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Start Blog Seite 192

Virgil & Steve Howe: LUNAR MIST

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Die Tragik, die sich hinter dem allzu frühen Tod von Virgil Howe, Sohn des Yes-Gitarristen Steve Howe, im September 2017 verbirgt, spürt man auf LUNAR MIST an vielen Stellen. Allerdings auch die Zuneigung, die Vater und Sohn miteinander verband, die Vertrautheit und ein ähnliches Gefühl für Klänge und Atmosphäre, für Stimmungen und Melodien. Insofern ist dieses posthum veröffentlichte Werk ein würdiges Gedenken an
einen jungen Musiker, der nur 42 Jahre alt wurde und auf dem besten Weg war, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Und für Steve Howe ist es zudem eine Form von Trauerarbeit, eine Art Musik gewordene Therapie, um den großen Schmerz zu überwinden. Bedenkt man die Vorgeschichte, kommen einem als Zuhörer mitunter selbst die Tränen.

Virgil & Steve Howe
LUNAR MIST
INSIDE OUT/SONY

virgil and steve howe lunar mist

Nikki Lane: DENIM & DIAMONDS

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Schon bei ihrem Karrierebeginn Mitte der sogenannten Nullerjahre stand für Nikki Lane die Entscheidung an: Punk oder Country. Zwei Genres, die, so denkt man, herzlich wenig miteinander gemein haben. Dass es aber durchaus Schnittmengen gibt, beweist die Singer/Songwriterin aus South Carolina mit ihrem vierten Album DENIM & DIAMONDS. Auf ihrem ersten seit fünf Jahren macht die 38-Jährige vieles anders als auf den Vorgängern: Sie nahm es nicht in Nashville, sondern in Kalifornien auf und umgab sich vorwiegend mit Rockmusikern (darunter Mitglieder von Queens Of The Stone Age). Dass man bei diesen Vorzeichen nicht wieder femininen Outlaw-Country in der Tradition von Wanda Jackson oder Loretta Lynn erwarten darf, versteht sich von selbst. Andererseits tut Nikki Lane der stilistische Tapetenwechsel hörbar gut: viel aufgeräumter Post-Punk, melodiös, handwerklich tadellos und rhythmisch packend. Für Country-Feeling sorgt immerhin noch Matthew Pynn an der Pedal-Steel.

NIKKI LANE
DENIM & DIAMONDS
NEW WEST RECORDS/BERTUS

Talas: 1985

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Back To The Future

Moment mal – Talas gibt es wieder? Ja, richtig gelesen. Talas um Wunder-Bassist Billy Sheehan (Mr. Big, David Lee Roth, UFO, The Winery Dogs, Sons Of Apollo) haben 40 Jahre nach ihrem letzten Studiowerk SINK YOUR TEETH INTO THAT (1982) einen neuen Longplayer aus dem Studio gewuchtet. Bis auf einen (›Black And Blue‹, ein sehr melodisches Highlight) wurden alle Songs 1985 geschrieben (deswegen auch der Albumtitel). Die Platte wäre ihre vierte geworden, wenn sie sich seinerzeit nicht getrennt hätten, weil Sheehan in die Soloband von David Lee Roth übergewechselt war. Obwohl Talas hart an den Songs gearbeitet haben, um das Beste aus ihnen herauszuholen, haben sie die Tracks nicht verändert oder ihnen eine moderne Wendung gegeben, sondern sie in der Ära leben lassen, in der sie entstanden sind – eine Momentaufnahme des musikalischen Lebens von 1985 sollte es werden. Es braucht nur ein paar Sekunden des Eröffnungsstücks ›Inner Mounting Flame‹, um deutlich zu machen, dass Talas wieder da sind und genauso gut klingen wie in den frühen 80ern – ein früher Höhepunkt. Vervollständigt durch Sänger Phil Naro (der 2021 leider seinen langen Kampf gegen den Krebs verlor), Schlagzeuger Mark Miller sowie Neuzugang Kire Najdovski an der Gitarre (sowie die Gäste James Naro und Ex-Gitarrist Mitch Perry, der sich auf seinen mitverfassten Nummern ›Crystal Clear‹ und ›On The Take‹ die Ehre gibt) ist dem Quartett ein wirklich tolles Hardrock-Album mit OldSchool-Vibe gelungen.

7 von 10 Punkten

Talas
1985
METAL BLADE/SONY

Talas 1985

Under Cover: Whitesnake – ›Ain’t No Love In The Heart Of The City‹

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Erstmals aufgenommen von: Bobby „Blue“ Bland, 1974 Geschrieben von: Michael Price und Dan Walsh. Gitarrist Bernie Marsden erinnert sich daran, wie Whitesnake den Song mit einer Killer-Liveversion zu ihrem eigenen machten.

Schon als sie den Song zum allerersten Mal spielten, wusste Bernie Marsden, dass Whitesnake mit ihrem Cover von ›Ain’t No Love In The Heart Of The City‹ einen Volltreffer gelandet hatten. Es war 1978 und der Gitarrist und seine Bandkollegen hatten gerade ihre Slowburner-Fassung der vier Jahre alten Single von R’n’B-Sänger Bobby „Blue“ Blands Single aufgenommen, die auf ihrer Debüt-EP SNAKEBITE erscheinen würde. Und jetzt war es Zeit für die Livepremiere. „Da waren 300 oder 400 Leute“, erinnert sich Marsden an die Show, „und 200 von ihnen sangen mit, obwohl sie den Song noch nie gehört hatten. Sie akzeptierten ihn sofort.“ Die Band war damals so neu, dass sie noch unter dem Namen David Coverdale’s Whitesnake firmierte. Doch wie die sofortige Wirkung dieser Nummer bewies, sollte ›Ain’t No Love In The Heart Of The City‹ sie bald etablieren. Es war Marsden, der das Stück überhaupt vorgeschlagen hatte. Er hatte sich in den Büros von Anchor Records in der Wardour Street in Soho, London, herumgetrieben, als ihm jemand ein Exemplar des Albums DREAMER von Bobby „Blue“ Bland in die Hand drückte, an dessen Veröffentlichung das Label vier Jahr zuvor beteiligt gewesen war.

Bland war schon jahrelang in der Musikszene unterwegs gewesen – seine ersten Aufnahmen hatte er in den 50ern gemacht. Und ›Ain’t No Love In The Heart Of The City‹, der Opener des Albums, trug diese tief in der Seele verwurzelte Müdigkeit unter der relativ fröhlichen Musik, die sofort Marsdens Aufmerksamkeit erweckte. „Ich wusste, dass es ein großartiger Song für Davids Stimme war. Er hatte von Bobby Bland gehört, aber ich glaube nicht, dass er mit diesem Stück vertraut war. Und er sah sofort, dass er der Nummer mit seiner Stimme seinen eigenen Stempel aufdrücken konnte.“ Die Band, zu der damals auch Gitarrist Micky Moody, Bassist Neil Murray, Schlagzeuger David Dowle und Keyboarder Phil Colley gehörten, verlangsamte Blands Original und verlieh ihm mit einem zusätzlichen Gitarrenlick am Anfang einen Instant-Hook. „Diese erste Studiofassung ist so langsam. Es ist schwer, im Studio so zu spielen, denn man wird voneinander mitgerissen. Da war damals so viel Energie bei Whitesnake.“

Marsden würdigt Produzent Martin Birch, der das Ganze dann auf ein ganz anderes Level hob: „Er wollte beide Gitarren ins Rampenlicht stellen und eine gute Atmosphäre erzeugen. Wäre er nicht dabei gewesen, hätte das nicht mal annähernd so geklungen wie es das letztlich tat. Sein Einfluss war enorm.“ Kein bisschen weniger entscheidend für den Erfolg des Lieds war Coverdales leidenschaftliche Gesangsdarbietung, welche die existenzielle Einsamkeit des Originals intensivierte, ohne in Bluesrock-Gepolter auszuarten. „Es ist unglaublich“, so Marsden. „Für mich war das die Blaupause von allem. ‚Mann, wenn du so singen kannst …‘“ Whitesnake begannen sofort, ›Ain’t No Love‹ live zu spielen, und es wurde aus dem Stand zu einem Publikumsliebling. Ebenfalls von Anfang an dabei war das, was Marsden als „den Mitsingteil“ bezeichnet – die Passage, in der die Zuschauer den Gesang von Coverdale übernahmen. „Der Whitesnake-Chor“, wie Marsden es formuliert. Die definitive Fassung wurde dann im November 1978 im Hammersmith Odeon in London aufgenommen und erschien erstmals auf dem 1980 nur in Japan veröffentlichten LIVE AT HAMMERSMITH. Erst als diese LP dann später im jenem Jahr als Teil von LIVE … IN THE HEART OF THE CITY international vermarktet wurde, entwickelte sich die Nummer – das Cover wie auch das Original – zu einem der großen Songs jener Ära.


„Es ist unglaublich, wenn man da steht und hört, wie es einem die Leute vorsingen. Wirklich bewegend war es für mich, als wir zum ersten Mal nach Japan fuhren. Da waren wir nun, mit- ten in Tokio, und spielten diesen Song, den wir 18 Monate zuvor aufgenommen hatten, und ein paar tausende Menschen sangen ihn uns in gebrochenem Englisch entgegen.“ Marsden bekräftigt, dass Whitesnake sich das Stück zu eigen machten, betont aber auch, dass sie es ohne Bobby „Blue“ Bland nicht hätten tun können. Der Gitarrist traf den Sänger schließlich 1990 backstage bei einem Gig in Brighton. „Er sagte: ‚Bist du der Typ von The Whitesnakes? Das habt ihr gut gemacht.‘ Ich antwortete: ‚Danke, Mister Bland, ohne Sie wäre das nicht möglich gewesen.‘ Dann sah er mich ganz ernst an und sagte: ‚Eines weiß ich – ihr habt daran einen Haufen mehr Geld verdient als ich.‘“

Gewinnspiel: Karten für Phil Campbell & The Bastard Sons

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Im Herbst 2022 gibt sich Ex-Motörhead-Mann Phil Campbell mit seinen Bastard Sons die Ehre. Unterstützt wird die Patchwork Familie von den Nitrogods und The Crossplane.

CLASSIC ROCK verlost 1×2 Tickets pro Stadt:

28.09. Berlin, Hole44

29.09. Hameln, Sumpfblume

30.09. Münster, Sputnikhalle

01.10. Magdeburg, Factory

03.10. Würzburg, Posthalle

04.10. Mannheim, Feuerwache

06.10. Stuttgart, Wizemann Club

07.10. München, Backstage Werk

08.10. Cham, L.A.

09.10. Nürnberg, Hirsch

11.10. Köln, Essigfabrik

13.10. Frankfurt, Das Bett

14.10. Hamburg, Gruenspan

15.10. Leipzig, Hellraiser

16.10. Dresden, Beatpol

Jetzt mitmachen und gewinnen:

[contact-form-7 id=“132916″ title=“Phil Campbell and the Bastard Sons“]

Tami Neilson: „Das Album, das ich schon immer machen wollte“

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Auf ihrem neuen Album KINGMAKER wollte Tami Neilson all jene Ideen verwirklichen, an die sie sich zuvor nie herangetraut hatte. „Anfang 2020 hatte ich ein Album herausgebracht, dem die Pandemie die Luft aus den Segeln nahm. 2020 war deshalb erst einmal ein Trauerprozess für mich. Erst 2021 ging ich KINGMAKER an und zwar ganz anders, als die vorherigen Alben. Ich hatte erstmals viel Zeit und den Mut, mir selbst auferlegte Regeln zu brechen. Eigentlich dachte immer: Wenn ich den Song nicht genauso auf die Bühne bringen kann wie er auf der Platte ist, dann mache ich ihn nicht. Davon habe ich mich befreit. Tourneen haben nicht stattgefunden, also erschuf ich das Album, das ich immer schon machen wollte. Jetzt, wo das Live-Geschäft wieder losgeht, bin ich natürlich am Arsch.“, erklärt die Kanadierin lachend von ihrer Wahlheimat Neuseeland aus. Kern dieses neuen Ansatz ist vor allem eine starke Dramaturgie: „Meine erste Liebe waren Künstlerinnen wie Dusty Springfield. Ich wollte, dass KINGMAKER sehr dramatisch klingt, aber auch reduzierte Songs wie ›Careless Woman‹ enthält. Dieser Kontrast war mir wichtig, weil Großes erst wirkt, wenn auch etwas Kleines als Gegenpol dabei ist“, so Neilson im Zoom-Interview. Inhaltlich beschäftigen sich die neuen Songs vor allem mit den durch das Patriarchat verursachten Missständen, mit denen sich viele Frauen herumschlagen müssen: „Wie so vielen Müttern ging mir die Pandemie an die Substanz. Es war verrückt, einen so großen Anteil der Care-Arbeit zu tragen. Diese Situation hat viele meiner Texte befeuert. Teilweise brodelte große Wut in mir hoch, weil Dinge wie die Gender-Pay-Gap so unfair sind.“

Ihre feministische Erleuchtung hatte die aus einer Musikerfamilie (The Neilsons) stammende Künstlerin erst recht spät: „ Ich wurde davon lange abgeschirmt, weil ich in einer Band mit meinen Brüdern und meinem Vater war und mich in einer geschützten Blase bewegte. Meine Epiphanie hatte ich, als ich Mutter wurde und die Dreistigkeit besaß, weiterhin Musikern sein zu wollen. Da schlug mir so viel Misogynie entgegen, dass es mir wirklich die Augen öffnete.“ Ob sie mit ihren kritischen Texten bei vielen Hörer*innen aneckt, ist Neilson inzwischen egal: „Musik ist immer ein Spiegel, sie reflektiert, was bereits in dir ist. Deine Reaktion spiegelt dein Innenleben wider, sie verrät dich.“ Ein Highlight unter vielen auf dem eindringlichen KINGMAKER heißt ›Beyond The Stars‹, ein Duett mit Country-Legende Willie Nelson, das auf eher ungewöhnliche Art und Weise zustande kam, wie die sympathische Künstlerin lachend erzählt: „Ich hätte bei einem Festival auf Willies Ranch spielen sollen, das wurde wegen der Pandemie jedoch auf ein Online-Event umgestellt. Dadurch entwickelte sich eine Twitter-Freundschaft zwischen mir und einer Frau namens Annie. Irgendwann meinte mein Bruder zu mir: ‚Du weißt schon, dass das Willie Nelsons Frau ist, oder?‘ Ich hatte keine Ahnung! Irgendwann traute ich mich, sie zu fragen, ob Willie wohl bei einem meiner Songs mitmachen würde und er sagte zu. Ich war total von den Socken.“

Rückblende Motörhead: ›Motorhead‹

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motorhead1974, ein Hotelzimmer in Hollywood: Bassist Lemmy Kilmister ist auf US-Tour mit Hawkwind, total high auf Speed – und schreibt das Stück, das sein Leben für immer verändern wird.

Es gab einer der großartigsten und lautesten Bands der Erde ihren Namen, definierte den Mann, der es schrieb, als Inbegriff des „Sex and drugs and rock‘n‘roll“-Lifestyles und hatte einen tiefgreifenden Einfluss auf Metallica, Venom und Napalm Death. Doch als Lemmy Kilmister vor fast 40 Jahren ›Motorhead‹ schrieb, war es, in seinen Worten, „einfach ein Lied“. Niemand, zuallerletzt Lemmy selbst, hätte vorhersehen können, dass es das wohl wichtigste Lied werden würde, das er je verfasste.

1974 war Lemmy 28 und Bassist bei den Spacerock-Gurus Hawkwind. Er war seit drei Jahren in der Band und hatte auf ihrem größten Hit ›Silver Machine‹ – Platz 3 der UK-Charts im Juni 1972 – Leadvocals gesungen. Aber als Songwriter war er frustriert. „Bei Hawkwind interessierte sich nie jemand für meine Songs“, erinnert er sich müde.

Trotzdem gab er nicht auf. Und als Hawkwind 1974 nach Los Angeles kamen, fand er die Inspiration für ein neues Lied in einer durchsoffenen und -drogten Nacht. Die Band war im Continental Hyatt House-Hotel am Sunset Boulevard abgestiegen, dessen Spitzname dank wilder Partys von allerlei Rockstars auf der Durchreise „Riot House“ lautete. Der perfekte Ort für Lemmy also, um komplett im Rock‘n‘Roll-Lifestyle aufzugehen – und ein Lied darüber zu schreiben.

Auf dem Balkon seines Zimmers im siebten Stock schrieb er das Stück in einer whisky- und speedbefeuerten Marathonsession in einer Nacht auf einer akustischen Ovation-Gitarre, die er von Roy Wood geborgt hatte, dessen Band Wizzard auch gerade im Hyatt wohnte.

„Ich kann mich nicht an den genauen Ablauf jener Nacht erinnern“, sagt er verständlicherweise, „aber um sieben Uhr morgens war ich immer noch wach und krähte immer noch, so laut ich konnte.“ Er erinnert sich auch daran, dass Autos auf der Straße unter ihm anhielten und die frühmorgendlichen Pendler entsetzt zu dem schreienden, langhaarigen Verrückten aufblickten, der offenbar gleich in den Tod springen würde. Und doch gab es keine Beschwerden von anderen Hotelgästen. „Na ja, damals ging es im Hyatt noch viel wilder zu.“

Was Lemmy in jener Nacht zustande brachte, war in seinen Worten „eine einfache Rock‘n‘Roll-Nummer“. Und der Text war im Prinzip ein laufender Kommentar zu den Ereignissen der Nacht. Die ersten beiden Zeilen zeigten ihn als durchgeknallten Engländer im Ausland: „Sun­rise, wrong side of another day/Sky high, six thousand miles away“. Der Refrain „Remember me now…“ bezog sich auf seine vielen One-night-stands. Der Songtitel dagegen war ein amerikanischer Slang-Begriff. „Ein ‚motorhead‘“, erklärt er, „ist jemand, der ständig redet. Ich hörte den Ausdruck und fand ihn ziemlich passend.“ Lemmy ist außerdem „sehr stolz“ darauf, dass ›Motorhead‹ der erste und vermutlich einzige Rocksong aller Zeiten ist, in dem das Wort „Parallelogramm“ vorkommt.

Lemmy war überrascht, als Dave Brock zustimmte, dass Hawkwind das Lied aufnehmen sollten. Das geschah im Januar 1975 in den Olympic Studios in Barnes, Südlondon, mit Lemmy am Mikro. Und auch wenn diese erste aufgenommene Fassung für Lemmys Geschmack etwas langsam war, gefiel ihm das jazzinspirierte Geigensolo des Hawkwind-Keyboarders Simon House. ›Motorhead‹ wurde schließlich als B-Seite für die Hawkwind-Single ›Kings Of Speed‹ ausgewählt. „Wie ironisch“, bemerkt Lemmy.

Im Mai 1975 wurde Lemmy an der US-kanadischen Grenze wegen Kokainbesitzes festgenommen, weswegen mehrere Hawkwind-Auftritte abgesagt werden mussten. Aber obwohl er entlassen wurde, nachdem sich die Drogen als Amphetamine erwiesen – ein geringfügigeres Verbrechen, für das die Anklage fallen gelassen wurde –, kehrte er arbeitslos nach London zurück.

Lemmy war am Boden, aber noch längst nicht am Ende. Und mit einem Lied, das Hawkwind gerade mal als B-Seite abtaten, hatte er die Blaupause für eine neue Band. Er tat sich mit Gitarrist Larry Wallis und Drummer Lucas Fox zusammen und nannte diese Band zunächst Bastard. Doch, wie er sich erinnert, „sagte mir ein Freund: ‚Du wirst wahrscheinlich nicht viel auf ‚Top Of The Pops‘ laufen mit so einem Namen.‘ Also entschied ich mich für Motörhead.

Der Name passte perfekt zur Musik der Band: „lauter, schneller, urbaner, rotziger, arroganter, paranoider Speed-Freak-Rock‘n‘Roll“, in Lemmys eigenen Worten. Es dauerte allerdings eine Weile, bis man diesen Sound perfektioniert hatte – unschwer zu erkennen an der ersten Aufnahme des Markenzeichen-Tracks der Band 1976. Lemmy fand sie „zu langsam“. Erst 1977, nachdem Fox gefeuert worden und Wallis ausgestiegen war, wurde die definitive Vollgasversion des Stücks vom klassischen Motörhead-Line-up aus Lemmy, Gitarrist „Fast“ Eddie Clarke und Drummer Phil „Philthy Animal“ Taylor aufgenommen. Diese Version entstand, als die gesamte Band – und der passenderweise „Speedy“ Keen genannte Produzent – auf Amphetaminen war. „Wir waren total high“, erinnert sich Lemmy. „Speedy machte 19 fucking Mixes von ›Motorhead‹ und fragte: ‚Welcher gefällt dir am besten?‘ Ich zeigte einfach auf einen und sagte: ‚der da.‘“

Diese rüpelhaft-rotzige Rock‘n‘Roll-Hymne kam nicht nur bei Punks und Headbangern gleichermaßen gut an, sondern wurde auch zum Referenzpunkt für viele, die noch folgen sollten.

„Dieses Stück hatte eine Urgewalt“, sagt Napalm Death-Frontmann Barney Greenway. „Es war schnell, als würde es gleich entgleisen. Es hatte eine echte ‚Scheiß drauf‘-Mentalität. Und es wurde ein riesiger Einfluss für Punkbands wie Discharge und Metalbands wie Venom und Metallica.“

„Es ist einfach ein Lied, das ich für Hawkwind schrieb und für Motörhead überarbeitete“, sagt Lemmy lapidar. Aber bei all seiner Nonchalance ist die größere Wahrheit über ›Motorhead‹, dass es sein Leben veränderte.

›Motorhead‹ wurde nicht nur von Hawkwind und natürlich Motörhead aufgenommen, sondern von einer Reihe anderer Bands, von den Thrash-Metal-Clowns Lawn­mower Deth über die US-Hardcore-Punks Poison Idea bis zu den 90s-Acid Jazz-Mitläufern Corduroy. Primal Scream veröffentlichten auf ihrem Album VANISHING POINT von 1997 ebenfalls eine Coverversion.

„Ich bekam eine Platinplatte, nachdem Primal Scream es aufgenommen hatten“, so Lemmy. „Sie sind eine beliebtere Band. Na ja, sie waren es einen Moment lang.“ Beeindruckt war er von ihrer Version aber nicht: „Ich kann nichts damit anfangen.“ Er bevorzugt die Fassung der Cockney Rejects auf ihren GREATEST HITS VOL. 3: LIVE & LOUD. „Das gefiel mir.“ Und was war die schlechteste Aufnahme? „An schlimmsten waren Corduroy – eine Discoversion. Schrecklich.“

Guns N‘ Roses: Neuauflage von USE YOUR ILLUSION I+II

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Am 11. November erscheint eine Neuauflage der berühmten Zwillingsalben von Guns N‘ Roses. USE YOUR ILLUSION I und USE YOUR ILLUSION II wurden ursprünglich am 17. September 1991 veröffentlicht. Neu abgemischt wird es USE YOUR ILLUSION I + II bald in verschiedenen Formaten zu erwerben geben. Als Highlight gilt ein umfassendes Boxset, das 97 Songs – davon 63 bisher unveröffentlicht – enthält, sowie eine 100-seitiges Buch mit nie gesehenen Fotos und weiterem Bildmaterial sowie einer Auswahl an Memorabilia und anderem Archivmaterial.

Auch Live-Aufnahmen werden in der Box enthalten sein, unter anderem eine der Warm-Up-Shows für die offizielle Tournee zu beiden Alben vom 16. Mai 1991 aus dem Ritz Theatre in New York. ›You Could Be Mine‹ von dieser Show gibt es bereits jetzt als ersten Vorgeschmack zu hören.