Nachdem Ozzy Osbourne sich letztes Jahr offiziell aus dem Tourgeschäft zurückgezogen hat, möchte der Prince Of Darkness an einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft noch zwei Abschiedskonzerte in seiner Heimat Birmingham spielen, wenn er wieder fit ist. Das erklärte seine Frau Sharon Osbourne am 22. Januar auf ihrer „Cut The Crap“ Spoken-Word-Tour in London.
„Er wird nicht wieder auf Tour gehen, aber wir planen zwei Shows, bei denen er sich verabschieden kann, weil er meint: „Ich habe mich nie ordentlich von meinen Fans verabschiedet und ich möchte anständig „Aufwiedersehen“ sagen.“, so zitiert der Rolling Stone Sharon Osbourne.
Sie erzählte außerdem, dass Ozzy großartig bei Stimme sei, weil er ständig singe und sich weiterhin ständig mit Musik umgebe. Vielleicht wird der Prince Of Darkness noch in diesem Jahr ein neues Album aufnehmen, den Nachfolger von PATIENT NUMBER 9 von 2022. Das zumindest erklärte Ozzy selbst in einem Interview im Jahr 2023 nach einer Rückenoperation.
Laut Interviewaussagen seiner Frau und Managerin Sharon gegenüber „Plante Rock“, möchte Ozzy Osbourne in seiner Geburtsstadt Birmingham eine Musikschule eröffnen, die außerdem Memorabilia aus der über 55 Jahre andauernden Karriere des Künstlers beherbergen soll. Neben einer Art Museum soll der Fokus vor allem auf musikalischer Bildung liegen. In einem Podcast im Oktober 2023 erklärte Sharon: „Es wird ein Café mit allen möglichen Instrumenten geben. Es soll Musikunterricht angeboten werden, weil es den an den Schulen inzwischen nicht mehr gibt. Wir wollen, dass andere Musiker, unsere Freunde, mitmachen.“
Weil der „Prince Of Darkness“ sich so sehr mit seiner Heimat verbunden fühle, würden er und Sharon demnächst auch wieder von Los Angeles zurück nach Birmingham ziehen. „Je älter man wird, desto mehr möchte man wieder zu den eigenen Wurzeln zurückkehren„, so Sharon. Auf den Gesundheitszustandes ihres Mannes angesprochen, scherzt seine Frau: „Ozzy hat sieben Leben. Er geht nirgendwohin. Wenn irgendwo eine Bombe geworfen wird, überleben Kakerlaken, Ozzy und Keith Richards.“
Wann das Museum und die Musikschule eröffnet werden sollen, ist bisher nicht bekannt.
Robin Zander (auf Bild rechts) von Cheap Trick verriet CLASSIC ROCK seine fünf Lieblingsalben.
Für Robin Zander scheint eine Rentenregelung nicht vorgesehen zu sein: Mit seiner Band Cheap Trick zieht er seit mehr als 40 Jahren unentwegt um den Planeten und zelebriert weiterhin einen offenbar nicht aus der Mode kommenden Classic Rock. Die Wahl seiner fünf liebsten Rockscheiben zeigt deutlich: Der Mann steht auf Klassiker.
AC/DC DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP (1976) Dieses Album erinnert mich an das großartigste Jahrzehnt der Rockmusikgeschichte, an die 70er. Damals war alles neu, man wusste noch nicht, wie man die vielen spannenden Eindrücke einordnen soll. AC/DC hatten schon damals einen eigenen unverwechselbaren Sound, eine eigene Handschrift, die man auf DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP in jeder einzelnen Note erkennen kann. Außerdem waren die Jungs immer echte Kollegen, tolle Kumpels, mit denen ich viele schöne Erlebnisse hatte. Am liebsten erinnere ich mich an ein riesiges Festival in Nürnberg auf dem Zeppelinfeld im September 1979 vor 100.000 Zuschauern, mit uns, AC/DC und The Who.
THE WHO LIVE AT LEEDS (1970) Womit wir schon bei meiner nächsten Lieblingsband und ihrem grandiosesten Album sind. So außergewöhnlich die Studioscheiben der Who auch gewesen sein mögen – allein TOMMY ist absolut genial – so explosiv waren Daltrey, Townshend & Co. auf der Bühne. Ich hatte die Band bis dato noch nie im Konzert erlebt, als LIVE AT LEEDS veröffentlicht wurde. Die Energie der Band blies mich förmlich um, dieser brachiale Sound, der absolut unpoliert klang. Wenn man die Platte zuhause auflegte und den Verstärker aufdrehte, hatte man das Gefühl, als ob man mitten zwischen Roger, John, Pete und Keith stehen würde.
THE BEATLES WHITE ALBUM (1968) Was soll man über die Beatles sagen, was nicht schon Millionen vor mir gesagt haben? Sie sind und waren nicht nur für Cheap Trick immer ein riesiges Vorbild, sondern für Musiker aller Generationen. Für mich ist das Weiße Album deshalb so ungewöhnlich, weil es die erste psychedelische Rockscheibe war, die ich jemals gehört und natürlich auch sofort gekauft habe. Welche Songs soll man hervorheben? ›Back In The USSR‹? Sicherlich. ›Ob-La-Di, Ob-La-Da‹? Natürlich auch. Aber ebenso ›Glass Onion‹, ›Piggies‹ und ›Long, Long, Long‹. Es sind so unglaublich viele tolle Kompositionen auf dieser Scheibe, man muss sie wirklich vom ersten bis zum letzten Ton hören.
The BEACH BOYS PET SOUNDS (1966) Alles das, was ich eben über das Weiße Album der Beatles gesagt habe, gilt letztendlich auch für PET SOUNDS von den Beach Boys: Es war ein psychedelisches Meisterwerk, das unzählige Musiker nachhaltig beeinflusst hat. Ich kaufte mir diese Scheibe etwa ein Jahr vor dem Beatles-Album und war hingerissen vom Sound, vom Thema, vom Flair, von allem. Und im Gegensatz zum Weißen Album kann ich bei PET SOUNDS auch drei Nummern hervorheben, die mich als Musiker maßgeblich beeinflusst haben: ›Wouldn‘t It Be Nice‹, ›You Still Believe In Me‹ und ›That‘s Not Me‹.
THE ROLLING STONES GOATS HEAD SOUP (1973) Im Falle der Stones fällt es mir besonders schwer, ein einzelnes Album herauszupicken. STICKY FINGERS war großartig, EXILE ON MAIN STREET eine Offenbarung, aber mindestens ebenso gut und im Gegensatz zu den beiden gerade erwähnten Scheiben war GOATS HEAD SOUP eine der am häufigsten unterbewerteten Veröffentlichungen der Rockgeschichte. Jeder Song auf dieser Platte ist zum Niederknien, sei es das rollende ›Silver Train‹, das fabelhafte ›Angie‹, das treibende ›Star Star‹, das ja eigentlich ›Star Fucker‹ heißen sollte, oder auch das melancholische ›Winter‹. Was soll ich sagen? Ein Meisterwerk!
„Es hört sich einfach nur nach sich selbst an“, meint Julian Cope über Cans Klassiker TAGO MAGO. Und trotzdem lebt der innovative Einfluss der Band bis heute weiter.
55 Jahre nach ihrem Debüt klingen Can immer noch wie keine andere Band auf diesem Planeten. Die Alben, die sie in den frühen 70ern veröffentlichten, enthalten unfassbar mysteriöse und einflussreiche Klangwelten und haben die Geschmäcker von Größen wie John Lydon, Jaz Coleman oder Primal Scream und Sonic Youth geprägt. Can wurde 1968 vom Pianisten Irmin Schmidt und Bassist und Studio-Techniker Holger Czukay gegründet.
Unverzichtbar
TAGO MAGO (United Artists, 1971)
Irmin Schmidt sagt, dass Can „immer nach einem Meisterwerk“ strebten. Mit TAGO MAGO – der Platte, von der John Lydon sagt, sie habe ihn zum Musikmachen inspiriert – setzten sie einen neuen Maßstab. Ihr drittes Album war eine Projektionsfläche okkulter Stärke, die sich über zwei LPs erstreckte – es entfesselte den Monster-Funk ›Halleluwah‹, die hinterlistigen Erschütterungen von ›Peking O‹, sowie die postapokalyptischen Knaller ›Oh Yeah‹ und ›Bring Me Coffee Or Tea‹. Das dreiteilige ›Aumgn‹ nahm eine ganze Seite ein, wobei Czukays Editier-Stil der damaligen Art des Sampelns um Jahre voraus war. TAGO MAGO startete den Countdown für die Musik des 21. Jahrhunderts.
EGE BAMYASI (United Artists; 1972)
Mit ›Spoon‹ landeten Can in Deutschland einen Top-Ten-Hit, nachdem der Song als Titelmelodie für den Fernseh-Thriller „Das Messer“ benutzt worden war. Der Erfolg bedeutete, dass sie ein altes Kino in Weilerswist mieten konnten, um ihr nächstes Album EGE BAMYASI (Okraschoten auf Türkisch) aufzunehmen. Das Studio steuerte maßgeblich zum Sound bei, man mischte barocke Schönheit (›Vitamin C‹) mit hypnotischer Ruhe (›Swing Swan Song‹) und metronomischem Future-Funk (›One Mare Night‹), auch wenn ›Soup‹ und ›Pine‹ andeuteten, dass ein spontaner Flächenbrand drohte. Bei ihren Konzerten spielte die Band zu dieser Zeit stundenlang und nutzte die Songs lediglich als Sprungbretter ins Unbekannte.
Wunderbar
MONSTER MOVIE (United Artists, 1969)
Sie hatten bereits vorher ein Album mit dem Titel PREPARE TO MEET MY PNOOM aufgenommen, das die Plattenfirmen jedoch völlig verstört hatte. Trotzdem nahmen sie selbstbewusst zwei Tracks von jenem Album und bauten das heiße ›Father Cannot Yell‹ zu einem Trance-Rock-Monster und ›Outside My Door‹ zu einer Punkversion um. Karolis Violinpart in ›Mary Mary‹ spiegelt den Einfluss der Velvets wider und taucht dann in den Funk von Czukays minimalistischem Bass. Cans Herangehensweise war eine Herausforderung für Mooney. Sein Therapeut riet ihm, sich schnellstmöglich zu verabschieden.
SOUNDTRACKS (United Artists, 1970)
Cans Debütnachfolger setzt sich aus Filmmusik zusammen und fungierte als Brücke zwischen der Mooney- und der Suzuki-Ära. Ersterer schmachtete auf ›She Brings The Rain‹ und krächzte auf ›Soul Desert‹, aber Suzuki wies den Weg nach vorn – er war Czukay aufgefallen, als er vor einem Café auf der Straße sang. Er fragte ihn, ob er beim Gig am selben Abend mitmachen wolle. Seine intensive Performance wurde auf ›Don’t Turn The Light On, Leave Me Alone‹ eingefangen. ›Mother Sky‹ ist ein Vorzeigeprojekt von Karoli, während der Soul-Hybrid ›Tango Whiskyman‹ tatsächlich eine traditionelle Liedstruktur hat.
FUTURE DAYS (United Artists, 1973)
Cans Run in den frühen 70ern ging mit FUTURE DAYS weiter. Das Album stellt einen Meilenstein innerhalb der Ambient- und Weltmusik dar, vor allem dank Liebezeits übermenschlich-maschinellem Schlagzeugspiel. Der Titeltrack schimmert, die rasenden Sound-Schnellen in ›Spray‹ zeigen die Band in vollem Glanz, während die gesamte zweite Seite den 20 Minuten von ›Bel Air‹ gewidmet ist. Auf der anderen Seite gibt es ›Moonshake‹ zu hören, Cans Version eines Popsongs. Leider folgte dem Album Suzukis Abgang: Er trat den Zeugen Jehovas bei und kehrte erst 1983 zur Musik zurück – nicht mit Can.
THE LOST TAPES (Spoon/Mute 2012)
Auf Cans früher Kompilation, der UNLIMITED EDITION von 1976, klopften sie seltene Songs ihrer ersten acht Jahre ab. THE LOST TAPES hob derlei Tun auf ein neues Niveau, da sich Schmidt und sein Schwiegersohn Jono Podmore durch Archive ackerten, die über 40 Stunden Filmmusik, Jams, Demos und sogar Aufnahmen aus Toiletten bereit hielten, alles aufgenommen zwischen 1968 und 1975. Nach monatelanger Bearbeitung brachte Podmore eine alternative Bandgeschichte ans Licht, die sich über drei CDs erstreckte. Für Fans dürfte das geisteskranke ›Streetcar‹ ein Erweckungserlebnis darstellen.
Anhörbar
SOON OVER BABALUMA (United Artists, 1974)
Cans erstes Album ohne Suzuki machte klar: Als Sänger war er nicht zu ersetzen. Also flüsterten Karoli und Schmidt selbst über die extraterrestrischen Klänge von ›Dizzy Dizzy‹, über die derangierte Polkastruktur von ›Come Sta, La Luna‹ oder das skelettöse ›Quantum Physics‹. ›Splash‹ wiederum galoppiert wie Sun Ra’s Arkestra mit Vollgas über kosmische Latino-Jazz-Motorik, bevor die Techno-Welt von ›Chain Reaction‹ mit einem funky Soul á la Booker T kollidiert. Wirklich unfassbar ist, dass Can ihre sphärische Musik immer noch auf zwei Spuren aufnahmen. Ihre letzte wirklich großartige Platte!
LANDED (Virgin, 1977)
Can verließen ihr Raumschiff, als sie LANDED bei Virgin herausbrachten. Bis heute wird es gerne als Cans Antwort auf den Glamrock gepriesen. Die aufgeweckte Herangehensweise auf ›Full Moon On The Highway‹ oder ›Hunters And Collectors‹ mag diese Beschreibung in irgendeinem Paralleluniversum unterstützen. ›Half Past One‹ erkundete seltsame lyrische Pfade. ›Unfinished‹ verfolgte die Ambient-Richtung weiter und ›Vernal Equinox‹ bewies, dass sie nicht komplett verrückt geworden waren. Ein TV-Auftritt bei „The Old Grey Whistle Test“ zeigt jedoch, wie Irmin Schmidt sein Keyboard mit Karate-Schlägen traktiert…
SAW DELIGHT (UDR, 2015)
Eine Generation von Punks hörte erstmals von Can, als John Lydon von ihnen sprach. Damals hatte sich die Band aber schon einen Disco- und Weltmusik-freundlichen Charakter verpasst. Sie stellten Bassist Rosko Gee und Perkussionist Rebop Kwaku Baah an. Das 15-minütige ›Animal Waves‹ bettet Schmidts und Karolis Sprünge unter eine perkussive Brutlampe, obwohl Liebezeit hier eher kitzelt statt angreift. Der ursprüngliche Geist verflüchtigte sich zunehmend, was man den schwachen Nachfolgern OUT OF REACH und CAN auch anhört. Erst Mooney brachte für die Reunion-Platte RITE TIME (1989) die Kauzigkeit zurück.
Sonderbar
FLOW MOTION (Virgin, 1976)
Die Alben, die Can bei Virgin aufnahmen, konnten nicht ansatzweise gegen ihre früheren Werke anstinken. FLOW MOTION ist vielleicht ihre unwichtigste Platte. Schockierend eingängige Lieder wie ›Babylonian Pearl‹ oder ›Laugh Till You Cry, Live Till You Die‹ klingen nach einer Band, die sich freimütig dem Mainstream zuwendet, dabei aber immerhin über sich lachen kann. Ein Highlight ist zweifellos ›I Want More‹, dessen lebhaftes Disco-Glucksen den Track immerhin in die Top 30 der UK-Charts brachte und deshalb bei „Top Of The Pops“ vorgestellt wurde. Klar ist das Album immer noch einzigartig, aber weit entfernt vom Zenit.
TURBO ist ein wahrer Meilenstein der Heavy-Metal-Historie. Ein Album, das bei Erscheinen 1986 die Fanmassen spaltete, Unmengen neuer Priest-Maniacs generierte und Rob Halford, Glenn Tipton, K.K. Downing, Ian Hill und Dave Holland in den USA in Mainstream-Rockstars verwandelte. Bassist Ian Hill lässt im Gespräch mit CLASSIC ROCK noch einmal die glorreiche Geschichte mitsamt Gitarrensynthesizern, Halfords überstandener Drogensucht und den Querelen mit Tipper Gores PMRC Revue passieren.
Ian, TURBO war eines der bahnbrechenden Werke der 80er und das erste Heavy-Metal-Album, auf dem Gitarren- und Basssynthesizer den Ton angaben. Wo startete die Reise zu dieser Neuausrichtung des Priest’schen Sounds? Das passierte alles eher zufällig. Uns fielen die Gitarrensynthesizer von Roland zum richtigen Zeitpunkt sprichwörtlich in die Hände. Unsere damals noch aktuelle Platte DEFENDERS OF THE FAITH (1984) war eine reinrassige Metal-Scheibe und wir hielten Ausschau nach etwas Neuem. Die Synthesizer brachten frischen Wind in den Judas- Priest-Kontext, da wir uns einig waren, dass unsere Songs auch weiterhin unsere Trademarks beinhalten sollten. Es machte riesigen Spaß mit dieser damals ganz neuen Technik herumzuexperimentieren, Grenzen auszuloten und von uns zuvor nie gehörte Klänge zu kreieren.
Auch textlich gab es auf TURBO eine neue Route. Rob Halfords Lyrics drehten sich nicht um die typischen – von euch in den 70s manifestierten – Metal-Themen, sondern um Liebe und Beziehungen. Das waren schlichtweg Dinge, die ihn damals beschäftigten. Dem Rest von uns war es nur lieb und recht, denn in dieser Zeit trieb Tipper Gore mit der PMRC in den USA ihr Unwesen. Es gab viel Zensur und mit in deren Augen „anstößigen“ Tracks konnte man sich im Handumdrehen eine ganze Albumkampagne versauen … es war ein wahrer Spießrutenlauf! (lacht) Der ganze von Gore verzapfte Quatsch inspirierte uns zu ›Parental Guidance‹, mit dem wir dem Spießbürgertum hoffentlich einen kleinen Denkanstoß gaben.
Auf Gores „Filthy-Fifteen-Hitliste“ seid ihr mit ›Eat Me Alive‹ (von DEFENDERS OF THE FAITH) sogar auf Platz drei hinter Prince und Sheena Easton vertreten. (lacht) Na ja, zuallererst wären wir extrem enttäuscht gewesen, wenn wir nicht auch in den Filthy Fifteen gelandet wären! Rückblickend kann ich mir immer noch nicht herleiten, was diese Frau in den 80ern ritt. Sie ging mit blindem Hass zu Werke. Allerdings gab es damals solche Sittenwächter auf dem ganzen Globus, und wenn du nicht in ihr Weltbild passtest, machten sie dir das Leben verdammt schwer. Egal, auf den dritten Platz sind wir natürlich nach wie vor stolz! (lacht)
Als die Aufnahmen für TURBO in den Compass Point Studios auf den Bahamas anstanden, war Halford nach langer Zeit zum ersten Mal wieder suchtfrei. Hmmm, er war vielleicht zur Hälfte clean … wenn man das so nennen kann! (lacht) Rob konsumierte alle möglichen Sachen in den 80ern. Man muss den Umstand aber auch etwas relativieren, denn es waren für uns auch harte Zeiten. Priest spielten fast nonstop auf irgendeinem Kontinent Konzerte, ohne Pause ging’s dann ins Studio, um ein paar Monate später wieder auf Tour zu gehen. Das steckt jeder anders weg und einige kompensieren den Stress, den dieser Job mit sich bringt, mit gewissen Substanzen. Nassau war für ihn und uns eine sehr gute Wahl, denn es gab neben den Aufnahmesessions eine Menge Freizeitmöglichkeiten und ein florierendes Nachtleben. Halford nutzte die Gunst der Stunde und entgiftete sich komplett, bevor er seinen Gesang auf Band legte. Diesen Sieg über seine Dämonen spürt man förmlich auf TURBO.
TURBO besitzt einen der tightesten Schlagzeugsounds der 80er. Hand aufs Herz: Spielt hier wirklich Dave Holland oder kam wie auf RAM IT DOWN (1988) ein Drumcomputer zum Einsatz? Die Drumtracks waren nicht programmiert, sondern nur getriggert. Auf Daves Fellen platzierten unsere Techniker kleine Sensoren, die das abgenommene Signal in einen Schlagzeugsynthesizer weiterleiteten. Damit verschafften wir uns auch bei den Beats einen gewissen Spielraum, um sie parallel zum Gitarrensynth laufen zu lassen. Natürlich landete im Mix auch ein Anteil des akustischen Schlagzeugsounds, um etwas organisches Flair in die Rhythmus-Spuren zu zaubern.
TURBO sollte eigentlich ein Doppelalbum namens TWIN TURBOS werden. Warum fielen elf der 20 aufgenommenen Stücke 1986 (vorerst komplett) der Schere zum Opfer? Ja, das war der Plan, allerdings machte uns die Plattenfirma einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Ihnen war das Risiko zu groß, ein teures Doppelalbum auf den Markt zu bringen, denn sie fürchteten wegen des hohen Verkaufspreises massive Einbußen. Also suchten wir – da es an dieser Entscheidung nichts zu rütteln gab – jene Tracks aus, die am besten zusammenpassten und hoben unsere Favoriten aus den Sessions für die kommende Platte auf.
Inzwischen sind bis auf ›Under The Gun‹ und ›Fighting For Your Love‹ alle Stücke des kompletten TWIN-TURBOS-Projekts auf RAM IT DOWN und als Bonus auf anderen Veröffentlichungen dem Fan zugänglich gemacht worden. TURBO 30 wäre doch die perfekte Chance gewesen, diese zwei „verlorenen“ Songs ans Licht der Welt zu bringen? Ich habe nicht die leiseste Ahnung warum das nicht gemacht wurde! Irgendjemand wird sich dabei wohl etwas gedacht haben …
Hattet ihr, als TURBO in seiner finalen Form in den Plattenläden stand, eine Vorahnung, welchen historischen Stellenwert dieses – letztlich auch kontroverse – Album in eurem Backkatalog einnehmen würde? Ja, wir waren uns voll bewusst, dass diese Scheibe einiges an Trubel verursachen würde und unsere „traditionellen“ Fans sicher ein paar Problemchen mit dem Sound haben dürften. So trat es dann auch ein, und Priest verloren ein paar langjährige Wegbegleiter. Auf der anderen Seite gewannen wir eine Menge neuer Fans dazu, die zahlenmäßig wesentlich mehr waren als die, die uns den Rücken gekehrt hatten. Man muss natürlich zugeben, dass einige der Songs schon eine sehr kommerzielle Linie einschlugen. Jedoch hatte die gesamte Band damals diesen einen Sound im Kopf und es wäre uns selbst gegenüber unehrlich gewesen, wenn wir einen anderen Weg gewählt hätten. TURBO genoss mit seinem Stil in den USA hohes Ansehen und die Radiostationen erkoren uns zu einem ihrer liebsten Acts.
Insgesamt habt ihr rückblickend alles richtig gemacht. TURBO genießt Legendenstatus und brachte euch im ersten Jahr Gold und Platin in den Vereinigten Staaten ein. Das ist korrekt und die Erinnerungen an diese großartige Zeit erfreuen mich jedes Mal aufs Neue!
Wir gedenken einer der größten Stimmen des klassischen Rocks. Heute vor zwei Jahren verstarb Meat Loaf in einem Krankenhaus in Nashville.
Michael Lee Aday alias Meat Loaf war ein wahrlich voluminöser Charakter. Stimmtlich konnten ihm nur wenige das Wasser reichen und auch seine Erscheinung (seine Körperfülle brachte ihn zu seinem Künstlernamen) und sein Auftreten waren bombastisch.
Meat Loaf begann seine Karriere vor allem in diversen Musicals wie „Hair“ oder „The Rocky Horror Show“. Bei einem Vorsingen lernte er den Komponisten Jim Steinman kennen, welcher begeistert von seiner Stimme war. Sie beschlossen, miteinander zu arbeiten. 1977 veröffentlichten die beiden Künstler BAT OUT OF HELL, Meat Loafs Solodebüt und sein bis heute erfolgreichstes Album.
›You Took The Words Right Out Of My Mouth‹ war die erste Singleauskopplung daraus. Meat Loaf hatte Steinman gebeten, einen Song zu schreiben, der „nicht 15-20 Minuten lang, und außerdem ein Popsong sei“. Anfangs war er nicht sonderlich erfolgreich, weil er den meisten Kritikern zu theatralisch war. Erst als B-Seite von ›Paradise By The Dashboard Light‹ wurde er richtig wahrgenommen.
… you got the best. Das war das Mantra von Kiss, als sie sich 1974 aufmachten, um von den New Yorker Clubs aus die Welt zu erobern. Doch es sollte ein langer, harter Kampf werden, bevor der Rest der USA auf sie aufmerksam wurde.
Als Kiss im November 1973 in den Bell Sounds Studios in New York mit der Arbeit an ihrem Debütalbum begannen, war es ihr schierer Siegeswille, der den größten Eindruck bei den zwei Männern hinterließ, die es co-produzierten, Kenny Kerner und Richie Wise. Letzterer erinnerte sich: „Das Verlangen, riesig zu sein, das Verlangen, vom Fleck weg an die Spitze zu stürmen, das war das Fundament, auf dem Kiss erbaut wurden. Nichts und niemand würde sie aufhalten, die größte Band der Welt zu werden. Sie wollten Rock’n’Roll-Geschichte schreiben.“
Der Traum wurde wahr, aber nicht ohne einen langen, harten Kampf. So viel Hype die Band mit ihrem überlebensgroßen Image auch generiert haben mag und so beliebt sie als provokativer, direkt an die Gurgel gehender Live-Act auch geworden sein mögen, gab es dennoch eine Zeit von fast zwei Jahren, in der sie sich einen Hit nicht mal hätten kaufen können. Das selbstbetitelte Debüt fand gerade mal 75.000 Käufer. Der Zweitling, HOTTER THAN HELL, verkaufte sich besser, kam in den US-Charts aber dennoch nicht über Platz 100 hinaus. Das dritte Album, DRESSED TO KILL, schaffte es fast in die Top 30, doch die große Hymne ›Rock And Roll All Nite‹ floppte als Single. Erst im vierten Anlauf traffen Kiss schließlich ins Schwarze – das explosive Live-Doppelalbum ALIVE! wurde zu ihrem ersten Millionenseller.
Doch trotz all dieser Anlaufschwierigkeiten verlor Richie Wise nie den Glauben an das, was er in Kiss sah – den Glauben an sich selbst und das brennende Verlangen nach Ruhm und Ehre. Wie Gitarrist und Sänger Paul Stanley sagte: „Zweifel sind Gift. Hindernisse sind das, was du siehst, wenn du deine Ziele aus den Augen verlierst. Letztendlich wirst du einige Schlachten verlieren, aber den Krieg gewinnen. Andere Leute haben vielleicht geglaubt, dass wir es nicht schaffen würden, aber für uns war ein Scheitern inakzeptabel.“
Für Bassist Gene Simmons war der Erfolg von Kiss im Wesentlichen ein Triumph über die Angst: „Die meisten Menschen fürchten sich davor, lächerlich gemacht zu werden, aber ich wollte es so sehr, dass dieser Spott für mich bedeutungslos war, solange es auch nur einen Funken Hoffnung gab, dass ich irgendwann wild verehrt werden würde und alle Frauen Kinder von mir haben wollen würden. Wir alle streben danach, aber nur wenige von uns haben den Willen, wirklich ganz nach oben zu klettern“.
Es hieß ›Stanley The Parrot‹, das nette kleine Liedchen von Gene Simmons, das dann wie durch Magie in den breitbeinigen, sexuell aufgeladenen Song verwandelt wurde, mit dem Kiss sich der Welt vorstellten. Der Titel war dabei kein Witz von Simmons über Paul Stanley. Die beiden waren sich nämlich noch gar nicht begegnet, als Gene diese seltsame Nummer mit dem psychedelischen Klang und dem abstrakten Text schrieb. Doch als sie sich 1970 erstmals trafen, war sie eine der ersten, die Gene Paul vorspielte. Und sie hatte etwas, das Paul nicht mehr aus dem Kopf ging – eine Akkordstruktur, die perfekt für einen Kiss-Song im Stil des Stones-Klassikers ›Brown Sugar‹ war.
„Wir wussten, was für ein Sound uns vorschwebte“, sagte Paul. Für den Text ließ er sich von den Glamour-Königinnen der New Yorker Rockstene und den Geheimnissen in Bob Dylans ›Just Like A Woman‹ inspirieren. Und es war dieser Song, ›Strutter‹ – eine New Yorker Geschichte mit einem New Yorker Groove –, der als erster Track für das erste Kiss-Album auserkoren wurde.
Im Sommer 1973, bevor Kenny Kerner und Richie Wise als Produzenten engagiert wurden, hatte die Band schon Demos von ›Strutter‹ und einigen anderen Schlüsselsongs – ›Deuce‹, ›Firehouse‹ und ›Black Diamond‹ – mit einem Mann aufgenommen, der an einigen der größten und wichtigsten Rockplatten der späten 60er und frühen 70er gearbeitet hatte.
Eddie Kramer, ein Südafrikaner im Exil, war Aufnahmetechniker bei den Beatles (›All You Need Is Love‹), den Rolling Stones (THEIR SATANIC MAJESTIES REQUEST), Jimi Hendrix Experience (ARE YOU EXPERIENCED, AXIS: BOLD AS LOVE und ELECTRIC LADYLAND) sowie Led Zeppelin (LED ZEPPELIN II und HOUSES OF THE HOLY) gewesen. Angesichts dieses beeindruckenden Lebenslaufs waren Kiss begeistert über die Zusammenarbeit mit ihm. Wie Paul sagte: „Ich war schon seit meinen frühen Teenager-Jahren sehr anglophil gewesen. Alle Bands, die mich inspirierten, kamen aus Großbritannien. Und ich vergötterte die Beatles“. Doch während Kramer den Ruf hatte, waren es Kerner und Wise, die genau den Kontakt hatten, der sich bezahlt machen sollte – für sie und in nicht unwesentlichem Maße für Kiss.
Neil Bogart, ein großkotziger Plattenboss, hatte 1973 ein neues Label gegründet: Casablanca Records, eine Referenz an seinen berühmten Namensvetter Humphrey Bogart. Kerner und Wise hatten sich erstmals mit Bogart zusammengetan, als er als Chef des Labels Karma Sutra die Band Dust unter Vertrag genommen hatte, ein New Yorker Powertrio, in dem Wise neben Bassist Kenny Aaronson (später by Joan Baez und Billy Idol) und Schlagzeuger Marc Bell (später unter dem Namen Marky Ramone bekannt) Gitarre spielte.
Kerner schrieb mit Wise alle Songs der Band. Außerdem co-produzierten sie zum ersten Mal bei jener Platte, die sich als die letzte von Dust erweisen würde, HARD ATTACK. Ihre nächste Produktion, der Scherzsong ›Back When My Hair Was Short‹ von Gunhill Road, erreichte die Top 20. Danach folgten noch mehr Hits. Und es war diese Partnerschaft zwischen dem Plattenfirma-Mogul und den smarten Produzenten, die Kiss zum ersten Act auf Casablanca Records werden ließ.
„Neil Bogart hinterließ vor seinem Büro Demobänder für mich“, sagte Kerner. „Ich kam einmal die Woche vorbei und holte sie ab.“ Es war ein Freitagabend, an dem Kerner das Kiss-Demo hervorholte, das Kramer aufgenommen hatte, und wie er sich erinnerte: „Es blies mich einfach nur um. Ich sagte: ‚Scheiße, das ist exakt die Art von Material, die Neil auf Casablanca haben sollte – eine echte, glaubwürdige Rockgruppe‘. Am Montag brachte ich das Band zu ihm zurück und sagte: ‚Du musst diese Typen signen‘. Und so begann unser Verhältnis mit Kiss.“
In den Le Tang Ballet Studios, direkt gegenüber den Bell Sound Studios, sahen Kerner und Wise Kiss zum ersten Mal live spielen. Danach hatten sie eine einfache Devise für die Aufgabe, die vor ihnen lag: „Wir beschlossen, dass dies ein richtiges Album von der Straße sein musste, richtig roh“, so Kerner. „Genau so, wie sie live auch waren.“
Am 8. März veröffentlichen Judas Priest ihr neues Album INVINCIBLE SHIELD. In letzter Zeit gab es bereits die ersten beiden Singles ›Panic Attack‹ und ›Trial By Fire‹ zu hören, jetzt legen die Metal Gods einen weiteren Song von der neuen Platte nach. ›Crown Of Horns‹ wird von einem Lyric-Video begleitet.
Ab März sind Judas Priest in folgenden deutschen Städten unterwegs: