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Start Blog Seite 398

Avatarium: AN EVENING WITH AVATARIUM

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Erinnerung an bessere Zeiten

Ach, wie war das schön, als es noch Konzerte in vollgepackten Hallen gab. Von dieser Zeit sind wir aber so weit entfernt wie die deutsche Fußballnationalmannschaft von ihrem WM-Titel. Das Verlangen nach dem Livegefühl vermögen auch Avatarium nicht zu stillen. Immerhin: Die Schweden-Rocker servieren mit AN EVENING WITH AVATARIUM ihr bislang letztes Konzert, das im Januar in ihrer Heimatstadt Stockholm stattfand. Im August bot die Band den Gig im altehrwürdigen Nalen dann als Download-Video in Eigenregie an. Nun zieht die Plattenfirma nach und veröffentlicht den Auftritt in Audio-Format auf allen Streaming- und Download-Plattformen. Die Band um die Sängerin Jennie-Ann Smith zeigte sich bei ihrem Heimspiel in bester Spiellaune. Mit dem Opener ›Voices‹ und der darauffolgenden Hymne ›Rubicon‹ setzten Avatarium gleich zu Beginn Akzente.

Der musikalische Fokus des Abends lag auf dem aktuellen Longplayer THE FIRE I LONG TO, der die Grenzen zwischen Doom, Psychedelic Rock und Prog gekonnt auslotet. Weitere Highlights sind das epische ›The Fire I Long For‹ und das treibende ›Girl With The Raven Mask‹, das durch sein Hauptriff und den perfekten Refrain besticht. Nicht nur hier kommt Keyboarder Rickard Nilsson zur Geltung, der Deep-Purple-Gedächtnis-Orgelteppiche auslegt. Frontfrau Smith singt gewohnt kraftvoll und erzeugt mit ihren putzig klingenden Ansagen für Erheiterung bei jenen Hörern, die Schwedisch nicht gewöhnt sind. Der Sound ist transparent und druckvoll. Es gibt also wenig an AN EVENING WITH AVATARIUM zu nörgeln. Höchstens das Fehlen des Hits ›All I Want‹ dürfte einige Fans stören.

8 von 10 Punkten

Avatarium, AN EVENING WITH AVATARIUM, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Text: Matthias Bossaller

Majestica – A CHRISTMAS CAROL

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Ja, ist denn schon wieder Weihnachten?

Wer’s noch nicht mitbekommen haben sollte, dass einmal mehr das alljährliche Christfest ansteht, dem verkünden die schwedischen Symphonic-Power-Metaller die frohe Botschaft laut und klar. Die bis zur Veröffentlichung des Majestica-Debüts ABOVE THE SKY (2019) als ReinXeed aktive Band liefert ein Konzeptalbum, das Charles Dickens’ berühmte Weihnachtsgeschichte „A Christmas Carol“ vertont – offenbar ein langgehegter Traum von Frontmann Tommy Johansson, der den meisten Heavy-Fans als Gitarrist der Genre-Giganten Sabaton bekannt sein dürfte.

Dabei werden in die selbstgeschriebene, meist in halsbrecherischer Geschwindigkeit und supermelodisch à la Helloween, Avantasia & Co. dargebrachte Musik Segmente bekannter Feiertagsweisen wie ›O Come All Ye Faithful‹, ›Deck the Halls‹, ›Jingle Bells‹ oder ›Joy To The World‹ eingebaut. Die Story um Ebeneezer Scrooge auf diese Art neu zu erleben macht richtig Laune – schon allein, um zu sehen, ob man dann auch wirklich alle hier mit hörbarem Spaß am Sujet verwursteten Xmas-Klassiker (wieder)erkennt.

7 von 10 Punkten

Majestica, A CHRISTMAS CAROL, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Suzi Quatro: Weihnachtssong ›My Heart And Soul‹

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Hört hier die neue Weihnachtssingle ›My Heart And Soul (I Need You Home For Christmas)‹ von Suzi Quatro. Die Künstlerin wörtlich zu dem Song:

„Also, der Lockdown hatte gerade begonnen. Mein Sohn arbeitete im Studio jeden Tag an neuen Ideen für unser nächstes Album. Die perfekte Gelegenheit, da keiner von uns unterwegs war. Ich saß auf der Terrasse, entspannte mich und hörte durch die offene Studiotür diesen absolut wunderbaren Track. Eine Basslinie, ein spärlicher Gitarrenakkord und eine Schlagzeugbegleitung, es klang wie für mich maßgeschneidert. Ich rannte ins Studio (natürlich mit Maske) und bat meinen Sohn, sofort ein Mikrofon für mich aufstellen. Ohne lange nachzudenken und ohne etwas aufzuschreiben, sang ich die ersten vier Zeilen des Songs genauso, wie sie am Ende geblieben sind. So etwas passiert, wenn man spürt, einen wirklich großen Song zu haben… und genau das spüren wir. Ich wünsche allen Frohe Weihnachten!”

The White Stripes – GREATEST HITS

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Ehre, wem Ehre gebührt: die Hits des Duos im kompakten Format

Doch, doch, bei dieser Compilation mit dem Untertitel „My Sister Thanks You and I Thank You“ handelt es sich tatsächlich um die Greatest-Hits-Premiere des Duos. Man kann lange darüber debattieren, wie sinnvoll eine solche Zusammenstellung in Streaming-Zeiten noch ist. Jack White entgeht der Diskussion, indem er nüchtern feststellt, dass diese Band eine GREATEST HITS verdient habe. Wer könnte da widersprechen? Bei der Zusammenstellung des Doppel-Vinyls bzw. der CD mit Überlänge hat Jack White darauf verzichtet, den Fans der Band etwas Besonderes zu bieten. Keine Raritäten, keine Spezialitäten – GREATEST HITS ist so erwartbar wie ein Meistertitel des FC Bayern. 24 der 26 Stücke sind Album-Highlights, zwei Stücke stammen von Non-LP-Singles: Die frühe 7-Inch ›Let’s Shake Hands‹ sowie die furiose Coverversion von Dolly Partons Country-Klassiker ›Jolene‹, den die White Stripes mit ihrer Adaption in den Kanon des Garage-Rock gezogen haben.

Interessant: Den massentauglichen Stadionrockhit ›Seven Nation Army‹ parkt Jack White ganz am Ende der Liste. Als Höhepunkt, wie bei einem Konzert? Oder als Pflichtübung, weil es ohne den größten Erfolg halt nicht geht?

8 von 10 Punkten

The White Stripes, GREATEST HITS, THIRD MAN/COLUMBIA

Steve Perry – TRACES: ALTERNATE VERSIONS & SKETCHES

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Sanft, aber auch sorgfältig?

Vor gut zwei Jahren bekam ich mit Steve Perrys TRACES den Auftrag für meine erste Classic-Rock-Rezension. Nun legt der gute Mann mit TRACES: ALTERNATE VERSIONS & SKETCHES sein letztes Werk als Akustik- und Radio-Mix-Version neu auf. Ich war schon beim Studioalbum der Ansicht, dass sein Gesangsorgan nicht mehr ganz so knackfrisch liefert wie zu Journey-Zeiten, er es jedoch wie kein Zweiter schafft, zum Entspannen, Träumen beziehungsweise Seele-baumeln-Lassen einzuladen. Bleibt die Frage: Wieviel Nährwert bietet TRACES als Akustik-Version? Um ehrlich zu sein: nicht überragend viel. Die Neuauflagen sind durchaus ansprechend umgesetzt und können einem nahegehen, so wirken beispielsweise ›No Erasin‹ oder ›No More Crying‹ hier sogar ein wenig emotionaler als auf den Studioaufnahmen. Die „noch sanftere Version“ von ›Most Of All‹ lässt einen zwar erneut dahinschmelzen, aber all das funktioniert, so scheint es, nur beim ersten Hördurchgang.

https://youtube.com/watch?v=bzXwt7rXtdU

Für ein kurzweiliges Gefühlsfeuerwerk ist der aktuelle Steve Perry ideal, wer es nachhaltiger mag, ist mit seinen Journey-Balladen wie dem großartigen ›Faithfully‹ dann doch besser aufgehoben.

6 von 10 Punkten

Steve Perry, TRACES: ALTERNATE VERSIONS & SKETCHES, CONCORD/UNIVERSAL

Videopremiere: Junkyard Drive ›Let It Burn‹

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„In Zeiten voller Fake News, Clickbait-Überschriften und einem Klima der Angst, müssen wir alle genau jetzt handeln, wir müssen diesen ganzen Bullshit bekämpfen.“, so Junkyard Drive

Gebündelt haben die Dänen diese Kampfansage in ihrer neuen Single namens ›Let It Burn‹, einem ersten Vorgeschmack auf ihr 2021 erscheinendes Album LET IT BURN.


Werkschau: Black Sabbath

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ozzy osbourne, geezer butler, tony iommiSie sind die Erfinder des Heavy Metal und nicht zuletzt durch die Skandale von Ozzy Osbourne jedem Musikfreund ein Begriff. Mit PARANOID (1970) läuteten sie eine neue Ära in der Rockmusik ein, mit SABBATH BLOODY SABBATH (1974) machten sie sich unsterblich. Doch die Briten hatten noch viele weitere legendäre Alben.

Unverzichtbar

PARANOID
Vertigo, 1970Paranoid

Im Herbst 1970 erscheint mit PARANOID inklusive der gleichnamigen Single und des Kultsongs ›War Pigs‹ ein Klassiker des frühen Heavy Metal. Dabei entsteht der wichtigste Track der Scheibe – zugleich eines der markantesten Stücke der gesamten Rockgeschichte – mehr oder minder per Zufall: Dem Album fehlt noch ein Song, um die von der Plattenfirma angeordnete Mindestspielzeit zu erreichen, also setzt Produzent Rodger Bain eine spontane Jamsession an. Iommi steuert das berühmte Riff bei, Osbourne hat sofort die berühmte Melodie im Kopf. In Nullkommanix ist ›Paranoid‹ fertig. Es wird der größte Hit der Band.

SABBATH BLOODY SABBATH
Warner, 1974

sabbath bloody sabbath

Für SABBATH BLOODY SABBATH mietete sich die Band ein Schloss in Wales, um in völliger Abgeschiedenheit ihre kruden Botschaften zu kreieren. Das Album durchzieht eine ganz eigene, psychedelische Atmosphäre, klingt im Vergleich zu den Vorgängern aber offener, melodischer und stärker zukunftsorientiert. Ozzy glänzt mit skurrilen Texten, stößt aber – sicherlich nicht ganz ungewollt – auch auf Missverständnisse: Der Track ›Killing Your-self To Live‹ gilt irrtümlich als Aufforderung zum Suizid, handelt in Wahrheit jedoch vom harten Arbeiterleben.

Wunderbar

MASTER OF REALITY
Vertigo, 1971

master of reality

Mit PARANOID haben Sabbath im Jahr zuvor ihre Erfolgsformel gefunden, seither existiert der ultimative Iommi/Ozzy-Sound aus krachenden Riffs und nölendem, immer am Rand des Wahnsinns hangelndem Gesang. Vor allem Hauptsongwriter Iommi ist auf MASTER OF REALITY in Höchstform: Im Sekundentakt zockt er pulverisierende Gitarrenattacken aus dem Ärmel. Die beiden herausragenden Songs der Scheibe, das galoppierende ›Children Of The Grave‹ und das mit einem Raucherhusten-Intro beginnende, wunderbar stoische ›Sweet Leaf‹ zeigen ihn als perfekten Riffmeister.

HEAVEN AND HELL
Vertigo, 1980

heaven & hell
Nach dem Ausstieg von Ozzy scheint das Ende der Band besiegelt, doch Ronnie James Dio erweist sich für Black Sabbath als reine Frischzellenkur. Gleich bei der ersten Session gelingt Dio und Iommi das grandiose ›Children Of The Sea‹. Unvergessen auch die markante Textzeile des Titelsongs: „They say that life’s a carousel, spinning fast, you’ve got to ride it well, the world is full of Kings and Queens who blind your eyes and steal your dreams, it’s Heaven and Hell!!” Dio erklärt kurz vor seinem Tod HEAVEN AND HELL zur „stärksten Scheibe, die ich jemals eingesungen habe.”

MOB RULES
Warner, 1981

mob rules
Schlagzeuger Bill Ward verlässt die Band. Auch sonst läuft die Produktionsphase zum dennoch erstaunlich gelungenen MOB RULES alles andere als stressfrei: „Am Anfang machte Ronnie alles, was wir ihm sagten, weil er unbedingt in die Band wollte. Aber bei der zweiten Scheibe akzeptierte er viele Dinge nicht mehr und versuchte dem Toningenieur seine Vorstellungen eines Sabbath-Sounds aufzuzwingen“, beklagt sich Iommi. „Wir mussten Ronnie des Studios verweisen.“ Dio wiederum ärgert es in zunehmendem Maße, von Iommi als austauschbarer Gastsänger angesehen zu werden und räumt das Feld.

HEADLESS CROSS
Intercord, 1989

headless cross
Tony Martin ist einer der wenigen Sabbath-Sänger ohne Suchtproblematik. Er rettet die Produktion zu THE ETERNAL IDOL (1987) – für die ursprünglich Ray Gillen vorgesehen war – und singt mit HEADLESS CROSS eines der besten Sabbath-Werke überhaupt ein. Der Mann besitzt vor allem drei Qualitäten: Er ist weder schrullig noch mit Egoproblemen behaftet, außerdem schafft er das Kunststück, drei seiner insgesamt fünf Al- ben für Black Sabbath in direkter Folge einzusingen. Das ist außer ihm nur Ozzy gelungen, und dies auch nur in der Anfangsphase.

Anhörbar

NEVER SAY DIE
Vertigo, 1978

never say die
Die Scheibe entsteht zunächst ohne Ozzy, der nach fortgesetzten Streitigkeiten – und um private Probleme in den Griff zu bekommen – nicht zur Verfügung steht. Also komponieren Black Sabbath die Songs mit dem Briten Dave Walker, der auch bereits einige Shows mit der Band bestritten hat. Als sich Ozzy im Januar 1978 doch noch zur Rückkehr entscheidet, die bisherigen Stücke aber nicht singen will, muss die Band wieder von vorne anfangen. Für Iommi ein hartes Stück Arbeit, denn nun müssen Songwriting und Produktion parallel laufen. Dennoch ein hörenswertes Werk, gleichzeitig auch das letzte Album in der Originalbesetzung.

BORN AGAIN
Vertigo, 1983

born again
Erst enttäuscht das Album die Fans, doch in der Retrospektive erweist sich die Zusammenarbeit mit Ian Gillan als durchaus erfrischend. Dabei beginnt alles mit Peinlichkeiten: Gillan soll sich laut Iommi sturzbetrunken in einem britischen Pub zu einem Vertrag über ein Album und eine Tour überreden lassen haben, um anschließend den Abend in Frauenkleidern tanzend zu beenden: „Ich dachte nur: Oh mein Gott, dies ist meine Stammkneipe.“ Bereits auf der ersten Tour gibt es Spannungen: Gillan will ›Smoke On The Water‹ im Programm, Black Sabbath wiederum fordern von Gillan vergeblich die einheitlich schwarze Bühnengarderobe.

SEVENTH STAR
Vertigo, 1986

seventh star
Noch ein interessantes Experiment: Ursprünglich als Iommis Soloalbum geplant, strickt das Label das Konzept der Scheibe kurzerhand zur Black Sabbath-Veröffentlichung um. Glenn Hughes singt, am Schlagzeug sitzt Eric Singer, der später erfolgreich bei Kiss wieder auftaucht. SEVENTH STAR ist eine Mixtur aus schweren Gitarrenriffs und ungewöhnlich melodischen Gesängen. Die Fans reagieren auf Hughes eher verhalten, doch dieses Sabbath-Kapitel hat sich ohnehin schnell erledigt: Nach nur einer Scheibe muss der exzentrische Sänger aufgrund seiner Drogenabhängigkeit den Dienst wieder quittieren.

Sonderbar

FORBIDDEN
intercord, 1995

forbidden
Mitte der 90er Jahre erinnern sich Iommi & Co noch einmal an Tony Martin. Das erste Resultat heißt CROSS PURPOSES und kann die Fans überzeugen, das anschließende Experimentalwerk Forbidden indes spaltet die Anhängerschaft. Als Iommi sich anschließend wieder von Martin trennt, um dem lukrativeren Werben einer Ozzy-Reunion nachzugeben, hat der ewige Lückenbüßer endgültig die Schnauze voll: „Ehrlich gesagt fühlte ich mich nie richtig wohl in den Schuhen, die man mir hinstellte, aber eine Zeitlang trug ich sie einfach“, erklärt er. „Doch FORBIDDEN ist einfach grässlich, das Album stürzte mich in eine tiefe Krise.“

The Dead Daisies: Neues Video und neue Single ›Holy Ground‹

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Mit ›Holy Ground‹ koppeln die Dead Daisies nun den Titeltrack ihres gleichnamigen Albums aus, das im Januar 2021 erscheint. Ein neues Video hat die Truppe um ihren neuen Frontmann und Songschreiber Glenn Hughes auch am Start.