Damit hatte wohl niemand gerechnet. Dolly Parton, die unangefochtene Country-Königin, erzählt von ihrem neuen Rockalbum, dem Who‘s who des Rockadels, der unbedingt mitmachen wollte, und blickt auf ihr außergewöhnliches Leben zurück.
Die Stimme ist unverkennbar, ebenso wie das hell klingelnde Lachen, das folgt. „Hey, ist da Rob ‚Halford‘ Hughes? Guten Morgen!“ Es ist zehn Uhr in Nashville und die absolute Legende namens Dolly Parton telefoniert mit CLASSIC ROCK. Und sie ist offensichtlich bester Laune. Das kann sie auch sein, denn mit 77 steht der größte lebende Superstar des Country kurz davor, ein waschechtes, beledertes, gitarren- heulendes Rockalbum zu veröffentlichen. Und während man zweifelsfrei argumentieren kann, dass Dolly im Wesentlichen schon immer ein Rockstar war, haben wir nun den unbestreitbaren Beweis. Dass sie zu Beginn Rob Halford nennt, ist auch mehr als nur eine zufällige Alliteration. Der Frontmann von Judas Priest ist einer von zahlreichen Gästen auf Partons ROCKSTAR und bef indet sich damit in illustrer Gesellschaft: Paul McCartney, Ringo Starr, John Fogerty, Stevie Nicks, Steven Tyler, Debbie Harry, Peter Frampton, Joan Jett, Elton John, Lynyrd Skynyrd, Richie Sambora … und das ist gerade mal die Hälfte. Wie die meisten Dinge, die Parton über die Jahre angepackt hat, macht ROCKSTAR keine halben Sachen. Es umfasst gigantische 30 Tracks, von denen etwa zwei Drittel Coverversionen sind. Einige davon kommen aus den höchsten Sphären des Genres, von ›Satisfaction‹ über ›Stairway To Heaven‹, ›Let It Be‹, ›Purple Rain‹ und ›Free Bird‹ bis ›We Are The Champions‹.
https://www.youtube.com/watch?v=4UYtJUYrGQQ
„Mein Mann Carl ist ein großer Rockfan“, erklärt sie. „Ich habe über die Jahre so viele der großen Rocknummern gehört, denn es ist das einzige, was er je auflegt. Wir sind jetzt seit 59 Jahren zusammen, du kannst dir also vorstellen, wie tief das verankert ist. Aber natürlich hatte ich auch einige persönliche Favoriten. Außerdem musste ich die Lieder auswählen, von denen ich glaubte, dass ich sie gut singen und ihnen gerecht werden konnte. Zumindest musste ich versuchen, so beeindruckend wie möglich zu sein, denn ich wollte, dass die Rockwelt stolz auf mich ist. Ich wollte, dass sie sagen: ‚Das ist ziemlich gut! Ich wusste nicht, dass sie das drauf hat!‘“ Ein Interview mit Dolly ist ein leicht surreales Erlebnis. Da sind natürlich diese wunderbar unverkennbaren Südstaaten-Klänge ihrer Stimme und der Eindruck, dass ein Interview für sie eine Kunst ist, die sie schon vor vielen Jahren gemeistert hat. Doch sie wägt meine Fragen mit gebührender Überlegung und Aufmerksamkeit ab, oft auch mit einem gesunden Maß an Selbstironie. Und sie kichert viel.
Über die folgende Stunden erfahren wir, dass die Entscheidung, diese Platte aufzunehmen, sowohl auf Ereignissen in ihrem Umfeld als auch auf ihrem eigenen Schuldgefühl beruhte. Und da ist noch viel mehr. Nicht zuletzt, dass ROCKSTAR keineswegs die erste Veröffentlichung dieser Art in ihrem Katalog ist. Sie spricht über ihre Anfänge, ihren unbeirrbaren Ehrgeiz, ihre Reue über Elvis, ihre Nervosität vor dem Auftritt beim Glastonbury Festival, Zukunftspläne, ihren wählerischen Mann – und sie verrät, was sie wirklich davon hielt, als die White Stripes ihren Klassiker ›Jolene‹ coverten. Letztendlich ist ROCKSTAR die jüngste Herausforderung in einer phänomenalen Karriere. „Ich habe mir meinen Lebensunterhalt damit verdient, Country-Musik zu machen und ein Country-Girl zu sein, aber diese Platte fühlte sich einfach natürlich an“, erzählt sie. „Ich denke also, es war so bestimmt. Ich bin froh, dass ich es getan habe, und stolz darauf, wie es geworden ist. Jetzt ist es ein Teil meines Vermächtnisses.“
Mittlerweile ist sie längst Tradition, unsere große CLASSIC ROCK-Verlosung, mit der wir das zurückliegende Jahr verabschieden und das neue einläuten möchten. Freut euch auf großartige Preise von Marshall, Ortega, der Limelight Gallery, BMG, SPV, Radio BOB! und vielen mehr!
Eine revolutionäre Kombi, die Ortega mit ihrer „TourPlayer“-Edition erschaffen hat! Hier trifft die sanfte Wärme von Nylon auf Elektrifizierung – mit der elektrischen Nylonsaitengitarre kann man also „the best of both worlds“ auf der Bühne vereinen. Durch die schönen Cutouts wird das Gewicht des massiven Okoumé-Korpus angenehm reduziert und der Klang der Gitarre besonders ausdrucksstark. Die Decke unseres Modells besteht aus Fichte, der Hals aus Okoumé und das Griffbrett aus Lorbeer. Den Sound kann man an vier Reglern für Lautstärke, Bass, Mitten und Höhen und einem eingebauten Stimmgerät kontrollieren. (Ortega)
Perfektes Klangpaar:
Ein perfektes Rock‘n‘Roll-Duo in ansprechenden Farben, das euer Hörerlebnis zum Klangparadies werden lässt: der „Acton III“ von Marshall und die Neuauflage des beliebten „Zinken“-Kopfhörers von Urbanears, ursprünglich aus dem Jahr. Der „Acton III“ präsentiert sich als praktisch-kompakter Bluetooth-Heimlautsprecher mit tollem, breitem Klangbild, der Köpfhörer aus 87 Prozent recyclebarem Plastik besticht mit seinem tollen Sound, dem festen, aber bequemen Sitz und seinem super Handling. Perfekt für DJs und Langzeithörer.
Sammlerstück für Yusuf-Fans:
Zur Feier seines neuen Albums KING OF A LAND und als Ode an die Akustikgitarre gibt es ein schwarzes Exemplar der Marke Epiphone zu gewinnen, das Cat Stevens/Yusuf höchstpersönlich unterschrieben hat. Von dem handsignierten Instrument gibt es weltweit nur wenige Ausgaben, die Gitarre ist somit ein absolutes Sammlerstück. (BMG)
Große Fotokunst:
Ein ganz besonderes Bundle: Hier gibt es eine hochwertige, gerahmte Fotografie von John Lennon zu gewinnen, die von Erschaffer und Fotografen-Koryphäe Bob Gruen höchstpersönlich unterschrieben wurde. Obendrauf gibt es Bob Gruens Autobiografie „Right Place, Right Time“ – ebenfalls handsigniert. Zusätzlich in diesem grandiosen Paket enthalten: „In The Eye Of The Rock‘n‘Roll Hurricane“ von Neal Preston, der Bildband einer ebenfalls in der Limelight Gallery (in Frankfurt am Main und Paderborn) ausgestellten Fotografen-Legende
Standing Next To Chris Norman
Zusammen mit seiner Band und seinem kommenden Album JUNCTION 55 im Gepäck, ist der ehemalige Smokie-Mann Chris Norman ab April 2024 auf „Junction 55“-Tournee. Wir verlosen 2×2 Freikarten in einer Stadt eurer Wahl – und als absolutes Highlight gibt es ein persönliches Meet & Greet mit Chris oben drauf! (Zur Verfügung gestellt von Semmel Concerts)
Rockin‘ All Over Germany:
Im Sommer kommen Status Quo um Francis Rossi für einige Shows nach Deutschland. Zu hören gibt es die größten Hits der Boogie- Rocker, gewürzt mit den britisch-humoresken Ansagen von Rossi. Wir verlosen 5×2 Freikarten für die kommende Status-Quo-Tour in einer Stadt eurer Wahl. (Zur Verfügung gestellt von RBK Fusion)
by Tina Korhonen
Lesestoff satt:
Unter allen Leseratten verlosen wir dreimal dieses Buchpaket, bestehend aus dem hochwertigen, illustrierten Coffee-Table-Book „Johnny Cash: The Life In Lyrics“ über den „Man in Black“ sowie der deutschen Ausgabe von „Why Patti Smith Matters“ von Caryn Rose, einer ehemaligen Musikjournalistin, die das Leben und Werk der Punk-Poetin einordnet. (Penguin Random House)
Youth Gone Wild!
Dieses limitierte Bundle wird alle feierfreudigen Skid-Row-Fans besonders beglücken! Im Paket enthalten sind einmal der „Skid Row 18 And Life Ultra Premium Rum“, eine Flasche des „Skid Row Midnight Vodka“, ein Skid Row-Spirits-Spielkartenset sowie zwei coole Skid-Row-Gitarrenpicks. Oben drauf kommt ein Shirt der jüngsten „Gang’s All Here“-Tour. Die ultimative Kombi für wilde Nächte! (Zur Verfügung gestellt von: Promotör)
Matsch-Meister:
2024 findet Master Of The Dirt in vier deutschen Städten statt: am 10.02. in der Kieler Wunderino Arena, am 18.02. in der Schleyer-Halle in Stuttgart, am 13.04. in der Westfalenhalle in Dortmund und am 20.04. in der Frankfurter Festhalle. Wir verlosen 2×2 Freikarten in einer Stadt eurer Wahl für das wilde Bike-Spektakel mit den Stars der Szene wie Fabio Widmer. Für alle Bike-Fans mit FMX, Mountainbikes, BMX, Inlinern, Scootern, Quads, Sleds und großer Pyro-Show! (Zur Verfügung gestellt von: Semmel Concerts Entertainment GmbH)
Radio-Stars:
Radio Bob! bringt die besten Rocksongs zu euch nachhause. Vielleicht bald mit dem brandneuen Digitalradio mit integriertem Wlan, Bluetooth und drei Lautsprechern. Oben drauf kommt ein schicker schwarzer Kapuzen-Pulli mit der Aufschrift „Rockbotschafter“, mit dem man gerade in kalten Zeiten optimal aufgestellt ist. (Radio Bob)
Rocklektüre frei Haus!
CLASSIC ROCK verlost drei Jahresabos unter allen treuen Lesern und Leserinnen. Ihr bekommt zehn Ausgaben nach Hause geliefert und oben drauf unsere fünf Sonderhefte zu „The Story Of Metal“, Rush, Iron Maiden, Jethro Tull und Metallica!
Wir blicken zurück auf das Leben des Mannes, der mit den Byrds, CSN, CSN&Y und solo unvergessliche Musik aufnahm, die zum schillernden Soundtrack einer goldenen Ära gehörte. (Text: Simon Harper)
Was zur Hölle ist falsch an Freiheit, Mann? Darum geht es doch“, empört sich Billy, Dennis Hoppers blauäugiger, nachnamenloser Antiheld auf der Suche nach Amerika in einer denkwürdigen Szene des bahnbrechenden Roadmovies „Easy Rider“ von 1969. Billy steht – ebenso wie sein Reisegefährte Wyatt, gespielt von Peter Fonda – für den hedonistischen, rebellischen Kult der Jugend, die in einer spießigen, intoleranten Gesellschaft zu überleben versucht. Dass Hopper, der auch Regie führte, seine abenteuerlustige und idealistische Figur – inklusive tief gezogenem Walross-Schnurrbart, schulterlangem Haar und Fransenjacke – nach dem Vorbild von David Crosby schuf, war ein Beleg für den nachhaltigen Einfluss der freigeistigen Ikone der Gegenkultur auf eine ganze Generation am Ende jener revolutionären Dekade. Als „Easy Rider“ im Juli 1969 erschien, war CROSBY, STILLS & NASH, das Debütalbum der dreiköpfigen Supergroup, die zur Speerspitze der Anfang der 70er so dominanten Szene in Kalifornien werden sollte, erst zwei Monate alt, doch ihr Mitbegründer David Crosby (der auf dem Cover erst recht wie die glückselig-bekiffte Blaupause für Billy aussah) galt schon als freimütiger, anti- autoritärer, verschmitzter Prinz der Hippie-Ära.
Es war eine Rolle, in der er sich pudelwohl fühlte und die seinen unstillbaren Durst nach Sex, Drogen und Rock’n’Roll mehr als exzessiv stillte, ebenso wie seine nie nachlassende Streitlust – über die Jahre entlud er seine ungefilterten Launen insbesondere über Politiker, mindere Popstars und natürlich vor allem seine eigenen Bandkollegen. Doch es war seine Stimme – dieser seidene, honigsüße, geschmeidig fließende Ausdruck seiner Seele –, die ihn so einzigartig machte, ja zum Idol einiger der größten Talente, und die bis zu seinen allerletzten Tagen nicht verstummte. Als er diesen Januar mit 81 verstarb, war Croz, wie er liebevoll genannt wurde, längst ein Elder Statesman der Musik, Grammy-gekrönt und gleich zweimal in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen (als Mitglied von The Byrds und CSN), dessen letzter Lauf wundervoller Solowerke mehr als reichlich für die orientierungslosen Jahrzehnte davor entschädigte. Er erwies sich auch als schlagfertiger, scharfzüngiger Twitter-Raconteur, der mit seinen ehrlichen Bewertungen ihrer Jointdrehfähigkeiten neue Follower aller Generationen anzog.
Seine kreative Wiedergeburt ging jedoch mit einigen persönlichen Turbulenzen einher. Die Abgründe seiner einstigen Suchtprobleme hatten ihm gesundheitliche und finanzielle Schwierigkeiten beschert und er starb entfremdet von den Weggefährten, mit denen er seine größten Werke erschaffen hatte. Seine Freiheit, so schien es, hatte einen hohen Preis gefordert. Roger McGuinn war Crosby gegenüber schon ab dem Moment misstrauisch, als ihre beruflichen Wege sich erstmals kreuzten. Der Folkgitarrist hatte das Chad Mitchell Trio verlassen und die Szene im New Yorker Greenwich Village auf den Kopf gestellt, indem er traditionelle Stücke mit einem Beatles-Beat versehen hatte. Dann war er nach Los Angeles gezogen und hatte sich mit Gene Clark zusammengetan, seinerseits gerade bei den New Christy Minstrels ausgestiegen, um seine neue Folkrock-Vision als Duo umzusetzen.
Schnell wurde ihnen jedoch klar, dass ihre Stimmen so ähnlich klangen, dass sie eine dritte benötigten, also machten sich die beiden auf die Suche nach einem weiteren Mitstreiter. Den fanden sie schließlich Anfang 1964 im Troubadour Club in West Hollywood. „Dieser Typ auf der Bühne kommt sehr arrogant rüber und scheint auf Konfrontationskurs mit dem Publikum zu sein“, erinnerte sich Clark 1989 in Crosbys Autobiografie „Long Time Gone“. „Ich sagte: ‚Wer ist dieser Kerl?‘ Und Roger antwortete: ‚Ich kenne ihn.‘ Aber er wollte nicht darüber reden. Dann sang der Typ und ich war einfach überwältigt. Ich meinte: ‚Mann, ist der gut! Das ist es, man kann sich nichts Besseres wünschen.‘ McGuinn entgegnete: ‚Nein, Mann. Ich kenne David. Wir haben versucht zusammenzuarbeiten. Es ist unmöglich, das wird nie funktionieren.‘“ Crosby hatte seine eigenen Folk-Ambitionen gehegt und seine Karriere als Live-Musiker in Santa Barbara im Duo mit seinem älteren Bruder Ethan lanciert, bevor er es alleine in New York versuchte, wo er McGuinn erstmals begegnete.
In seine Heimatstadt Los Angeles zurückgekehrt, schlug er McGuinn und Clark vor, sich zusammenzutun. Als Ass im Ärmel erwähnte er, dass sein Freund Jim Dickson ein Studio besaß, das sie benutzen dürften. Ein Angebot, das McGuinn nicht ausschlagen konnte. In den folgenden Monaten verstärkte sich die Gruppe mit Dickson als Manager noch um Chriss Hillman am Bass und Michael Clarke am Schlagzeug. Und sie gab sich einen Namen: The Byrds. Ihre holprigen Anfänge spielten sich auf kalifornischen Clubbühnen ab und erinnerten an den frechen, langhaarigen Habitus der Rolling Stones. Ihr Durchbruch kam schließlich mit ihrer Debütsingle, die im April 1965 veröffentlicht wurde: einer lieblichen elektrifizierten Interpretation von Bob Dylans ›Mr. Tambourine Man‹. Plötzlich waren The Byrds ein Phänomen. Ihr klingelnder Folkrock-Stil eroberte das Radio, als Amerika gerade gegen die British Invasion ankämpfte. Das Album MR. TAMBOURINE MAN, dominiert von weiteren Dylan-Covers und Eigenkompositionen von Gene Clark, etablierte sie dann als Pioniere des aufkeimenden Westcoast-Sounds, der sich dann wiederum in RUBBER SOUL von den Beatles niederschlug. McGuinn übernahm zwar den Löwen- anteil des Leadgesangs, doch Crosby, der seine lieblichen Harmonien mit einem seligen Lächeln darbot, besaß eine strahlende Präsenz, die ihn dazu prädestinierte, ein Star zu sein. „Ab da begannen wir, Geld zu verdienen“, erzählte er später.
„Dann kaufte ich mir einen neuen, grünen Porsche. Es war der Moment, als mir klar wurde, dass die 60er eine interessante Zeit werden dürften.“ Ein Leben im Rampenlicht bedeutete für Crosby aber gar keine so große Umstellung. Seine Eltern, beide mit Wurzeln in der Oberschicht von New York (seine Mutter Aliph Van Cortlandt Whitehead entstammte der politisch einflussreichen Van-Cortlandt-Dynastie), waren nach Los Angeles gezogen, weil sein Vater Floyd Crosby Ambitionen im Filmgeschäft hatte – eine Entscheidung, die sich bezahlt machte, denn 1931 gewann er einen Oscar als bester Kameramann. 1937 wurde Ethan geboren, vier Jahre später dann David, der auf den Filmsets aufwuchs, wo sein Vater arbeitete.
„Ich war schon immer ein Showbiz-Kind“, bestätigte er später. Musik war eine einende Kraft im Crosby-Haushalt, wo die Familie oft gemeinsam musizierte: Floyd spielte Mandoline, Ethan Gitarre, Aliph sang und David lieferte seine ersten Harmonien ab. Doch diese gemeinsamen Darbietungen konnten David nicht festigen oder sein zunehmend provokatives Verhalten verhindern – als Teenager flog er gleich von mehreren exklusiven Privatschulen, und nach der Trennung seiner Eltern Ende der 50er wurde es noch schlimmer. Als sein Bruder ihm dann ein paar Akkorde auf der Gitarre beibrachte, eröffnete sich ihm eine neue Welt, umso mehr, als er die Stimmung in den örtlichen Jazzclubs mitbekam, in denen Ethan auftrat. „Ich habe schon immer gesagt, dass ich die Gitarre nur als Abkürzung zum Sex gelernt habe“, schrieb Croz.
Und der aufstrebende Folkie ließ nichts anbrennen, wenn es darum ging, Frauen nachzustellen – bis seine ausufernde Promiskuität ihn in Schwierigkeiten brachte. Als er erfuhr, dass eine seiner Freundinnen schwanger war, floh er aus Kalifornien und trat die musikalische Reise an, die ihn letztlich zu seiner schicksalhaften Allianz mit McGuinn und Clark führte. Die Byrds waren unablässig kreativ und erkundeten in ihren ersten glorreichen Jahren verschiedene Stilrichtungen, mit wunderbaren Ergebnissen. Auf Folkrock folgten Jazz, Country und indische Einflüsse, was in den ersten Keimen der Psychedelik mündete. Lieder wie ›Eight Miles High‹, ›Mr. Spaceman‹ und ›5D (Fifth Dimension)‹ belegten die eindrucksvoll progressive Natur ihres Klangspektrums.
Als Hauptsongwriter Clark dann im Februar 1966 ausstieg, blühten die anderen Byrds als Komponisten auf. Crosby schrieb gemeinsam mit McGuinn grandiose Stücke wie den Bebop-Raga ›I See You‹ auf dem Album FIFTH DIMENSION aus demselben Jahr oder die wehmütige Summer-of-Love-Hymne ›Renaissance Fair‹ auf YOUNGER THAN YESTERDAY von 1967. Seine eigenen Songs gaben aber bessere Einblicke in seine kreative Entwicklung: Enigmatische Texte, ungewöhnliche Tunings und freie Rhythmen belegten sein Verlangen, die Horizonte zu erweitern.
Mötley Crüe haben das „most notorious museum in the world“ eröffnet, das sogenannte „The Crüeseum“. Die Sammlung an Memorabilia und alten Fotos kann man hier online besichtigen: Crüeseum. Aufgeteilt ist die Online-Ausstellung in die Bereiche „SHOUT AT THE DEVIL“, „L.A. Home Sweet Home“ und „On With The Show“.
„Von unseren frühesten Tagen 1981 bis hin zu grandiosen Stadion-Touren mussten Mötley Crüe immer durch irgendeine Scheiße“, so die Band. „Wir haben hunderte und tausende Meilen auf Tour zurückgelegt, haben bahnbrechende Studioalben aufgenommen, Aufstände überlebt, für Fahndungsfotos posiert, Herzen gebrochen und selbige wieder kickgestartet, überwältigende internationale Erfolge gefeiert und eine Schneise der Zerstörung hinterlassen. Also yeah, wir haben alles gesehen.“
„Glücklicherweise haben wir viele unsere Lieblings-Andenken der letzten 40 Jahre, die wir im Namen des Rock’n’Roll vergeudet haben, aufgehoben. Unverstellte Bilder und dreckige Souvenirs. Jetzt sind wir bereit, all das mit euch zu teilen. Checkt unsere Vergangenheit, Gegenwart und Füture aus, genau hier, in diesem Crüeseum.“
Musiker, Songwriter, Produzent, gefragter Remixer – Steven Wilson ist in den Augen vieler der Tausendsassa des modernen Prog. Und er ist ein Enigma. Sein neues Album, das „so viel meiner musikalischen Persönlichkeit vereint“, wird vielleicht mehr Fragen beantworten, als es aufwirft.
Als Teenager in Hemel Hempste ad la s Steven Wilson „Descending“, eine Kurzgeschichte des amerikanischen Science-Fiction-Autors Thomas M. Disch. Disch war ein Satiriker und Atheist, der kein Blatt vor den Mund nahm und schon in den 60ern kein Geheimnis aus seiner Homosexualität machte (2008 beging er Selbstmord). Er war eine geplagte Seele. „Descending“ ist eine grausame, trostlose Erzählung über einen reuelosen Faulenzer, der in einem Einkaufszentrum die eine Rolltreppe nach unten nimmt und nicht mehr von ihr runterkommt. Ein Bild, das auf Wilson – der auch eine Faszination für Serienmörder und die düstereren Gef ilde der Menschheit allgemein entwickelt hatte – nachhaltig Eindruck machte. Man könnte es als einen Vorboten der bedrohlichen, Industrial-gefärbten Teile seines Katalogs betrachten. Vor allem jedoch pflanzte es das Bild der endlosen Treppe in seinen Kopf. Von UP TH DOWNSTAIR, dem ersten Album von Porcupine Tree, bis zu ihrem Song ›Arriving Somewhere But Not Here‹ von 2005 ist es zu einem wiederkehrenden Motiv geworden, einer Metapher für einen nie endenden Abstieg, wie die dystopische Rolltreppe von Thomas M. Disch. Oder für das Leben als eine Treppe nach … irgendwo.
„Ich denke, viel von meinem Songwriting über die Jahre bezog sich lose auf diese Idee, dass es um die Reise geht, nicht die Ankunft, um den Prozess und nicht das Ziel“, sagt er heute, während er vor seinem Haus in Nordwest-London sitzt. „Und je älter ich werde, desto mehr begreife ich: Das ist, wie das Leben wirklich funktioniert, oder?“ Im Lockdown schrieb er eine Kurzgeschichte namens „The Harmony Codex“, in der er das Bild der endlosen Treppe wie einen Traum einsetzte (sie erschien 2021 als Teil seines Buchs „Limited Edition Of One“), aber immer noch in der Gegenwart verankert. Ob nun die von Bildschirmen besessene Jugend in Porcupine Trees FEAR OF A BLANK PLANET oder die urbane Isolation in seinem Soloalbum HAND. CANNOT. ERASE – Wilson hatte noch nie Probleme damit, Inspiration aus dieser Welt zu ziehen. „Autoren wie Arthur C. Clarke und Philip K. Dick schrieben vielleicht über andere Planeten, aber tatsächlich schrieben sie über sich selbst“, erörtert er. „Sie schrieben über die Menschheit. Ich denke, das war schon immer so in der Science-Fiction: Sie ist eine wunderbare Lupe für menschliches Verhalten. Ich habe mich dem jetzt etwas weniger nihilistisch genähert als Thomas Disch“, fügt er hinzu. „Er schrieb mit die depressivsten Science-Fiction-Werke, die ich je gelesen habe. Aber ich habe seine Metapher, die Geschichte dieser nie ankommenden, stets abwärts fahrenden Rolltreppe in einem Einkaufszentrum, danach nie vergessen.“ Sein siebtes Solowerk, ebenfalls THE HARMONY CODEX betitelt, transportiert all das nun auf kolossales Klangterrain. Es ist eine labyrinthartige Escher-Treppe von einer Platte und eine einnehmde, 65-minütige Reise durch Wilsons kompletten musikalischen Kosmos – entstanden im Lockdown, doch weit darüber hinausschauend. Es ist das Produkt einer seltsamen Zeit in der Historie. Einer Karriere, in der er in unzählige Stilrichtungen und Sounds eintauchte. Und eines Lebens, das nicht so aussieht, wie er es sich einst vorgestellt hat.
„Es ist nicht so, wie ich es erwartet hätte“, sinniert er, während seine Frau und Stieftöchter irgendwo in den Zimmern hinter ihm sind. „Aber es macht mich trotzdem sehr glücklich.“ Steven Wilson begeistert sich schon lange für Unerwartetes. Er ist ein ernsthafter, ein wenig seltsamer Typ, der genauso von Disco-Deep-Cuts schwärmen kann wie vom Industrial-Lärm von Throbbing Gristle oder Pink Floyd, King Crimson, Gentle Giant und anderen Prog-Legenden (von denen er die meisten irgendwann mal in 5.1/Atmos geremixt hat). Zudem ist er ein Cineast, der liebend gerne mal die Musik zu einem Film im traumartigen Auteur-Stil von David Lynch oder Stanley Kubrick beisteuern würde. Seine Soloplatten haben sich unterdessen mit schrägem Jazz (GRACE FOR DROWNING), klassischem Progrock (THE RAVEN THAT REFUSED TO SING), 80er-Artpop (TO THE BONE) und mehr befasst. Er hat sogar Platten gemacht, von denen niemand weiß, dass sie von ihm sind – esoterische Werke, unter Pseudonymen veröffentlicht, unbelastet von den Erwartungen, die damit einhergehen, ein bekannter Künstler zu sein. Dann kam der März 2020 und veränderte alles. Wilsons Gedanken über das Leben, Erinnerungen und das moderne Zeitalter kollidierten in diesen so unglaublich seltsamen, eingesperrten Wochen, aus denen Monate wurden. Und sie führten zu einem Album, das eine ungewöhnliche Mischung aus Autobiograf ie, Beobachtung und traumartiger Erzählung ist. Er war nicht mal sicher, ob er es veröffentlichen würde, aber er wusste, dass er es machen wollte. „Ich glaube, es gab mir ein wenig das Gefühl, auf einer Insel zu sein, und ließ mich ein bisschen weniger an mein Publikum denken“, sagt er über jene Zeit. „Ein sehr surrealer, man könnte sagen unwirklicher Geisteszustand. Wie: ‚Das kann nicht in der Realität passieren, oder?‘ Wie viele Menschen genoss ich die Isolation am Anfang sogar. Dann wurde es weniger angenehm, und schließlich lähmend. Das Songwriting fand also in allen möglichen verschiedenen Stimmungen statt.“
Während Wilsons vorangegangene Solowerke sich meistens eine Spur aussuchten und sie nicht wechselten, trifft auf THE HARMONY CODEX das Gegenteil zu. Es gibt vierminütige Popstücke und 10-Minuten-Tracks. Elektronik, Gitarrensoli und Orchestertexturen. Feingliedrige, meditative Americana (›What Life Brings‹) und Epen à la Roger Waters (›Impossible Tightrope‹). Donnernde, atmosphärische Drum-Maschinen (›Inclination‹), außerirdische Synthies und Spoken-Word-Passagen – Letztere von seiner Frau Rotem Wilson. Unbequeme Geschichten über das 21. Jahrhundert (›Actual Brutal Facts‹, ›Beautiful Scarecrow‹) stehen neben sanften, melodischen Meditationen über die Sterblichkeit wie ›Time Is Running Out‹. Das Album ist weitläufig, filmartig und konfus – was in diesem Fall positiv gemeint ist. „Es mag bei früheren Platten immer einen Moment gegeben haben, in dem ich gesagt habe: ‚Nein, ich kann unmöglich ›Inclination‹ auf demselben Album haben wie ›Impossible Tightrope‹‘“, erklärt er. „Diesmal hatte ich keine Agenda. Ich wollte einfach eine faszinierende, packende musikalische Reise erschaffen, die gewissermaßen all meine Facetten zeigt, und hoffentlich auch ein paar neue.“ Alle Beteiligten arbeiteten im Homeoffice und wurden spezifisch für jeden Track ausgesucht, um „die richtigen Hände“ dafür zu haben. Das ließ mich jeden Song als sein eigenes kleines musikalisches Universum betrachten. Bei jedem Stück dachte ich also: ‚Okay, wen würde ich gerne darauf spielen lassen?‘ Ich verschickte Dateien, gab hier und da ein paar kleine Anweisungen, aber generell wartete ich und ließ mich von den Leuten überraschen.“
Einige der Partner sind weniger überraschend. Prog-gesinnte Gesellen wie Guy Pratt und Lee Harris (beide sonst bei Nick Mason’s Saucerful Of Secrets) erscheinen hier ebenso wie Wilson-Stammgäste wie Keyboarder Adam Holzman, Saxofonist Theo Travis (Soft Machine) und Bassist Nick Beggs. Ninet Tayeb, eine Popsängerin aus Israel, ist ebenfalls nicht zum ersten Mal an seiner Seite, sie singt auf einigen Tracks und schrieb einen Text zu der kraftvollen Pink-Floyd-meets-Bond-Soundtrack-Ballade ›Rock Bottom‹, inspiriert von ihren Erfahrungen mit ihrer bipolaren Störung. Andere Kollaboratoren sind jedoch weniger offensichtlich. Jack Dangers (von den Elektronikpionieren Meat Beat Manifesto aus den 90ern) hat Drum-Machine-Parts beigesteuert. Für Impossible Tightrope‹ wollte Wilson „einen Jazztrommler, der mit Aphex Twin und Squarepusher aufgewachsen ist“. Er fand ihn: Nate Wood. Auf einer zweiten Disc finden sich Remixe und Neuinterpretationen von den Manic Street Preachers, Roland Orzabal (Tears For Fears) und Mikael Åkerfeldt, um nur drei zu nennen, die im Wesentlichen eine Alternativfassung desselben Albums bieten. Es klingt nach viel, und ist viel. „Ich hatte das Gefühl, ins Studio zu gehen und zu sagen: ‚Scheiß drauf, ich mache einfach genau die Platte, die ich jetzt machen will, die ich in diesem Moment meines Lebens hören will, fast als Gegengift für alles, das gerade auf der Welt passiert.‘“
THE HARMONY CODEX wird nicht allen gefallen, und Wilson hat kein Problem damit. Er ist es gewohnt, seine Hörerschaft im Namen der Weiterentwicklung vor den Kopf zu stoßen. THE FUTURE BITES von 2021 musste er gegenüber Fans verteidigen, die mehr Gitarren verlangten. Er sagt oft, dass es ihm Spaß macht, die Leute zu provozieren, und nennt Formwandler wie Prince und David Bowie als Vorbilder. Aber er ist auch nur ein Mensch. Natürlich wirkt sich solche Kritik auf seine nächsten Schritte aus, ob bewusst oder nicht. „Es gibt immer eine Reaktion auf die vorige Platte, in allem, was ich tue“, gesteht er ein. „THE FUTURE BITES war dieses sehr kontrollierte, sehr knappe, nur 40 Minuten lange Elektropop-Werk – oder zumindest war es für meine Verhältnisse Elektropop. Also dachte ich dieses Mal vielleicht unterbewusst : ‚Okay, machen wir eine große, selbstgefällige, schamlos ambitionierte, prätentiöse, filmische Reise von einem Album.‘ Geben wir ihnen etwas, in dem sie sich verlieren können. Ich sehe nicht viele, die solche Platten machen“, sagt er und lacht. „Meiner Meinung nach ist das 2023 die wirklich alternative Musik.“
Heute veröffentlichen The Dandy Warhols ihre neue Single ›Danzig With Myself‹ featuring Black Francis von den Pixies. Das neue Album ROCKMAKER erscheint dann am 15. März. Als Kollaborationspartner hat die Band aus Portland Künstler und Künstlerinnen wie Guns N‘ Roses-Gitarrist Slash oder Debbie Harry von Blondie ins Boot geholt.
„Alles begann mit einem Riff, das nach Misfits oder Danzig klang, nur verlangsamt“, so Courtney Taylor von den Dandy Warhols über die neue Single. „Mit der Zeit schliff sich der Arbeitstitel ein und wir konnten ihn nicht mehr ändern. Ich meine, komm schon… ›Danzig With Myself‹?!“
Von wegen verflixte Sieben! Sänger und Gitarrist Per Borten ist überzeugt, dass die Zahl kein Unglück bringt. Er freut sich lieber darüber, dass die Besetzung auf SPIDERGAWD VII stabiler denn je ist und vom Metal und Hardrock der 80er befeuert wird. Mit ihrem jüngsten Album im Gepäck kommen die Norweger demnächst für zahlreiche Konzerte nach Deutschland und präsentieren VII live:
Nach 50 Jahren wurden alte Fernsehaufnahmen von The Sweet aus dem Jahr 1971 restauriert. Eigentlich dachte man, der Film wäre gelöscht worden, doch die Archiv-Organisation „Kaleidoscope“ konnte die verloren geglaubten Aufnahmen retten
Und so können Sweet-Fans heute eine Performance von ›Alexander Graham Bell‹ in der Fernsehsendung „Lift Off With Ayshea“ vom 27.10.1971 begutachten, der Konkurrenz-Sendung zum damals überaus beliebten Format „Top Of The Pops“.