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Plattensammler: Bruce Hornsby über seine Lieblingsalben

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Bruce Hornsby Lieblingsalben
Sich mit seiner eigenen Arbeit Gänsehaut verpassen: Das dürften nur die wenigsten Künstler im Laufe ihrer Karriere schaffen. Bruce Hornsby – Klaviervirtuose, Songwriter und Erschaffer des 80er-Jahre-Hits ›The Way It Is‹ – erklärt selbstbewusst, dass ihm Selbiges mit seinem aktuellen Album mehrmals gelungen ist. Welche Platten ihn während des kreativen Entstehungsprozesses maßgeblich beeinflusst haben, verriet uns der studierte Musiker und Piano-Nerd in einem charmanten Telefon-Interview.

Ursula Oppens
ELLIOT CARTER, THE COMPLETE PIANO MUSIC (2008)

Oppens Plays Carter
Ein Album einer großen Klaviervirtuosin mit zehn Stücken darauf. Eines davon namens ›Caténaires‹ ist eine Art Per­petuum-Mobile-Stück, sehr schnell und schwer zu spielen. Ich musste es wirklich lange üben, dafür macht der Lernprozess sehr viel Spaß. Diese Komposition beeinflusste sowohl ›The Blinding Light Of Dreams‹ als auch den Mittelpart von ›Take You There Misty‹.

Joe Cocker
MAD DOGS & ENGLISHMEN (1970)

Joe Cocker Mad Dogs And Englishmen
Ich liebte Joe Cocker schon immer und tue es bis heute. Wenn ich eine Platte auf eine einsame Insel mitnehmen müsste, dann diese. Besonders das Stück ›Blue Medley‹ wartet mit einer Akkordfolge auf, die mich jedes Mal wieder umhaut, weswegen ich den Song ›Meds‹ um diese Akkorde herum geschrieben habe. Leon Russell übrigens, der diese Band angeführt hatte, ist einer meiner Helden und wurde später mein Freund. Letztes Jahr habe ich an seiner Beerdigung eine Grabrede gehalten.

Pierre-Laurent Aimard
LIGETI ÉTUDES (1996)

Pierre Laurent Aimard Ligeti Etudes
Das hier ist seine Interpretation eines der monumentalsten Piano-Werke des 20. Jahrhunderts, zumindest was klassische Musik betrifft: Die Études des großartigen, ungarischen Komponisten Ligeti. Der Titeltrack meines Albums ist maßgeblich hiervon beeinflusst und auch ›The Blinding Light Of Dreams‹. Man hört den Tritonus, den „diabolus in musica“, also den Teufel in der Musik.

The Beatles
REVOLVER (1966)


Ich bin ein Fan der späteren Beatles, ab RUBBER SOUL haben sie irgendwie mehr Tiefe und Seele erreicht. Auf meinem Album ist ein Song namens ›White Noise‹. Der wiederum hängt mit einem Cue zusammen, den ich für einen Film ge­­schrieben habe. Ich betitele meine Cues in Gedenken an ihre Inspirationsquelle und der Cue, den ich dann ›White Noise‹ nannte, war vorher „Eleanor Supreme“. Eben weil er musikalisch etwas von ›Eleanor Rigby‹ hatte, gleichzeitig aber auch die Anfangsmelodie stark vom großartigen John-Coltrane-Stück ›Love Supreme‹ beeinflusst ist. Die Beatles und Coltrane, schwer zu toppen.

Stevie Wonder
SONGS IN THE KEY OF LIFE (1976)

Stevie Wonder Songs In The Key Of Life
Eigentlich muss ich hier noch ein sechstes Album, nämlich Princes GREATES HITS, hineinschmuggeln. Mein Song ›Voyager One‹ bezieht sich auf einen Cue, den ich für einen Spike-Lee-Film ge­­schrieben habe. Der Streifen begleitete ein Basketball-Videospiel und ich war mir nicht sicher, wie ich da etwas beisteuern sollte. Sollte ich jetzt plötzlich irgendeine Art von Rap oder Hip-Hop machen? Nein, das wäre nicht möglich gewesen. (lacht) Also besann ich mich auf alten R&B aus den 70er-Jahren. Mein Drummer sollte zu ›I Wish‹ spielen und ich nahm diese Spur und schrieb einen Song dazu. Und voila: ›Voyager One‹ (lacht). Erst später fiel mir der Prince-Vibe des Stücks auf.

Plattensammler: Little Steven verrät uns seine Lieblingsalben

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little stevenAls Solokünstler erfolgreich, Gitarrist in Bruce Springsteens E Street Band und seit Neuestem Mitglied der Hall Of Fame von New Jersey: So wird‘s gemacht! Welche Musik Steven Van Zandt aka Little Steven zu seinen Taten inspiriert hat? Er hat‘s uns verraten.

The Temptations
THE BEST OF THE TEMPTATIONS
(1995)

Best Of The Temptations
Starten wir mit dem, was ich für das beste Album aller Zeiten halte. Auch wenn es ein bisschen geschummelt ist, weil es eine Best Of ist. Wenn man alles zusammennimmt, die Kompositionen, die Performance, die Arrangements, den Sound, dann haben die Temptations die großartigsten Platten überhaupt gemacht. Es gab sieben oder acht überragende Acts bei Motown, doch sie waren die Nummer 1. Viele meiner String- und Bläserarrangements sind von ihnen beeinflusst. Dazu hatten sie fünf Lead-Sänger, die alle gut waren, auch wenn David Ruffin mein Favorit ist. Einer der besten Sänger aller Zeiten.

The Rolling Stones
12 x 5
(1964)

Rolling Stones 12x5
Bei den frühen Werken der Stones wie der Beatles muss man zwischen den englischen und den amerikanischen Versionen unterscheiden, denn es finden sich verschiedene Lieder darauf. Das meiste auf 12×5 wurde in den Chess-Studios in Chicago aufgenommen, in vielerlei Hinsicht ist es für mich das erstaunlichste Album aller Zeiten. Die Art, wie sie ihre Einflüsse absorbiert und für sich selbst als Songwriter genutzt haben, ist außergewöhnlich. ›Good Times, Bad Times‹ klingt wie ein traditioneller Blues-Track, als wäre er von John Lee Hooker, Lightnin‘ Hopkins oder Son House. Aber geschrieben haben ihn Mick Jagger und Keith Richards.

The Beatles
HELP!
(1965)

Beatles Help
SGT. PEPPER‘S war wohl der wichtigste Moment, das wichtigste Album der Rockgeschichte. Aber wenn ich mir eins von ihnen aussuchen müsste, das ich mir wieder und wieder anhöre, dann ist das vermutlich HELP! oder vielleicht auch BEATLES FOR SALE. Eine ganz knappe Entscheidung, hm, mal schnell die Songs im Kopf durchgehen… Nein, es muss HELP! sein. Das Schöne an BEAT­LES FOR SALE ist, dass es ihr Everly-Brothers-Ding war, fast durchweg gibt es zweistimmige Harmoniegesänge. Aber wenn man beide Song für Song durchgeht, wird es dann letztendlich doch von HELP! ausgestochen.

Jeff Beck
TRUTH
(1968)

Jeff Beck Group Truth
Die Jeff Beck Group hat zwei Sachen gemacht, dir für mich zählen: TRUTH und BECK-OLA. Ich nehme das erste, denn es war einfach so aufregend, als es herausgekommen ist. Es hat eine neue Beziehung zwischen Sänger und Gitarrist etabliert und so gewissermaßen den Weg für den späteren Hardrock freigemacht. Zwar gab es schon Roger Daltrey und Pete Townshend oder auch die Kinks. Aber im Zusammenspiel von Jeff Beck und Rod Stewart lag etwas, das zu Aerosmith und all den anderen 80er-Gruppen führte. Beck war immer mein Lieblingsgitarrist, er denkt auf verrückte Weise, das mag ich. Und kaum zu glauben, dass Stewart weiß ist, er singt wie Sam Cooke.

The Byrds
TURN! TURN! TURN!
(1965)

Byrds Turn Turn Turn
Dieses Album hatte alles, was ihr Debüt hatte – und mehr. Gene Clark war damals gerade noch Teil der Byrds, er war der Hauptsongwriter, selbst wenn Roger McGuinn den Sound der Gruppe definierte. McGuinn spielte eigentlich eine akustische 12-String-Gitarre, bis er sich „A Hard Day‘s Night“ anschaute und entdeckte, dass George Harrison eine elektrische nutzte. Die Byrds verhalfen verschiedenen Genres zur Geburt: Zuerst erfanden sie Folk-Rock, dann machten sie Country-, Psychedelic- und Jazz-Rock populär. Ihre zweite Platte enthält einige von Clarks größten Tracks, und ›Turn! Turn! Turn!‹, ein Pete-Seeger-Stück, ist eine der besten Singles überhaupt.

Werkschau: The Beatles

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Beatles US AlbenDas Alte Testament der Popkultur: Alben, die in jede gut sortierte Rock-Sammlung gehören. Widerspruch ist zwecklos.

Über keine andere Rockband ist so viel geschrieben worden, wie über die Beatles. Keine hat so viele Platten verkauft und derartige Massen von jungen Menschen inspiriert, selbst ein Instrument in die Hand zu nehmen. Zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, bedient von vier halbwegs gleichberechtigten Individuen: Erst mit den Fab Four nahm die klassische Rockband Gestalt an, denn davor gab es nur Sänger und ihre dezent im Hintergrund agierenden Begleitcombos. Und: The Beatles faszinieren noch heute, mehr als 60 Jahre nach ihren Anfängen in Hamburg und über 50 Jahre nach ihrem Ende im Streit.

Der Grund dafür ist schnell erklärt: Die vier Liverpooler haben die Grundlagen geschaffen, sie sind quasi das Alte Testament der Popkultur, die Wiege diverser Genres vom Britpop bis zum Progrock. Und vor allem: Der Großteil ihrer Songs funktioniert noch heute, repräsentiert außerdem die Trias kluges Songwriting, intelligente Produktion und das lobenswerte Bestreben, künstlerisch neue Ufer zu erreichen.

Was dann auch ein Problem aufwirft, zumindest für diese Rubrik, in der gemeinhin Gutes von Schlechtem getrennt wird. Denn so richtigen Mist haben die Beatles eigentlich zu keiner Zeit produziert; selbst die vermeintlich schwächeren Werke in ihrem Repertoire sind zumindest interessante Zeitgeistdokumente und haben zudem oft genug Songs an Bord, die über jeden Zweifel erhaben sind. Weshalb die Auswahlkriterien in diesem Fall auch nicht rein qualitativer Natur sein können, sondern sich vielmehr an den heutigen Hörgewohnheiten orientieren.

Unverzichtbar

Revolver (1966)


Brillante Songs mit großer stilistischer Bandbreite, dazu eine Atmosphäre, die so ganz dem 66er-Zeitgeist entsprang: Beat war passé, die Hippie-Kultur jedoch noch nicht ganz angekommen. Das Ergebnis war Rock mit leicht psychedelischer Schräglage und experimentellen Untertönen. Von allen Beatles-Album hat REVOLVER die Jahre am besten überdauert, ›Tomorrow Never Knows‹, ›Taxman‹, ›I’m Only Sleeping‹ und ›She Said She Said‹ funktionieren noch heute bestens. Auch Paul McCartney, oft als Balladier missverstanden, lieferte Großes ab: ›Eleanor Rigby‹ etwa, ›For No One‹ und die Soul-Adaption ›Got To Get You Into My Life‹.

Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band (1967)

beatles
Die Erfindung des Prog-Rock, exzellent in Szene gesetzt: Allein ›A Day In The Life‹ lohnt die Anschaffung, doch auch der Rest des Albums überwand Genregrenzen auf spielerische Art. Der Titeltrack und ›Lucy In The Sky With Diamonds‹ sind Psychedelic-Rock, bei ›Fixing A Hole‹ klimpert das Cembalo, und die Harfe hielt mittels ›She’s Leaving Home‹ Einzug in den Pop. Auch wunderbar eigenartig: die Klangcollagen bei ›Being For The Benefit Of Mr. Kite‹ und die Indien-Reise ›Within You Without You‹. Ein Meisterwerk der Hippie-Kultur, deren Motto lautete: Alles ist erlaubt.

Wunderbar

Rubber Soul (1965)


The Beatles hatten Dylan gehört, Marihuana entdeckt und die Nase voll von konventionellen Junge-trifft-Mädchen-Texten. Was in einem Werk kulminierte, das man als Geburt des Pop-Albums bezeichnen kann: weitgehend stringent und größer als die Summe seiner Teile. Lennon, aufgrund Beatlemania und privater Malaisen in der Krise, lieferte Großes wie ›In My Life‹ und ›Norwegian Wood‹ ab, der Grundton des Albums war zwar folkig, doch auf ›Drive My Car‹ klangen The Beatles so funky wie nie zuvor. Wichtig: Die UK-Ausgabe ist das Original, US-Ableger Capitol machte daraus ein völlig anderes Album.

The Beatles (1968)


Das berühmteste Doppelalbum der Popgeschichte: Die Verpackung ist schlicht, der Inhalt aber ein wahres Füllhorn unterschiedlichster Pop-Spielarten. Das Spektrum reicht vom folkigen ›Blackbird‹ bis zum Hard Rock ›Helter Skelter‹, von ›Yer Blues‹ bis zum avantgardistischen ›Revolution #9‹. All das ist größtenteils wunderbare Musik, doch der Beigeschmack des „Weißen Albums“ ist dennoch ein wenig bitter. Denn statt einer an einem Strang ziehenden Band waren jetzt vier Individuen am Werke, denen der Sinn zunehmend nach Emanzipation stand. Künstlerisch wertvoll, aber der Anfang vom Ende der Beatles.

Abbey Road (1969)


ABBEY ROAD wurde nach LET IT BE aufgenommen, aber früher veröffentlicht. Harrison, als Songwriter gereift, steuerte den Engtanz-Knüller ›Something‹ und das elegante ›Here Comes The Sun‹ bei, für Neuklang sorgen ein Moog-Synthesizer sowie die B-Seite des Albums: Da die einst gedeihliche Zusammenarbeit zwischen Lennon und McCartney lahmte, entschied man sich, ihre Song-Fragmente zu einer Art Kollage zu verknüpfen, was auch bestens funktionierte. ABBEY ROAD mit seinem ikonengleichen Cover-Artwork betört mit intensiven Momenten – etwa Lennons hypnotischem ›I Want You (She’s So Heavy)‹.

Help! (1965)


Das letzte Album der Beatles-Frühphase und der Soundtrack zum zweiten Kinofilm der Liverpooler: Der kraftvolle Titelsong, das rhythmisch unorthodoxe ›Ticket To Ride‹ und Lennons folkiges ›You’ve Got To Hide Your Love Away‹ sorgen für Abwechslung auf hohem Niveau, und zum Abschluss lassen die Beatles mit Larry Williams’ Rock’n’Roll ›Dizzy Miss Lizzy‹ noch einmal die Sau raus. Häufig unterschätzt, aber enorm hörenswert: Das vom E-Piano getriebene ›The Night Before‹, ›Another Girl‹ mit seinen Country-Anklängen und der herzhaft-schwungvolle Britfolk ›I’ve Just Seen A Face‹.

Anhörbar

A Hard Day’s Night (1964)


Anhörbar? Aber allemal: Der Soundtrack zum gleichnamigen Kino-Debüt der Beatles ist die Essenz dessen, was die Beatlemania der frühen sechziger Jahre befeuert hatte: Pop-Melodien, dargebracht aber mit Rock’n’ Roll-Attitüde und wunderbarem, meist mehrstimmigem Gesang. John Lennons Einfluss war bei diesem Album signifikant, seine Rocker der Marke ›When I Get Home‹ und ›I’ll Cry Instead‹ atmen Countryrock-Flair. Zudem: Allein schon der Anfangsakkord des Titeltracks ist legendär – und George Harrison ließ hier erstmals die zwölfsaitige Rickenbacker-Gitarre scheppern.

Beatles For Sale (1965)


Gewiss nicht das spektakulärste aller Beatles-Alben, aber eines mit zweifellos wunderschönen Momenten: Etwa, wenn sich ›Eight Days A Week‹ mit originellem Gitarrenarrangement anschleicht und wieder von dannen macht, wenn George Harrison beim Solo zu ›I’m A Loser‹ ganz Rockabilly-mäßig seine Gretsch-Gitarre sprechen lässt, wenn sich beim Walzertakt von ›Baby’s In Black‹ bierseliges Liverpooler Kneipenfeeling breit macht oder ›I Don’t Want To Spoil The Party‹ auf den Punkt bringt, wie ein knackiger, unprätentiöser Popsong aufgebaut sein sollte – und in kurzer Zeit alles sagt, was gesagt werden musste.

Let It Be (1970)


Das Album, das den Beatles den Todesstoß versetzte: Man changierte zwischen betont schlicht und herzhaft gehaltenen Rocksongs sowie vollfetten Balladen, doch da man mit dem Ergebnis – und Paul McCartneys Führungsansprüchen – nicht zufrieden war, gab es Streit – und man engagierte den exzentrischen Produzenten Phil Spector. Der blies einige Stücke orchestral auf, was das Album allerdings nicht zwangsläufig besser machte. ›Get Back‹ und ›Across The Universe‹ faszinieren noch immer, und wer Spectors sirupdicke Produktion nicht mag, dem sei die abgespeckte Ur-Version LET IT BE NAKED empfohlen.

Sonderbar

Yellow Submarine (1969)


Der von Grafiker Heinz Edelmann kreierte Zeichentrickfilm gleichen Namens ist eine Pop-Art-Ikone ohne Wenn und Aber, der dazugehörige Soundtrack vereint allerdings Licht und Schatten: Die erste Seite mit – streckenweise enorm progressiven – Beatles-Songs (›Only A Northern Song‹, ›It’s All Too Much‹) macht Spaß, den Rest des Albums bestritt jedoch Produzent George Martin mit seinem orchestralen Film-Score: nett, aber nicht unbedingt zwingend. Was dann doch wieder für dieses Album spricht, ist das grandiose ›Hey Bulldog‹. Ein klasse Song, der eigentlich auf keinem Beatles-Sampler fehlen darf….

Plattenladen-Challenge: Michael Monroe

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Text: Mark Beaumont

Die Türen des „Levykauppa Keltainen Jäänsärkija“ Plattenladens öffnen sich an einem frostigen Frühlingstag in Helsinki und herein weht ein Hurricane. Ein zuckender Hurricane mit schnellem Mundwerk mit einer ärmellosen Lederjacke, Schlangenlederstiefeln, verspiegelter Sonnenbrille und lackierten Nägeln. Während er in das Geschäft spaziert, checkt er seine platinblonde Mähne in einem kleinen Handspiegel, während einige Fans neben ihm herlaufen.„Bist du nicht von Hanoi Rocks? Ich kann es nicht glauben!“, keuchen sie und betteln nach einem Autogramm. Einer der Fans erzählt davon, vor kurzem von St. Petersburg nach Estland gezogen zu sein, „Wegen… du weißt schon.“ „Es ist nicht deine Schuld, dass euer Anführer ein Arschloch ist“, grinst Michael Monroe und meint weiter. „Hab einfach Spaß mit dem Rock’n’Roll, okay?“ Als Ex-Hanoi-Sänger, wiederauferstandener Finnenrock-Held und Jurymitglied bei „The Voice Of Finland“, passiert Monroe so etwas ständig. „Jaja“, plappert er drauf los. „Das ist schon okay, das ist Teil des Deals. Deswegen habe ich immer diese Karten dabei“, erklärt er und zieht vor-signierte Autogrammkarten aus der Innentasche seiner Jacke. „Die sind schon unterschrieben. Wenn ich hier an einer Straßenecke damit anfange, Autogramme zu geben, steht schnell eine Schlange von Anwohnern da. Aber das macht mir nichts. Jeder, der sich darüber beschwert, beliebt zu sein, erzählt Scheiße. Warum haben sie sich dann eine Karriere aufgebaut?“

Auf den Straßen der finnischen Hauptstadt – einer nahtlosen Fusion aus Business und Boheme, wo der Hafen mit Fischerbooten gefüllt ist und schicke Cocktails jeden Cent ihrer horrenden Preisschilder wert sind – wirkt Monroe wie ein verkehrsgefährdender Rock’n’Roll-Skandal, ein Stück Sunset Strip in Europa. Doch wie er so durch das „Yellow Submarine“ (so heißt der Laden übersetzt) wieselt, ist er plötzlich der König seines eigenen Glam-Rock-Machtbereichs. Der Shop – der viel Punk, New Wave, Rock, Prog und Metal führt – wurde 1989 gegründet und Hanoi Rocks sind in diese Wände eingraviert. In den Regalen neben der Tür ist eine Kopie von Monroes gefeiertem 2011er Album SENSORY OVERDRIVE, auf dessen Cover manikürte Fingernägel ein aufgerissenes Auge präsentieren. „Das ist mein Auge, wie es dazu gezwungen ist, den Weltuntergang mitanzusehen.“, so Monroe. Zwischen Black Sabbath, Misfits und The Who und neben The Renegades und den New York Dolls beherrschen Hanoi-Poster den Raum. Auf einem Regal ist sogar eine Hanoi-Weihnachtskarte aus dem Jahr 1983 zu sehen, auf denen die Band aussieht, wie Santa Claus nach einer Haarspray-Explosion. „Das da haben wir im Tavastia Club nebenan geschossen“, meint Monroe und zeigt auf sein junges Gesicht, das uns von einer Wand gegenüber anschaut. „Da hatte ich meinen zweiten Gig als Sänger, ich muss 17 gewesen sein.“ Was er diesem jungen Kerl wohl heute sagen würde? „Ich würde sagen: Mach weiter so, du bist auf dem richtigen Weg.“

Dieses Poster löst eine Erinnerungswelle in ihm aus und er erzählt von seinen Tagen vor Hanoi Rocks, als er heimatlos auf den Straßen Stockholms mit seinen Bandkollegen Nasty Suicide und Sami Yaffa umher stromerte, die Kunst des Diebstahls perfektionierte oder Mädels klarmachte, nur um ihre Sofas und Kühlschränke nutzen zu können. Eigentlich ist der Rahmen des Nachmittags klar. Das Budget beträgt 60€, dafür soll Monroe Platten kaufen gehen. Was wir jedoch bekommen, ist eine Tour durch Monroes Leben, welche durch das Medium Vinyl erzählt wird. Sogar das Gebäude, in dem wir stehen, ist voller Erinnerungen. Im oberen Stockwerk waren einmal die Büros seines Managements und ein Fan hatte einmal ausgerechnet, dass er zwischen den frühen Hanoi-Tagen und den Reunion- bzw. Farewellshows im Jahr 2009 über 100 Shows im benachbarten Tavastia Club gespielt haben muss. „Wir spielten acht Shows in sechs Tagen. Ehrlich gesagt, war ich froh, als es vorbei war. Ich habe noch nie zuvor so schnell das Backstage verlassen wie damals nach dem letzten Song, da wollte ich einfach nur nach Hause. Aber im Tavastia sind tolle Shows garantiert, der Laden hat einen magischen Vibe, du kannst da drin gar nicht schlecht sein.“ Hinter jedem Plattencover in diesem Laden versteckt sich eine Anekdote, Monroe spricht mit Pathos und Ekstase und baut kleine, selbsterfundene Sprichwörter ein wie „Ich habe mit nichts angefangen und habe immer noch viel davon übrig.“ Als wir bei den Slade-Platten vorbeikommen, besprechen wir gerade Monroes Make-Up und er erinnert sich an seinen ersten Gig 1972, als er „acht oder neun war. Ich sah sie in einem Teenie-Magazin, dann live und war wie weggeblasen. Noddy Holder trug seinen Spiegel-Zylinder, sie waren laut wie die Hölle, danach hörte ich ein paar Tage nichts mehr, aber das war fantastisch.“

Led Zeppelin II

Der Anblick einer Compilation mit dem Titel BEST OF LEONARD COHEN erinnert ihn daran, wie er Leonard Cohen 1986 in Manhatten über den Weg lief, als er gerade seine künftige Frau besuchen wollte. „Es regnete, er trug eine Regenjacke und starrte mich an. Ich dachte mir nur: ‚Wer ist der Kerl? Der kommt mir doch bekannt vor?‘ Als ich bei Judy war, zog sie eine Platte aus dem Regal und fragte mich: ‚Kennst du Leonard Cohen?‘ Und ich darauf nur: ‚Den habe ich gerade auf der Straße gesehen.’“ Als er am Cover von LED ZEPPELIN II vorbeigeht, wird Monroe in die Zeiten seines musikalischen Erwachens zurückgeworfen, als sein Vater 1972 in einen Plattenladen ging und wissen wollte, was die Kids heutzutage denn so hören. Das Schicksal seines Sohns wurde an diesem Tag besiegelt.“Er kaufte Led Zeppelin, CCRs PENDULUM und LOVE IT TO DEATH von Alice Cooper. Wir waren völlig hin und weg, Alice sah wahnsinnig aus, auf dem Backcover hatte Neal Smith jene auftoupierte Frisur, die ich schon immer haben wollte.“

Flashback: ›Under Pressure‹ landet auf Platz 1

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Am 26. Oktober 1981 veröffentlichten Queen und David Bowie ›Under Pressure‹, knapp einen Monat später eroberte der Song die Spitze der Charts im UK. Eigentlich hätte David Bowie bei den Aufnahmesessions des Liedes ›Cool Cat‹ einige Background-Vocals beisteuern soll, während dieser Zusammentreffen im Studio in Montreux soll dann jedoch eher spontan als geplant ›Under Pressure‹ entstanden sein.

Eine andere Geschichte besagt, dass sowohl Queen als auch David Bowie im Oktober 1981 zufällig in Montreux waren. Der Schweizer Promoter Claude Nobs erzählt: „Wir hatten eine große Grillparty bei mir zuhause mit viel Wein, und das Wetter war wunderschön. Um Mitternacht sagte ich zu ihnen: ‚Wieso geht ihr nicht ins Studio und macht etwas zusammen?‘ Sie sahen mich an und sagten: ‚Was meinst du?‘ Und ich erwiderte: ‚Man bekommt Queen und David Bowie nicht oft zusammen, warum geht ihr also nicht ins Studio und seht mal, was ihr tun könnt?’“

Am nächsten Morgen war der Song fertig. Unterlegt von einer der genialsten Basslinien der Popgeschichte von John Deacon, stammte ein Großteil des Arrangements von Mercury, dessen euphorisierender Gesang perfekt zu Bowies passt, ihm aber spektakulär die Show stiehlt. Bowie wollte offenbar alles noch mal neu aufnehmen, doch Queens Sinn für das Spontane behielt die Oberhand.

Trotz allem hat Roger Taylor wohl Recht, wenn er sagt, dieses Stück mit David Bowie sei „eine der besten Sachen, die wir je gemacht haben.“ Es war das erste Mal überhaupt, dass sie mit einem anderen Künstler zusammengearbeitet hatten – und das zweite Mal, dass sie in Großbritannien Platz 1 erreichten.

Hier unsere brandneue Titelstory über David Bowie in der neuen Ausgabe von CLASSIC ROCK lesen.

Black Mirrors: Hell und dunkel zur selben Zeit

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Mit TOMORROW WILL BE WITHOUT US präsentieren die Black Mirrors ihren intensiven Debütnachfolger und zeigen sich darauf nicht sonderlich optimistisch, was die künftigen Wege der Menschheit betrifft. Die belgische Band um Sängerin Marcella di Troia kleidet ihre Gedankengänge in ein eng verwobenes Netz aus Alternative- und Stoner Rock, Grunge und einem Hauch Blues und führt die Stimmung auf der neuen Platte zurück auf die vielen Möglichkeiten zum Reflektieren, die sich durch die Pandemie ergeben hatten. „Für uns taten sich tausend Fragezeichen auf, was die Zukunft betrifft. Wir wussten damals nicht, wohin wir als Band, aber auch nicht, wohin wir als Menschen gehen. Manchmal hörte man während der Lockdowns sogar gute Nachrichten, die Umweltverschmutzung ging zurück, doch sobald alles wieder aufmachte, war alles wie vorher oder noch schlimmer. Wir erlebten ein Wechselbad der Gefühle, hell und dunkel zur selben Zeit. Das einzige was uns da half, war die Musik. Wie eine Katharsis.“, erklärt Pierre Lateur, Leadgitarrist und Partner von di Troia. Und so entstanden während der Pandemie zehn neue Songs, die sich ohne Zeitdruck und ohne Agenda einen Weg bahnten und das nachdenkliche Mindset von Marcella und Pierre widerspiegeln.

Ob die Aussage des Albumtitels nicht ein wenig drastisch gewählt wurde, diskutiert das Paar während des Zoom-Interviews: „Ich denke, eine Welt ohne Menschen wäre nichts schlimmes. Dabei meine ich aber nicht, dass der Durchschnittsmensch wegmuss. Viele von uns geben ihr Bestes, ich denke da eher an Leute wie Elon Musk, die mit ihrem vielen Geld Gott spielen, statt sich um Umwelt und Mitmenschen zu kümmern. Das ist ein Problem.“, macht Marcella ihren Standpunkt klar, während Pierre verdeutlicht: „Klar mag es der der Natur ohne uns besser gehen, mit dem Albumtitel deklarieren wir aber nicht, dass die Menschheit aussterben soll.“ Auch ihre eigene Rolle als tourende Musiker*innen in diesem System beziehen die beiden in ihre Überlegungen mit ein, man hört immer wieder eine gewisse innere Zerrissenheit während des Interviews heraus. Am deutlichsten wird jene wohl bei der Ballade ›Ode To My Unborn Child‹, einem höchst emotionalen Song, in dem Marcella einen Brief an das Kind schreibt, das sie wohl niemals bekommen wird. „Ich wollte schon immer Kinder, aber in diese Welt kann ich einfach kein Leben setzen, weil ich keine großen Hoffnungen in eine gute Zukunft habe. Als ich den Song schrieb, war ich wirklich traurig und sauer auf die Umstände, die mir diesen Wunsch verwehren. Ich weinte viel, die Aufnahmen waren total schwierig und auch wenn ich den Song live singe, habe ich einen Klos im Hals. Aber ich hoffe, dass er die Menschen erreicht, weil mir vielleicht einige nachfühlen können.“ Ihr ergriffener Partner Pierre fügt hinzu: „Darum geht es doch am Ende, das ist doch der Sinn von Musik, oder?“

Nikki Lane: Tougher Than The Rest

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Fünf Jahre nach ihrem famosen Durchbruchswerk HIGHWAY QUEEN und nach vielbeachteten Kollaborationen mit Lana Del Rey und Spiritualized macht Nikki Lane mit Queens-Of-The-Stone-Age-Mastermind Josh Homme an ihrer Seite nun den nächsten großen
Satz nach vorn. Auf DENIM & DIAMONDS glänzt die Amerikanerin beim Spagat zwischen düster anmutendem Outlaw-Country und abgehangenem Rock’n’Roll-Feeling.

Nikki Lane hatte viel Zeit, um ihre Akkus wieder aufzuladen. Schon vor der Pandemie hatte die ursprünglich aus South Carolina stammende und inzwischen in Tennessee heimische Singer/Songwriterin nach der langen, kräftezehrenden Tournee zu ihrem letzten Album die Reißleine gezogen und sich für eine Weile ins Privatleben verabschiedet. „Ich bin stolz darauf, dass ich stark und zäh bin, aber kein Mensch ist eine Maschine. Nach dem letzten Album eine solch lange Pause einzulegen, war nicht geplant, aber letztlich hat es mir doch geholfen.“ Tatsächlich ist das 38-jährige Energiebündel selbst nach der unerwarteten COVID-19-Zwangspause immer noch gerne daheim. „Ich konzentriere mich gerade sehr darauf, in meinem Umfeld präsent zu sein, denn das ist mein Anker“, verrät sie. „Das macht mich sehr glücklich, denn das versorgt mich mit den Themen, über die ich schreibe.“ Auf ihrem feinen neuen Album fallen deshalb viele der Songs textlich betont nachdenklich aus und reflektieren Lanes Selbstverständnis als starke Frau und Persönlichkeit, die keine Angst davor hat, sich tief in die Karten schauen zu lassen. Die Idee, ihr inzwischen viertes Album mit Josh Homme auf dem Produzentenstuhl umzusetzen, kam von Lanes Management. „Ich brauchte neue Impulse, jemanden, der mich in eine andere Richtung lenkt“, gesteht sie, „nicht jemanden, der mir sagt, was ich zu tun habe, aber jemanden, der mir Alternativen aufzeigt, an die ich selbst nicht gedacht hätte.“ Die Chance, mit Homme zu kollaborieren, sorgte für genau die Initialzündung, auf die Lane gehofft hatte.

Schnell fing sie an, echte Rock’n’Roll-Nummern wie ›First High‹ oder das Titelstück zu schreiben, die maßgeschneidert waren für die Kollaboration mit dem kalifornischen Tausendsassa. „Ich habe immer gesagt, dass ich gerne Tom Petty wäre oder die Sheryl Crow der Jetztzeit“, sagt sie. „Ich wollte die Art Songs haben, die dich auf langen Autofahrten wachhalten, aber stimmungsmäßig wollte ich meine toughere Seite betonen.“ Unterstützt wurde Lane bei den Sessions für DENIM & DIAMONDS von einer echten All-Star-Band, zu der neben Hommes QOTSA-Mitstreitern Alain Johannes, Dean Fertita und Michael Shuman auch Matt Helders von den Arctic Monkeys und Jack-White-Intimus Carla Azar gehörten. Probleme, Verantwortung im Studio abzugeben, hatte sie nie, denn gleichzeitig bestärkte Homme sie auch darin, sich auf ihre eigenen Talente zu verlassen, etwa beim leisen Schlusssong ›Chimayo‹, der ganz auf Lane, ihre herzzerreißende Croonerstimme und ihre Nylongitarre zugeschnitten ist. Überhaupt ist DENIM & DIAMONDS spürbar das Werk einer selbstbewussten Künstlerin, die weiß, wo ihre Stärken liegen. „Ich bin sehr gut darin, mich selbst zu editieren“, ist Lane überzeugt. „Genauso wie man Schränke ausmisten muss, wenn man zu viel Zeug hat, muss man das auch beim Songwriting tun. Ich muss ein Lied wochenlang im Kopf haben, bevor es in den iPod kommt, der heute für mich den Notizblock ersetzt. Wenn sich die Melodie nicht in meinem Gedächtnis festsetzt, dann weiß ich, dass sie nicht zwingend genug ist.“

Video der Woche: Bon Jovi ›Bad Medicine‹

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Heute vor 34 Jahren erklomm ›Bad Medicine‹ von Bon Jovi die Spitze der Charts. Bis heute zählt es zu den erfolgreichsten Stücken der Band aus New Jersey.

Am 13. September 1988 veröffentlichten Bon Jovi ihr viertes Album NEW JERSEY. Als erste Single wurde ›Bad Medicine‹ ausgekoppelt, das am 19. November 1988 auf Platz 1 der US-Album-Charts kletterte und dort zwei Wochen blieb. Geschrieben wurde es von Jon Bon Jovi, Richie Sambora und Desmond Child, mit dem sie auch schon bei SLIPPERY WHEN WET gearbeitet hatten.

Zum Song existieren zwei Videos, eines auf Basis eines Konzertmitschnitts. Das bekanntere zeigt anfangs eine Schlange junger Fans, die darauf warten, im Musikvideo der Band aufzutreten. Als ein Security vor die Menge tritt und fragt, ob noch Fragen bestehen, löst sich Komiker Sam Kinsion aus der Schlange und feuert die Kids an, sich selbst die Kameras zu schnappen und den Videodreh in die eigenen Hände zu nehmen, damit nicht wieder so ein langweiliger Clip entsteht, in dem sich die hübschen Musiker vor der Kamera räkeln. Gesagt – getan: mit mehreren Kameras bewaffnet, stürmen die Fans die Halle und beginnen zu drehen.

Das Resultat ist unser Video der Woche: