In einer Videobotschaft bedankt sich Brian Johnson und spricht von künftigen Plänen…
In einer jüngsten Videobotschaft, die AC/DC auf ihren diversen Social-Media-Kanälen geteilt haben, bedankt sich Brian Johnson ausgiebig bei den Fans für ihre Treue und betont mehrmals, wie sehr sich die ganze Band über die überwältigende Resonanz zum neuen Album POWER UP freue. Er erzählt zudem von der Banddynamik innerhalb AC/DC und spricht von einer Tour, die nach Corona stattfinden soll.
Außerdem verspricht Johnson eine kleine Extra-Überraschung. Die nächste Single wolle die Band wahrscheinlich in Form einer virtuellen Show herausbringen, bei der alle gleichzeitig an ihren verschiedenen Wohnorten spielen.
Irgendwo zwischen Bruce Springsteen und Rio Reiser lässt sich Don Marco in seiner brandneuen Single ›Wir haben genug‹ treiben und singt darin gegen die Ungerechtigkeiten dieser Welt an.
„Baby, lass uns einfach gehen“ lautet das Fazit des Songs. Ein Aufruf zum Aufbruch, irgendwo zwischen Sehnsucht und Vision, der schon jetzt eintstimmt auf das am 29. Januar 2021 erscheinende Album GEHST DU MIT MIR UNTER.
Hört und seht hier exklusiv ›Wir haben genug‹:
Don Marco & die kleine Freiheit ist das neue Projekt von Singer/Songwriter und Gitarrist Markus Naegele. Der ist jetzt nach zwei englischsprachigen Alben mit seiner Band Fuck Yeah zu deutschen Texten gewechselt und hat zudem einige namhafte Musiker um sich geschart: Kristof Hahn (Swans) mit seiner Rickenbacker-Lapsteel, Tim Jürgens (Superpunk, Liga der gewöhnlichen Gentlemen) mit dem Höfner-Bass, Nick Buttermilch aus London an den Drums, Kevin Ippisch (Fuck Yeah) und Philip Bradatsch abwechselnd an der Leagitarre und Bonifaz Prexl an Orgel, Piano und Moog.
Mit seiner Band Mammoth WVH veröffentlicht Wolfgang Van Halen 2021 seine erste Soloplatte. Bereits jetzt hat der Sohn des erst kürzlich verstorbenen Eddie Van Halen eine Single ausgekoppelt.
›Distance‹ ist ein mehr als emotionaler Tribut an seinen berühmten Vater. Wolfgang dazu persönlich: „Als mein Papa weiter mit Gesundheitsproblemen zu kämpfen hatte, stellte ich mir vor, wie mein Leben wohl ohne ihn aussehen und wie schrecklich ich ihn vermissen würde. Obwohl der Song unglaublich persönlich ausgefallen ist, denke ich doch, dass jeder das tiefe Gefühl eines solchen Verlustes in seinem Leben nachvollziehen kann.“
Der Videoclip zum Song besteht aus alten Homevideos der Van-Halen-Familie und zeigt bewegende Bilder aus Eddie Van Halens Leben.
Am 12. März 2021 erscheint das neue Studioalbum von Thunder. Mit ALL THE RIGHT NOISES bringen die Briten somit ihre 13. Platte raus.
Als ersten Vorgeschmack haben Danny Bowes, Luke Morley und Co. bereits vor kurzem eine erste Single namens ›Last One Out Turn Off The Lights‹ veröffentlicht, eine geradlinige Rocknummer mit ordentlich Energie, die sich mit dem Brexit auseinandersetzt.
„Alle Songs wurden vor Covid19 geschrieben und aufgenommen“, so Luke Morley. „Es ist interessant zu beobachten, wie manche Tracks durch das Covid-Brennglas immer noch sehr viel Sinn ergeben.“
Die 70er waren vielleicht das großartigste Jahrzehnt in der Musik überhaupt. Ihr glaubt, die größten Klassiker jener Dekade zu kennen? Moment, nicht so schnell – hier sind die Alben, die WIRKLICH wichtig waren! (Achtung: LED-ZEP-IV-freie Zone!)
Willkommen zu unserem monumentalen Countdown der WAHREN 100 besten Alben der 70er – der Auswahl für echte Kenner.
Die Regeln sind einfach: 1. Ein Album pro Act. Ja, wir wissen, dass Zeppelin, AC/DC und Bowie schon allein genug tolle Platten gemacht haben, um die komplette Liste zu füllen, aber das wäre doch langweilig. Wir geben den anderen auch eine Chance. 2. Die berühmtesten Alben sind tabu. Muss die Welt wirklich noch mal etwas über PARANOID lesen? Nein. Dies sind die unbesungenen Klassiker und verkannten Juwelen. Überraschungen garantiert! 3. DIE Wahl muss gerechtfertigt werden.
Wieso sollten euch diese Werke interessieren? Wir sagen es euch!
Alles klar? Gut. Bitte hereinspaziert …
100 IN FOR THE KILL!
Budgie
MCA, 1974
Das vierte Album des walisischen Trios von Bassist und Sänger Burke Shelley, Gitarrist und Sänger Tony Bourge sowie Schlagzeuger Pete Boot war ein Feuerball aus reiner Proto-Metal-Energie. Stücke wie ›Crash Course In Brain Surgery‹ und ›Zoom Club‹ groovten so eigenartig wie effektiv und festigten Budgies Ruf unter den folgenden Generationen von Metalheads. Damals galt die Band als uncool, doch dieses Werk war eine so kraftvolle wie überzeugende Ansage. Malcolm Dome
Zeitzeugen:
„Es gibt hier nichts, was die Fantasie befeuert, sie wird nur pulverisiert. Eine Platte voller spastischer, torkelnder Riffs und kindischer Vocals.“ Melody Maker
99 CLEAR SPOT
Captain Beefheart
REPRISE, 1972
Nachdem er den Rock an seine äussersten Grenzen getrieben hatte, suchte Captain Beefheart den Erfolg, indem er sich mit dem Doobie-Brothers-Produzenten Ted Templeman zusammentat. Gemeinsam erschufen sie die kurz-und-knappe, absolut anhörbare, aber doch einzigartig fremde Gumbo-Wut von CLEAR SPOT. Der Höhepunkt war das umwerfende ›Big Eyed Beans From Venus‹. Verkauft hat es sich trotzdem nicht. Kris Needs
Zeitzeugen:
„Es fühlt sich gut an, zu wissen, dass Beefheart endlich sein volles Potenzial als Vollgas-Rock‘n‘Roller ausschöpft.“ Creem
98 NORTHWINDS
David Coverdale
PURPLE, 1978
Coverdales zweites Soloalbum kam dem erdigen Blues und Soul viel näher als alles, was er je mit Deep Purple gemacht hatte. Zudem wurde es zur Blaupause für seine Musik in der frühen Bluesrock-Phase von Whitesnake. Aufgrund mangelnder Promotion wurde es damals aber kaum wahrgenommen. Malcolm Dome
Zeitzeugen:
„Acht griffige Rocksongs, von Balladen zu härteren Stücken. [Coverdale] singt mit vollem Einsatz und jeder Menge raukehliger Feuerkraft.“ Record Business
97 THE GODZ
The Godz
RCA, 1978
Das Debüt von The Godz, produziert von Grand-Funk-Railroad-Schlagzeuger Don Brewer, war primitiver, auf das absolute Minimum reduzierter US-Hardrock. Gitarrist Eric Moores Riffs dominieren, während die charmant proletenhafte Bikerhymne ›Gotta Keep A Runnin‘‹ Twisted Sister wie Muse klingen lässt. Alle sagen, der Rock‘n‘Roll sei tot – doch der Rock‘n‘Roll der Godz ist alles andere als das! Geoff Barton
Zeitzeugen:
„Sie wurden schon mit Grand Funk verglichen, doch ich finde sie besser, tighter und mehr in der Tradition des guten alten Arschtret-Rock.“ Sounds
96 MËKANÏK DËSTRUKTÏẀ KOMMANDÖH
Magma
A&M, 1973
Auf dem dritten Album führte der Schlagzeuger und Komponist Christian Vander sein französisches Ensemble beherzt an die Grenzen der Prog-Jazz-Exzentrik. Dabei musste man Vanders mythische Sprache Kobaïan nicht beherrschen, um diese sinfonische Sci-Fi-Saga zu verstehen – das explosive-polyrhythmische Verschmelzen von Swingle Singers, Carl Orff und Metal genügte völlig. Produziert wurde das Album vom ehemaligen Yardbirds/Stones-Impresario Giorgio Gomelsky und war zudem der Ursprung des obskuren Prog-Subgenres Zeuhl. Jo Kendall
Zeitzeugen:
„Sich das anzuhören, bedarf einiger geistiger Anpassung und eines Überdenkens musikalischer Werte …
dies ist Musik aus den Sphären.“ Melody Maker
95 STRAY DOG
Stray Dog
MANTICORE, 1973
Diese Texaner waren wirklich außergewöhnlich, denn sie wurden sowohl von ZZ Tops Billy Gibbons als auch ELPs Greg Lake unterstützt. Auf diesem wilden Debüt fand sich ein brandheißes Cover der ZZ-Top-Nummer ›Chevrolet‹, während es auf ELPs eigenem Label Manticore erschien. Das Highlight ist zweifellos ›Rocky Mountain Suite (Bad Road)‹, ein knockentrockener Heavy-Blues, angetrieben von WG „Snuffy“ Waldens furioser Gitarre. Doch Stray Dog warfen bald das Handtuch und „Snuffy“ verkroch sich Richtung Hollywood, um Scores für Fernsehserien wie „The West Wing“ zu machen. Geoff Barton
Zeitzeugen:
„Ihr Promenadenmischung-Rock klingt mit jeder Sekunde noch räudiger und zotteliger.“ Sounds
94 TUBEWAY ARMY
Tubeway Army
BEGGARS BANQUET, 1978
Gary Numans Debütalbum präsentierte die DNS des heißesten Acts von 1979 – eine Faszination für Philip K Dick, chronisch gestörtes Sozialverhalten und Storytelling à la Ziggy Stardust – und übergoss primitiven Synth-Punk mit beeindruckender Gitarrenarbeit. Jo Kendall
Zeitzeugen:
„Simple und rohe Projektionen der Zukunft.“ NME
93 TAGO MAGO
Can
UNITED ARTISTS, 1971
Unverständliche Texte, kaum nachvollziehbare Strukturen und epische Grooves stellten sicher, dass TAGO MAGO Can nicht zu Chartstürmern machte. Doch die abstrakte Genialität und der halluzinogene Artrock markierten eine verwegene neue Form von deutschem Expressionismus. Rob Hughes
Zeitzeugen:
„Ich habe nicht den Eindruck, dass in dieser Musik auch nur ein Hauch des Geistes von Rock‘n‘Roll steckt.“ Melody Maker
92 NO OTHER
Gene Clark
ASYLUM, 1974
Die 1973er-Reunion der Byrds bescherte Clark auch einen Solovertrag mit Asylum Records. Leider verstand das Label dieses Country-Rock-Meisterwerk mit metaphysischen Texten und psychedelischen Gospel-Einflüssen nicht und machte kaum Werbung dafür. Rob Hughes
Zeitzeugen:
„Die veredelte Essenz von allem, was Clark mit The Byrds und als Solokünstler je gemacht hat.“ Sounds
91 III
Santana
CBS, 1971
Auf III zogen Santana sämtliche Latin-Rock-Register und holten den erst 17-jährigen Neal Schon ins Boot, um knackige Licks über frei fließende Kreuzrhythmen zu bomben. Der Höhepunkt auf diesem US-Nr.-1-Album war ›Everybody‘s Everything‹. Jo Kendall
Zeitzeugen:
„Man hört sich Santana nicht nur an. Man steigt in den Rhythmus ein und macht mit.“ Rolling Stone
90 LEGS DIAMOND
Legs Diamond
Mercury, 1976
Die Kalifornier wurden – vor allem dank Michael Princes exaltiertem Keyboardspiel im Stil von Jon Lord – oft als die amerikanischen Deep Purple bezeichnet, doch tatsächlich waren sie viel geradliniger und frecher als ihre britischen Gegenspieler, während der stolzierende Frontmann Rick Sanford mehr mit Robert Plant als Ian Gillan gemeinsam hatte. Als Sanford auf ›Satin Peacock‹ sang: „Kiss me if you miss me, but don‘t mess up my hair“ (küss mich, wenn du mich vermisst, aber ruinier mir nicht die Frisur), brachte er unwissentlich die Probleme der aufkommenden Hair-Metal-Generation auf den Punkt. Geoff Barton
89 NEXT
The Sensational Alex Harvey Band
VERTIGO, 1973
Er wurde nicht ohne Grund der „Tommy Steele Schottlands“ genannt. Steele war in der Post-Elvis-Ära der Allround-Entertainer, wie er im Buche stand. Mit Chansons von Jacques Brel, der Breitbeinigkeit des Glasgower Problemviertels Gorbals, klassischem Rock-Flair, cleveren Einsprengseln aus dem Musiktheater und früher Elektronik konnte Alex Harvey auf NEXT in jeder Hinsicht brillieren. Ian Fortnum
Zeitzeugen:
„Gott sei Dank macht mal jemand etwas, das ein bisschen ungewöhnlich ist – mit Tiefgang, Stil und den Eiern eines brünstigen Nashorns.“ Sounds
88 COUNTDOWN TO ECSTASY
Steely Dan
ABC, 1973
Das zweite Album von Steely Dan ist die Wahl echter Connaisseure. Becker und Fagen attacktierten die Hirnlosigkeit von Los Angeles mit der Coolness des Jazz, messerscharfer Intelligenz und aller melodischen Boshaftigkeit, die sie heraufbeschwören konnten. Paul Lester
Zeitzeugen:
„Fagen und Becker haben ein Talent dafür, Songs aus amerikanischen Ortsnamen, Gesprächsfragmenten und verschwimmenden Träumen zu weben.“ Let It Rock
87 ELDORADO
ELO
WARNER, 1974
Als Bandchef Jeff Lynne sich mit seinem vierten Album vom Prog Richtung Pop bewegte, verlieh er seiner Musik mehr konzeptuelles Gewicht. In seiner britischen Heimat verstand man die orchestralen Verzierungen immer noch nicht, doch Amerika biss an: ›Can‘t Get It Out Of My Head‹ war ELOs erster Top-10-Hit in den USA. Paul Lester
Zeitzeugen:
„Die schweren Streicher und Background-Chöre sind effektive Filter, die die traumähnliche Atmosphäre der Geschichten von Komponist Jeff Lynne hervorheben.“ Rolling Stone
86 EQUINOX
Styx
A&M, 1975
Waren Styx ohne Tommy Shaw undenkbar? Von wegen! Auf diesem Album, einer meisterhaften Kreuzung aus bombastischem Pomp und ungestümem Hardrock, wurde der Gitarrist durch seinen Vorgänger John Curulewski ersetzt. Vom THC-schwangeren ›Light Up‹ über das emotionale ›Lorelei‹ bis hin zum freibeuterischen ›Born For Adventure‹ erreichten Styx hier die Reife, die ihnen den Weg zu bekannteren Klassikern wie THE GRAND ILLUSION von 1977 ebnen sollte. Geoff Barton
Zeitzeugen:
„Der Pomp-Rock lebt … Geht in Deckung!“ Sounds
85 GOOD SINGIN‘ GOOD PLAYIN‘
Grand Funk Railroad
MCA, 1976
Als sich Grand Funk Railroad – dieses Musterbeispiel für langweiligen amerikanischen Arbeiterklasse-Hardrock – 1976 auflösten, jubelte die Welt. Doch dann passierte etwas Unerwartetes. Frank Zappa überredete sie dazu, sich wieder zu vereinen und diese LP zu machen, die bizarrerweise Avantgarde-Klänge à la FREAK OUT! mit der typisch tumben Dampfwalzen-Härte von GFR verband. Zappa produzierte das Album – und spielte ein brillantes Gitarrensolo auf ›Out To Get You‹. Besser klangen Railroad nie wieder. Geoff Barton
Zeitzeugen:
„Zum ersten Mal überhaupt kann man Grand Funk Railroad auf Platte wirklich hören … und sie sind fantastisch. F-a-a-a-ntastisch, mit einem F, das dreimal so groß ist wie du!“ Frank Zappa
84 SUNBURST FINISH
Be-Bop Deluxe
HARVEST, 1976
Die Entscheidung von Gitarrist/Sänger Bill Nelson, für dieses dritte Album den Keyboarder Andy Clark in die Band zu holen, erwies sich als genial und führte zu einem fast perfekten Gleichgewicht zwischen frickeligem Artrock und ambitioniertem Prog. Mit ›Ships In The Night‹ brachte diese eingängige Songsammlung immerhin einen UK-Top-30-Hit hervor. Rob Hughes
Zeitzeugen:
„Die Sci-Fi-Fantasien von Bill Nelson, übersetzt in Rockmusik, sind eine angenehme Alternative zu einem Großteil des heutigen Mülls.“ Melody Maker
83 NO DICE
Badfinger
APPLE, 1970
Einen kurzen Augenblick lang schien es so, als seien die britischen Melodiker von Badfinger tatsächlich dazu bestimmt, an die Stelle der Beatles zu treten, denn Pete Ham und Tom Evans schüttelten Pop-Rock-Gold wie ›No Matter What‹ oder ›Believe Me‹ scheinbar nur so aus dem Ärmel. Das allgegenwärtige ›Without You‹ ist bis heute zu hören und wurde von über 180 Künstlern gecovert, doch das tragisch frühe Ende der Band hat NO DICE wohl davon abgehalten, ins Pantheon der ewigen Klassiker aufzusteigen. Henry Yates
Zeitzeugen:
„Es ist, als seien John, Paul, George und Ringo als Joey, Pete, Tom und Mike von Badfinger wiedergeboren worden.“ Rolling Stone
82 DETECTIVE
Detective
SWAN SONG, 1977
Es war eine schwierige Entscheidung, wer in diese Liste aufgenommen werden sollte: Silverhead oder Detective? Bei beiden Bands war der dekadente Rock-Dandy Michael Des Barres Frontmann. Doch während Erstere am Hooligan-Ende des Glamrock-Spektrums beheimatet waren, wurden Letztere von Led Zeppelin unterstützt und setzten auf epische Klänge im Stil von ›Kashmir‹. Also Detective. Wer ihre Musik nicht kennt, sollte sich ›One More Heartache‹ anhören, wo Des Barres eine Lungenkapazität von der Größe zweier Sperrballons demonstrierte. Geoff Barton
Zeitzeugen:
„Echos von Led Zeppelin wüten durch diese ganze Platte.“ NME
81 HOW DARE YOU!
10cc
MERCURY, 1975
10cc ließen sich auf ihrem vierten Album – und dem letzten mit Godley und Creme, bevor sie ausstiegen, um ihre eigenen Experimente zu verfolgen – nicht vom Vorgänger THE ORIGINAL SOUNDTRACK mit dem Monsterhit ›I‘m Not In Love‹ beeinflussen. Die Platte quoll nur so über vor vielschichtigen Kompositionen auf Akademiker-Niveau, die weniger smarte Bands komplett in den Schatten stellten. Wer sonst hätte einen Flugzeugabsturz in einen Pophit verwandeln (›I‘m Mandy Fly Me‹), eine luftige Ode an die Diktatur (›I Wanna Rule The World‹) verfassen oder Frigidität in einen spaßigen 20er-Jahre-Tanztee-Kracher (›Iceberg‹) verpacken können? So komplex und faszinierend wie die Plattenhülle von Hipgnosis, die es umgab. Jo Kendall
Zeitzeugen:
„Gnadenlos intelligent, umwerfend gewitzt … Gedankengänge, die für eine Rock‘n‘Roll-Band eigentlich unvorstellbar sind.“ Phonograph Record
Extrabreit sind auch im 42. Jahr ihrer Bandgeschichte noch heiß auf Rockmusik. Die ehemals bösen Buben, die in den 80er Jahren mit provokanten-subversiven Texten die Jugend anstachelten und die Eltern verärgerten, bleiben sich musikalisch treu und klingen trotz ihres gehobenen Ü-60-Alters immer noch erstaunlich frisch. Auf ihrem 13. Studioalbum AUF EX!, das am 13. November mit 13 Songs erscheint, ist das gesamte rotzig-freche aber auch nachdenkliche Spektrum der Erfinder des deutschen Pop-Punks vertreten. Mit dem hitverdächtigen Opener ›Die Fressen aus dem Pott‹ starten die Hagener verheißungsvoll und lassen anschließend mit Gute-Laune-Krachern wie ›Roboter-Mädchen‹ (das Hauptriff erinnert an den Ärzte-Song ›Westerland‹) oder ›Mary Jane‹ (pogotauglicher Partysong) nichts anbrennen.
Hits aus vergangenen NDW-Erfolgstagen wie ›Kleptomanie‹, ›Annemarie‹ oder ›3D‹ klingen dabei angenehm nach. Die Band um die Gründer Kai Havaii und Stefan Kleinkrieg zeigt sich aber auch von ihrer düster-melancholischen Seite. Insgesamt ist das Songwriting ausgereifter und abwechslungsreicher als noch auf dem zwölf Jahre alten Vorgänger NEUES VOM HIOB. Ganz ohne Füller kommen die Breiten aber nicht aus: ›Ganz neuer Tag‹, ›Winter‹ oder ›Seine Majestät der Tod‹ blähen die Scheibe unnötig auf. Da stellt sich die Frage: Warum wurde die prächtige Hymne ›Immer wieder Extrabreit‹ nur als schnöder Bonus-Track verschwendet?
Wurde ja auch Zeit für eine amtliche Bandhymne. ›We’re The Bastards‹ als Albumtitel und Opening-Track mit einer Textzeile wie „we love the music loud, play it louder“ ist durchaus geeignet, um die schmutzige Kapelle um den früheren Motörhead-Gitarristen Phil Campbell zu repräsentieren. Und zwar genau weil der Song eben nicht nach ›We’ Are Motörhead‹ und Campbells Ex-Kapelle klingt. Die Nummer ist eher gebremst und groovy als räudig und rasant. Kommt aber mit einem coolen Mitgröl-Refrain stark und wird definitiv ein Live-Kracher.
Klar haben Phil und Söhne auch schnelle Nummern am Start, aber es wird doch häufiger die Geschwindigkeit variiert bzw. songdienlich angepasst. Das klingt dann bei ›Born To Roam‹ mächtig und sogar fast modern. Und mit Neil Starrs Alternative-Rock tauglichem Timbre in der Stimme klingt das alles durchaus nach bester Old School, dabei aber nie altbacken. Und mit dem staubigen ›Desert Song‹ mit lässiger Mundharmonika auch mal ganz schön melodisch. ›Keep Your Jacket On‹ lässt dann wieder den Hardrockknüppel aus dem Sack. Diese Truppe kann Voll- aber auch gut Halbgas. Wie mit der finalen, mehr als sechs Minuten langen und atmosphärischen Nummer ›Waves‹. In diesem Sinne: We are the bastards and we play Rock’n’Roll.
7 von 10 Punkten
Phil Campbell And The Bastard Sons, WE’RE THE BASTARDS, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE
Ist schon ziemlich cool und sleazy, was die L.A.-Guns-Inkarnation um die beiden langjährigen Mitglieder Steve Riley am Schlagzeug und Kelly Nickels am Bass auf RENEGADES vom Stapel lässt. Aber es fehlen letztlich einfach die beiden anderen ebenfalls langjährigen Trademark-Member Phil Lewis am Gesang und Tracii Guns an der Gitarre. Ohne die markante Stimme von Lewis und die schneidige und schneidende Guns-Gitarre kickt es nicht hundertprozentig. Wobei Songs wie ›Well Oiled Machine‹ genrekonform rocken und rollen und ansatzweise an glorreiche Sunset-Strip-Zeiten erinnern. Auch die anderen Stücke wie das eingängige ›Lost Boys‹ sind mit starkem Chor und Refrain einwandfrei und L.A.-kompatibel komponiert. Gesanglich und gitarrentechnisch gibt es an den zehn stimmig rockenden Tracks wie ›You Can’t Walk Away‹ mit Beatles-Flair eigentlich nicht viel auszusetzen, aber es ist einfach nicht das Wahre und Gefährliche. Das berühmte Tüpfelchen auf dem i fehlt. Ebenso wie Quiet Riot mit Langzeit-Drummer Frankie Banalli (RIP) zwar engagiert waren, ohne die Vocals von Kevin DuBrow aber eben nicht mehr in altem Glanz erstrahlen konnten. Mal schauen, was die anderen L.A. Guns dem hier entgegensetzen werden.