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Rock Legenden: Kultbands made in Germany

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karatBei den „Rock Legenden“-Shows treffen sich mit Karat (auf dem Foto), City und Dieter „Maschine“ Birr Größen des Ost-Rock.

Die „Rock Legenden“ sind gekommen, um zu bleiben. So sieht es zumindest aus. Nachdem das Musikevent vor drei Jahren erstmals über die Bühne ging und 2016 eine Neuauflage erlebte, stehen uns auch 2018 Shows mit einigen der wohl größten und ganz sicher kultigsten Gruppen der deutschen Musikgeschichte bevor.

Denn unter welche Kategorie sonst sollte man etwa die Puhdys einordnen als unter Kult? ›Alt wie ein Baum‹ kennt natürlich jeder, aber auch dank Liedern wie ›Geh zu ihr‹, ›Lebenszeit‹ oder ›Wenn ein Mensch lebt‹ wird die Formation zumindest in näherer Zukunft nicht vergessen werden – selbst wenn sie sich 2016 auflöste. Was für ein Glück, dass Dieter „Maschine“ Birr, fast 50 Jahre Frontmann der DDR-Institution und jetzt mit neuer Band unterwegs, die Hits seiner Vergangenheit immer noch jederzeit und natürlich auch bei den „Rock Legenden“ im Reisegepäck mit dabei hat – genauso wie die Songs seiner beiden erfolgreichen jüngsten Soloplatten MASCHINE und NEUBEGINN.

Einen nicht weniger einprägsamen Signature-Track als die Puhdys haben Karat. Kleiner Tipp: Es geht um die Anzahl an Brücken, über die man gehen muss. Ebenso sind zu erwähnen: das epische ›Albatros‹ oder ›Der blaue Planet‹. Die 1975 in Ostberlin gegründete Gruppe ist bereits zum dritten Mal dabei beim Deutschrock-Treffen – genau wie City, die Combo vom Prenzlauer Berg, die in diesem Jahr das 40-jährige Jubiläum ihres unvergessenen Klassikers ›Am Fenster‹ feiert, der auf einem Text der Dichterin Hildegard Maria Rauchfuß basiert. Dazu stellen die Mannen um Sänger Toni Krahl die Lieder ihres neuen Albums DAS BLUT SO LAUT vor, das im April dieses Jahres erschienen ist.

Die „Rock-Legenden“-Saison startet am 4. Januar in der Stadthalle Rostock. Es folgen 22 weitere Shows in ganz Deutschland, darunter München, Berlin, Hamburg, Frankfurt und Köln. Special Guest an jedem Abend der Tour ist Matthias Reim (›Verdammt, ich lieb’ dich‹). Damit steht das Line-up 2018 für mehr als 160 Jahre Bühnenerfahrung und rund 60 Millionen verkaufte Alben. Wahrlich ein Legenden-Treffen also.

Die „Rock Legenden“-Konzerte:
04.01. Rostock, Stadthalle
05.01. Berlin, Mercedes-Benz-Arena
12.01. Hannover, Swiss Life Halle
13.01. Riesa, SACHSENarena
19.01. Hamburg, Barclay-Card-Arena
20.01. Magdeburg, Getec Arena
27.01. Neubrandenburg, Jahnsportforum
02.02. Oberhausen, König-Pilsener-Arena
03.02. Stuttgart, Porsche Arena
10.02. Erfurt, Messe
11.02. Chemnitz, Arena
06.04. Leipzig, Arena
14.04. Zwickau, Stadthalle
28.04. Nürnberg, Frankenhalle
29.04. Frankfurt, Festhalle
19.05. Kamenz, Hutbergbühne
26.05. Köln, Tanzbrunnen
01.06. Dresden, Freilichtbühne Junge Garde
02.06. Ralswiek, Naturbühne
08.06. Schwerin, Freilichtbühne

Black Sabbath: Tony Iommi über das Ende der Metal-Ikonen

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Black Sabbath The EndThis is the end: Am 4. Februar spielten Black Sabbath ihren letzten Gig in ihrer Heimatstadt Birmingham, kurz danach traf sich die Band zu einer letzten Session – das soll es nun gewesen sein. Wir fragten Tony Iommi nach den Gründen für das Ende und seine Stimmung nach dem letzten Gig. Seine Antworten sind ehrlich und zeigen: Sein Leben als Musiker geht weiter. Nur halt nicht mehr als Senior auf Tour.

Tony, bei der letzten Black-Sabbath-Show in Köln saß ich vor einer Familie, Va­­ter, Mutter, zwei Söhne, beide noch Schüler – die sind wie ihre El­­tern voll mit­­gegangen. Was bedeutet dir diese ge­­ne­rationenübergreifende Begeisterung?
Es ist ein fantastisches Gefühl. Ich habe seit Jahren die Gewissheit, dass wir nicht nur unsere alten Fans behalten, sondern auch immer wieder neue hinzugewinnen. Bis zuletzt.

Hat dich das überrascht?
Nein. Wir waren nie eine Szeneband, standen immer außerhalb der Hypes, nahmen eine Außenseiterrolle ein. Gespielt haben wir die Musik von Beginn an in erster Linie für uns. In den ersten Jahren eigentlich ausschließlich für uns. (lacht) Das war aus kommerzieller Hinsicht manchmal ein Problem.

Warum?
Die Leute haben zuerst nicht begriffen, was wir da überhaupt machen. Unsere Musik war anders, sie war neu, keiner hatte auf sie ge­­wartet – bis auf ein paar ausgewiesene Fans, die von Beginn an dabei waren und uns ge­­folgt sind. Der Markt wartete jedoch auf et­­was Anderes, also mussten wir uns zu­­nächst Akzeptanz erkämpfen. Unsere Mitbewerber waren damals ja nicht die großen Acts, sondern durchgeknallte Okkultisten. Aus dieser Schublade mussten wir zunächst einmal herauskommen. Auf lange Sicht hat diese sperrige Haltung jedoch dafür gesorgt, dass wir nie richtig „out“ waren. Man hat uns immer in Ruhe gelassen, von uns hat niemals jemand verlangt, mehr elektronische Einflüsse zuzulassen oder Computer zu benutzen. Und je mehr Computer draußen in der Welt Aufgaben übernehmen und die Menschen verdrängen, desto wichtiger und letztlich auch er­­folgreicher ist handgemachte Musik.

Nun ist für euch der letzte Vorhang gefallen: 4. Februar 2017 in eurer Heimatstadt Birmingham, ›Paranoid‹ als Zugabe – dann war Schluss. Wie hast du in der Nacht danach geschlafen?
Ganz gut. Ich habe mir eine Tasse Tee ge­­kocht und den Fernseher angestellt, alles ganz normal also.

So banal endet also der Tag, an dem eine der bedeutsamsten Rockbands aller Zeiten das finale Kapitel beendet?
Ja, was vor allem an einem Trick lag, der uns davor beschützte, zu wehmütig zu werden.

Nämlich?
Wir haben uns zwei Tage nach dem letzten Gig in den Angelic Studios für eine Session ge­­troffen, da habe ich die Jungs direkt wiedergesehen. Das war ein nettes Ende: ein kreatives Beisammensein, bei dem wir ein paar Songs eingespielt haben, die auf der Tour nicht ins Programm gepasst hatten. Als diese Session vorbei war, fühlte es sich weniger nach dem Ende an, als nach verdientem Feierabend.

Trotzdem erkennt man an den Nahaufnahmen im Film, dass ihr am Ende des fi­­nalen Gigs schon emotional berührt ge­­wesen seid…
Natürlich. Die Leute reden von einem Heimspiel, was zunächst einmal stimmt: Wir kommen aus Birmingham, diese Stadt spielte für die Band immer eine besondere Rolle – vor allem, weil sie ein paar Meilen von London und den vielen Hypes entfernt war. Richtig ist aber auch, dass beim letzten Konzert nicht nur Leute aus der Stadt in der Arena waren. Es schien mir so, als sei die ganze Welt nach Birmingham gereist, um noch einmal diese Band zu sehen. Das hat mich sehr berührt, einige Fans haben beinahe Weltreisen auf sich genommen, um dabei zu sein.

Wie fühlt es sich an, die Energie dieser Menschen auf der Bühne zu spüren?
Hast du schon mal versucht, ein großartiges Gefühl zu beschreiben? Das ist sehr schwer. (überlegt) Du spürst die Bewegung dieser Leute, es entsteht ein Vibe, der eine Wirkung auf jeden oben auf der Bühne hat. Das Publikum strahlt eine Art von Wärme aus. Das ging so weit, dass ich auf der Bühne gar nicht mehr in erster Linie daran dachte, dass es nun für mich vorbei ist: Mir war klar, dass den Fans der Abschied deutlich schwerer fallen würde. Du sprachst gerade von den Vä­­tern im Publikum, ich weiß auch von einigen Großvätern, die uns seit den ersten Tagen die Treue gehalten haben. Auch für diese Leute ist nun etwas zu Ende gegangen, und ich kann mir gut vorstellen, wie schwer es einigen von ihnen fällt, damit leben zu müssen, dass es nun keine Tour mehr geben wird.

Wie würdest du die Verbindung zwischen der Band und euren Fans beschreiben?
Ganz einfach, unsere Fans haben die Musik von Black Sabbath so sehr geliebt, wie wir selbst es getan haben. Rückblickend gab mir diese enge Verbindung immer dann einen großen Schub, wenn es mal nicht so gut lief. Mir war immer klar, dass es draußen sehr viele Menschen gibt, die genau den Sound mögen, den wir am besten kreieren und spielen können. So entsteht eine Art von Verantwortung – oder zumindest ein Gefühl dafür, dass es nicht sinnvoll wäre, diese Verbindung wegen ein paar persönlicher Probleme zu gefährden.

Wir sprachen gerade schon über die Einzigartigkeit eurer Musik, glaubst du, dass es heute so etwas überhaupt noch geben kann: eine Rockband, die wirklich etwas Neues erschafft?
Schwere Frage. Ich habe den Eindruck, dass es heute viel mehr Bands gibt als damals, zu­­mindest schaffen es heute mehr Bands in den Fokus. Aber was sie dort leisten, ist eher überschaubar. Klar, sie alle spielen irgendwie andere Musik, alle geben sich Mühe, sich nicht zu wiederholen. Aber wir hatten es da­­mals leichter, und die anderen Bands unserer Zeit wie Deep Purple, Moody Blues, Led Zeppelin, Traffic oder E.L.O. auch: Der Markt war weder so voll wie heute, noch war er ab­­gegrast. Es gab noch was zu holen, wobei ich schon sagen muss, dass die großen Bands dieser Zeit auch wirklich sehr kreativ und un­­beirrbar waren. Wenn ich auf uns schaue, dann haben wir daran geglaubt, dass wir es schaffen würden. Obwohl unsere Musik zu­­nächst aneckte, obwohl wir nicht aus London, sondern aus Birmingham kamen: Wir glaubten, dass wir das packen.

Bist du rückblickend selbst erstaunt, wie naiv ihr damals gewesen seid?
Ich glaube nicht, dass wir naiv waren – wir hatten einen guten Instinkt. Es gab tatsächlich verwirrende Zeiten, vor allem in den 80er-Jahren, als täglich neue Bands auf den Radar kamen, alle mit ungewöhnlichen Frisuren und seltsam geschnittenen Klamotten – das war Pop, das war ein Trend. Ich habe mir das angeschaut, aber sehr genau gewusst, dass ich da nicht mitmachen will. Da gibt es nur ein Rezept: Weiter an deine Sache glauben und dein Ding durchziehen.

Und irgendwann ist dann eine Band wie Black Sabbath wieder im Trend.
Das kann passieren, ja, aber damit sollte man nicht rechnen. Trends darf man nicht vertrauen, das habe ich früh gelernt. Musik ist etwas, dass du in dir fühlst – oder eben nicht. Wenn dir eine Marketingagentur vorschreibt, was du zu hören hast, dann geht das vielleicht ein paar Wochen gut. Aber auf Dauer bringt das nichts.

Die besten Alben 2017: Die gesamte Top 50

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So ein Jahr ist doch immer wieder ungreifbar schnell an einem vorbeigezogen, und wie es scheint, bestand dieses 2017 aus ganz besonders flinken zwölf Monaten. Damit bei den unzähligen Geschehnissen dieser schnelllebigen Zeit wenigstens ein musikalischer Eindruck in unserem Bewusstsein zu verbleiben vermag, hat sich die CLASSIC ROCK-Redaktion noch einmal der vielen hundert Veröffentlichungen der vergangenen 365 Tage angenommen: Hier gibt es nochmal die gesamte Top 50 der CLASSIC ROCK-Jahrescharts zu sehen.

Steel Panther - Lower The Bar
50 Steel Panther
LOWER THE BAR
Kobalt/Rough Trade
Wesentlich niveauloser oder -voller als sonst präsentieren sich die Panther hier auch nicht, dafür aber gewohnt lustig: Bis auf wenige ungewohnte Klänge übernehmen Schweinkram und haariger Partyrock das Zepter.
Anspieltipp: ›Poontang Boomerang‹

Europe - Walk The Earth
49 Europe
WALK THE EARTH
Silver Lining/Warner
Eine Zeitreise für Eskapisten – und zwar in jene Ära, als Rockmusiker grundsätzlich aussahen wie detonierte Königspudel. Die dazu passenden Hardrock-Hymnen sind bei Europe natürlich eine Selbstverständlichkeit.
Anspieltipp: ›Haze‹

Thunder - Rip It Up
48 Thunder
RIP IT UP
Earmusic/Edel
Kompetent eingesetzte Soul-Einflüsse bringen Thunder auf ihrer elften Platte mit klassischen Hardrock-Riffs in Verbindung und machen RIP IT UP zum gern gehörten Gast im Player.
Anspieltipp: ›Rip It Up‹

Biters - THE FUTURE AIN'T WHAT IT USED TO BE
47 Biters
THE FUTURE AIN’T WHAT IT USED TO BE
Earache Records
Eingängiger Feelgood-Rock’n’Roll, gespickt mit dreckigen Riffs und mannigfaltigen Hommagen an Größen wie etwa Marc Bolan. Die adrette Bandoptik dürfte dazu besonders das weibliche Publikum begeistern.
Anspieltipp: ›Vulture City‹


46 Appice
SINISTER
Steamhammer/SPV
Die Schlagzeug-Brüder Appice (ja ja, zwei Drummer in einer Band) gründen eine klassische Allstar-Truppe und liefern modern klingenden Altherren-Hardrock. Grundsolide und oft partytauglich.
Anspieltipp: ›Monsters and Heroes‹

Ten Years After - A Sting In The Tale
45 Ten Years After
A STING IN THE TALE
Butler/H’Art
Mit Gitarrist Marcus Bonfanti und Bassist Colin Hodgkinson haben die Ur-Mitglieder Chick Churchill und Ric Lee zwei wunderbare Neuzugänge engagiert – die dem Anspruch dieser Band absolut gerecht werden.
Anspieltipp: ›Miss Constable‹

Ronnie Monstrose - 10X10
44 Ronnie Montrose
10 X 10
Rhino/Warner
Ein tragischer Akteur der Rockgeschichte bekommt die letzte Ehre erwiesen. Stars wie Glenn Hughes, Sammy Hagar und Brad Whitford vollendeten gemeinsam mit diesen zehn – von ihm nicht mehr fertiggestellten – Songs das Lebenswerk von Montrose.
Anspieltipp: ›Still Singin‘ With The Band‹

Nickelback - FEED THE MACHINE
43 Nickelback
FEED THE MACHINE
BMG Rights/Warner
Ihre Multiplatin-Zeiten scheinen endgültig vorbei zu sein, aber das hält die Kanadier nicht davon ab, nach wie vor catchy-knackigen Al­­ternative Rock mit einem diesmal ziemlich wuchtigen Einschlag abzuliefern. Fuck the haters!
Anspieltipp: ›Coin For The Ferryman‹

Chris Rea - ROADSONGS FOR LOVERS
42 Chris Rea
ROADSONGS FOR LOVERS
BMG/Warner
Mit rauchig-heiserer Stimme, die jedem Chanson-Sänger perfekt zu Gesicht stünde, oszilliert Rea zwischen Pop, Blues, Ballade und Americana. Gewohnt entspannt, bisweilen aber auch ungewohnt düster.
Anspieltipp: ›Angel Of Love‹

The Cadillac Three - LEGACY
41 The Cadillac Three
LEGACY
Universal
Ja, Nashville ist wirklich der Nabel der Rockwelt geworden. Diese drei Herren begeisterten anno 2017 mit ei­­nem erfrischenden Album voller Hits, die genau das richtige Mischungsverhältnis aus Southern Rock, Pop, Country und einem Quäntchen Heavy gefunden haben.
Anspieltipp: ›Tennessee‹


40 Marilyn Manson
HEAVEN UPSIDE DOWN
Caroline/Universal
Vor ein paar Jahren schon fast abgeschrieben, setzt der Dorn in der Seite des konservativen Amerika nach THE PALE EMPEROR seine kreative Wiedergeburt eindrucksvoll fort. So kraftvoll klang Brian Warner seit einer Ewigkeit nicht mehr!
Anspieltipp: ›SAY10‹


39 Tyler Bryant & The Shakedown
TYLER BRYANT & THE SHAKEDOWN
Snakefarm/Spinefarm
Junge Musikerherzen, die sich dem vielschichtigen Hardrock verschrieben haben. Tyler Bryant klingt mal modern nach Audioslave, mal retro-affin nach Black Crowes und kreiert ein rundum rundes Rock’n’Roll-Debüt.
Anspieltipp: ›Weak And Weepin’‹


38 Deep Purple
Earmusic/Edel
Ein Deep-Purple-Werk ist immer ein Rockalbum von Bedeutung. Mit der auf INFINITE dargebotenen Spielfreude schlagen die Herren zudem der Endlichkeit ein Schnippchen und machen Hoffnung auf weitere Zugaben der in Stein Gemeißelten.
Anspieltipp: ›All I Got Is You‹


37 Chris Stapleton
FROM A ROOM: VOLUME 1
Mercury/Universal
Mit TRAVELLER wurde der Country-Urwurz zum US-Millionenseller. Auf dem Nachfolger zeigt Chris Stapleton, dass er trotzdem weiter gegen den Mainstream schwimmt: live eingespielt, fast keine Promo, nur Country-Soul pur.
Anspieltipp: ›Second One To Know‹

Gregg Allman SOUTHERN BLOOD
36 Gregg Allman
Southern Blood
Universal
„You and I both know this river will flow to an end“ – so beginnt das letzte Album von Allman Brother Gregg. Im Mai verloren wir die Legende an den Krebs. Greggs bewegendes Abschiedswerk ist ein würdiger Grabstein.
Anspieltipp: ›Dry In The Sun‹

The Night Flight Orchestra AMBER GALACTIC
35 The Night Flight Orchestra
AMBER GALACTIC
Nuclear Blast/Warner
Retro mal von der anderen Sorte: Nicht von den 70ern wird hier frech abgekupfert, sondern mit großen Refrains, Synthie- und Disco-Elementen tanzbarer AOR im 80er-Flair heraufbeschworen. Echte Ohrwurmgefahr!
Anspieltipp: ›Midnight Flyer‹

sky trails
34 David Crosby
SKY TRAILS
BMG/Warner
Auf seine alten Tage erlebt der Folk-Rock-Haudegen einen kreativen Schub nach dem anderen: SKY TRAILS ist sein drittes Album binnen vier Jahren und für Westcoast-Pop-Liebhaber zweifellos ein Fest.
Anspieltipp: ›Somebody Home‹

Ray Davies AMERICANA
33 Ray Davies
AMERICANA
Columbia/Sony
Seine nicht immer einfache, aber doch tiefgehende Beziehung zu Amerika inspirierte den Kinks-Sänger zu seiner ersten Soloplatte mit neuen Songs seit zehn Jahren.
Das Pendant zur gleichnamigen Autobiografie.
Anspieltipp: ›The Invaders‹


32 Foo Fighters
CONCRETE AND GOLD
Sony
Mit ihrem kreativ an­­spruchvollsten Langspieler seit Jahren loten die Foo Fighters ihr dynamisches Spek­trum neu aus und schaffen ihren bislang breitesten Spagat von Experimentfreude bis Eingängigkeit.
Anspieltipp: ›La Dee Da‹

Robert Plant Album Carry Fire
31 Robert Plant
CARRY FIRE
Matador/Warner
Hippiesk und horizonterweiternd. Ganz unter dem Stern seiner weltmusikalischen Vorlieben steht auch Robert Plants CARRY FIRE und eint sein einzigartiges Stimmspektrum mit ganz großer Sanftheit.
Anspieltipp: ›The Mayqueen‹… oder nein: ›Dance With You Tonight‹

CLASSIC ROCK Redaktionscharts 2017

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Wieder ist ein Jahr zu Ende, in dem wir über viele Themen geschrieben, viele Platten gehört und viele Konzerte besucht haben. Hier die Favoriten und Absteiger der CLASSIC ROCK-Crew.

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Wer für unsere Autoren die großen Neuentdeckungen, die Absteiger u.v.m. waren, könnt ihr außerdem in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK lesen:

Titelstory: Aerosmith – Tanz auf dem Vulkan

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Es gibt nichts zu beschönigen: MUSIC FROM ANOTHER DIMENSION ist das erste Album der Luftschmiede mit eigenen, neuen Songs seit 2001 – und vielleicht auch das letzte. Sei es wegen des fortgeschrittenen Rockstar-Alters seiner Protagonisten, aber auch wegen interner Spannungen, die für eine Band im 42. Jahr ihres Bestehens geradezu lächerlich sind. CLASSIC ROCK traf die Legende in Los Angeles, und erlebte den sprichwörtlichen Tanz auf dem Vulkan.

Ort des Geschehens: Das Sunset Marquis Hotel in West-Hollywood. Da, wo Steven Tyler schon seit Jahren in einer geräumigen Villa wohnt, längst so etwas wie das Hausmaskottchen geworden, und dabei immer höflich, nett und bemüht ist. „Hey, German boy. Who´s in?“, lautet sein Standardspruch, wenn man ihm bei Interviews mit Linkin Park, den Deftones, Disturbed oder My Chemical Romance, die an selber Stelle stattfinden, in die Arme läuft.

Doch diesmal, Ende September und mitten in der schlimmsten Hitzewelle, die Kalifornien je erlebt hat, ist alles anders. Da hat man eher das Gefühl, ein emotionales Kühlhaus zu betreten. Einfach, weil die Stimmung extrem angespannt, gereizt und deprimiert ist. Gerade unter einem halben Dutzend Journalisten aus aller Welt, die – genau wie der Verfasser dieser Zeilen – stundenlang in einem winzigen Raum warten müssen. Ohne Begrüßung, ohne Getränke, ohne jegliche Informationen zum Zeitplan und zur personellen Konstellation ihres jeweiligen Termins. Das Ganze erinnert an den Neujahrsempfang der SED im Friedrichsstadtpalast, bei dem keiner zur Toilette gehen bzw. das Glas erheben darf, ehe Onkel Erich persönlich erscheint – und das kann dauern.

Genauer gesagt: Zweieinhalb Stunden. Gerüchtweise – so die Damen von Hair, Make-up und Bandgarderobe, die für den richtigen Look bei Fotos und TV-Gesprächen verantwortlich sind – läge es an den Verzögerungen beim morgendlichen Fototermin mit Altmeister Ross Halfin, der scheinbar nach seiner eigenen Uhr arbeitet. Aber auch an einem Bandmeeting, welches das Management einberufen hat – und den dichten Zeitplan noch einmal um eine Stunde zurückwirft. Nur: Auf den Gedanken, die Medienpartner zu informieren, kommt niemand. Beim zuständigen Vertreter der Plattenfirma läuft die Mailbox. Konfrontiert man ihn persönlich, ist er ausweichend und hilflos.

Genau wie Kollegen aus Japan, deren Zeiten gnadenlos gekürzt werden, aus deren Einzelinterview mit Tyler und Perry nun Gruppentermine mit allen fünf Bandmitgliedern werden, und die – zu Recht – wahlweise an Harakiri oder die Verpflichtung von Auftragskillern denken. Einfach, weil sie in knapp 30 Minuten gerade mal 5-6 Fragen stellen können – die mit Banalitäten in geradezu epischer Länge beantwortet werden. Alles unter strenger Aufsicht des Managements, dessen Abgesandter jedes einzelne Wort vom Nebenraum aus verfolgt, per Diktiergerät mitschneidet, und ein echtes Big Brother-Szenario kreiert. Mittendrin: Knipser Ross Halfin, der unangemeldet in Interviews platzt, sich mit Tyler oder Perry unterhält oder Kommentare zu den Fragen des jeweiligen Journos ablässt. Eine bodenlose Frechheit, die sogar die Frage aufkommen lässt, ob man nicht besser seine sieben Sachen packt und unverrichteter Dinge nach Hause fliegt, statt hier gute Miene zum bösen Spiel zu machen.

Die drei Weisen

Doch als die Reihe endlich an CLASSIC ROCK ist, und man den Schock überwunden hat, plötzlich den Herren Hamilton, Whitford und Kramer gegenüberzusitzen, die gar nicht abgesprochen waren, gibt es auch mal eine positive Überraschung: Die Alt-Herren-Garde, die optisch an einen rüstigen Südstaaten-General (Brad Whitford), ein abgemagertes Skelett (Tom Hamilton) und einen braungebrannten Lebemann (Joey Kramer) erinnert, ist de facto ein echter Interview-Traum. Der nur bei einer Frage rumdruckst: Was ist hier heute eigentlich los?

„Egos“, sagt Rhythmusgitarrist Whitford trocken. „Einige Leute fühlen sich von anderen bevormundet und haben das Gefühl, dass sie sich nicht so verkaufen können, wie sie gerne wollen. Aber hey: Das gilt nicht für uns. Hier bist du in guten Händen.“ Was nicht übertrieben ist: Die 28 Minuten, die nun folgen, beinhalten alles – und zwar offen und ehrlich. Angefangen bei der Sinnkrise der letzten Jahre, die von permanentem Verletzungspech, abgebrochenen Tourneen, heftigen Krankheiten (Hamiltons Halskrebs) und mehrfachen Fehlstarts im Studio geprägt war. „Man könnte auch sagen: Wir werden älter“, setzt Tom mit einem spöttischen Grinsen an. „Denn es ist doch so: Je länger du lebst, desto mehr Mist erlebst du. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Und in den letzten zehn Jahren war es wirklich geballt – also so heftig wie noch nie zuvor. Aber das Entscheidende ist: Wir haben es überlebt. Und deshalb wissen wir jetzt alles auch ein bisschen besser zu schätzen – weil es natürlich auch so etwas wie ein Weckruf war. Es hat uns gezeigt, dass wir die Zeit, die wir noch zusammen haben, besser sinnvoll miteinander verbringen sollten, statt uns mit irgendwelchem Quatsch aufzuhalten.“

Wie etwa mit dem blauäugigen Versuch von 2008, als man dachte, einfach mal (zwischen zwei Tourneen) ein Album mit Brendan O´Brien aufnehmen zu können, weil das halt der angesagte Rock-Produzent sei, der alles von AC/CD über Pearl Jam bis Springsteen betreut – und dabei einen Blockbuster nach dem anderen hervorbringt. „Wir hatten keine Ahnung, welchen Ansatz er im Studio verfolgt, und worin sein Stil besteht. Und es stellte sich halt schnell heraus, dass er das exakte Gegenteil von Jack Douglas oder Bruce Fairbairn war. Also dieses organische Ding – live im Studio und so. Das ist nicht wirklich nach unserem Geschmack, und deswegen hat es auch nicht funktioniert. Bei den Sessions, die vielleicht zwei Wochen gedauert haben, ist nichts herausgekommen. Es war einfach keine gute Idee.“

Die 50 besten Alben 2017: Top 5

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darkness 2017So ein Jahr ist doch immer wieder ungreifbar schnell an einem vorbeigezogen, und wie es scheint, bestand dieses 2017 aus ganz besonders flinken zwölf Monaten. Damit bei den unzähligen Geschehnissen dieser schnelllebigen Zeit wenigstens ein musikalischer Eindruck in unserem Bewusstsein zu verbleiben vermag, hat sich die CLASSIC ROCK-Redaktion noch einmal der vielen hundert Veröffentlichungen der vergangenen 365 Tage angenommen, um deren herausragende Vertreter zu küren. Hier gibt es nun endlich die Top 5…


5 The Americans
I’LL BE YOURS
Loose/Rough Trade
Es beginnt mit diesem Bandnamen. Ein Name, bei dem man sich fragt: „Das kann doch nicht sein? Ist wirklich noch niemand vorher auf die Idee gekommen, sich The Americans zu nennen?“ Das ist schlicht, schnörkellos und deckt doch alles ab. Genau wie die Musik auf I’LL BE YOURS, die ein famoser Rundumschlag durch all die amerikanischen Songtraditionen ist, die wir über die Jahrzehnte lieb gewonnen haben.
Wie aus dem Nichts schien dieses Album im Sommer auf unsere Schreibtische geflattert zu sein. Ganz ohne den üblichen US- oder UK- oder Blog-Hype, der Platten auf diesem Level normalerweise mit kleinen Vorbeben diesseits des Atlantiks ankündigt. Es war gar nicht so leicht, im Netz Informationen über dieses Quartett einzusammeln. Das war der Nachteil des Namens The Americans: nicht unbedingt googlefreundlich.
Jedenfalls, es zeigte sich: I’LL BE YOURS ist das zweite Album des Quartetts aus Los Angeles. Die vier hatten bereits prominente Fans: Jack White, T-Bone Burnett, Robert Redford, Ryan Bingham waren voll des Lobes. Für Nick Cave, Courtney Love und Lucinda Williams fungierten sie bereits als Backing Band. Die Gruppe besteht aus vier interessanten Typen: Drummer Tim Carr kommt vom Jazz, Bassist Jade Faulkner veröffentlicht Poesie auf seinem eigenen Verlag, Gitarrist Zak Sokolow trat schon als Kind auf Bluegrass-Shows auf, auch Sänger Patrick Farris lernte Country und Blues von seinem mu­­sikbegeisterten Vater. Alle spielen Banjo und liefern sich live auch mal einen Vierkampf im Karacho-Zupfen.
Da kommen also zahlreiche ur-ameri­kanische Einflüsse zusammen. Auf I’LL BE YOURS verkochen The Americans sie im Slowcooker zu einem Gumbo, bei dem sich alle Geschmacksrichtungen voll entfalten. Man hört die Note Springsteen genauso un­­verkennbar und unverfälscht raus wie die Note CCR. Hier ganz klar Rockabilly, dort eine Prise Cajun, hier ein Hauch Honkytonk-Piano und dort ein Stückchen Ryan-Adams-Alt.Country. Das Beste aus der amerikanischen Musik. Nicht grob zu einem Brei zerstampft, sondern als nuancenreiches High-End-Destillat. Wer das kann, verdient sich auch den Namen The Americans.
Anspieltipp: ›Stowaway‹
(Henning Furbach)


4 The Darkness
PINEWOOD SMILE
Cooking Vinyl/Sony
„All the pretty girls and their mums“ liegen Justin Hawkins zu Füßen. Das erklärt er gleich mal ganz unverblümt zu Beginn von PINEWOOD SMILE und wen wundert es wirklich? Der agile Frontmann von The Darkness hat sich schließlich schon vor THE LAST OF OUR KIND von 2015 nochmal besonders auf die Optimierung seiner musikalischen und vor allem ästhetischen Ausstrahlung konzentriert, hält die jetzt nach Zahnspangen-Behandlung in Reih und Glied stehenden Beißerchen stolz in die Kamera und sorgt damit nebenbei für das wohl witzigste Albumcover des Jahres. Doch dessen nicht genug: Die Umlagerung seines Suchtpotentials von Alkohol und Drogen zu exzessivem Sportbetrieb beschert dem Spaßmacher eine trainierte Kon­­stitution, die er seither noch lieber in noch engeren und von Glanz und Gloria dominierten Einteilern zur Schau stellt. Gut nur, dass die Musik bei diesem optischen Firlefanz nicht auf der Strecke bleibt, sondern wieder verstärkt auf den wunderbar iro­nischen Nukleus von The Darkness re­­kurriert. Eine schlechte Platte haben die Engländer ja noch nie auf den Markt gebracht, aber PINEWOOD SMILE ist so dermaßen kompromisslos, zum Schieflachen komisch und voll von nachhaltigem Rock’n’Roll, dass sich schon nach wenigen Sekunden ein Lächeln auf dem Gesicht und ein Zucken in der Hüfte des Hörers ausbreiten muss. Angefangen bei ›All The Pretty Girls‹, welches vom „Leidwesen“ eines attraktiven Rockstars erzählt, über den australisch anmutenden Seitenhieb auf das Musikbusiness namens ›Solid Gold‹ hin zu knallharten Kandidaten wie ›Southern Trains‹: The Darkness meistern die 37 Minuten neuen Materials mit Bravour und halten dabei stets Maß zwischen Hommage und liebevoller Persiflage. Das Gefüge um die Gebrüder Hawkins inklusive Bassist Frankie (coolste Socke überhaupt!) und Neuzugang Rufus – Sohn von Queens Roger Taylor, dessen Gesicht übrigens Justins Fingerknöchel ziert – jedenfalls hat sein Versprechen „we’re never gonna stop shitting out solid gold“ mit PINEWOOD SMILE eingehalten.
Anspieltipp: ›Solid Gold‹
(Jacqueline Floßmann)


3 Black Country Communion
BCCIV
Mascot/Rough Trade
Es gab so viele Gründe, warum man nicht mehr darauf hoffen durfte, jemals wieder einen Tonträger von Black Country Communion in den Händen zu halten. Zum einen wäre da mal der Fluch der Supergroup: Wieviele Bands aus mehreren prominenten Mitgliedern sind je über ein, zwei Alben hinaus gekommen? Dass die Herren Hughes, Bonamassa, Bonham und Sherinian es bis zu einem Drittling geschafft hatten, schien schon wie ein Wunder. Der lag nun allerdings fünf Jahre zurück, und dessen Titel AFTERGLOW machte wenig Hoffnung auf einen potenziellen Nachfolger. Und dann war da noch der äußerst öffentlich ausgetragene Streit zwischen dem britischen Rock-Urgestein am Mikro und dem amerikanischen Blues-Titanen an der Gitarre, der das Kapitel endgültig abgeschlossen zu haben schien. Letzterer konnte sich ange­sichts seiner eigenen, sich prächtig entwickelnden Karriere nicht zu nennenswerten Live-Aktivitäten bewegen lassen, was Ersterer ihm ziemlich übel nahm. Irgendwie verständlich, denn erstens erwacht Rockmusik bekanntlich erst auf der Bühne zu echtem Leben, und zweitens bedeutet keine Konzerte heutzutage schlicht und einfach kein Einkommen. Kurzum: Nur die wenigsten rechneten damit, dass Black Country Communion überhaupt noch existierten. Aber das tun sie, und wie! BCCIV ist nicht nur ein Lebenszeichen, eine Erinnerung an Vergangenes, sondern eine mehr als selbstbewusste Rückkehr, ein unmissverständliches Manifest, das zu sagen scheint: Wenn wir was tun, dann richtig. Fingerübungen, Füllmaterial oder fahrige Halbherzigkeiten? Fehlanzeige. Dies sind zehn durchweg starke Tracks, durchtränkt von einer ansteckenden Energie, die Unwissende niemals vermuten lassen würde, in welchem Alter sich diese Herren befinden. Allen voran Glenn Hughes, dessen Gesangs-Performance über jeden Zweifel erhaben ist, und dann natürlich Joe Bonamassa, der sein Blues-Steckenpferd hier konsequent im Stall lässt und stattdessen mächtige Heavy-Rock-Riffs am Fließband abfeuert. Garniert mit Jason Bonhams Power-Drums und Derek Sherinians perfekt gesetzten Keyboard-Akzenten, entstand hier ein Album, das tatsächlich mehr ist als die Summe seiner Teile. Und das will bei diesen „Teilen“ wirklich was heißen!
Anspieltipp: ›When The Morning Comes‹
(Matthias Jost)


2 Ryan Adams
PRISONER
PaxAm/Universal
Platten, die im Winter erscheinen, haben ein Handicap, wenn die Jahrescharts aufgestellt werden. Wenn man sich im Dezember ans zurückliegende Jahr erinnert, kommen zuerst die Platten in den Sinn, die man mit dem Sommer verbindet. An denen ist man noch näher dran. Wenn es also eines weiteren Beweises bedurfte, dass Ryan Adams mit seinem 16. Studioalbum einen ganz besonderen Wurf gelandet hat, bittesehr: Unser Platz 2 wurde schon im Februar veröffentlicht. Die Wirkung dieser Songs hat seitdem offenkundig nicht nach­gelassen. Auf eine Sache hat der wuschelige Grandmaster der Americana in den In­­terviews Wert gelegt: Nein, PRISONER solle bitte nicht als sein „Scheidungsalbum“ in die Geschichte eingehen. Aber hey, wir sind einfache Gemüter und Ryan schrieb diese Lieder ausgerechnet in jenen Monaten, als seine Beziehung zu Schauspielerin Mandy Moore auch in den offiziellen Dokumenten annuliert wurde. Lieder, die ›Do You Still Love Me‹, ›Breakdown‹ oder ›To Be Without You‹ heißen. Die Deutung, dass hier jemand seinen Herzschmerz auswringt, liegt nahe.
So eindimensional ist es jedoch beileibe nicht. Ryan Adams hat sich nicht ohne Hintergedanken in seinem Heimstudio verbarrikadiert bzw. sich bei einem New- York-Aufenthalt in einem dortigen Studio eingekerkert. Der Ex-Frontmann der 90s-Alt-Country-Pioniere Whiskeytown, der in der Vergangenheit auch für hemmungslose Alkohol- und Drogeneskapaden be­­kannt war, hat seine innere Aufgewühltheit ganz bewusst kreativ kanalisiert. Am Ende standen 80 Songs, von denen die zwölf besten auf PRISONER Platz fanden. Sie zeigen nicht nur einen Ryan Adams in Höchstform, wie er seinen Stil immer reiner destilliert, zur Perfektion beinahe, sondern auch eine gereifte Persönlichkeit. „Ich habe mir fest vorgenommen, durch diese Geschichte gut durchzukommen. Ich wollte nicht verbittert sein oder meinen Glauben ans Gute verlieren“, so Ryan. PRISONER dokumentiert den Erfolg dieser Mühe. Diese Songs geben den Tunnel schonungslos und detailgetreu wieder. Aber sie zeigen auch das Licht an dessen Ende.
Anspieltipp: ›Do You Still Love Me?‹
(Henning Furbach)


1 Neil Young
HITCHHIKER
Reprise/Warner
Es ist quasi seine Autobiografie, die Neil Young im Titelsong vorstellt. Der Kanadier erzählt von seinen ersten Erfahrungen mit Haschisch und Amphetaminen, von seiner Ankunft in Kalifornien und von wachsendem Ruhm: „The neon light and the endless night, they took me by surprise/The doctor gave me valium, but I still couldn’t close my eyes.“ Dann kommt Paranoia („I couldn’t sign my autograph or appear on TV“), die Flucht aufs Land hilft nicht so recht und die Liebe ist zerbrochen. Kein Trost, nirgendwo. Kokain soll ihm Linderung verschaffen, bis am Ende sein Kopf explodiert und er sich als Inka nach Peru wünscht.
Der Song, nur zu akustischer Gitarre und Mundharmonika gesungen, ist von einer rohen Intensität und Direktheit, die das ganze Album auszeichnet. Eigentlich hätte HITCH­HIKER Mitte der 70er-Jahre erscheinen sollen, die Stücke wurden an einem einzigen Tag im August 1976 in den Indigo Studios in Malibu eingespielt. Young arbeitete rastlos, Pausen gab es nur für „Gras, Bier und Koks“, wie er sich in seinem Buch „Special Deluxe“ erinnerte. Dass er die Platte damals nicht herausbrachte, begründete er damit, dass er bei den Aufnahmen „reichlich angedröhnt“ gewesen sei, was man an seiner Performance höre. Tatsächlich kichert er einmal ver-dächtig, sein Gesang gerät bisweilen etwas quäkend und das Gitarrenspiel wirkt hin und wieder ein bisschen schludrig.
Doch das macht HITCHHIKER nur noch mehr zum Dokument eines Songschreibers, der ohne Schutzschild dasteht, den die Liebe verrückt macht, der über Politik nachgrübelt (legendär die Zeile: „Even Richard Nixon has got soul“), der die Natur besingt und den das Unrecht, das den amerikanischen Ureinwohnern geschehen ist, umtreibt. Und der darüber Klassiker wie ›Pocahontas‹, ›Powderfinger‹ oder ›Ride My Llama‹ schreibt. Fast alle davon sind auf späteren Young-Alben oder Live-Mitschnitten erschienen, hier sind sie in ihrer ursprünglichen Form versammelt. HITCHHIKER ist das verschollene Meisterwerk, auf das man hoffen durfte.
Anspieltipp: ›Hitchhiker‹
(David Numberger)

Hier nochmal die Plätze 6-10 sehen…

Die 50 besten Alben 2017: Platz 10-6

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Black Country Communion 2017So ein Jahr ist doch immer wieder ungreifbar schnell an einem vorbeigezogen. Damit bei den unzähligen Geschehnissen dieser schnelllebigen Zeit wenigstens ein musikalischer Eindruck in unserem Bewusstsein zu verbleiben vermag, hat sich die CLASSIC ROCK-Redaktion noch einmal der vielen hundert Veröffentlichungen der vergangenen 365 Tage angenommen, um deren 50 herausragende Vertreter zu küren. Hier sind die Plätze zehn bis sechs…


10 Roger Waters
IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT?
Columbia/Sony
Roger Waters blickt 2017 tief ins Innere des Menschen und weit über den gesamten Globus hinaus, seine Aussichten dabei sind allesamt finster. Dieses, sein Resümee über den Ist-Zustand der Menschheit und ihrer Heimat Erde vertonte der ehemalige Pink-Floyd-Co.-Chef in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Form eines halb düsteren, halb gleißend leuchtenden Albums, das sich und uns die alles entscheidende Existenzfrage stellt. Der Zeitpunkt für diese zwölf durch Tondokumentschnipsel und Soundeffekte verbundenen, inhaltlich und stellenweise auch kompositorisch zu einem Konzept-Opus verwobenen Songs könnte nicht passender gewählt sein. Seit seinem Solo-Vorgänger AMUSED TO DEATH von 1992 hatte sich Waters lange Zeit gelassen und stößt jetzt genau richtig mit IS THIS THE LIFE WE REALLY WANT? in die Wunde einer gesellschaftlichen Krankheit, deren Symptome den Höhepunkt ihrer Ausprägung erreicht zu haben scheinen. Der Macht der Dummheit und der galoppierenden Verrohung setzt Waters seine mächtigste musikalische Waffe entgegen: Mit allerhand Stilmitteln aus der weitläufig beliebtesten Pink-Floyd-Phase von THE DARK SIDE OF THE MOON, über WISH YOU WERE HERE zu ANIMALS scheint Waters mit aller Kraft ein Maximum an Zuhörerschaft generieren zu wollen, wodurch letztlich ein wie aus der Zeit gerissenes Album entstand, das ebenso gut der direkte Nachfolger obengenannter Meisterwerke sein könnte. Neben altbeliebtem Orgel- und Synth-Gewaber, einem sehr direkt abgenommenen Drumset und einem sentimentalen Piano versieht Waters seine deprimierten Sprech- bis wütenden Brüll-Parts mit einem (Akustik-)Gitarren-Sound, der einen sogar den abwesenden David Gilmour zurück vermuten lässt. Perfektes Neumaterial also, das Roger Waters bei seinen acht Deutschland- und Österreich-Shows im Rahmen seiner „Us + Them“-(Anti-Trump-)Tour im kommenden Frühsommer in die Setlist zwischen Klassikern wie ›Breathe‹, ›Time‹, ›Welcome To The Machine‹, ›Pigs (Three Different Ones)‹ und ›Wish You Were Here‹ einflechten kann.
Anspieltipp: ›Smell The Roses‹, ›Wait For Her, ­›Oceans Apart‹, ›Part Of Me Died‹
(Paul Schmitz)


9 Mark Lanegan Band
GARGOYLE
Pias/Rough Trade
Narrenfreiheit ist ein rares Gut, und eines, das weise genutzt werden will. Man kann sie nämlich auch wieder aberkannt bekommen. Mark Lanegan läuft derzeit jedoch keine Gefahr, diesen Status zu verlieren. Der Mann, der mit Lava zu gurgeln scheint, kann sich immer noch alles erlauben – auch ein Album aus fast ätherischem Psycho-Wave-Rock, das den messianischen Hall von U2 in ein ungleich faszinierendes, mystisches Gewand packt und dabei trotzdem nicht die Songs vergisst. Einzigartig.
Anspieltipp: ›Beehive‹


8 The Magpie Salute
THE MAGPIE SALUTE
Eagle Rock/Universal
Wenn zwei sich streiten … kann es durchaus eine Menge Gewinner geben. Rockfans zum Beispiel. Okay, weder Chris Robinson noch sein Bruder Rich haben es bisher geschafft, ihre Großtaten mit den Black Crowes solo zu überbieten. Feine Musik haben sie aber beide seit dem Ende der Band gemacht. The Magpie Salute sind das neue Baby von Rich, und die haben eine Ode an die Warmherzigkeit des klassischen Südstaatenrock vollbracht, die mal packt, mal entrückt und immer verzückt. Herrlich!
Anspieltipp: ›Wiser Time‹


7 Chuck Berry
CHUCK
Decca/Universal
Als wäre es das eine, das er noch erledigen musste, schaffte es Berry noch vor seinem Tod im März, seinen musikalischen Ab­­schied, sein erstes Album mit Eigenmaterial seit 1979 für die Nachwelt festzuhalten. Dem Stand des „wahren Vaters des Rock’n’Rolls“ durch und durch würdig – und stimmlich wie spielerisch in herausragender Frische für 90 Legendenjahre auf dem Buckel – packt, reizt, betört uns Chuck ein letztes Mal. Ruhe in Frieden!
Anspieltipp: ›Big Boys‹


6 Blondie
POLLINATOR
BMG Rights
Zu viele Köche verderben den Brei? Hier nicht! Dev Hynes, David Sitek (TVOTR), Johnny Marr, Nick Valensi (The Strokes) und mehr nahmen am neuen Blondie-Album hörbar aus Liebe teil. Wir hören gewitzte ›Heart Of Glass‹/›Hanging On The Telephone‹-Varianten, die nun ›Long Time‹ oder ›Monster‹ heißen. Für den Hörer eine spaßige Referenz-Schnitzeljagd und ein Jungbrunnen für Debbie Harry, Chris Stein & Co.
Anspieltipp: ›Long Time‹

Hier nochmal die Plätze 11-20 sehen…

Rush – A FAREWELL TO KINGS – 40TH ANNIVERSARY EDITION

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Der König ist tot – es lebe der König …

… symbolisiert absolute Kontinuität. Und wenn sie jemand besitzt, dann sicher das kleine große Trio Rush aus Toronto. Es gab lediglich einen Be­­setzungswechsel direkt zu Beginn der Karriere, es folgten fast 40 Jahre trauter Dreisamkeit. A FAREWELL TO KINGS ist der Beginn des zweiten Rush-Kapitels, das erste endete mit dem Live-Album ALL THE WORLD’S A STAGE. Angelehnt an den Studio-Vorläufer 2112 klingt die Band abermals reifer und bedient sich erneut einer größeren Bandbreite.

Die Folge: noch komplexere Songstrukturen wie in ›A Farewell To Kings‹, ›Cygnus X-1‹ oder beim unverwüstlichen Fan-Fave ›Xanadu‹, die noch weiter entfernt sind vom ursprünglichen Sound des Power-Trios. In krassem Gegensatz dazu steht der erste Hit ›Closer To The Heart‹, erzählt in weniger als drei Minuten. ›Madrigal‹ ist gar noch kürzer, das schöne ›Cinderella Man‹ auch nur etwas über vier Minuten lang. Das Album entsteht erstmals nicht im heimischen Toronto, sondern im walisischen Rockfield zusammen mit Stamm-Produzent Terry Brown. Es erscheint nun als Super Deluxe Edition (mit drei CDs, einer Blu-ray Audio Disc und vier LPs), als 3-CD-Deluxe-Edition, 4-LP-Deluxe-Edition und Deluxe Digital Edition. Neben dem regulären Album (als re­­masterte Edition) gibt es das komplette Konzert vom Februar 1978 aus dem Londoner Hammersmith Odeon. Ebenfalls dabei: Vier Cover-Versionen von Dream Theater (›Xanadu‹), Big Wreck (›Closer To The Heart‹), The Trews (›Cinderella Man‹) und Alain Johannes (›Madrigal‹) plus ein Sound-Schnipsel namens ›Cygnus X-2 Eh‹ (ein Outtake der Studiosessions). Zum Paket gehört auch eine Blu-ray-Audio-Disc mit 5.1 Surround-Mix von Steven Wilson und drei Original-Videos von 1977.

Hugh Syme, der langjährige Kreativ-Direktor des Trios, hat das Artwork nicht nur komplett geschminkt, sondern darüber hinaus auch noch für jeden der sechs Tracks ein neues Design entworfen. Dazu gibt es ein 12.000 Worte starkes Begleitbuch, einen sogenannten King’s Ring in speziell angefertigter Samttasche, eine Halskette, zwei Drucke mit Originaldesigns, eine zwölf Zoll messende Plattenspieler-Matte von Syme sowie ein Replikat des originalen Tournee-Heftes von 1978. Absolut komplett und unverzichtbar.

10/10

Rush
A FAREWELL TO KINGS –
40TH ANNIVERSARY EDITION
ANTHEM/MERCURY/UNIVERSAL