0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 75

Eddie Van Halen: Ewiges Wunderkind

0

Eddie Van Halen gilt als einer der grandiosesten Rock-Gitarristen überhaupt. Richie Kotzen erklärt, was den Virtuosen so besonders macht.

1972 gründeten die Brüder Eddie und Alex Van Halen eine Band. Als Leadsänger holten sie die Jungs David Lee Roth dazu und zwar aus dem einfachen Grund, weil dieser stolzer Besitzer eines Soundsystems war. Der Rest ist sozusagen Geschichte.

Binnen kürzester Zeit erschütterte die Truppe die Clubszene in Los Angeles, wenig später die ganze Welt. Ihre ersten fünf Alben verkauften sich millionenfach. Als Hauptmerkmal von Van Halens Sound gilt bis heute unangefochten Eddie Van Halens Gitarrenspiel. Schon auf der Debütplatte setzte er mit dem Solo ›Eruption‹ völlig neue Maßstäbe.

Im CLASSIC ROCK-Feature „Die 100 besten Gitarristen“ erklärt Richie Kotzen, warum Eddie Van Halen einer der besten Gitarristen aller Zeiten ist:

Richie Kotzen über Eddie Van Halen:

„Ich muss zu meiner Schande gestehen: Das Erste, was ich von Eddie mitbekam, war sein Solo auf ›Beat It‹. Ich hörte die Nummer im Radio und dachte: „Unfassbar, wer ist dieser unglaubliche Gitarrist?“ Dann besorgte ich mir ein paar Van Halen-Platten und wollte von da an so spielen wie er. Ich mochte damals Sachen wie Ozzy und Sabbath, aber nachdem ich dieses Solo gehört hatte, sah meine Welt anders aus. Alle Leute reden immer von dem typischen Eddie-Van-Halen-Sound, aber für mich ist es sein Timing, sein Rhythmus­verständnis, seine Phrasierungen, die ihn einmalig machen. Was für Gitarren und Verstärker er benutzt, spielt meiner Meinung nach eine untergeordnete Rolle.

Als ich ihn das erste Mal spielen sah, bekam ich den besten Platz im Haus: Ich hatte zufällig denselben Gitarrentechniker wie er und durfte deshalb vor dem Gig auch in den kleinen Raum unter der Bühne, in dem seine Gitarren gestimmt wurden. Auch die Show war unglaublich – und ich saß in der ersten Reihe. Wow!“

Das letzte Wort: Beth Hart

0
Beth Hart-2019-Credit-Greg Watermann.press
by Greg Watermann

Die kalifornische Megastimme über Selbstzweifel, Vergebung, den perfekten Produzenten und die heilende Wirkung von Dankbarkeit. Wer auch nur einen Song von Beth Hart kennt, weiß, dass ungefilterte Emotion bei ihr keine Masche ist, sondern der Kern ihres Wesens. Dass ein Interview mit einem Tränenausbruch beginnt, ist aber auch für sie eher ungewöhnlich. Ihr Vater lag damals im Sterben, die Nerven lagen folglich blank, aber sie nahm sich dennoch die Zeit, um über ihre – grandiose – Platte WAR IN MY MIND zu sprechen. (2019)

Du sagtest in früheren Interviews, dass du jedes Mal denkst, du hättest völlig versagt, und dich für deine Arbeit schämst. Diesmal sei das aber erstmals nicht so gewesen…
Ja, ich denke eigentlich immer, dass ich scheiße bin. Aber ich versuche, mit steigendem Alter weniger scheiße zu sein! (lacht) Bei der ersten Platte mit Joe [Bonamassa] wollte ich beim Hören meiner Stimme nicht mehr nur noch kotzen.

Und was war bei WAR IN MY MIND so anders?
Die Antwort ist einfach: Rob Cavallo. Es geht ja nicht nur um meinen Gesang, sondern auch darum, wie die Songs aufgenommen werden. Ich habe mit tollen Produzenten gearbeitet, aber das war was ganz anderes. Rob gibt jeden Monat diese großen Dinnerpartys für Freunde und Familie, weil er so gerne kocht. Ich war bei einer dabei, und da stand dieses Klavier. Nun, irgendwann ließ ich mich dazu hinreißen, ein paar Sachen zu spielen, an denen ich gerade arbeitete. Und als er das hörte, sagte er: „Ich will das produzieren.“ Zuerst sagte ich nur für diese spezifischen Songs zu, aber die Zusammenarbeit war so unglaublich, dass es das ganze Album wurde.

Was macht ihn so außergewöhnlich?
Er zwingt einen zu nichts, ihn interessiert nur, wie du es fühlst, und das wird er dann aus dir herauszuholen versuchen. Der Prozess war ganz anders als sonst. Die meisten Songs enstanden, indem ich einfach wie bei einer Show Klavier spielte und sang. Ich musste also zu keinem Clicktrack spielen oder zu etwas, was der Schlagzeuger zuvor aufgenommen hatte. Nein, ich spielte die Sachen ganz allein so, wie ich sie fühlte, und die Band spielte dann später zu diesen Aufnahmen. Ich bin Rob so dankbar dafür, das war ein wahr gewordener Traum.

Einer der bewegendsten Songs auf WAR IN MY MIND ist ›Sister Dear‹.
Die meisten Leute glauben, es gehe darin um meine verstorbene Schwester Sharon, doch es geht um die andere, meine ältere Schwester Susan. Ich hatte viele Probleme mit ihr, in gewisser Weise gab ich ihr die Schuld an Sharons Tod, was furchtbar von mir war. Sie ist die Anführerin unserer Familie, viel stärker als ich oder irgendjemand von uns. Aber es war so weit gekommen, dass ich nicht mehr mit ihr sprechen wollte. Doch wir sind eine kleine Familie, wir haben einander das Versprechen gegeben, dass wir nie aufgeben und immer versuchen, die Dinge zu regeln. Also gingen wir zusammen zur Therapie, und als ich da über sie sprach, sagte der Therapeut, dass meine Worte von keinem liebevollen Ort kommen. Ich hatte schon immer die Befürchtung, nicht wirklich lieben zu können und nur egoistisch zu sein, also schämte ich mich sehr, als er das sagte. Ich ging sofort zu Susan und entschuldigte mich bei ihr. Seither ist unsere Beziehung besser denn je. Faszinierend ist auch, dass der Song mir sagte, was ich tun muss, nicht umgekehrt. Am Anfang war ich wie immer angepisst, du bist das Arschloch, alle anderen sind schuld, ich sag euch, wo‘s langgeht. Doch die Kunst hat ihre eigene Dynamik. Alles, was größer ist als wir, ob die Liebe, Gott oder Engel, kommt in der Kunst zu uns. Und der Song lehrte mich das: Es ging nicht darum, was ich von meiner Schwester will. Sondern darum, dass ich ihr das geben musste, was ich mir von mir erhoffte.

Eine ähnliche Erkenntnis scheint in dem Song ›Thankful‹ zu stecken.
Ja, wenn man durch die dunkelsten Zeiten geht, ist es der schwerste Moment, um dankbar zu sein. Doch das ist genau die Medizin, die du dann brauchst. Wann immer ich aufwache und alles hasse, mich selbst, die Welt, alle anderen, zwinge ich mich, die Liste der Dinge zu schreiben, für die ich dankbar bin. Und das Bemerkenswerte ist, dass alles auf dieser Liste umsonst ist. Diese Dinge kann jeder haben, egal wie viel Geld er hat, welche Hautfarbe und welchen Job. Ich musste dabei an die Mondschein-Sonate von Beethoven denken. Als ich die als Kind erstmals hörte, war das die Zeit, als mir zum ersten Mal bewusst wurde, dass es da Schmerz in unserer Familie gab, zwischen meinen Eltern. Und dieses kleine Stück Musik sprach zu mir und sagte: „Ja, es ist gerade sehr dunkel. Aber ich schwöre bei Gott, dass da ein Licht ist, und dieses Licht wird dich finden.“ Immer wenn ich diesen Song singe, muss ich lächeln.

Aber gibt es nicht auch Schicksalsschläge, bei denen das nicht mehr hilft?
Durchaus, aber wir müssen uns daran erinnern, dass wir nicht alles auf dieser Daseinsebene geregelt kriegen müssen. Du kannst noch so viel vorhaben, aber das Leben hat seine eigenen Pläne. Vielleicht wird einiges erst passieren, nachdem wir von dieser Existenz weitergezogen sind. Ich sagte mal zu meinem Therapeuten: Ich liebe Gott, aber als er diese Idee hatte, dass wir sterben und uns von geliebten Menschen verabschieden müssen, was hat er sich da nur gedacht? Und er antwortete, dass wenn es den Tod nicht gäbe, unser Leben keine Bedeutung hätte, weil wir nie etwas zu verlieren hätten. Das leuchtete mir ein

Mark Knopfler: Neues Album ONE DEEP RIVER angekündigt

Am 12. April veröffentlicht Mark Knopfler sein 10. Studioalbum mit dem Titel ONE DEEP RIVER. Die Platte enthält 12 Songs, die sein unverkennbares Gitarrenspiel atmen und zwischen Folk, Blues, Americana und Classic Rock einzuordnen sind. Die erste Single „Ahead Of The Game“ gibt es schon jetzt zu hören. Eine wehmütige und wohl autobiografisch gesprenkelte Geschichte über einen Singer-Songwriter, der hart für seinen Erfolg kämpfen muss.

Die Band auf ONE DEEP RIVER besteht neben Mark Knopfler (Gitarre) aus Jim Cox und Guy Fletcher (Keyboard), Glenn Worf (Bass), Ian Thomas (Schlagzeug) und Danny Cummings (Percussion), Richard Bennett (Gitarre) und dem Newcomer Greg Leisz (Pedal- und Lap-Steel); Mike McGoldrick spielt Whistle und Uilleann Pipes, John McCusker Fiddle und die Topolski-Schwestern Emma und Tamsin übernahmen den Background-Gesang.

Ozzy Osbourne: Zwei Abschiedskonzerte geplant

0

Nachdem Ozzy Osbourne sich letztes Jahr offiziell aus dem Tourgeschäft zurückgezogen hat, möchte der Prince Of Darkness an einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft noch zwei Abschiedskonzerte in seiner Heimat Birmingham spielen, wenn er wieder fit ist. Das erklärte seine Frau Sharon Osbourne am 22. Januar auf ihrer „Cut The Crap“ Spoken-Word-Tour in London.

„Er wird nicht wieder auf Tour gehen, aber wir planen zwei Shows, bei denen er sich verabschieden kann, weil er meint: „Ich habe mich nie ordentlich von meinen Fans verabschiedet und ich möchte anständig „Aufwiedersehen“ sagen.“, so zitiert der Rolling Stone Sharon Osbourne.

Sie erzählte außerdem, dass Ozzy großartig bei Stimme sei, weil er ständig singe und sich weiterhin ständig mit Musik umgebe. Vielleicht wird der Prince Of Darkness noch in diesem Jahr ein neues Album aufnehmen, den Nachfolger von PATIENT NUMBER 9 von 2022. Das zumindest erklärte Ozzy selbst in einem Interview im Jahr 2023 nach einer Rückenoperation.

Ozzy Osbourne: Will Musikschule in Birmingham eröffnen

0

Laut Interviewaussagen seiner Frau und Managerin Sharon gegenüber „Plante Rock“, möchte Ozzy Osbourne in seiner Geburtsstadt Birmingham eine Musikschule eröffnen, die außerdem Memorabilia aus der über 55 Jahre andauernden Karriere des Künstlers beherbergen soll. Neben einer Art Museum soll der Fokus vor allem auf musikalischer Bildung liegen. In einem Podcast im Oktober 2023 erklärte Sharon: „Es wird ein Café mit allen möglichen Instrumenten geben. Es soll Musikunterricht angeboten werden, weil es den an den Schulen inzwischen nicht mehr gibt. Wir wollen, dass andere Musiker, unsere Freunde, mitmachen.“

Weil der „Prince Of Darkness“ sich so sehr mit seiner Heimat verbunden fühle, würden er und Sharon demnächst auch wieder von Los Angeles zurück nach Birmingham ziehen. „Je älter man wird, desto mehr möchte man wieder zu den eigenen Wurzeln zurückkehren„, so Sharon. Auf den Gesundheitszustandes ihres Mannes angesprochen, scherzt seine Frau: „Ozzy hat sieben Leben. Er geht nirgendwohin. Wenn irgendwo eine Bombe geworfen wird, überleben Kakerlaken, Ozzy und Keith Richards.“

Wann das Museum und die Musikschule eröffnet werden sollen, ist bisher nicht bekannt.

Plattensammler: Robin Zander (Cheap Trick)

cheap trick bang zoom crazy Robin Zander (auf Bild rechts) von Cheap Trick verriet CLASSIC ROCK seine fünf Lieblingsalben.

Für Robin Zander scheint eine Rentenregelung nicht vorgesehen zu sein: Mit seiner Band Cheap Trick zieht er seit mehr als 40 Jahren un­­entwegt um den Planeten und zele­briert weiterhin einen offenbar nicht aus der Mode kommenden Classic Rock. Die Wahl seiner fünf liebsten Rockscheiben zeigt deutlich: Der Mann steht auf Klassiker.

AC/DC
DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP (1976)

AC/DC dirty deedsDieses Album erinnert mich an das großartigste Jahrzehnt der Rockmusikgeschichte, an die 70er. Damals war alles neu, man wusste noch nicht, wie man die vielen spannenden Eindrücke einordnen soll. AC/DC hatten schon damals einen eigenen unverwechselbaren Sound, eine eigene Handschrift, die man auf DIRTY DEEDS DONE DIRT CHEAP in jeder einzelnen Note erkennen kann. Außerdem waren die Jungs immer echte Kollegen, tolle Kumpels, mit denen ich viele schöne Erlebnisse hatte. Am liebsten erinnere ich mich an ein riesiges Festival in Nürnberg auf dem Zeppelinfeld im September 1979 vor 100.000 Zuschauern, mit uns, AC/DC und The Who.

THE WHO
LIVE AT LEEDS (1970)

who leedsWomit wir schon bei meiner nächsten Lieblingsband und ihrem grandiosesten Album sind. So außergewöhnlich die Studioscheiben der Who auch gewesen sein mögen – allein TOMMY ist absolut genial – so explosiv waren Daltrey, Townshend & Co. auf der Bühne. Ich hatte die Band bis dato noch nie im Konzert erlebt, als LIVE AT LEEDS veröffentlicht wurde. Die Energie der Band blies mich förmlich um, dieser brachiale Sound, der absolut unpoliert klang. Wenn man die Platte zuhause auflegte und den Verstärker aufdrehte, hatte man das Gefühl, als ob man mitten zwischen Roger, John, Pete und Keith stehen würde.

THE BEATLES
WHITE ALBUM (1968)

Beatles_The BeatlesWas soll man über die Beatles sagen, was nicht schon Millionen vor mir gesagt haben? Sie sind und waren nicht nur für Cheap Trick immer ein riesiges Vorbild, sondern für Musiker aller Generationen. Für mich ist das Weiße Album deshalb so ungewöhnlich, weil es die erste psychedelische Rockscheibe war, die ich jemals gehört und natürlich auch sofort gekauft habe. Welche Songs soll man hervorheben? ›Back In The USSR‹? Sicherlich. ›Ob-La-Di, Ob-La-Da‹? Natürlich auch. Aber ebenso ›Glass Onion‹, ›Piggies‹ und ›Long, Long, Long‹. Es sind so unglaublich viele tolle Kompositionen auf dieser Scheibe, man muss sie wirklich vom ersten bis zum letzten Ton hören.

The BEACH BOYS
PET SOUNDS (1966)

beach boys albumAlles das, was ich eben über das Weiße Album der Beat­les gesagt habe, gilt letztendlich auch für PET SOUNDS von den Beach Boys: Es war ein psychedelisches Meisterwerk, das unzählige Musiker nachhaltig beeinflusst hat. Ich kaufte mir diese Scheibe etwa ein Jahr vor dem Beatles-Album und war hingerissen vom Sound, vom Thema, vom Flair, von allem. Und im Gegensatz zum Weißen Album kann ich bei PET SOUNDS auch drei Nummern hervorheben, die mich als Musiker maßgeblich beeinflusst haben: ›Wouldn‘t It Be Nice‹, ›You Still Believe In Me‹ und ›That‘s Not Me‹.

THE ROLLING STONES
GOATS HEAD SOUP (1973)

rolling stones goats headIm Falle der Stones fällt es mir besonders schwer, ein einzelnes Album herauszupicken. STICKY FINGERS war großartig, EXILE ON MAIN STREET eine Offenbarung, aber mindestens ebenso gut und im Gegensatz zu den beiden gerade er­­wähnten Scheiben war GOATS HEAD SOUP eine der am häufigsten unterbewerteten Veröffentlichungen der Rockgeschichte. Jeder Song auf dieser Platte ist zum Niederknien, sei es das rollende ›Silver Train‹, das fabelhafte ›Angie‹, das treibende ›Star Star‹, das ja eigentlich ›Star Fucker‹ heißen sollte, oder auch das melancholische ›Winter‹. Was soll ich sagen? Ein Meisterwerk!

Werkschau: Can

0

Can live„Es hört sich einfach nur nach sich selbst an“, meint Julian Cope über Cans Klassiker TAGO MAGO. Und trotzdem lebt der innovative Einfluss der Band bis heute weiter.

55 Jahre nach ihrem Debüt klingen Can immer noch wie keine andere Band auf diesem Planeten. Die Alben, die sie in den frühen 70ern veröffentlichten, enthalten unfassbar mysteriöse und einflussreiche Klangwelten und haben die Geschmäcker von Größen wie John Lydon, Jaz Coleman oder Primal Scream und Sonic Youth geprägt. Can wurde 1968 vom Pianisten Irmin Schmidt und Bassist und Studio-Techniker Holger Czukay gegründet.

Unverzichtbar

TAGO MAGO (United Artists, 1971)

Can Tago Mago
Irmin Schmidt sagt, dass Can „immer nach einem Meister­werk“ strebten. Mit TAGO MAGO – der Platte, von der John Lydon sagt, sie habe ihn zum Musikmachen inspiriert – setzten sie einen neuen Maßstab. Ihr drittes Album war eine Projektionsfläche okkulter Stärke, die sich über zwei LPs erstreckte – es entfesselte den Monster-Funk ›Halleluwah‹, die hinterlisti­gen Erschütterungen von ›Peking O‹, sowie die post­apokalyptischen Knaller ›Oh Yeah‹ und ›Bring Me Coffee Or Tea‹. Das dreiteilige ›Aumgn‹ nahm eine ganze Seite ein, wobei Czukays Editier-Stil der damaligen Art des Sampelns um Jahre voraus war. TAGO MAGO startete den Countdown für die Musik des 21. Jahrhunderts.

EGE BAMYASI (United Artists; 1972)

Can Ege Bamyasi
Mit ›Spoon‹ landeten Can in Deutschland einen Top-Ten-Hit, nachdem der Song als Titelmelodie für den Fernseh-Thriller „Das Messer“ benutzt worden war. Der Erfolg bedeutete, dass sie ein altes Kino in Weilerswist mieten konnten, um ihr nächstes Album EGE BAMYASI (Okraschoten auf Türkisch) aufzunehmen. Das Studio steuerte maßgeblich zum Sound bei, man mischte barocke Schönheit (›Vitamin C‹) mit hypnotischer Ruhe (›Swing Swan Song‹) und metronomischem Future-Funk (›One Mare Night‹), auch wenn ›Soup‹ und ›Pine‹ andeuteten, dass ein spontaner Flä­chenbrand drohte. Bei ihren Konzerten spielte die Band zu dieser Zeit stundenlang und nutzte die Songs lediglich als Sprung­bretter ins Unbekannte.

Wunderbar

MONSTER MOVIE (United Artists, 1969)

Can Monster Movie
Sie hatten bereits vorher ein Al­­bum mit dem Titel PREPARE TO MEET MY PNOOM aufgenommen, das die Plattenfirmen je­­doch völlig verstört hatte. Trotz­dem nahmen sie selbstbewusst zwei Tracks von jenem Album und bauten das heiße ›Father Cannot Yell‹ zu einem Trance-Rock-Monster und ›Outside My Door‹ zu einer Punkversion um. Karolis Violinpart in ›Mary Ma­­ry‹ spiegelt den Einfluss der Vel­vets wider und taucht dann in den Funk von Czukays minimalistischem Bass. Cans Herange­hensweise war eine Herausfor­derung für Mooney. Sein Thera­peut riet ihm, sich schnellstmöglich zu verabschieden.

SOUNDTRACKS (United Artists, 1970)

Can Soundtracks
Cans Debütnachfolger setzt sich aus Filmmusik zusammen und fungierte als Brücke zwischen der Mooney- und der Suzuki-Ära. Ersterer schmachtete auf ›She Brings The Rain‹ und krächzte auf ›Soul Desert‹, aber Suzuki wies den Weg nach vorn – er war Czukay aufgefallen, als er vor einem Café auf der Straße sang. Er fragte ihn, ob er beim Gig am selben Abend mitmachen wolle. Seine intensive Per­formance wurde auf ›Don’t Turn The Light On, Leave Me Alone‹ eingefangen. ›Mother Sky‹ ist ein Vorzeigeprojekt von Karoli, während der Soul-Hybrid ›Tango Whiskyman‹ tatsächlich eine traditionelle Liedstruktur hat.

FUTURE DAYS (United Artists, 1973)

Can future days
Cans Run in den frühen 70ern ging mit FUTURE DAYS weiter. Das Album stellt einen Mei­lenstein innerhalb der Ambient- und Weltmusik dar, vor allem dank Liebezeits übermenschlich-maschinellem Schlagzeug­spiel. Der Titeltrack schimmert, die rasenden Sound-Schnellen in ›Spray‹ zeigen die Band in vollem Glanz, während die gesamte zweite Seite den 20 Minuten von ›Bel Air‹ gewidmet ist. Auf der anderen Seite gibt es ›Moonshake‹ zu hören, Cans Version eines Popsongs. Leider folgte dem Album Suzukis Ab­­gang: Er trat den Zeugen Jeho­vas bei und kehrte erst 1983 zur Musik zurück – nicht mit Can.

THE LOST TAPES (Spoon/Mute 2012)

Can the lost tapes
Auf Cans früher Kompilation, der UNLIMITED EDITION von 1976, klopften sie seltene Songs ihrer ersten acht Jahre ab. THE LOST TAPES hob derlei Tun auf ein neues Niveau, da sich Schmidt und sein Schwieger­sohn Jono Podmore durch Ar­­chive ackerten, die über 40 Stunden Filmmusik, Jams, De­­mos und sogar Aufnahmen aus Toiletten bereit hielten, alles aufgenommen zwischen 1968 und 1975. Nach monatelanger Be­­arbeitung brachte Podmore eine alternative Bandgeschichte ans Licht, die sich über drei CDs er­­streckte. Für Fans dürfte das geisteskranke ›Streetcar‹ ein Er­­weckungserlebnis darstellen.

Anhörbar

SOON OVER BABALUMA (United Artists, 1974)

Can Soon Over Babaluma
Cans erstes Album ohne Suzuki machte klar: Als Sänger war er nicht zu ersetzen. Also flüsterten Karoli und Schmidt selbst über die extraterrestrischen Klänge von ›Dizzy Dizzy‹, über die derangierte Polkastruktur von ›Come Sta, La Luna‹ oder das skelettöse ›Quantum Phy­sics‹. ›Splash‹ wiederum galoppiert wie Sun Ra’s Arkestra mit Vollgas über kosmische Latino-Jazz-Motorik, bevor die Techno-Welt von ›Chain Reaction‹ mit einem funky Soul á la Booker T kollidiert. Wirklich unfassbar ist, dass Can ihre sphärische Musik immer noch auf zwei Spuren aufnahmen. Ihre letzte wirklich großartige Platte!

LANDED (Virgin, 1977)

Can landed
Can verließen ihr Raumschiff, als sie LANDED bei Virgin herausbrachten. Bis heute wird es gerne als Cans Antwort auf den Glamrock gepriesen. Die aufgeweckte Herangehens­weise auf ›Full Moon On The Highway‹ oder ›Hunters And Collectors‹ mag diese Beschreibung in ir­­gendeinem Paralleluniversum unterstützen. ›Half Past One‹ erkundete seltsame lyrische Pfade. ›Unfi­nished‹ verfolgte die Ambient-Richtung weiter und ›Vernal Equinox‹ bewies, dass sie nicht komplett verrückt ge­­worden waren. Ein TV-Auftritt bei „The Old Grey Whistle Test“ zeigt jedoch, wie Irmin Schmidt sein Keyboard mit Karate-Schlägen traktiert…

SAW DELIGHT (UDR, 2015)

Can Saw Delight
Eine Generation von Punks hör­te erstmals von Can, als John Lydon von ihnen sprach. Damals hatte sich die Band aber schon einen Disco- und Weltmusik-freundlichen Charakter verpasst. Sie stellten Bassist Rosko Gee und Perkussionist Rebop Kwaku Baah an. Das 15-minütige ›Animal Waves‹ bettet Schmidts und Karolis Sprünge unter eine perkussive Brutlam­pe, obwohl Liebezeit hier eher kitzelt statt angreift. Der ur­­sprüngliche Geist verflüchtigte sich zunehmend, was man den schwachen Nachfolgern OUT OF REACH und CAN auch an­­hört. Erst Mooney brachte für die Reunion-Platte RITE TIME (1989) die Kauzigkeit zurück.

Sonderbar

FLOW MOTION (Virgin, 1976)

Can flow motion
Die Alben, die Can bei Virgin aufnahmen, konnten nicht an­­satzweise gegen ihre früheren Werke anstinken. FLOW MO­­TION ist vielleicht ihre unwichtigste Platte. Schockierend eingängige Lieder wie ›Babylonian Pearl‹ oder ›Laugh Till You Cry, Live Till You Die‹ klingen nach einer Band, die sich freimütig dem Mainstream zuwendet, dabei aber immerhin über sich lachen kann. Ein Highlight ist zweifellos ›I Want More‹, dessen lebhaftes Disco-Glucksen den Track immerhin in die Top 30 der UK-Charts brachte und deshalb bei „Top Of The Pops“ vorgestellt wurde. Klar ist das Album immer noch einzigartig, aber weit entfernt vom Zenit.

Judas Priest: TURBO – Zeitgeist auf der Überholspur

0

judas priest turboTURBO ist ein wahrer Meilenstein der Heavy-Metal-Historie. Ein Album, das bei Erscheinen 1986 die Fanmassen spaltete, Unmengen neuer Priest-Maniacs generierte und Rob Halford, Glenn Tipton, K.K. Downing, Ian Hill und Dave Holland in den USA in Mainstream-Rockstars verwandelte. Bassist Ian Hill lässt im Gespräch mit CLASSIC ROCK noch einmal die glorreiche Geschichte mitsamt Gitarrensynthesizern, Halfords überstandener Drogensucht und den Querelen mit Tipper Gores PMRC Revue passieren.

Ian, TURBO war eines der bahnbrechenden Werke der 80er und das erste Heavy-Metal-Album, auf dem Gitarren- und Basssynthesizer den Ton angaben. Wo startete die Reise zu dieser Neuausrichtung des Priest’schen Sounds?
Das passierte alles eher zufällig. Uns fielen die Gitarrensynthesizer von Roland zum richtigen Zeitpunkt sprichwörtlich in die Hände. Unsere da­­mals noch aktuelle Platte DEFENDERS OF THE FAITH (1984) war eine reinrassige Metal-Scheibe und wir hielten Ausschau nach etwas Neuem. Die Synthesizer brachten frischen Wind in den Judas- Priest-Kontext, da wir uns einig waren, dass unsere Songs auch weiterhin unsere Trademarks beinhalten sollten. Es machte riesigen Spaß mit dieser da­­mals ganz neuen Technik herumzuexperimentieren, Grenzen auszuloten und von uns zuvor nie gehörte Klänge zu kreieren.

Auch textlich gab es auf TURBO eine neue Route. Rob Halfords Lyrics drehten sich nicht um die typischen – von euch in den 70s manifestierten – Metal-Themen, sondern um Liebe und Beziehungen.
Das waren schlichtweg Dinge, die ihn damals be­­schäftigten. Dem Rest von uns war es nur lieb und recht, denn in dieser Zeit trieb Tipper Gore mit der PMRC in den USA ihr Unwesen. Es gab viel Zensur und mit in deren Augen „anstößigen“ Tracks konnte man sich im Handumdrehen eine ganze Albumkampagne versauen … es war ein wahrer Spießrutenlauf! (lacht) Der ganze von Gore verzapfte Quatsch inspirierte uns zu ›Parental Guidance‹, mit dem wir dem Spießbürgertum hoffentlich einen kleinen Denkanstoß gaben.

Auf Gores „Filthy-Fifteen-Hitliste“ seid ihr mit ›Eat Me Alive‹ (von DEFENDERS OF THE FAITH) sogar auf Platz drei hinter Prince und Sheena Easton vertreten.
(lacht) Na ja, zuallererst wären wir extrem enttäuscht gewesen, wenn wir nicht auch in den Filthy Fifteen gelandet wären! Rückblickend kann ich mir immer noch nicht herleiten, was diese Frau in den 80ern ritt. Sie ging mit blindem Hass zu Werke. Allerdings gab es damals solche Sittenwächter auf dem ganzen Globus, und wenn du nicht in ihr Weltbild passtest, machten sie dir das Leben verdammt schwer. Egal, auf den dritten Platz sind wir natürlich nach wie vor stolz! (lacht)

Als die Aufnahmen für TURBO in den Compass Point Studios auf den Bahamas anstanden, war Halford nach langer Zeit zum ersten Mal wieder suchtfrei.
Hmmm, er war vielleicht zur Hälfte clean … wenn man das so nennen kann! (lacht) Rob konsumierte alle möglichen Sachen in den 80ern. Man muss den Umstand aber auch etwas relativieren, denn es waren für uns auch harte Zeiten. Priest spielten fast nonstop auf irgendeinem Kontinent Konzerte, ohne Pause ging’s dann ins Studio, um ein paar Monate später wieder auf Tour zu gehen. Das steckt jeder anders weg und einige kompensieren den Stress, den dieser Job mit sich bringt, mit gewissen Substanzen. Nassau war für ihn und uns eine sehr gute Wahl, denn es gab neben den Aufnahmesessions eine Menge Freizeitmöglichkeiten und ein florierendes Nachtleben. Halford nutzte die Gunst der Stunde und entgiftete sich komplett, bevor er seinen Gesang auf Band legte. Diesen Sieg über seine Dämonen spürt man förmlich auf TURBO.

TURBO besitzt einen der tightesten Schlagzeugsounds der 80er. Hand aufs Herz: Spielt hier wirklich Dave Holland oder kam wie auf RAM IT DOWN (1988) ein Drumcomputer zum Einsatz?
Die Drumtracks waren nicht programmiert, sondern nur getriggert. Auf Daves Fellen platzierten unsere Techniker kleine Sensoren, die das abgenommene Signal in einen Schlagzeugsynthesizer weiterleiteten. Damit verschafften wir uns auch bei den Beats einen gewissen Spielraum, um sie parallel zum Gitarrensynth laufen zu lassen. Natürlich landete im Mix auch ein Anteil des akustischen Schlagzeugsounds, um etwas organisches Flair in die Rhythmus-Spuren zu zaubern.

TURBO sollte eigentlich ein Doppelalbum namens TWIN TURBOS werden. Warum fielen elf der 20 aufgenommenen Stücke 1986 (vorerst komplett) der Schere zum Opfer?
Ja, das war der Plan, allerdings machte uns die Plattenfirma einen gewaltigen Strich durch die Rechnung. Ihnen war das Risiko zu groß, ein teures Doppelalbum auf den Markt zu bringen, denn sie fürchteten wegen des hohen Verkaufspreises massive Einbußen. Also suchten wir – da es an dieser Entscheidung nichts zu rütteln gab – jene Tracks aus, die am besten zusammenpassten und hoben unsere Favoriten aus den Sessions für die kommende Platte auf.

Inzwischen sind bis auf ›Under The Gun‹ und ›Fighting For Your Love‹ alle Stücke des kompletten TWIN-TURBOS-Projekts auf RAM IT DOWN und als Bonus auf anderen Veröffentlichungen dem Fan zugänglich gemacht worden. TURBO 30 wäre doch die perfekte Chance gewesen, diese zwei „verlorenen“ Songs ans Licht der Welt zu bringen?
Ich habe nicht die leiseste Ahnung warum das nicht gemacht wurde! Irgendjemand wird sich dabei wohl etwas gedacht haben …

Hattet ihr, als TURBO in seiner finalen Form in den Plattenläden stand, eine Vorahnung, welchen historischen Stellenwert dieses – letztlich auch kontroverse – Album in eurem Backkatalog einnehmen würde?
Ja, wir waren uns voll bewusst, dass diese Scheibe einiges an Trubel verursachen würde und unsere „traditionellen“ Fans sicher ein paar Problemchen mit dem Sound haben dürften. So trat es dann auch ein, und Priest verloren ein paar langjährige Wegbegleiter. Auf der anderen Seite gewannen wir eine Menge neuer Fans dazu, die zahlenmäßig wesentlich mehr waren als die, die uns den Rücken gekehrt hatten. Man muss natürlich zugeben, dass einige der Songs schon eine sehr kommerzielle Linie einschlugen. Jedoch hatte die gesamte Band damals diesen einen Sound im Kopf und es wäre uns selbst gegenüber unehrlich gewesen, wenn wir einen anderen Weg gewählt hätten. TURBO genoss mit seinem Stil in den USA hohes Ansehen und die Radiostationen erkoren uns zu einem ihrer liebsten Acts.

Insgesamt habt ihr rückblickend alles richtig gemacht. TURBO genießt Legendenstatus und brachte euch im ersten Jahr Gold und Platin in den Vereinigten Staaten ein.
Das ist korrekt und die Erinnerungen an diese großartige Zeit erfreuen mich jedes Mal aufs Neue!