0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 72

Guns N‘ Roses: Appetite for Reconstruction

0

Fünf hoffnungsvolle junge Musiker namens Guns N’ Roses gingen in ein Studio. Neun Monate später kamen sie mit einem der besten Debütalben aller Zeiten wieder heraus. Aber APPETITE FOR DESTRUCTION hätte SEHR anders werden können…

5. Juni 1986: Guns N’ Roses nehmen in den Sound City Studios in Los Angeles Demos für ihr Debüt auf. Die Band, über die in der Szene von L.A. so viel geredet wird wie über keine andere, hat nach einem wilden Bieterkrieg zwischen diversen Major-Labels bei Geffen Re­­cords unterschrieben. Die Plattenfirma hat einen Mann als Produzenten geschickt, der schon alles gesehen hat: Manny Charlton, den Gitarristen von Nazareth, einer der großen Rockbands der 70er.

In den ersten beiden Stunden füllt sich die kalte Luft im Raum mit Zigarettenrauch, während die Band eine Reihe fieser Rocksongs abfeuert. Charlton gefällt das, was er da hört. Wie er sich heute erinnert: „Sie waren wie Aerosmith und die Stones – vor allem mit diesem Image, das sie hatten.“ Und dann, nach der Hälfte der Session, tut der Sänger Axl Rose etwas völlig Unerwartetes. „Er setzte sich einfach ans Klavier, als wir eine Pause machten und spielte der Band diesen Song vor.“

Und der hieß ›November Rain‹. Ein Stück, das er drei Jahre zuvor geschrieben hatte, bevor Guns N’ Roses überhaupt existierten, und das anders als alles andere in ihrem Repertoire war – ein wunderschönes, episches Liebeslied, über zehn Minuten lang, mit Anklängen an Queen und Elton John. Während Rose es sang, seine Stimme roh vor Emotionen, war Charlton ge­­bannt. Als es vorbei war, war Charlton überzeugt, dass dies der wichtigste Song auf dem ersten Album von Guns N’ Roses werden wür­de. Doch der Sänger dachte schon wesentlich weiter: „Der ist für das zweite Album“, informierte ihn Axl.

Am Ende der Session hatten sie 25 Stücke auf Tonband. Es gab die raue Energie von ›Nightrain‹ und ›Out Ta Get Me‹, auf denen die Band, wie Slash später sagte, klang „wie wütende Hunde, die in eine Ecke gedrängt wurden“. Auf zwei Nummern hörte man schon ein breiteres Spektrum, das auch den Classic Rock streifte: ›Paradise City‹ und ›Rocket Queen‹. Doch am kraftvollsten war für Charlton ein Stück, in dem Rose die Gefahren der Straßen von L.A. besang: ›Welcome To The Jungle‹.

Guns N’ Roses stand allerdings noch ein weiter Weg bevor. Es brauchte neun weitere Monate und einen weiteren Produzenten, bis APPETITE FOR DESTRUCTION fertiggestellt war. Und während Charltons Instinkt ihm sagte, dass hier eine große Band im Entstehen war, sah er wie so viele andere doch nicht das wahre Potenzial, das Guns N’ Roses hatten. „Sie waren einfach ein Haufen junger Typen, die ihre Rock’n’Roll-Träume auslebten und die Zeit ihres Lebens hatten“, sagt er heute. „Ich hatte keinen Schimmer, dass sie eine der größten Bands der Rockgeschichte werden würden.“

32 Jahre später, im Juni 2018, wurde das meistverkaufte Debütalbum aller Zeiten in einer Deluxe-Edition neu verpackt und veröffentlicht, auf der diese sa­­genumwobene Sound-City-Session – zuvor nur in Auszügen auf minderwertigen Bootlegs verfügbar – endlich in ganzer Länge und in High-Definition-Klang zu hören war. Sie offenbarte einen Albumklassiker als ein sich noch entwickelndes Werk, eine Band, die auf einen Höhepunkt zusteuerte, und Rose, der mit ›November Rain‹ schon nach etwas Größerem griff. Neun der Stücke, die an diesem Tag eingespielt wurden, schafften es in überarbeiteter Form auf APPETITE FOR DESTRUCTION. Was Manny Charlton heute in ihnen hört, ist in seinen Worten „eine großartige, rohe junge Band“. Doch als diese Aufnahmen entstanden, war man sich innerhalb des Musikbusiness einig, dass diese Truppe, die für einen Deal über sechs Alben gesignt war, Glück haben würde, auch nur eines zu machen. Guns N’ Roses hatten einen heftigen Ruf als die wildeste und drogengeilste Band aus L.A. seit Mötley Crüe. Wie sich Slash später erinnerte: „In den Anfangstagen war das berühmteste Zitat über Guns N’ Roses: ‚Sie werden sich selbst zerstören und umbringen, bevor sie überhaupt eine Platte rausbringen‘. Und das war wahrscheinlich auch irgendwie wahr.“

Tom Zutaut, der A&R-Mann, der sie zu Geffen gebracht hatte, tat am meisten dafür, APPETITE FOR DESTRUCTION fertig zu be­­kommen. In seinem früheren Job bei Elektra Records hatte er Mötley Crüe unter Vertrag genommen, und seine erste Wahl als Produzent für Guns N’ Roses war Tom Werman, ein abgehärteter Veteran, der mit Crüe an ihren Hitalben SHOUT AT THE DEVIL und THEATRE OF PAIN gearbeitet hatte. Zutaut dachte, wenn Werman Mötley Crüe im Studio in Zaum halten konnte, könnte er auch Guns N’ Roses packen. Letztlich kam es aber nie dazu. Als Werman eine Probe von Guns N’ Roses besuchte, spielten sie ›Mr. Brownstone‹ so laut, dass er einfach den Raum verließ und nie wieder kam.

Als nächstes sprach Zutaut Paul Stanley von Kiss an, einer Band, die Schlagzeuger Steven Adler verehrte. Doch beim ersten Treffen von Stanley mit den Gunners wurde sein Vorschlag, an einem neuen Arrangement für ›Welcome To The Jungle‹ zu arbeiten, ohne Umschweife abgelehnt. Wie Bassist Duff McKagan später sagte: „Wir wollten für absolut niemanden einen Song um­­schreiben.“ Zutaut musste Stanley dann schließlich mitteilen, dass seine Dienste nicht mehr gebraucht würden. Rose unterdessen brachte Zutaut auf Manny Charlton, als er sagte: „Holt mir den Typen, der HAIR OF THE DOG produziert hat“.

Jenes Album von 1975 war das er­­folgreichste in der Karriere von Nazareth und das erste von vielen, die von ihrem Gitarristen produziert wurden. Außerdem war es ein großer Einfluss auf den jungen Axl Rose während seiner Jugend in Lafayette, Indiana, gewesen. Sein Gesangsstil, hoch und rau, ahmte den von Nazareth-Frontmann Dan McCafferty nach. Mitte der 80er hatte Charlton zwei mit Gold ausgezeichnete Alben für die kanadische Rockgruppe Streetheart produziert, doch es war dieser erdige Klang der klassischen Nazareth-Platten, den Rose für Guns N’ Roses wollte.

Zutaut fuhr mit ein paar Live-Aufnahmen seiner neuen Schützlinge zu Charlton nach Schottland. „Das waren nur ein paar Mixe vom Mischpult, die nicht besonders toll waren“, so Charlton. „Aber ich hörte genug, um interessiert zu sein.“ Es wurde lose vereinbart, dass Charlton die Band in L.A. produzieren würde. „Rückblickend war das wie eine Audition für mich.“ Vor der Session traf er sich nur ein einziges Mal mit Axl und Slash im Sunset Marquis Hotel in Hollywood. Sein erster Eindruck sagte alles: „Axl war offensichtlich der Anführer“.



Bei Sound City ließ er die Band dann spielen wie bei einem Konzert, „mit Axl zwischen den beiden Eingangstüren zum Studio, damit er alle sehen und doch vom Aufnahmeraum getrennt sein konnte.“ Sein Ansatz war einfach: „Ich bat sie einfach, all ihre Songs in ihrem aktuellen Set ohne Overdubs zu spielen. So wollte ich einfach ein Gefühl für die Stücke bekommen.“ Und trotz des Rufs, der ihnen vorauseilte, brachten sie keinen Alkohol mit ins Studio, geschweige denn Drogen. „Alle waren absolut nüchtern“, so Charlton.

Deep Purple: Super Deluxe Edition von MACHINE HEAD

0

Am 29. März erscheint eine Jubiläumsedition von Deep Purples Meilenstein MACHINE HEAD in verschiedenen Ausführungen als 3CD/LP/blu-Ray-Audio-Edition zur Feier des über 50-jährigen Bestehens der Platte. Hierin enthalten sind Remixe und Remasters der Originalaufnahmen von Dweezil Zappa.

Selbiger über seine Arbeiten an dem ikonischen Deep-Purple-Album: „Das ist eines von diesen Alben, bei denen ich mich frage: ‘Wie sind sie bloß darauf gekommen?‘ Da sind einerseits diese Klassik-Einflüsse im Gitarrenspiel, auch beim Keyboard, aber dann spielt auch der Blues mit rein – und ab und zu blitzt sogar ein Funk-Element auf. Vor allem ist da dieser Sänger, der einfach mal eine absolute Killerstimme hat. All das kommt hier zusammen. Und zwar so, dass es gar nicht wie kommerzielle Musik klingt – obwohl die Leute ja trotzdem massenweise darauf abgehen sollten. Ist schon echt eine faszinierende Rezeptur.“

Außerdem enthalten sind zwei Konzertmitschnitte, einmal von 1972 im Londoner „Paris Theatre“, der bereits in der Jubiläumsedition zum 40. Geburtstag der Platte zu hören war und, bislang unveröffentlicht, einmal von 1971 im Casino in Montreux. Jener Location, die Deep Purple wenig später in ihrem Überhit ›Smoke On The Water‹ verewigen sollten. Den Zappa-Remix des Songs gibt es jetzt auf allen bekannten Streaming-Plattformen zu hören.

AC/DC: Teasern sie ihre Tour an?

0

Im Hause AC/DC tut sich was. Zumindest auf den Social-Media-Kanälen der Band. Dort findet man seit 30 Minuten ein kurzes Teaser-Video, das jenem gleicht, das die Truppe 2020 als Vorbote auf ihr jüngstes Album POWER UP teilten. Der klassische AC/DC-Blitz, der langsam anfängt zu leuchten, der Sound von Strom und Elektrizität, dann am Schluss des kurzen Clips die Frage „Are You Ready“, mit dem gleichnamigen Song vom RAZOR’S EDGE Album untermalt.

Da sich in den letzten Monaten die Gerüchte um eine anstehende Welttournee verdichtet hatten, könnte dies könnte nun der Startschuss dafür sein.

Metallica: Gewinnen in der Kategorie „Best Metal Performance“

Für ihr jüngstes Album 72 SEASONS haben Metallica bei den Grammys in der Kategorie „Best Metal Performance“ gewonnen. Den Award nahm Bassist Rob Trujillo entgegen, Kirk Hamett, Lars Ulrich und James Hetfield konnten an jenem Abend nicht in Los Angeles sein.

Außerdem nominiert in dieser Kategorie waren Disturbed, Slipknot, Ghost und Spiritbox.

Jetzt alles über die Geschichte von Metallica erfahren. Auf 148 Seiten in unserem Sonderheft. Hier versandkostenfrei bestellen: Metallica Sonderheft.

Video der Woche: Alice Cooper ›Poison‹

0

Alice Cooper, der Godfather des Schockrock, wird heute stolze 76 Jahre alt. Wir gratulieren mit einem seiner größten Hits.

Alice Cooper durchlebte während seiner nunmehr 60-jährigen Karriere einige Höhen und Tiefen. Nach einer längeren minder erfolgreichen Phase konnte er 1989 mit seinem Album TRASH wieder an alte Erfolge anknüpfen.

Vor allem die erste Single ›Poison‹ konnte bei einem breiten Publikum punkten und erreichte hohe Chartpositionen. Der Single selbst verkaufte sich mehr als 1,5 Millionen mal und erhielt in mehreren Ländern Gold- und Platinstatus.

Das Originalvideo zeigte einen angeketteten Alice Cooper, der von einer leicht bekleideten Dame umgarnt wird. Schließlich wurde es jugendfreundlicher umgeschnitten, damit es auch tagsüber bei den Musiksendern gespielt wurde.

Alex Harvey: Vergessener Rock-Künstler

Am 4. Februar 1982, einen Tag vor seinem Geburtstag, starb Alex Harvey während einer Tournee an einem Herzinfarkt.

Der in Schottland geborene Rockmusiker und Sänger mit dem krassen Akzent durchlief die geradezu „klassische Laufbahn“ eines britischen Musikers und verdiente sich seine ersten Sporen in einer Skiffle-Band, spielte dann mit Alex Harvey’s Big Sould Band Rock’n’Roll-Songs, unter anderem in westdeutschen Clubs und konnte schließlich mit seiner Sensational Alex Harvey Band größere Erfolge verzeichnen.

Anfang der 70er rekrutierte Alex Harvey die verbliebenen Mitglieder der schottischen Progband Tear Gas und veröffentlichte schließlich die Alben FRAMED und NEXT, doch erst mit THE IMPOSSIBLE DREAM sollte Harvey im Jahr 1974 die britischen Charts knacken. Für kurze Zeit zählte die Sensational Alex Harvey Band, nicht zuletzt wegen ihres überaus authentischen Frontmanns mit der kratzigen Stimme, zu den heißen Acts in den UK. Manche bezeichneten Alex Harvey gar als „Godfather Of Punk“, obwohl er aufgrund diverser Supportslots für Bands wie Slade von anderen wiederum automatisch dem Glam zugeordnen wurde. Harvey selbst meinte um 1977, aus der Attitüde des Punks herausgewachsen zu sein.

Bis 1976 landete die Kombo einige Hits, danach nahm die Band alleine die Platte FOURPLAY auf und Alex Harvey veröffentlichte ALEX HARVEY PRESENTS THE LOCH NESS MONSTER (auf der er „Augenzeugen“ interviewte, die angeblich das Monster von Loch Ness gesehen haben). 1978 taten sich die beiden Lager nochmal für das Album ROCK DRILL zusammen, danach tourte Alex Harvey als Solokünstler weiter und verstarb schließlich am 04. Februar 1982 während einer Tour mit seiner Backingband Electric Cowboys.

Rückblende: The Kinks – ›Dead End Street‹

Kinks Dead End StreetFür damalige Verhältnisse ungewöhnlich ungeschönte Gesellschaftskritik, wurde dieses Stück, das die Kinks noch mal „richtig“ machten, nachdem der Produzent nach Hause gegangen war, zum Top 10-Hit – obwohl das „anstößige“ Video von der BBC boykottiert wurde.

„Es ist ein rohes Lied. Wir versuchten nicht, es abzumildern“, reflektiert Ray Davies. „Ich denke, wenn die Beatles ›Dead End Street‹ gemacht hätten, wäre es wohl durch die rosarote Brille gewesen.“ ›Dead End Street‹ markiert den Moment, in dem Ray Davies‘ Songwriting für die Kinks sich von ironisch gewitzter Beobachtung zu beißend prägnantem Kommentar über die Gesellschaft verwandelte. Im November 1966 veröffentlicht, folgte es auf ›Dedicated Follower Of Fashion‹, in dem Davies die Swinging London-Szene satirisch seziert hatte, und ›Sunny Afternoon‹, das die Trägheit der Oberschicht auf die Schippe nahm.

Für die Kinks war 1966 ein Jahr des Aufruhrs gewesen – obwohl das ehrlich gesagt über die gesamten 60er zutraf. Sie wurden von Managern und Verlegern verklagt, ihr aufmüpfiges Benehmen hatte ihnen schon einen Totalboykott des US-Fernsehens eingehandelt und ihre Konzerte wurden oft von Gewalt heimgesucht – auf der Bühne genauso wie davor. Davies hatte in jenem Jahr einen Nervenzusammenbruch erlitten, und Bassist Peter Quaife war für längere Zeit untergetaucht, was sich nur teilweise mit den Verletzungen erklären ließ, die er sich bei einem Autounfall zugezogen hatte.

Nur der anhaltende Lauf von Hitsingles hielt die Kinks über Wasser. Davies war weit davon entfernt, vor dem Stress zu kapitulieren, im Gegenteil, sein Songwriting blühte geradezu auf. Zusätzlich zu den zwei Hits in jenem Jahr hatte er auch sämtliche Lieder auf FACE TO FACE, dem ersten „richtigen“ Kinks-Album geschrieben, im Gegensatz zu dessen Vorgängern, die zusammengeschustert wurden, wann immer sie vier Singles mit B-Seiten angehäuft hatten.

„Wenn du in einer solchen Geschwindigkeit schreibst, tendierst du dazu, alles um dich herum aufzusaugen“, erinnert sich Davies. „Ich wohnte in einem alten Haus, das renoviert werden musste. Und da war wirklich ein Riss in der Decke, denn es tropfte im Bad. Es wurde sehr schnell geschrieben und für den Winter. Es war einfach dieses Ding, in England zu leben und einen tollen Sommer gehabt zu haben, und dann werden die Tage kürzer und die Stimmung verändert sich einfach. Die Musik hatte diesen kleinen Jazz-Backbeat, aber da waren diese dunklen Kanten. Ich dachte, ich schreibe einen traditionellen Jazz-Vamp über harte Zeiten, die aufzogen. Mein Vater hatte die Große Depression durchlebt und davon erzählt, also hatte das Lied dieses 20er/30er-Feeling – diesen stampfenden Refrain, der unaufhaltsame Marsch des Schicksals, das dich ereilt. Das war ein sehr visueller Hintergrund für den Song.“

Davies hatte das Szenario schon im Kopf. „Das Paar in dem Stück – und ich nehme an, dass sie ein Paar sind – plante, nach Australien auszuwandern. Aber das Hilfsprogramm für Auswanderer war gerade vorbei, also war es zu spät. Sie wollen arbeiten, aber finden keine Arbeit. Wofür leben sie also? Es liegt in der Art des Erzählens. Da ist nicht wirklich Humor drin, aber man kann schlechte Nachrichten auch fröhlich singen, sie auf rätselhafte und aufregende Art und Weise übermitteln. Es ist wie eine neue Generation von Nachrichtensprechern, die man im Satellitenfernsehen sieht. Sie haben ein Lächeln auf dem Gesicht, während sie dir erzählen, dass die Welt untergeht.“

„Die Musik hatte diesen kleinen Jazz-Backbeat, aber da waren diese dunklen Kanten. Ich dachte, ich schreibe einen traditionellen Jazz-Vamp über harte Zeiten, die aufzogen. Mein Vater hatte die Große Depression durchlebt und davon erzählt, also hatte das Lied dieses 20er/30er-Feeling – diesen stampfenden Refrain, der unaufhaltsame Marsch des Schicksals, das dich ereilt.“ (Ray Davies)

Davies‘ Szenario war ihm praktisch in den Schoß gefallen – eine seiner sechs großen Schwestern war nach Australien ausgewandert, und seine litauischen Schwiegereltern (er hatte zwei Jahre zuvor seine erste Frau Rasa geheiratet) hatten ihm Geschichten von ihrer Flucht durch Europa erzählt, die sie letztlich nach Bradford führte.

Die Kinks nahmen tatsächlich zwei Fassungen von ›Dead End Street‹ auf. „Wir haben es zuerst mit Shel Talmy gemacht, unserem Stammproduzenten und ein toller Typ. Um etwa fünf Uhr sagte er, ‚es ist fertig. Ich bin zum Abendessen verabredet. Lasst uns nach Hause gehen.‘ Da war da noch ein Waldhorn zu hören, und eine Orgel, die es wie ein Karussell klingen ließ. Ich war nicht zufrieden damit. Wir taten so, als würden wir zusammenpacken. Als Shel weg war, sagte ich: Lasst es uns richtig machen. Wir fingen an, indem wir die Orgel mit einem Klavier ersetzten – Nicky Hopkins hämmerte diese Akkorde. Dann beschlossen wir, dass wir eine Posaune statt des Waldhorns wollten, weil uns ein eher traditionell jazziges Ende vorschwebte. Also gingen wir in den Pub um die Ecke von den Pye-Studios in Marble Arch, wo die Studiomusiker immer tranken, und wir zerrten diesen Posaunisten ins Studio zurück, der es dann sehr schnell einspielte. Er war noch rechtzeitig zurück im Pub.“

Ungewöhnlicherweise hat der Track zwei Bass-Parts. „Da ist ein Fender, der den Basis-Part spielt, und ein Danelectro, der wie eine Gitarre gespielt wird. Ich weiß nicht, warum ich das wollte“, gesteht Davies. Eigentlich muss man es sich nur anhören, um zu verstehen, warum.

Um die Single zu promoten, machten die Kinks das, was wohl das erste Popvideo der Geschichte geworden wäre, wenn die BBC es gezeigt hätte. „Sie boykottierten es. Sie behaupteten, es zeige arme Leute auf der Straße. Wir zoomten in diese Fotos von echten Bettlern hinein als Teil dieser scherzhaften kleinen Variété-Geschichte über diese vier Typen, die als Sargträger gekleidet einen Sarg rumschleppen. Der soziale Realismus, den wir zeigten, war wohl offensichtlich anstößig für wen auch immer, der diese Entscheidungen bei der BBC traf.“

Zugegebenermaßen zeigt der Film auch, wie die Leiche aus dem Sarg springt. Ja, aber das war doch alles im Pantomimen-Stil. Jeder konnte das sehen, selbst ein Kind, das sich ›Top Of The Pops‹ anschaute.“ Man sieht darin auch Ray und Bruder Dave als Frauen verkleidet und mit Gesichtsausdrücken, die verstörender sind als jede Pantomimen-Dame. Davies zeigt ob dieser Erinnerung sein bestes geheimnisvolles Lächeln, aber verweigert jeden weiteren Kommentar.

Davies hat ›Dead End Street‹ wahrscheinlich nach Auflösung der Kinks 1996 häufiger live gespielt als zuvor. Das Stück gehört nun zum Stammprogramm seiner Sets. „Es ist gut zu spielen, denn es ist zu diesem ziemlich kraftvollen Stück Theater geworden. Es trifft auf große Resonanz beim Publikum. Sie einfach nur dazu zu bringen, ‚dead end‘ zu rufen, zeigt, dass die verstehen, was es bedeutet. Vielleicht ist es das, was Folk-Musik schon immer getan hat.“

See my Friends Ray Davies griff ›Dead End Street‹ auf seinem Album SEE MY FRIENDS (2010) wieder auf. Er singt es im Duett mit der schottischen Sängerin Amy McDonald, die 21 Jahre nach dem Erscheinen der Single geboren wurde. „Sie kannte nicht viele Kinks-Songs, aber sie kannte diesen“, sagt Davies. „Sie sagte, sie könnte sich mit ihm identifizieren, da er auch von jemandem aus ihrer Generation geschrieben worden sein könnte. Es ist immer schön, wenn ein Song einen Nerv trifft. Gerade dann, wenn es keine seichten Pop-Songs sind.“

Meilensteine: Der tragische Tod von Buddy Holly

0

3. Februar 1959: Buddy Holly, Ritchie Valens und J.P. „The Big Bopper“ Richardson kommen bei einem Flugzeugabsturz ums Leben.

Mit 24 Konzerten in 24 Tagen und einem Zickzackkurs durch den Mittleren Westen der USA fühlte sich die von Buddy Holly & The Crickets angeführte „Winter Dance Party“ nicht gerade wie eine gemütliche Tournee an. Vom Start am 23. Januar 1959 in Milwaukee an dominierte frostiges Winterwetter. Lange Anfahrten von einem zum anderen Gastspielort in unterkühlten, maroden und mehrmals ausgetauschten Schulbussen erwiesen sich für das Team, darunter Frank Sardo, Richie Valens, J.P. „The Big Bopper“ Richardson und Dion & The Belmonts, als fieses Gesundheitsrisiko: Erkältungen und Frostbeulen machten die Runde. Zudem gab es keinerlei Roadcrew – die Musiker mussten die Anlage selbst auf- und abbauen bzw. be- und entladen.

Alsbald zeigten Valens und Richardson Grippe-Symptome, Cricket-Schlagzeuger Carl Bunch musste gar ins Hospital. Ein Supergau! Fungierten die Crickets, zu der auch der spätere Country-Outsider Waylon Jennings (Bass) und Tommy Allsup (Gitarre) zählten, doch als Begleiter sämtlicher Mitwirkender. Für den ausgefallenen Bunch sprangen wahlweise Holly, Valens und Carlo Mastrangelo (The Belmonts) ein. 350 Meilen Tagesreise lagen hinter der Truppe, als sie am 2. Februar im Surf Ballroom in Clear Lake, Iowa, vom vorangegangenen Termin in Green Bay, Wisconsin, eintraf. Vor ihr lagen in den nächsten Tagen weitere Irrsinnsfahrten. Holly entschied sich dazu, beim Flying Service von Hubert Jerry Dwyer für 36 Dollar pro Person eine viersitzige 1947er-Beechcraft 35 Bonanza samt 21 Jahr altem Piloten Roger Peterson zu chartern. Nach einigem Hin und Her gingen Holly, Valens und Richardson an Bord.

Um 0.55 Uhr hob die Maschine unter ungünstigen Wetterbedingungen auf dem Mason City Municipal Airport ab. Wenig später schon muss sie abgestürzt sein, da mehrere Funkrufe unbeantwortet blieben. Dwyer war es, der Stunden später den zerstörten Miniflieger samt toter In­­sassen nur sechs Meilen vom Flugplatz entfernt in einem Kornfeld fand. In seinem 71er-Evergreen ›American Pie‹ fasste Don McLean die Tragödie poetisch als „The Day The Music Died“ zusammen.

Buddy Holly Fleugzeugwrack