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Start Blog Seite 274

Jason Isbell & The 400 Unit: GEORGIA BLUE

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Georgia ist blau, Trump aus dem Weißen Haus und Jason Isbell & Co. aus dem Häuschen: politisch aufgeladene
Americana

Die Country-Szene ist, wie die gesamten Südstaaten, reaktionär, Trump-hörig und stramm republikanisch? Nicht ganz offenbar, wie Jason Isbell, der ungekrönte Americana-König mit seiner
On-Off-Band The 400 Unit gerade beweist: GEORGIA BLUE heißt deren neues Album, und wer sich nur ein bisschen mit der Weltpolitik auskennt, weiß, dass „Blue“ für die Demokraten in den USA steht. Als sich bei der letzten Präsidentenwahl abzeichnete, dass der Staat Georgia den Demokraten zufällt, war – so heißt es – Jason Isbell darüber so begeistert, dass er die Idee zu diesem Album hatte: „Es sollte ein Dankeschön an Georgia werden.“

Mit Songs aus Georgia. Isbells Lieblingssongs, versteht sich. Also covern Isbell und seine Getreuen beispielsweise stilübergreifend den Otis-Redding-Klassiker ›I’ve Been Loving You Too Long‹, ›Sometimes Salvation‹ von The Black Crowes, ›It’s A Man’s, Man’s World‹ von James Brown, die R.E.M.-Songs ›Nightswimming‹ und ›Driver 8‹ oder ›In Memory Of Elizabeth Reed‹ aus dem Allman-Brothers-Katalog. Da sie das zum einen vorzüglich, zum anderen höchst originell nach Americana-Lesart machen und dazu eine Reihe von Stargästen auffahren (darunter Chris Thile, John Paul White und Brandi Carlile) ist das Album nicht nur ein politisches Statement, es bietet auch klasse Musik.

Monster Truck: Kritik für fragwürdige Kollaboration mit Kid Rock

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Kid Rock hat sich den Monster-Truck-Song ›Don’t Tell Me How To Live‹ vorgeknöpft und eine eher fragwürdige Version daraus gebastelt. Dass Kid Rock – Waffenfanatiker, Trump-Freund, Corona-Skeptiker und Gegner der Black-Lives-Matter-Bewegung – kein sanftes Friedenslied veröffentlichen würde, war klar, dass Monster Trucks Frontmann Jon Harvey mit ihm gemeinsame Sache machen würde, für viele Fans nicht.

Der Song feindet alle „Snowflakes“ an, also Menschen, die laut Kid Rock übersensibel sind und denken, sie würden eine besondere Behandlung verdienen. Ein Rundumschlag gegen alle, die sich in den letzten Jahren für politische Korrektheit einsetzen, gegen „offended millenials“ und „woke“ Jugendliche.

Kurz nach Veröffentlichung des Videos, in dem sich Kid Rock und Harvey in dicken Pelzen mit Knarren inszenieren, wurden Gerüchte laut, dass Parodie-Meister „Weird Al“ Yankovich hinter dem Clip steckte. Der wies dies jedoch auf Twitter von sich mit den Worten: „An alle, die mir zu meinem neuen Kid-Rock-Parodie-Video gratulieren: Das bin nicht ich. Das ist tatsächlich Kid Rock.“

Wenig später schaltet sich Danko Jones ein und feuert gegen die Kollaboration und nimmt dabei vor allem Monster Truck ins Visier: „Nur dass ihr es wisst, ich bin gegen Bands, die sich mit einem Rassisten verbrüdern. Mit den Pelzmänteln, den Sportwaffen und den Zigarren erhält diese Band eine lebenslängliche Mitgliedschaft in der Hall Of Fame der Idioten.“

Daraufhin schaltete sich Jon Harvey in einer Radiosendung über Danko Jones Worte. Er war verletzt von dessen Worten und das, obwohl er doch gerade eben mit Kid Rock über Leute gemeckert hatte, die ständig von allem verletzt sind: „Mich verletzt das wirklich, das ist total beleidigend. Meine Mama wird diesen Artikel lesen, andere Menschen werden ihn lesen und dieser Typ tut so, als wäre ich… Er hat keine Ahnung davon, wer ich bin. Er hat keine Ahnung, wie meine Freunde und Familie sind. Das ist schon ziemlich gehässig.“

Daraufhin legte Danko Jones nochmal nach: „Das Opfer zu spielen, nachdem man eine „Anti-Snowflake“-Hymne inklusive Knarren veröffentlicht hat, ist ja wie aus dem rechtsextremen Bilderbuch. Auch die Strategie, mich als „wütend“ zu bezeichnen, ist eine Trope der Rechten. Das ist genau das, was Rassisten tun.“

Deep Purple: TURNING TO CRIME

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Hervorragende Plagiate

Nach der durch die Bank auf der Pole Position der deutschen Media Control gelandeten „Time Trilogy“, bestehend aus NOW WHAT?! (2013), INFINITE (2017) und WHOOSH! (2020), überraschen Deep Purple mit dem ersten reinen Coveralbum ihrer 53-jährigen Karriere. Dass während der Produktion unter der Regie von Bob Ezrin die Freude am gemeinsamen Rocken und generell viel Spaß im Vordergrund stand, sieht man nicht nur am „kriminellen“ Artwork, sondern hört man auch ab den ersten Takten des Openers ›7 And 7 Is‹. Das 1966 von dem 2006 verstorbenen Love-Frontmann Arthur Lee verfasste Stück gibt die Marschrichtung der 12-Track starken LP vor. Mit viel Respekt vor den Originalen interpretieren Ian Gillian & Co. die Songs ihrer Kollegen im unverwechselbaren DP-Stil.

Darunter finden sich Perlen aus der Hochzeit des Classic Rock wie etwa The Yardbirds’ ›Shapes Of Things‹, Fleetwood Macs ›Oh Well‹ oder Creams ›White Room‹. Ein ganz besonderes Schmankerl ist das abschließende ›Caught In The Act‹-Medley. Das an einen Jam erinnernde musikalische Puzzle ist so spannenden intoniert, dass hinter jedem Break eine neue, in Songfragmenten verpackte Überraschung lauert. TURNING TO CRIME wurde COVID-19-bedingt dies- und jenseits des Atlantiks in Großbritannien, der Schweiz, Portugal, den USA und Kanada in den Homestudios der DP-Protagonisten aufgenommen.
Die Mark-VIII-Besetzung beweist dabei, dass auch bei einer derartigen räumlichen Distanz die Chemie
innerhalb der aktuellen Deep-Purple-Inkarnation ihresgleichen sucht.

8 von 10 Punkten

Deep Purple
TURNING TO CRIME
EARMUSIC/EDE

VÖ der Woche: Black Label Society mit DOOM CREW INC.

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Epochales Wylde Thing

Laut Ozzy hat der Grund, warum Zakk Wylde nicht in die Arbeit an ORDINARY MAN (2020) involviert war, etwas mit der Herangehensweise an diese Platte zu tun. Die Sessions seien derart spontan und organisch sowie ohne die feste Absicht, ihre Resultate überhaupt zu veröffentlichen, verlaufen, dass der Gedanke, Zakk hinzuzuziehen, gar nicht erst aufkam, „da es sich nicht so angefühlt hat, als würde aus dem, was wir da taten, ein Album entstehen“.

Hm. Einem Ozzy-Osbourne-Werk den Charakter eines Zufallsprodukts zuzuschreiben fällt zugegebenermaßen etwas schwer. Wylde jedenfalls braucht sich nicht grämen, vielleicht ist ihm so sogar erspart geblieben, eigene geniale Ideen auf dem Album eines anderen zu verbraten. Insofern ein naheliegender Gedanke, da DOOM CREW INC. vor großartigen Momenten nahezu überquillt. Nach dem Spitznamen seiner Road Crew betitelt und als Verbeugung vor ebendieser und den Fans gedacht, finden sich auf DOOM CREW INC. zwölf Titel im typischen BLS-Signature-Sound, von denen nicht einer auch nur ansatzweise als Füller bezeichnet werden kann.

Beginnend mit dem knochentrockenen Banger ›Set You Free‹ über die unsterbliche Ballade ›Forever And A Day‹ und das 90er-Vibes atmende ›Gospel Of Lies‹ bis hin zu ›Farewell Ballad‹, dem Gänsehaut garantierenden Abschied von allen Von-uns-Gegangenen inkl. Kloß-im-Hals-Garantie, berstet diese Platte nur so vor ausladenden Melodien, Soli und Twin Guitars. Man muss Ozzy fast dankbar sein.

Black Label Society
DOOM CREW INC.
SPINEFARM/UNIVERSA

Ring Them Bells: Neue Single ›The Fall‹

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Ring Them Bells kommen aus Copenhagen und haben sich einer dreckigen Mixtur aus 60s Psych und alternativem Brit Rock, wie man ihn aus den 90ern kennt, gewidmet.

2020 wurde das jüngste Album THINGS THAT COME SLOW veröffentlicht, das großen Anklang in Dänemark fand. Jetzt stehen die Arbeiten an der neuen Platte ins Haus. Als ersten Vorgeschmack auf das kommende Opus veröffentlicht die Band bereits jetzt die Single ›The Fall‹.

The Beatles: Get Back

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Bildband und sechsstündiger Doku-Dreiteiler auf Disney+

Bevor am 25., 26. und 27. November 2021 auf dem Streaming-Dienst Disney+ die sechsstündige Dokumentation „The Beatles: Get Back“ des australischen Regisseurs und Oscar-Preisträgers Peter Jackson Premiere feiert, ließ es sich auf das Ereignis schon mal vorab mittels eines Bildbandes einstimmen. 240 Seiten im Format 302 x 250 x 38 mm, versehen mit Conny Löschs Übersetzungen
der Texte von Peter Jackson, Hanif Kureishi und den Beatles selbst, sowie ultrarare Fotos von Ethan A. Russell und Linda McCartney. Selbst absolute Beatles-Kenner zeigen sich erstaunt über das bis dato unveröffentlicht gebliebene umfangreiche Material. Als wahres Füllhorn erweist sich auch Peter Jacksons Doku.

Seiner Geduld, Ausdauer und Hartnäckigkeit verdankt die Welt diesen zweiten intensiven Blick auf die finale Ära der Liverpooler Fab Four. Nach Gründung des hauseigenen Unternehmens Apple Corp. inklusive Verlag und Label im Mai 1968 sowie dem Doppelalbum THE BEATLES vom November gleichen Jahres nahm der schleichende Entfremdungsprozess von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr, der einsetzte, als Manager Brian Epstein im August 1967 verstarb, an Fahrt auf. Nichts Ungewöhnliches für vier junge Männer Ende 20 – doch den Beatles schauten beim Erwachsenwerden weltweit Millionen zu.

Im Januar 1969 gingen sie mit Regisseur Michael Lindsay-Hogg (Ready Steady Go!) ein neues Projekt an: In den Twickenham Film Studios in Richmond beobachtete Lindsay-Hogg aus Fly-On-The-Wall-Perspektive, ohne Erklärung, Szenentitel oder gar Interviews, den Entstehungsprozess eines neuen Beatles-Albums namens GET BACK. Gewissermaßen eine Big Brother Containershow des spontanen Kreativseins. Präsent auch der zeitweilig als fünftes Bandmitglied gehandelte US-Keyboarder Billy Preston, Yoko Ono, Pattie Boyd, Maureen Starr, Linda Eastman samt Tochter Heather sowie diverse Langzeitweggefährten aus dem Beatles-Apple-Umfeld.

Als der 80-minütige Film im Mai 1970 unter dem neuem Titel „Let It Be“ parallel zur gleichnamigen, finalen Beatles-LP Premiere feierte, zeigte sich da vor allem eine Band, die trist, verbittert und zerstritten in den letzten Zügen lag. Peter Jacksons neuer Ansatz verblüfft allenthalben. Aus rund 60 Stunden Filmmaterial und 140 Stunden Audioaufzeichnungen entstand „The Beatles: Get Back“. Jacksons Porträt zeichnet ein vollkommen anderes Bild: Anstatt sich auf die zweifellos vorhandenen negativen Aspekte zu konzentrieren, erlebt der Zuschauer eine Truppe, die Wärme, Fröhlichkeit, Freundschaft, Kameradschaft, Albernheit und auch das noch immer vorhandene kreative Genie vermittelt. Komplett enthalten auch das
legendäre 42-minütige Rooftop Concert am 30. Januar 1969 auf dem Dach von Apple Corps in der Londoner 3 Savile Row. Möglich machte all das eine von Jackson schon in dessen Kinofilm „They Shall
Not Grow Old“ zum Einsatz gekommene Technologie – altes Filmmaterial wurde digitalisiert, optimiert, koloriert und in 4K-Qualität transformiert.

Giles Martin, Sohn von George Martin, mischte neu ab, Paul McCartney, Ringo Starr, Yoko Ono und Olivia Harrison gaben ihren Segen. Ringo Starr erläutert bescheiden: „Diese Band arbeitete wirklich hart, erlebte emotionale Hochs und Tiefs, um dahin zu gelangen, wo sie letztendlich landete. So war das
eben. Peter Jackson ist unser Held, er hat einen tollen Job gemacht!

10cc: So sah es bei ihrer Show in Winterbach aus

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Unser Fotograf Frank Witzelmaier war bei der Show von 10cc, die am 6. November in Winterbach spielten. Hier findet ihr eine Galerie mit Bildern vom Konzert.

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Freddie Mercury: Wie er wirklich war (Teil 2)

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Minki, Mum & Mercury: Minki Reichardt ist die Tochter von Schauspielerin Barbara Valentin, der Busenfreundin von Freddie Mercury. Hier spricht sie über ihre Erlebnisse mit der unsterblichen Queen-Ikone.

Wir treffen Minki Reichardt. In München sprechen wir mit der Stylistin über ihre ganz persönliche Queen- bzw. Freddie-Verbindung. Denn Minkis Mutter war Schauspielstar Barbara Valentin (1940–2002), die in Filmen von Kultregisseur Rainer Werner Fassbinder („Angst essen Seele auf“) mitwirkte und weitere Bekanntheit erlangte als langjährige Busenfreundin und Vertraute von Freddie Mercury. Die beiden hatten sich in der Münchner Schwulenszene kennengelernt und wurden enge Freunde. Barbara spielte auch in diversen Videoclips mit, etwa in ›It’s A Hard Life‹ oder ›Living On My Own‹. Mit „Thank you for big tits and misconduct“ – „Danke dir für große Titten und schlechtes Benehmen“ – bedankte sich Freddie bei Party-Queen Barbara einst frech auf seinem ersten Soloalbum MR. BAD GUY, das in München produziert wurde. Sein Song ›Love Me Like There’s No Tomorrow‹ war von einem Schlager abgeleitet, den die Valentin bereits Ende der 50er gesungen hatte: „Küß’ mich als gäb’s kein Morgen“.

Barbara Valentin wurde zu Freddies „Munich-Connection“, eine platonische Liebe, klar. Der lebenshungrige Queen-Frontman liebte die liberale Bayern-Metropole und verbrachte viel Zeit dort. Und so kam es, dass Minki Reichardt, die eigentlich Nicola heißt und bei ihrem Vater, dem Rechtsanwalt Dr. Ernst Reichardt, aufwuchs, als Teenager die weltberühmte Rock-Ikone hautnah erleben konnte, zu Hause bei ihrer Mutter …

Minki, heute ist der 9. August, ein für Queen-Fans geschichtsträchtiges Datum: An jenem Tag im Jahr 1986 spielte die Band ihr letztes Konzert ever mit Freddie, in Knebworth Park vor den Toren Londons.
Daran erinnere ich mich nicht, denn ich war ja nie großer Queen-Fan, das muss ich gestehen. Ich war auf dem New-Wave-Trip, hörte Visage, Billy Idol, Boy George oder Reggae von UB40. Ich hatte allerdings einen K-Tel-Sampler und da war ›Killer Queen‹ drauf. Den Song fand ich richtig klasse.

War es für dich demnach gar nichts Besonderes, als plötzlich Freddie Mercury, der weltberühmte Superstar, bei euch zu Hause auftauchte?
Ich fand es schon cool, dass meine Mum mit einem Rockstar befreundet war, aber Freddies Anwesenheit hat mich nie sonderlich beeindruckt, eben weil ich kein Fan war und weil es bei uns auch gang und gäbe war, dass berühmte Menschen zu Besuch kamen. Meine Mutter kannte berufsbedingt Gott und die Welt, die Schauspielerin Elisabeth Volkmann („Klimbim“) war ihre beste Freundin, Mario Adorf, Rainer Werner Fassbinder und Udo K ier kamen oft vorbei, selbst Robert DeNiro saß mal bei uns auf der Couch. Das hat mich dann schon geflasht, den fand ich toll.

Es ging wohl ziemlich hoch her bei euch …
Da war immer Leben. In München gab’s damals noch eine Sperrstunde und wenn die Bars und Clubs nachts um eins schließen mussten, ging die Party bei uns daheim weiter – meine Mutter mittendrin. Sie lebte in einer riesigen Altbauwohnung in der Stollbergstraße, mitten in München. Drei große Zimmer, verbunden durch Flügeltüren, die immer offen standen. Ich ging damals auf die Modeschule, musste morgens früh raus. Freddie und Friends haben im Wohnzimmer gefeiert, Musik aufgedreht und Party
gemacht. Als ich mich mal über den Lärm beschwerte, meinten sie nur, ich solle nicht so spießig sein. (lacht) Dann haben sie weitergefeiert, aber nicht etwa bis sieben in der Früh, sondern 48 Stunden lang, nonstop. Die Vorhänge blieben zugezogen, sodass man irgendwann nicht mehr wusste, ob es Tag war oder Nacht.

Freddie war für seinen exzessiven Lebensstil bekannt.
In jeder Hinsicht. Unser Kühlschrank war oft leer, aber Kaviar gab es immer. Den brachte ein russischer Freund meiner Mutter mit. Freddie liebte Kaviar. Ansonsten wurde Essen meist geordert im Austernkeller, einem Restaurant unten im Haus. Das war wie Roomservice. Die Kellner kamen zu uns hoch in den vierten Stock und haben serviert. Meine Mum konnte zwar kochen, hatte aber nur selten Lust dazu. Sie war, ehrlich gesagt, auch keine besonders fürsorgliche Mutter.

Fiel dir an Freddie etwas Besonderes auf?
Dass er immer nur ganz wenig gegessen hat, im Gegensatz zu meiner Mutter, die eine Genießerin war. Sie meinte immer: Der isst wie ein Vögelchen. Dabei brachte Freddie oft sogar seinen Koch Joe mit. Wenn ich meine Mutter am Wochenende besuchen kam, waren überall in der Wohnung Wäscheständer aufgestellt, da hing selbstgemachte Pasta dran, zum Trocknen.

Wie würdest du Freddie aus deiner Sicht beschreiben?
Ich empfand ihn als sehr britisch, ein echter Gentleman, höflich, leise, zurückhaltend und lieb, ganz anders als auf der Bühne. Ich war überrascht wie zierlich und klein er doch eigentlich war. Und er war ein schneller Denker, sehr schlagfertig und humorvoll. Einfach ein reizender, feiner Mensch. Und er liebte Katzen über alles. Auch „Tarzan“, den Kater meiner Mutter.


Er galt als extrem großzügig. Hat er dir mal Geschenke gemacht?
Nicht direkt. Wenn ich abends ausging, hat er mir Geld zugesteckt, meist das, was er gerade in der Hosentasche hatte, mal zehn Mark, aber auch mal hundert. Er hatte kein Gefühl für Geld. Von meiner Mutter habe ich später seine schwarze, nietenbesetzte Gaultier-Lederjacke geerbt, die er auch auf der Bühne getragen hat. Das Teil habe ich der Aidshilfe für eine Verlosung gestiftet in Südafrika, wo ich eine Zeit lang lebte. Ich habe aber keine Ahnung, was sie eingebracht hat.


Manchen Mercury-Fans scheint die Verbindung zu deiner Mutter ein Dorn im Auge gewesen zu sein. Warum?
Manche behaupten, meine Mutter
hätte sich aus finanziellen Gründen an Freddie rangehängt und er hätte immer alles bezahlt. Das ist nicht fair und stimmt definitiv nicht. Denn meine Mutter hat selbst gut verdient, das hatte sie nicht nötig. Meist hatte sie sogar mehr Geld als ihre Männer. Als sie mit Helmut Dietl verheiratet war, war der noch Regieassistent und sie schon gut gebuchte Schauspielerin. Nein, sie mochte Freddie als Mensch, die beiden haben sich gut verstanden, sie sprach ja auch fließend Englisch, das war in München damals nicht
selbstverständlich. Und klar: Sie hat sich auch gern amüsiert und dafür war Freddie eben perfekt.

Hast du auch mal mit ihm gefeiert?
Einmal lud Freddie mich und meinen damaligen Freund Christian zu einer Party ins Musicland Studio ein. Er feierte mit Freunden die Veröffentlichung seines Albums MR. BAD GUY, das dort aufgenommen wurde. Wir haben uns aber bald gelangweilt, weil da nur ältere Menschen waren. Wir haben was vom Buffet stibitzt und sind wieder abgehauen … (lacht)


Hast du später etwas von Freddies Erkrankung mitbekommen? War das ein Thema?
Meine Mutter war 1985 mit Queen in Brasilien, als sie bei Rock in Rio auftraten. Sie hat mir erzählt, dass sie bei Freddie schon damals dunkle Hautflecken mit ihrem Make-up abdeckte. Das waren wohl bereits erste Anzeichen von Aids. Sie ahnte das, denn sie hatte viele homosexuelle Freunde, die positiv waren oder an Aids gestorben sind. Berührungsängste hatte sie nie. Aber es war eine harte Zeit. Meine Mutter war ein paar Mal bei ihm in London, als es ihm nicht mehr so gut ging, und auch in Montreux, wo er ihr noch Schmuck schenkte. Sie kannte auch Mary Austin, die beste Freundin von Freddie. Zur Trauerfeier ist sie nicht gefahren, weil sie das seelisch zu sehr mitgenommen hätte. Sein Tod hat sie total umgehauen, sie lag wochenlang nur im Bett. Ich habe sie getröstet. Keine einfache Situation.

Was ist deine schönste Erinnerung an Freddie?
Das war Fasching 1984. Er feierte ihn damals in München in der Deutschen Eiche und verkleidete sich dafür ganz stilecht als Frau. Zur Einstimmung schauten wir bei meiner Mutter den uralten Hollywoodstreifen „Die Frauen“ von George Cukor, in dem tatsächlich nur Frauen mitspielen. Freddie hatte den Film als VHS -Videokassette mitgebracht. Peter Freestone, genannt „Phoebe“, war auch dabei .
Erst haben sie alle Schränke meiner Mutter nach Klamotten durchwühlt und dann Unmengen an Make-up ausgepackt, die teuersten Marken, die sie zuvor im Kaufhaus Beck eingekauft hatten. Dann wollte Freddie von mir geschminkt werden, er sagte es ausdrücklich: Nur ich sollte ihn schminken! Er wollte richtig glitzern. Dazu tranken wir Vodka und Schampus. Wir haben viel gelacht. Ich war damals 16. Werde ich nie vergessen…