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Start Blog Seite 477

Plattensammler: Francis Rossi verrät uns seine fünf Lieblingsalben

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status quo 2016Eigentlich habe sich sein Leben immer nur um Singles gedreht, verrät Rossi, die Everly Brothers fallen ihm da auf Anhieb ein oder Johnny And The Hurricanes. Jetzt, da er mit Status Quo gerade ein neues Album (BACKBONE) veröffentlicht hat, erinnert er sich freundlicherweise auch an ein paar Langspieler, die wichtig für ihn waren.

John Mayall &
The Bluesbreakers
BLUESBREAKERS WITH ERIC CLAPTON
1966

John Mayall Blues Breakers With Eric Clapton
Dieses Album von John Mayall & The Bluesbreakers ist das Allererste, an das ich mich erinnern kann. Eric Clapton spielte darauf mit. Es brachte mich überhaupt erst auf die Idee, vielleicht doch auch das Gitarrespielen zu lernen. Ich hörte dann schnell wieder auf damit, weil ich es nicht hingekriegt habe, haha. Aber ich erinnere mich, dass ich diese Platte sehr mochte. Selbst wenn mir die Titel der Lieder, die darauf sind, jetzt gerade nicht mehr spontan einfallen.

Chicken Shack
O.K. KEN?
1969

Chicken Shack OK Ken
Mit Stan Webb und Christine Perfect, wie sie sich damals nannte. Wir haben später mit ihnen gearbeitet. Als wir anfingen, Hasch zu rauchen, und mit dem Auto rumreisten, hörten wir ihre Sachen. Schönes Blues-Zeugs. (singt: „Oh, baby, you used to mean so much to me“) Und ich liebte Stan Webbs Gitarrenspiel zu der Zeit, auch das hat mich inspiriert, etwas Ähnliches zu machen. Es gab lauter Referenzen auf dem Album, sie versuchten, lustig zu sein. Heute, in der Retrospektive, ist es nicht wirklich lustig. Aber ›Fishing In Your River‹ war damals eins meiner Lieblingslieder. Ja, diese Songs haben mich sehr beeinflusst.

The Beatles
RUBBER SOUL/REVOLVER
1965/1966

Beatles Rubber Soul Revolver
Der gesamte Beatles-Katalog war wichtig für mich, aber als erstes fallen mir REVOLVER und RUBBER SOUL ein. Irgendwas zwischen diesen beiden Alben. Deshalb meinte ich erst, dass ich diese Auflistung hier gar nicht machen kann. Jedenfalls: Es gibt da diesen Kerl, und das ist typisch für heute, der arbeitet seit 20 Jahren für uns – und mag die Beatles nicht. Wie bitte?! Ich dachte, jeder mag die Beatles. Aber er: „Nein, nicht wirklich. Meine Tochter findet sie ganz okay. Sie kann nicht von mir sein“. Es hieß immer, dass George Harrison nicht besonders gut sei, kein guter Sänger, kein besonderer Songwriter. Aber ich liebe, was er gemacht hat.

Fleetwood Mac
RUMOURS
1977

Fleetwood Mac Rumours
Auch hier gilt: Wie kann es Leute geben, die RUMOURS nicht mögen? Aber es gibt sie. Genau wie bei HOTEL CALIFORNIA von den Eagles, ebenfalls ein großer Einfluss. Manche Leute halten es für Scheiße, ich verstehe das nicht. Manchmal schreit etwas so laut Einfachheit, dass die Schönheit daran weh tut. Nehmen wir ›Go Your Own Way‹: Die Drums bewegen sich nicht, bis zu dem Dackadam, Dackadackadam. Mehr nicht. Andere Drummer würden die wildesten Sachen anstellen, aber er denkt sich, das ist, was wir brauchen, das ist der Song. Hier liegt für mich die Schönheit: in der Einfachheit von Musik.

Abba
THE VISITORS
1981

Abba The Visitors
SUPER TROUPER war schon echt gut, aber dann kam THE VISITORS. Ich erinnere mich, dass ich ›Ring Ring‹ hörte, als wir gerade in Australien tourten. Fantastisch! Und all die Australier – bei ihnen ging es immer nur um big fucking testicles und Football – fragten: „Was hörst du da?“ Darauf ich: „Abba!“ Darauf sie: „Dein Ernst, Mike?!“ – „Doch, mach ich, es gefällt mir.“ Und später kam es mit Abba genau wie mit ELO. Auf einmal sagten alle: Oh ja, wir lieben sie! Aber wenn du dir THE VISITORS anhörst – Uuuh, fuck! Fast so gut wie Pornografie. Oder nein, doch nicht. Aber im Ernst, das hat mich beeinflusst.

The Dogs – Crossmaker

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Hunde, die bellen, beißen doch!

Ja, sie haben einen Gullydeckel als Merchandiseartikel. Einen echten. Der wiegt 50 kg, was die Band zwang, sich einen neuen Van zu kaufen, um jeweils sechs davon zu ihren Konzerten transportieren zu können. Immerhin: The Dogs haben mit den Verkaufserlösen die Studiomiete für ihr neuntes Album sprichwörtlich „deckeln“ können. Da sieht man mal wieder, wie sehr es sich lohnt, verrückte Ideen auszuleben. In ihrer Heimat Norwegen hat sich das Sextett um den charismatischen Frontmann Kristopher Schau bereits in die Liga der 1.000-Personen-Venues hochgespielt, was ihnen heuer den Support-Slot für die einzige Norwegen-Show von KISS einbrachte. Und hierbei könnten The Dogs sogar die Headliner an die Wand spielen, denn sie haben die Fanbase und sie haben die Hits. Mit satten acht Studioalben auf dem Konto, alle an der knackigen 35-Minuten-Grenze, konnten sich die Garage-Rocker aus Oslo in puncto Songwriting von Mal zu Mal steigern, und beherrschen heute melodiöse Dreiminüter wie ›Without A Warning‹ ebenso perfekt wie ausladende Rock’n’Roll-Rotzer à la ›Toy Guns In A Butchery‹ mit so unsterblichen Zeilen wie „some drugs don’t die, they just hide in my cells/Seeping into the stories I tell“. Ach, was laber ich – Kaufbefehl!

9 von 10 Punkten

The Dogs, CROSSMAKER, DRABANT/MEMBRAN

Carlos Santana im Interview: „Religion ist Coca-Cola“

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Carlos Santana InterviewAuf seinem aktuellen Album AFRICA SPEAKS hat sich Latin-Gitarrengott Carlos Santana „zu 150 Prozent“ der afrikanischen Musik verschrieben. Sooo viel anders als sonst klingt er trotzdem nicht. Wir sprachen mit dem 71-Jährigen über LSD-Trips in Woodstock, gute und schlechte Drogen, die Macht der Liebe, Rick Rubin, den Unterschied von Spiritualität und Religion, Donald Trump, Bühnenangst und sexuellen Missbrauch.

Interview: David Numberger

Sie haben gerade mit Produzent Rick Rubin an Ihrer neuen Platte gearbeitet. Woher kennen Sie sich?
Wir haben uns für die Aufnahmen zum ersten Mal getroffen.

Wie lief das ab?
Ich fuhr zu seinem Haus und er fragte mich, was ich vorhabe. Ich sagte ihm, dass mir ein zu 150 Prozent rein afrikanisches Album vorschweben würde, was die Rhythmen und die Melodien betrifft. Eine Art Mystical Medicine Music. Er sagte: „Oh?!?“ Also sagte ich: „Ich werde dir einen iPod mit vielen, vielen afrikanischen Liedern drauf geben, die mir gefallen.“ Es waren um die 60, davon haben wir 49 eingespielt.

Rick Rubin hat mit Tom Petty und Johnny Cash große Alben aufgenommen, ihm eilt der Ruf eines musikalischen Gurus, eines Magiers voraus. Wie ist das, wenn man dann tatsächlich mit ihm zu tun hat?
Haha, dieser Ruf ist berechtigt! Während der Ses­sions war er fast unsichtbar, hier und da gab er ein paar Kommentare an einzelne Musiker ab, ganz leise, ganz sanft. Seine größte Leistung war, die Songs abzumischen, als wir anderen fertig waren. Die Art, wie er die Musik, die Instrumente platziert hat, fühlt sich sehr lebhaft, sehr lebendig und kraftvoll an. Man kann alle Instrumente hören, und alle haben sie eine Menge Energie.

Sind Sie nervös vor Ihren Auftritten?
Nein. In den 60ern war ich es, vielleicht auch ein bisschen in den 70ern, aber heute überhaupt nicht mehr.

Haben Sie so etwas wie einen magischen Trick gegen Lampenfieber?
Spirituelles Selbstvertrauen ist der Schlüssel. Von 1972 bis 82 nahm ich spirituelles Training bei einem östlichen Lehrer namens Sri Chinmoy und lernte dort, fokussiert zu sein wie ein Laser.

Wie war es, vor 50 Jahren in Woodstock auf der Bühne zu stehen?
Ich weiß noch, dass ich gleichzeitig große Angst hatte und sehr glücklich war.

Sie haben vor der Show LSD genommen. Warum?
Weil ich das damals oft gemacht habe. Es war eine therapeutische, quasi meditative Sache. Es hält für acht bis zwölf Stunden an, und sie sagten mir: „Du wirst frühestens in zwölf Stunden auftreten.“ Da dachte ich mir, okay, wenn ich es jetzt nehme, wird alles gut sein. Doch ein, zwei Stunden später sagten sie: „Du musst jetzt spielen.“ Das hat mir ein bisschen Angst gemacht.

„Das Pentagon, Hollywood und die Medien verkaufen uns Angst, und das die ganze Zeit. Aber ich kauf’s ihnen nicht ab, denn Liebe kostet nichts.“

Machen Drogen kreativ?
Medizin ja, Drogen nein. Drogen sind Heroin, Morphin, Kokain. Marihuana, Ayahuasca, Mescalin und Pilze sind etwas anderes. Um es klar zu machen: Menschen stellen Drogen in einem Labor her, Mutter Natur und die Sonne machen Medizin durch Pflanzen. Großer Unterschied! Bei denjenigen, die etwas genommen haben, bei Jimi Hendrix, den Beatles, Miles Davis oder John Coltrane, konnte man sehen, dass sich ihre Musik dramatisch verändert hat. Wenn ich mir zum Beispiel SGT. PEPPER oder REVOLVER anhöre – genauso übrigens bei den Rolling Stones –, dann erkenne ich, wer etwas genommen hat, um seine Wahrnehmung zu erweitern. Ja, das ist eine gute Definition. Und es ist immer besser, wenn man es unter Aufsicht macht.

Woodstock wollte Liebe, Frieden und Gemeinschaft in die Welt senden, heute leben wir mit Trump, dem Brexit und Rechtspopulismus. Was ist schiefgelaufen?
Das Ding ist: Wir brauchen ein Woodstock in jeder Stadt, jeden Freitag, Samstag und Sonntag. Farben, Ballons, gutes Essen, gute Musik, Leute, die teilen. Der Fall der Berliner Mauer, als Mandela freikam, als wir das Jahr 2000 feierten: All das hatte damit zu tun, dass Menschen harmonisch miteinander auskommen können. Das ist, was ich von Woodstock gelernt habe: Menschen sind fähig, friedlich zusammenzuleben, ohne Religion, Politik oder Angst. Angst schafft Mauern und Gefühle von Überlegenheit und Unterlegenheit, Rassismus ist eine Folge davon. Das Gegenteil ist Menschlichkeit, Harmonie und Freude.

Sorgen Sie sich manchmal um die politische Situation, um die Welt von heute?
Überhaupt nicht. Schalte einfach den Fernseher ab und all der Scheiß schaltet sich mit ab, er verwandelt sich in Staub. Wenn man in Berlin dorthin geht, wo einst die Mauer stand, dann ist sie da nicht mehr, sie ist nicht einmal mehr Staub. Jede Mauer, auch die, die Trump bauen will, wird fallen, denn Liebe wird alle Mauern einreißen, immer.

Die Liebe schlägt das Böse?
Ja, und sie hat bereits gewonnen, es ist nur so, dass ignorante Leute das noch nicht wissen.

Können Sie das erklären?
Ja! Wenn du dir abends die Sterne anschaust, oder wenn du auf den Ozean blickst, wenn du auf Unendlichkeit, Ewigkeit und Unsterblichkeit schaust: Das steckt alles in dir. Leute, die meinen, dass die Welt zu Ende geht, dass schlechte Menschen, der böse schwarze Mann die Macht übernehmen – dieses Zeug ist wie ein schlechter Horrorfilm. Das Pentagon, Hollywood und die Medien verkaufen uns Angst, und das die ganze Zeit. Aber ich kaufe es ihnen nicht ab, denn die Liebe kostet nichts.

Welche Rolle spielen Religion und Spiritualität in Ihrem Leben?
Religion ist Coca-Cola und Pepsi, Spiritualität ist Wasser. Sie ist viel weiter entwickelt. Religion ist dagegen primitiv, wie Patriotismus.

Glauben Sie an Gott?
Ich glaube an die Liebe. Gott ist Liebe. Er hat viele Namen, aber Liebe ist der eigentliche.

Sie wurden als Kind von einem Mann sexuell missbraucht. Wie sind Sie damit fertig geworden?
Der Weg zur Heilung führt über Vergebung. Wenn ich die Person, die mir etwas getan hat, zur Hölle schicke, dann gehe ich mit ihr da hin. Besser ist es, den, der einem das angetan hat, als siebenjähriges Kind zu sehen, das man ins Licht schickt. Es ist wichtig, sich zu sagen: Ich bin nicht, was mir passiert ist, ich bin immer noch so, wie Gott mich geschaffen hat, rein und unschuldig – und deshalb frei.

Plattensammler: Jonathan Davis (Korn)

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Seit zweieinhalb Dekaden prägen die kalifornischen Heavy-Rocker von Korn nun schon mit Kultscheiben wie LIFE IS PEACHY oder UNTOUCHABLES die weltweite Musikszene. Wir baten Frontmann Jonathan Davis zum Vier-Augen-Gespräch über seine fünf Lieblingsplatten.

VARIOUS ARTISTS
JESUS CHRIST SUPERSTAR
1970

Ich liebe Musicals und würde sehr gerne selbst einmal in einer Broadway-Produktion mitspielen! Als Kind bin ich regelrecht in Theatern großgeworden. Mein Vater war als musikalischer Leiter und als Dirigent tätig. Er hat Stücke wie „A Chorus Line“, „Cats“ oder auch „Jesus Christ Superstar“ betreut, in dem auch meine Mutter mitspielte. Das Lustige an der Sache: Sie lernte dort einen neuen Mann kennen, mit dem sie später durchbrannte. Er spielte die Rolle des Judas – heute ist dieser Judas mein Stiefvater. Ich bin immer noch großer Fan von Songs wie ›Heaven On Their Minds‹ oder ›What’s The Buzz‹; sie haben absolut nichts von ihrer damaligen Faszination verloren.

BJÖRK
HOMOGENIC
1997

Dieses Album ist einfach unbeschreiblich. Ich habe zuhause eine ziemlich laute Anlage, auf der ich diese Scheibe manchmal höre. Alleine der Opener ›Hunter‹ zählt schon zum Besten, was die Popmusik jemals hervorgebracht hat. Ich habe dieses Album zum ersten Mal im Jahr seines Erscheinens gehört: Wir waren 1997 mit Korn auf der Lollapalooza-Festivaltour unterwegs, wo wir unseren ein Jahr zuvor erschienenen Longplayer LIFE IS PEACHY promoteten. HOMOGENIC lief immer zur Entspannung im Tourbus oder Backstage vor den Shows. Alles, was ich höre, hat unterbewusst einen Einfluss
auf meine eigene Musik. Ich bin sicher, dass mich auch Björk auf ihre Weise inspiriert hat.

MASSIVE ATTACK
MEZZANINE
1998

Ich hatte mich schon sehr auf die Show zum 20. Releasejubiläum in L.A. gefreut; leider mussten sie das Konzert verschieben. Ich liebe die besondere Atmosphäre der Scheibe, die sich schon ab dem Intro aufbaut. Spätestens bei ›Teardrop‹ hat man dann eine komplette Gänsehaut. Meine eigene Musik ist ja meistens ziemlich laut und aggressiv; bei zurückgelehnten TripHop-Sounds kann ich mich so richtig
entspannen und abschalten. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich höre auch gerne Cannibal Corpse oder norwegischen Black Metal, wenn ich so richtig mies drauf bin und ein wenig Energie abbauen muss. Aber MEZZANINE ist einfach pure Schönheit.

DEAD CAN DANCE
THE SERPENT’S EGG
1988

Als Teenie hatte ich eine richtige Gothic-Phase, in der ich ausschließlich Grufti-Bands wie Christian Death, Specimen und Dead Can Dance gehört habe. Die Stimme ihrer Sängerin Lisa Gerrard ist nicht von dieser Welt. Sie singt wie ein Engel; ihr Stimmumfang ist unglaublich. Ich liebe die mittelalterliche, irgendwie geheimnisvolle Stimmung ihrer Songs. Vor meiner Musikerkarriere habe ich tatsächlich auf einem Friedhof gearbeitet und fühle mich auch heute noch zu allem Morbiden hingezogen. Ich habe mir ein Homestudio in einem alten Kino eingerichtet und werde oft erst nach Sonnenuntergang so richtig munter. Dieser Vampir-Lifestyle scheint mir irgendwie im Blut zu liegen …

BLACK LIGHT BURNS
CRUEL MELODY
2007

Die Band von meinem Limp-Bizkit-Kollegen Wes Borland. Ein völlig abgedrehtes Album, das er gemeinsam mit Nine-Inch-Nails-Member Danny Lohner aufgenommen hat. Darauf singt er sogar und spielt die meisten Instrumente selbst. Er ist ein guter Freund und ein echter Künstler. Wes beherrscht nicht nur seine Gitarre, er malt auch und schmiedet in seiner Freizeit echte Kampfschwerter. Wir haben uns schon bei unserem ersten Treffen vor einer gefühlten Ewigkeit blind verstanden. Freaks wie wir erkennen sich irgendwie gegenseitig. Das ging mir auch so, als ich Marilyn Manson zum ersten Mal traf. Es scheint wohl so eine Art unterbewusste Verbindung zwischen uns zu geben.

CLASSIC ROCK präsentiert: Foreigner, Larkin Poe und viele mehr live!

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TOUR DES MONATS: REBECCA LOU
rolamusic.com
Jung, wild, unzähmbar. Dieses dänische Punk-Rock-Power-Trio bringt mit seiner energiegeladenen Ausstrahlungskraft jede Bühne zum Beben. Frontfrau und Namensgeberin Rebecca Lou lebt sich abseits von Mainstream und gängigen (Schönheits-) Idealen aus. In ihrer Freizeit ist sie Mitglied der Motorrad-Girl-Gang „knallert kragerne“. Sie ist ein echtes Riot-Grrrl“ – auf der Bühne wie im echten Leben.

15.01. Berlin, Badehaus
16.01. Hannover, Lux
17.01. Marburg, Q
18.01. Ebensee, Kino
20.01. Wien, B72
21.01. Linz, Kapu
24.01. Hamburg, Freundlich und Kompetent
25.01. Bremen, Pusdrof Studios

AMIGO THE DEVIL
amigothedevil.com
21.02. Hamburg, headCRASH
22.02. Berlin, Cassiopeia
24.02. München, Feierwerk/ranhalle
25.02. Köln, Blue Shell

THE AUSTRALIAN PINK FLOYD SHOW
fkpscorpio.com
Mit ihrer 13. Produktion kommt die weltweit beliebteste Pink-Floyd-Tribute-Band im März für viele Termine zu uns. Die Kombination aus Laser- und Musikshow lässt einen vollends eintauchen in ein fabelhaftes Floyd-Universum.

18.03. Frankfurt, Jahrhunderthalle
19.03. Frankfurt, Jahrhunderthalle
20.03. Bamberg, Brose Arena
21.03. Oberhausen, König-Pilsener-Arena
23.03. Berlin, Tempodrom
25.03. Hannover, Swiss Life Hall
26.03. Hamburg, Barclaycard Arena
27.03. Bremerhaven, Stadthalle
28.03. Lingen, Emsland Arena
30.03. Zwickau, Stadthalle
31.03. Bielefeld, Stadthalle
02.04. Mannheim, SAP Arena
03.04. Stuttgart, Porsche Arena
04.04. Köln, Lanxess Arena
05.04. Leipzig, Arena
07.04. München, Zenith
08.04. Ravensburg, Oberschwabenhalle
09.04. Erfurt, Messehalle

BALTHAZAR
fkpscorpio.com
Belgischer Indie-Rock aus Gent: Weil ihre Shows im Dezember restlos ausverkauft waren, legen Balthazar im Februar nochmal nach.

04.02. Mainz, Kuz
09.02. München, Backstage
11.02. Köln, Live Music Hall
28.02. Berlin, Astra

ROBIN BECK und DAVE BICKLER
mfpconcerts.com
30 Jahre ist Robin Becks größter Hit ›First Time‹ alt. Zur Feier dieses Goldies kommt die Sängerin zusammen mit Dave Bickler – seines Zeichens Sänger von Survivors ›Eye Of The Tiger‹ – für mehrere Shows nach Deutschland.

05.06. Isernhagen, Bluesgarage
07.06. Frankfurt, Das Bett
09.06. Bochum, Zeche
10.06. Augsburg, Spectrum
11.06. Würzburg, Posthalle
13.06. CH – Pratteln, Z7

BLIND EGO
blind-ego.com
RPWL-Gitarrist Kalle Wallner ist ab Februar mit seinem Solo-Projekt unterwegs. Im Vorprogramm sind Kingcrow mit dabei.

29.02. Freising, Lindenkeller
01.03. Berlin, Maschinenhaus
02.03. Hamburg, Terrace Hill
03.03. Bremen, Meisenfrei
05.03. Rüsselsheim, Das Rind
06.03. Oberhausen, Zentrum Altenberg

NIC CESTER
fkp-scorpio.de
Der ehemalige Frontmann der australischen Durchstarter von Jet kommt für drei Shows nach Deutschland
13.03. Wiesbaden, Schlachthof, Kesselhaus
14.03. Bonn, Crossroads (Rockpalast)
15.03. München, Strom

TYLER CHILDERS
wizpro.com
An genau einem Termin in Deutschland wird der 28-Jährige sein neues Album COUNTRY SQUIRE vorstellen.

28.01. Berlin, Frannz Club

ERIK COHEN
starkult.de
Als „New Wave Of German Rockmusic“ bezeichnet der Kieler Solokünstler Daniel Geiger alias Erik Cohen seine dunklen Klänge, die man an sich an folgenden Terminen zu Gemüte führen kann:

22.11. Düsseldorf, Zakk
23.11. Hannover, Lux
13.12. Berlin, Cassiopeia
14.12. Kiel Räucherei
20.02. Dortmund, FZW
21.02. Wiesbaden, Schlachthof
22.02. München, Backstage

COOGANS BLUFF
coogansbluff.de
Die wilde Mischung aus Psychedelic- und Krautrock, der sich diese Rostocker verschrieben haben, kann man nur schwer in Worte fassen. Das sollte man sich besser live ansehen…
30.01. Hamburg, Knust
31.01. Köln, Blue Shell
01.02. Bielefeld, Forum
13.02. Dortmund, Piano
14.02. Oldenburg, Cadillac
15.02. Hannover, LUX
28.02. Dresden, Groovestation
29.02. Leipzig, Noels Ballroom
12.03. München, Feierwerk
13.03. Stuttgart, Goldmarks
14.03. Jena, KuBa
24.04. Rostock, PWH
25.04. Berlin, Lido

COUNTRY 2 COUNTRY
c2c-countrytocountry.de
Die deutsche Edition des berühmten Country2Country-Festivals findet auch nächstes Jahr wieder in der Verti Music Hall statt.

02. und 03.03. Berlin, Verti Music Hall

CURSE OF LONO
curseoflonoband.com
Die nach einer Geschichte von Hunter S. Thompson benannte Band aus England kommt im März mit ihrer einmaligen Mischung aus Americana und Alternative nach Deutschland.

17.03. Bonn, Harmonie
18.03. Hamburg, Logo
19.03. Lichtentanne, St.Barbar
20.03. Weinheim, Cafe Central
21.03. Nürnberg, Hirsch
22.03. Münster, Sputnikcafe
24.03. Dortmund, Musiktheater Piano
25.03. Berlin, Musik & Frieden
26.03. Kassel, Theaterstübchen

Lykantropi: Meister der Melancholie

Seit sich Lykantropi um das Jahr 2013 herum gegründet haben, hat sich viel bei den Schweden getan. Immer mehr entfernte sich die Band von ihrem ursprünglichen Folk-Einschlag weg und bewegte sich hin zu dem warmen und melancholischen 70er-Sound, den sie auf ihrem neuen Werk TALES TO BE TOLD vielleicht sogar perfektioniert haben. Diese Entwicklung mag daran liegen, dass Hauptsongwriter Martin Östlund niemals wirklich mit diesen Klängen abgeschlossen hatte. „In den 90ern hatte ich bereits mehrere Bands, die von den okkulten 70er Jahren inspiriert waren. Als sich Lykantropi dann auch langsam in diese Richtung entwickelten, habe ich deutlich gemerkt, dass ich diesem Genre noch innig verbunden bin“, so der zurückhaltende Sänger und Gitarrist im Interview.

Auch die sanfte Okkult-Note, die dieses Sextett umweht und sich alleine im Bandnamen deutlich nieder schlägt (Lykanthropie bezeichnet die Verwandlung eines Menschen zum Werwolf), kommt nicht von irgendwoher: „Ich bin ein großer Fan von Horrorf ilmen. Ich liebe die ganz alten Dracula-Streifen, weil sie so viel Atmosphäre haben. Ich mag Zeug aus den 70ern wie ,Werewolves On Wheels‘, kann auch vielen B-Movies und Filmen aus den 80ern etwas abgewinnen. Der beste Streifen aller Zeiten ist vielleicht Francis Ford Coppolas ,Dracula‘ mit Winona Ryder. Unsere Leadsingle beispielsweise habe ich in Hinblick auf Jim Jarmuschs ,Only Lovers Left Alive‘ geschrieben, eine wunderbare romantische Vampirgeschichte“, so Östlund weiter.

Zu dieser Affinität gesellen sich weitere Faktoren, die bestimmend sind für den gelungenen Sound von Lykantropi: Zum einen natürlich seine fünf Bandkollegen und Kolleginnen, die mit ihren Ideen, Stimmen und Instrumenten zur Vollendung des satten Klangbildes beitragen, genauso wie die Tatsache, dass sowohl Östlund als auch sein Co-Songwriter und Bassist Tomas Eriksson vor allem in Teenager-Jahren Einzelgänger waren. Die teilweise schmerzhafte Erfahrung der Zurückgezogenheit, des inneren Konflikts und des Abkapselns schwebt genauso durch TALES TO BE TOLD wie die einzigartige Atmosphäre der vielen Wälder und Seen in Värmland, der Heimat von Lykantropi. Östlund geht es vor allem darum, einen Raum für Eskapismus durch seine Musik zu schaffen, um den weltlichen Schieflagen und Tragödien zumindest ein Stück weit entfliehen zu können. Um diese
Schwingungen adäquat einzufangen, hat das Sextett nicht nur beim Songwriting alles gegeben: „Der Vintage-Klang kommt natürlich auch von der richtigen Aufnahmetechnik. TALES TO BE TOLD ist zwar
eine digitale Produktion, aber wir nutzten zum Beispiel Röhrenverstärker aus der Zeit, als die Musik nun mal an ihrem Höhepunkt war. Das Album kommt ja auch auf Vinyl raus, da muss der Sound einfach passen. Eine Platte zu machen ist eine Art Lebenswerk. Dieses Ding stellt für immer einen
Teil deiner Vergangenheit dar, du hinterlässt es für die Nachwelt. Warum also sollte man es nur halb so gut machen, wenn man es mit ein bisschen Hingabe auch richtig gut machen kann?“

Die 50 besten Alben des Jahres 2019: Plätze 3-1

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03 Rival Sons
FERAL ROOTS
ATLANTIC/WARNER

rival sons feral roots
Danke Gott für die Rival Sons. Während sich andere Vertreter des seelenvollen, an den 70ern orientierten Genres erst noch aus den Vergleichsfesseln à la Led Zeppelin und Co. lösen müssen, haben die Kalifornier diese Zeiten schon lange hinter sich. Nach zehn gemeinsamen Jahren und einer eher (aufgrund der Support-Shows für Black Sabbath) versäumten Gelegenheit, ihr letztes Album HOLLOW BONES anständig zu promoten, stellt dieser sechste Streich einen wichtigen Marker in der Biografie der Band dar. Und als wäre es selbstverständlich, hat die brillante Truppe mit FERAL ROOTS konsequenterweise ein brillantes Werk mit brillantem Artwork geschaffen.

›Do Your Worst‹ liefert den sexuell aufgeladenen Einstieg mit – wie Kollege Wolf es nannte – dem besten Chorus, der in den letzten Jahren das Licht der Songwelt erblicken durfte. Fortgeführt wird dieser verruchte Vibe mit ›Sugar On The Bone‹, und auch Track Nr. 3, das erst mit einem schweren Riff und dann mit einem groovenden Rhythmus drückende ›Back In The Woods‹, bringt Hüften ekstatisch zum Zucken. Erst beim vierten Song, ›Look Away‹, darf Jay Buchanan, zumindest im Intro, seine esoterischen Hippietunes einflechten. Der folgende Titeltrack hüllt den Hörer dann mit seinem naturverbundenen Text und dem wunderschönen Refrain in warme Klangpolster. Düsterer wird es in ›Too Bad‹, alle von Trennungsschmerz Geplagten können sich in dessen Wehklagen suhlen. Selbiges gilt auch für das vorletzte ›The End Of Forever‹. Für entspannte Zwischentöne sorgt ›Stood By Me‹ in Form von beschwingten, mancherorts fast schon funkigen vier Minuten mit leichtem Rolling-Stones-Vibe.

Als Höhepunkt der Platte schenken einem die Rival Sons am Schluss noch ›Shooting Stars‹. Ein eigentlich simpler Gospel, der jedoch durch Text, Gesang und feines Arrangement dermaßen strahlt, dass einem die Tränen kommen. Auch live war die Darbietung dieser Songs heuer das unbestrittene Highlight des Jahres: Die Rival Sons spielen nicht einfach nur Konzerte, sie zelebrieren transzendentale Messen, die Herzen berühren.

Anspieltipp: ›Shooting Stars‹
Text: Jacqueline Floßmann

02 Jeff Lynne’s E.L.O.
FROM OUT OF NOWHERE
SONY

Jeff Lynne From Out Of Nowhere
Ist es nicht schön, dass es immer noch Künstler gibt, die komplett in ihrer eigenen Dimension leben? Das war zwar sicher nicht das, was Jeff Lynne uns vermitteln wollte, als er 2015 mit ALONE IN THE UNIVERSE ein so überraschendes wie gelungenes Comeback-Album kredenzte, doch es trifft absolut zu: Niemand klingt wie er, hat jemals so geklungen und wird es wohl jemals wieder tun. Allein schon, weil Musik so gänzlich frei von Zynismus, Kalkül und klar umrissenem Zielpublikum eigentlich längst nicht mehr geduldet wird. Das große Glück des Briten ist, dass dieser Kosmos, den er alleine bewohnt, kein befremdlicher, entrückter, verstörender Raum ist, sondern ein Universum voller Wärme, Menschlichkeit und makelloser Melodien.

Dass wir nach so langer Zeit wieder durch das Lynnsche Portal in diese Dimension schreiten durften, erfreute Abertausende Fans, die nicht nur das Album zum Erfolg machten, sondern auch begeistert zu den Konzerten rund um den Globus strömten. Und genau diese Tatsache scheint ein neues Feuer entfacht zu haben, der Lockenkopf widmet ihr nun auf dem jüngsten Album FROM OUT OF NOWHERE gleich ein Stück (›Time Of Our Life‹), das mit einem perfekt dosierten Zitat aus der Vergangenheit die Euphorie sowohl des Publikums als auch des Musikers transportiert. Eine Energie, die sich durch die gesamte Platte zieht, denn selbst die melancholischen Nummern, von denen es mehrere gibt, strahlen trotz der Grundstimmung eine unüberhörbare Freude am Erschaffen aus. Es wäre ein Leichtes für Jeff Lynne, seine souveräne Gabe für griffige Songs und beseelte Harmonien mit fließbandartigen Fingerübungen zu vergolden.

Doch dies ist kein selbstzufriedenes Spätwerk zum beiläufigen Zeitvertreib, kein lukratives Nachlassverwalten, sondern der Beweis, dass auch ein Künstler, der in seinem Leben alles erreicht hat, noch motiviert sein kann, sein Bestes zu geben. Und auch, wenn die großen E.L.O.-Klassiker auf ewig unerreicht bleiben werden, ist es doch die schiere Freude, anno 2019 noch schreiben zu dürfen, dass dies eine der absolut schönsten Platten des Jahres ist.

Anspieltipp: ›Time Of Our Life‹
Text: Matthias Jost

01 Bruce Springsteen
WESTERN STARS
SONY

Bruce Springsteen Western Stars
Bruce Springsteen bleibt ein relevanter Künstler und dafür trägt er selbst und ständig, besonders wieder seit der letzten beiden Jahre, Sorge. Nach den letzten Premieren als autobiografischer Autor und Ein-Mann-Broadway-Storyteller samt Netflix-Auftritt, kam jetzt das für ihn persönlich experimentelle Soloalbum inklusive Regie, Skript und Frontmann-Rolle im dazugehörigen Konzert-Kinofilm. Mit WESTERN STARS verlässt Springsteen erneut die Heimat in New Jersey, passiert diesmal Nebraska. Es geht – ganz dem uramerikansichen Trieb, dem „Frontier-Spirit“, folgend – westwärts nach Kalifornien.

Im Dreieck zwischen Hollywood, der Wüste vor Los Angeles und den südlichen Grenzgebieten zu Mexiko spielt diese nostalgische, vom Schicksal gerüttelte, doch stolze Geschichte vom Scheitern und (erhofften Weiter-)Leben eines gealterten Westernfilm-Darstellers. Vollkommen neu ist das nicht. Im staubigen Cowboy-Thema fand sich der Boss auch schon 2005 auf DEVILS & DUST wieder, mit einem vergleichbar abgehalfterten, aus der Zeit und Gesellschaft gefallenen US-Helden setzte er sich beispielsweise vor zehn Jahren auf WORKING ON A DREAM und dem darauf enthaltenen Soundtrack zu „The Wrestler“ auseinander. Doch musikalisch betritt Bruce Springsteen mit allen 13 Songs von WESTERN STARS ein für ihn weitgehend neues Stück Land, das er vielleicht 2007 schon einmal mit ›Your Own Worst Enemy‹ leicht gestreift hatte, mehr aber auch nicht.

Es ist die geniale Wahl der Hauptfigur, die es ihm erlaubt, unter dem Motiv des „American Dream“ zwei gleichermaßen glorreiche wie vergangene Welten miteinander zu verbinden: Die Traumfabrik im La La Land der 60er mit ihrer schwulstigen Filmmusik sowie der damals parallel entstehende, ebenfalls reich instrumentierte Westküsten-Pop vereinen sich geschmeidig geölt mit dem Geist des historischen wilden Westens.

Sanft, fast ganz ohne Reibeisen, fungiert „Bruuce“ als croonender Roadtrip-Leader einer pompösen Bigband, die den Brückenschlag zwischen Filmorchester, Roots-Sound und der legendären Wrecking Crew vollzieht. Streicher, Hörner, Piano, Orgel, (E- und Western-)Gitarren, Mandoline, Banjo, Lapsteel, Drums und Percussions vertonen mit der Weite der Prärie diese Geschichten, wie sie mit so viel Pathos nur einer verfassen kann. Für den, der dafür empfänglich ist, ein Genuss. 2019 wurde Springsteens amerikanischem Gebetsbuch ein neues Kapitel hinzugefügt.

Anspieltipps: ›Western Stars‹, ›Hitch Hikin’‹, ›Chasin’ Wild Horses‹, ›There Goes My Miracle‹
Text: Paul Schmitz

Die 50 besten Alben des Jahres 2019: Plätze 10-4

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10 Mavis Staples
WE GET BY
Anti/Indigo

Mavis Staples We Get By
Was Mavis Staples seit einigen Jahren anfasst, wird verlässlich gut. Nicht, dass das früher anders gewesen wäre, aber seit LIVIN’ ON A HIGH NOTE von 2016 hat die mit den Staples Singers schon in den 50er-Jahren aktive Soulsängerin auch für ihre Verhältnisse einen außergewöhnlichen Lauf. Vor drei Jahren kamen die Songs von Bewunderern wie Justin Vernon (auch bekannt als Bon Iver), Benjamin Booker, Neko Case und Nick Cave. Ein Jahr später schrieb ihr Wilco-Chef Jeff Tweedy mit IF ALL I WAS WAS BLACK gleich ein ganzes Album auf den Leib. Für ihr aktuelles Werk hat sich Staples mit Sänger, Songschreiber und Gitarrist Ben Harper zusammengetan. Harper hat die neuen Lieder geschrieben und produziert, auf dem wärmenden Titelstück singt er mit Staples im Duett. Deren dunkel-heisere, kräftige Stimme ist freilich dennoch das Kraftzentrum dieser Platte.

„Fingers on the trigger around here/Bullets flying, mothers crying/We gotta change around here“, fordert sie im gesellschaftlich engagierten Auftaktstück ›Change‹ zu reduziertem, elektrischem Blues. Im anschließenden ›Anytime‹ setzt eine lässige Funkgitarre ein, Staples ist Kämpferin und Liebende zugleich. Und wenn in ›Brothers And Sisters‹ von einem nicht beim Namen genannten Mann die Rede ist, dem man nicht trauen könne, meint man zu wissen, wer gemeint ist. Viele Lieder sind ruhiger, nachdenklicher Soul, ›Hard To Leave‹ etwa, mit den Zeilen „Pressing play on Marvin Gaye/Trying to right the wrongings“. In ›One More Change‹ singt Staples, die dieses Jahr 80 geworden ist, ganz am Ende vom letzten Schritt, den es im Leben zu gehen gilt. Gar zu bald kommt der hoffentlich nicht.

Anspieltipp: ›We Get By‹
Text: David Numberger

09 Little Steven And The Disciples Of Soul
SUMMER OF SORCERY
Universal


Wenn es in der E Street Band gerade nix zu tun gibt, stellt der Gitarrist, Sänger, Songschreiber und Schauspieler aus New Jersey sein eigenes Ding auf die Beine. Auf seinem zweiten Soloalbum in drei Jahren macht er zwischen Soulrock, Van Morrison, Latin-Exkursion, Blues und Jazz ziemlich viel richtig. Besonders der Titelsong ist großartig. Er habe versucht, den „Rausch des Sommers“ einzufangen, sagt „Little“ Steven Van Zandt.
Anspieltipp: ›Summer Of Sorcery‹

08 Beth Hart
WAR IN MY MIND
MASCOT/ROUGH TRADE

Beth Hart War In My Mind
Seit über 20 Jahren im Geschäft, hat sich die Karriere von Beth Hart im vergangenen Jahrzehnt prächtig entwickelt, was nicht nur der beständigen Qualität ihrer Arbeit zuzuschreiben ist, sondern vor allem ihrer authentischen Emotionalität. Erstaunlich ist, dass beide Aspekte auf ihrem jüngsten Album einen neuen Gipfel erreichen – wie viele Künstler liefern nach so vielen guten Platten noch einen absoluten Höhepunkt ihres Gesamtwerks ab? Einfach grandios.
Anspieltipp: ›War In My Mind‹

07 Lukas Nelson & Promise Of The Real
TURN OFF THE NEWS (BUILD A GARDEN)
Concord Records/Universal

Lukas Nelson Turn Off The News
Neil Young beschäftigte 2019 mal wieder seine Altherrengruppe im Studio. Seine Jungs waren diesmal nur auf Tour dabei und so bot sich ihnen die Gelegenheit, ihr drittes eigenes Album, mit dem auf Frontmann-Position nachrückenden Sohn von Willie Nelson, aufzunehmen. In neun Jahren haben es Lukas und Promise Of The Real also nun auf dieselbe Anzahl von Veröffentlichungen gebracht, wie sie es mit Neil in weniger als der Hälfte der Zeit schaffen mussten. Die Reife aber tut ihnen gut. So ist TURN OFF THE NEWS (BUILD A GARDEN) weicher, runder, nachklingender und gehaltvoller ausgefallen als die Platten zuvor. Ohne in Kitsch zu verfallen, baden sie sich vielmehr in ebendiesem, sprühen dabei aber vor aufrichtigem, bekifftem Hippie-Romantizismus, der verzaubert. Funktionieren kann dies nur durch eines: Die musikalische Makellosigkeit ihres karamellisierten Westcoast-Pop und souligen Roots-Rocks mit Anleihen von Wrecking Crew bis Pettys Heartbreakers (und kleinen Cameos von Papa Willie und Onkel Neil).
Anspieltipp: ›Turn Off The News (Build A Garden) – Acoustic‹
Text: Paul Schmitz

06 Chris Robinson Brotherhood
SERVANTS OF THE SUN
Megaforce/H’art

Chris Robinson Brotherhood Servants Of The Sun
Wenn jemand um die Verschmelzung von Hippie-Flair mit kosmischen Energien weiß, dann ist das wohl Chris Robinson. Auch auf SERVANTS OF THE SUN setzt der Black-Crowes-Mann auf Dope-geschwängerte Vibes abseits jeglicher Trends. Leider ist das sechste Studioalbum der CRB auch deren letztes Werk mit Gitarrist Neal Casal. Nach der Europatour mit Chris nahm sich der Künstler im August im Alter von nur 50 Jahren das Leben. Mit seiner klaren und atmenden Spielweise verpasste der Tausendsassa dem Album eine seiner letzten typischen Duftmarken. Lediglich das schneidende Keyboard übertönt sein gefühlvolles Spiel hier und da, ansonsten schmiegt sich dies perfekt an die Guru-Vocals des Bandchefs. Im Ganzen genommen verströmt SERVANTS OF THE SUN ein starkes und befreiendes Jam-Band-Flair à la The Greatful Dead. ›Let It Fall‹, in dessen Video Chris sich zwischen hübschen Damen Joints dreht und entspannt feiert, besticht durch lässigen Funk, das abschließende, wunderlich betitelte ›Smile Of Epitaph‹ geht verträumt los und steigert sich dann zu einer spacigen Klimax. Das würdevolle Ende einer abwechslungsreichen Platte.
Anspieltipp: ›Let It Fall‹
Text: Jacqueline Floßmann

05 Nick Cave & The Bad Seeds
GHOSTEEN
Ghosteen/Rough Trade

Nick Cave Ghosteen
Nick Cave klingt anders als erwartet, aber wie er klingt, ist gewaltig. Vor vier Jahren starb der damals 15-jährige Sohn des Songwriters, wie das letzte Album SKELETON TREE ist auch GHOSTEEN eins der Trauer. Aber auch eins der Hoffnung. Gitarren und Schlagzeug gibt es so gut wie überhaupt nicht, statt Rhythmus Vangelis-artige sphärische Sounds, das Flirren und Brummen von Synthesizern, an und abschwellend, ätherische Chöre und Caves Klavier. Von den Bad Seeds scheint einzig Klangbastler Warren Ellis wirklich zu tun gehabt zu haben. Den Titel GHOSTEEN kann man als Wortschöpfung aus ghost und teenager lesen, und der Teenager-Geist ist die ganze Zeit präsent. Die fast beschwörend gesungene Zeile „I am beside you“ ist ein Leitmotiv der Platte, die oft mehr im Reich der Geister und Träume zu spielen scheint als in der äußeren Realität, in der wir uns jeden Tag bewegen. So etwas wie Erlösung, gibt es das? „Everyone has a heart and it’s calling for something/And we’re all so sick and tired of seeing things as they are“, singt Cave, und klingt so schutzlos wie vielleicht nie zuvor. Und doch glaubt er an die Schönheit der Welt, an die Liebe und daran, an etwas zu glauben. „Everybody’s losing someone/It’s a long way to find peace of mind“, weiß das überwältigende ›Hollywood‹, „I’m just waiting now, for peace to come“ sind die letzten Worte dieses Albums. Es ist ein Ringen um Sinnhaftigkeit jenseits von Chaos und Zufall. Es bringt einem Verlust und Trauer nahe, und ist doch so voller Licht und so schön, dass es einen umhaut.
Anspieltipp: ›Bright Horses‹
Text: David Numberger
 

04 Neil Young & Crazy Horse
COLORADO
Reprise/Warner

Neil Young Crazy Horse Colorado
Dass Neil Young ein Album rausbringt, ist keine Seltenheit. Dass es eins mit Crazy Horse ist, dagegen schon. Das letzte, PSYCHEDELIC PILL, kam 2012. Halbstündige Songs sind auf dem Nachfolger nicht drauf, und Gitarrist Frank „Poncho“ Sampedro ist auch nicht mehr dabei. Dafür ist Nils Lofgren zu Young, Schlagzeuger Ralph Molina und Bassist Billy Talbot gestoßen. Gemeinsam ging es in die Rocky Mountains und dort ins Studio. In der Bergeinsamkeit sind zehn Stücke entstanden, die ziemlich viel von dem haben, was man so mit Young verbindet. Das längste, das 14-minütige ›She Showed Me Love‹, ist eine wunderbar windschief daherkommende Liebeserklärung an die Natur, an „Mutter Erde“, mit quietschender Gitarre und lässigem Groove. Es geht um böse alte weiße Männer und die Hoffnung in die Jugend. Das verträumte, ein bisschen traurig-melancholische ›Olden Days‹ ist ein Gruß an alte Freunde, ›Help Me Lose My Mind‹ und ›Shut It Down‹ sind harte, trockene Rockmusik, ›Green Is Blue‹ warnt vor der Zerstörung des Planeten: „We heard the warning calls, ignored them/We watched the weather change/We saw the fires and floods“.

Auf ›Rainbow Of Colors‹ nimmt der Kanadier den Kampf gegen weiße Vormachtphantasien in seiner Wahlheimat auf. „There’s a rainbow of colors in the old USA/No one’s gonna whitewash these colors away“, donnert es im Chor. ›Eternity‹ erinnert mit seiner sanften Klaviermelodie an einiges auf AFTER THE GOLD RUSH oder HARVEST (MOON). „Woke up this morning in a house of love“ singt Young da so zart er kann. Der tröstlichste Song kommt ganz am Schluss. Jemand sagt ihm in ›I Do‹, dass alles gut werden wird. Jemand, der die gleichen Fragen stellt und genauso besorgt ist wie er selbst. „Why do I believe in you“, fragt er sich, und doch tut er’s. Molina streichelt die Drums, die akustische Gitarre spielt ganz sanft, wie um die vorsichtige Hoffnung nicht kaputtzumachen. Auf Young ist Verlass, er lässt einen nicht allein im Dunkeln stehn.

Anspieltipp: ›She Showed Me Love‹
Text: David Numberger