Als Jimi Hendrix 1966 nach London kam, war die gesamte britische Rockelite inklusive Eric Clapton, Jimmy Page und Jeff Beck überwältigt. Doch schon bald folgten sie seinem Beispiel und entwickelten eine explosive neue Form des elektrischen Blues. (Text: Johnny Black)
„Lord Bishop, Epizentrum von Lord Bishop Rocks, ist nicht nur für seine flamboyante Präsenz bekannt, sondern auch für seinen intensiven Sound, der an der Schnittstelle von Rock’n’Roll, Soul, Funk und Punk pulsiert wie eine offene Wunde.“
„Die acht Originale der Truppe stehen ihren Vorbildern in nichts nach: The Allman Brothers sind ebenso herauszuhören wie Skynyrd oder Gov’t Mule; sie sind allerdings um einiges moderner komponiert und produziert und suchen eher den Schulterschluss mit der Allman Betts Band, mit Tedeschi Trucks oder Blackberry Smoke. Ein fantastisches Album, das zeigt, dass Southern Rock eine Zukunft hat – auch außerhalb seiner geografischen Heimat.“
„In ihrer zarten Eindringlichkeit folgt sie den Fußstapfen der ganz Großen wie Joni Mitchell, gepaart mit einer Wärme und Wohligkeit in Stimme und Arrangements, die man von Künstlerinnen wie Norah Jones kennt.“
Manchmal wird der American Dream noch wahr: diese sagenhafte Erfolgsgeschichte, diese Wendung zum Happy End, die Metamorphose vom Loser zum Winner. So ähnlich muss es sich wohl auch für Sierra Ferrell anfühlen. Jahrelang war die Singer/Songwriterin aus West Virginia auf Achse, als moderner Hobo, als trampende Vagabundin. Und dann veröffentlicht sie 2021 das Album LONG TIME COMING – und alle sind völlig aus dem Häuschen: Jubelkritiken, Verneigungen, Kooperationen mit Top-Stars und Americana-Awards. Jetzt zündet Sierra Ferrell die nächste Karriererakete: TRAIL OF FLOWERS heißt die Platte, für die anscheinend genügend Budget zur Verfügung stand, um die teuren Sound Emporium Studios in Nashville zu buchen. Auch wenn damit ein paar Ecken und Kanten zugunsten eines eher glatteren Sounds geopfert werden: Es ist ein märchenhaftes Werk – und Titel wie das herrlich träumerische ›American Dreaming‹ sind zu hundert Prozent autobiografisch.
SIERRA FERRELL TRAIL OF FLOWERS ROUNDER RECORDS/UNIVERSAL
Nach Southern-Väter Sitte, mit dem Sound der jungen Wilden
Allein für diese Version von Neil Youngs Klassiker ›Southern Man‹ gehört dieser Mann gefeiert! Der niederländische Bluesrock-Gitarrist mit hörbarer Expertise im Southern Rock teilt sich für den Klassiker das Mikrofon mit der (hörbar) schwarzen Sängerin Berget Lewis, deren sattes Soul-Organ dem beklemmenden Text der Vorlage authentische Brisanz verleiht. Dass de Leeuw und Gitarrist Sem Jansen ihre zweistimmigen Licks in bester Collins-Rossington-Art anlegen und damit auf den angeblichen ›Southern Man‹-Zwist zwischen Young und Lynyrd Skynyrd anspielen, freut Rock-Nerds. Auch dass de Leeuw (Gitarre), Tim Koning (Schlagzeug), Boris Oud (Bass) und Jansen (Gesang und Gitarre) so auf bewundernswerte Weise musikalisch Stellung beziehen zur dunklen Vergangenheit jener Region, der ihre Musik entstammt, ist ein fantastisches, wohltuendes Zeichen. Die acht Originale der Truppe stehen ihren Vorbildern in nichts nach: The Allman Brothers sind ebenso herauszuhören wie Skynyrd oder Gov’t Mule; sie sind allerdings um einiges moderner komponiert und produziert und suchen eher den Schulterschluss mit der Allman Betts Band, mit Tedeschi Trucks oder Blackberry Smoke. Ein fantastisches Album, das zeigt, dass Southern Rock eine Zukunft hat – auch außerhalb seiner geografischen Heimat. (Christoph Ulrich)
8 von 10 Punkten
Leif de Leeuw Band MIGHTY FINE LEIF DE LEEUW/COAST TO COAST
Angriffslustig war Gary Clark Jr. immer wieder mal, so konfrontativ wie mit ›Maktub‹, dem ersten Song seines vierten Major-Albums, ging es aber selten los. Knallharter bluesiger Rock Marke früher Eric Clapton oder Jeff Beck, Zeilen wie „lies for sale pay attention“, Textstellen, die sich als Anklage gegen rassistisch motivierte Gewalt lesen lassen – getrieben, aufputschend, am Ende der Schlachtruf „we gotta move“. So kann man loslegen. Freilich bleibt JPEG RAW nicht durchgehend auf diesem Spannungslevel, würde sich ja sonst auch erschöpfen. Stattdessen entwickeln sich die Lieder mehr und mehr in Richtung Soul, Funk und Jazz, manchmal denkt man an D’Angelo, ›To The End Of The Earth‹ wirkt wie eine Mischung aus Minnesang und American Songbook. Auf ›What About The Children‹ singt Stevie Wonder mit Clark Jr. zusammen, das Stück erinnert nicht nur im Titel an sozialbewussten Soul im Stil von Marvin Gaye, Curtis Mayfield – oder eben Wonder. Das meditativ-groovige ›Funk Witch U‹ punktet mit Stargast George Clinton. ›Habits‹, mit dem die Platte endet, entfaltet sich über neun Minuten in mehreren Akten, ist Selbstbezichtigung und verzweifelter Lovesong. Gewohnt eklektische Sammlung also vom neuerdings 40-jährigen Wundergitarristen.
Flamboyanter Mix aus Rock’n’Roll, Funk, Soul, Blues und Punk
Lord Bishop, Epizentrum von Lord Bishop Rocks, ist nicht nur für seine flamboyante Präsenz bekannt, sondern auch für seinen intensiven Sound, der an der Schnittstelle von Rock’n’Roll, Soul, Funk und Punk pulsiert wie eine offene Wunde. Er selbst bezeichnet diese Mixtur als „Hendrixian Motör Funk“, auf dem neuen Album TEAR DOWN THE EMPIRE wird diese musikalische Voodoo-Magie eingeleitet von ›Find My Way Home‹, einem heavy vor sich hin malmenden Track, der an eine schleppende ›Whole Lotta Love‹-Dekonstruktion erinnert. Songs wie ›Oops Damn‹ und ›Modern Day Slave‹, beide durch ein kurzes, grooviges Bass- bzw. Gitarrenriff eingeleitet, teilen sich den energiegeladenen Platz auf der Platte mit klassischen Rock’n’Roll-Nummern wie ›Burn Down The House‹ und stehen schlüssig neben Tracks wie ›Dead Enough‹, der sich als bedrohliches Alternative-Monster mit Doom-Anstrich entpuppt. Das darauffolgende ›Pride‹ hingegen entfaltet eher Clash-artige ›London Calling‹-Vibes, der abschließende ›The Bowie Song‹ schimmert in sanften ZIGGY-STARDUST-Schattierungen mit schmerzlich-schönem Gitarrensolo und zollt dem verstorbenen „Starman“ Tribut.
7 von 10 Punkten
Lord Bishop Rocks TEAR DOWN THE EMPIRE TONZONEN RECORDS/SOULFOOD
ALL MY FRIENDS ist das neue Soloalbum von Aoife O‘ Donovan – eine sanfte Songsammlung, in deren Zentrum die Akustikgitarre und Aoifes Stimme, Geschichten und Fragen rund um das Thema Frau-sein stehen. In ihrer zarten Eindringlichkeit folgt sie den Fußstapfen der ganz Großen wie Joni Mitchell, gepaart mit einer Wärme und Wohligkeit in Stimme und Arrangements, die man von Künstlerinnen wie Norah Jones kennt.
Im Podcast „Life In The Stocks“ des Journalisten Matt Stocks gab Duff McKagan zu Protokoll, künftig vielleicht ein Album mit Jerry Cantrell aufzunehmen. Der Alice-In-Chains-Mann und McKagan haben schon mehrmals kollaboriert, so zum Beispiel spielt Guns N‘ Roses-Bassist McKagan auf fünf Songs von Cantrells kommendem Soloalbum den Viersaiter.
Auch den Song ›I Just Don’t Know‹ von McKagans jüngstem Album LIGHTHOUSE haben er und Cantrell miteinander geschrieben. „Wir denken darüber nach, irgendwann eine gemeinsame Platte zu machen“, erklärte Duff im Interview mit Stocks.