Monsters Of Rock: Feld der Träume – Teil 2

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Monsters Of Rock: Feld der Träume – Teil 2

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Die Befürchtungen der Organisatoren, dass dieses brandneue Festival zu einer Katastrophe werden könnte, erwiesen sich als unbegründet. Das erste Monsters Of Rock war ein Riesenerfolg. So sehr, dass ein weiteres für das kommende Jahr geplant wurde. AC/DC, auf einem absoluten Höhenflug nach dem Erfolg von BACK IN BLACK, wurden für 1981 als Headliner gebucht, unterstützt von Whitesnake, Blue Öyster Cult, Slade, Blackfoot und vielen mehr.

Dave Hill (Gitarrist, Slade): Maurice Jones rief uns an und sagte: „Ich denke, ihr solltet da dabei sein. Wir haben AC/DC und wir erwarten ein riesiges Publikum“. Und er übertrieb damit nicht, das war verdammt noch mal gigantisch. Man konnte nicht mal das Ende sehen.

Bernie Marsden: Ich denke nicht, dass irgendjemand darauf vorbereitet sein konnte, wie groß das Publikum war. Man ging da raus und dann war da dieses Meer aus Jeans und Leder, so weit das Auge
reicht. Ich weiß noch, wie ich zwischen den Monitorboxen am Bühnenrand nach vorne ging, nach
links und rechts blickte und diese riesige Menge sah.

Andy Copping: Slade waren im Jahr davor in Reading aufgetreten und waren absolut brillant gewesen. In
Donington waren sie nicht ganz so gut, aber immer noch gut.

Dave Hill: Wir schossen immer lange Papierbahnen in die Menge, und die Leute warfen sie dann zurück. Wir dachten: „Für ein Publikum von dieser Größe werden wir verdammt viele Rollen Klopapier brauchen“. Also schickten wir die Roadies in den Supermarkt, um so viele zu besorgen, wie sie kriegen konnten.

Andy Copping: Natürlich spielten sie ihren Weihnachtssong. Den mitten im August zu hören, gesungen
von 80.000 Heavy-Metal-Fans, das war schon ein Erlebnis.

Dave Hill: Blue Öyster Cult mussten nach uns ran. Das war wahrscheinlich nicht gut für sie.

Bernie Marsden: Blue Öyster Cult schienen die Reihenfolge nicht zu verstehen und hielten sich wahrscheinlich für wichtiger in diesem Line-up, als sie es tatsächlich waren.

Eric Bloom (Sänger/Gitarrist, Blue Öyster Cult): AC/DC hatten irgendwo in den USA für uns eröffnet und waren sauer, dass sie nicht die volle Licht- und Soundanlage bekamen oder was auch immer. Also rächten sie sich dafür an uns bei diesem Festival. Sie erlaubten mir nicht, mit dem Motorrad auf die Bühne zu fahren, und unser Tontechniker sagte, die Anlage sei sabotiert worden. Wir hätten genauso gut einfach nur ›Reaper‹ spielen und wieder abhauen können, denn es konnte sowieso niemand hören, was wir da taten.

Bernie Marsden: Maurice hatte Plaketten des Posters anfertigen lassen und sie allen Bandmitglieder
geschenkt, mit allen Namen darauf und der Widmung: „From Maurice, with love“. Blue Öyster Cult machten eine Riesenszene vor ihrem Wohnwagen, wo zwei oder drei von ihnen auf ihrer Plakette herumtrampelten: „Wir wollen das nicht“.

Eric Bloom: Ich war sauer. Jung und aufgeblasen. Ich nahm die Plakette, legte sie auf einen Stein, rief alle Fotografen vor Ort herbei und sagte: „Hier habt ihr ein gutes Bild“. Dann legte ich los und zertrampelte das Ding.

Bernie Marsden: Bei uns und AC/DC gab es nie dieses „Macht das mal besser“. Ich weiß noch, als wir von der Bühne kamen und ich durch den Backstagebereich lief: Malcolm Young kam mir entgegen, hielt den Daumen hoch und grinste, als wollte er zu mir sagen: „Ihr lasst uns wieder aufspielen, oder?“

Brian Johnson (Frontmann, AC/DC): Wir schissen uns in die Hosen. „Fuck, wir haben dies und das nicht gespielt! Wir haben nichts geprobt!“

Bernie Marsden: Niemand übertrumpfte AC/DC. Nicht mal ansatzweise. Als diese Glocke zu läuten begann und sie auf die Bühne gingen, stand alles unter Strom.

Andy Copping: Wenn eine Band der Inbegriff des Monsters Of Rock ist, dann AC/DC. Oder Metallica. Aber wann immer AC/DC nach Donington zurückkehrten, waren sie immer die Headliner. Nach zwei erfolgreichen Jahren hatte sich Donington als die Heimat von Hardrock und Heavy Metal etabliert. Die Entscheidung, die Boogie-Schlachtrösser Status Quo als Headliner für 1982 zu buchen, war also ziemlich kontrovers – und schlug sich in den Ticketverkäufen nieder.

Alan Lancaster (Bassist, Status Quo): Es war etwas verwirrend – es hieß Monsters Of Rock, aber wir waren sicher keine Heavy-Metal-Band. Und es war ein hässlicher Tag, windig und ein bisschen regnerisch.

Steve „Lips“ Kudlow (Frontmann, Anvil): Als man uns sagte, wir würden 1982 das Monsters Of Rock eröffnen, dachte ich, das würde der Moment werden, der mein Leben verändern wird. Ich glaube, wir waren keine drei Sekunden auf der Bühne, bevor die Luft voller Erdbrocken und Pisseflaschen war. Wir sahen einander an und dachten: „Was zur Hölle ist hier los?“

Andy Copping: Flaschenbombardements waren in Donington eine Art Initiationsritual.

Tim Parsons: April Wine im ersten Jahr waren die ersten, die das Werfen von Pisseflaschen abbekamen.

Andy Copping: Man wusste nie, was in den Flaschen war. Man wollte so oder so nicht von ihnen getroffen
werden, weil es weh tat. Und man wollte nicht von einer Flasche ohne Verschluss getroffen werden, weil das dann überall hinspritzte.

David Ellefson: Wenn du auf der Bühne stehst, siehst du diese rotierenden Flaschen auf dich zu fliegen, mit diesen großen, vier Meter breiten, kreisförmigen Pissefontänen, die aus ihnen herausschießen.

Lars Ulrich (Schlagzeuger, Metallica): Als wir 1985 das erste Mal beim Monsters Of Rock in Donington spielten, wurde während unseres Sets ein Schweinekopf auf die Bühne geworfen. Erst mal musst du einen Schweinekopf besorgen … Dann musst du ihn auf das Gelände bringen … Und dann musst du nach vorne kommen. Und irgendwann musst du den Schweinekopf dann so auf die Bühne werfen, dass er nahe beim Sänger landet.

Scott Ian (Gitarrist, Anthrax): Als wir 1987 auftraten, hatten wir von Metallica schon davon gehört, dass man dort beworfen wird. Sie sagten uns: „Reagiert einfach gar nicht darauf. Wenn ihr euch davon stören lasst, werten sie das als Schwäche und werfen noch mehr Zeug“.

David Ellefson: Ich weiß noch, als wir spielten, musste ich meinen Bass als eine Art Stock und Schwert einsetzen, um mich gegen Matschbrocken und Pisseflaschen zu verteidigen.

Scott Ian: Ich kann einer Pisseflasche, die aus hunderten Metern Entfernung angeflogen kommt, ziemlich
leicht ausweichen.

Andy Copping: Der schlimmste Flaschenregen? Bad News, 1986. Sie provozierten das aktiv und die
Bühne sah furchtbar aus, als sie spielten. Ich liebte ›The Young Ones‹ und Bad News, aber sie
hätten trotzdem nicht auf dieser Bühne stehen sollen.

Lips: Für uns war es ziemlich übel, als wir auftraten. Ich war einfach nur erleichtert, als wir es hinter uns hatten. Wir kamen von der Bühne und waren gerade gestorben.

Alan Lancaster: Niemand bewarf uns mit Flaschen. Wir sagten: „Wir werden alle in Stimmung dafür bringen“, und rackerten uns den Arsch ab. Nachdem die Leute im Regen gestanden waren und fucking Hawkwind über sich hatten ergehen lassen, fanden wir, dass sie sich etwas Gutes verdient hatten.

Das Line-up von 1983 mit den wiederkehrenden Whitesnake als Headlinern brachte das Schiff wieder auf Kurs, doch 1984 wurde zu dem Jahr, das später als der Zenit des Monsters Of Rock gelten sollte. AC/DC waren erneut der Top-Act, doch alle Augen waren auf zwei Bands aus Kalifornien gerichtet: die unmittelbar vor AC/DC auftretenden Van Halen und die Opener Mötley Crüe.

Tim Parsons: Es war mittlerweile weltweit unglaublich gut etabliert, weshalb Mötley Crüe mit der Concorde einflogen, um ihre Show zu spielen, und gleich wieder zurückflogen.

John Tucker (Fan und Autor von „Monsters Of Rock: The History Of Donington“): Die Hälfte der Leute freuten sich wirklich auf Mötley Crüe, die andere Hälfte hielt sie für nichts als geschminkte Poser und war bereit, sie zu bewerfen.

Vince Neil (Frontmann, Mötley Crüe): Wir waren damals noch Kids und total außer Kontrolle. Das war die Zeit, in der wir noch bissen. Wir rannten auf der Bühne herum, schnappten uns beliebige Leute und bissen sie. Es war egal, wer das war oder wo wir sie bissen! Ich biss Eddie Van Halen in die Hand. Er war ganz schön sauer.

Nikki Sixx (Bassist, Mötley Crüe): Wir liebten AC/DC.

Vince Neil: Ich kann mich erinnern, dass Nikki nahe bei Malcolm Young stand. Malcolm muss etwas Fieses zu Nikki gesagt haben, denn plötzlich ging Nikki Malcolm an die Gurgel und hob ihn von den Füßen gegen die Wand! Und ich weiß noch, wie man uns sagte, dass wir als Opener mit Pisseflaschen beworfen werden würden. Ich ging dann zum Scherz mit einem Schutzhelm auf die Bühne.

Mick Mars (Gitarrist, Mötley Crüe): Nikki bekam einen Becher voll Pisse in die Fresse. Und Tommy hatte
diesen Augapfel auf seiner Kickdrum.

Tommy Lee: Ich glaube, es war ein Kuh- oder ein Pferdeauge, ich weiß es nicht. Die sehen alle gleich aus. Ich habe schon seltsames Zeug auf die Bühne fliegen sehen, von Dartpfeilen zu Messern. Aber ein Kuhauge? Okay, ihr gewinnt. Ihr Briten seid offiziell Weirdos.

John Tucker: Mötley Crüe waren grandios. Sie kamen eine halbe Stunde vor ihrer geplanten Zeit auf die
Bühne und machten keine Gefangenen. 30, 40 Minuten ohne Firlefanz. Van Halen waren das genaue Gegenteil. Sie waren furchtbar.

Andy Copping: Van Halen zerfielen damals gerade. Dave Lee Roth hatte backstage seine eigene Garderobe, weil der Rest der Band nichts mit ihm zu tun haben wollte.

John Tucker: Sie spulten einfach ihr Programm ab. Ein Schlagzeugsolo im zweiten Song, Dave Lee Roth, der einfach rumalberte und seine üblichen Bühnengags brachte.

Andy Copping: Sein Geplänkel war super: „Streckt mir nur die Zunge raus, wenn ihr sie auch benutzen werdet“, „wenn du anfängst, mich zu beleidigen, komme ich da runter und ficke deine Freundin“ … All
die Sachen, die er schon seit Jahren sagte. Und wahrscheinlich immer noch sagt.

Bernie Marsden: Ich war in dem Jahr dort und stand mit Gary Moore [ebenfalls im Line-up von 1984] am
Bühnenrand, als Eddie spielte. Gary wusste von ihm, aber hatte ihn noch nie gesehen. Eddie war richtig
in Fahrt, ich sah mich nach dem zweiten oder dritten Song um und sah, wie Gary die Kinnlade runtergeklappt war. Er sagte zu mir: „Ich wusste nicht, dass er SO gut ist“. Und das von Gary Moore!

Andy Copping: Niemand spricht je darüber, wie umwerfend Ozzy in dem Jahr war. Er stand an dritter Stelle, aber er war unglaublich.

John Tucker: Ozzy war hervorragend. Ein Jahr zuvor hatte er in halbleeren Hallen gespielt. Plötzlich kam
er raus und lieferte diese großartige Performance ab. Ein paar Jahre später [1986] kam er dann als Headliner zurück. Er kam auf einem Thron sitzend von oben herabgeflogen. Damit sagte er: „Ich bin der Headliner, ich kann machen, was ich will“.

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