Charlie Watts: 2. Juni 1941- 24. August 2021

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Charlie Watts: 2. Juni 1941- 24. August 2021

CLASSIC ROCK blickt auf das Leben und die Musik des Mannes zurück, der mit den Rolling Stones nicht nur fast 60 Jahre lang seinen ganz eigenen Beat spielte, sondern auch einer der nettesten Menschen im Rock’n’Roll war.

Mit seiner umgänglichen, lakonischen Art, seinem staubtrockenen Humor, seiner unantastbaren Garderobe aus maßgeschneiderten Savile-Row-Anzügen und seinem Buster-Keaton-Pokerface war er der stylishste Mann im Rock’n’Roll. Und er unterhielt sich viel lieber über Cricket als über seine glanzvolle, 58 Jahre umspannende Karriere als allzeit zuverlässige Triebfeder der größten Rock’n’Roll-Band des Planeten. Charlie Watts war der Rolling Stone, den selbst Leute mögen mussten, die sonst nichts für die Rolling Stones übrig hatten. Er schwafelte nie, sondern sagte das, was er dachte. Ohne Diplomatie, ohne Filter, ohne Swagger und ohne irgendwelche Anstalten, auch nur im Entferntesten „cool“ sein zu wollen. Und genau deshalb war Charlie Watts unweigerlich und völlig mühelos stets der coolste Typ im Raum. Schon als die aufstrebenden Rolling
Stones noch als Neandertaler beschrieben wurden, ragte Charlie heraus. Er sagte nicht viel. Das musste er auch nicht. Seine erhabene Art aus ironischer Distanz und bestürzter Gleichgültigkeit sprach Bände.


Im Oktober 1964, während sich Horden williger junger Frauen der Band kreischend zu Füßen warfen, verschwand Charlie still und leise, um seine Freundin zu heiraten, die Bildhauerei-Studentin Shirley. Und ihre
Ehe hielt bis zum Ende. Statt sich die freie Zeit auf Tour mit reihenweise Groupies zu vertreiben, skizzierte der
einstige Grafiker lieber detailgenau jedes Hotelbett, in dem er schlief. Während seine Bandkollegen strafrechtliche Verurteilungen sammelten und ihren schlechten Ruf kultivierten, sammelte Charlie Memorabilie aus dem US-Bürgerkrieg, signierte Erstausgaben und Oldtimer. Perfekt stylish bis ins letzte Detail, ließ er sich zu jedem einzelnen seiner Autos passende Anzüge maßschneidern – auch zu seinem Lieblingsmodell, einem Lagonda Rapide von 1937, vom dem nur 25 Stück gebaut wurden. Er zog sie an, setzte sich ans Steuer und genoss glückselig das wohlige Schnurren des Motors, aber löste nie die Handbremse. Denn Charlie Watts
machte nie den Führerschein. Schon als Junge liebte er den Jazz und sprach viel lieber über Charlie Parker als die Stones. Interviews entwickelten sich immer wieder in überraschende Richtungen, denn jede Frage zu seinem Hauptberuf konnte auf manchmal sehr überraschendes Terrain führen: arabische Pferdezüchtung, Greyhound-Rettung, die enormen Unterschiede zwischen dem Shuffle eines Schlagzeugers aus Chicago und dem eines anderen, der in New Orleans aufwuchs. Und Cricket. Immer Cricket.

Hinter Charlies nach außen lockerer Art verbarg sich jedoch ein stahlharter Kern. Er gab sich nicht mit Dummköpfen ab, und er war kein Fuß abstreifer. Mick Jagger musste das auf die harte Tour lernen, als er mal bekanntlich einen Anruf auf Watts’ Hotelzimmer mit den unvorsichtigen Worten eröffnete: „Wo ist mein Trommler?“ Minuten später kam Watts – frisch rasiert, parfümiert und makellos gekleidet – zu Jagger und schlug dem überrschaten Frontmann unsterbliche Warnung aussprach: „Nenne mich niemals wieder deinen
Trommler. Du bist mein fucking Sänger!“ Ruhe in Frieden, Charlie Watts!

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