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Journey: Hart erkämpfte Freiheit

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Die Ankündigung von FREEDOM war eine der großen Überraschungen des ersten Halbjahres. Warum Neal Schon und seine seit 49 Jahren global erfolgreiche Band über eine Dekade für den Nachfolger von ECLIPSE (2011) gebraucht haben, verrät die Gitarrenlegende CLASSIC ROCK in einem ausführlichen Zoom-Video-Meeting.

Neal, zwischen FREEDOM und seinem Vorgänger ECLIPSE (2011) liegen ganze elf Jahre.
Es gibt ein paar Gründe, warum es derart lange gedauert hat. Der ursprüngliche Faktor war, dass einige Bandmitglieder der damaligen Journey-Besetzung nach ECLIPSE keine Lust darauf hatten, überhaupt noch einmal eine Scheibe in Angriff zu nehmen. Für sie war es vollkommen cool, nur noch die Klassiker live zu spielen. Unser ehemaliger Schlagzeuger Steve Smith hat mir in diesem Zug einmal ohne Umschweife gesagt: „Ich bin nicht hier, um kreativ zu sein, sondern nur, um einen Gehaltsscheck zu kassieren.“ Darüber war ich richtig geschockt. Diese Einstellung deckt sich mit meiner kein Stück.

Das klingt nach einer harten Nuss.
Ein weiterer Aspekt, der zu dieser schier endlos wirkenden Verzögerung beigetragen hat, war eine komplette Neuaufstellung hinter den Kulissen. Wir haben uns von Live Nation getrennt und sind zu unserem neuen Konzertveranstalter AEG gewechselt. Der Kick-off dieser Geschäftsbeziehung war die erfolgreiche Las Vegas Residency im Virgin Hotel & Casino im Dezember 2021. Ein weiterer wichtiger Schritt in Sachen neue LP war, dass wir unser altes Management gefeuert haben. Nun leite ich die Geschicke von Journey. Diese längst über-
fällige Entscheidung hat uns unsere kreative Freiheit zurückgegeben, die zuvor mehr und mehr beschnitten worden war. Ich bin inzwischen an einem Punkt in meinem Leben und meiner musikalischen Karriere angelangt, an dem ich wirklich weiß, was für Journey funktioniert und was nicht.

Über 80.000.000 weltweit verkaufter Alben sprechen auch eine eindeutige Sprache.
„Weltweit“ ist ein gutes Stichwort, denn ich musste noch einen richtig teuren Rechtsstreit führen. Im Zuge des Manangementwechsels habe ich herausgefunden, dass für unser Journey-Merchandising nie die globalen Markenrechte gesichert worden sind. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen, dass eine Band über Jahrzehnte hinweg in Sachen T-Shirt-Verkauf & Co. eiskalt über den Tisch gezogen wird. Bei uns sind vom ganzen Kuchen nur ein paar Krümel angekommen, da uns die dafür zuständigen Leute frech ins Gesicht gelogen haben. Meine Frau Michaela und ich sind daraufhin auf Spurensuche gegangen. Nach viel investierter
Zeit und noch mehr investiertem Geld – es waren ungefähr 2.000.000 US-Dollar – haben wir das komplette Ausmaß des Betrugs erfasst und konnten zielgerecht handeln. Aktuell ist für uns Journey eine Lebensaufgabe, die sie und mich sieben Tage die Woche dauerhaft beschäftigt. Unser Aufgabenbereich erstreckt sich dabei von der Koordination der Touraktivitäten über Fanarktikel bis hin zu der Verwaltung unserer Musikrechte. Zum Glück haben wir ein tolles Team um uns versammelt, auf das wir uns verlassen können. Mir kommt es manchmal so vor, als wären Michaele und ich die Quarterbacks einer super funktionierenden Football-Mannschaft.

Wie hat sich dadurch dein Alltag verändert?
Jeder neue Tag bringt eine neue positive Entwicklung mit sich. Egal, ob ich meine Musik oder unsere Liveshows als Beispiele hernehme – jeder Moment fühlt sich großartig an. Durch diese neu gewonnene Freiheit spiele ich auch meine Gitarre besser als je zuvor. Natürlich hat die unfreiwillige Pause während der COVID-19-Pandemie auch ihren Beitrag dazu geleistet. Meine langen täglichen Übungseinheiten waren wirklich ertragreich.

Der Zeitpunkt für FREEDOM scheint trotz aller Unwegsamkeiten perfekt gewählt zu sein.
Wenn ich auf unserer gerade durch die USA rollenden Tour allabendlich ins Publikum schaue, sehe ich vier Generationen. Da gibt es Kinder mit vier, fünf Jahren, die jede Textzeile mitsingen. Das ist für mich ein Zeichen, dass Journey fast fünf Dekaden nach der Bandgründung immer noch relevant sind. Damit das so
bleibt, braucht es selbstverständlich auch neue Musik, die genau wie die bekannten Hits den Zeitgeist und die Trademarks von Journey in sich vereinen. Was mir dabei gerade einfällt: Vor ein paar Tagen habe ich mit den Leuten von AEG über meine Idee zu einem „Journey Music Festival“ gesprochen. Neben zwei ungefähr
dreieinhalbstündigen Journey-Sets an zwei Abenden schwebt mir ein Rahmenprogramm mit Bands aus vielen unterschiedlichen Genres vor.

Auf FREEDOM habt ihr passend dazu viele neue Elemente in eueren Sound integriert.
Mir geht es als Musiker und Komponist immer darum, dass ich nicht auf der Stelle trete. Als ich mit unserem jetzigen Produzenten Narada Michael Walden [u. a. Santana, Steve Winwood, Diana Ross; Anm. d. Verf.] 2020 an meiner Soloscheibe UNIVERSE gearbeitet habe, waren diese in alle Musikrichtungen offenen Sessions der Stein, der FREEDOM ins Rollen gebracht hat. Wir leben in der selben Stadt, also war es easy, sich für ein paar „Experimente“ in Sachen Journey zu treffen. Narada besitzt wie ich ein eigenes Studio, weswegen wir uns öfters und ganz ungezwungen zu ein paar Songwriting Sessions verabredet haben. Was dabei im Laufe der Zeit aus uns herausgesprudelt ist, war einfach fantastisch. Er hinter seinem Schlagzeug und ich an meiner Gitarre
– mehr hat es nicht gebraucht, um in kürzester Zeit genug Ideen für ein tolles Journey-Album zu sammeln. Diese haben wir ohne lange zu überlegen an Jonathan [Cain, Journey-Keyboarder und Co-Hauptkomponist] geschickt, da wir uns aufgrund der pandemiebedingten Reisebeschränkungen nicht mit ihm treffen konnten. Danach hat es nich lange gedauert und wir hatten gut 35 Stücke zusammen. Aus diesen Liedern sind die am besten Zusammenpassenden ausgewählt worden. Einigen Songs mussten wir noch den letzten Schliff verpas-
sen, andere wiederum waren zum Zeitpunkt ihrer Entstehung schon komplett ausgearbeitet.

War es nicht schwer, die richtige Balance zwischen Bekanntem und Neuem zu finden?
Der Großteil von FREEDOM klingt klar nach dem klassischen Journey-Konzept. Dieser Aspekt war mir enorm wichtig, denn es bringt nichts, den Sound einer Band in irgendeiner Form zu verwässern oder komplett über den Haufen zu werfen. Genauso wichtig ist es für mich allerdings auch, keinen Aufguss alter Ideen im Studio aufzunehmen. Wer braucht schon Kopien von ›Open Arms‹ oder ›Separate Ways (Worlds Appart)‹?! Sowas sollte für keinen Künstler Sinn ergeben. Mit dieser Prämisse im Hinterkopf hat für uns der Spaß auf dem Weg zu FREEDOM richtig angefangen. Zu unserem bekannten Rockfundament haben sich schnell Genres wie Fusion und Funk dazugesellt und eine spannende Mischung ergeben.

Wie kann man sich die Instrumentierung der ausgeklügelten Arrangements vorstellen?
Im Prinzip genauso ungezwungen, wie die Arbeit an FREEDOM begonnen hat – jeder durfte sich an verschiedenen Bandpositionen austoben. In meinem Fall waren es neben meiner Gitarre eben verschiedene Keyboards und Bässe. Zusätzlich habe ich mir für unseren Sänger Arnel [Pineda] Gesangsmelodien ausgedacht. Was viele nicht wissen ist, dass ich dafür auch schon in der Ära mit Steve Perry zuständig war.
Narada hat mich bei dieser Produktion richtig gepusht, um mehr Melodien als je zuvor auszuarbeiten. Manchmal hat mir seine Begeisterung dafür etwas Angst bereitet. Ich sehe mich selbst nicht als guten Sänger und habe mich bisher nur ein paar Mal dazu überreden lassen, dass meine Stimme bewusst auf einem Album zu hören ist. Bei diesen Sessions war die Atmosphäre jedoch so relaxt, dass dabei ein paar klasse Background
Vocals herausgekommen sind.

Wie habt ihr Arnels Gesang aufgenommen?
In die USA durfte er aus den Philippinen ja bis November 2021 nicht einreisen. Nachdem ich die Gesangsmelodien und Jonathan die Texte fertig hatten, haben wir die Dateien an Arnel geschickt. Genau wie jetzt während dieses Interviews waren wir an der Westküste zur Mittagszeit vor einem Zoom-Video-Meeting gesessen und haben uns mit Pineda im 15 Stunden in der Zukunft liegenden Manila unterhalten. Er hat sich im Obergeschoss seines Hauses ein Ministudio, bestehend aus einem Computer, einem Audio-Interface und einem High-End-Gesangsmikrofon, eingerichtet. Ich finde es in der Retrospektive immer noch faszinierend, wie wir mit einer Internetleitung um Dreiviertel der Erde ohne spürbare Verzögerungen miteinander aufnehmen konnten. Unser Toningenieur hat zudem von Kalifornien aus alle Einstellungen in Arnels Audiosoftware getätigt. So konnte er sich voll und ganz aufs Singen konzentrieren. Die neue Technik ist echt verdammt cool, um auch in so scheinbar ausweglosen Situation wie einer Pandemie gemeinsam eine Platte zu produzieren.

Das klingt jetzt alles so, als ob ihr die 15 Songs für FREEDOM in kürzester Zeit geschrieben, arrangiert und aufgenommen habt.
Ganz so ist es natürlich nicht. Ich sammle jeden Tag neue Einfälle mit der Sprachmemo-App meines Smartphones. Ehrlich gesagt, kann ich die genau Anzahl der auf irgendeiner Festplatte schlummernden Ideen, die so entstanden sind, nicht beziffern. Grob geschätzt dürften es aber schon an die 100.000 Dateien sein. Diese Geistesblitze können gesungene oder mit der Gitarre gespielte Melodien, Riffs oder Akkord-
folgen sein. Beispielsweise basiert das letzte Stück des Albums, ›Beautiful As You Are‹, auf einem zur Zeit von DEPARTURE (1980) auf Tonband festgehaltenen Chorus-Grundgerüst. Irgendwie ist mir dieses alte Tape während der FREEDOM-Sessions mit Narada wieder in den Sinn gekommen. Er hat den Part sofort für gut befunden und es ist der jetzige Song daraus entstanden. Daran sieht man, dass es manchmal einfach etwas mehr Zeit braucht. Man sollte eben nie etwas übers Knie brechen …

Taylor Hawkins: Tribut-Konzert am 3. September in London

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Am kommenden 3. September findet das erste der beiden Taylor-Hawkins-Tribut-Konzerten im Londoner Wembley Stadion statt. Am 27. September gibt es dann die zweite Show im Kia-Forum in Los Angeles zu sehen. Beide Konzerte werden auch im Live-Stream online übertragen, zum Beispiel hier bei Youtube.

Zahlreiche Künstler und Künstlerinnen werden dem im März verstorbenen Drummer der Foo Fighters gedenken. Mit dabei werden u.a. sein Brian Johnson, Lars Urlich, Roger Taylor, Alex Lifeson, Geddy Lee, Brian May, Travis Baker, Stewart Copeland, Liam Gallagher, Justin Hawkins, Josh Homme und viele mehr.

Weitere Infos findet ihr hier: https://www.taylorhawkinstributeconcert.com/

Ghost Woman: Musik aus der nostalgischen Garage

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Evan Uschenkos Diskografie ist bereits recht lang – man muss nur genauer hinschauen, um das zu erkennen. Der Amerikaner hat bei vielen Aufnahmen anderer Acts mitgespielt, ist mit ihnen auf Tour gegangen. Für ein eigenes Projekt reichten lange die Kapazitäten nicht: zeitlich, finanziell. Nun hat sich der Multiinstrumentalist aus Arizona ein Herz genommen: Nach der ersten EP im vergangenen Jahr erscheint nun das erste Album, das wie das Projekt GHOST WOMAN heißt. Wo die musikalische Reise hingehen soll, wird schon bei den ersten Tönen klar: Evan Uschenko ist ein Klangnostalgiker. „Ich habe mich stark von den Platten inspirieren lassen, die ich als Kind in der Sammlung meines Vaters entdeckt habe“, sagt er – und droppt ein paar Namen: „The Kinks, Roy Orbison, Led Zeppelin, Pink Floyd, The Byrds, Donovan, Dion, The Who.“ Die Klassiker eben. Was ihm daran gefiel? „Das, was mir bis heute gefällt: Ich bewundere die Produktionsweise dieser Alben, dazu die Ehrlichkeit des Songwritings.“

Mit seinen eigenen Songs versucht er gar nicht erst, sich von dieser Liebe zu distanzieren: „Als Songwriter und Produzent ziele ich dar- auf, die Sichtweise dieser Klassiker einzunehmen.“ Wobei Uschenko – der unter anderem mit den australischen Viel-Veröffentlichern King Gizzard & The Lizard Wizard auf der Bühne stand – jeglichen Hochglanz weglässt: Soundtechnisch hält er sich lieber in der Garage auf als auf großen Rock-Bühnen. Was vor allem daran liegt, dass Uschenko – ein Neo-Psychedeliker im Herzen – keine Neigung für
Kalkulationen besitzt. „Meine Musik entsteht aus abstrakten und leeren Räumen heraus“, sagt er. Um das zu garantieren, hört er rund ums Songwriting keine andere Musik. „Alles, was ich jemals gehört habe, ist dann zwar noch vorhanden – aber eben nicht mehr konkret, sondern flüchtig, als ein kaum zu benennender Einfluss.“

Der Geist seiner Musik liege damit in seinem Kopf, in seiner Seele. Wobei Evan Uschenko glaubt, dass besondere Instrumente dabei helfen, diesen Geist zu wecken. Als umso schrecklicher empfand er es, dass er in jüngerer Vergangenheit zweimal wichtige Teile seines Equipments verloren hat, einmal bei einem Feuer, einmal bei einem Einbruch. „Es ist wirklich ätzend, weil ich glaube, einen einzigarten Park alter Geräte besessen zu haben. Die Songs der Platte waren da aber schon im Kasten“, sagt er. Ein Umstand, der GHOST WOMAN eine sehr berührende Dimension verleiht: Ein letzter Abschiedsgruß der Instrumente an ihren ehemaligen Besitzer. Wie es nun weiter- geht? Aktuell beschafft er sich Ersatz. „Das nächste Album dürfte daher ein wenig anders klingen, was wiederum nicht schlimm sein muss.“ Und doch fügt er halb lächelnd, halb bittend hinzu: „Falls
jemand unter der CLASSIC-ROCK-Leserschaft eine Hopf Saturn 63 Gitarre zu verkaufen hat: bitte melden.“

Tommy Lee: Zieht auf der Bühne „blank“

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Vor wenigen Wochen sorgte Mötley-Crüe-Drummer für einen kleinen Internetskandal, weil er ein Nacktfoto von sich auf Instagram postete, auf dem sein Penis unzensiert zu sehen war. Das Foto wurde kurz darauf von der Social-Media-Plattform verbannt.

Während eines Auftritts der aktuellen „The Stadium Tour“ griff Tommy Lee nun diesen Vorfall auf der Bühne wieder auf und erklärte die Entstehung des Bildes. „Folgendes geschah: Ich war verdammt betrunken, knipste einige Bilder von meinem Schwanz und postete sie auf Instagram.“

Dann fragte er das Publikum, ob es seine „Wiener“ (anderes Wort für Penis) sehen wolle. Auf lauten Jubel des Publikums hin griff Tommy Lee also in seine Hose und zog nicht etwa sein Geschlecht, sondern einen Dackel hervor – der auf Englisch auch Wiener Dog heißt.

Whitesnake: Gamechanger LOVEHUNTER

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Bis heute werden David Coverdale & Co. als Band der 80er bezeichnet, doch ihre Sporen verdienten sie sich in den 70ern mit bluesigem Hardrock. Bis 1979 dieser Gamechanger daherkam.

Das provokativ betitelte LOVEHUNTER war der Zweitling von White­snake, jener bluesgetränkten Hardrock-Band, die David Coverdale nach der Auflösung von Deep Purple gegründet hatte. Mit den Gitarristen Bernie Marsden und Mick Moody sowie Bassist Neil Murray und Schlagzeuger David „Duck“ Dowle hatte der Sänger den Grundstein gelegt, bevor sein einstiger Deep-Purple-Kollege Jon Lord während der Aufnahmen zum Debütalbum TROUBLE im Vorjahr dazustieß.


TROUBLE war als Absichtserklärung schon einigermaßen vielversprechend gewesen, doch LOVEHUNTER erreichte dank soliderer Songs und einer deutlich gewachsenen Chemie innerhalb der Band ein völlig anderes Niveau. Für die Aufnahmen in Clearwell Castle, jenem Anwesen aus dem 18. Jahrhundert im Forest of Dean, wo Purple sich auf BURN und STORMBRINGER vorbereitet hatten, hatte man wie schon bei TROUBLE den bevorzugten Purple-Produzenten Martin Birch eingestellt, um im Rolling Stones Mobile die Konsolen zu bedienen. Birch, von Iron Maiden später mit dem Spitznamen „Rektor“ versehen, war ein ernster Mensch, hatte aber durchaus Sinn für Humor. In Clearwell spukte es angeblich und es bereitete ihm großes Vergnügen, unheimliche Geräusche in die Kopfhörer der Band zu speisen, während die Aufnahmegeräte liefen.

Teile des Materials, etwa ›Medicine Man‹, waren schon teilweise geschrieben und einstudiert worden, doch andere Songs entstanden erst vor Ort. Auch ›Walking In The Shadow Of The Blues‹, eine punktgenaue Fusion von Blues, Hardrock und Melodie, gehörte in erstere Kategorie. Es wurde nicht nur zu einem Schlüsselstück aus dem Frühwerk der Band, sondern auch für viele Jahre zu einem ihrer Live-Favoriten. „Yeah, ›Shadow Of The Blues‹ war brandneu in Clearwell, was Seine Majestät enorm erfreute“, sagt Marsden lachend angesichts dieser Erinnerung.


Marsden, der vorgeschlagen hatte, man solle sich an Leon Russells ›Help Me Through The Day‹ versuchen, hatte ›You And Me‹ zunächst für sein eigenes Soloalbum ABOUT TIME TOO vorgesehen, das im selben Jahr erscheinen sollte, doch Coverdale überredete ihn, es für White­snake umzuschreiben. Als großer Beitrag zum Charme der Platte endet diese schließlich mit dem kurzen, prägnanten Rausschmeißer ›We Wish You Well‹, das Konzertbesucher bis heute mit dem klanglichen Äquivalent einer warmen, maskulinen Umarmung nach Hause schickt.


Die Ausflüge in die Single-Charts mit den Originalversionen von ›Fool For Your Loving‹ und ›Here I Go Again‹ – die später beide für die Generation MTV überarbeitet wurden – lagen noch in der Zukunft. Das größte musikalische Thema des Albums war das anzügliche Titelstück, das schon für TROUBLE in Arbeit gewesen und dann verworfen worden war. Mit geschwellter Brust bezeichnete sich der Frontmann auf ›Lovehunter‹ als „back-door man“ und verkündete: „ I’ve taken everything I could, but I’ve given all I can“. Und er versprach: „Give you all my loving, and use my tail on you“.


Schon mit den Flachlegen-und-abhauen-Texten des Vorgängeralbums hatte Coverdale die PC-Brigaden erzürnt, doch LOVE­HUNTER, dessen Cover eine nackte Frau zeigte, die auf einer riesigen Schlange saß, war in etwa so subtil wie ein fliegender Dampfhammer. Das Motiv stammte aus der Feder des bekannten Fantasy-Künstlers Chris Achilleos, dessen Werke u.a. auch in Herrenmagazinen wie „Men Only“ zu sehen waren. „So sind wir auf ihn aufmerksam geworden“, sagt Marsden heute mit einem Lächeln.

„Irgendjemand hatte eine dieser Zeitschriften, allerdings war dort ein Drachen von ihm abgebildet.“
Coverdale gab später zu, dass das Artwork von LOVEHUNTER eine spontane Reaktion auf all jene gewesen war, die gegen solche Darstellungen protestierten, und mit dem erklärten Ziel entwickelt wurde, „sie einfach noch mehr aufzuregen“. Das gelang auf jeden Fall.


Während der Medienkampagne zu TROUBLE hatte Coverdale zum Thema Sexismus mit mehreren Journalisten die Schwerter gekreuzt, darunter Robbi Millar von „Sounds“. Diesmal schickte „Sounds“ einen männlichen Autor, Phil Sutcliffe, doch das Ergebnis war das gleiche. Marsden, der bei jenem Interview ebenfalls dabei war, hatte sich immerhin veranlasst gesehen, darüber nachzudenken: „Das Cover ist sexistisch, das muss ich zugeben. Vielleicht haben wir einen Fehler gemacht. Ich weiß es nicht“.


Coverdale zeigte hingegen keine Reue. „Wir leben die männliche Fantasie aus, als Pfau herumzustolzieren“, bestand er gegenüber Sutcliffe. „Wir spielen Cock-Rock. Wir baden in Andeutungen. In den USA ist das Cover wegen Sexismus verboten und das Album wird in einer braunen Papierhülle verkauft“, fuhr er fort und redete sich in Rage: „Ich schlug aufgeklebte Höschen für den heißen Feger auf dem Bild vor, aber sie glaubten wohl, dass das die Sache nur noch schlimmer machen würde.“

The Rolling Stones: Neue 4K-Version des Videos zu ›We Love You‹

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1967 veröffentlichten die Rolling Stones ihre Single ›We Love You‹ zusammen mit einem Promotions-Video. Jetzt haben die Stones eine neue, hochauflösende 4K-Version des Clips veröffentlicht.

Da zur damaligen Zeit gerade ein mit viel medialer Aufmerksamkeit verbundener Prozess um die Rolling Stones wegen Drogenbesitzes (nach einer Razzia in Keith Richards Anwesen in West Wittering, Sussex) am Laufen war, sind am Anfang des Lieds passenderweise eine zuschlagende Zellentür und sich entfernende Schritte zu hören.

High Fidelity: Hannoveraner Americana

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Wenn eine Band wie der beste Musikfilm aller Zeiten heißt und nach dem Soundtrack des anderen besten Musikfilms aller Zeiten klingt, sind Fragen angebracht. Vor allem, wenn besagte Band aus Hannover stammt und dabei amerikanischer klingt als manche „echte“ Americana-Band. Tatsächlich wäre die Musik des High-Fidelity-Debütalbums COME RAIN OR SHINE gut in „Almost Famous“ aufgehoben. Aber auch als Soundtrack für atmosphärisches Kopfkino taugt sie sehr gut.

Das Longplay-Debüt von Thomas Wisniewski, Moritz Haak, Nils Meyer und Sven Braun ist keineswegs auch ihr Studio-Debüt. Nach einer EP 2018 erschienen 2019 und 2020 fünf Singles als Wegbereiter für das Album. Dass es aller Wahrscheinlichkeit nach zum Trotz während einer Pandemie-Hochphase im „Institut für Wohlklangforschung“ Hannover entstanden ist, ist Folge einer glücklichen Fügung, wie Thomas Wisniewski erzählt. Der angehende Doktor deutscher Literatur, sonst nicht um starke Worte verlegen, sucht nach der passenden Beschreibung. Es gehe zurück auf einen „magischen Moment“, sagt er schließlich fast verschämt. Nach zwei Monaten des absoluten Stillstands habe man ein Livekonzert gestreamt, noch nicht mal mit viel technischem Aufwand. „Manchmal ist es einfach so, man hat einen ganz okayen Sound … und es passt einfach alles.“

Das sah und fühlte ein Hannoveraner Geschäftsmann im virtuellen Publikum offenbar auch. Er bot an, ein Album zu f inanzieren. Das Vertrauen in ihre Kunst nahmen die vier Anfangsdreißiger als Ansporn, alle Entscheidungen im Hinblick auf größtmögliche Authentizität zu treffen. „Wir haben bis auf den Gesang und ein paar Soli das meiste live eingespielt – einfach, weil man das in der Zeit, aus der unsere Musik stammt, so gemacht hat, weil die Musik leben muss.“ Den Verzicht auf digitale Segnungen der Studiotechnik und den Mehraufwand akribischer Proben habe man gerne in Kauf genommen: „Wer handgemacht sagt, der muss auch von Hand liefern“, lacht er. Ebenso „von Hand“ will man die Scheibe unter die Fans bringen; Hilfe von einer Plattenfirma haben die vier nicht.

So wurde ihnen aber auch nicht reigeredet. „Tatsächlich werde ich oft gefragt, warum ich auf Englisch singe“, sagt Thomas Wisniewski. „Ich habe deutsch-polnische Eltern und bin zweisprachig aufgewachsen“, sagt er, „Englisch kam sehr früh als dritte Sprache hinzu.“ Die bilinguale Erziehung habe ihm geholfen, sich selbstverständlich in einer anderen Sprache auszudrücken. „Außerdem sind meine Texte oft sehr intim.“ Englisch hat einen wunderbaren Sprachfluss beim Singen. Die Sprache des Pop helfe ihm ähnlich wie ein Lyrisches Ich, sich den eigenen Gefühlen zu nähern und sie zu erzählen. „Am Ende fühlt es sich einfach richtig, sehr natürlich an.“ (Text: Christoph Ulrich)

Video der Woche: Rush mit ›Fly By Night‹

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Alles Gute Alex Lifeson! Der Gitarrenmeister von Rush feiert heute seinen 69. Geburtstag.

Zusammen mit seinem Kumpel Geddy Lee gründete Alex 1968 die Band Rush, bei der er bis zu ihrer offiziellen Auflösung 2018 – also 50 Jahre lang – hinter der Gitarre stand. Er prägte die Prog-Rocker nicht nur durch sein virtuoses Gitarrenspiel, sondern auch durch seinen Humor.

Heute gibt es ein Video aus den Anfangsjahren zu sehen. Der Clip von 1975 zeigt das Trio bei der Performance von ›Fly By Night‹, dem Titeltrack ihres gleichnamigen zweiten Albums.