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Start Blog Seite 225

Simon McBride: THE FIGHTER

Musterschüler in der „School Of Rock“

Gerade erst haben Deep Purple angekündigt, dass Gitarrist Simon McBride vorübergehend für ihren Stamm-klampfer Steve Morse einspringen wird, damit Morse seine Frau beim Kampf gegen den Krebs unterstützen kann. Etwa zeitgleich stellt McBride mit seinem neuen Album THE FIGHTER unter Beweis, warum er genau der richtige Mann für den Job ist. Ganze zwölf Songs präsentiert der Nordire auf der Platte und zeigt seine ganze
Vielseitigkeit als virtuoser Gitarrist. Ob Joe Bonamassa oder Lynyrd Skynyrd, Bruce Springsteen oder Soundgarden: McBride hat in der „School Of Rock“ gut aufgepasst und vermischt die genannten Einflüsse zu
seinem ganz eigenen Cocktail. Generischer Altmänner-Rock? Fehlanzeige. Simon McBride holt die Gitar-renmusik mit viel Fantasie, Abwechslung und vor allem Können in die 2020er und schreckt dabei weder vor Funk, Blues, Soul, Grunge oder Southern Rock noch vor Jazz zurück. Etwas mehr Eingängigkeit und einer
„10 von 10“-Bewertung steht nichts mehr im Wege – ein tolles Album! (Text: Timon Menge)

9 von 10 Punkten

Simon McBride
THE FIGHTER
EARMUSIC/EDE

Michael Schenker Group: UNIVERSAL

Eine gut geölte Maschine

Michael Schenker befindet sich seit dem Michael-Schenker-Fest-Erstling RESURRECTION (2018) ohne Zweifel im zweiten Frühling seiner (Platten-)Karriere. Das (am Inhalt gemessen) treffend betitelte UNIVERSAL ist das bereits vierte hochklassige Album Schenkers in knappen fünf Jahren. An seiner geschmackvollen Symbiose aus klassischem Hardrock und Metal hält der in Sarstedt bei Hannover geborene Virtuose auch dieses Mal kompromisslos fest. Die durch die Bank griffigen und sofort zündenden Kompositionen instrumentiert Schenker mit seinem UNIVERSAL-All-Star-Ensemble in gewohnt knackiger Manier. Für jeden Song hat er dabei die passenden Protagonisten parat. So sind z. B. am Mikro neben Stammsänger Ronnie Romero (u. a. Rainbow) auch Michael Kiske (Helloween), Ralf Scheepers (Primal Fear) und Graham Bonnet (u. a. Ex-Rainbow) zu hören. Dieser Kniff bringt in das ohnehin schon enorm vielschichtige Material noch einen guten Zacken mehr Abwechslung und Tiefe. UNIVERSAL klingt trotz all der an den Tag gelegten Perfektion hungrig, frisch und in keinem Moment wie das Spätwerk einer 67-jährigen Gitarrenlegende. Vielmehr hört man in jeder Sekunde Michaels nicht abebben wollende Begeisterung für die sechs Saiten.

8 von 10 Punkten

Michael Schenker Group
UNIVERSAL
ATOMIC FIRE/WARNER

Def Leppard: DIAMOND STAR HALOS

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Das funkelnde zwölfte Studioalbum zeigt die Truppe aus Sheffield kraftvoll wie eh und je

Der Titel dieser siebten Platte des gegenwärtigen Line-ups aus den Gründern, Sänger Joe Elliott und Bassist Rick Savage, sowie Schlagzeuger Rick Allen und den Gitarristen Phil Collen und Vivian Campbell – nunmehr seit 30 Jahren eine feste Einheit – stammt aus einer Zeile in ›Get It On‹ von T. Rex. Diese Wahl soll laut Def Leppard den Einfluss der Glam-Rock-Ära auf dieses Werk unterstreichen. Und der ist deutlich hörbar auf der ersten Single ›Kick‹ sowie ›Fire It Up‹, ebenso wie natürlich auf praktisch allen bisherigen Alben der Band. Wie schon beim selbstbetitelten Vorgänger steuern auch hier Collen und Elliott den Löwenanteil des Materials bei. Savage ist das einzige andere Mitglied, das in den Autorencredits erwähnt wird, und er stellt den exzellenten Opener ›Take What You Want‹ (mit Elliott als Co-Autor). Ein klassischer Leppard-Track, der auf einem Killer-Riff emporschießt. All die Ohrwurm-Markenzeichen der Herren sind auch danach jederzeit präsent. Besonders stark sind ›SOS Emergency‹, ›All We Need‹, ›Open Your Eyes‹, ›Gimme A Kiss‹ und ›Unbreakable‹ – echte Stadion-Crowdpleaser in bester Leppard-Tradition.

Doch es gibt auch einige Überraschungen. Zum einen die Menge an Songs – 15 Tracks sind ein neuer Rekord für die Band –, und mit 61:30 Minuten ist es auch fast ihre längste Platte (HYSTERIA von 1987 war nur eine Minute länger). Auf jeden Fall wird man feststellen, dass DIAMOND STAR HALOS einen richtigen Fluss hat – das Sequencing funktioniert perfekt über vier Seiten Vinyl. Ob es nun als solches konzipiert wurde oder nicht: Am besten sollte man es als Doppelalbum betrachten – drei Seiten, die jeweils mit drei Rockern beginnen und in gemächlicherem Tempo enden, bevor die kürzere vierte Seite dann das Muster ablegt und mit einem Highlight aus Savages Feder endet, dem epischen ›From Here To Eternity‹, das mitunter an Pink Floyd erinnert. Die vier Tempowechsel-Tracks glänzen derweil alle mit Gaststars. Robert Plants Muse Alison Krauss singt auf den beiden Quasi- Country-Nummern ›This Guitar‹ und ›Lifeless‹ von

Collen respektive Elliott. Dramatischer ist der Einsatz von Bowies Pianist Mike Garson auf ›Goodbye For Good This Time‹ und ›Angels (Can’t Help You Now)‹, zwei großen Balladen, verfasst vom Frontmann, mit Streichern und feinen Gitarrensoli, einmal akustisch, einmal elektrisch. DIAMOND STAR HALOS war zwei Jahre in der Mache und scheint ambitionierter zu sein als die letzten Leppard-Werke. Die Band hat sich ganz klar länger Gedanken darüber gemacht und uns reich beschenkt. Was zu viel des Guten sein könnte, doch tatsächlich ist dies zweifellos das beste Album, das dieses Line-up je gemacht hat.

8 von 10 Punkten

Def Leppard
DIAMOND STAR HALOS
UNIVERSAL

Rückblende: Stevie Nicks und Tom Petty mit ›Stop Draggin’ My Heart Around‹

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Ein Song, den Tom Petty schon aussortiert hatte, wurde über Umwege zu einem Petty/Nicks-Duett – und dem massiven Singlehit, der die Solokarriere der Fleetwood-Mac-Ikone ins Rollen brachte.

Ende 1980, als Tom Petty And The Heartbreakers die Platte aufnahmen, die letztlich als HARD PROMISES erschien, wurde dem Maestro immer bewusster, dass da ein gewisser berühmter Fan versuchte, ins Line-up der Band zu drängen. „Stevie Nicks sagte ständig: ‚Ich werde bei Fleetwood Mac aussteigen und mich den Heartbreakers anschließen“, erzählte Petty 2007 in der Dokumentation „Runnin’ Down A Dream“.

„Yeah, das ist ja schön und gut, Stevie, aber bei den Heartbreakers gibt es keine Mädchen.“ „Ich mochte die Musik der Heartbreakers damals fast lieber als die von Fleetwood Mac“, sagte Nicks in demselben Film. „Also rief ich Jimmy Iovine an und fragte ihn, ob er mein erstes Soloalbum produzieren würde. Ich dachte, das wäre vielleicht der Weg, diesen Sound von Tom Petty And The Heartbreakers zu bekommen. Und ich wollte mit Tom und seiner Band befreundet sein.“ Nicks hatte die epische, ein Jahr dauernde Entstehung des Mac-Albums TUSK hinter sich, damals die teuerste und zeitintensivste Rockproduktion aller Zeiten. Eine neue Band muss also einen gewissen Reiz auf sie ausgeübt haben. „Es gab kein Drama zwischen ihr und den Heartbreakers“, sagt Gründungsmitglied und Keyboarder Benmont Tench. „Bei Fleetwood Mac gab es all diese persönlichen Angelegenheiten. Dann war sie im selben Raum mit uns, einer Rock’n’Roll-Band, die von einem Typen angeführt wird, den sie verehrt. Das war für sie wohl sehr erfrischend.“

Wenn Stevie schon nicht in die Band einsteigen konnte, dachte sie, sie könne wenigstens Petty davon überzeugen, etwas für sie zu schreiben. „Sie trat diese Kampagne los, damit ich ihr einen Song schreibe, und ich sagte immer wieder: ‚Nein, ich habe keine Zeit‘“, erinnerte sich Petty. „Und sie sagte: ‚Bitte, schreib mir doch einen Song‘. Sie machte mich mürbe. Wenn man für andere schreibt, eignet man sich oft ihren Stil an. Doch wenn jemand dich um einen Song bittet, wollen sie eigentlich etwas, das nach dir klingt. Sie haben schon jede Menge Material, das nach ihnen selbst klingt. Sie stand mehr auf die bluesigeren Sachen, denn das war etwas, das sie nicht machte. Also schrieb ich ihr einen Song namens ›Insider‹. Ich spielte ihn Jimmy vor und der war einfach begeistert.“

Nachdem das Stück aufgenommen worden war, fuhr Nicks ins Sound City Studio in Los Angeles, wo Petty den Song mit ihr sang. „Stevie war natürlich vor allem auf den Harmonie-Part aus“, erinnert sich Tench. „Und Tom liebte den Klang ihrer Stimme. Die Harmonie zwischen den beiden war perfekt.“ Dann musste Petty eine schwere schnelle Entscheidung treffen. „Als sie in den Kontrollraum kam, sagte ich: ‚Stevie, es tut mir wirklich leid, aber ich will dir diesen Song nicht geben‘. Und sie antwortete: ‚Das verstehe ich vollkommen‘.“ Danach wird die Geschichte etwas nebulös. 1981 sagte Petty, dass er Nicks „aus furchtbarer Schuld“ einen anderen Song anstelle von ›Insider‹ anbot und ihr ein paar Stücke vorspielte, die bei den Sessions zu HARD PROMISES auf der Strecke geblieben waren.

Sie stürzte sich auf ›Stop Draggin’ My Heart Around‹, das Petty gemeinsam mit Gitarrist Mike Campbell geschrieben hatte. „Deswegen wollte ich, dass du einen Song schreibst“, so Nicks. „Es ist Rock’n’Roll, und das ist dein Metier.“ Petty dachte, er gebe ihr den Song, aber nicht die Aufnahme. „Wir hatten das schon als eine Heartbreakers-Nummer aufgenommen, mit Toms Gesang“, so Tench. „Zu jener Zeit waren Jimmy Iovine und Stevie ein Paar, obwohl er es nicht öffentlich machte. Und Jimmy dachte wohl, der Song könnte für sie ein Hit werden.“

Dessen unwiderstehlicher Sumpf-Groove, punktuiert von Campbells beißenden Gitarrenspitzen und Tenchs Orgel-Fills à la Booker T betonte die knackige Schlagfertigkeit zwischen den beiden Stimmen, selbst wenn dieses Duett nur im Studio von Iovine zusammengebastelt wurde. Petty war davon zunächst nicht besonders angetan. „Er spielt mir ›Stop Draggin’ My Heart Around‹ vor, dieselbe Aufnahme, aber mit ihrem Gesang dazu“, so Petty. „Ich sagte: ‚Jimmy, du hast dir einfach den Song geschnappt …‘ Und seine Reaktion war: ‚Davon wirst du dir ein Haus kaufen können‘. Aber ich war sauer, denn das erschien zur selben Zeit wie unsere Single [›A Woman In Love‹], und ich glaube, das hat ihr geschadet.“

Das Stück erschien im Juli 1981 als erste Single von Nicks’ Solodebüt BELLA DONNA und sein Oldschool-Groove ragte aus dem New-Wave- und Synthiepop-Sound jener Zeit heraus. Auf dem Etikett der Single stand „Stevie Nicks (with Tom Petty And The Heartbreakers)“. „Warum hätten ›Insider‹ und ›Stop Draggin’‹ nicht sowohl auf HARD PROMISES als auch auf BELLA DONNA erscheinen können?“, wundert sich Tench heute. „Damals funktionierte das wohl nicht so. Ich wünschte, man würde den Song eher als ‚Tom Petty And The Heartbreakers with Stevie Nicks‘ kennen. Aber sie sangen so großartig zusammen.“

Als Nicks 15 Jahre später noch mal bei Petty um einen Song bat, waren die Umstände völlig anders. Nicks sagte: „Ich hatte mehrere Entzüge hinter mir und war total fertig. Tom spielte in der Stadt und wir gingen am Abend davor zusammen essen. Ich fragte ihn, ob er mir helfen würde, einen Song zu schreiben. Und er sagte ohne Umschweife, in seiner typischen Tom-Petty-Sumpfhund-Art: ‚Ich werde dir nicht helfen, einen Song zu schreiben, denn du, Stevie, bist meiner Meinung nach eine der größten Songwriterinnen unserer Zeit. Du musst einfach nur zurück nach Hause fahren, dich an dein Klavier setzen und zu schreiben beginnen‘. Und etwas an dieser Unterhaltung rüttelte mich wirklich auf. Das gab mir einen ganz neuen Lebensmut – wenn Tom Petty glaubt, dass ich das draufhabe, dann ist das wohl so.“

„Viele Jahre vor Toms Tod ging Stevie mit uns auf Tour, spielte das Tamburin und sang Backing-Vocals“, sagt Tench (der gerade an seinem zweiten Soloalbum arbeitet und immer in Kontakt mit seinen alten Bandkollegen ist). „Auf dieser Tour gab Tom ihr ein Sheriff-Abzeichen aus echtem Silber mit Diamanten, auf dem stand: ‚Honorary Heartbreaker‘.“ „Ich habe meine Solokarriere im Wesentlichen Tom zu verdanken“, sagte Nicks einmal. „Er würde darüber lachen, liebenswert und überhaupt nicht eingebildet darüber sein, aber das ist wirklich so.“

Aerosmith: Steven Tyler wieder in Entzugsklinik

Vor wenigen Stunden veröffentlichten Aerosmith ein Statement, in dem sie erklärten, dass die Daten ihrer Residency in Las Vegas im Juni und Juli abgesagt werden müssen. Grund hierfür sei ein Rückfall von Steven Tyler, der nach einer Operation am Fuß mit Schmerzmittel medikamentiert wurde und daraufhin wieder Suchtverhalten etwickelte.

Steven Tyler ging daraufhin freiwillig in eine Entzugsklinik. Im September 2022 soll die Tour dann nachgeholt bzw. weitergeführt werden. Im Februar hatten Aerosmith ihre mehrmals verschobene Tournee durch Europa abgesagt, angeblich wegen Covid. Bisher gibt es keine neuen Termine. Wir wünschen Steven Tyler viel Erfolg bei seinem Kampf gegen die Sucht.

Bruce Springsteen: Deutschlandkonzerte angekündigt

2023 geht der Boss mit seiner E Street Band auf Welttournee. Dabei macht Bruce Springsteen auch in Deutschland und Österreich Halt. Am 21.06. spielt er in Düsseldorf in der Merkur-Spiel-Arena, am 15. Juli in Hamburger Volksparkstadion, am 18. Juli im Ernst Happel Stadion in Wien und am 23. Juli im Münchener Olympiastadion.

Springsteen selbst zur kommenden Tour: „Nach sechs Jahren freue ich mich darauf, unsere großartigen, loyalen Fans wieder zu sehen. Und ich freue mich darauf, die Bühne ein weiteres mal mit der legendären E Street Band zu teilen. Man sieht sich nächstes Jahr!“

https://youtube.com/watch?v=SG2xzwuPEyo

Axel Rudi Pell: Ruhelos

Für Axel Rudi Pell sind Verschnaufpausen ein Fremdwort. Selbst während der COVID-19-Pandemie und der damit einhergehenden Ungewissheit im Musikbusiness arbeitete der passionierte Stratocaster-Spieler aus Bochum mit seinem geschmackvollen Gespür für griffige Melodien und Hooklines an seinem neuen Werk LOST XXIII.

Seit 1989 veröffentlicht Axel Rudi Pell in regelmäßigen Abständen knackige Alben. Selbst nach der Fertig-stellung seiner 21. Studio- LP LOST XXIII kann sich der Bochumer seine dauerhafte Kreativität nicht erklären: „Ich habe, ehrlich gesagt, keine Ahnung, woher meine nicht abreissende Inspiration kommt. In mir lodert seit jeher eine Flamme und Musik war für mich nie nur ein Job, sondern schon immer ein Lebensgefühl. Meine Band und ich haben auch nach all den Jahren verdammt viel Spaß daran, Platten aufzunehmen und an-schließend auf Tour zu gehen. Bisher hat mir der liebe Gott kein Ende dafür aufgezeigt oder in irgendeiner Weise Grenzen gesetzt. Lustigerweise läuft es bei mir vor und nachdem eine Scheibe fertig aufgenommen ist, immer gleich ab. Wenn mein Equipment Stück für Stück wieder zu Hause eintrudelt und ich ein meine Gitarren in die Hand nehme, fallen mir andauernd neue Songideen oder Riffs ein. Diese nehme ich anschließend mit der Voice-Memo-Funktion meines Smartphones auf und überspiele sie später auf meinen Rechner. Wenn sich aus-reichend viele Ideen angesammelt haben, gibt es einen zwanghaften Break, denn sonst ufert die Kreativ-
phase aus. Für LOST XXIII hatte ich ganze 278 Dateien auf der Festplatte. Anschließend picke ich mir meine Favoriten aus den Memos heraus und komponiere die Stücke für die kommende Scheibe. Was nicht verwendet
wird, wird schnurstracks gelöscht. Ich möchte nämlich jede neue LP mit frischen Einfällen und einem klaren Kopf angehen.“


Während dieser Sessions kreiert Axel für seine Alben klassische und enorm ausgeklügelte Hardrock-Spannungskurven zwischen treibenden Up-Tempo-Nummern, straighten Rockern und gefühlvollen Power-
Balladen. „Ein Konzept im eigentlichen Sinne gibt es dabei nicht. Ich lasse mich bei der Zusammenstellung einer Platte komplett von meinem Bauchgefühl leiten. Wenn mir irgendwann keine schnellen Tracks oder Balladen einfallen, die mir taugen, dann kommt eben kein Stück aus dieser oder jenen Kategorie auf die Scheibe. Sowas in der Art ist mir aber zum Glück noch nie passiert. Wenn ich darüber nachdenke, wäre es doch auch ziemlich langweilig, wenn man mit dem Vorsatz an eine Produktion geht, dass man beispielsweise so und so viele Songs aus einer Nische in der und der Reihenfolge auf eine LP knallt.“ Wie gewohnt war Axel Rudi Pell auch wieder für LOST XXIII der ausführende Produzent. „Bei der Produktion meiner Alben nehme ich sehr gerne im Studio auf meinem Producer-Sofa Platz. Von dort aus lasse ich den Sound, den der Toningenieur am Pult mischt, auf mich wirken. Was mir dabei total in die Karten spielt ist, dass wir alle nacheinander die einzelnen Instrumente aufnehmen. Wenn beispielsweise mein Drummer Bobby Rondinelli seine Spuren einge-tütet hat, spiele ich gleich anschließend alle Rhythmusgitarrentracks ein, bevor es dann mit den Parts meiner anderen Bandkollegen weitergeht. Warum ich selbst produziere ist auch schnell erklärt. Von LOST XXIII, genau
wie von all seinen Vorgängern, hatte ich schon vor dem Gang ins Studio ein genaues Bild im Kopf. Um diese Vorstellung mit den anderen zu teilen, fertige ich in der Pre-Production Guideline-Tapes an. Damit kann sich jeder in meiner musikalischen Gedankenwelt zurechtf in- den. Im Prinzip macht ein externer „Kapitän“ auf dem ARP-Schiff also keinen Sinn.“

Spiral Skies: Verliebt in die Melodie

Die Entstehung von DEATH IS BUT A DOOR war von Turbulenzen geprägt. Pandemie-Wahnsinn, Kontaktbeschränkungen, Veröffentlichungsverschiebungen und kurz nach Abschluss der Aufnahmen ein Besetzungswechsel innerhalb der Band haben dieses Album zu einer Platte gemacht, die mit gemischten Gefühlen verwebt ist. „Was für eine Reise. Am schlimmsten für mich war dabei, dass wir nicht proben
konnten. Eigentlich treffen wir uns seit sieben Jahren jeden Donnerstag. Das war das erste Mal in meinem Erwachsenenleben, dass ich nicht wöchentlich mit meiner Band zusammengekommen bin. Da habe ich erst gemerkt, wie wichtig das für mich ist, um als Mensch zu funktionieren“, so Frontfrau Frida von ihrem Garten in
Schweden aus über Zoom. „Ich werde dieses Jahr 35, aber eigentlich fühle ich mich noch wie 33, weil die Zeit so stehengeblieben wirkt“, lacht sie.

Ähnlich verhält es sich mit der neuen Platte mit Vintage-Rock-Einschlag, die schon seit einiger Zeit fertig ist. Zum Leben erwecken Spiral Skies ihre neuen Ideen gemeinsam im Proberaum: „In meinen vorherigen Bands war einer für das Songwriting verantwortlich, jetzt entsteht alles bei Jams. Alle steigen gemeinsam in eine Idee ein, ich singe ein bisschen ,Blabla‘ darüber, um ein Gespür für Melodien zu entwickeln. Wenn einige Songgerüste fertig sind, stellen wir ein Mikrofon in die Mitte und nehmen alles auf. Danach setze ich mich hin und mache mir über den Gesang und die Harmonien Gedanken.“ Dabei folgt Frida nur selten klassischen Mustern. Viel eher erinnert ihr ausdrucksstarker Gesang an Künstlerinnen wie Kate Bush, die abseits von vorhersehbaren Pfaden wandeln. „Ich habe früh im Chor angefangen, danach sang ich wirklich hohen Sopran in Symphonic- und Black-Metal-Bands. Als ich bei Spiral Skies einstieg, merkte ich, dass ich nicht alles so perfekt singen muss wie im modernen Metal, sondern dass es auf die Energie ankommt, dass es auch einmal kantig klingen darf. Ich mag Tori Amos, ich liebe es, auch mal auszuflippen, Hysterie in meine Stimme zu legen, die dann nicht typisch schön klingt. Auch, weil ich es nervig finde, wenn ,hübsch‘ und ,harmonisch‘ die einzigen Faktoren sind, die von Frauen verlangt werden. Auf unserem ersten Album habe ich mich noch nicht so getraut, auf DEATH IS BUT A DOOR schon mehr, auf dem nächsten werde ich mich so richtig in diese Richtung vorwagen. Wenn ir live spielen, gehe ich total aus mir raus, das solltest du mal sehen. Da growle ich auch oder schreie richtig verrückt, weil mich die Stimmung so trägt“, so die sympathische Frontfrau schmunzelnd.

Aus diesen Vorlieben ergibt sich auch der vermehrt melancholische, mystische bis düstere Vibe, der auf dem neuen Album vorherrscht: „Ich habe schon immer viel nordischen Folk und Black Metal gehört, weil die Melodien so spannend sind und sich Bildwelten vor dem inneren Augen entfalten. Jedes Mitglied bringt unterschiedliche Einflüsse in diese Band, das wäre wohl meiner“, erklärt Frida. Für die nahe Zukunft wünschen sich Spiral Skies viele Auftrittsmöglichkeiten und zahlreiche Bühnen, um ihr neues Werk live an ein großes Publikum heranzutragen.