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Kiss: Im Studio mit Gene Simmons…

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… für 5000 £

Wer 5000£ rumliegen hat, kann am 10. Juli zusammen mit Gene Simmons in den berühmten Abbey Road Studios in London einen Kiss-Song aufnehmen und bei den Vocals mithelfen. Am Ende des Tages bekommt man ein Tape von den besonderen Aufnahmen – veröffentlicht werden die Tracks nicht.

Simmons erzählt persönliche Geschichten aus seinem bewegten Leben als „Demon“ bei Kiss, unterschreibt Fanartikel und gibt den kaufkräftigen Kiss-Aficionados auch mindestens ein besonderes Stück aus seiner persönlichen Sammlung auf den Weg mit. Eine Begleitung darf auch mitgenommen werden. Alle Infos findet ihr hier.

Werkschau: Johnny Cash

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johnny cashDer legendäre Sänger und Songwriter nahm in seiner Karriere fast 100 Alben auf. Trotz einiger stilistischer Fehltritte blieb er seinem rebellischen Geist jedoch immer treu.

Als Johnny Cash mal gefragt wurde, über welche Themen er am liebsten singe, antwortete er mit einer langen Liste, auf der sich „Pferde, Eisenbahnen, Wandern, Ver­dammung, Erlösung, Arbeit, Whisky, Mord, Krieg, Gefängnis, Humor, Rebellion, Herzschmerz, Rauflust, Liebe, Familie und Gott“ befanden.

Kurzum: Er sang gerne über das Leben. Von Hell bis Dunkel, heilig bis weltlich lässt sein Songbook nichts aus. Dass es bis heute relevant geblieben ist, liegt nicht nur an der Qualität des Materials, sondern auch der Stimme, die es darbietet: tief, knorrig, leidenschaftlich. Das Bindeglied zwischen Woody Guthrie und Bruce Springsteen, so direkt wie ein Folksänger, so passioniert wie ein Prediger und so selbstsicher wie ein Rocker. Und auch wenn diese Stimme wie die eines Helden klingt, ist in ihrem Herzen immer dieses Beben, das uns wissen lässt, dass Cash doch nur ein Mensch ist.

1932 in Arkansas als Sohn von Farmpächtern geboren, arbeitete er (J.R. getauft, als sich seine Eltern auf keinen ersten oder zweiten Vornamen einigen konnten) als Junge auf den Baumwoll­feldern und träumte samstags zu den Radioüber­tragungen aus der Grand Ole Opry in Nashville. Mit zwölf spielte er schon Gitarre und schrieb Songs. 1955 unterschrieb er einen Vertrag bei Sun Records (wo Elvis seine ersten Platten machte). In den Anfangsjahren seiner Karriere kämpfte er mit den Dämonen Alkohol und Tabletten – u.a. be­­scherte ihm sein Verhalten einen Rausschmiss aus besagter Country-Institution namens Grand Ole Opry. Wie er später sagte: „Manchmal bin ich zwei Menschen. Johnny ist der nette Typ, Cash macht all den Ärger. Sie streiten sich“.

June Carters Liebe rettete ihn vor seinen Ex­­zessen, nach ihrer Hochzeit 1968 waren sie unzertrennlich. Als größter Star des Country und Mo­­derator seiner eigenen Fernsehsendung konnte er es sich zudem erlauben, furchtlose Entscheidungen für seine Karriere zu treffen. Er überschritt stilistische Grenzen, arbeitete mit Bob Dylan und Louis Armstrong zusammen, trat in Haftanstalten auf und setzte sich für die Rechte der amerikanischen Ureinwohner ein. Währenddessen verkaufte er über 90 Millionen Alben und wurde der einzige Künstler, der sowohl in die Country-, als auch die Rock And Roll- und Songwriters-Hall Of Fame aufgenommen wurde.

Und was seinen Spitznamen „The Man In Black“ betrifft, sang er einst: „I wear the black for the poor and the beaten down, livin’ in the hope­less, hungry side of town/I wear it for the prisoner who has long paid for his crime, but is there because he’s a victim of the times.“

Unverzichtbar

THE FABULOUS JOHNNY CASH
COLUMBIA, 1959

fabulous johnny cash
Diese tiefe Stimme. Diese spärliche Begleitung, die da­­hinrollt wie ein Zug. Der Ge­­triebene, zerrissen zwischen Licht und Dunkel. Sämtliche Markenzeichen von Johnny Cash finden sich auf seinem Debüt für Columbia Records. Es ist gerade mal 29 Minuten lang, aber keine einzige da­­von ist verschwendet. Die Themen Herzschmerz und Entbehrung sollten zur Blau­pause für Country, Folk und Rock werden. Und auf dem selbstverfassten ›Frankie‘s Man‹ sowie dem Klassiker ›Don‘t Take Your Guns To Town‹ zeigt Cash schon sein ganzes Talent als Geschich­tenerzähler. Auch fast 60 Jahre später knistert diese Platte vor schierer emotionaler Wucht.

AT FOLSOM PRISON
COLUMBIA, 1971

folsom prison
Der wahre „Jailhouse Rock“: Cash hatte schon seit zehn Jahren Konzerte in Gefängnis­sen gegeben, doch diese Show von 1968 fing ihn so roh wie nie ein, als er von Ver­brechen, schlechtem Gewis­sen und dem Leben hinter Gittern sang. Seine Verbin­dung zu den Häftlingen ist elektrisierend, vor allem auf Rocknummern wie ›Cocaine Blues‹, ›25 Minutes To Go‹ (wo Cashs Gesang in Rich­tung Punk weist) und ›Dark As A Dungeon‹. Es ist die ultimative Kommunion, in der Künstler und Publikum die Songs gemeinsam durchleben. Um die Intensität aufzulockern, warf Cash Scherze wie diesen ein: „Das wird für ein Album aufgezeichnet, also darf ich keine Wörter wie ‚hell‘ oder ‚shit‘ verwenden“.

Wunderbar

WITH HIS HOT AND BLUE GUITAR
SUN, 1957


Die erste LP, die Sun Records veröffentlichte. Als Vorboten einer langen Karriere muss man nur die vier Hits hören, die Cash ins Radio und die Jukeboxen brachten: ›I Walk The Line‹, ›Cry, Cry, Cry‹, ›So Doggone Lonesome‹ und ›Folsom Prison Blues‹. Ein Edelstein in der Krone von Sun, der sich deutlich von den Rockabilly-Partys der Kolleg­en Elvis und Jerry Lee abhebt – mehr Hillbilly, ländlicher, aber randvoll mit Energie. Eine Zeile wie „I shot a man in Reno just to watch him die“ hätte man von Presley oder Lewis garantiert nie gehört.

ORANGE BLOSSOM SPECIAL
COLUMBIA, 1965

orange blossom
1965 wurden Cash und Dylan zu Kollaborateuren, dieses Album klingt wie eine Hommage an Bob. Dessen Songs ›It Ain‘t Me, Babe‹ und ›Don‘t Think Twice, It‘s All Right‹ macht er sich hier zu eigen, während er auf die vertraute Kombo aus Akustischer und Mundharmonika eines Folk­sängers setzt. Das Titelstück verwandelt er mit seiner herausragenden Gesangsleistung in einen Country-Standard – man beachte den Moment, als er singt: „I don‘t care if I do or die“. Zudem findet sich hier sein erstes Duett mit June Carter. Ein packendes, schlüssiges Album von Anfang bis Ende.

EVERYBODY LOVES A NUT
COLUMBIA, 1966

johnny cash everybody
Johnny Cash als Witzbold? Ja, hinter der ernsten Fassade verbarg sich ein diebischer Sinn für Humor. Bis heute ak­­tuell ist ›The One On The Right Is On The Left‹, eine Spitze gegen Musiker, die ihre politischen Ansichten in Songs ausdrücken. ›The Singing Star‘s Queen‹ persifliert den Lady­killer-Ruf seines Kumpels Waylon Jennings. ›Dirty Old Egg Sucking Dog‹ folgt einem klauenden Hund, während ›Boa Constrictor‹ das Ver­schlungenwerden in eine Serie von Einzeilern packt. Das Art­work stammt vom legendären „MAD“-Zeichner Jack Davis.

AMERICAN RECORDINGS
AMERICAN, 1994


Sam Phillips von Sun Records hatte es von Anfang an begriffen: Am besten klingt Cashs Stimme in reduzierten Arran­gements. Als Rick Rubin den abgehalfterten Nashville-Star in den frühen 90ern unter Ver­trag nahm, stellte er also einfach zwei Mikros vor seine Nase, trat zurück und drückte auf „Record“. Die daraus resultierende Sammlung aus eigenen Songs und Cover-Version­en, nur mit Stimme und Gitarre dargeboten, ist ein fesselndes Audio-Vérité-Porträt und die erste von fünf Veröffent­lichungen dieser Serie in zehn Jahren.

Anhörbar

RING OF FIRE: THE BEST OF JOHNNY CASH
COLUMBIA, 1963


Normalerweise ist eine Best Of eine Art Abkürzung zu den Hits, doch diese versammelt mehrere wichtige Singles und EP-Tracks, die zuvor auf keinem Album erschienen waren. Darunter das Mariachi-beeinflusste ›Ring Of Fire‹, mitverfasst von Cashs zukünftiger Frau June Carter. ›What Do I Care‹ und ›I Still Miss So­­me­one‹ sind Klassiker, während ›Forty Shades Of Green‹, seine Ode an Irland, einer sein sollte. Das vergessene Juwel ist aber ›Tennessee Flat Top Box‹ aus Cashs Feder, ein perfekter Song, der sich entfaltet wie ›Johnny B. Goo­de‹ aus einem Paralleluni­versum.

RAGGED OLD FLAG
COLUMBIA, 1974


Es ist ein schmaler Grat zwischen Patriotismus und Hurra-Patriotismus. Der moderne Country ist vor allem von Letzterem durchsetzt. Doch dieses Konzeptalbum aus Cash-Kompositionen, erschienen während der Watergate-Prozesse, trifft die richtige Ba­­lance. Nach dem eröffnenden Vortrag, der eine Flagge ehrt, die „schon durchs Feuer gegangen ist“, singt er Oden an amerikanische Werte wie harte Ar­­beit (›King Of The Hill‹), Reli­gion (›Pie In The Sky‹) und Fa­­milie (›I‘m A Worried Man‹), äußert sich aber auch zu Um­­weltverschmutzung (›Don‘t Go Near The Water‹) und Strafjus­tiz (›Please Don‘t Let Me Out‹).

THE HIGHWAYMEN
COLUMBIA, 1986

the highwaymen
Über die Produktionen der 80er darf man hinweghören, doch es lohnt sich, Cash mit Titanen wie Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris Kris­tofferson zu erleben. Jim Webbs Titelstück ist ein Meisterwerk über Reinkar­nation, und Cashs Einstieg hat einen Captain-Kirk-Moment parat: „I fly a starship across the universe divide“. Weitere Highlights sind der Rockabilly-Swing von ›Big River‹ und be­­rührende Cover-Versionen von Guy Clarks ›Desperados Wai­ting For A Train‹ und Bob Segers ›Against The Wind‹. Das Kon­zept, dass Legenden miteinander abhängen und Spaß haben, wurde zur Blaupause für Super­groups à la Traveling Wilburys.

Sonderbar

RAINBOW
COLUMBIA, 1985

rainbow
Der Titel deutet an, dass hier was nicht stimmt. Die frühen 80er waren eine Zeit, in der Country in Nashville mit Sirup übergossen wurde. Cash tut sein Bestes, um sich anzupassen, doch diese Stimme mit kitschigen Synthies, schmetternden Gitarren und Drumma­schinen zu umgeben (produziert vom Memphis-Soulstar Chips Moman), ist, als würde man „Citizen Kane“ kolorieren. Zwei annehmbare Songs – ›I‘m Leaving Now‹ und ›Casey‘s Last Ride‹ – reichen nicht als Gegengewicht zur Fahrstuhl­musik. Das bittere Ende von Cashs Zeit bei Columbia und der Katalysator für seine spätere, akustische Wiedergeburt.

Mitch Ryder: Zwei Karrieren statt zweiter Karriere

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Die Detroit-Legende Mitch Ryder ist wohl einer der wenigen prominenten Musiker, die immer auf zwei Hochzeiten tanzen. Auf Tourneen in seiner Heimat USA wollen die Fans seine Motown-Soul-meets-Rock’n’Roll-Klassiker hören. In Europa, speziell in Deutschland, jedoch den Sound seiner Alben ab den späten 70ern.

Meine deutschen Fans fragen nicht nach meinen US-Hits. Für die europäischen Konzerte kann ich auf einen viel größeren Katalog zurückgreifen als für die US-Shows – wo ich eine Art Legende bin, während ich bei euch als zeitgenössischer Künstler wahrgenommen werde. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich beiderseits das spielen kann, was die Leute gerne mögen. In den Staaten wollen sie die Hits hören, und das genieße ich. Sehr angenehm ist aber auch das loyale deutsche Publikum, das seit 1979 treu zu den Konzerten jedes Jahr kommt. Durch die Pandemie allerdings haben wir jetzt drei Jahre pausieren müssen, und ich bin deshalb echt gespannt, welche Leute zu meiner Deutschland-Tour kommen. Und wie alt die Zuschauer sind.“ GEORGIA DRIFT heißt sein neues Werk auf seinem deutschen Label. Normalerweise hätte er es mit seiner hiesigen Liveband Engerling eingespielt. Pandemiebedingt nahm er diesmal aber in den Staaten auf, mit Musikern aus der direkten Umgebung seiner neuen Heimat in Amerikas Süden, in Georgia.

Das ganze Interview lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK. Überall am Kiosk erhältlich oder jetzt hier online versandkostenfrei bestellen.

Classic Rock 117

Video der Woche: George Harrison ›My Sweet Lord‹

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Wir möchten auf George Harrison anstoßen. Der „stille Beatle“ wäre heute 80 Jahre alt geworden. Happy Birthday und R.I.P.

Heute vor 80 Jahren kam George Harrison im englischen Liverpool zur Welt. Musikgeschichte schrieb er vor allem als Leadgitarrist der Beatles. Harrison war ein wichtiger kreativer Bestandteil der Formation, auch wenn er stets im Schatten von Paul McCartney und John Lennon stand. In den zehn Jahren, in denen die Beatles die Musikwelt veränderten, war Harrison an 22 Songs als Songwriter beteiligt.

1968 – noch vor dem Ende der Beatles – veröffentlichte Harrison als erster der Fab Four ein Soloalbum. WONDERWALL MUSIC war der Soundtrack zum gleichnamigen Film mit Jane Birkin und auch wenn die Platte keine nennenswerten Charterfolge feiern konnte, war sie doch der erste Schritt Harrisons aus dem Schatten von Lennon und McCartney.

Im April 1970 gaben die Beatles ihre Trennung bekannt. Im November desselben Jahres präsentierte Harrison ALL THINGS MUST PASS, sein drittes Solowerk und das erste Dreifach-Album der Popgeschichte. Produziert wurde sie von Phil Spector und ist bis heute seine erfolgreichste Veröffentlichung als Solokünstler.

Auf ALL THINGS MUST PASS befindet sich auch seine erfolgreichste Single ›My Sweet Lord‹, ein musikalisches Gebet in acht Versen, inspiriert vom Gospel-Song ›Oh Happy Day‹ von den Edwin Hawkins Sängern. Bemerkenswert sind auch die Musiker, die Harrison für den Song gewinnen konnte, so spielen darauf u.a. Ringo Starr, Eric Clapton, Klaus Voorman, Peter Frampton und Bobby Whitlock.

https://www.youtube.com/watch?v=4yBpzYMT31A

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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Freitag bedeutet nicht nur, dass das Wochenende zum Greifen nah ist, sondern auch, dass wieder zahlreiche neue Alben erscheinen. Heute in den Regalen: Die Neuheiten von Steel Panther, Siena Root, Lucero und Hong Faux.

Steel Panther: ON THE PROWL

„ON THE PROWL muss eben, wie alles von den Panthers, innerhalb jenes Korsetts betrachtet werden, das sie sich selbst geschnürt haben. In diesem Kontext eine handwerklich einwandfreie Glam-Metal-Platte.“

Hier geht’s zur Review…

Siena Root: REVELATION

„Das Ergebnis ist eine Melange aus Zeppelin, Doors, Jefferson Airplane, It’s A Beautiful Day und Road – und dann wieder doch nicht – die REVELATION zu einem faszinierenden Hörerlebnis macht, das erst nach wiederholter Betätigung des „Repeat“-Knopfes seine volle Wirkung entfesselt. Eine Offenbarung, die Raum zum Wachsen braucht. Eine Platte mit ganz viel Seele.“

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Hong Faux: DESOLATION YEARS

„Die Stockholmer brettern saftig und hochmotiviert los und nehmen auf den elf Tracks nie den Fuß vom Gas. Nicht zwingend in Sachen Tempo oder Härte (›Starkiller‹ etwa brilliert im Midtempo-Bereich), dafür qualitativ.“

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Lucero: SHOULD’VE LEARNED BY NOW

„Vor zwanzig Jahren dominierte bei ihnen Sturm und Drang, von Anfang bis Ende. Jetzt gibt es auch Zwischentöne, Momente der Reife. Größere Spannbreite gepaart mit alter Frische – so ist die Band unverzichtbar.“

Hier geht’s zur Review…

Lucero: SHOULD’VE LEARNED BY NOW

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Hart und herzlich

Der Einstieg mit ›One Last Fuck You‹ ist robust. Sänger Ben Nichols erzählt die Geschichte von einem Typen, der in einer Bar sitzt, erst die Welt verflucht und dann entscheidet, dass es fortan ohne harten Stoff gehen muss. In der Musik steckt ein Kampfgeist, den man in dieser Form von Springsteen, Mellencamp und Petty kennt, aber auch von The Replacements oder Jason & The Scorchers. Ähnlich ist es in ›Macon If We Make It‹. Der Orkan, in den man auf Reisen hineingeraten ist, fühlt sich hier genauso an wie der, den man zu Hause mit der Partnerin erlebt. Es ist aber nicht so, dass Nichols und seine Jungs nur auf die Barrikaden gehen und den Ekelfinger zeigen. ›She Leads Me‹ hört sich harmonischer und nach einer guten Beziehung an. ›Time To Go Home‹ gab es 2020 schon als Single. Damals spielte Rick Steff das Lead-Solo noch auf einem Synthesizer, jetzt ertönt ein Akkordeon. An solchen Stellen merkt man, welche Möglichkeiten Lucero im Vergleich zu früher haben. Vor zwanzig Jahren dominierte bei ihnen Sturm und Drang, von Anfang bis Ende. Jetzt gibt es auch Zwischentöne, Momente der Reife. Größere Spannbreite gepaart mit alter Frische – so ist die Band unverzichtbar.

8 von 10 Punkten

Lucero/ SHOULD‘VE LEARNED BY NOW/ LIBERTY & LAMENT/THIRTY TIGERS/MEMBRAN

Hong Faux: DESOLATION YEARS

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Aller guten Dinge …?

Die Ungnade später Geburt kann wirklich grausam sein. Wären Hong Faux 20 Jahre früher auf den Plan getreten, würden sie heute vermutlich zu den größten Bands ihres Landes zählen. Doch die Schweden kamen erst 2012 mit ihrem exzellenten Debüt daher, als der Rock schon größtenteils aus dem Mainstream verdrängt worden war. Auch ihr – ebenfalls äußerst empfehlenswerter – Zweitling von 2015 brachte ihnen wohlwollende Stimmen ein, aber viel zu wenig Erfolg. Acht Jahre später wagen sie endlich einen neuen Anlauf, und auch auf DESOLATION YEARS geben sie sich keinerlei Blöße. Die Stockholmer brettern saftig und hochmotiviert los und nehmen auf den elf Tracks nie den Fuß vom Gas. Nicht zwingend in Sachen Tempo oder Härte (›Starkiller‹ etwa brilliert im Midtempo-Bereich), dafür qualitativ. Niklas Serén und seine Kollegen sind Songwriter von echtem Format, schütteln mit ›Wake Me Up For Exit‹, ›Trains‹, dem Titelstück oder ›The Flood‹ eine großartige Melodie nach der anderen aus dem Ärmel und garnieren das Ganze mit genau dem richtigen Maß an Drang, Wucht und Biss – ohne dabei die kleinen Details zu vergessen, die aus einer guten eine wirklich interessante Platte machen. Wird der Knoten diesmal endlich platzen? An der Qualität der Musik scheitert es jedenfalls garantiert nicht.

8 von 10 Punkten

Hong Faux/ DESOLATION YEARS/ GOLDEN ROBOT/SOULFOOD

Steel Panther: ON THE PROWL

Obacht. Die Panther pirschen wieder!

Wenn die Titelliste eines neuen Albums klingt, als hätte ein kichernder 14-Jähriger sie geschrieben, dann liegt eine neue Steel-Panther-Platte vor. ON THE PROWL ist der sechste Streich der ewig pubertierenden Glam Metaller, die nach Basser Lexxi Foxx nun einen Herren namens Spyder am Viersaiter verpflichtet haben. Die vertonte Pirsch enthält 13 neue Tracks, die genau das abliefern, was man von dem leopardengemusterten Quartett erwartet: Knackigen 80er-Metal, hymnische Refrains, ein paar Metalschnulzen und viel sexuell aufgeladenen und sexistischen Unsinn. Welche Band sonst kann minutenlang „your vagina“ im Chorus rausposaunen und damit unbeschadet durchkommen? Wer das (Kunst-)Haar schütteln möchte, ist mit Songs wie ›Never Too Late (To Get Some Pussy Tonight)‹ oder ›Teleporter‹ gut bedient, die „tiefgründige“ Selbstreflexion ›Is My Dick Enough‹ erinnert an die Variation eines groovenden Circus-Of-Power-Songs, mit ›Pornstar‹, ›Ain’t Dead Yet‹ und ›1987‹ sind einige Powerballaden versammelt. Letztere ist eine rosa gefärbte Ode an die guten alten Zeiten und gleichzeitig bei all dem Spaß vielleicht ein Indiz dafür, dass auch Steel Panther trotz des infantilen „Pussy“-Geschreis nicht jünger werden und ein bisschen von der Komplexität der Gegenwart überfordert sind. ON THE PROWL muss eben, wie alles von den Panthers, innerhalb jenes Korsetts betrachtet werden, das sie sich selbst geschnürt haben. In diesem Kontext eine handwerklich einwandfreie Glam-Metal-Platte.

7 von 10 Punkten

Steel Panther/ ON THE PROWL /STEEL PANTHER INC.