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Start Blog Seite 310

Die fünf Gesichter von Deep Purple: Ian Gillan

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Ian Gillans Laune ist nur schwer zu trüben, da überrascht es also kaum, dass er sich keine allzu großen Sorgen um die Auswirkungen der weltweiten Pandemie auf seine Band macht. Ihr 21. Album WHOOSH! hätte ursprünglich im Frühsommer erscheinen sollen, während sie auf Tour gewesen wären, doch sowohl die Veröffentlichung als auch die Konzerte mussten verschoben werden.

„Sowas passiert nun mal, und es hilft nichts, sich darüber aufzuregen“, sagt der Mann, der mal behauptete, er habe keinerlei Ehrgeiz und sei zufrieden damit, mit einem dummen Grinsen im Gesicht durchs Leben zu treiben. „Das ist eine alte Maxime: Musiker werden nicht dafür bezahlt, Musik zu machen, sondern zu warten. Wir sind das also gewohnt.“ Und das ist nicht nur als Scherz gemeint. Der Sänger und seine Bandkollegen – Schlagzeuger Ian Paice, Bassist Roger Glover, Gitarrist Steve Morse und Keyboarder Don Airey – scheinen dieselbe Einstellung zu pflegen, als sie in den folgenden Tagen aus den verschiedenen Ecken der Welt anrufen, in denen sie die hoffentlich letzten Phasen der Ausgangssperren aussitzen (Gillan weilt im südenglischen Seebad Lyme Regis). Aber auch an WHOOSH! ist nichts, wie man es erwartet hätte, nicht zuletzt seine Existenz an sich. Das vorige Album INFINITE von 2017 war als letzte Platte geplant, das Sprungbrett für eine Tournee unter dem Titel „The Long Goodbye“.

INFINITE und dessen Vorgänger NOW WHAT?! von 2013 standen für einen unerwarteten Höhenflug so spät in der Karriere der letzten Band der ursprünglichen Heiligen Hardrock-Dreifaltigkeit, die noch auf den Beinen ist. Alben, die Souveränität und Verspieltheit in einer Weise verbanden, die nur eine Gruppe
von Deep Purples Format meistern kann. WHOOSH!, ebenfalls von Bob Ezrin produziert, setzt diese beeindruckende Reihe nun fort.

Wenn jemand vorschlägt, ein neues Deep-Purple-Album zu machen, denkst du dann: „Oh Gott, nicht schon wieder“?
Nein, nein, nein, ganz im Gegenteil! Vor ein paar Jahren hatten wir eine Phase, in der jeder aus diversen Gründen gesundheitlich angeschlagen war, dann fühlten sich alle wieder besser und die Energie kam zurück. Und dann muss man ein Ventil für sie finden.

WHOOSH! ähnelt den vorigen beiden Platten, denn es klingt ebenfalls wie ein Haufen Kumpels, die miteinander Spaß haben.
Völlig richtig. Alles wird zusammen gemacht. Wir schreiben gemeinsam die Songs, arrangieren sie gemeinsam, nehmen sie gemeinsam auf. Hoffentlich hört man die Freude und Unmittelbarkeit
darin. Das kann man nicht künstlich erzeugen.

Ein paar lustige Textstellen gibt es auch. Auf ›No Need To Shout‹ singst du: „You stand there on your soapbox without fear, chanting like a demented auctioneer“.
Das ist ein allgemeiner Seitenhieb auf Politiker.

Auf bestimmte Personen? Boris? Trump?
Nicht wirklich. Sie sind alle Taugenichtse. Sie treten mit Idealen und Elan auf den Plan, und nach fünf Jahren reden sie dann nur noch Mist. Bei Musikern ist es dasselbe.

›What The What?‹ dagegen klingt wie ein guter alter Feelgood-Rock’n’Roll-Song.
Das ist ein Tour-Song in einem anderen Format. Es geht darum, wie es mal war – Klaviere in Pubs, Dixieland-Songs. Ich suchte nach einer guten Formulierung, und das Erste, was mir einfiel, war natürlich: „What the fuck happened to you last night?“ Und dann dachte ich: „Das passt nicht wirklich für Radio 2“. Nicht, dass es jemals dort gespielt werden würde …

Nach Little Richards Tod hast du eine wirklich rührende Hommage auf deiner Website gepostet. Trifft dich der Tod von Menschen, die du bewundert hast?
Ich habe eine kleine Regel in meinem Leben, die ich über Jon Lord in dem Song ›Above And Beyond‹ geschrieben habe: „Souls having touched are forever entwined“. Dieser physische Abschied war also nicht so emotional. Ich dachte eher: „Gott sei Dank sind sie noch bei mir“. Ich weine nicht sehr oft, aber als Pavarotti starb, habe ich geweint. Ich stand ihm sehr nahe.

Tatsächlich?
Yeah. Ich sang zweimal mit ihm und lernte ihn ziemlich gut kennen. Er war ein ganz normaler Typ. Vor unserem ersten gemeinsamen Singen rief er mich zuhause an und sagte [imitiert italienischen Akzent]: „Wir werden also einen Song zusammen singen. Was sollen wir singen? ›Child In Time‹?“ Und ich antwortete: „Danke, aber nicht wirklich. Wie wär’s mit ›Nessun dorma‹?“ Schweigen. Und dann sagte er: „›Nessun dorma‹? Du willst ›Nessun dorma‹ singen? Mit mir? You fucking crazy!“ Er wollte ein Popstar sein. Das stand hinter allem, woran er dachte. Er wollte, dass wir zusammen ein Coversalbum machen.

Wow. Wie weit seid ihr gekommen? Habt ihr eine Auswahl an Songs getroffen?
Nein, wir haben uns nur darüber unterhalten. Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee gewesen wäre.

Du hast gesagt, dass die jüngeren Alben wieder das „Deep“ zu Deep Purple gebracht hätten. Das ist ein schönes Zitat, aber was bedeutet es eigentlich?
„Deep“ ist das Gegenteil von seicht, und das wollte ich damit wohl sagen. Eine Zeitlang hatten wir uns etwas verloren, vor allem nach [dem 1984er Comeback-Album] PERFECT STRANGERS, denn wir waren nicht wirklich dem Ethos der Band gefolgt, das so erfolgreich war. Nämlich mutig und kühn zu sein und aus dem Herzen zu schreiben. Es hatten sich Anflüge von Kommerz in die Band geschlichen. Das war ja der Grund gewesen, dass ich 1973 ausgestiegen war.

Warum habt ihr euch verloren?
Ritchie – ein brillanter Mann, er hatte ein Ohr für kommerzielle Melodien, für die massentauglicheren Sachen. Und das war sehr erfolgreich. Aber ich fand, das konnte so nicht überleben, denn das setzte auf eine bestimmte Mode, und Mode kommt und geht nun mal. Wenn du erst mal nicht mehr in Mode bist,
bleibst du es auch. Als der Fokus also mehr auf die kommerziellen Elemente gelenkt wurde, fingen wir an, Songs zu schreiben. Und jeder kann SONGS schreiben. Die Sache an Purple war, dass es immer darum ging, etwas Aufregendes zu entdecken. Die Vielfalt der Einflüsse der einzelnen Musiker – von Orchesterkompositionen über Bigband-Swing und Blues bis hin zu Rock’n’Roll und Soul – lieferte genug Energie und Musik für ein ganzes Leben.

Wann kam diese Energie zurück?
Als Steve Morse [1994] einstieg, begannen wir, die Schäden zu reparieren, denn wenigstens arbeiteten wir ab da wieder miteinander. Aber ich glaube, es war [Produzent] Bon Ezrin, der sagte: „Wenn ihr einfach nur Songs schreiben und aufnehmen wollt, vergesst es. Ich will wieder dahin zurück, wo ihr 1968 wart – mutig, nicht mit Blick aufs Radio“. Und das war fantastisch. Plötzlich hatten wir jemanden, der die Zügel in die Hand nahm.

Letztes Jahr war das 50. Jubiläum deines Einstiegs bei Deep Purple. Hast du das mit einer Party gefeiert?
(lacht) Ich feiere nicht mal meinen eigenen Geburtstag. Ehrlich gesagt, war das keinem in der Band bewusst. Wir denken nicht über solche Sachen nach.

Hat es dich nicht mal innehalten und nachdenken lassen?
Ich enttäusche dich nur ungern, aber nein. Es gab so viele Jahrestage: der Einstieg in der Band, die Aufnahmen zu IN ROCK, zu MACHINE HEAD. Sie haben alle ihren Platz in der Geschichte, aber wir sitzen nicht herum und machen uns über sowas Gedanken. Wir haben alle ein ausgefülltes, aktives Leben außerhalb der Band.

Du hättest dich zur Ruhe setzen und das süße Leben genießen können. Warum machst du all das noch?
Mich zur Ruhe setzen? Wovon? Wir gehen keiner geregelten Arbeit nach. (denkt nach) Ich wüsste nichts Besseres, das ich tun könnte. Es ist einfach so großartig, so voller Freude.

Also kein Ruhestand für dich oder Deep Purple?
In dem Moment, in dem meine körperliche Energie nachlässt, werde ich damit aufhören. Wir sind Realisten. Wir werden es wissen, wenn es uns ins Gesicht schlägt.

Text: Daryl Easlea

Pablo Infernal: Neues Video zu ›Bend Your Strings‹

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Die Single mitsamt Video ist der dritte Streich, bevor ihr Album MOUNT ANGELES im September erscheint.

Das kunterbunt gemischte Quartett residiert mittlerweile in Zürich und nahm auch das neue Video in den Schweizer Alpen auf. Nach dem Debüt im Jahr 2016 und dem Nachfolger 2018 machten sich Pablo Infernal Ende 2019 wieder an die Arbeit, um neue Songs zu schreiben. Inspiration hierfür kam von einem anderen Quartett: den Beatles.

Die Band nahm sich nach einer Wette vor, jeden Monat ein Beatles-Album durchzuspielen. Das Spielen der zehn Platten scheint auch auf das Songwriting Einfluss genommen zu haben.

Sänger Altin Asllani äußert sich zu dem Song folgendermaßen: „›Bend Your Strings‹ handelt von der Liebe zur Gitarrenmusik. Sie steht bei uns allen seit Jahren an erster Stelle und hat es auch nie geschafft zu enttäuschen oder gar ein Herz zu brechen.“

Plattensammler: Die Lieblingsalben von Joey Tempest (Europe)

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europe pressEurope-Frontmann Joey Tempest hat sich freundlicherweise die Zeit genommen, uns etwas über fünf seiner Lieblingsplatten zu erzählen…

DEEP PURPLE – MADE IN JAPAN (1972)

Deep Purple Made In japan
Die Rockbibel für Musiker. Ich empfehle jungen Künstlern, die lernen wollen und nach Inspiration suchen, immer dieses Album. Wir alle von Europe finden, dass MADE IN JAPAN zu den wichtigsten Live-Platten gehört, die jemals veröffentlicht wurden. Die Musikalität, die Songs, die Attitüde, der Sound und die Performance der ganzen Band sind nicht von dieser Welt. Und das Gitarrenspiel von Ritchie Blackmore kann gar nicht genug gepriesen werden.

AUDIOSLAVE – AUDIOSLAVE (2002)


Seit wir Europe 2004 wiederbelebt haben, bringen wir dieses Album immer mit ins Studio, wenn wir mit einem neuen Produzenten arbeiten. In diesem Jahrtausend erschienen, war es die erste LP, die die Classic-Rock-Vergangenheit mit der Zukunft des Rock‘n‘Roll verbunden hat. Der Blueprint, wie man den Sound einer Rockband perfekt einfängt. Chris Cornell war einer der größten Sänger, auf einer Ebene mit Paul Rodgers, Robert Plant und David Coverdale. Außergewöhnlich!

RIVAL SONS – PRESSURE AND TIME (2011)


Wir haben die Band über den gleichnamigen Song entdeckt. Ein wirklich moderner Classic-Rock-Track. Die Rival Sons sind die führende unter all den neuen Gruppen, die den Rock‘n‘Roll „retten“. Was Style, Einstellung und Ausdruck betrifft, kommen sie nah ran an Giganten wie Zeppelin und Purple. Die Produktion auf PRESSURE AND TIME ist einmalig. Wir haben für WAR OF KINGS den dafür verantwortlichen Produzenten Dave Cobb geholt.

MONTROSE – MONTROSE (1973)


Dieses Album, in den frühen 70ern erschienen, markiert den Beginn moderner Hardrock-Musik – und es hat meine Welt verändert. Produziert hat es Ted Templeman, der auch mit Van Halen gearbeitet hat. Am Mikro ist Sam Hagar zu hören, der sich später als Sammy Hagar ebenfalls Van Halen angeschlossen hat. Als ich ›Space Station No. 5‹ hörte, wusste ich: Es gibt kein Zurück. Ich wollte so singen, solche Musik schreiben und bis an mein Lebensende solchen Rock‘n‘Roll spielen.

THIN LIZZY – LIVE AND DANGEROUS (1978)

thin lizzy
Die richtige Mischung aus Attitüde und Melodien ist das Geheimnis großartiger Rockmusik. Und LIVE AND DANGEROUS ist das perfekte Beispiel dafür. Die Gitarrensoli sind an sich eigentlich schon eigene Songs, die Drums swingen und grooven, die Rhythmusgruppe ist einfach unwiderstehlich. Die absoluten Highlights allerdings sind Phil Lynotts überragende Phrasierung, die wunderbaren Texte und die Melodien. Diese Platte hat uns alle unglaublich inspiriert.

Lukas Nelson: Der glücklichste Mann der Welt

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Es gibt schon Glückspilze auf dieser Welt. Einer davon heißt Lukas Nelson, ist Sohn von Willie Nelson, Mitstreiter von Neil Young und lebt auf Hawaii. Wir trafen den Bandleader von Lukas Nelson & Promise Of The Real anlässlich des neuen Albums A FEW STARS APART zum Zoom-Meeting.

Du siehst entspannt aus. Täuscht der Eindruck?
Nein, ganz und gar nicht. Die Dinge entwickeln sich alle sehr, sehr gut. So wie es aussieht, können wir auch bald wieder auf Tour gehen, zudem durfte ich gestern einen tollen Abend mit Freunden erleben. Ehrlich gesagt, fühle ich mich gerade wie der glücklichste Mann der Welt.

Klingt gut! Wie wichtig war während Corona Musik für dich?
Sehr wichtig. Ich habe jeden Tag an Songs gearbeitet, das hat mich aufrecht gehalten und dafür gesorgt, dass ich bei Verstand bleibe. Musik war wirklich alles für mich! Sie war mein persönlicher Rückzugsort während der Pandemie. Nachdem man ja nicht auf Tour gehen konnte und es auch sonst nur wenige
Möglichkeiten gab, habe ich mir gedacht: Okay, dann schreibe ich reihenweise Songs.

Das ist nur zu verständlich. Wie viele Songs hast du während der Zeit geschrieben?
Ziemlich genau 22. Wir sind das Material bandintern durchgegangen und haben uns die
elf Songs, die wir für die besten hielten, für das neue Album A FEW STARS APART ausgesucht. Es fühlt sich gut an, wir denken, dass wir eine richtig gute Platte aufgenommen haben.

Wenn ich mir deine neuen Songs anhöre, habe ich das Gefühl, dass eure Musik heute etwas einfacher klingt. Auf euren früheren Alben waren ja immer wieder Songs zu hören, die vollgepackt mit musikalischen Einfällen waren. Jetzt höre ich solides, klassisches Songwriting. Stimmst du mir zu?
Danke, das höre ich gerne! Und ich stimme dir auch voll und ganz zu. Ja, es stimmt, ich fühle mich mittlerweile sehr von der Einfachheit angezogen – was übrigens schwerer ist, als es klingt. Es ist sogar eine echte Herausforderung, es simpel zu halten. Das ist sogar noch anspruchsvoller, als einen komplizierten Track zu schreiben. Ich weiß, das klingt paradox, doch es ist so. Es ist wie bei einer Kurzgeschichte, in der man mit wenig Worten viel ausdrücken soll. Für A FEW STARS APART wollte ich einfache und hoffentlich auch nachvollziehbare Songs schreiben.

Ich denke, das ist dir gelungen. Schon der Opener ›Empire‹ erinnert mich in seiner Schlichtheit an einen Song von deinem Dad …
Ich stimme wieder zu. Den Track habe ich tatsächlich im traditionellen Country-Stil geschrieben, Drei-Viertel-Takt inklusive. Es könnte ein Willie-Song sein, stimmt schon. Das hat aber wohl auch damit zu tun, dass wir mit Produzent Dave Cobb im RCA Studio A aufgenommen haben. In dem Studio war mein Vater übrigens, als er genauso alt war wie ich es jetzt bin. Der Kreis schließt sich.

Es heißt, dass dieser ehrwürdige Recording-Tempel eine besondere Aura hat. Hast du gespürt, dass in dem Studio Musikgeschichte geschrieben wurde?
Oh ja, unbedingt! Hey, in dem Studio hat Elvis aufgenommen! Und natürlich so viele andere – Dolly Parton, B.B. King, Loretta Lynn, The Monkees, Waylon Jennings und so weiter. Man kann sich dieser Atmosphäre definitiv nicht entziehen, sie inspiriert einen. Dazu kommt, dass Dave Cobb, der ja Hausproduzent in dem Studio ist, ein extrem cooler Typ ist. Er weiß, wie diese Musik klingen muss.

Ihr habt A FEW STARS APART im Retro-Verfahren aufgenommen: Acht-Spur analog. Das erscheint mir mutig zu sein, vermutlich ist es auch komplizierter …
Och, komplizierter … Für die Techniker mag das stimmen. Aber für uns Musiker war es eigentlich einfacher. Andererseits fordert es einen schon mehr: Da wir uns somit nicht so sehr auf die technischen Möglichkeiten verlassen konnten, spielten unsere musikalischen Fähigkeiten eine größere Rolle. Klar, wenn man einen Fehler macht, lässt sich der analog nicht mal auf die Schnelle beheben, wie das beim digitalen Recording machbar ist. Zum Glück aber machen wir nicht sehr viele Fehler. Außerdem haben wir die elf Songs vorher richtig intensiv geprobt.

Was ist für dich die größte Herausforderung beim Songwriting?
Dass man nicht zu viel darüber nachdenkt und analysiert. Aber ich liebe es! Ich mag es auch, für andere Leute Songs zu schreiben – um mit Menschen in Beziehung zu treten. Ich habe es oft erlebt, wie Menschen auf Songs reagieren, wie die Musik sie aus der Dunkelheit holen und den Schmerz lindern kann. Ein guter Song macht unglücklichen Menschen klar, dass sie nicht alleine sind, dass es vielen Menschen genauso geht wie ihnen – das kann viel bewirken. Für mich steht fest, dass Musik eine Medizin ist. Deshalb spüre ich immer auch eine Verantwortung, wenn ich Songs schreibe.

Wenn ich dich so reden höre, habe ich den Eindruck, dass du dich beim Songwriting mehr auf den Text als auf die Musik konzentrierst – dass dir die Botschaft wichtiger als die Melodie ist …
Nein, so sehe ich das nicht. Die Melodie ist für mich genauso wichtig wie der Text. Aber klar, die Lyrics müssen schon sehr gut sein, da mache ich keine Abstriche. Aber ohne gute Melodie kommen keine Emotionen auf. Ein guter Song muss also beides mitbringen: einen guten Text und eine gute Melodie.

Du bist der Sohn von Willie Nelson und mit deiner Band arbeitest du seit Jahren mit Neil Young zusammen – was hast du von diesen Musiklegenden gelernt oder übernommen?
Beide sind auf ihre Art unbekümmert. Und es geht ihnen viel weniger um Popularität als um die Qualität ihrer Musik und um ihre Integrität. Das bewundere ich an den beiden und das habe ich vermutlich auch von ihnen übernommen.

Seit 2015 machen Lukas Nelson & Promise Of The Real die Backing-Band für Neil Young. Wie war das anfangs – solltet ihr wie seine langgedienten Begleiter von Crazy Horse klingen?
Nein, ganz und gar nicht. Neil wollte, dass wir wie wir selbst klingen und dass wir seine Musik mit unserer Energie und unserem Feeling interpretieren. Genau das wollte er von uns – und dafür bin ich ihm zutiefst dankbar.

Seit eurem Mitwirken bei „A Star Is Born“ seid ihr richtig hip. Habt ihr da überhaupt noch die Zeit, die Backing-Band für Neil Young zu geben?
Sicher, absolut! Mit Neil Young zusammenzuarbeiten ist ein großes Geschenk. Er ist schließlich einer der größten Künstler der Welt und dazu einer der besten und erstaunlichsten Songwriter aller Zeiten. Klar, ich bin da vielleicht ein bisschen voreingenommen – und ich sage das auch über meinen Vater. Aber so sehe ich das nun mal. Dass ich das Glück habe, diesen Jungs nahe zu sein, hat mich unglaublich inspiriert. Mehr, als Worte das ausdrücken können.

Monsters Of Rock: Feld der Träume – Teil 3

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Mitte der 80er war Monsters Of Rock unaufhaltsam geworden. Große Namen, aufstrebende Acts und unbekannte Newcomer standen Schlange, um in Donington zu spielen. 1985 waren ZZ Top die Headliner, die zwei Jahre zuvor mit ELIMINATOR in die Oberliga aufgestiegen waren, an zweiter Stelle standen Marillion, im Zenit ihrer Karriere. Doch es waren die damals noch kleineren Acts wie die gerade aufsteigenden Bon Jovi oder die noch nicht so bekannten Metallica, die ankündigten, wie die zweite Hälfte der 80er aussehen würde.

Andy Copping: 1985 sagten die Leute noch: „Warum spielt diese entsetzliche Thrash-Band beim Monsters Of Rock?“ Die hatte damals noch keine große Fanbase.

John Tucker: Metallica bekamen so einige Flaschen ab.

James Hetfield (Frontmann, Metallica, 1985 von der Bühne): Falls ihr gekommen seid, um Spandex und Eyeliner und den ganzen Scheiß zu sehen, und die Worte „Rock’n’Roll, Baby“ in jedem fucking Song, sind wir nicht die fucking Band für euch. Wir sind gekommen, um Schädel einzuschlagen.

Fish (Frontmann, Marillion): Da war ein Haufen Leute, die unbedingt in den Backstagebereich von Bon Jovi wollten, mehr als bei irgendjemandem sonst. Sie wurden damals als die größte Band angepriesen, die es je geben wird. Ich sah mir ihr Set eine Weile an und dachte: „Ich sehe da eigentlich nichts“.

John Tucker: Hinter den Kulissen gab es in dem Jahr wohl so einige Spannungen.

Fish: Das Management von ZZ Top hatte mehr oder weniger beschlossen, dass das Festival ihnen gehörte. Es war mehr wie ein Konzert von ZZ Top, bei dem alle anderen nur Vorgruppen waren, nicht das Monsters Of Rock Festival. Backstage war die Stimmung mies, denn sie hatten ihren eigenen Bereich, der von all diesen Schlägern bewacht wurde.

John Tucker: ZZ Top ließen tatsächlich ihr Auto [den „Eliminator“] über das Gelände fliegen, als Marillion spielten.

Fish: Ich war auf der Bühne und dachte: „Was zur Hölle ist das?“

John Tucker: Das war bizarr. Man sah recht oft Hubschrauber und fragte sich, wer da gerade kam oder abflog. Aber man sah sie nicht mit einem Auto, das von ihnen herabbaumelte.

Fish: War das Zufall? Nein, denn es sollte vor Beginn ihres Sets angeflogen kommen. Das sollte ihr großes Intro sein. Ich fand es einfach nur ein bisschen kindisch.

John Tucker: ZZ Top waren tatsächlich ziemlich gut. Sie hätten sich wirklich anstrengen müssen, um das zu verbocken.

Fish: ZZ Top … das war nicht so live, wie man glaubte. Da war jede Menge Backup-Zeug im Hintergrund. Wir gingen einfach da raus und spielten richtig live. Wir eroberten den Tag und verpassten ZZ Top auf jeden Fall ein blaues Auge.

Dank des wachsenden Einflusses von MTV waren Rock und Metal Mitte der 80er größer als je zuvor, und das Monsters Of Rock profitierte davon. 1986 war der wie neugeborene Ozzy Osbourne der Headliner, vor den Scorpions und Def Leppard – Letztere mit ihrem ersten großen Auftritt seit dem fast tödlichen Autounfall von Schlagzeuger Rick Allen 18 Monate zuvor. Im folgenden Jahr waren die jüngst zu Superstars aufgestiegenen Bon Jovi der Top-Act, unterstützt von Dio, Metallica, Anthrax, W.A.S.P. und Cinderella, doch das Line-up zeigte die großen Veränderungen auf, die sich in der Rockszene anbahnten.

Scott Ian: Ich hatte von diesem Ding namens Monsters Of Rock gehört, seit ich angefangen hatte, Kerrang! und Sounds zu lesen. Aber in unserer kleinen Welt in New York gab es nichts Vergleichbares.
Es schien uns wie ein Traum, eine Fantasie. Es hätte genauso gut der fucking Zauberer von Oz sein können.

John Tucker: 1987 wurde zu dieser großen Schlacht zwischen den Thrash und den Glam-Bands hochstilisiert – Anthrax und Metallica auf der einen, Cinderella, Bon Jovi und sogar W.A.S.P. auf der anderen Seite.

Scott Ian: Man versuchte, diesen Aspekt aufzublasen, aber ich sah das nie so.

John Tucker: Es gab einen gewissen Graben im Publikum. Die einen kamen für Anthrax und Metallica nach vorne und zogen sich dann bei Cinderella zurück, und umgekehrt.

Scott Ian: Bei [den Openern] Cinderella und W.A.S.P. regnete es in Strömen. Sobald W.A.S.P. von der Bühne gingen, verzogen sich die Wolken und das Wetter war wunderschön bei Anthrax, Metallica und Dio. Doch sobald Dio fertig waren, fing es bei Bon Jovi wieder zu regnen an. Mutter Natur muss Thrash Metal wirklich lieben.

Brian Tatler (Gitarrist, Diamond Head): Metallica luden mich zu ihrer Show in Donington ein. Wir sahen, wie sie [ihr Diamond-Head-Cover] ›Am I Evil?‹ spielten, und mein Kumpel Shaun tippte diesem Typen auf die Schulter, zeigte auf mich und sagte zu ihm: „Er hat das geschrieben“. Die Typ sah mich eine Sekunde an und sagte: „Ja, klar doch“, und headbangte weiter.

John Tucker: Aus Sicht der Veranstalter waren Bon Jovi riesig.

Scott Ian: Bon Jovi hatten backstage ihren eigenen Bereich. Unser Bassist Frankie [Bello] wurde aus dem Klo geschmissen, weil Jon zum Pissen gekommen war. Frankie war drin und dieser Security-Typ sagte: „Du musst abhauen“. Jon Bon Jovi stand draußen und wartete, um hineinzugehen. Er konnte nicht pissen, während da jemand anderes drin war.

John Tucker: Das Publikum war in dem Jahr definitiv anders, weiblicher. Je näher der Auftritt von Bon Jovi kam, desto größer wurde der Anteil an kreischenden, hohen Stimmen, was man in Donington normalerweise nicht zu hören bekam.

Andy Copping: Bon Jovi schrieben „Donington“ auf ihrem Banner falsch, das stand „Donnington“ mit zwei N.

John Tucker: Das war nicht irgendein Schriftzug auf einem Burger-Van, sondern quer über die ganze Bühne in riesigen Buchstaben. Jeder hätte dafür erschossen werden sollen.

Nachdem das Festival in seinen ersten acht Jahren immer größere Triumphe feierte, schien das Jahr 1988 zur absoluten Krönung zu werden. Die Organisatoren hatten nach mehreren Anfragen endlich Iron Maiden als Headliner an Land gezogen, Kiss und Dave Lee Roth waren weitere A-Listen-Stars und die Opener Helloween und die Thrash-Energiebündel Testament standen für eine neue Metal-Generation. Doch alle Augen waren auf die LA-Heißsporne Guns N’ Roses gerichtet, die im Sommer zuvor ihr Debüt APPETITE FOR DESTRUCTION veröffentlicht hatten und deren Karriere gerade in schwindelerregende Höhen kletterte. Und während ihrer Show wurde das, was ein weiterer Triumph hätte sein sollen, zu einer unvorstellbaren Tragödie.

David Ellefson: Hier eingeladen zu werden, das war die Topliga. Wir begegneten den Guns-N’-
Roses-Jungs zufällig an einer Autobahnraststätte auf dem Weg vom Flughafen Heathrow. Sie
waren nur für diese Show für einen Tag mit der Concorde eingeflogen. Sie waren genauso aufgeregt
wie wir.

John Tucker: Das Publikum war deutlich größer. Vielleicht waren sie für Guns N’ Roses gekommen.

Andy Copping: Offenbar kamen an dem Tag 20.000 Leute, die sich erst vor Ort noch eine Karte kauften.
Beim Download waren es noch nie mehr als 3.000. Ich kam spät an. Alle, die ich kannte, trafen sich immer hinter dem Mischpult, dem einen Fleck, wo man Platz hatte. Doch in jenem Jahr schaffte ich es nicht mal in die Nähe des Mischpults.

John Tucker: Helloween kamen und machten ihr Ding. Dann waren Guns N’ Roses dran. Sie kamen gut an. Zu gut.

https://youtube.com/watch?v=f9eLpbOqzQc

David Ellefson: Guns N’ Roses waren in Topform. Ich weiß noch, wie Slash zu seinem Verstärker
ging, einen Schluck Jack Daniel’s nahm, wieder nach vorne ging und absolut genial war.

John Tucker: Ihr Set war etwas durchwachsen, es beinhaltete viel langsames Material. Und das macht
Sinn – später sagten sie, dass sie versuchten, die Menge zu beruhigen.

David Ellefson: Ich erinnere mich, dass es ein Handgemenge im Publikum gab, als Guns spielten. Sie mussten ihre Show unterbrechen.

John Tucker: Sie sagten mehrmals, das Publikum solle zurückweichen.

Tim Parsons: Die Security sagte, dass da irgendwas los sei, und uns wurde klar, dass da gerade etwas
schiefläuft. Und dann wurde uns so richtig bewusst, dass es wirklich ernst war.

Andy Copping: Es war schrecklich. Die Leute ertranken im Matsch.

David Ellefson: Backstage ging das Gerücht um, dass ein paar Kids während des Sets von Guns N’Roses von der Menge erdrückt worden seien. Und dann hieß es, dass sie gestorben seien.

Tatsächlich waren zwei Fans während des Auftritts von Guns N’ Roses ums Leben gekommen: der 18-jährige Alan Dick und der 20-jährige Landon Siggers.

David Ellefson: Dave [Mustaine, Megadeth-Frontmann] und Chuck [Biehler, Schlagzeuger] mussten ein
Interview im Radio geben und wurden gebeten, nichts davon in der Sendung zu erwähnen: „Sagt kein Wort darüber“.

Tim Parsons: Da war ein besonders fieser Polizist, der davon sprach, die Show abzubrechen. Ich wies ihn darauf hin, dass dasselbe dann wieder passieren würde, nur diesmal mit dem gesamten Publikum, nicht nur einem Teil davon.

David Ellefson: Als nächste Band dran zu sein, war hart. Da ist gerade diese Tragödie passiert und du darfst sie nicht erwähnen. Wir wussten nicht, wie wir dieses Publikum unter Kontrolle bringen sollten. Es ist ein Festival, das ist nicht wirklich unsere Show, und es war unser erstes Mal vor so einer großen Menge. Zum Glück ist Dave wirklich gut in solchen Situationen. Er hat kein Problem damit, eine Show zu unterbrechen, wenn er denkt, dass da irgendjemand im Publikum verletzt werden würde oder dass die Security eingreifen müsse, um jemanden zu schützen.

Andy Copping: Man sollte nicht die Security-Leute vergessen, die an dem Tag in die Menge gehen mussten, um Leute herauszuziehen. Da ging es nicht darum, Crowdsurfer auf den Boden zu holen, sie mussten da rein, um Menschen das Leben zu retten.

John Tucker: Maiden drehten auf, wie sie das überall taten, aber natürlich war der Tag überschattet von dem, was zuvor passiert war.

Andy Copping: Du bist auf ein Festival gegangen, nachdem du dich monatelang darauf gefreut hast. Niemals hättest du dir vorgestellt, dass jemand verletzt wird, geschweige denn getötet. Das ist unbegreiflich.

Tim Parsons: Wir haben so viel aus jenem Jahr gelernt, und das ist jedem Konzert seither zugute gekommen. Nicht nur unserem, auch allen anderen.

Die tragischen Ereignisse von 1988 hinterließen eine Narbe in Donington, die nie mehr ganz verheilen sollte. Die Organisatoren zogen in Erwägung, das Festival komplett zu beenden. Stattdessen beschlossen sie, 1989 auszusetzen, einerseits als Würdigung für Alan Dick und Landon Siggers, andererseits, um sicherzustellen, dass neue Sicherheitsmaßnahmen ergriffen werden konnten, um zu verhindern, dass es jemals wieder zu so einer Katastrophe kommen kann. Als MOR dann am 18. August 1990 wieder stattfand, eröffneten die rapide aufsteigenden Bluesrocker von Thunder.

Tim Parsons: Thunder machten sich mit ihrem Set ihren Namen.

Luke Morley (Gitarrist, Thunder): Spürten wir den Druck? Oh Gott, ja. Doch sobald wir auf die Bühne gingen und Danny [Bowes, Sänger] den Mund aufmachte, wusste ich, dass alles gut werden würde. Das waren die kürzesten 40 Minuten meines Lebens. Wir kamen alle von der Bühne und sagten: „Fuck, das war gut, oder?“

Tim Parsons: Es war das erste Jahr, in dem das Festival live auf Radio 1 übertragen wurde. Ein großer Moment, denn Radio 1 war normalerweise sehr Anti-Rockmusik. [Radio-1-Direktor] Johnny Beerling sagte: „Wenn David Coverdale noch einmal ‚fuck‘ sagt, breche ich die Übertragung ab“.

Andy Copping: Monsters Of Rock hatte Anfang der 90er definitiv einige großartige Bands und Momente. Skid Row waren 1992 überragend. Doch rückblickend betrachtet war das der Anfang vom Ende.

John Tucker: In den letzten Jahren gab es zwei Bühnen – eine für aufstrebende Acts. Das veränderte die
Atmosphäre. Mir gefielen die Zeiten, als man sechs oder sieben Bands auf einer Bühne sah und dann nach Hause fuhr.

Die Musiklandschaft veränderte sich und das Monsters Of Rock tat sich schwer damit. Neuere Stars wie Rage Against The Machine und Nirvana traten nie dort auf (Copping sagt, sie „wollten nicht mit etwas in Verbindung gebracht werden, das Monsters Of Rock hieß“) und die Auswahl an potenziellen Headlinern schrumpfte. Das letzte MOR fand 1996 statt, mit Kiss und Ozzy Osbourne als Co-Headlinern.

Tim Parsons: Fiel es uns schwer, den Schlussstrich zu ziehen? Natürlich. Das MOR bedeutete sehr vielen
Menschen eine ganze Menge.

John Tucker: Es war eine Pilgerfahrt. Man fror, war tropfnass und sagte sich: „Das tu ich mir nie wieder an“. Und dann trottete man Richtung Busparkplatz und sagte: „Wer spielt nächstes Jahr?“

Brian Tatler: Andere Festivals haben diesem viel zu verdanken. Sie kopierten diese Blaupause.

Fish: Das war nicht so straff durchorganisiert wie die Festivals von heute. Es war ein wunderschönes Chaos.

Andy Copping: Ich habe immer gesagt, dass das Download [das erstmals 2003 stattfand] der Bastard des Monsters Of Rock ist. Ohne jeden Zweifel.

Lips: Ich war in einer der Bands, die beim Monsters Of Rock spielten, und das werde ich immer sein. Das kann nicht jeder von sich sagen. Es ist ein Teil der Metal-Geschichte und ich war ein Teil davon.

David Ellefson: Es war das Größte der Großen, das Beste der Besten. Der Name sagt alles: Er ist unheimlich, er ist dämonisch, er beinhaltet das Wort „Rock“.

Dave Hill: Letzten Endes sind wir alle „monsters of rock“.

Joanne Shaw Taylor: Elf Cover auf THE BLUES ALBUM

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Joanne Shaw Taylor, das junge, britische Blueswunder, veröffentlicht ihr sechstes Studioalbum im September.

Nachdem sie im Pandemiejahr bereits eine EP veröffentlicht hat, legt Taylor jetzt mit einer Cover-Platte nach. Selbst sagt sie dazu: „Ich wusste schon zu Beginn meiner Karriere, dass ich eines Tages ein Album mit Blues-Covern aufnehmen wollte, ich war mir nur nicht sicher, wann der richtige Zeitpunkt dafür sein würde“.

Nach der ersten Single ›If That Ain’t The Reason‹ bekommt man nun einen weiteren Vorgeschmack mit ›Let Me Down Easy‹, dem achten Song des Albums. Produziert wurde es von Joe Bonamassa, der zu der ungewöhnlichen Songauswahl von vielen B-Seiten und unbekannteren Tracks sagt: „Wir versuchen, nicht die ausgetretenen Pfade des Blues zu gehen.“ Selbst zu hören ist er auch auf ›Don’t Go Away Mad‹.

Aufgenommen wurde die Platte in Nashville und wird am 24. September auf Bonamassas Blues-Label KTBA Records veröffentlicht.

The Mighty Mighty Bosstones: Besser als die Dropkick Murphys

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Richard „Dicky“ Barrett ist ein Bostoner Urgestein. Der Sänger der Mighty Mighty Bosstones ist der Stadt an der Ostküste tief verbunden. Dabei lebt der 55-Jährige gar nicht mehr dort, sondern in Los Angeles, wo er schon seit Langem für die TV-Latenight-Show „Jimmy Kimmel Live!“ arbeitet. Durch seine Band bleibt Barrett seiner Heimat jedoch nah. Mit der Skacore-Institution bringt er dieser Tage das Album WHEN GOD WAS GREAT heraus.

Das elfte Studiowerk überzeugt durch seine gewohnt charmante Mischung aus knackigen Bläsereinsätzen und messerscharfen Gitarrenriffs auf der einen, und ruhigeren, fast schon sentimentalen Nummern auf der anderen Seite. „Ich bin total zufrieden mit WHEN GOD WAS GREAT. Ich lobe natürlich alle unsere Alben, bevor sie veröffentlicht werden. Manchmal habe ich mich allerdings schon geirrt. Dieses Mal aber nicht“, stellt der Frontmann unumstößlich fest.

Wie für viele andere Bands auch, bedeuteten die Aufnahmen eine Art Beschäftigungstherapie
während der Pandemie. „Durch den Lockdown konnte man nirgendwo hingehen. Somit verbrachten wir mehr Zeit im Studio. Das ist bei weitem besser als die ganze Zeit Videospiele zu zocken oder Netflix-Serien zu schauen“, erklärt Barrett. Ging das Songwriting zunächst nur gemächlich voran, löste Corona bei den Bosstones einen plötzlichen Kreativitätsschub aus. „Wir sprachen dann mit Brett Gurewitz
von Epitaph Records über ein neues Album. Schließlich sind wir schnell ins Studio gegangen und haben mit unserem langjährigen Produzenten Ted Hutt und Tim Armstrong von Rancid das Album produziert.“

Gastmusiker sind bei den Bosstones nichts Ungewöhnliches. Dieses Mal wirkten aber insgesamt 31 Personen aus der Ska-, Punk- und Hardcoreszene von Bands wie den Toasters, Stiff Little Fingers,
Madball, H2O oder Murphy’s Law mit. Pikanterweise kommen viele der Musiker aus New York. Zwischen dem Big Apple und Boston besteht seit jeher eine gewisse Rivalität – besonders im Hardcore. Für Dicky ist das kein Problem. „Ich liebe sie alle. Mit Murphy’s Law waren wir auf unserer allerersten Tour zusammen. Wir sind mit ihnen in einem Van durch die USA gereist. Die Toasters sind eine absolute Ska-
Legende. Aus dieser Rivalität machen wir uns einfach einen Spaß. Mir ist es egal, wo jemand herkommt, welche Hautfarbe er hat oder welche sexuellen Vorlieben. Mir geht es darum, die Menschen zusammenzuzubringen“, verdeutlicht er.

Eng verbunden ist der Vorzeige-Bosstone auch mit den Jungs des Stadtrivalen Dropkick Murphys, dessen Sänger Al Barr während des Interviews versucht, seinen Kumpel Dicky anzurufen. Die Punkrocker mit den irischen Folkeinflüssen haben fast zeitgleich mit den Mighty Mighty Bosstones ihr neues Album herausgebracht. Barrett hat es schon gehört. Sein Urteil: „Unseres ist auf jeden Fall besser. Schreib
das bitte genau so“. Dabei kann er sich ein Lachen nicht verkneifen.

Neben fröhlichen Nummern, die sofort ins Tanzbein gehen, gibt es auf WHEN GOD WAS GREAT auch nachdenkliche Stücke wie ›The Killing Of Geordie (Part III)‹, das den Mord an George Floyd als Aufhänger benutzt. „Es geht darum, dass uns aktuell Führungspersönlichkeiten wie Martin Luther King fehlen. Er war ein großartiger Mann. Oder Robert F. Kennedy, der eine tolle Rede nach dem Mord an seinem Bruder John F. Kennedy gehalten hat. Es ist traurig, dass wir aus der Geschichte nichts gelernt haben und uns solche Menschen fehlen, die uns durch so schwere Zeiten helfen“, erklärt der Bosstones-Sänger. Immerhin gibt es so coole Bands wie die Mighty Mighty Bosstones, die in tristen Corona-Zeiten für Abwechslung sorgen.

Text: Matthias Bossaller

Monsters Of Rock: Feld der Träume – Teil 2

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Die Befürchtungen der Organisatoren, dass dieses brandneue Festival zu einer Katastrophe werden könnte, erwiesen sich als unbegründet. Das erste Monsters Of Rock war ein Riesenerfolg. So sehr, dass ein weiteres für das kommende Jahr geplant wurde. AC/DC, auf einem absoluten Höhenflug nach dem Erfolg von BACK IN BLACK, wurden für 1981 als Headliner gebucht, unterstützt von Whitesnake, Blue Öyster Cult, Slade, Blackfoot und vielen mehr.

Dave Hill (Gitarrist, Slade): Maurice Jones rief uns an und sagte: „Ich denke, ihr solltet da dabei sein. Wir haben AC/DC und wir erwarten ein riesiges Publikum“. Und er übertrieb damit nicht, das war verdammt noch mal gigantisch. Man konnte nicht mal das Ende sehen.

Bernie Marsden: Ich denke nicht, dass irgendjemand darauf vorbereitet sein konnte, wie groß das Publikum war. Man ging da raus und dann war da dieses Meer aus Jeans und Leder, so weit das Auge
reicht. Ich weiß noch, wie ich zwischen den Monitorboxen am Bühnenrand nach vorne ging, nach
links und rechts blickte und diese riesige Menge sah.

Andy Copping: Slade waren im Jahr davor in Reading aufgetreten und waren absolut brillant gewesen. In
Donington waren sie nicht ganz so gut, aber immer noch gut.

Dave Hill: Wir schossen immer lange Papierbahnen in die Menge, und die Leute warfen sie dann zurück. Wir dachten: „Für ein Publikum von dieser Größe werden wir verdammt viele Rollen Klopapier brauchen“. Also schickten wir die Roadies in den Supermarkt, um so viele zu besorgen, wie sie kriegen konnten.

Andy Copping: Natürlich spielten sie ihren Weihnachtssong. Den mitten im August zu hören, gesungen
von 80.000 Heavy-Metal-Fans, das war schon ein Erlebnis.

Dave Hill: Blue Öyster Cult mussten nach uns ran. Das war wahrscheinlich nicht gut für sie.

Bernie Marsden: Blue Öyster Cult schienen die Reihenfolge nicht zu verstehen und hielten sich wahrscheinlich für wichtiger in diesem Line-up, als sie es tatsächlich waren.

Eric Bloom (Sänger/Gitarrist, Blue Öyster Cult): AC/DC hatten irgendwo in den USA für uns eröffnet und waren sauer, dass sie nicht die volle Licht- und Soundanlage bekamen oder was auch immer. Also rächten sie sich dafür an uns bei diesem Festival. Sie erlaubten mir nicht, mit dem Motorrad auf die Bühne zu fahren, und unser Tontechniker sagte, die Anlage sei sabotiert worden. Wir hätten genauso gut einfach nur ›Reaper‹ spielen und wieder abhauen können, denn es konnte sowieso niemand hören, was wir da taten.

Bernie Marsden: Maurice hatte Plaketten des Posters anfertigen lassen und sie allen Bandmitglieder
geschenkt, mit allen Namen darauf und der Widmung: „From Maurice, with love“. Blue Öyster Cult machten eine Riesenszene vor ihrem Wohnwagen, wo zwei oder drei von ihnen auf ihrer Plakette herumtrampelten: „Wir wollen das nicht“.

Eric Bloom: Ich war sauer. Jung und aufgeblasen. Ich nahm die Plakette, legte sie auf einen Stein, rief alle Fotografen vor Ort herbei und sagte: „Hier habt ihr ein gutes Bild“. Dann legte ich los und zertrampelte das Ding.

Bernie Marsden: Bei uns und AC/DC gab es nie dieses „Macht das mal besser“. Ich weiß noch, als wir von der Bühne kamen und ich durch den Backstagebereich lief: Malcolm Young kam mir entgegen, hielt den Daumen hoch und grinste, als wollte er zu mir sagen: „Ihr lasst uns wieder aufspielen, oder?“

Brian Johnson (Frontmann, AC/DC): Wir schissen uns in die Hosen. „Fuck, wir haben dies und das nicht gespielt! Wir haben nichts geprobt!“

Bernie Marsden: Niemand übertrumpfte AC/DC. Nicht mal ansatzweise. Als diese Glocke zu läuten begann und sie auf die Bühne gingen, stand alles unter Strom.

Andy Copping: Wenn eine Band der Inbegriff des Monsters Of Rock ist, dann AC/DC. Oder Metallica. Aber wann immer AC/DC nach Donington zurückkehrten, waren sie immer die Headliner. Nach zwei erfolgreichen Jahren hatte sich Donington als die Heimat von Hardrock und Heavy Metal etabliert. Die Entscheidung, die Boogie-Schlachtrösser Status Quo als Headliner für 1982 zu buchen, war also ziemlich kontrovers – und schlug sich in den Ticketverkäufen nieder.

Alan Lancaster (Bassist, Status Quo): Es war etwas verwirrend – es hieß Monsters Of Rock, aber wir waren sicher keine Heavy-Metal-Band. Und es war ein hässlicher Tag, windig und ein bisschen regnerisch.

Steve „Lips“ Kudlow (Frontmann, Anvil): Als man uns sagte, wir würden 1982 das Monsters Of Rock eröffnen, dachte ich, das würde der Moment werden, der mein Leben verändern wird. Ich glaube, wir waren keine drei Sekunden auf der Bühne, bevor die Luft voller Erdbrocken und Pisseflaschen war. Wir sahen einander an und dachten: „Was zur Hölle ist hier los?“

Andy Copping: Flaschenbombardements waren in Donington eine Art Initiationsritual.

Tim Parsons: April Wine im ersten Jahr waren die ersten, die das Werfen von Pisseflaschen abbekamen.

Andy Copping: Man wusste nie, was in den Flaschen war. Man wollte so oder so nicht von ihnen getroffen
werden, weil es weh tat. Und man wollte nicht von einer Flasche ohne Verschluss getroffen werden, weil das dann überall hinspritzte.

David Ellefson: Wenn du auf der Bühne stehst, siehst du diese rotierenden Flaschen auf dich zu fliegen, mit diesen großen, vier Meter breiten, kreisförmigen Pissefontänen, die aus ihnen herausschießen.

Lars Ulrich (Schlagzeuger, Metallica): Als wir 1985 das erste Mal beim Monsters Of Rock in Donington spielten, wurde während unseres Sets ein Schweinekopf auf die Bühne geworfen. Erst mal musst du einen Schweinekopf besorgen … Dann musst du ihn auf das Gelände bringen … Und dann musst du nach vorne kommen. Und irgendwann musst du den Schweinekopf dann so auf die Bühne werfen, dass er nahe beim Sänger landet.

Scott Ian (Gitarrist, Anthrax): Als wir 1987 auftraten, hatten wir von Metallica schon davon gehört, dass man dort beworfen wird. Sie sagten uns: „Reagiert einfach gar nicht darauf. Wenn ihr euch davon stören lasst, werten sie das als Schwäche und werfen noch mehr Zeug“.

David Ellefson: Ich weiß noch, als wir spielten, musste ich meinen Bass als eine Art Stock und Schwert einsetzen, um mich gegen Matschbrocken und Pisseflaschen zu verteidigen.

Scott Ian: Ich kann einer Pisseflasche, die aus hunderten Metern Entfernung angeflogen kommt, ziemlich
leicht ausweichen.

Andy Copping: Der schlimmste Flaschenregen? Bad News, 1986. Sie provozierten das aktiv und die
Bühne sah furchtbar aus, als sie spielten. Ich liebte ›The Young Ones‹ und Bad News, aber sie
hätten trotzdem nicht auf dieser Bühne stehen sollen.

Lips: Für uns war es ziemlich übel, als wir auftraten. Ich war einfach nur erleichtert, als wir es hinter uns hatten. Wir kamen von der Bühne und waren gerade gestorben.

Alan Lancaster: Niemand bewarf uns mit Flaschen. Wir sagten: „Wir werden alle in Stimmung dafür bringen“, und rackerten uns den Arsch ab. Nachdem die Leute im Regen gestanden waren und fucking Hawkwind über sich hatten ergehen lassen, fanden wir, dass sie sich etwas Gutes verdient hatten.

Das Line-up von 1983 mit den wiederkehrenden Whitesnake als Headlinern brachte das Schiff wieder auf Kurs, doch 1984 wurde zu dem Jahr, das später als der Zenit des Monsters Of Rock gelten sollte. AC/DC waren erneut der Top-Act, doch alle Augen waren auf zwei Bands aus Kalifornien gerichtet: die unmittelbar vor AC/DC auftretenden Van Halen und die Opener Mötley Crüe.

Tim Parsons: Es war mittlerweile weltweit unglaublich gut etabliert, weshalb Mötley Crüe mit der Concorde einflogen, um ihre Show zu spielen, und gleich wieder zurückflogen.

John Tucker (Fan und Autor von „Monsters Of Rock: The History Of Donington“): Die Hälfte der Leute freuten sich wirklich auf Mötley Crüe, die andere Hälfte hielt sie für nichts als geschminkte Poser und war bereit, sie zu bewerfen.

Vince Neil (Frontmann, Mötley Crüe): Wir waren damals noch Kids und total außer Kontrolle. Das war die Zeit, in der wir noch bissen. Wir rannten auf der Bühne herum, schnappten uns beliebige Leute und bissen sie. Es war egal, wer das war oder wo wir sie bissen! Ich biss Eddie Van Halen in die Hand. Er war ganz schön sauer.

Nikki Sixx (Bassist, Mötley Crüe): Wir liebten AC/DC.

Vince Neil: Ich kann mich erinnern, dass Nikki nahe bei Malcolm Young stand. Malcolm muss etwas Fieses zu Nikki gesagt haben, denn plötzlich ging Nikki Malcolm an die Gurgel und hob ihn von den Füßen gegen die Wand! Und ich weiß noch, wie man uns sagte, dass wir als Opener mit Pisseflaschen beworfen werden würden. Ich ging dann zum Scherz mit einem Schutzhelm auf die Bühne.

Mick Mars (Gitarrist, Mötley Crüe): Nikki bekam einen Becher voll Pisse in die Fresse. Und Tommy hatte
diesen Augapfel auf seiner Kickdrum.

Tommy Lee: Ich glaube, es war ein Kuh- oder ein Pferdeauge, ich weiß es nicht. Die sehen alle gleich aus. Ich habe schon seltsames Zeug auf die Bühne fliegen sehen, von Dartpfeilen zu Messern. Aber ein Kuhauge? Okay, ihr gewinnt. Ihr Briten seid offiziell Weirdos.

John Tucker: Mötley Crüe waren grandios. Sie kamen eine halbe Stunde vor ihrer geplanten Zeit auf die
Bühne und machten keine Gefangenen. 30, 40 Minuten ohne Firlefanz. Van Halen waren das genaue Gegenteil. Sie waren furchtbar.

Andy Copping: Van Halen zerfielen damals gerade. Dave Lee Roth hatte backstage seine eigene Garderobe, weil der Rest der Band nichts mit ihm zu tun haben wollte.

John Tucker: Sie spulten einfach ihr Programm ab. Ein Schlagzeugsolo im zweiten Song, Dave Lee Roth, der einfach rumalberte und seine üblichen Bühnengags brachte.

Andy Copping: Sein Geplänkel war super: „Streckt mir nur die Zunge raus, wenn ihr sie auch benutzen werdet“, „wenn du anfängst, mich zu beleidigen, komme ich da runter und ficke deine Freundin“ … All
die Sachen, die er schon seit Jahren sagte. Und wahrscheinlich immer noch sagt.

Bernie Marsden: Ich war in dem Jahr dort und stand mit Gary Moore [ebenfalls im Line-up von 1984] am
Bühnenrand, als Eddie spielte. Gary wusste von ihm, aber hatte ihn noch nie gesehen. Eddie war richtig
in Fahrt, ich sah mich nach dem zweiten oder dritten Song um und sah, wie Gary die Kinnlade runtergeklappt war. Er sagte zu mir: „Ich wusste nicht, dass er SO gut ist“. Und das von Gary Moore!

Andy Copping: Niemand spricht je darüber, wie umwerfend Ozzy in dem Jahr war. Er stand an dritter Stelle, aber er war unglaublich.

John Tucker: Ozzy war hervorragend. Ein Jahr zuvor hatte er in halbleeren Hallen gespielt. Plötzlich kam
er raus und lieferte diese großartige Performance ab. Ein paar Jahre später [1986] kam er dann als Headliner zurück. Er kam auf einem Thron sitzend von oben herabgeflogen. Damit sagte er: „Ich bin der Headliner, ich kann machen, was ich will“.