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Lord Of The Lost: Auf dem Weg zum ESC

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Am 3. März um 22:30 Uhr findet der deutsche Vorentscheid für die Teilnahme beim diesjährigen Eurovision Songcontest im Ersten statt. Neben Pop-Act Frida Gold oder Partyschlagersänger Ikke Hüftgold werden morgen unter anderem auch die theatralischen Lord Of The Lost teilnehmen, eine Rock/Industrialband aus Hamburg.

Wer sich wünscht, mal wieder einen Rockact beim ESC (dieses Jahr in Liverpool) in den Ring zu schicken, der kann bereits jetzt für die Band voten unter https://www.eurovision.de/voting.

Mit ihrem gleichnamigen Album BLOOD & GLITTER sind Lord Of The Lost 2023 übrigens auf Platz eins der Albumcharts eingestiegen. Wer weiß, vielleicht wurde damit ja ein Jahr der Siege eingeläutet.

Sänger und Gitarrist Chris Harms über die Nominierung: „Wir sind eine Band, die sich noch nie bewusst irgendwem oder irgendwas angepasst hat. Keinem Trend, keiner Szene, keiner Erwartungshaltung. Wir haben immer das gemacht, was UNS gefällt, zu jeder Zeit. Dass wir nun mit unserem schrägen Genremix, so authentisch und unverbogen wie wir sind, für die größte Musikshow der Welt in Betracht gezogen werden, ist eine große Ehre und wir freuen uns extrem darauf, den ESC-Vorentscheid in vielerlei Hinsicht ein wenig bunter machen zu können. Ein Song wie „Blood & Glitter“ ist für die deutsche TV- und Radio-Landschaft ein ganz schön hartes Brett – das wird polarisieren. Und da wir Kontraste lieben, macht es das ganze umso spannender für uns. Freunde, am 3. März wird es laut in der ARD!“

Extreme: Neue Single ›Rise‹ von kommendem Album

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Extreme bringen eine neue Platte raus! Und das nach 15 Jahren, in denen die 80er-Institution kein neues Material veröffentlicht hat. Am 9. Juni wird SIX erscheinen, eine erste Single mit dem Titel ›Rise‹ gibt es jetzt schon zu hören.

„Musikalisch ist die neue Platte aggressiv“, so Frontmann Gary Cherone. „Textlich wird ein warnendes Märchen von den beiden Seiten des Ruhms erzählt. Man wird verführt. Sobald du ganz oben bist, wirst du auseinandergerissen und fallen gelassen. Das liegt in der Natur der Sache.“

Metallica: Neue Single ›If Darkness Had a Son‹

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Heute erscheint die neue Metallica-Single ›If Darkness Had a Son‹, bisher die dritte Auskopplung des kommenden Studioalbums 72 SEASONS. Die Platte erscheint am 14. April.

Passend zum neuen Album präsentiert CLASSIC ROCK „Metallica – Das Sonderheft“. Die 148 Seiten starke Special Edition erscheint am 05. April 2023 überall im Zeitschriftenhandel und versandkostenfrei über www.classicrock.net

Das letzte Wort: Roger Daltrey im Interview

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Roger Daltrey The Who

Roger Harry Daltrey baute sich seine erste Gitarre mit seinen eigenen Händen. Er war Blechschlosser, spielte Franz Liszt auf der großen Leinwand, betrieb eine Forellenzucht und ist die treibende Kraft hinter der Wohltätigkeitsorganisation Teenage Cancer Trust. Zusätzlich zu einer respektablen Solokarriere ist er der Frontmann von The Who, bei de­­nen er seit über einem halben Jahrhundert Pete Townshends Worte interpretiert, während er versucht, in einer der streitfreudigsten Bands der Rockgeschichte den Frieden zu bewahren.

Glaubst oder hast du jemals an Gott ge­­glaubt?
In die Kirche gehen und im Chor singen war ein Teil meines Leben, also habe ich wohl mal an ihn geglaubt, aber heute tue ich das nicht mehr.

Wie hat es sich auf dein Leben ausgewirkt, auf eine „grammar school“ (in etwa äquivalent zum deutschen Gymnasium) zu gehen?
Erschütternd gut. (lacht) Es hat mein Leben die Entwicklung nehmen lassen, die es genommen hat, aber es war eine entsetzliche Erfahrung und ich habe damals jeden Moment davon gehasst. Ich hatte nichts mit irgendjemand gemeinsam. Wenn du auf so einer Schule ankommst, wirst du vom Klassensystem ununterbrochen gewatscht und gleichzeitig in die Eier getreten.

Was denkst du ist die größte falsche Vorstellung, die Leute von dir haben?
Keine Ahnung, das interessiert mich einen Scheißdreck. Jeder hat seine eigene Meinung und hat ein Recht darauf.

Wie fühltest du dich, als du 1965 bei The Who gefeuert wurdest?
Ich wusste, dass wir eine fantastische Chemie zwischen uns hatten, aber alles ging den Bach runter, weil sie sich ständig diese Pillen einwerfen mussten. Es musste sich was ändern, also sagte ich: „Entweder hört ihr auf, Drogen zu nehmen, oder es ist aus mit der Band.“ Ich versuchte, einen Haufen Genies so gut spielen zu lassen, wie sie es wirklich konnten, nicht wie ein paar verdammte Schimpansen. Die Fahrt nach Hause war sehr schweigsam. Niemand sprach mit mir. Dann erhielt ich eine Nachricht aus dem Büro: „Sie werden nicht mehr mit dir zusammenarbeiten, Roger. Du bist nicht mehr in der Band.“ Zwei Tage lang dachte ich dann: Oh fuck, was habe ich getan? Und dann dachte ich: Scheiß drauf. Ich habe diese Band gegründet, also gründe ich einfach eine neue. Und das hätte ich auch getan.

Was kannst du, das niemand sonst kann?
Mich im Spiegel sehen, der zurückblickt.


„Es musste sich was ändern, also sagte ich: ‚Entweder hört ihr auf, Drogen zu nehmen, oder es ist aus mit der Band.’“ 

Haben The Who aufgrund oder trotz des Managements durch Kit Lambert und Chris Stamp durchgehalten?
Aufgrund ihres Managements. Ohne sie hätten wir es nicht geschafft. In ihrer kreativen Vision für The Who waren sie genial. Es war unglaublich schmerzhaft, uns von Kit und Chris trennen zu müssen. Ich wollte das nie, sondern nur, dass sie sich im Hintergrund halten und kreativ sind, statt unsere geschäftlichen Angelegenheiten zu regeln.

Was bereust du am meisten?
Ich bereue nichts. Das kann ich nicht. Ich habe schlimme Fehler gemacht, aber ich bereue nichts davon, weil sie mich zu dem gemacht haben, der ich heute bin.

Was war der Tiefpunkt deiner Karriere?
Als Pete [2003] verhaftet wurde. Ich wusste nicht nur, dass das überhaupt nicht Petes Charakter entsprach, mir taten auch alle leid, die davon betroffen waren. Ich weiß, wie sich das auf meine Familie auswirkte und dachte an seine Familie und die Menschen, die ihn lieben. Das war für uns alle eine unglaublich schmerzhafte Zeit.

Was war das Schlimmste, das Regisseur Ken Russell von dir verlangte?
An einer Klippe in 150 Metern Höhe zu hängen für das Ende von „Tommy“. Ich trug Jeans, keine Schuhe, kein Hemd, ich zitterte und hörte: „Halt durch, Roger, wir warten nur auf das Licht.“

Was war deine größte Geldverschwendung?
Autos. Sie sind nur Blechklumpen. Wir stehen alle im selben Stau, wen kratzt es also, was du fährst? Aber wenn du dieses jugendliche Ego hast, willst du Ferraris.

Was ist das Geheimnis einer erfolgreichen Ehe im Rock’n’Roll?
Eine gute Frau, die das Geschäft versteht. Das tat sie, und wir sind seit 50 Jahren zusammen. Ich habe sie nie angelogen. Gleich zu Beginn sagte ich, ich würde nie ein normaler Ehemann sein, und das akzeptierte sie. Und weil sie das akzeptierte, war ich nicht annähernd so ein Schwerenöter, wie ich es hätte sein können.

Du hast mal gesagt, dass Keith Moon „wusste, welche Knöpfe er drücken musste“, John Entwistle habe eine „sehr gehässige Ader“ gehabt, und dass eine Unterhaltung mit Pete sei wie „ein Gang durch ein Minenfeld in Clown-Schuhen“. Warum liebst du diese Menschen also?
Weil sie meine Kumpels waren und ich ihr musikalisches Talent erkannte. Sie waren genial. Das Tolle an ihnen war, dass wir uns gegenseitig anstachelten. Darum ging es immer.

Worauf bist du in deinem Leben am stolzesten?
Das ist leicht: Meine Familie, The Who, und dass ich es geschafft habe, dass der Teenage Cancer Trust auch in Amerika für seine Arbeit anerkannt wurde. Das treibt mich heute mindestens genauso an, wie es The Who jemals taten.

Was wird auf deinem Grabstein stehen?
„Starb und ging nie zu Harrod’s.“ (lacht) John Entwistle wohnte praktisch bei Harrod’s. Er bestellte egal was, nur damit er seinen Nachbarn damit beeindrucken konnte, dass ihr Lieferwagen vor dem Haus stand.

Titelstory: The Who – Die erstaunliche Reise zur Erkenntnis (und TOMMY)

1968 standen The Who am Scheideweg: Ihre Karriere als glorreiche Singles Band geriet im anbrechenden Psychedelic-Zeitalter ins Stocken, einen Plan B gab es nicht. Erst als es Gitarrist und Songwriter Pete Townshend gelang, seine spirituelle Sinnsuche in einem Projekt mit damals beispiellosen Dimensionen zu kanalisieren, konnte das für seine wüsten Live-Auftritte berühmt-berüchtigte Quartett aus London den Hebel umlegen. Der Weg war frei für die erste wirklich erfolgreiche Rockoper: TOMMY!

Viele Jahre lang hat Pete Townshend den Mythos am Leben erhalten, er habe TOMMY aus reiner Verzweiflung in Angriff genommen. Richtiger ist wohl, dass er den Wandel der Musikwelt nach dem Summer of Love des Jahres 1967 perfekt antizipierte. Zuvor hatten The Who vor allem vor jungen Männern gespielt, die in erster Linie zu den Konzerten kamen, um die Band am Ende ihres Sets das Equipment in Stücke hacken zu sehen. Doch plötzlich schien das kein zukunftsträchtiger Plan mehr zu sein. Die Mod-Bewegung, aus deren Reihen sich ein Gutteil des frühen The-Who-Publikums rekrutiert hatte, verlor zusehends an Schwung, gleichzeitig wuchs auch das Interesse der Hörer am LP-Format.

Mit den Alben A QUICK ONE (1966) und THE WHO SELL OUT (1967) hatten The Who bereits ein Faible fürs Konzeptionelle und Experimentelle angedeutet, in den Augen der breiten Masse waren sie allerdings weiterhin vor allem eine Singles-Band. Doch der Strom brillanter Hits, der 1965 gleich mit der Debütsingle ›Can’t Explain‹ begonnen und nicht viel später mit ›My Generation‹ seinen Höhepunkt erreicht hatte, begann, zu versiegen. ›I Can See For Miles‹ erreichte im Oktober 1967 zwar gerade noch die britischen Top 10, dennoch leitete die Single einen rasanten kommerziellen Abwärtstrend in der Heimat des Quartetts ein: Der inzwischen längst vergessene Nachfolger ›Dogs‹ und das erst Jahre später zu Kultehren gekommene ›Magic Bus‹ tummelten sich in der ersten Jahreshälfte 1968 lediglich in den Niederungen der Hitparade. Es war offensichtlich: The Who passten nicht wirklich ins neue Psychedelic-Zeitalter. „Dass ›I Can See For Miles‹ nicht die Charts stürmte, war ein Schock für mich“, schrieb Townshend in seiner letztes Jahr veröffentlichten Autobiograf ie „Who I Am“. „Ich war davon ausgegangen, dass mein Meisterwerk uns zu ewigem Ruhm verhelfen würde.“

Doch die Band befand sich nicht nur künstlerisch auf dünnem Eis. Lediglich Townshend war als praktisch alleiniger Songwriter der Band durch Tantiemeneinnahmen finanziell abgesichert. Für Sänger Roger Daltrey, Bassist John Entwistle und Drummer Keith Moon dagegen mussten in erster Linie die Konzertgagen als Auskommen reichen wenn sie nicht zuvor in dunklen Kanälen verschwanden oder durch die Zerstörungslust der Musiker gleich wieder verschlungen wurden. Trotz vier nach außen hin sehr erfolgreicher erster Jahre hatte die Band vor der TOMMY-Ära Schulden in geradezu astronomischer Höhe angehäuft. Abendgagen von maximal 300 Pfund sollen damals Verbindlichkeiten in Höhe von bis zu 60.000 Pfund gegenübergestanden haben. Konkrete langfristige Pläne, die Misere zu überwinden, gab es zunächst nicht. „Damals waren wir schon froh, wenn wir das Ende der Woche erreichten, ohne dass die Band auseinanderbrach“, erzählte Daltrey Jahre später dem The-Who-Biografen Matt Kent.

Kiss: Im Studio mit Gene Simmons…

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… für 5000 £

Wer 5000£ rumliegen hat, kann am 10. Juli zusammen mit Gene Simmons in den berühmten Abbey Road Studios in London einen Kiss-Song aufnehmen und bei den Vocals mithelfen. Am Ende des Tages bekommt man ein Tape von den besonderen Aufnahmen – veröffentlicht werden die Tracks nicht.

Simmons erzählt persönliche Geschichten aus seinem bewegten Leben als „Demon“ bei Kiss, unterschreibt Fanartikel und gibt den kaufkräftigen Kiss-Aficionados auch mindestens ein besonderes Stück aus seiner persönlichen Sammlung auf den Weg mit. Eine Begleitung darf auch mitgenommen werden. Alle Infos findet ihr hier.

Werkschau: Johnny Cash

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johnny cashDer legendäre Sänger und Songwriter nahm in seiner Karriere fast 100 Alben auf. Trotz einiger stilistischer Fehltritte blieb er seinem rebellischen Geist jedoch immer treu.

Als Johnny Cash mal gefragt wurde, über welche Themen er am liebsten singe, antwortete er mit einer langen Liste, auf der sich „Pferde, Eisenbahnen, Wandern, Ver­dammung, Erlösung, Arbeit, Whisky, Mord, Krieg, Gefängnis, Humor, Rebellion, Herzschmerz, Rauflust, Liebe, Familie und Gott“ befanden.

Kurzum: Er sang gerne über das Leben. Von Hell bis Dunkel, heilig bis weltlich lässt sein Songbook nichts aus. Dass es bis heute relevant geblieben ist, liegt nicht nur an der Qualität des Materials, sondern auch der Stimme, die es darbietet: tief, knorrig, leidenschaftlich. Das Bindeglied zwischen Woody Guthrie und Bruce Springsteen, so direkt wie ein Folksänger, so passioniert wie ein Prediger und so selbstsicher wie ein Rocker. Und auch wenn diese Stimme wie die eines Helden klingt, ist in ihrem Herzen immer dieses Beben, das uns wissen lässt, dass Cash doch nur ein Mensch ist.

1932 in Arkansas als Sohn von Farmpächtern geboren, arbeitete er (J.R. getauft, als sich seine Eltern auf keinen ersten oder zweiten Vornamen einigen konnten) als Junge auf den Baumwoll­feldern und träumte samstags zu den Radioüber­tragungen aus der Grand Ole Opry in Nashville. Mit zwölf spielte er schon Gitarre und schrieb Songs. 1955 unterschrieb er einen Vertrag bei Sun Records (wo Elvis seine ersten Platten machte). In den Anfangsjahren seiner Karriere kämpfte er mit den Dämonen Alkohol und Tabletten – u.a. be­­scherte ihm sein Verhalten einen Rausschmiss aus besagter Country-Institution namens Grand Ole Opry. Wie er später sagte: „Manchmal bin ich zwei Menschen. Johnny ist der nette Typ, Cash macht all den Ärger. Sie streiten sich“.

June Carters Liebe rettete ihn vor seinen Ex­­zessen, nach ihrer Hochzeit 1968 waren sie unzertrennlich. Als größter Star des Country und Mo­­derator seiner eigenen Fernsehsendung konnte er es sich zudem erlauben, furchtlose Entscheidungen für seine Karriere zu treffen. Er überschritt stilistische Grenzen, arbeitete mit Bob Dylan und Louis Armstrong zusammen, trat in Haftanstalten auf und setzte sich für die Rechte der amerikanischen Ureinwohner ein. Währenddessen verkaufte er über 90 Millionen Alben und wurde der einzige Künstler, der sowohl in die Country-, als auch die Rock And Roll- und Songwriters-Hall Of Fame aufgenommen wurde.

Und was seinen Spitznamen „The Man In Black“ betrifft, sang er einst: „I wear the black for the poor and the beaten down, livin’ in the hope­less, hungry side of town/I wear it for the prisoner who has long paid for his crime, but is there because he’s a victim of the times.“

Unverzichtbar

THE FABULOUS JOHNNY CASH
COLUMBIA, 1959

fabulous johnny cash
Diese tiefe Stimme. Diese spärliche Begleitung, die da­­hinrollt wie ein Zug. Der Ge­­triebene, zerrissen zwischen Licht und Dunkel. Sämtliche Markenzeichen von Johnny Cash finden sich auf seinem Debüt für Columbia Records. Es ist gerade mal 29 Minuten lang, aber keine einzige da­­von ist verschwendet. Die Themen Herzschmerz und Entbehrung sollten zur Blau­pause für Country, Folk und Rock werden. Und auf dem selbstverfassten ›Frankie‘s Man‹ sowie dem Klassiker ›Don‘t Take Your Guns To Town‹ zeigt Cash schon sein ganzes Talent als Geschich­tenerzähler. Auch fast 60 Jahre später knistert diese Platte vor schierer emotionaler Wucht.

AT FOLSOM PRISON
COLUMBIA, 1971

folsom prison
Der wahre „Jailhouse Rock“: Cash hatte schon seit zehn Jahren Konzerte in Gefängnis­sen gegeben, doch diese Show von 1968 fing ihn so roh wie nie ein, als er von Ver­brechen, schlechtem Gewis­sen und dem Leben hinter Gittern sang. Seine Verbin­dung zu den Häftlingen ist elektrisierend, vor allem auf Rocknummern wie ›Cocaine Blues‹, ›25 Minutes To Go‹ (wo Cashs Gesang in Rich­tung Punk weist) und ›Dark As A Dungeon‹. Es ist die ultimative Kommunion, in der Künstler und Publikum die Songs gemeinsam durchleben. Um die Intensität aufzulockern, warf Cash Scherze wie diesen ein: „Das wird für ein Album aufgezeichnet, also darf ich keine Wörter wie ‚hell‘ oder ‚shit‘ verwenden“.

Wunderbar

WITH HIS HOT AND BLUE GUITAR
SUN, 1957


Die erste LP, die Sun Records veröffentlichte. Als Vorboten einer langen Karriere muss man nur die vier Hits hören, die Cash ins Radio und die Jukeboxen brachten: ›I Walk The Line‹, ›Cry, Cry, Cry‹, ›So Doggone Lonesome‹ und ›Folsom Prison Blues‹. Ein Edelstein in der Krone von Sun, der sich deutlich von den Rockabilly-Partys der Kolleg­en Elvis und Jerry Lee abhebt – mehr Hillbilly, ländlicher, aber randvoll mit Energie. Eine Zeile wie „I shot a man in Reno just to watch him die“ hätte man von Presley oder Lewis garantiert nie gehört.

ORANGE BLOSSOM SPECIAL
COLUMBIA, 1965

orange blossom
1965 wurden Cash und Dylan zu Kollaborateuren, dieses Album klingt wie eine Hommage an Bob. Dessen Songs ›It Ain‘t Me, Babe‹ und ›Don‘t Think Twice, It‘s All Right‹ macht er sich hier zu eigen, während er auf die vertraute Kombo aus Akustischer und Mundharmonika eines Folk­sängers setzt. Das Titelstück verwandelt er mit seiner herausragenden Gesangsleistung in einen Country-Standard – man beachte den Moment, als er singt: „I don‘t care if I do or die“. Zudem findet sich hier sein erstes Duett mit June Carter. Ein packendes, schlüssiges Album von Anfang bis Ende.

EVERYBODY LOVES A NUT
COLUMBIA, 1966

johnny cash everybody
Johnny Cash als Witzbold? Ja, hinter der ernsten Fassade verbarg sich ein diebischer Sinn für Humor. Bis heute ak­­tuell ist ›The One On The Right Is On The Left‹, eine Spitze gegen Musiker, die ihre politischen Ansichten in Songs ausdrücken. ›The Singing Star‘s Queen‹ persifliert den Lady­killer-Ruf seines Kumpels Waylon Jennings. ›Dirty Old Egg Sucking Dog‹ folgt einem klauenden Hund, während ›Boa Constrictor‹ das Ver­schlungenwerden in eine Serie von Einzeilern packt. Das Art­work stammt vom legendären „MAD“-Zeichner Jack Davis.

AMERICAN RECORDINGS
AMERICAN, 1994


Sam Phillips von Sun Records hatte es von Anfang an begriffen: Am besten klingt Cashs Stimme in reduzierten Arran­gements. Als Rick Rubin den abgehalfterten Nashville-Star in den frühen 90ern unter Ver­trag nahm, stellte er also einfach zwei Mikros vor seine Nase, trat zurück und drückte auf „Record“. Die daraus resultierende Sammlung aus eigenen Songs und Cover-Version­en, nur mit Stimme und Gitarre dargeboten, ist ein fesselndes Audio-Vérité-Porträt und die erste von fünf Veröffent­lichungen dieser Serie in zehn Jahren.

Anhörbar

RING OF FIRE: THE BEST OF JOHNNY CASH
COLUMBIA, 1963


Normalerweise ist eine Best Of eine Art Abkürzung zu den Hits, doch diese versammelt mehrere wichtige Singles und EP-Tracks, die zuvor auf keinem Album erschienen waren. Darunter das Mariachi-beeinflusste ›Ring Of Fire‹, mitverfasst von Cashs zukünftiger Frau June Carter. ›What Do I Care‹ und ›I Still Miss So­­me­one‹ sind Klassiker, während ›Forty Shades Of Green‹, seine Ode an Irland, einer sein sollte. Das vergessene Juwel ist aber ›Tennessee Flat Top Box‹ aus Cashs Feder, ein perfekter Song, der sich entfaltet wie ›Johnny B. Goo­de‹ aus einem Paralleluni­versum.

RAGGED OLD FLAG
COLUMBIA, 1974


Es ist ein schmaler Grat zwischen Patriotismus und Hurra-Patriotismus. Der moderne Country ist vor allem von Letzterem durchsetzt. Doch dieses Konzeptalbum aus Cash-Kompositionen, erschienen während der Watergate-Prozesse, trifft die richtige Ba­­lance. Nach dem eröffnenden Vortrag, der eine Flagge ehrt, die „schon durchs Feuer gegangen ist“, singt er Oden an amerikanische Werte wie harte Ar­­beit (›King Of The Hill‹), Reli­gion (›Pie In The Sky‹) und Fa­­milie (›I‘m A Worried Man‹), äußert sich aber auch zu Um­­weltverschmutzung (›Don‘t Go Near The Water‹) und Strafjus­tiz (›Please Don‘t Let Me Out‹).

THE HIGHWAYMEN
COLUMBIA, 1986

the highwaymen
Über die Produktionen der 80er darf man hinweghören, doch es lohnt sich, Cash mit Titanen wie Willie Nelson, Waylon Jennings und Kris Kris­tofferson zu erleben. Jim Webbs Titelstück ist ein Meisterwerk über Reinkar­nation, und Cashs Einstieg hat einen Captain-Kirk-Moment parat: „I fly a starship across the universe divide“. Weitere Highlights sind der Rockabilly-Swing von ›Big River‹ und be­­rührende Cover-Versionen von Guy Clarks ›Desperados Wai­ting For A Train‹ und Bob Segers ›Against The Wind‹. Das Kon­zept, dass Legenden miteinander abhängen und Spaß haben, wurde zur Blaupause für Super­groups à la Traveling Wilburys.

Sonderbar

RAINBOW
COLUMBIA, 1985

rainbow
Der Titel deutet an, dass hier was nicht stimmt. Die frühen 80er waren eine Zeit, in der Country in Nashville mit Sirup übergossen wurde. Cash tut sein Bestes, um sich anzupassen, doch diese Stimme mit kitschigen Synthies, schmetternden Gitarren und Drumma­schinen zu umgeben (produziert vom Memphis-Soulstar Chips Moman), ist, als würde man „Citizen Kane“ kolorieren. Zwei annehmbare Songs – ›I‘m Leaving Now‹ und ›Casey‘s Last Ride‹ – reichen nicht als Gegengewicht zur Fahrstuhl­musik. Das bittere Ende von Cashs Zeit bei Columbia und der Katalysator für seine spätere, akustische Wiedergeburt.

Mitch Ryder: Zwei Karrieren statt zweiter Karriere

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Die Detroit-Legende Mitch Ryder ist wohl einer der wenigen prominenten Musiker, die immer auf zwei Hochzeiten tanzen. Auf Tourneen in seiner Heimat USA wollen die Fans seine Motown-Soul-meets-Rock’n’Roll-Klassiker hören. In Europa, speziell in Deutschland, jedoch den Sound seiner Alben ab den späten 70ern.

Meine deutschen Fans fragen nicht nach meinen US-Hits. Für die europäischen Konzerte kann ich auf einen viel größeren Katalog zurückgreifen als für die US-Shows – wo ich eine Art Legende bin, während ich bei euch als zeitgenössischer Künstler wahrgenommen werde. Am wohlsten fühle ich mich, wenn ich beiderseits das spielen kann, was die Leute gerne mögen. In den Staaten wollen sie die Hits hören, und das genieße ich. Sehr angenehm ist aber auch das loyale deutsche Publikum, das seit 1979 treu zu den Konzerten jedes Jahr kommt. Durch die Pandemie allerdings haben wir jetzt drei Jahre pausieren müssen, und ich bin deshalb echt gespannt, welche Leute zu meiner Deutschland-Tour kommen. Und wie alt die Zuschauer sind.“ GEORGIA DRIFT heißt sein neues Werk auf seinem deutschen Label. Normalerweise hätte er es mit seiner hiesigen Liveband Engerling eingespielt. Pandemiebedingt nahm er diesmal aber in den Staaten auf, mit Musikern aus der direkten Umgebung seiner neuen Heimat in Amerikas Süden, in Georgia.

Das ganze Interview lest ihr in der aktuellen Ausgabe von CLASSIC ROCK. Überall am Kiosk erhältlich oder jetzt hier online versandkostenfrei bestellen.

Classic Rock 117