptmerkmal von Van Halens Sound gilt bis heute unangefochten Eddie Van Halens Gitarrenspiel. Schon auf der Debütplatte setzte er mit dem Solo ›Eruption‹ völlig neue Maßstäbe.

Im CLASSIC ROCK-Feature „Die 100 besten Gitarristen“ erklärt Richie Kotzen, warum Eddie Van Halen einer der besten Gitarristen aller Zeiten ist:

Richie Kotzen über Eddie Van Halen:

„Ich muss zu meiner Schande gestehen: Das Erste, was ich von Eddie mitbekam, war sein Solo auf ›Beat It‹. Ich hörte die Nummer im Radio und dachte: „Unfassbar, wer ist dieser unglaubliche Gitarrist?“ Dann besorgte ich mir ein paar Van Halen-Platten und wollte von da an so spielen wie er. Ich mochte damals Sachen wie Ozzy und Sabbath, aber nachdem ich dieses Solo gehört hatte, sah meine Welt anders aus. Alle Leute reden immer von dem typischen Eddie-Van-Halen-Sound, aber für mich ist es sein Timing, sein Rhythmus­verständnis, seine Phrasierungen, die ihn einmalig machen. Was für Gitarren und Verstärker er benutzt, spielt meiner Meinung nach eine untergeordnete Rolle.

Als ich ihn das erste Mal spielen sah, bekam ich den besten Platz im Haus: Ich hatte zufällig denselben Gitarrentechniker wie er und durfte deshalb vor dem Gig auch in den kleinen Raum unter der Bühne, in dem seine Gitarren gestimmt wurden. Auch die Show war unglaublich – und ich saß in der ersten Reihe. Wow!“

Das letzte Wort: Beth Hart

0
Beth Hart-2019-Credit-Greg Watermann.press
by Greg Watermann

Die kalifornische Megastimme über Selbstzweifel, Vergebung, den perfekten Produzenten und die heilende Wirkung von Dankbarkeit. Wer auch nur einen Song von Beth Hart kennt, weiß, dass ungefilterte Emotion bei ihr keine Masche ist, sondern der Kern ihres Wesens. Dass ein Interview mit einem Tränenausbruch beginnt, ist aber auch für sie eher ungewöhnlich. Ihr Vater lag damals im Sterben, die Nerven lagen folglich blank, aber sie nahm sich dennoch die Zeit, um über ihre – grandiose – Platte WAR IN MY MIND zu sprechen. (2019)

Du sagtest in früheren Interviews, dass du jedes Mal denkst, du hättest völlig versagt, und dich für deine Arbeit schämst. Diesmal sei das aber erstmals nicht so gewesen…
Ja, ich denke eigentlich immer, dass ich scheiße bin. Aber ich versuche, mit steigendem Alter weniger scheiße zu sein! (lacht) Bei der ersten Platte mit Joe [Bonamassa] wollte ich beim Hören meiner Stimme nicht mehr nur noch kotzen.

Und was war bei WAR IN MY MIND so anders?
Die Antwort ist einfach: Rob Cavallo. Es geht ja nicht nur um meinen Gesang, sondern auch darum, wie die Songs aufgenommen werden. Ich habe mit tollen Produzenten gearbeitet, aber das war was ganz anderes. Rob gibt jeden Monat diese großen Dinnerpartys für Freunde und Familie, weil er so gerne kocht. Ich war bei einer dabei, und da stand dieses Klavier. Nun, irgendwann ließ ich mich dazu hinreißen, ein paar Sachen zu spielen, an denen ich gerade arbeitete. Und als er das hörte, sagte er: „Ich will das produzieren.“ Zuerst sagte ich nur für diese spezifischen Songs zu, aber die Zusammenarbeit war so unglaublich, dass es das ganze Album wurde.

Was macht ihn so außergewöhnlich?
Er zwingt einen zu nichts, ihn interessiert nur, wie du es fühlst, und das wird er dann aus dir herauszuholen versuchen. Der Prozess war ganz anders als sonst. Die meisten Songs enstanden, indem ich einfach wie bei einer Show Klavier spielte und sang. Ich musste also zu keinem Clicktrack spielen oder zu etwas, was der Schlagzeuger zuvor aufgenommen hatte. Nein, ich spielte die Sachen ganz allein so, wie ich sie fühlte, und die Band spielte dann später zu diesen Aufnahmen. Ich bin Rob so dankbar dafür, das war ein wahr gewordener Traum.

Einer der bewegendsten Songs auf WAR IN MY MIND ist ›Sister Dear‹.
Die meisten Leute glauben, es gehe darin um meine verstorbene Schwester Sharon, doch es geht um die andere, meine ältere Schwester Susan. Ich hatte viele Probleme mit ihr, in gewisser Weise gab ich ihr die Schuld an Sharons Tod, was furchtbar von mir war. Sie ist die Anführerin unserer Familie, viel stärker als ich oder irgendjemand von uns. Aber es war so weit gekommen, dass ich nicht mehr mit ihr sprechen wollte. Doch wir sind eine kleine Familie, wir haben einander das Versprechen gegeben, dass wir nie aufgeben und immer versuchen, die Dinge zu regeln. Also gingen wir zusammen zur Therapie, und als ich da über sie sprach, sagte der Therapeut, dass meine Worte von keinem liebevollen Ort kommen. Ich hatte schon immer die Befürchtung, nicht wirklich lieben zu können und nur egoistisch zu sein, also schämte ich mich sehr, als er das sagte. Ich ging sofort zu Susan und entschuldigte mich bei ihr. Seither ist unsere Beziehung besser denn je. Faszinierend ist auch, dass der Song mir sagte, was ich tun muss, nicht umgekehrt. Am Anfang war ich wie immer angepisst, du bist das Arschloch, alle anderen sind schuld, ich sag euch, wo‘s langgeht. Doch die Kunst hat ihre eigene Dynamik. Alles, was größer ist als wir, ob die Liebe, Gott oder Engel, kommt in der Kunst zu uns. Und der Song lehrte mich das: Es ging nicht darum, was ich von meiner Schwester will. Sondern darum, dass ich ihr das geben musste, was ich mir von mir erhoffte.

Eine ähnliche Erkenntnis scheint in dem Song ›Thankful‹ zu stecken.
Ja, wenn man durch die dunkelsten Zeiten geht, ist es der schwerste Moment, um dankbar zu sein. Doch das ist genau die Medizin, die du dann brauchst. Wann immer ich aufwache und alles hasse, mich selbst, die Welt, alle anderen, zwinge ich mich, die Liste der Dinge zu schreiben, für die ich dankbar bin. Und das Bemerkenswerte ist, dass alles auf dieser Liste umsonst ist. Diese Dinge kann jeder haben, egal wie viel Geld er hat, welche Hautfarbe und welchen Job. Ich musste dabei an die Mondschein-Sonate von Beethoven denken. Als ich die als Kind erstmals hörte, war das die Zeit, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass es da Schmerz in unserer Familie gab, zwischen meinen Eltern. Und dieses kleine Stück Musik sprach zu mir und sagte: „Ja, es ist gerade sehr dunkel. Aber ich schwöre bei Gott, dass da ein Licht ist, und dieses Licht wird dich finden.“ Immer wenn ich diesen Song singe, muss ich lächeln.

Aber gibt es nicht auch Schicksalsschläge, bei denen das nicht mehr hilft?
Durchaus, aber wir müssen uns daran erinnern, dass wir nicht alles auf dieser Daseinsebene geregelt kriegen müssen. Du kannst noch so viel vorhaben, aber das Leben hat seine eigenen Pläne. Vielleicht wird einiges erst passieren, nachdem wir von dieser Existenz weitergezogen sind. Ich sagte mal zu meinem Therapeuten: Ich liebe Gott, aber als er diese Idee hatte, dass wir sterben und uns von geliebten Menschen verabschieden müssen, was hat er sich da nur gedacht? Und er antwortete, dass wenn es den Tod nicht gäbe, unser Leben keine Bedeutung hätte, weil wir nie etwas zu verlieren hätten. Das leuchtete mir ein

Mark Knopfler: Neues Album ONE DEEP RIVER angekündigt

Am 12. April veröffentlicht Mark Knopfler sein 10. Studioalbum mit dem Titel ONE DEEP RIVER. Die Platte enthält 12 Songs, die sein unverkennbares Gitarrenspiel atmen und zwischen Folk, Blues, Americana und Classic Rock einzuordnen sind. Die erste Single „Ahead Of The Game“ gibt es schon jetzt zu hören. Eine wehmütige und wohl autobiografisch gesprenkelte Geschichte über einen Singer-Songwriter, der hart für seinen Erfolg kämpfen muss.

Die Band auf ONE DEEP RIVER besteht neben Mark Knopfler (Gitarre) aus Jim Cox und Guy Fletcher (Keyboard), Glenn Worf (Bass), Ian Thomas (Schlagzeug) und Danny Cummings (Percussion), Richard Bennett (Gitarre) und dem Newcomer Greg Leisz (Pedal- und Lap-Steel); Mike McGoldrick spielt Whistle und Uilleann Pipes, John McCusker Fiddle und die Topolski-Schwestern Emma und Tamsin übernahmen den Background-Gesang.