Black Mirrors: Hell und dunkel zur selben Zeit

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Black Mirrors: Hell und dunkel zur selben Zeit

Mit TOMORROW WILL BE WITHOUT US präsentieren die Black Mirrors ihren intensiven Debütnachfolger und zeigen sich darauf nicht sonderlich optimistisch, was die künftigen Wege der Menschheit betrifft. Die belgische Band um Sängerin Marcella di Troia kleidet ihre Gedankengänge in ein eng verwobenes Netz aus Alternative- und Stoner Rock, Grunge und einem Hauch Blues und führt die Stimmung auf der neuen Platte zurück auf die vielen Möglichkeiten zum Reflektieren, die sich durch die Pandemie ergeben hatten. „Für uns taten sich tausend Fragezeichen auf, was die Zukunft betrifft. Wir wussten damals nicht, wohin wir als Band, aber auch nicht, wohin wir als Menschen gehen. Manchmal hörte man während der Lockdowns sogar gute Nachrichten, die Umweltverschmutzung ging zurück, doch sobald alles wieder aufmachte, war alles wie vorher oder noch schlimmer. Wir erlebten ein Wechselbad der Gefühle, hell und dunkel zur selben Zeit. Das einzige was uns da half, war die Musik. Wie eine Katharsis.“, erklärt Pierre Lateur, Leadgitarrist und Partner von di Troia. Und so entstanden während der Pandemie zehn neue Songs, die sich ohne Zeitdruck und ohne Agenda einen Weg bahnten und das nachdenkliche Mindset von Marcella und Pierre widerspiegeln.

Ob die Aussage des Albumtitels nicht ein wenig drastisch gewählt wurde, diskutiert das Paar während des Zoom-Interviews: „Ich denke, eine Welt ohne Menschen wäre nichts schlimmes. Dabei meine ich aber nicht, dass der Durchschnittsmensch wegmuss. Viele von uns geben ihr Bestes, ich denke da eher an Leute wie Elon Musk, die mit ihrem vielen Geld Gott spielen, statt sich um Umwelt und Mitmenschen zu kümmern. Das ist ein Problem.“, macht Marcella ihren Standpunkt klar, während Pierre verdeutlicht: „Klar mag es der der Natur ohne uns besser gehen, mit dem Albumtitel deklarieren wir aber nicht, dass die Menschheit aussterben soll.“ Auch ihre eigene Rolle als tourende Musiker*innen in diesem System beziehen die beiden in ihre Überlegungen mit ein, man hört immer wieder eine gewisse innere Zerrissenheit während des Interviews heraus. Am deutlichsten wird jene wohl bei der Ballade ›Ode To My Unborn Child‹, einem höchst emotionalen Song, in dem Marcella einen Brief an das Kind schreibt, das sie wohl niemals bekommen wird. „Ich wollte schon immer Kinder, aber in diese Welt kann ich einfach kein Leben setzen, weil ich keine großen Hoffnungen in eine gute Zukunft habe. Als ich den Song schrieb, war ich wirklich traurig und sauer auf die Umstände, die mir diesen Wunsch verwehren. Ich weinte viel, die Aufnahmen waren total schwierig und auch wenn ich den Song live singe, habe ich einen Klos im Hals. Aber ich hoffe, dass er die Menschen erreicht, weil mir vielleicht einige nachfühlen können.“ Ihr ergriffener Partner Pierre fügt hinzu: „Darum geht es doch am Ende, das ist doch der Sinn von Musik, oder?“

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