Ein Tribute-Album mit exzellentem Folk und erdigem Roots-Country
Wer Steve Earle kennt, kann sich denken, wer oder was hinter dem Titel seiner neuen LP JERRY JEFF steht. Richtig, Jerry Jeff Walker. Der Ende 2020 verstorbene Country-Sänger und Songwriter war einer der wichtigsten Inspirationsquellen von Steve Earle – und jeder einzelnen zollt der 67-Jährige Tribut: TOWNES widmete er Townes Van Zandt, GUY natürlich Guy Clark. Laut Liner Notes war Jerry Jeff – bekannt für seinen Klassiker ›Mr. Bojangles‹ – sein erster entscheidender Einfluss. Als 14-Jähriger habe er ihn kennen und schätzen gelernt. Ihn jetzt posthum zu würdigen ist nicht nur höchst ehrenvoll, das Ergebnis liefert auch ein erfrischendes Hörerlebnis. Und macht klar, dass Walker, der in den frühen 70er-Jahren zum erweiterten Umfeld der Country-Outlaw-Szene in Austin, Texas, gehörte, musikalisch viel mehr zu bieten hatte, als besagten Evergreen. Ähnlich wie Dylan während dessen NASHVILLE-SKYLINE-Phase changieren seine Songs harmonisch packend und mit erlesenen Texten ausgestattet zwischen melodischem Folk und ruppigem Roots-Country. Zehn Songs aus seinem Nachlass haben Steve Earle & The Dukes auf JERRY JEFF mit Hingabe und hörbarer Spielfreude neu aufleben lassen und damit ein großartiges Album vor- gelegt. Schade, dass Jerry Jeff Walker das nicht mehr erleben durfte.
9 von 10 Punkten
Steve Earle & The Dukes JERRY JEFF NEW WEST RECORDS/H’ART
Am 14. September kommt der Horrorstreifen „The Retaliators“ in die Kinos. Der Film erzählt die Geschichte eines rechtschaffenen Pastors, der auf der Suche nach Antworten zum brutalen Mord an seiner Tochter auf eine dunkle und verdorbene Unterwelt stößt.
Neben den Hauptrollen, besetzt von Michael Lombardi, Marc Menchaca und Joseph sind auch einige Rockstars wie Tommy Lee von Mötley Crüe oder Ivan Moody (Five Finger Death Punch) mit Gastauftritten vertreten. Am 16. September wird außerdem der Soundtrack zum Film veröffenlicht, der ebenfalls Songs von u.a. Mötley Crüe enthält.
Eine Woche vor Filmstart findet am 7. September ein Prescreening in ausgewählten Kinos in Hamburg, Berlin, München und Köln statt. Für die Premiere verlosen wir pro Stadt 3×2 Freikarten.
25. August 1976: Boston veröffentlichen ihr selbstbetiteltes LP-Debüt.
Ein trickreicher Schelm, dieser Tom Scholz! Gelang es doch dem studierten Pianisten und Komponisten aus Boston, Massachusetts, die Chefetage des Majorlabels Columbia/Epic auszutricksen. Zwar führte sein im eigenen Foxglove Studio zusammen mit Ausnahmesänger Brad Delp – beide gehörten mit Gitarrist Barry Goudreau zuvor der lokalen Band Mother’s Milk an – eingespieltes Demo des LP-Debüts BOSTON zur Vertragsunterzeichnung mit Epic, doch bestand die Plattefirma auf einer Bedingung: die komplette Neuaufzeichnung des Materials in Los Angeles.
Scholz, Autor von sechs der acht Songs sowie neben Delp Co-Autor eines siebten (›Smokin’‹), heuerte Produzent John Boylan als Ansprechpartner für die Label-Oberen an. Heimlich spielte Scholz im Gespann mit Delp, Goudreau, Fran Sheehan (Bass) sowie Sib Hashian und Jim Masdea (Schlagzeug) sämtliche Titel im Heimstudio in Watertown neu ein. Lediglich für Akustikpassagen ließ er Engineer Paul Grupp zu, um bei der richtigen Mikrofonjustierung zu helfen. Um die Aufzeichnung des Gesangs kümmerte sich Boylan. Lediglich die Aufnahmen von Delps Song, das LP-Finale ›Let Me Take You Home Tonight‹, entstanden an der Westküste. Auch für die Überspielung auf 24 Track sowie den Mix zeichnete Boylan verantworlich. Preiswerter ging es nun wahrlich nicht. Die Bilanz: Allein in den USA 17-faches Platin und mehr als 25 Millionen verkaufte Exemplare weltweit.
Perfekt nach Hitformel fusionierten eingängiger Pop, Blues, Boogie, Klassik und Hardrock zu einer dynamisch-infektiösen Mixtur. Auch die Auskopplungen ›More Than A Feeling‹, ›Long Time‹ und ›Peace Of Mind‹ nisteten sich welweit über Wochen auf den vorderen Charträngen ein. Spätes Nachspiel mit unseligem Ausgang: Am 9. März 2007 nahm sich Brad Delp im Alter von 55 Jahren das Leben. Ob sein Freitod nun an den ewigen Streitigkeiten mit Scholz, persönlichen Verstrickungen Delps oder dessen langjährigen Depressionen lag, blieb im Unklaren.
CLASSIC ROCK blickt auf das Leben und die Musik des Mannes zurück, der mit den Rolling Stones nicht nur fast 60 Jahre lang seinen ganz eigenen Beat spielte, sondern auch einer der nettesten Menschen im Rock’n’Roll war.
Mit seiner umgänglichen, lakonischen Art, seinem staubtrockenen Humor, seiner unantastbaren Garderobe aus maßgeschneiderten Savile-Row-Anzügen und seinem Buster-Keaton-Pokerface war er der stylishste Mann im Rock’n’Roll. Und er unterhielt sich viel lieber über Cricket als über seine glanzvolle, 58 Jahre umspannende Karriere als allzeit zuverlässige Triebfeder der größten Rock’n’Roll-Band des Planeten. Charlie Watts war der Rolling Stone, den selbst Leute mögen mussten, die sonst nichts für die Rolling Stones übrig hatten. Er schwafelte nie, sondern sagte das, was er dachte. Ohne Diplomatie, ohne Filter, ohne Swagger und ohne irgendwelche Anstalten, auch nur im Entferntesten „cool“ sein zu wollen. Und genau deshalb war Charlie Watts unweigerlich und völlig mühelos stets der coolste Typ im Raum. Schon als die aufstrebenden Rolling Stones noch als Neandertaler beschrieben wurden, ragte Charlie heraus. Er sagte nicht viel. Das musste er auch nicht. Seine erhabene Art aus ironischer Distanz und bestürzter Gleichgültigkeit sprach Bände.
Im Oktober 1964, während sich Horden williger junger Frauen der Band kreischend zu Füßen warfen, verschwand Charlie still und leise, um seine Freundin zu heiraten, die Bildhauerei-Studentin Shirley. Und ihre Ehe hielt bis zum Ende. Statt sich die freie Zeit auf Tour mit reihenweise Groupies zu vertreiben, skizzierte der einstige Grafiker lieber detailgenau jedes Hotelbett, in dem er schlief. Während seine Bandkollegen strafrechtliche Verurteilungen sammelten und ihren schlechten Ruf kultivierten, sammelte Charlie Memorabilie aus dem US-Bürgerkrieg, signierte Erstausgaben und Oldtimer. Perfekt stylish bis ins letzte Detail, ließ er sich zu jedem einzelnen seiner Autos passende Anzüge maßschneidern – auch zu seinem Lieblingsmodell, einem Lagonda Rapide von 1937, vom dem nur 25 Stück gebaut wurden. Er zog sie an, setzte sich ans Steuer und genoss glückselig das wohlige Schnurren des Motors, aber löste nie die Handbremse. Denn Charlie Watts machte nie den Führerschein. Schon als Junge liebte er den Jazz und sprach viel lieber über Charlie Parker als die Stones. Interviews entwickelten sich immer wieder in überraschende Richtungen, denn jede Frage zu seinem Hauptberuf konnte auf manchmal sehr überraschendes Terrain führen: arabische Pferdezüchtung, Greyhound-Rettung, die enormen Unterschiede zwischen dem Shuffle eines Schlagzeugers aus Chicago und dem eines anderen, der in New Orleans aufwuchs. Und Cricket. Immer Cricket.
Hinter Charlies nach außen lockerer Art verbarg sich jedoch ein stahlharter Kern. Er gab sich nicht mit Dummköpfen ab, und er war kein Fuß abstreifer. Mick Jagger musste das auf die harte Tour lernen, als er mal bekanntlich einen Anruf auf Watts’ Hotelzimmer mit den unvorsichtigen Worten eröffnete: „Wo ist mein Trommler?“ Minuten später kam Watts – frisch rasiert, parfümiert und makellos gekleidet – zu Jagger und schlug dem überrschaten Frontmann unsterbliche Warnung aussprach: „Nenne mich niemals wieder deinen Trommler. Du bist mein fucking Sänger!“ Ruhe in Frieden, Charlie Watts!
Scream Of The Butterfly veröffentlichen am 9. September ihr neues Album THE GRAND STADIUM. Die Berliner Band bewegt sich soundtechnisch zwischen 70s Hard Rock und 90er-Jahre-Grunge und legt nun mit ›Hallway Of A Thousand Eyes‹ die zweite Single der kommenden Platte vor.
Vor genau einem halben Jahrhundert erschien das Album HOODOO MAN. Mit der dazugehörigen Single ›Gamma Ray‹ gelang der Band Birth Control im Jahr 1972 ihr größter Hit. Schon immer speisten sie ihre Musik aus Art-, Jazz-, Blues-, Prog-, Psychedelic- und Hardrock- sowie Soul und Funk-Einflüssen. Mit dem aktuellen Album OPEN UP touren sie nun wieder durch die Lande.
Gitarrist Martin Ettrich ist gut aufgelegt, als ich ihn in seiner Heimatstadt Mülheim an der Ruhr telefonisch erreiche. Er ist dort gut vernetzt, wir sprechen über die lokale Szene mit Größen wie Helge Schneider oder der Punkband Lokalmatadore. „Ich treffe Leute wie Morten Gass von Bohren & der Club of Gore auch schon mal beim Bierchen. Er wollte kürzlich mal Gitarrenunterricht bei mir nehmen, doch das hat er wieder auf Eis gelegt. Er wollte mir im Umkehrschluss mal zeigen, wie es ist, einfach mal gar nichts zu spielen.“ Mülheimer Humor – das ist schon eine Marke für sich. Martin erzählt weiter aus Kindheit und Jugend. Er selber ist durch die Plattensammlungen seiner Freunde musikalisch inspiriert worden: „Als ich so 13 oder 14 Jahre alt war, waren es vor allem die älteren Geschwister meiner Kollegen, die schon richtig gute Scheiben zu Hause hatten. Da habe ich das erste Mal ZZ Top gehört – und das war noch lange bevor Peter Rüchel sie in den ,Rockpalast‘ geholt hatte.“ Er entdeckte in dieser Phase auch Crosby, Stills, Nash & Young, vor allem, weil „ich es super fand, wie die mehr- stimmig gesungen haben“.
Irgendwann landete Martin in einer Gruppe, in der auch Harp-Spieler Carey Bell aus der Muddy Waters Band Mitglied war. „Von ihm habe ich ziemlich viel über Blues gelernt“, sagt der Gitarrist. Bei Birth Control spielt er nun schon seit 2009 – seitdem arbeitet er nicht mehr hauptberuflich als Schreiner, sondern hat alles auf die Karte Musik gesetzt. „Ich bin Baujahr 1961 – und den Birth-Control-Song ›Gamma Ray‹ habe ich irgendwann in den 70er-Jahren mitbekommen“, sagt Martin. Als er selber sieben Jahre alt war, ist schon mit Hugo Egon Balder der erste Birth-Control-Drummer ausgestiegen. Und Balder hat vor allem bedauert, dass er nicht mehr die Filmaufnahmen zu „Ich – ein Groupie“ begleiten konnte – denn in diesem Sexploitation-B-Movie spielen Birth Control eine Nachtclub-Band an der Seite von Ingrid Steeger. Die blonde „Klimbim“-Darstellerin spielte als tingelndes Groupie mit dem Namen „Vicky“ die weibliche Hauptrolle – und das ziemlich oft unbekleidet. „Ich glaube, die Jungs haben da damals nicht lange drüber nachgedacht. Das Angebot lag auf dem Tisch, da haben sie einfach zugesagt. Es ging ja eh damals ziemlich rund – plötzlich hatte die Band einen internationalen Plattenvertrag und bekam einen Produzenten an die Seite gestellt, der schon mit Genesis im Studio war.
Plötzlich konnten sie bei Dieter Dierks aufnehmen.“ Neben Balder waren es immer wieder legendäre Typen, die das Band-Ensemble von Birth Control prägten, neben Bassmann Horst Stachelhaus ist das vor allem der singende Schlagzeuger Bernd „Nossi“ Noske, der die Band von 1969 bis zu seinem Tod im Jahr 2014 entscheidend geprägt hatte. „Der Nossi war wirklich ein echter Witzbold und Spaßvogel. Es war wirklich eine tolle Zeit mit ihm, da haben wir sehr viel gelacht.“ Schaut man auf den aktuellen Tourplan von Birth Control, tauchen da auch immer wieder Kleinstädte wie Garbsen, Dorsten oder Villingen-Schwenningen auf. Ob es mehr Spaß macht, in der Provinz zu spielen, als in den Großstädten? Martin überlegt kurz und antwortet dann: „Es ist total schön! In den kleineren Städten hast du ein total lebhaftes und interessiertes Publikum.“ Und das hat eine Band wie Birth Control auch wirklich verdient.
Clash-Mann und Songwriting-Genie Joe Strummer würde heute seinen Geburtstag feiern. In Gedenken an den Künstler erscheint demnächst ein Boxset, das an seine Zeit mit den Mescaleros erinnert.
1976 fanden Joe Strummer, Mick Jones und Paul Simonon unter dem Banner The Clash zusammen und formierten sich so zu einer der einflussreichsten Punkbands überhaupt. Mit Alben wie LONDON CALLING oder COMBAT ROCK zementierten sie ihren Status, The Clash zählen bis heute zu den Idolen zahlreicher nachfolgender Künstler und Künstlerinnen.
1985 lösten sich The Clash auf. Joe Strummer machte fortan als Solokünstler weiter und gründete 1999 die Band The Mescaleros, die bis zu seinem unerwarteten Tod im Jahr 2002 drei Studioalben veröffentlichten. Strummer selbst sagte über seine Zeit bei den Mescaleros: „Alles, was jetzt für mich passiert, ist nur ein Bluff. Ich habe gelernt, dass Ruhm eine Illusion ist und alles, was damit zu tun hat, nur ein Witz ist. Ich bin jetzt viel gefährlicher, weil es mich überhaupt nicht interessiert.“
In Gedenken an Strummers Mescalero-Phase erscheint am 16. September „JOE STRUMMER 002: THE MESCALEROS YEARS als 7LP-Box und 4CD-Set. Die Sets enthalten bisher unveröffentlichte Tracks, Demos und Outtakes sowie remasterte Editionen des gesamten Mescaleros-Katalogs, neue Interviews, nie zuvor gezeigte Bilder und mehr.
Strummers politische Texte, in denen er soziale Ungerechtigkeiten anprangerte und den Kämpfen der Arbeiterklasse eine Stimme gab, trafen den Nerv vieler Fans und der Presse gleichermaßen. Bis heute berühmt ist sein Ausspruch: „Ohne Menschen bist du nichts“.
Happy Birthday Phil Lynott! Gestern hätte der ehemalige Frontmann von Thin Lizzy seinen 73. Geburtstag gefeiert.
In den 1970er Jahren spielten Phil Lynott und Gary Moore einige Jahre zusammen bei Thin Lizzy. Nach Moores Ausstieg 1979 blieben die beiden in Kontakt und veröffentlichten 1985 zusammen die Single ›Out In The Fields‹, das von den Auseinandersetzungen in Nordirland handelt.
Der Song war – vor allem in Irland und Großbritannien – sehr beliebt und wurde für beide Künstler der erfolgreichste Hit ihrer Karriere nach Thin Lizzy.