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Billy Joel: Neue Single ›Turn The Lights Back On‹

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Heute erscheint die brandneue Single ›Turn The Lights Back On‹ von Billy Joel, begleitet von einem Lyric-Video. Die Veröffentlichung ist eine kleine Sensation, schließlich hat der Piano Man seit 2007 kein Originalmaterial mehr veröffentlicht.

Billy teaserte das Lied zunächst auf TikTok an, nach seinem Debüt auf der Social-Media-Plattform. Jetzt liefert er eine klassische Billy Joel-typische Melodie, die das nächste Kapitel seiner Geschichte einleitet. Im Text fragt er: „Habe ich zu lange gewartet… um das Licht wieder anzuschalten?“ Ob die Single ein Vorbote auf ein neues Album ist, ist bisher noch nicht bekannt.

Led Zeppelin: Original-Vertrag mit Atlantic Records aufgetaucht

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Der Original-Vertrag, den Led Zeppelin im Jahr 1968 mit Atlantic Records abschloss, wurde vor kurzem enthüllt. Das inoffizielle News-Portal LedZepNews hält die Scans des Originals auf seiner Website bereit. In dem Dokument steht beispielsweise zu lesen, dass Gitarrist Jimmy Page jederzeit dazu berechtigt gewesen wäre, seine Bandkollegen auszutauschen und trotzdem weiter unter der Fahne Led Zeppelin zu segeln.

„James Page ist in jedem Fall Mitglied und Anführer von ‚The Led Zeppelin‘. Personen, deren Dienste gekündigt werden, dürfen den Namen ‚The Led Zeppelin‘ nicht in kommerziellen oder künstlerischen Unternehmungen verwenden“, heißt es wörtlich in dem Vertrag, der von Jimmy Page und Ahmet Ertegun, dem Gründer von Atlantic Records, unterzeichnet wurde. Robert Plan, John Paul Jones oder John Bonham haben das Papier nicht unterschrieben. Etwa zwei Wochen nach Vertragsschluss wurde eine Pressemitteilung veröffentlicht, die den Zusammenschluss von Atlantic und Led Zeppelin behandelte:

„Led Zeppelin besteht aus vier der aufregendsten Musiker, die heute in Großbritannien zu finden sind. Jimmy Page, der Anführer der Gruppe und Lead-Gitarrist; John Paul Jones, Bassist, Pianist, Organist und Arrangeur; John Bonham am Schlagzeug; und Robert Plant an Lead-Gesang und Mundharmonika.

Seitdem die Gruppe vor einem Monat in London ihr erstes (noch unveröffentlichtes) Album aufgenommen hat, das von Jimmy Page produziert wurde, hat sich der Rummel um Led Zeppelin noch verstärkt.

Englische und amerikanische Top-Rockmusiker, die die Tracks gehört haben, bezeichnen Led Zeppelin als die nächste Gruppe, die an die Erfolge von Cream und Hendrix heranreicht. Diese Led Zeppelin-LP wird Anfang Januar bei Atlantic erscheinen.“

John Lennon: Unfertiger Roman von Stuart Sutcliffe wird versteigert

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Demnächst sollen die gesammelten Kunstwerke, Essays und Gedichte aus dem Nachlass von Stuart Sutcliffe, oft auch „fünfter Beatle“ genannt, verkauft werden. Darunter befindet sich auch ein unfertiger Roman, den Sutcliffe über seinen engen Freund John Lennon geschrieben hat.

Stuart Sutcliffe spielte nicht nur in der Anfangszeit Bass bei den Beatles, vor allem in deren Hamburgjahren, sondern soll auch für deren Bandnamen mitverantwortlich zeichnen. Für seine Kunst ließ er die Band hinter sich und blieb außerdem bei seiner Liebe Astrid Kirchherr in Deutschland. Im Jahr 1962 starb der Künstler in Hamburg an einer Hirnblutung. Nach seinem Tod erklärte John Lennon öffentlich: „Ich sah zu Stu auf. Ich verließ mich auf seine Meinung. Wenn er sagte, etwas sei gut, dann glaubte ich ihm.“

In der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK lest ihr alles über die Solokarriere und das Leben John Lennons nach den Beatles. Jetzt hier versandkostenfrei bestellen: CLASSIC ROCK #126

Videopremiere: Louise Lemón mit ›Tears As Fuel‹

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„Wenn Tränen alles sind, was du mit jemandem teilst, trinkst du sie wie Wein. Irgendwann sagte ich mir, dass Liebe nur echt ist, wenn er dir wirklich wehtut, denn warum sonst sollte man Tränen vergießen? Wenn du nichts hast, ist Schmerz etwas. Also hält man manchmal lieber an diesem etwas fest, als mit nichts zurückzubleiben.“

Mit diesen herzzerreißenden Worten umschreibt Louise Lemón die Grundgedanken ihres neues Albums LIFETIME OF TEARS und der darin enthaltenen Single ›Tears As Fuel‹. Die schwedische „Queen Of Death Gospel“ atmet das Drama in ihrem Sound, ergeht sich in großen Gefühlen, spielt mit emotionaler Intensität und düsteren Gedanken – Schmerz und Schönheit wandeln in Lemón Klangwelt Hand in Hand. Mit LIFETIME OF TEARS legt sie ein weiteres Stück auf ihrem authentischen Weg aus Pop Noir und düsterem Soul zurück.

Eine Single, die jene Tränengedanken Wort für Wort, Note für Note, auf den Punkt bringt, veröffentlicht die Künstlerin jetzt. Seht hier das neue Video zu ›Tears As Fuel‹:

Rückblende: Roxy Music – ›Virginia Plain‹

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Roxy Music Virginia PlainEs brach alle geltenden Regeln, was eine Hitsingle ausmacht, doch dieses Lied über das Gemälde einer Zigarettenschachtel – einer Zigarettenschachtel! – wurde zu einem echten Rockklassiker.

Dieser Song verhalf Roxy Music zu ihrem großen Durchbruch und dem Sommer 1972 zu einem seiner definierenden Chart-Momente. Dabei war er eine Hitsingle, die nicht nur sämtliche Regeln ignorierte, sondern sie gleich komplett auf den Kopf stellte: kein Refrain, ein Intro mit Fade-in und ein abruptes Ende – das genaue Gegenteil von „normalen“ Singles. Der Titel wurde nicht mal erwähnt, bis zu ebenjenem finalen Schlusspunkt, wo Bryan Ferry plötzlich herausplatzt: „What’s her name? Virginia Plain!“

„Heutzutage, wenn man an Singles denkt, haben sie die Formel perfektioniert“, sagt Gitarrist Phil Manzanera. „Gleich am Anfang direkt in den Refrain, dann der Hook, eine schnelle Strophe, zurück zum Refrain, und das Ganze von vorne bis zum Fade-out. Bei ›Virginia Plain‹ gab es nichts dergleichen.“

War es eine arglistige Subversion des bestehenden Geschmacks? Ein arroganter Artrock-Leitspruch, der eine neue Wirklichkeit einläutete? „Nein, nichts davon. Wir hatten einfach nur keine Ahnung, wie man eine Single machte. Wir hatten das noch nie getan.“

Typischerweise hatten Roxy Music im Gegensatz zu gültigen Schemata ihr Debütalbum zwei Monate zuvor im Juni 1972 veröffentlicht. Es war voller Songs, die weder einen Refrain hatten noch ihre Titel auch nur erwähnten und oft ohne Warnung einfach aufhörten, erreichte aber dennoch Platz 10 der UK-Albumcharts.

„Wir hatten keine Ahnung, wie man eine Single macht. Wir hatten das noch nie getan.“
(Phil Manzanera)

Im August 1972 ihre erste Single aufzunehmen und zu veröffentlichen, war ein nachträglicher Einfall. „Man sagte uns: Das Album ist ganz gut gelaufen. Ihr solltet eine Single machen. Und wir dachten, na dann, okay…“

Als die Band im Juli in den Command-Studios in London eintraf, hatten sie das Stück noch nicht mal geprobt. „Wir kreuzten einfach im Studio auf, Bryan spielte diese unglaublich simplen drei Akkorde auf dem Klavier und wir fingen halt in jenem Moment an, damit rumzuexperimentieren“, so Manzanera.

„Wir“, das war das klassische frühe Roxy-Line-up, also Saxofonist und Oboist Andy Mackay, Schlagzeuger Paul Thompson und der Mann mit dem kryptischen Namen Eno (noch niemand wusste, dass sein Vorname Brian war) am VCS3-Synthesizer und „Behandlungen“, was auch immer das war. Das Herumexperimentieren erwies sich als ziemlich ausgiebig.

Neben der frei assoziativen Lebensfreude des Texts („Flavours of the mountain streamline, midnight-blue casino floors/Dance the cha-cha thru till sunrise, open up exclusive doors, oh wow!“…aaaah ja) gab es auch einzigartige Klänge: Ferrys stark vibrierende Stimme, das Geräusch eines Motorrads, das davon donnert, Enos Spielzeug-Synthesizer und, am absurdesten und schönsten überhaupt, eine trötende Oboe. „Gab es jemals eine Hitsingle mit einer Oboe?“, sinniert Manzanera. „Ich weiß es nicht. Aber ich denke mal, dass offenbar eine vermisst wurde. Keine andere Band damals schien eine zu haben.“

Doch ›Virginia Plain‹ hatte noch andere Aspekte, von denen andere Künstler nicht mal zu träumen wagten. Etwa das Gefühl, dass sich gerade irgendjemand, irgendwo, auf Kosten des Rests der Welt einen dicken, fetten Scherz erlaubt.

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Humble Pie: Der Strudel des Erfolgs

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Im Jahr 1971, also vor 53 Jahren, sind Humble Pie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Die Briten, einst als eine der ersten „Supergroups“ gehypt, haben mit ihren vier Alben bewiesen, dass sie es ernst meinen, eine richtige Band sind, kein Projekt. Insbesondere ihre Live-Shows beeindrucken die Massen. Doch dann kehrt Gitarrist Peter Frampton Humble Pie den Rücken – und versetzt der Gruppe um Steve Marriott einen Schlag, von dem sie sich nicht mehr erholt.

Es ist der 3. Juli 1971. Ein grauer Tag in London, es nieselt ununterbrochen, die Wolkendecke will und will nicht aufreißen. Doch davon lassen sich die Menschen nicht abhalten, die sich im Londoner Westend zusammenrotten und in Richtung Hyde Park marschieren. Denn dort, so verkünden es die Plakate an den Laternenmasten, gibt es heute „Pie im Park – gratis!“ Gratis Pie? Nun, Großbritannien steckt zwar gerade in einer Krise – aber ist die Lage wirklich so schlimm, dass die Leute Schlange für eine kostenlose Portion des britischen Traditionsgerichts stehen? Nein, ist es natürlich nicht. Denn der Pie, der an diesem Tag unentgeltlich serviert wird, ist keineswegs kulinarischer, sondern musikalischer Natur. Schon auf dem Weg in den Park werden die Rockfans beschallt. Wer die Oxford Street entlanggeht, kann bereits das dumpfe Dröhnen der P.A. in der Ferne hören. Wer sich der Bühne weiter nähern möchte, muss Geduld beweisen. Im Park drängen sich Zehntausende dicht an dicht, um bei größten Gratis-Open Air des Jahres dabei zu sein. Auf dem Programm steht ein (Opener-)Auftritt von Head, Hands & Feet, als Headliner sind Grand Funk Railroad gebucht. Für die Mittelposition sind Humble Pie ausersehen.

Bereits am frühen Nachmittag treffen sich alle Musiker im Park. Im provisorischen Backstage-Bereich hüpft eine Schar von Angestellten herum, die allein damit beschäftigt ist, die Band-Limousinen zu bewachen, die hinter den Wohnwagen parken, in denen die Musiker untergebracht sind. Die Stars warten derweil auf ihren Auftritt. Sänger und Rhythmusgitarrist Steve Marriott sitzt keine Sekunde still: Der 1,65 Meter große Rocker wirbelt umher und nestelt ununterbrochen an seiner violetten Schlaghose herum, die sich des Öfteren in den Schnürsenkeln seiner weißen Schuhe verfängt. Leadgitarrist Peter Frampton, den ebenfalls nichts mehr in seinem Caravan hält, ist noch auffälliger gekleidet: Er trägt einen grünen Anzug. Bassist Greg Ridley und Drummer Jerry Shirley dagegen haben sichtlich weniger Zeit vor dem Kleiderschrank verbracht – sie liegen in bequemen Klamotten auf der Wiese, rauchen einen riesigen Joint und reißen einen Witz nach dem anderen.

Während die Humble Pie-Besetzung die Zeit bis zum Showbeginn totschlägt, ist die Stimmung vor der Bühne angespannt: Eine Schar Hell’s Angels aus Südlondon mischt sich unters Volk, auch etliche Skinheads sind angereist. Doch die Zuschauer bleiben gelassen, selbst wenn die ein oder andere Bierflasche über ihre Köpfe hinwegsegelt. Auch einige Szene-Helden werden gesichtet: Alexis Korner ist gekommen, ebenso Andy Fraser von Free. Und auch etliche Mitglieder der – damals unbekannten – Sex Pistols wollen sich das Spektakel nicht entgehen lassen. Es ist ein denkwürdiger Tag für den Rock’n’Roll, aber nicht nur wegen dieser Show: Jim Morrison wird in Paris tot in seiner Badewanne aufgefunden.

Doch davon bekommen die Londoner Fans nichts mit. Sie wollen feiern – und zwar insbesondere mit und wegen Humble Pie. Die haben bereits vier Studioalben veröffentlicht, das jüngste, ROCK ON, ist seit März auf dem Markt. Und jeder Teenager, der sich als Rockfan bezeichnet und diese Bezeichnung auch verdient, besitzt ein Exemplar. Im Mai haben Humble Pie zudem im New Yorker Fillmore East gespielt. Der Gig wurde für eine Liveplatte mitgeschnitten: PERFORMANCE – ROCKIN’ THE FILLMORE soll im Herbst erscheinen. Diese (und zahlreiche weitere) Erfahrung(en) der letzten Monate haben der Band jede Menge Selbstbewusstsein verliehen: Sie ist bestens aufeinander eingespielt und darf nun vor heimischem Publikum rocken. Das macht sich heute bemerkbar. Schon bei der Ankündigung der Band, die Grand Funk-Manager Terry Knight übernimmt, bricht ein Jubelsturm los. Die US-Headliner sind an diesem Abend chancenlos, Humble Pie siegen auf ganzer Linie: Nach ihrem Gig leert sich der Hyde Park beträchtlich.

„Wir wussten einfach, wie wir es anstellen mussten“, erklärt Schlagzeuger Jerry Shirley (59) das damalige Erfolgsrezept. „Es störte uns nicht, dass Tausende von Menschen vor der Bühne standen und uns anstarrten. Im Gegenteil, es spornte jeden von uns noch zusätzlich an. Nichts konnte Humble Pie aufhalten! Ein paar Tage vor der London-Show spielten wir in Mailand. Dort wurden wir mit Tränengas attackiert. Doch wir machten einfach weiter. Steve war der geborene Frontmann, er hatte die Leute vom ersten Takt in der Hand. Er riss einfach ein paar platte Witze, schwang die Hüften und überzeugte mit seiner unglaublichen Stimme selbst die Fans in der letzten Reihe. Ein absolutes Showtalent, der Mann. Nach unseren Auftritten hinterließen wir immer eine gewisse Leere, weil wir die Leute herausforderten und wollten, dass sie sich völlig verausgaben. Bei Festivals war das wirklich ein Problem für die Bands, die nach uns spielten…“

Interview: Wird Phil Collins immer noch von allen gehasst?

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Man kennt ihn ja. Den Prog-Verräter im glänzenden Anzug. Den Mann, der Led Zeppelin ruiniert hat. Dessen Frau mit dem Inneneinrichter durchbrannte. Das ist alles wahr. Aber es ist viel mehr dran an dem Gentleman, der fast bei The Who einstieg, Selbstmordgedanken hatte und, ehrlich gesagt, ein gründlich missverstandener Typ ist.

Text: Mark Ellen

In den oberen Stockwerken der Abbey Road Studios verstopfen vorsintflutliche Tonbandgeräte die Flure. Es sind die klobigen alten Maschinen mit großen Metallspulen, die damals bei seinen ersten Aufnahmen zum Einsatz kamen. 1969, mit 18, war er in einer Rockband mit ausgetüftelten Songs über die Mondlandung. Ein Jahr später war er in einem Raum in genau diesem Gebäude und spielte auf einem Album von George Harrison.

Phil Collins hat früh angefangen und ganz schön viel in sein Leben gepackt. Schon mit 20 wurde er zum Genesis-Schlagzeuger mit den Jeans-Latzhosen. Seine Zeit bei ihnen beendete er als Sänger mit Satin-Sakko. Danach veröffentlichte er die acht Soloalben, die nun in erweiterten und remasterten Fassungen in dem Reissue-Projekt TAKE A LOOK AT ME NOW wieder erscheinen. Nebenbei verdingte er sich noch als Produzent, u.a. für John Martyn, die Four Tops, Adam Ant und Tears For Fears.

Im Lauf seiner Karriere hat er jeden nur erdenklichen Sturm überstanden. In einem Moment wurde er als Held des atmosphärischen Pop-Soul gefeiert, im nächsten als Schnulzen­troubadour verrissen. Sein Live-Aid-Auftritt auf zwei Kontinenten goss zusätzlich Öl ins Feuer der Kritik. Doch alles verläuft zyklisch, und in jüngster Zeit gibt es eine ganze Reihe von US-Rock- und R&B-Stars, die genau diese Platten samplen und in den Himmel loben, die vor 30 Jahren als überproduziert und uncool galten.

Heute sitzt Phil Collins in einem kleinen Nebenzimmer, in dem sich nichts außer zwei Stühlen, einem kleinen Tisch, ihm und seiner Dose Red Bull befindet. Er hat die dicksten, muskulösesten Arme, die man sich vorstellen kann, und zwei Emotionsstufen: Wenn wir über Musik sprechen und die Menschen, mit denen er zusammengearbeitet hat, leuchtet er auf wie ein Flipperautomat – „daran habe ich schon seit Jahren nicht mehr gedacht!“.

Wenn es aber um die Kritikerhäme oder die traurigen Ereignisse aus seinem Privatleben der letzten Zeit geht (ein freudiges Update: Wochen nach diesem Interview haben Phil und seine dritte Frau sich wieder versöhnt!), scheint er zu schrumpfen und wirkt so niedergeschlagen und besorgt, als sei er ein komplett anderer Mensch. Drücken will er sich aber vor nichts: „Du fragst“, sagt er und hebt seinen Red Bull, „und ich werde antworten“.

Ich weiß noch alles über ein Genesis-Konzert, das ich am 29. Mai 1972 in Farnborough besuchte, inklusive einer grandiosen Version von ›The Return Of The Giant Hogweed‹. Kannst du dich noch an irgendetwas davon erinnern?
Ja, das waren tolle Zeiten. Wir haben oft in Farnborough gespielt, das Publikum war immer freundlich, weil ein paar von uns aus dieser Ge­­gend stammten. Zwei Tage darauf traten wir beim Great Western Festival in Lincoln auf. Ich traf damals den Promoter Stanley Baker irgendwo am Embankment in London. Er hatte ein tolles Penthouse mit Blick auf den Fluss und hatte in „Zulu“ an der Seite von Michael Caine gespielt. Das war ein RICHTIGER Star.

Wie kam es zu deinem Auftritt im Beatles-Film „A Hard Day’s Night“?
Na ja, ich war in dem Film, aber auch wieder nicht. [Der Produzent] Walter Shenson bat mich, für das 30. Jubiläum 1994 als Sprecher für ein Making Of auf der DVD zu fungieren. Und ich sagte zu ihm: „Ich war in dem Film zu sehen, aber sie haben mich rausgeschnitten“. Dann gab er mir die Outtakes der Konzertszene am Ende, ich bin Bild für Bild durchgegangen und habe mich gefunden! Auf der DVD kreise ich mich auf dem Bildschirm ein. Ich war 13. Bei „I’ve Got A Horse“, einem Film von Billy Fury, war das ähnlich. Die Small Faces sind darin zu sehen, aber ich wurde wieder rausgeschnitten. Ebenso wie aus „Chitty Chitty Bang Bang“. Da scheint es ein Muster zu geben. Aber später drehte ich dann „Buster“ und spielte Onkel Ernie in „Tommy“. Das liebte ich, obwohl es politisch nicht sehr korrekt war, einen Pädophilen darzustellen. Aber es war toll, weil es mich mit The Who zusammenbrachte. Ich hatte mit Townshend kurz nach Keith Moons Tod zusammengearbeitet und fragte ihn: „Hast du schon einen Schlagzeuger? Das würde ich nämlich liebend gerne tun. Ich werde bei Genesis aussteigen“. Pete antwortete: „Fuck, wir haben gerade Kenney Jones gefragt“. Was die meisten Leute nicht wissen, ist dass Kenney Jones einsprang, wenn Keith zu lädiert war. Er war viel zu höflich für The Who, aber ich hätte den Job gut gemacht. Ich wäre bei ihnen eingestiegen.

Uriah Heep: Denn sie wussten nicht, was sie tun

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Die Geschichte von Uriah Heep in den 70ern ist durchsetzt von Drogen, Alkohol, Zusammenbrüchen, Tragödien und Feindseligkeiten. Die Männer, die in diesem Trümmerhaufen lebten, erzählen vom Leben in einer Band im Krieg.

Es ist der 14. August 1975, und Uriah Heep werden gleich auf die Bühne der Spectrum-Arena in Philadelphia gehen. Die Briten haben den Wind in den Segeln, nachdem ihr achtes Album RETURN TO FANTASY zum transatlantischen Erfolg wurde, und 25.000 Menschen drängen sich in die ausverkaufte Halle, um sie heute Abend zu sehen. In den letzten sechs Jahren haben Uriah Heep hart gearbeitet, um eine der größten Rockbands der Welt zu werden. Ihr bombastischer, vielschichtiger Mix aus Hardrock und Prog hat sie zu einer Band des Volkes gemacht: geliebt von Plattenkäufern und Konzertgängern, gehasst von Kritikern. Mit RETURN TO FANTASY, dem Vorgänger WONDERWORLD weit überlegen, haben sie es erstmals in die UK-Top 10 geschafft.

Jetzt unser zweistündiges Tiefengespräch mit Mick Box über die Historie von Uriah Heep lesen. In dieser Ausgabe von CLASSIC ROCK!

Von außen betrachtet stehen Uriah Heep im Zenit ihres Schaffens. Die Wahrheit sieht jedoch anders aus, denn das Quintett ist kaum noch funktionsfähig. Hinter den Kulissen zerreißen bösartigste persönliche Differenzen die Band – wobei Alkohol- und Drogenprobleme nicht hilfreich sind. Bassist Gary Thain war Anfang des Jahres wegen seiner außer Kontrolle geratenen Heroinsucht gefeuert worden. Wenige Monate später stirbt er an durch Drogen verursachtem Lungenversagen. Ersetzt wird er durch John Wetton, vorher bei Family und King Crimson tätig. Doch im Moment hat die Band ein noch weit größeres Problem: David Byron. Der charismatische Sänger ist schwer alkoholkrank, was sich sowohl auf seine Bühnenperformance als auch auf sein Leben abseits der Bühne auswirkt. Und hier in Philadelphia spitzt sich die Lage bedenklich zu.

Byron hat schon den ganzen Nachmittag seinen Lieblingswhiskey Chivas Regal getrunken und ist vor dem Auftritt total am Ende. Er ist so betrunken, dass er an einem Punkt des Konzerts in einen Mikroständer stolpert und seine Lippe aufschneidet. Er begreift, dass er blutet, hält den Jubel in der Halle für Gelächter und reagiert gedemütigt und aggressiv mit einem „fuck off“ an das gesamte Publikum. Eine Ansage, die alle verblüfft, auf und vor der Bühne.

Fast 40 Jahre später ist diese Erinnerung dem sonst so souveränen Gitarristen Mick Box immer noch peinlich: „Ich war gerade dabei, meine Gitarre zu stimmen, und brachte es einfach nicht fertig, mich umzudrehen und dem Publikum stellen“, seufzt er.

„Ich habe mich für David und für uns alle geschämt“, sagt Keyboarder Ken Hensley. „Wenn dein Frontmann das gesamte Publikum beleidigt, was sollst du tun? Er zerstörte meine Karriere genauso wie seine eigene. Ein paar Konzerte später machte ich klar, was ich wirklich fühlte, und verließ die Tour. Rückblickend hätte ich wohl reifer sein sollen, statt einfach nur abzuhauen. Aber ich war wütend, und es war eine spontane Reaktion.“

Der Bandmanager Gerry Bron musste die Scherben zusammenkehren. Er beendete vorzeitig seinen Urlaub in Barbados und flog zurück nach London, um Hensley zur Rückkehr zu bewegen. Für Byron allerdings gab es keine Hoffnung mehr. „Damit Ken in der Band bleibt, waren wir uns einig, musste David gehen“, sagt Bron heute.

Byron war nicht bewusst, dass die Axt schon über seinem Kopf hing, doch das zunehmend distanzierte Verhalten seiner Bandkollegen nach dem Philadelphia-Debakel machte ihn nur noch paranoider und verschlossener. Innerhalb von zwölf Monaten wurde er gefeuert. Sein letztes Konzert mit Heep war am 25. Juni 1976 in Bilbao, Spanien, wo er erst mal die Glastür am Eingang der Halle eintrat. „Ich denke, selbst David hatte da schon begriffen, dass er rausfliegen würde“, sagte Box später. Aber da war es schon zu spät. Für Byron und Uriah Heep sollte nichts mehr so sein wie früher.

In der Geschichte von Uriah Heep liegen Triumph und Tragödie nah beieinander. Von 1972 bis 1976 veröffentlichten sie sechs Alben, die sie als eine der Schlüsselbands ihrer Zeit etablierten und von denen min-destens zwei – DEMONS AND WIZARDS und THE MAGICIAN‘S BIRTHDAY – zu den Meilensteinen des 70s-Rock zählen. Doch hinter den Kulissen gab es Egoprobleme, Streitigkeiten mit ihrem Manager und Suchtprobleme, die zum vorzeitigen Tod zweier Bandmitglieder führten.

Die Wurzeln von Heep lagen bei Mick Box und David Byron. Der bodenständige Gitarrist beschreibt den flamboyanten Sänger (bürgerlich David Garrick) als einen „stolzen Pfau von einem Mann“. Zusammen hatten sie bei The Stalkers und Spice gespielt – Letztere wurden bei einem Auf-tritt in High Wycombe von Gerry Bron entdeckt, der bald darauf ihr Manager, Produzent und – nach Gründung seiner Plattenfirma Bronze Re- cords 1971 – ihr Labelboss werden sollte.

Bron ist eine Schlüsselfigur in der Geschichte von Uriah Heep – und kontrovers. Er war älter als seine Schützlinge und hatte schon mit Manfred Mann und Colosseum zusammengearbeitet. Der Erfolg von Uriah Heep sollte es ihm erlauben, das Bronze-Imperium zu erweitern und Bands wie Motörhead, The Damned und Girlschool unter Vertrag zu nehmen. „David Byron war definitiv der Anführer der Band“, erinnert sich Bron an die Anfangstage von Uriah Heep. „Er kam ins Büro und ließ bei allen seinen Charme spielen, auch den Sekretärinnen. Vier Jahre später war dieser nette Typ zu einem totalen Arschloch, einem Dämon geworden.“

Während Spice die Aufnahmen ihres Debütalbums in Angriff nahmen, schlug Bron vor, dass sie sich in Uriah Heep umbenennen sollten – inspiriert nicht etwa von der Figur aus Charles Dickens’ Roman „David Copperfield“ von 1850, sondern einer Anzeige im „Melody Maker“ von einem potenziellen Angestellten, der diesen Namen angenommen hatte. „Sie war bei den Stellengesuchen: ‚Erfahrener Roadie sucht Arbeit, bitte Uriah Heep anrufen…‘“, erinnert sich Bron. „Ich dachte, verdammt, was für ein fantastischer Name.“