Am 14. April veröffentlichen Metallica ihr neues Studioalbum 72 SEASONS. Die erste Single mit dem Titel ›Lux Æterna‹ haben die Metal-Legenden gerade eben veröffentlicht. Und weil das noch nicht genug ist, kündigen Metallica auch gleich noch ihre Welttournee für 2023/2024 an. Dabei werden sie auch in vier deutschen Städten Halt machen. Im Mai 2023 macht die Band zweimal das Volksparksstadion und zweimal das Olympiastadion in München voll.
James Hetfield über den Titel und das Konzept des Albums: „72 Seasons – 72 Jahreszeiten. Die ersten 18 Jahre unseres Lebens, in denen unser wahres oder falsches Selbstbild geprägt wird. Der Gedanke, dass unsere Eltern es waren, die einem erzählten, ‘wer man ist’. Welche Schubladen möglich und passend sein könnten für die Persönlichkeit, die man hat. Richtig spannend daran finde ich, wie sich diese Auseinandersetzung mit den eigenen Grundüberzeugungen darauf auswirkt, in welchem Licht wir die Welt um uns herum heute wahrnehmen. Denn ein Großteil dessen, was wir als Erwachsene erleben, ist entweder eine Wiederholung dessen oder eine Reaktion auf eben diese Kindheitserfahrungen. Gefangene der eigenen Kindheit – oder Befreiung von den Fesseln, die wir tragen.“
2023 erscheint das Debüt EVIL WORLD MACHINE von Crossbone Skully, einem Projekt, hinter dem Tommy Henriksen als Mastermind, Leadsänger und Bassist steht. Crossbone Skully ist ein rächender Superheld aus dem Weltall, der auf die Erde zurückkehrt, um diese zu retten. Das Konzept-Album EVIL WORLD MACHINE erzähtl die Geschichte dieses Charakters. Produziert wurde das Werk von Mutt Lange, als Gastkünstler sind u.a. Johnny Depp, Nikki Sixx, Joe Perry, Alice Cooper und mehr.
Den Titeltrack ›Evil World Machine‹ gibt es bereits jetzt zu hören. Ein animiertes Video begleitet die geradlinige Hard-Rock-Veröffentlichung mit leichtem Krokus-Vibe.
Ron und Russell Mael stellten ihren Sinn für erfreulich abseitigen Humor häufiger unter Beweis, das von Monty Coles geschossene Cover-Foto für PROPAGANDA ist nur ein Beispiel von vielen. Da sagen wir doch mal: Willkommen an Bord! Und erblicken dabei das optisch ungleiche Brüderpaar auf dem Achterdeck eines in forcierter Fahrt bewegten Motorboots, die Frisuren vom Fahrtwind flott zerzaust. Doch auch, wenn einer der Songs des Albums den Titel ›Bon Voyage‹ trägt: Nach unbeschwerten Urlaubsfreuden sieht das eher nicht aus, und dass die Reise eine gute wird, darf man ebenfalls bezweifeln. Was zum einen an Russells angespanntem, der steifen Brise verkniffen trotzendem Blick liegt. Zum anderen an der Tatsache, dass die beiden gefesselt und geknebelt sind. Kein gutes Zeichen – so mitten auf dem Meer.
Und schon springt sie an, die Assoziationsmaschine: Sind sie etwa auf dem Weg zur eleganten Yacht eines bondtauglichen Superschurken, der ihnen an Bord triumphierend (und mit komischem Akzent) offenbaren wird, dass sie „das Spiel verloren“ haben, zumal ein Knopfdruck genügen wird, um die Welt in Schutt und Asche zu legen? Laut Drehbuch werden sie sich aber in letzter Sekunde befreien können, den bösen Buben spektakulär überrumpeln und so erfreulicherweise die Welt retten. Kann sein! Oder haben sie diese Station bereits hinter sich gebracht, die Überrumpelung in letzter Sekunde hat aber leider nicht funktioniert? Weshalb sie eben doch auf dem Weg zur finalen Ruhestätte sind, irgendwo da draußen, wo niemand zusieht. Fischfutter. Kann auch sein! Ist aber unwahrscheinlich. Denn einerseits nahmen sie bereits im Folgejahr ein neues Album auf und sind sogar noch heute regelmäßig auf Tournee. Andererseits existiert die Welt trotz ernsthafter Zerstörungsversuche noch immer (Stand heute). Die Sparks haben also offensichtlich gewonnen. Wie, ist doch ganz egal.
Ein halbes Jahrhundert nach einem Meilenstein zeigt sich Jeff Cotton erstmals seit Langem wieder als weltweit agierender Musiker. Sein neues Soloalbum nennt sich THE FANTASY OF REALITY und klingt auch so.
In den 60er-Jahren galt Jeff Cotton als eines der größten Slide-Gitarre-Talente Amerikas. Er spielte mit dem legendären Captain Beefheart in dessen Magic Band, wo er den großartigen Ry Cooder beerbte. Bei den Aufnahmen zum Kultalbum TROUT MASK REPLICA (1969) traf er den genialen Produzenten Frank Zappa, ließ sich von ihm inspirieren und war auf dem besten Weg, ein Superstar zu werden. Doch Mitte der 70er brach Cotton alles hinter sich ab, emigrierte nach Hawaii, heiratete und wandte sich dem christlichen Glauben zu. Er wurde Priester und predigte Liebe, Verständnis, Toleranz und Demut. Jetzt ist er wieder da, im Musikbusiness: Cotton hat ein neues Album aufgenommen. Es heißt THE FANTASY OF REALITY und umfasst stattliche 22 Songs. „Es sind Stücke aus allen Phasen der zurückliegenden 50 Jahre“, erklärt er. „Die ältesten Ideen stammen tatsächlich von 1970, die jüngsten aus den zurückliegenden fünf Jahren.“ Es seien, so der erstaunlich jugendlich wirkende 74-Jährige, Songs in sieben verschiedenen stilistischen Direktiven, von Blues und Rock bis hin zu Americana und Avantgarde.
Letztgenanntes sei seine liebste musikalische Richtung. „Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der munter experimentiert wurde. Nicht nur mit Drogen und für die damalige Zeit ungewöhnlichen Lebensformen, sondern eben auch musikalisch. In dieser Phase ist mein Faible für die Avantgarde, für schräge Ausdrucksformen entstanden. An diesen Vorlieben hat sich bis heute nichts geändert.“ Am grundlegenden Verhältnis zu seiner Rolle auf diesem Planeten dagegen sehr wohl. Und das drückt sich in den Texten auf THE FANTASY OF REALITY aus. Cotton: „Ich weiß nicht mehr jedes Detail, das mir in den späten 60ern im Kopf herumschwirrte. Aber heute bin ich ganz klar fokussiert auf meine Botschaften. Und die lauten: ,Liebt eure Mitmenschen, helft ihnen, unterstützt sie, kehrt ab von Egoismus und Selbstsucht!‘ Das ist es, was Gott, oder wie auch immer man die höhere Macht bezeichnen will, von uns Menschen erwartet. Wir haben heute, um den Titel eines der für mich wichtigsten Stücke der neuen Scheibe zu zitieren, ›The Season Of The Awakening‹.“ Mit dem, was Cotton damals vor über 50 Jahren in der Band von Don Glen Van Vliet aka Captain Beefheart vermitteln wollte, hat sein jetziges Leben nichts mehr zu tun. Die Erinnerungen an eine aufregende und wechselvolle Zeit dagegen sind geblieben. Auch die Schattenseiten. „Captain Beefheart und seine Band halfen mir dabei, nicht als Soldat eingezogen und nach Vietnam geschickt zu werden. Ich wollte auf keinen Fall meine Freunde, meine Brüder und Schwestern verlassen, um auf mir fremde Menschen zu schießen. Aber auch das Musikbusiness war zynisch, brutal und rücksichtslos. Und so erlebte ich Ende der 60er mein eigenes Vietnam.
Heute wäre Jimi Hendrix stolze 80 Jahre alt geworden. Wir gratulieren dem Gitarrenvirtuosen mit unserem Video der Woche.
Leider war Jimi Hendrix nur eine kurze Karriere vergönnt. Entdeckt wurde er im August 1966 von Chas Chandler (ehem. Bassist der Animals) im Club Café Wha? in New York. Chandler holte Jimi nach London, wo er seine ersten kleinen Erfolge feiern konnte.
Einer davon war Hendrix‘ Interpretation von ›Hey Joe‹, die seine erste Single werden sollte. Während der Song in den USA nicht in die Charts einstieg, erreichte er in UK Platz sechs. Er war fast immer Bestandteil seiner Setlists und auch sein letzter Song beim Woodstock – und somit auch der letzte Song des Festivals.
Leider verstarb Hendrix nur vier Jahre später an einer Überdosis in London, er wurde nur 27 Jahre alt. Ansonsten würde er heute seinen 80. Geburtstag feiern. Happy Birthday Jimi!
Am 2. Oktober jährte sich Tom Pettys Todestag zum fünften Mal, am 20. desselben Monats wäre der charismatische Sänger, Gitarrist und Songwriter aus Gainesville, Florida, 72 Jahre alt geworden. Als Petty und seine Herzensbrecher im Januar und Februar 1997 für 20 Shows ins legendäre Fillmore in San Francisco einzogen, war die Nervosität des Chefs förmlich greifbar. Die Heartbreakers hatten seit mehr als einem Jahr nicht mehr live gespielt, befanden sich auf ungewohntem Terrain, orientierten sich dann aber doch gewohnt schnell – Petty wollte Gitarre spielen und sonst nichts. Die Shows im Fillmore gehörten zu den unbeschwertesten, ehrlichsten, inspirierendsten und produktivsten Erfahrungen in der Bandkarriere. LIVE AT THE FILLMORE (1997) enthält mehr Coversongs als Originale und zollt den Künstlern und Songs Tribut, die Pettys Liebe zur Musik prägten, als er aufwuchs – bevor er selbst ein legendärer Songwriter und Interpret wurde. Von diesen 20 Shows wurden die letzten sechs komplett mitgeschnitten. Das intime Venue ermöglichte es der Band, ihre Sets jeden Abend zu variieren – die Setlisten enthielten neu arrangierte Versionen der Hits, Album Tracks, die sonst nicht zum Zuge kamen, und eben haufenweise Interpretationen von Fremdmaterial. Zu den Highlights gehören Bob Dylans ›Knockin’ On Heaven’s Door‹, J.J. Cales ›Crazy Mama‹, ›Time Is On My Side‹ und ›(I Can’t Get No) Satisfaction‹ von den Rolling Stones sowie weitere Songs von The Kinks, den Everly Brothers, Bill Withers, The Byrds, Chuck Berry und Booker T. & the M.G.’s.
Die Sammlung enthält auch Gastauftritte mit Roger McGuinn, dem Frontmann der Byrds, und der Blues-Legende John Lee Hooker. Zu den weiteren Höhepunkten gehören ellenlange Jams wie ›Mary Jane’s Last Dance‹ (was für ein Gitarren-Massaker!), ein zwölfminütiges ›It’s Good To Be King‹, ein zehnminütiges ›Gloria‹ (Them), ›Friend Of The Devil‹ (Grateful Dead) sowie ›Ain’t No Sunshine‹. Das 2CD-Set enthält 33 Titel, davon 18 Cover – zwei Stunden Musik. Selbiges gilt für das 3LP-Set. Die 4CD-Deluxe-Edition enthält 58 Titel, davon 35 Cover – über vier Stunden Musik. Die vier CDs befinden sich in einer Box, zusammen mit einem 32-seitigen Booklet (mit bisher unveröffentlichten Fotos), drei speziell angefertigten Gitarren-Plektren, einer Replik des All-Access-Laminats und einem gestickten Aufnäher („The Fillmore House Band“ – eine Bezeichnung, die den Heartbreakers während der Shows im Fillmore verliehen wurde). Die 6LP-Box hat einen ähnlichen Inhalt, darüber hinaus aber noch einen Reprint eines Fan-Newsletters von 1997. Die Uber-Deluxe-Edition ist in einem authentischen, handgefertigten, maßgefertigten Beckenkoffer untergebracht, hat ansonsten denselben Inhalt wie die reguläre Box und ist ausschließlich über Pettys offiziellen Store erhältlich. Wenn man in diesem Jahr nur eine Platte kauft, dann muss es diese hier sein.
10 von 10 Punkten
Tom Petty & The Heartbreakers LIVE AT THE FILLMORE (1997) WARNER
Das Gitarrenintro im Eröffnungs- und Titelsong ›Untamed‹ erinnert von Sound und Style kurz an das im Poser-Klassiker ›Rock & Roll (Is Gonna Set The Night On Fire)‹ von Pretty Boy Floyd. Die Zeichen in Richtung Glam und Sleaze sind also schon mal deutlich gesetzt. Und so frönen die Franzosen Blackrain auch auf ihrem neuen Album dem Make-up-Metal der neueren Ausprägung. Dabei erinnern sie stark an die schwedischen Neo-Sleaze Kollegen Crashdiet, aber auch etwas an die hiesigen Glam-Homies Kissin’ Dynamite. So richtig sleazy, also schmierig und schmutzig ist der Sound von BlackRain zwar nicht wirklich und geht stellenweise in die Melodic-Rock-Richtung der Marke H.e.a.t, aber schmissig und stellenweise hymnisch ist er allemal. Vielleicht wird etwas zu häufig der Melodic-Metal-Groove à la The Poodles bemüht, aber die Dynamik macht Spaß. Und der schneidige und schneidende Gesang verleiht dem Ganzen eine gewisse Schärfe. Wenn auch etwas wenig Eigenständigkeit, denn UNTAMED erinnert doch stark an vergleichbare schwedische Ergüsse von Bands wie The Cruel Intentions, Hardcore Superstar und die bereits genannten Crashdiet. Für Genreliebhaber auf jeden Fall geeignet, wenn auch Kenner eher die Originale bevorzugen dürften.
Eine Generalabrechnung mit Politik, Religion, Gesellschaft und Medien liefern die Dänen von I’ll Be Damned auf ihrem dritten Longplayer. Entsprechend wütend klingt die Scheibe, die sich stilistisch irgendwo zwischen Groove Metal, Stoner Rock, klassischem Hardrock und etwas Southern Rock bewegt. Da sind auf der einen Seite fette Riffs und massive Drums, die an Bands wie Clutch, Fu Manchu oder Down erinnern, auf der anderen Seite der melodische hohe Reibeisengesang, der wie ein Hardrock- Sänger auf Speed klingt. Dazu eine amtliche Produktion von Tue Madsen (At The Gates, Meshuggah) im Antfarm-Studio – fertig ist der Rundumschlag im Albumformat. Klingt zwar nicht wie das neu erfundene Rad, macht aber durchwegs Spaß!