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Start Blog Seite 309

Switchfoot – INTERROBANG

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Radiofreundlicher Alternative-Rock

Die Band aus San Diego startete ihre Karriere Mitte der 90er-Jahre mit einer eigenwilligen Form von Alternative Rock, in der Grunge-, Classic- und Indie-Elemente immer wieder neu ausgehandelt wurden. Ihre bekannteste Platte, THE BEAUTIFUL LETDOWN, erschien 2003, das Interesse an Switchfoot sank danach, nicht aber ihre Motivation, sich immer wieder neu zu erfinden. Mit INTERROBANG ist der Band ein Schritt nach vorne gelungen: Mit Tony Berg, der auch für Phoebe Bridgers oder Andrew Bird arbeitet, fanden sie einen Produzenten, der ihrem Sound mehr melodische Sensibilität verleiht.

Alternative Rock ist das noch immer – aber mit mehr Beatles-Anleihen als Hardrock-Verweisen. Ruhige Stücke wie ›I Need You (To Be Wrong)‹ kratzen zwar an der Banalität, werden aber von klugen Harmonien gerade noch gerettet. Besser gelingen Mid-Tempo-Stücke wie ›Beloved‹, das an die schottischen Travis erinnert, oder ›Lost Cause‹, ein Song, dem das Kunststück gelingt, zugleich schnell und melancholisch zu sein.

7 von 10 Punkten

Switchfoot, INTERROBANG, FANTASY/SPINEFARM/UNIVERSAL

Titelstory: Thin Lizzy – Warten auf ein Alibi…

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Phil Lynott liveHarry Doherty, der Thin Lizzy auf Tour begleitete und über die Jahre viele Interviews mit ihnen führte, berichtet über das letzte Jahr im Leben des Phil Lynott. Eine in fast jeder Hinsicht aussichtlose Zeit, doch Lynott hoffte bis zum Ende auf ein Anknüpfen an den Ruhm vergangener Tage.

Als der Anruf kam, dass Phil Lynott gestorben war, waren Thin-Lizzy-Fans weltweit schockiert und am Boden zerstört. „Phil Lynott“ und „tot“ waren Worte, die man sich nicht im selben Satz vorstellen konnte. Zwar musste man schon seit Jahren damit rechnen, doch niemand – nicht die Fans, Freunde, Band, das Management oder die Plattenfirma – konnten glauben, dass er dem Unvermeidlichen tatsächlich zum Opfer gefallen war.

Es war allgemein bekannt, dass Phils Karriere nach Thin Lizzy entgleist war, und seine Abhängigkeit von Drogen – vielen Drogen – war wenig hilfreich. Seine Band Grand Slam war zum Erliegen gekommen, sein Privatleben wurde ebenso öffentlich seziert – oft vor Gericht – wie der Zerfall seiner Ehe. All das trug zu seinem seelischen Absturz bei, obwohl die Nachricht eines Solo-Plattenvertrags etwas Hoffnung verhieß. Doch Phil war kein Mensch, der sich selbst zu helfen wusste.

Schon einige Zeit vorher hatten die Probleme begonnen, als das Feiern bei den BLACK ROSE-Sessions in Paris fast genauso wichtig wurde wie die Arbeit im Studio, was letztlich Gary Moore dazu brachte, während einer US-Tournee auszusteigen. Die Warnzeichen blieben unbeachtet. Der nüchternere, aber erfahrene Snowy White stieg ein und akzeptierte Lynotts und Scott Gorhams Drogenexzesse, bis die Situation sich bei den Vorbereitungen für ein neues Studioalbum in Dublin zuspitzte.

Auf professioneller Ebene verzweifelte White an der Arbeit mit Lynott: „Ich kannte ihn als Mensch überhaupt nicht. Nach den ersten sechs oder sieben Monaten kam ich dann an den Punkt, wo ich gar nicht mehr versuchte ihn kennen zu lernen, weil ich ohnehin nicht zu ihm durchdrang. Er öffnete sich nie. Ich konnte nie als Freund mit ihm reden. Er versuchte immer, etwas zu beweisen. Wir wissen alle, wie schwierig es war, mit Phil umzugehen. In einer Minute sagte er etwas und am nächsten Tag zog er es vor, sich nicht mehr daran zu erinnern. Man konnte nicht mit ihm diskutieren. Wir machten Pläne, dieses oder jenes zu tun, und dann wurde wieder alles geändert. Also entfernte ich mich immer mehr von ihm und der Band. Es war wohl auch meine Schuld, weil ich in dieser Situation einfach nicht stark genug war. Ich blieb immer solange im Studio, wie ich wach bleiben konnte. Normalerweise stand ich um acht auf, ging gegen eins ins Studio, und Phil und Scott tauchten dann vielleicht um sieben auf und arbeiteten die ganze Nacht, weil sie Dinge hatten, die sie wach hielten. Gegen Mitternacht fing ich an, einzuschlafen.“

Während Snowys Zeit galt Phils Aufmerksamkeit sowohl der Band als auch seinen Soloaufnahmen, was White ebenfalls missfiel: „Ich wusste nicht, wofür ich da gerade spielte. Wir wussten nicht, was wofür verwendet wurde, was mir ziemlich auf die Nerven ging, denn wenn ich gerade für Phils Solosachen spielte, hätte ich Session-Honorare verlangt… Es ist mein Lebensunterhalt und mein Job.“

Dieser Frust war deutlich spürbar, als er kurz nach Phils Tod über ihr Verhältnis sprach: „Ich weiß nicht genug über Drogen. Ich wusste nicht, was da vor sich ging. Da waren offensichtlich viele Drogen im Spiel, aber ich nehme keine, also wusste ich nicht, welche Stimmungen von den Drogen herbeigeführt wurden und welche natürlich waren. Das machte mich wohl zum Außenseiter. Wenn man so einer Band beitritt, stürzt man sich entweder mit hinein und nimmt alles oder man hält sich da raus und ist dann der Spielverderber. Ich war in solchen Situationen immer sehr glücklich damit, der Spielverderber zu sein. Ich würde mich nie betrinken oder Drogen nehmen, nur um dazu zu gehören. Ich fühlte mich nicht als Teil der Gruppe, wenn wir ausgingen. Aber ich hoffte immer noch, dass sich das ändern würde. Es gab oft Augenblicke in Phils vernünftigeren Momenten, in denen es aussah, als würde sich etwas ändern. Momente, in denen er sah, dass all das vor seinen Augen zerfallen könnte, teilweise, weil er eben so schwierig war. Am Ende hielt ich mich komplett aus allem raus. Auf Tour kam ich damals immer zurück ins Hotel, aß etwas, ging ins Bett, stand am nächsten Morgen auf und sah mich um in der Stadt, in der wir gerade waren. Da begegneten mir dann immer die Jungs, die gerade vom Feiern zurück kamen. Sie schliefen dann den ganzen Tag und wir trafen uns beim Gig wieder. Wir redeten nicht viel, und da gab es auch nichts, worüber wir hätten reden können.“

White hielt es eine Weile lang aus – CHINATOWN und RENEGADE waren solide Lizzy-Alben, und auch wenn er auf der Bühne nicht mit dem Hintern wackelte, war er im Studio doch ein vollkommener Bluesrock-Gitarrist und idealer Gegenspieler für Gorham. Als er sich dann in Dublin auf sein drittes Album mit Thin Lizzy vorbereitete, wurde es ihm jedoch zuviel. Schon bevor er ins Flugzeug nach Irland stieg, zweifelte White an seiner Zukunft und hatte eine Ahnung, dass Phil und Scott möglicherweise genauso dachten. Er ließ Manager Chris Morrison auch wissen, dass er dorthin fuhr, um zu arbeiten, nicht um darauf zu warten, dass seine Kollegen sich vom Alkohol/Drogenkater der letzten Nacht erholen. Morrison versprach, mit Lynott und Gorham zu reden.

Zwei Tage lief alles gut, bis die alten Gewohnheiten wieder Einzug hielten. Phil war verhindert, weil er „krank“ war, Gorham kam zu spät. Während sich der Rest der Band in den Pub verzog, arbeitete White an neuem Material, das Phil dann am nächsten Tag umgehend löschte. Zurück in London, wägte White seine Optionen ab und beschloss, dass er genug hatte. „Ich lag im Bett und dachte: ‚Ich gehe nicht in dieses Studio, um rumzusitzen, bis jemand im Vollrausch um sieben Uhr abends auftaucht und dann die ganze Nacht arbeiten will’.“ Also stieg er aus.

John Sykes erlebte dieselben Dinge, als er für das THUNDER AND LIGHTNING-Album und die dazugehörige Tour einstieg, aber er war jung und stark genug, um alles an sich abprallen zu lassen. Doch zu diesem Zeitpunkt hatte selbst Scott Gorham die Nase voll: „John kam zu dieser Band und dachte wohl, ‚das wird toll, ich bin jetzt ein Star’, aber es war längst abgemacht, dass er nach dem Album und der Tour wieder gehen würde. Also tat er mir irgendwie leid – es war Phils Idee, ihm nichts zu sagen. Er hatte Angst, dass John die Band sofort verlassen würde, falls er es erfahren würde. Ziemlich mies, aber so war es nun mal. Auf lange Sicht erlitt John allerdings keinen Schaden. Es half seiner Karriere.“

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Diesen Freitag könnte die musikalische Bandbreite nicht verschiedener sein: deutscher Stahl von Thomsen, knackig-kurze Klänge von Matt Lang, Heavygefilde von Black Swamp Water und gruseliger Doo-Wop-Sound von Shannon and the Clams.

Thomsen: III

„III bietet wie schon die beiden Vorgänger satten, traditionell geschmiedeten Stahl, dem man die deutsche Herkunft in jeder Note anhört.“

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Matt Lang: MORE

„Lang zeigt damit eindrucksvoll, dass er ein ausgezeichnetes Händchen nicht nur für griffige Hooklines in den von ihm co-komponierten Stücken, sondern auch für die Auswahl von knackigen Tracks externer Autoren hat.“

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Black Swamp Water: AWAKENING

„In jedem Fall ist es sehr ansprechend und anspruchsvoll, was Black Swamp Water da an Metal-Melodien und Hardrock-Harmonien auf Platte gestampft haben.“

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Shannon and the Clams: YEAR OF THE SPIDER

„Grundsätzlich halten Shannon und die Clams an ihrem Stil fest. Doo-Wop, Rock’n’Roll der 50er, R’n’B alter Schule, die Melodien der Girl Groups der 60er (›Be My Baby‹ – yeah!), Garagenpunk – alles dabei. Aber diese Platte ist auch unheimlich.“

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Shannon and the Clams – YEAR OF THE SPIDER

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Nervenkitzel in Nashville

2018 war das Jahr des Doppelschlags. Die Band war zum Major gewechselt und ließ sich von Dan Auerbach im Easy Eye Sound produzieren. Heraus kamen das Band-Album ONION und ein Solo-Abstecher der Sängerin. Mit dem Durchbruch klappte es leider nicht ganz. Man nahm es mit Fassung und spielte noch vor Covid den Nachfolger ein, der jetzt erscheint. Grundsätzlich halten Shannon und die Clams an ihrem Stil fest. Doo-Wop, Rock’n’Roll der 50er, R’n’B alter Schule, die Melodien der Girl Groups der 60er (›Be My Baby‹ – yeah!), Garagenpunk – alles dabei. Aber diese Platte ist auch unheimlich. Fast hat man den Eindruck, als mische sich David Lynch ein, wolle er den Spuk-Faktor verstärken. Einiges hat mit der Lebenssituation der Musiker zu tun. Shannons Vater war krank, im Bekanntenkreis gab es Probleme mit Drogen und Suff und obendrein machte ein Spanner die Nachbarschaft unsicher.

Daraus entstanden der Titelsong, ›Snakes Crawl‹ und ›Midnight Wine‹. Der wilde Ritt, früher durchaus eine Clams-Domäne, bleibt aus. In Zeiten der Finsternis dominiert die Ballade, das Reifere. Prima. So kommt der Gruselfaktor gut zur Geltung und die Band zeigt, wie sie sich entwickelt.

7 von 10 Punkten

Shannon and the Clams, YEAR OF THE SPIDER, EASY EYE SOUND/CONCORD/UNIVERSAL

Matt Lang – MORE

Wie eine Zeitreise

Nach seiner nur auf der anderen Seite des Atlantiks veröffentlichten gleichnamigen Debüt-EP von 2018 ist MORE der erste physisch erhältliche Silberling von Matt Lang auf dem alten Kontinent. Acht Songs und acht potenzielle Singles sprechen eine deutliche Sprache. Lang zeigt damit eindrucksvoll, dass er ein ausgezeichnetes Händchen nicht nur für griffige Hooklines in den von ihm co-komponierten Stücken, sondern auch für die Auswahl von knackigen Tracks externer Autoren hat. Bei der gebotenen Qualität fällt nicht weiter ins Gewicht, dass die Spielzeit nur gute 25 Minuten beträgt.

Neben der auf hohem Nashville-Niveau angesiedelten Produktion und Performance ist Langs Stil ein geschickter Schachzug, um mehrere Generationen an Country-Fans anzusprechen. Der absolut smoothe Mix aus 90er Neon und 2010er Modern Country macht von der ersten bis zur letzten Sekunde einfach Spaß. Dabei ruht sich Matt jedoch nicht auf ausgelatschten Pfaden aus, sondern kreiert seine ureigene Melange aus diesen beiden Eckpfeilern, mit der er locker auf ein Konzert-Billing mit Legenden wie Brooks & Dunn oder Superstars wie Jason Aldean passt.

8 von 10 Punkten

Matt Lang, MORE, JAYWARD ARTIST GROUP/THE ORCHARD

Black Swamp Water – AWAKENING

Ruhm und Ehre

Es geht hier nicht um Zakk Wyldes ehemalige Band Pride & Glory. Aber zum einen weisen Black Swamp Water zu diesen durchaus einige klangliche Parallelen auf und zum anderen sind die Begriffe „Stolz“ und „Ruhm“ hier durchaus angebracht. Auf ihrem dritten Album, AWAKENING, wuchten und wuchern sich die Dänen durch sumpfige Southern- und Heavygefilde. Das Ganze erinnert dabei aber weniger an Lynyrd Skynyrd, sondern wurzelt eher im Sound von Black Sabbath. Gelegentlich sind sogar Metallica-Reminiszenzen und eine Spur Thrash erkenn- bzw. hörbar.

In jedem Fall ist es sehr ansprechend und anspruchsvoll, was Black Swamp Water da an Metal-Melodien und Hardrock-Harmonien auf Platte gestampft haben. Und auch wenn es mal etwas langsamer wird, hat das ziemlich Groove, Energie und dänischen Dampf. Und Eingängigkeit mit einem Driver wie ›Better Days‹, denn Black Swamp Water haben nicht die schlechtesten Refrains. ›Hammer You Down‹ – nomen est omen – bildet dann den ehrenvollen und „zakkigen“ Abschluss für ein äußerst solides Heavy-Album.

6 von 10 Punkten

Black Swamp Water, AWAKENING, TARGET/SPV

Thomsen – III

Teutonenstahl

Ursprünglich nur als temporäres Projekt geplant, um dem Namensgeber einen Ausgleich zu seinem Hintergrundwirken im Musikgeschäft zu bieten, hat sich Thomson zu einer Langzeitstory entwickelt. III bietet wie schon die beiden Vorgänger satten, traditionell geschmiedeten Stahl, dem man die deutsche Herkunft in jeder Note anhört. In der Schnittmenge aus U.D.O./Accept, Grave Digger und Rage bleibt nicht viel Freiraum für kreative Feinheiten. Dementsprechend treibend, mit der typischen Fist-in-the-air-Attitüde, attackiert man die Trommelfelle der Metalheads, die sich immer wieder fragen, woher sie den einen oder anderen Song schon kennen. Die Alleinstellungsmerkmale sind eingeschränkt, dafür merkt man den Spaß der Musiker in jeder Note. Man unterliegt keinem Erfolgszwang und so kann man eben schamlos seine Einflüsse zeigen. Einige der zehn Tracks, die übrigens von Charlie Bauernfeind äußerst wuchtig produziert wurden, haben sicher Ohrwurmpotential, allen voran ›Fight‹, ›Liar‹ oder der kraftvolle Opener ›Rise‹. Ob dies allerdings heutzutage reicht, um einen größeren Bekanntheitsgrad zu erreichen, sei mal dahingestellt. Akzeptabel gemacht ohne Anspruch auf Originalität.

6 von 10 Punkten

Thomsen , III, ARTIST STATION/SOULFOOD/TUNECORE

The Rolling Stones: Jubiläumsedition von TATTOO YOU

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Zum 40. Geburtstag von TATTOO YOU kündigen die Rolling Stones eine Neuauflage des Albums an. Inklusive bisher ungehörter Songs.

Am 22.10. wird das gute Stück erscheinen und dürfte für Kenner und Liebhaber vor allem durch die bisher unveröffentlichten Song interessant werden, die darauf zu hören sind. Insgesamt neun „neue“ Stücke enthält die Neuauflage.

Einen ersten Vorgeschmack liefert die gerade eben veröffentlichte Single ›Living In The Heart Of Love‹. Nur die Deluxe-Version LOST & FOUND: RARITIES enthält diese Tracks.