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Start Blog Seite 226

Was macht eigentlich: Linda Ronstadt?

In einem Interview vom letzten Jahr meinte Linda Ronstadt, dass sie fast ununterbrochen singen würde, was aber oft niemand hören könne. „Ich kann immer noch in meinem Kopf singen“, verriet sie dem Online- Entertainment-Portal Showbiz Cheat Sheet. Erstmalig erklang die Stimme der heute 75-Jährigen bei ihrer Geburt am 15. Juli 1946 in Tucson, Arizona. Professionell zu singen begann sie Mitte der 60er und sorgte mit Auftritten mit The Stone Ponys im Folk-Club The Troubadour in West Hollywood und mit ›Different Drum‹ erstmals für Aufmerksamkeit. 1970 folgte mit Country-Rock und ›Long Long Time‹ ein Solohit. Nach weiteren Erfolgen und dem dritten Soloalbum mit den späteren Eagles-Mitgliedern Don Henley, Glenn Frey, Bernie Leadon und Randy Meisner, die Ronstadt auch live begleiteten, wurde sie endgültig zur weiblichen Stimme und zum Aushängeschild des Folk-Rock. In den 70ern war Ronstadt mit Platten und Cover-Hits wie ›Tumbling Dice‹ der Rolling Stones und Warren Zevons ›Poor Pitiful Me‹ der Star schlechthin.


Nicht zu vergessen Roy Orbisons ›Blue Bayou‹ vom Chartbreaker SIMPLE DREAMS. Auch mit Ausflügen in Big-Band- oder mexikanische Volksmusik-Gefilde räumte sie in der Folgezeit ab. 1987 veröffentlichte Ronstadt
zusammen mit Emmylou Harris und Dolly Parton die All-Star-Platte TRIO, die Fortsetzung folgte 1999. 1992 gab es für FRENESI mit lateinamerikanischen Standards einen Grammy in der Kategor ie „Best Tropical Latin Album“. Einer von insgesamt zehn, die Ronstadt im Laufe ihrer Karriere verliehen wurden, darunter gleich zwei für das „Best Mexican-American Album“. Während die 80er unter anderem durch das Duett ›Don’t Know Much‹ mit Aaron Neville eher poppig geprägt waren, gab sich Ronstadt danach wieder folkloristisch. Und mit HUMMIN TO MYSELF folgte 2004 sogar ein Ausflug in den Jazz. Die 00er brachten Auszeichnungen wie 2006 den ALMA Award der Hispanic-American Artistic Community, einen „Life Time Achievement“-Latin Grammy und 2013 die
Aufnahme in die Rock and Roll Hall of Fame. Im selben Jahr erschien die Autobiografie „Simple Dreams, A Musical Memoir“.

Ihr letztes Konzert in San Antonio, Texas, lag da bereits vier Jahre zurück, da ihr aufgrund einer fortschreitenden PSP-Erkrankung, einer Form von Parkinson, das Singen nicht mehr möglich ist. Dennoch war sie bis 2018 live mit ihrem One-Woman-Storytelling-Format „A Conversation with Linda Ronstadt“ unterwegs. Anfang 2019 veröffentlichte Rhino LINDA RONSTADT – LIVE IN HOLLYWOOD, ihr erstes und einziges Konzertalbum, aufgenommen am 24. April 1980. In letzter Zeit hört man außer in Interviews wie dem eingangs erwähnten wenig von der Künstlerin. Laut ihrer Homepage wird sie aber weiterhin im Beirat von Los Cenzontles mitarbeiten, einer Akademie in der kalifornischen East Bay, die sich dem Erhalt des mexikanischen Erbes widmet

High South: Ein bisschen Frieden

Corona und Weltlage hin oder her: Die amerikanischen Retro-Folk-Rocker von High South sind kompromisslos positiv gepolt – wovon wir uns im Telefonat überzeugen durften. Wir erreichen Jamey Garner am frühen Morgen im sonnigen Los Angeles. Er ist hörbar gut drauf, es läuft gerade gut mit seiner vor zwölf Jahren gegründeten Band High South. Mal wieder. Denn: Der Mann ist in Karrierefragen verwegene Berg- und Talfahrten erprobt. „Das kann man wohl sagen“, klingt es sympathisch aus dem Telefonhörer, „gerade als vor zwei Jahren unser drittes Album PEACE, LOVE & HARMONY super Kritiken bekam und wir wie verrückt tourten, kam Covid daher. Stecker gezogen, aus der Traum.“ Sie waren zu der Zeit gerade im deutschsprachigen Raum auf Tour und flogen, wie er sagt, mit der „letzten Maschine“ von München in die amerikanische Heimat. Dort lösten sich die Probleme aber nicht auf. Im Gegenteil. Frustriert von der Karriere-Vollbremsung wählte der Familienmensch und zweifache Vater Phoenix Mendoza einen anderen Lebensplan und stieg aus der Band aus.
Dazu kam, dass Mentor und Co-Autor Josh Leo, seit Jahrzehnten ein gut vernetzter Produzent und Songwriter in Nashville, in Musiker-Rente ging. Tja, was nun?

Alles hinschmeissen und sich einen 9-to-5-Job suchen? Nicht mit einem Vollblut-Musiker wie Jamey Garner: „Wir haben mit Devon Pangle einen würdigen Ersatz für Phoenix gefunden. Die Chemie stimmt zu 100 %“,
lässt er verlauten und schickt hinterher, dass Umbesetzungen zu High South gehörten, wie der Septakkord zum Blues. „Irgendwie haben wir aber immer die Kurve gekriegt und sind gestärkt daraus hervorgegangen.“ Auffällig dabei: Das Personal mag wechseln, ihrem Sound aber bleiben sich High South treu. „Unser Ziel war es von Anfang an, die Musik der späten 60er- und frühen 70er-Jahre wieder aufleben zu lassen“, sagt er. „Musik mit schönen Harmony-Vocals im Stil der Eagles, Crosby, Stills & Nash oder The Band. Das sind unsere Heroes, und in diese Richtung zielen auch unsere eigenen Songs.“ Sie zielen nicht nur auf die Folk-Rock-Legenden dieser Ära, sie treffen auch ins Schwarze. Das beweist das Trio mit ihrem neu aufgelegten Album PEACE, LOVE & HARMONY REVISITED, das mit 24 Songs, darunter Acoustic- und Live-Aufnahmen sowie Outtakes, ein facettenreiches Portrait der Band zeichnet.

Ein Vermächtnis ist der üppig bestückte Tonträger indes nicht. „Wir haben schon wieder angefangen, neue Songs zu schreiben“, sagt Garner und klingt dabei sehr euphorisch. Das neue Line-up hat es ihm angetan. Gesanglich passe es perfekt und als Ex-Gitarrist von John Fogerty habe ihr neues Mitglied Devon auch
handwerklich eine ganze Menge zu bieten. PEACE, LOVE & HARMONY – vor zwei Jahren hatte der Titel noch einen putzig nostalgischen, an die bekiffte Flower-Power-Woodstock-Zeit erinnernden Klang. Heute schwingt
in Anbetracht einer aus den Fugen geratenen Welt etwas Wehmut und Sehnsucht mit. „Ich glaube“, sagt das High-South-Mastermind, „die Welt kann gerade jetzt eine gute Dosis Glück und Positivität vertragen. Genau diese Dinge machen seit jeher unsere Musik aus.“ Stellt sich die Frage, ob Jamey & Co. auch privat so fried-fertig sind wie ihre Musik klingt. „Oh ja, das sind wir“, sagt er und lacht so herzerwärmend in sein Handy, dass man für einen Moment die Probleme unserer Welt vergisst.

Elton John und Bernie Taupin: ›Tiny Dancer‹

Bernie Taupin wird heute 72 Jahre alt! Bestens bekannt ist der Songwriter durch seine Symbiose mit Sänger Elton John.

Zusammen fanden die beiden über eine Zeitungsanzeige im Jahr 1967: John, der damals noch seinen bürgerlichen Namen Reginald Kenneth Dwight trug, suchte nach einem Texter. Fast zehn Jahre lang machten sie das Musikbusiness unsicher, bevor es zum Streit kam. In dieser Zeit arbeitete Taupin mit vielen anderen Musikern zusammen, wie beispielsweise Alice Cooper und veröffentlichte auch ein eigenes Buch: „The One Who Writes the Words for Elton John“. Doch schließlich versöhnten sich die Beiden wieder und bekamen für den Song ›(I’m Gonna) Love Me Again‹ aus dem Biopic „Rocketman“ über das Leben von Elton John einen Oscar für den besten Filmsong.

›Tiny Dancer‹ ist der Eröffnungstrack des vierten Albums MADMAN ACROSS THE WATER und wurde 1972 als Single veröffentlicht. Taupin selbst sagte über den Song, er wollte ihn „so kalifornisch wie möglich“ schreiben und war vor allem inspiriert von den kalifornischen Frauen im Kontrast zu den englischen – besonders von seiner eigenen Freundin.

Dass Songs aber teils schon lange vor ihrer Veröffentlichung in den Hirnen der Künstler herumschwirren, ist nichts Neues und so ist hier eine frühe Version aus dem Jahr 1970 zu hören mit einem Blick hinter die Kulissen. Hier nennt Taupin John auch noch „Reg“.

https://youtube.com/watch?v=B0W6jCOggWQ

Video der Woche: David Bowie ›Let’s Dance‹

Unser Video der Woche widmen wir dieses Mal David Bowies Hit ›Let’s Dance‹, der am 21. Mai 1983 die Pole Position in den US-Single-Charts erreichte.

›Let’s Dance‹ war für David Bowie ein ganz besonderer Erfolg. Es erreichte nicht nur Platz 1 in den UK Top 40, sondern auch in den US-Single-Charts und ist damit die einzige Single Bowies, die die Chartspitzen auf beiden Seiten des Atlantik erreichen konnte.

Das Musikvideo wurde in Port Jackson in Australien gedreht. Im Mittelpunkt steht ein Aborigine-Paar, das sich erst vom westlichen Lebensstil verführen lässt, ihm aber am Ende den Rücken kehrt, um zu ihrer wahren Identität zurück zu finden. Bowie selbst nennt das Video eine „sehr einfache, sehr direkte“ Erklärung gegen Rassismus.

High Fidelity: Neue Single ›Sunset Situations‹

Die Folk-Rocker von High Fidelity haben eine neue Single am Start. ›Sunset Situations‹ heißt das gute Stück, das begleitet wird von einem passenden Video und vom kommenden Debütalbum der Band aus Hannover stammt.

Am 03. Juni erscheint dann die Platte COME RAIN OR SHINE.

High Fidelity live erleben:

26.5.2022 Heaven´s Tour Festival, Lübeln

03.6.2022 Kulturelle Landpartie, Wendland

06.8.2022 Filou, Steinhude

07.8.2022 Fährmannsfest, Hannover /w Kaffkiez, Blood Red Shoes u.a.

Mother Mersy: FROM ABOVE

Bildreicher, emotionsgeladener OldSchool-Stoff mit eigener Note

Retro-, Vintage- oder, äh, Classic Rock – wie immer man die sympathisch-rückwärtsgewandte Musik, die junge Acts wie Greta Van Fleet oder Rival Sons zu Stars gemacht hat, auch nennen will: Mother Mersy aus Malmö gehen ebenfalls mit diesem Sound an den Start. Und sie machen das richtig gut. Denn der Vierer um den stimmlich zwischen Robert Plant, Freddie Mercury und Marc Bolan zu verortende Emil Starbrant zieht trotz klarer Referenzen an die Vorbilder der goldenen Ära des Rock sein eigenes Ding durch. Das fängt schon mit dem die Stimmung des Albums hervorragend wiedergebenden Cover-Artwork an, das den bis zum Bauch in einem Dorfteich stehenden Starbrant vor einem episch-düsteren Wolkenhimmel zeigt, durch den einzeln gleißende Sonnenstrahlen brechen. Denn die Musik des Quartetts ist ähnlich bildreich und emotionsgeladen. Sie hat Power, aber auch eine Menge Herz. Stücke wie das ausgelassene ›Attention‹, das andächtig daherkommende ›See You Again‹ oder das Riff-dominierte ›Wake Me Up‹ bieten druckvoll polternden Rock, der immer eine entweder sanft-melancholische, oft geradezu soulige Färbung, oder aber eine schillernde Glam-Note in sich trägt.

7 von 10 Punkten

Mother Mersy
FROM ABOVE
RAW STREET NOISE/ROUGH TRADE

Craig Finn: A LEGACY OF RENTALS

Erinnerungen

Die Grenze zwischen Singen und Reden, was auf dem Album intensiv praktiziert wird, ist auf dem sechsten Solowerk des The-Hold-Steady-Frontmannes Craig Finn hauchzart. A LEGACY OF RENTALS erzählt von Erinnerungen, von Geschichten der Vergangenheit. Und die Musik wird diesen Geschichten angepasst. Deshalb klingt A LEGACY OF RENTALS auch bisweilen wie ein Singer/Songwriter-Hörspiel. Oder Soundtrack eines Episodenfilms. Hier geht es um Erinnerung – wie wir uns an Freunde erinnern, die nicht mehr da sind, an Orte, die sich verändert haben, an wichtige Ereignisse, die Teil unserer Vergangenheit sind. Der Titel impliziert, dass wir keine unserer Besitztümer jemals vollständig besitzen können, dass unser Körper nur ein vorübergehender Aufenthaltsort für unsere Seele ist. Wir alle wollen, dass man sich an uns erinnert. Wir alle wollen, dass unsere Zeit hier von Bedeutung ist. Indem wir diese täglichen Handlungen ausführen, geben wir der Hoffnung Ausdruck und sichern uns unseren einzigartigen Platz in der Geschichte. Bruce Springsteen ist für Finn lyrisch ein Vorbild, er verwendet jedoch Worte viel umfangreicher als der Boss. Musikalisch ist A LEGACY OF RENTALS
gar nicht mal eine Offenbarung, aber im Kammer-Zusammenspiel entwickelt das Werk eine sehr charmante
Atmosphäre. Mit ›Messing With The Settings‹, ›Due To Depart‹ und ›Birthdays‹ gelingen Craig Finn einige herausragende Melodien.

7 von 10 Punkten

Craig Finn
A LEGACY OF RENTALS
POSITIVE JAMS/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Anvil: IMPACT IS IMMINENT

Wertarbeit mit dem Amboss

Diese unermüdlichen Kanadier ziehen seit 1978 ihre Runden. Dabei ist es bei Anvil ähnlich wie bei AC/DC: Fans wissen, was sie zu erwarten haben und bekommen für ihre Treue regelmäßig schwermetallische Wertarbeit. So sind die Überraschungen auf IMPACT IS IMMINENT zwar rar gesät, sieht man vom abschließenden Instrumental ›Gomez‹ ab, das mit funkigen Bläsern überrascht (und ein Remake des zuvor zu hörenden ›Teabag‹ ist). Die 19. Scheibe von Lips und Co. ist aber nichtsdestotrotz eines der besseren Anvil-Alben, denn man merkt den Songs an, dass die Musiker – bedingt durch die Lockdowns – mehr Zeit hatten als sonst. Fast alle der 14 Nummern haben das Zeug zum Ohrwurm. Die simplen Kompositionen zwischen Hardrock, Heavy Metal und Speed Metal kommen auf den Punkt, marschieren nach vorne und sind dank der tatkräftigen Hilfe der Produzenten Martin „Mattes“ Pfeiffer und Jörg Uken sauber und druckvoll produziert. So sieht man gerne darüber hin- weg, dass einige der Lyrics recht plakativ sind. Zeilen wie „Lockdown – caught in a lockdown“ in Endlosschleife möchte man heute einfach nicht mehr hören. Abgesehen davon hinterlässt die Platte aber durchaus einen „impact“.

7 von 10 Punkten

Anvil/IMPACT IS IMMINENT/AFM/SOULFOOD