Review: AC/DC – POWER UP

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Review: AC/DC – POWER UP

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Das Jahr, in dem AC/DC POWER UP veröffentlichten…

Mit einem großen Versprechen eröffnen AC/DC ihre neue Platte. „I got the power to electrify, make it plain to satisfy, feel the chills up and down your spine, I’m gonna make you fly“ und um ehrlich zu sein, läuft es einem beim bloßen Gedanken an dieses neue Werk schon heiß und kalt über den Rücken. Schließlich mussten Fans ganze sechs Jahre darauf warten. Sechs Jahre, die eine Zerreißprobe darstellten: Man wusste nicht, ob es AC/DC überhaupt noch gab, ob sich Phil Rudd wieder fangen würde, ob Axl Rose Brian Johnson aus dem Ring gedrängt hatte, ob Cliff Williams sich zu einer Rückkehr bewegen lassen würde, ob am Ende tatsächlich nur mehr Angus Young mit komplett neuer Besetzung zurückbleiben würde. Als dann 2018 die Paparazzi-Fotos von den „Warehouse Studios“ um die Welt gingen, machte sich eine große Erleichterung breit: Alle Jungs wurden zur selben Zeit im AC/DC-Studio der letzten Alben gesichtet. Das konnte ja nur Gutes bedeuten. Und so ist es dann auch gekommen und Fans rund um den ganzen Globus danken dem Rockgott auf Knien für die willkommene Wendung in diesem abgefuckten Jahr, man entschuldige bitte den Ausdruck.

Aber zurück zum eigentlichen Werk. Gleich mal eins vorneweg: Nein, es sind auch nach über 45 Jahren keine großen Experimente zu hören, und nein, es ist trotz des ähnlichen Titels kein zweites POWERAGE geworden und wer sich damit immer noch nicht abfinden kann, der soll die Band für sich einfach zu den Akten legen und ein trauriges Dasein ohne sie fristen. Selbst Schuld. Die Songs zeichnen sich nämlich an vorderster Front wieder einmal durch solidestes Handwerk ab, das in dieser Beständigkeit – und das vergessen viele gern – seinesgleichen sucht. AC/DC bedienen ihren Rock’n’Roll blind und mit eingespielten Handgriffen, eben weil er Tag und Nacht durch ihre Adern pumpt. Mit vollster Absicht wird an dieser Stelle auf den Begriff „Formel“ verzichtet, wie er derzeit gerne von vielen Presse-Kollegen bis zum Erbrechen reproduziert wird. Ja, AC/DC nennen natürlich gewisse Baukasten-Teile ihr eigen, die sich eigentlich immer in ihren Schöpfungen wiederfinden. Aber dem Wort Formel fehlt ganz gewaltig das Feuer, fehlt die Leidenschaft und deswegen wird es diesen Männern nicht gerecht.

Die haben hier nämlich unter den wachsamen Augen eines irgendwie immer noch allgegenwärtigen Malcolms dessen Erbe verwaltet. Es wäre also mehr als anmaßend, diesen vor allem für Angus Young äußerst emotionalen Vorgang als bloßes Abarbeiten eines „Schema Fs“ zu bezeichnen. POWER UP zeigt AC/DC eben genauso, wie sie im Jahr 2020 klingen und in dem Alter auch klingen dürfen bzw. sollen. Nach atemlosen Up-Tempo-Nummern wird man genauso vergeblich suchen wie nach unerwarteten Ausreißern, dafür findet man zwölf Tracks aus einem Guss und ohne (das Wort) „Rock“, die elektrifizieren und Aufbruchstimmung vermitteln. In den Refrains wird verstärkt auf Backingvocals gesetzt und ja, im zweiten ›Rejection‹ finden sich sogar AC/DC-untypische „Uhh Uhhs“ im Chorus, was einem sofort ein Schmunzeln auf die Lippen zaubert. Im bösen ›Demon Fire‹, das an den Vibe von ›Safe In New York City‹ von der STIFF UPPER LIP erinnert, knurrt Brian Johnson eingangs mit tiefer ›Boogie Man‹-Stimme, was ihm eh äußerst grandios zu Gesichte steht. Das knochentrockene ›Kick You When You’re Down‹ mag einem einfach nicht mehr aus dem Kopf gehen, das Nostalgie induzierende ›Through The Mists Of Time‹ erinnert an eine Schunkel-Version von ›Money Talks‹, ›No Man’s Land‹ walzt sich behäbig und doch druckvoll durch den Gehörgang, während man bei ›System Down‹ sogar systemkritische Töne herauszuhören meint, was Angus Young im Interview jedoch nicht bestätigen will. Und das, obwohl Brian Johnson „we’re gonna kill the ocean“ und „this furnace is about to burst“ singt. Aber hier hat Angus das letzte Wort.

Natürlich könnte man jetzt jeden Song auseinandernehmen, ordentlich herum-gescheitmeiern und ständig mäkeln: Oh, das klingt wie schon mal gehört. Aber ganz ehrlich: Das ist nach 47 Jahren AC/DC schlichtweg nicht mehr nötig. Darum können sich ja zur Not die Feuilletons, die Rockstars gern als herumstolzierende „Erpel“ verlachen, oder die anderen selbsternannten Musikexperten auf dieser Welt, kümmern. Alleine, dass es diese Band in dieser Konstellation wieder gibt, grenzt an ein kleines Wunder. AC/DC haben mit diesem Album mal eben ein Loch in die Zeit gerissen. Wird man in ein paar Jahren auf 2020 zurückblicken, dann wird es das Jahr sein, in dem AC/DC POWER UP veröffentlicht haben. Corona-wer?

9 von 10 Punkten

AC/DC, POWER UP, COLUMBIA/SONY

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1 Kommentar

  1. Geiles Review. Gut waren sie immer, diesmal ist die Mischung noch besser gelungen. Wer hämmert ein Riffing wie „No Man’s Land“ oder „Witch’s Spell“ so locker aus dem Trompetenärmelchen? 9/10

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