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Start Blog Seite 399

Videopremiere: Romano Nervoso mit ›Covid Christmas‹

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Die meisten Weihnachtssongs gehen gar nicht. Hier eine Ausnahme von der Regel:

Romano Nervoso, der belgisch-italienische Spaghetti-Rocker mit Glam im Herzen, hat auch dieses Jahr wieder einen Weihnachts-Rocksong am Start. Ja, es geht um die Corona-Pandemie und ja, um Weihnachten geht es auch, aber wenn jemand diese beiden totgenudelten Themen liebenswürdig ulkig miteinander verknüpfen kann, dann Nervoso in seinem Motoörhead-Christmas-Strickpullover.

Die fünf Gesichter von Deep Purple: Roger Glover

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Letztes Jahr beendeten sie ihre „Long Goodbye“-Tournee. Doch ihre letzten drei Alben haben ihnen so viel neuen Schwung gegeben, dass die Mitglieder von Deep Purple vom Ruhestand nichts wissen wollen.

Roger Glover, in zwei Etappen von sehr unterschiedlicher Länge 39 von insgesamt 53 Jahren der Bassist von Deep Purple, ist sich des Erbes der Band durchaus bewusst. „Der Begriff ‚Legende‘ kommt auf, was seltsam ist“, sagt er. „Es ist schwer, einer solchen Verehrung gerecht zu werden. Ich fühle mich wie ein normaler Typ mit einem etwas ungewöhnlichen Beruf.“ Dieser Beruf hat sich für ihn als lukrativ erwiesen. Er ruft uns von seinem Haus in der Schweiz aus an. Zwei enge Freunde von ihm sind kürzlich gestorben, einer von ihnen war der Produzent Rupert Hine, doch Glover – laut Steve Morse „der erste Freund, den man bei Purple findet“ – scheint nicht in einer besonders nachdenklichen Stimmung zu sein. „Es ist traurig, aber wenn man ein gewisses Alter erreicht hat, fängt man zwangsläufig an, Freunde zu verlieren. Und irgendwann bist du dann an der Reihe.“


Das erklärt eigentlich schon den Albumtitel, oder? WHOOSH! – in einem Augenblick ist alles vorbei.
Die Zeit lässt sich nun mal nicht anhalten, auch wenn du selbst innehältst. Ich kann immer noch kaum glauben, wie alt ich bin. Eigentlich fühle ich mich noch genauso alt, wie als ich 20 war. Es ist schwer, sich daran zu gewöhnen. Aber je näher man dem Ende des eigenen Lebens kommt, desto mehr begreift man natürlich, was für ein Leben man hatte. Hat man es verschwendet? Ist man zufrieden damit?

Und, bist du zufrieden damit?
Ja. Für einen halb begabten Träumer hatte ich unglaublich viel Glück. Das kann nicht nur Glück gewesen sein. Klar, aber Glück ist das, was es ins Rollen bringt.


Was war für dich der entscheidende Moment in Sachen Glück?
In der Schule bei einer Band einzusteigen [Episode Six]. Und dann 1965 Ian Gillan zu finden, weil unser Sänger abgesprungen war. Das war Glück, obwohl wir das damals nicht erkannten. Bei Deep Purple zu landen, das war Glück. Zu einer Band zu stoßen, die eine solche Historie wie wir haben würde, das ist unglaublich. Es ist, als würde man jeden Tag im Lotto gewinnen.

Warst du nervös, als du zum ersten Mal Ian Paice, Jon Lord und Ritchie Blackmore getroffen hast?
Ja, total. Paicey und Jon und Ritchie waren Meister an ihren Instrumenten. Wir waren im Vergleich dazu
Amateure. Ich ging ins Studio, um bei einer Session für den Song ›Hallelujah‹ mitzuspielen, und wir waren in verschiedenen Welten. Es war Paicey, der den anderen zunickte und so sagte, dass ich ein guter Bassist war. An dem Abend kam Jon Lord zu mir und sagte: „Wir haben uns ein bisschen unterhalten und hätten dich gerne in der Band“. Ich sagte Nein.


Tatsächlich?
Ja, denn wir hatten in Episode Six so viel gemeinsam durchgemacht. Ich übernachtete an dem Abend in Ian Gillans Wohnung bei ihm und seiner Mutter und schlief nicht eine Sekunde. Es war eine schwere Entscheidung, meine Freunde zu verlieren, aber mir wurde klar, dass ich nie wieder die Gelegenheit bekommen würde, mit Musikern von diesem Kaliber zusammenzuarbeiten.


Hast du Ian Paice jemals für dieses Nicken gedankt?
Nein. Ich habe erst vor ein paar Jahren davon erfahren. Ich sollte mich wohl bedanken. Aber er hat es wahrscheinlich selbst schon vergessen.

Das Mk-II-Line-up machte damals in nur vier Jahren all diese Musik, die die Welt veränderte. Findest
du das erstaunlich?

Ja, absolut. Ich führte früher Tagebuch, aber als ich bei Purple einstieg, hörte ich damit auf, die 70er sind also verschwunden. Abgesehen von dem, was ich noch in Erinnerung habe, aber die ist mittlerweile auch ziemlich fragmentiert. Doch es ist ein unglaubliches Gefühl, Musik zu schreiben, die eine Band dann so beliebt macht, mit Menschen auf der ganzen Welt, die einem folgen. Man könnte eine solche Karriere nicht erfinden, selbst wenn man es wollte.


Was war besser daran, 1970 bei Deep Purple zu sein als heute?
Frauen. (lacht) Im Wesentlichen fragst du mich, was mir daran gefiel, 20 zu sein. In den 70ern in einer großen Hitband zu sein war der Traum eines jeden Schuljungen. Doch jetzt ist das alles nur noch ein
verwaschenes Bild im Rückspiegel.

Was ist besser daran, heute bei Deep Purple zu sein als 1970?
(denkt nach) Schwer zu sagen. Die Dinge verändern sich, aber manches bleibt gleich. Unsere Einstellung
zur Musik ist dieselbe, aber man entwickelt eine andere Sicht auf die Dinge. Auf jeden Fall im Songwriting. Wir schreiben nicht mehr als naive 20-Jährige. Das, was wir tun, fällt uns heute leichter. Wir sind nicht so verzweifelt. Aber man bringt etwas heraus, das von Leuten beurteilt wird, man ist also immer noch verwundbar. Auch nach all der Zeit.

Die Abstände zwischen den Alben werden kürzer. Liegt das an einem gewissen Gefühl der Dringlichkeit, noch so viel wie möglich zu tun, solange es noch geht?
Dieser Gedanke mag naheliegend sein und auf einzelne Beteiligte auch zutreffen. Aber für mich hatten wir eine Karriere, die ihre Aufs und Abs hatte. Es gab eine Zeit vor PURPENDICULAR, in der wir zu kämpfen hatten – dieses Album war ein wundervolles Licht am Ende eines dunklen Tunnels. Dann, nach RAPTURE OF THE DEEP, verloren wir den Willen, Alben zu machen. Das war keine gute Platte. Ich mag ihren Klang nicht.

Die anderen Jungs sagen alle, dass Bob Ezrin Deep Purple im Wesentlichen als kreativ aktive Formation
wiederauferstehen ließ.

Als wir uns mit Bob zusammentaten und NOW WHAT!? produzierten, gab uns das einen ganz neuen Drang, wieder Musik zu machen. Das war eine Offenbarung am Ende unserer Karriere. Eine schöne Art, abzuschließen.

Aber ist dies wirklich das Ende?
Es klingt eigentlich nicht so. Ich will nicht, dass es vorbei ist. Oder zumindest will ich das nicht verkünden. Wir sind in unseren 70ern, es passieren Dinge mit dem Körper, auf die man verzichten könnte. Aber wir sind momentan immer noch in einem Zustand, in dem es funktioniert. Ich meinerseits
würde gerne weitermachen, bis wir umkippen.

(Text: Daryl Easlea)

Die wahren 100 besten Alben der 80er: Platz 58-44

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Die wahren besten Alben der 80eIhr glaubt, die besten Alben dieser oft belächelten Dekade zu kennen? Dann lasst euch eines Besseren belehren. Wir präsentieren die Platten, die wirklich wichtig waren.

Willkommen zu unserem monumentalen Countdown der WAHREN 100 besten Alben der 80er – der Auswahl für echte Kenner. Bitte hereinspaziert zu Platz 58 bis 44:

58
Billy Idol
REBEL YELL
CHRYSALIS, 1983


Sein zweites Album machte Billy Idol mit dem Titelstück und der Electra-Glide-Ballade ›Eyes Without A Face‹ zum größten britischen Star der frühen MTV-Ära in den USA. Komplett in schwarzem Leder gekleidet, mit wasserstoffblonder Stachelfrisur und dem permanenten Hohnlächeln im Gesicht war er wie Elvis, Iggy und Jim Morrison in einer Person und brachte eine verträgliche Version der Punk-Rebellion in den amerikanischen Mainstream. Für viele war das eine zu polierte Mischung aus Pop-Hooks und New-Wave-Look, doch an den eingängigen, markigen Riffs seines Sidekicks Steve Stevens gab es nichts zu kritteln.
(Text: PL)
Zeitzeugen: „Irgendwie hymnische, irgendwie rifflastige Melodien und absolut geeignet für die weniger bewussten Momente des Popkonsums.“ („Creem“)

57
Queensrÿche
RAGE FOR ORDER
EMI AMERICA, 1986


Mit ihrem Debüt waren sie noch auf den Plan getreten wie die neuen Judas Priest. Der Nachfolger jedoch führte sie tief in neue Gefilde und verband Prog-Attitüde mit einer topaktuellen Produktion. Das machte RAGE FOR ORDER damals zu einem der mutigsten, genialsten Metal-Alben. Explosive Tracks wie ›Walk In The Shadows‹ trafen auf düster-atmosphärische Songs wie ›Gonna Get Close To You‹, das ursprünglich von der kanadischen Exzentrikerin Lisa Dalbello geschrieben und aufgenommen worden war.
(Text: PE)
Zeitzeugen: „Sie loten ständig die Grenzen ihrer Fähigkeiten aus und wachsen ständig an der Vielseitigkeit ihres turbulenten Sounds.“ („Kerrang!“)

56
Dio
THE LAST IN LINE
VERTIGO, 1984


Ronnie James Dio war einer der größten Heavy-Metal-Sänger aller Zeiten und jedes Studioalbum, das er zwischen 1975 und 1984 einspielte, wurde zum Klassiker – erst mit Rainbow, dann Black Sabbath und schließlich mit seiner eigenen Band. Deren zweites Werk THE LAST IN LINE hatte all die Power und die Magie des Debüts HOLY DIVER. ›We Rock‹ war die prägende Hymne, während Epen wie das Titelstück und ›Egypt (The Chains Are On)‹ locker an ›Stargazer‹ herankamen.
(Text: PE)
Zeitzeugen: „Wer sich ›We Rock‹ anhört, kann förmlich spüren, wie Ronnies Brustkorb anschwillt.“ („Kerrang!“)

55
Gary Moore
CORRIDORS OF POWER
VIRGIN, 1982


Auf seinem dritten Solowerk bretterte der Ire mit Vollgas in seine Heavy-Phase, bewaffnet mit Songs, die er während seiner Zeit mit Greg Lake angesammelt hatte und die von der mächtigen Rhythmussektion aus Ian Paice und Neil Murray veredelt wurden. Stampfer wie ›Don‘t Take Me For A Loser‹ und ›Rockin‘ Every Night‹ packten die Hörer am Kragen, doch selbst das war noch verhältnismäßig lasch gegen ›End Of The World‹, dessen neoklassisches Intro vier Jahre nach Van Halens ›Eruption‹ wie ein Fehdehandschuh ins Gesicht geklatscht daherkam. Man muss seine spätere Blues-Wiedergeburt STILL GOT THE BLUES respektieren, die zu Recht so viel Kritikerlob einheimste, aber das war doch ziemlich zahm im Vergleich zu diesem Hammer.
(Text: HY)
Zeitzeugen: „Moores Soli sind wirklich Kunstwerke.“ („Guitar World“)

54
Georgia Satellites
GEORGIA SATELLITES
ELEKTRA, 1986


Dank beliebter Jam-Bands wie den Allman Brothers und Lynyrd Skynyrd war der Southern Rock in den 70er äußerst erfolgreich, doch in den 80ern hatten andere Genres ihm den Rang abgelaufen. Doch für einen glorreichen Moment schienen die Georgia Satellites ihn zu retten und hielten den „Rock mit hausgemachtem Einschlag“ mit ihrem selbstbetitelten Debüt am Leben. Und das taten sie nicht mit endlosen Gitarrensoli, sondern knappen Songs, vor allem dem großen Hit ›Keep Your Hands To Yourself‹ und dem beseelten Cover des obskuren ›Battleship Chains‹. Darauf aufbauen konnte die Band aber leider nicht, sodass sie heute unter der gefürchteten Kategorie „One-Hit Wonder“ abgeheftet ist.
(Text: GP)
Zeitzeugen: „Ein 80er-Twist für Drei-Akkorde-Updates von Chuck Berry, den Rolling Stones, Little Feat und den Faces.“ („New York Times“)

53
Bad English
BAD ENGLISH
EPIC, 1989


Journey ließen sich Ende der 80er unerträglich viel Zeit zwischen ihren Alben, also taten sich zwei ihrer Mitglieder (Gitarrist Neal Schon und Keyboarder Jonathan Cain) mit zwei Mitgliedern von The Babys (Sänger John Waite und Bassist Ricky Phillips) zusammen und gründeten Bad English. Dass ihre Musik wie eine Fusion aus beiden Bands klang, war wenig überraschend, vor allem auf den Hitballaden ›When I See You Smile‹ (Platz 1 in den USA) und ›Price Of Love‹. Doch der Grunge war schon am Horizont und Bad English waren bald wieder Geschichte. Nach dem unausgegorenen BACKLASH von 1991 widmete sich John Waite wieder seiner Solokarriere und Journey vereinten sich wieder kurzfristig mit Steve Perry.
(Text: GP)

52
Enuff Z‘Nuff
ENUFF Z‘NUFF
ATCO, 1989


Es schien passend, dass Enuff Z‘Nuff aus Illinois kamen, wenn man bedenkt, welche Häme sie im (unfairen) Vergleich mit Cheap Trick einstecken mussten, den Powerpop-Pionieren aus demselben Bundesstaat. A&R-Guru Derek Shulman (Bon Jovi) nahm sie auf seinem wiederauferstandenen Label Atco unter Vertrag, und mit dem zackigen ›New Thing‹ und dem (trotz des Themas einer Überdosis einer Ex-Freundin) fetzigen ›Fly High Michelle‹ landeten sie auch bald Hits. Auch gelungene Albumtracks wie ›For Now‹ und ›Hot Little Summer Girl‹ begeisterten. Das folgende Album STRENGTH war noch besser, aber solche kommerzielle Höhen sollten sie nie wieder erklimmen.
(Text: PW)
Zeitzeugen: „Diese Platte stellt eine gewagte Frage: Was, wenn die nächsten Beatles eine dauerfeiernde Hair-Metal-Band wären?“ („Rolling Stone“)

51
Hanoi Rocks
TWO STEPS FROM THE MOVE
CBS, 1984


Nach Erscheinen von TWO STEPS FROM THE MOVE lag die Welt den feierfreudigen Hanoi Rocks zu Füßen. Doch gerade als sie an der Schwelle zum Weltruhm standen, kam ihr leidenschaftlicher Schlagzeuger Razzle im zu schnell fahrenden Auto des betrunkenen Vince Neil ums Leben und der Traum war vorbei. Von den fein ausgearbeiteten Balladen (›Don‘t You Ever Leave Me‹) über Killersongs wie ›Futurama‹ zum Refrain „Welcome to the jungle“ auf ›Underwater World‹ wurde jede noch so kleine Nuance dieses Glam-Metal-Meisterwerks mit Faces-Einschlag später von Guns N‘ Roses übernommen.
(Text: IF)
Zeitzeugen: „Hanoi Rock spielen Rock‘n‘Roll, als hätten sie ihn gerade selbst erfunden.“ („Melody Maker“)

50
Pete Townshend
EMPTY GLASS
ATCO, 1980


Pete Townshends erstes echtes Solowerk ist eine schwierige, äußerst persönliche Pop-Platte und der flüchtige Beweis dafür, dass er auch ohne The Who überzeugen konnte. Man kann sich nur schwer vorstellen, dass Roger Daltrey „I wanna bite and kiss ya“ singt, wie Townshend das auf der Hitsingle ›Rough Boys‹ tut, eine homosexuelle Erfahrung macht (›And I Moved‹) oder sich den Rock-Kritikern Julie Burchill und Tony Parsons mit solcher Inbrunst entgegen stellt (›Jools And Jim‹). EMPTY GLASS ist bis heute das beste Album, das Townshend je ohne The Who gemacht hat.
(Text: MB)
Zeitzeugen: „Ein alter Mann, der sich einen zweiten Frühling schenkt.“ („NME“)

49
Scorpions
BLACKOUT
HARVEST/EMI, 1982


LOVE AT FIRST STING von 1984 katapultierte die Metal-Veteranen in die Stratosphäre, doch es war der Vorgänger BLACKOUT, der perfekt den Weg dafür ebnete. Es war nicht nur eine gelungene Mischung aus radiotauglichen Songs (›No One Like You‹, ›Arizona‹) und ernsthaften Headbanger-Hymnen (der Titeltrack, ›Dynamite‹). Auf BLACKOUT fand auch Matthias Jabs endlich seinen Platz und trat endgültig aus dem riesigen Schatten der früheren Gitarristen Uli John Roth und Michael Schenker heraus. Und dann war da noch das Cover-Motiv, das damals auf unzähligen Kutten prangte.
(Text: GP)
Zeitzeugen: „Es bedient sich bei Eddie Van Halen und Rob Halford, aber das Ergebnis ist so wahnwitzig aufgebohrt, dass es trotzdem funktioniert.“ („Rolling Stone“)

48
Roxy Music
AVALON
POLYDOR, 1982


Der Nachfolger von FLESH + BLOOD (1980) war weit von der üblichen Rauheit des Rock entfernt. AVALON war wie ein langer, ausgedehnter Seufzer, der zwischen zaghaften Balladen und einer Art Zeitlupen-Disco hin und her waberte. So hochpoliert, dass es fast schon unsichtbar war, wurde es als Fahrstuhlmusik für die geistlosen Neureichen von den einstigen Meistern postmoderner Verwegenheit abgetan. Doch für all diejenigen, die in der (trägen) Stimmung dafür waren, sind ›More Than This‹ und der Rest gehauchte Perfektion.
(Text: PL)
Zeitzeugen: „Ein Schimmern der mühelosen Hypnose, so schön wie antriebslos.“ („Sounds“)

47
The Cars
HEARTBEAT CITY
ELEKTRA, 1984


Es war die perfekte Paarung: die New-Wave-Hipster The Cars und der Überproduzent Robert John „Mutt“ Lange (AC/DC, Def Leppard, Foreigner). Und sie resultierte in einem perfekten Album. HEARTBEAT CITY war eine nahtlose Fusion aus Artrock, Powerpop und AOR. Die erste Single ›You Might Think‹ hatte noch den klassisch-schrägen Cars-Sound, doch auf ›Hello Again‹ schien die Band kaum anwesend (außer Ric Ocaseks Stimme besteht es nur aus Langes Studiozauber), während ›Drive‹, gesungen von Bassist Benjamin Orr, die am perfektesten texturierte Rockballade seit ›I‘m Not In Love› von 10cc war.
(Text: PE)
Zeitzeugen: „Ein perfektes Beispiel für zeitgemäßen Pop, der Richtung Zukunft blickt.“ („Rolling Stone“)

46
Pretenders
PRETENDERS
REAL, 1980


Irgendwie kannte man sie. Klar hatte man schon von ihr gehört. Frech und aus Akron, hatte sie für den „NME“ geschrieben, in der Boutique „Sex“ von Malcolm McLaren und Vivienne Westwood gearbeitet und es beinahe geschafft, eine Reihe toller Punkbands zu gründen. Aber eben nur beinahe. Chrissie Hynde stand immer noch am Rand – und dann passierte das. Am siebten Tag des neuen Jahrzehnts erschienen, war dies scharfsinniger, intelligenter und souveräner Pop-Rock, verankert auf beiden Seiten des Atlantiks und ebenso vorwärtsgewandt wie mit einem Fuß im Klassizismus der Kinks-Schule geblieben. Rotzig und von der Straße, aber doch melodisch treffsicher und mit den dicken Eiern der Detroiter Szene. ›Brass In Pocket‹, diese Stimme … Ein Bestseller aus dem Stand, und wie hätte es auch anders sein können?
(Text: IF)
Zeitzeugen: „Ein Debütalbum und Klassiker.“ („Zigzag“)

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Elvis Costello And The Attractions
BLOOD & CHOCOLATE
DEMON, 1986


Hier floss fast im wahrsten Sinne des Wortes Blut. Die Attractions waren wütend, nachdem sie bei den zurückhaltenden Americana-Klängen von KING OF AMERICA außen vor geblieben waren, und standen kurz vor ihrer Entlassung. Costello ließ diesen Frust in sein brutalstes, klaustrophobischstes Album fließen. ›Tokyo Storm Warning‹ war als erste Single reinster Kamikaze, ›I Want You‹ ein psychotisches Liebeslied wie nichts sonst im Rock. Unterm Strich ein roher, kommerziell desaströser Höhepunkt seiner Arbeit mit der vielleicht größten Rock‘n‘Roll-Band im Punk.
(Text: NH)
Zeitzeugen: „Costellos nackteste, ehrlichste Platte seit TRUST.“ („NME“)

44
Judas Priest
POINT OF ENTRY
COLUMBIA, 1981


Jede große Band hat einen unbesungenen Klassiker. Im Fall von Judas Priest ist es POINT OF ENTRY, ein meisterhaftes Album, das lange überschattet wurde von den ihre ganze Karriere definierenden Hits, die zuvor und danach kamen: BRITISH STEEL von 1980 und SCREAMING FOR VENGEANCE von 1982. Hier fand sich klassischer Hardrock, der eine willkommene Abkehr vom typischen Schwanzschwing-Metal der Band war. Darunter auch drei der besten Songs, die Priest je aufnahmen: ›Heading Out To The Highway‹, ›Solar Angels‹ und ›Desert Plains‹. Außerdem gab es zur Single ›Hot Rockin‘‹ das wohl komischste, überwörtliche Heavy-Rock-Video aller Zeiten.
(Text: PE)
Zeitzeugen: „Diese Jungs sind in demselben Sinne dumm, wie Ronald Reagan unwählbar ist.“ („Creem“)

Video der Woche: Montrose mit ›Bad Motor Scooter‹

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Heute hätte Ronnie Montrose Geburtstag. Der Gitarrist gründete 1973 die Band Montrose mit einem gewissen Herren namens Sammy Hagar am Gesang. Selbiger wechselte über eine Dekade später ans Mikrofon bei Van Halen, nachdem David Lee Roth sich auf seine Solokarriere konzentrieren wollte.

In Gedenken an den Gitarristen blicken wir im Video der Woche zurück auf das Jahr 1974, als Montrose den Song ›Bad Motor Scooter‹ live performten.

Jack Slamer – KEEP YOUR LOVE LOUD

Weiter und weiterentwickelt

Bei ihrem „neuen“ Label sind Jack Slamer erst mit diesem Release so richtig angekommen, ist KEEP YOUR LOVE LOUD doch nun das erste wirklich neue Album, das die Schweizer unter dem Schirm von Nuclear Blast veröffentlichen. Immer noch stehen die Vocals von Sänger Florian im Vordergrund, weil sie aufgrund ihres Grundtenors nun mal entfernt und absolut positiv an Stimmgewalten wie Andrew Stockdale oder auch Chris Cornell erinnern, jedoch dominieren sie die Musik nicht mehr so einschlägig wie zuvor. Das mag an den noch elaborierteren Arrangements liegen, an den vielfältigeren Einflüssen, an einer Weiterentwicklung, die sich klanglich in einer wahrlich angenehmen Balance widerspiegelt.

Jack Slamer haben ihre Mitte gefunden, ihren knarzigen, aber sehr druckvollen 70er-Sound mit logischen Klangnachbarn erweitert und dabei trotzdem nicht ihre eigene Bandtradition aus dem Auge verloren. Die zehn neuen Lieder illustrieren die ganze Bandbreite an handwerklichen und emotionalen Fähigkeiten dieser Band.

7 von 10 Punkten

Jack Slamer, KEEP YOUR LOVE LOUD, NUCLEAR BLAST/ROUGH TRADE

Sodom – GENESIS XIX

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Sodom eben

Bei Sodom drehte sich in der jüngeren Vergangenheit wieder rasant das Besetzungskarussell. Fans dürften sich daher darüber freuen, dass sich an der musikalischen Ausrichtung der Ruhrpottler dadurch nichts geändert hat. Sodom sind eben Sodom. Allerdings sorgt das auch dafür, dass wirkliche Überraschungen auf GENESIS XIX ausbleiben. Sieht man von einem Ausreißer wie dem gesellschaftskritischen, deutschsprachigen ›Nicht mehr mein Land‹ ab, gibt es typischen Thrash Metal à la Angelripper, der mal mehr und mal weniger an Frühwerke wie AGENT ORANGE erinnert. Zwar haben nicht alle Tracks das Hitpotenzial von ›Sodom & Gomorrah‹ oder ›Friendly Fire‹, aber insgesamt ist
GENESIS XIX für alle, die einfach nur ein solides Sodom-Album wollen, eine runde Sache.

7 von 10 Punkten

Sodom, GENESIS XIX, STEAMHAMMER/SPV

The Sensible Gray Cells – GET BACK INTO THE WORLD

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Mit 66 Jahren …

Offenbar unkaputtbar, der Typ. Sieben Jahre nach seinem letzten musikalischen Lebenszeichen ist UK-Punk-Ikone Captain Sensible plötzlich wieder da und klingt rotzig frisch und frech wie eh und je. Unterstützung bei diesem Projekt erhält der mittlerweile 66 Lenze alte ›Wot‹- und ›Happy Talk‹-Sänger von zwei bewährten Mitstreitern aus seiner Vergangenheit – Paul Gray, mit dem der Captain einst als Mitglied von The Damned zum Star wurde, und Marty Love, dem Drummer seiner ersten Band Johnny Moped. Wer deshalb allerdings Old-School-Punk Marke 1977 erwartet, muss umdenken. Denn das Trio präsentiert uns seine Hommage an frühen Garagen- und Psychedelic-Rock der Sixties. Die Herren haben hörbar großen Spaß an dieser Art von Musik, der sich augenblicklich auf den Konsumenten überträgt. Mit dem knackig eröffnenden ›Sell Her Spark‹ und dem mehr als nur leicht an ›Let’s Spend The Night Together‹ von den Stones erinnernden ›Get Back Into The World‹ gelingt gleich ein schöner Einstieg in die daraufhin fast wie im Fluge vergehenden 58 Minuten. Klasse!

8 von 10 Punkten

The Sensible Gray Cells, GET BACK INTO THE WORLD, DAMAGED GOODS/CARGO

The Smashing Pumpkins – CYR

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Hochmut kommt… bei Billy Corgan nie aus der Mode

Ein Vierteljahrhundert ist seit dem Karrieregipfel der Band vergangen, doch Billy Corgan werkelt unbeirrt weiter. Was der Mainstream von seinem Ego, einigen fragwürdigen Haltungen oder dem aggressiv-wehleidigen Sterbensseufzen hält, das er uns seit jeher als Gesang vorsetzt, war ihm schon immer völlig schnuppe. Dass keine der Platten seit der Wiederbelebung 2007 Begeisterungsstürme hervorrief, ebenso. Weshalb der Mann, der einst verkündete, nur noch Singles zu veröffentlichen, auch kein Problem damit hat, nun ein Werk im XL-Format zu servieren. Wie bei 99 % aller Veröffentlichungen, die man früher mal Doppelalbum nannte (ja, auch MELLON COLLIE …), wäre auch hier weniger mehr gewesen. Doch die Perlen, die sich unter diesen 21 Tracks verstecken, sind den langen Tauchgang wert. ›Wyttch‹, ›Starrcraft‹, ›Purple Blood‹, ›Tyger Tyger‹ und das Titelstück zeigen, warum Corgan nach wie vor ein Heer von Fans hat: Wenn er ins Schwarze trifft, dann richtig, und das in diesem Fall mit frischen, unverbrauchten Melodien, Texturen und Atmosphären, die so niemand hinzubekommen scheint. So gespannt durfte man seit 1995 nicht mehr auf den nächsten Schritt des Maestros sein.

6 von 10 Punkten

The Smashing Pumpkins, CYR, RYKODISC/WARNER