Nach gut 20 Jahren musikalischer Arbeit mit rund 20 wechselnden Mitgliedern, nach neun Alben, nach unzähligen Auftritten in Bars, Clubs, Hallen, Theatern und auf Festivals, entlässt Will Sheff mit dem Album NOTHING SPEICAL sein musikalisches Solo-Projekt. Seine Band Okkervil River hat er vorerst hinter sich gelassen. Erstmals steht nur noch sein Name und er alleine ganz klein in der majestätischen Gebirgslandschaft auf dem Cover der Platte. In Vorbereitung auf die zwei Shows, die Will Sheff demnächst in Berlin und Hamburg spielen wird, verlost CLASSIC ROCK sein neues Album je zweimal auf Vinyl und zweimal auf CD.
„Kaskadeur kann man vielleicht unter dem groben Überbegriff „New Wave of Krautrock“ einsortieren, der Sound ist kreativ, modern, experimentell, irgendwo zwischen Indie, Jazz, Heavy Rock, Psychedelic und Prog, garniert mit sanften Pop-Tupfern, die vor unhörbarer Abgedrehtheit bewahren.“
„Das Album arbeitet schlechte Angewohnheiten reihenweise ab, ein Konzept, in dem sich jeder gerade am Jahresbeginn selber wieder findet. Wer perfektes und unberechenbares Songwriting gepaart mit Bandsounds a’la Triggerfinger, Beck, Yello, Blur und Popa Chubby mag, MUSS hier zugreifen.“
„Covers von Little Milton, Son House oder Johnny „Guitar“ Watson sind einfach leidenschaftliche Interpretationen. An ›Driving Wheel‹ von Roosevelt Sykes (1936) versuchten sich schon Foghat oder Al Green, aber Broussard mit Bonamassa heben den Song noch eins höher. In diese Coverscheibe inklusive Eigenkomposition könnte man sich reinlegen!“
Willie interpretiert zehn Tracks von Nashvilles Songwriter-Legende. Top!
Das noch so junge Jahr ist jetzt schon ein Willie-Nelson-Jahr. Warum? Zum einen hat er im Februar bei den Grammys abgeräumt, zum anderen wird der nimmermüde Country-Recke heuer sage und schreibe 90 Jahre alt. Und zu guter Letzt bringt er mit I DON’T KNOW A THING ABOUT LOVE erneut ein klasse Album raus. Ob der siebenfache Vater nichts von Liebe versteht? Wer weiß. Als gesichert gilt, dass der Mann einiges über Musik weiß. Nicht nur im Country-Bereich. Der betagte Texaner ist auch ein profunder Kenner der Jazz- Materie, des Soul und, natürlich, des Great American Songbook. Auf I DON’T KNOW A THING ABOUT LOVE fließen diese Zutaten aber nur sehr, sehr verhalten bis kaum hörbar ein. Denn: Willie Nelson schöpft in den zehn Titeln aus dem umfangreichen Fundus des legendären Country-Songwriters Harlan Howard. Bis zu seinem Tod im Jahr 2002 hat dieser den Vorsatz „three chords and the truth“ geprägt und ihn in Tausenden Liedern beherzigt. Viele davon avancierten zu Klassikern. In den so kompetenten wie gefühlvollen Interpretationen von Willie & Co. erwachen Tracks wie das soulige ›Busted‹, die Retro-Ballade ›She Called Me Baby‹, das hochromantische ›Life Turned Her That Way‹ und das unverwüstliche ›Tiger By The Tail‹ zu neuem Leben. Mehr Country-Spirit geht nicht.
Willie Nelson/I DON’T KNOW A THING ABOUT LOVE/ SONY LEGACY
Erst kürzlich machten Kaskadeur mit einem starken Instagram-Post auf sich aufmerksam, in dem sich die Band deutlich gegen jegliche Formen von Sexismus auf ihren Konzerten positionierte. Wie schön, dass nun die neue Platte der Potsdamer auf dem Bemusterungstisch liegt und genauso wenig enttäuscht, wie die Gesinnung des Quartetts. Die Truppe selbst bezeichnet ihren zelebrierten Stil als Heavy Prog Rock – definitiv sind die teils unvorhersehbaren, kundig geschmiedeten Arrangements mit sattem Orgel- und Synth-Einsatz weit weg von Easy Listening. Kaskadeur kann man vielleicht unter dem groben Überbegriff „New Wave of Krautrock“ einsortieren, der Sound ist kreativ, modern, experimentell, irgendwo zwischen Indie, Jazz, Heavy Rock, Psychedelic und Prog, garniert mit sanften Pop-Tupfern, die vor unhörbarer Abgedrehtheit bewahren. PHANTOM VIBRATIONS changiert gekonnt zwischen eingängigeren Nummern wie dem groovenden ›All Comes From Nothing‹, dessen Refrain und Rhythmus sich schnell in das Körpergedächtnis einschleifen und eigentümlichen, doch nicht minder wunderbaren Schöpfungen wie dem abschließenden Instrumental ›Moving Particles‹. PHANTOM VIBRATIONS ist ein filigran gearbeitetes, durchdachtes Werk, das abseits des Mainstreams über viele Verzweigungen fließt und bei jedem Hördurchlauf eine neue Schicht offenbart.
Marc Broussard ist als Sohn eines bekannten Bluesmusikers aus Lafayette/Louisiana bereits früh zu einem anerkannt phänomenal guten Soulsänger geworden. Trotz seiner weißen Hautfarbe wird er respektiert, sobald seine Stimme einsetzt gehen die Augenbrauen nach oben, hier singt einer, der Blues und Soul mit der Muttermilch aufgesogen hat. Mit seinen 42 Jahren hat er heute schon einiges erreicht und auch karitativ viel bewegt. Mehrere Benefiz-Coveralben gehen auf sein Konto, logisch dass er auch in Joe Bonamassas Charity Serie prima reinpasst. Hier werden Jugendliche aus schlechter Nachbarschaft mithilfe Musikprojekten von der Gangsterkarriere fern gehalten. Covers von Little Milton, Son House oder Johnny „Guitar“ Watson sind einfach leidenschaftliche Interpretationen. An ›Driving Wheel‹ von Roosevelt Sykes (1936) versuchten sich schon Foghat oder Al Green, aber Broussard mit Bonamassa heben den Song noch eins höher. In diese Coverscheibe inklusive Eigenkomposition könnte man sich reinlegen!
Marc Broussard/S.O.S. IV: BLUES FOR YOUR SOUL/ KTBA RECORDS/ROUGH TRADE
Die klaustrophobischen Zustände in der Lockdown Zeit haben – das kann man 2023 konstatieren – eine ganze Menge stinklangweiliger Singer-Songwriteralben entstehen lassen. Diese Ausgeburt hier der Phase ist das genaue Gegenteil vom üblichen Akustikgitarrengezupfe mit Gejammer aus den Kellerstudios dieser Zeit. Denn hier regieren Blues, Soul, Loungebeats, Groove und ein Eimer voll wirklich spannender Musik, in denen ganz viele Zitate aus diversen Ohrwürmern cooler Klassiker der Neuzeit eingebaut sind. Arrangiert, produziert und instrumentiert mit ganz großem Besteck und zu guter Letzt ist Daniel Welbat auch noch ein grandioser Sänger, mit einer Spannweite von Goldkehlchen bis zum Blues-Bariton. Dem Wahl Hamburger ist mit dieser Scheibe ein ganz großer Wurf gelungen, nicht jedes Album darf das Prädikat „No filler, just killer“ tragen und nicht umgekehrt. Daniel ist ansonsten gut im Geschäft, arbeitet als Sprecher bei Hörspielen mit, ist Drehbuchautor und umgibt sich mit den richtigen Leuten. Hat aber genug Zeit, auch textlich zu brillieren. Das Album arbeitet schlechte Angewohnheiten reihenweise ab, ein Konzept, in dem sich jeder gerade am Jahresbeginn selber wieder findet. Wer perfektes und unberechenbares Songwriting gepaart mit Bandsounds a’la Triggerfinger, Beck, Yello, Blur und Popa Chubby mag, MUSS hier zugreifen.
Die scheinbar nicht enden wollende „Jersey Syndicate“-Tournee von 1988/1989 untermauerte den Status von Bon Jovi als eine der größten Bands auf dem Planeten. Sie brachte sie dem Zusammenbruch allerdings auch gefährlich nahe.
Eines Tages im August 1988, irgendwo in 10.000 Metern Höhe über dem Atlantik, bestellte die Stimme des Rock einen Drink: „Ich hätte gerne einen Whiskey & American“, sagte Tommy Vance. Nach langem Kramen in den Schubladen des Getränkewagens erwiderte die Stewardess mit einem bedauernden Lächeln: „Es tut mir leid, Sir, aber American ist uns ausgegangen.“ Die Antwort kam in einem tiefen Brummen: „Ist mir egal, geben Sie mir einfach den Whiskey.“
Es war eine surreale Erfahrung, die Stimme des legendären Moderators nicht aus dem Radio zu hören, sondern vom Sitz neben mir auf einem Flug von London nach New York. Wie so viele Rockfans in Großbritannien hatte ich jahrelang quasi-religiös Vances „Friday Rock Show“ auf Radio 1 verfolgt. Sein Status als König der Rock-DJs war so unantastbar, dass er mal unter der Überschrift „Metal Guru“ auf dem Titel des Magazins „Sounds“ zu sehen war. Und es war im Auftrag ebenjener Zeitschrift, dass ich mit ihm nach New York flog, wo wir beide die zwei Anführer von Bon Jovi interviewen würden. Deren neues Album stand kurz vor seiner Veröffentlichung. NEW JERSEY, benannt nach ihrem Heimatstaat, war der Nachfolger von SLIPPERY WHEN WET, das allein in den USA acht Millionen Käufer gefunden hatte.
SLIPPERY WHEN WET hatte für Bon Jovi alles verändert. Die ersten beiden Alben, das selbstbetitelte Debüt von 1984 und 7800° FAHRENHEIT von 1985, hatten es nicht mal in die Top 40 der amerikanischen Charts geschafft, doch SLIPPERY war ganz an die Spitze gestürmt, ebenso wie die beiden Singles daraus, ›You Give Love A Bad Name‹ und ›Livin’ On A Prayer‹. Es war das meistverkaufte Hardrockalbum in den USA seit Def Leppards PYROMANIA, ZZ Tops ELIMINATOR (beide 1983) und Van Halens 1984, und Bon Jovi wurden auf der ganzen Welt zu Superstars.
Und dieser Erfolg gründete auf mehr als nur ein paar tollen, radiofreundlichen Rocksongs. In der Ära der riesigen Frisuren und von MTV war Jon Bon Jovi, Sänger und Boss der Band, der glattgeleckte, durch und durch amerikanische Vorzeigebursche des Rock’n’Roll, dessen hübsches Gesicht die Titel von Teenie-Gazetten wie „Smash Hits“ ebenso schmückte wie die von Rock- und Metal-Zeitschriften wie „Kerrang!“.
Während des Flugs hörten Tommy und ich Vorab-Kassetten von NEW JERSEY auf Walkmen an. Die erste Single, ›Bad Medicine‹, war eine mächtige, direkt mit dem Refrain beginnende Rockhymne im Stil von ›You Give Love A Bad Name‹ vom Vorgängeralbum. Ich fragte Tommy, was er davon hielt. „Sie werden die größte Band der Welt sein“, sagte er. „Wenn sie das nicht schon sind.“
Manhattan ächzte unter der Sommerhitze, als Jon Bon Jovi und Gitarrist Richie Sambora in einem Apartment mit Blick auf den Central Park Hof hielten. Dies war das Zuhause und Büro von ihrem Manager Don McGhee und die Wände waren voll von Gold- und Platinscheiben für SLIPPERY WHEN WET oder Alben von Mötley Crüe und den Scorpions, die ebenso Kunden von McGhee Entertainment Inc. waren.
Der Meister war heute auf Geschäftsreise – und hatte Glück, überhaupt noch auf freiem Fuß zu sein, nachdem er vier Monate zuvor im Zusammenhang mit dem Fund von fast 20 Tonnen Marihuana durch die United States Drug Enforcement Agency 1982 in North Carolina aufgrund von Drogenhandels verurteilt worden war. Er bekam eine fünfjährige Haftstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, musste 15.000 Dollar zahlen und erhielt die Auflage, gemeinnützige Arbeit zu leisten. Es gab einen Running Gag über McGhees Wohnung: Wenn es an der Tür klingelt, wird die Toilettenspülung automatisch betätigt.
Jon saß an McGhees großem, auf Hochglanz polierten Schreibtisch, Richie in einem Ledersessel neben ihm. Beide waren leger gekleidet: Jon in einem weißen Hemd, ausgeblichenen Jeans und Turnschuhen, unfrisiert, Richie in einem grauen Unterhemd und Jeans. Allerdings hatte er einen Cowboyhut mit breiter Krempe dabei, den er für die Fotosession des „Sounds“ trug.
Bon Jovi waren eine eng verbundene Einheit. Das Line-up – vervollständigt durch Schlagzeuger Tico Torres, Bassist Alec John Such und Keyboarder David Bryan – bestand unverändert seit 1983. Doch es war Jons Name auf den Alben und Konzertkarten, und Richie war seine rechte Hand, ein charismatischer Gitarrenheld und sein Co-Songwriter. Im Gespräch wie auf der Bühne spielten sich die beiden die Bälle zu und die Warmherzigkeit zwischen ihnen war offensichtlich. Dies waren definitiv nicht Mick und Keith.
Und dennoch: Als Jon in seinen Sessel sank, verrieten seine Körpersprache und die Müdigkeit in seinen Augen, was er und Richie hinter sich hatten: die gnadenlose Welttournee zu SLIPPERY, die alles auf den Kopf stellende Erfahrung des ganz großen Ruhms – und den Druck, einen weiteren Multimillionenseller abzuliefern. Für Jon, 26, und Richie, 29, war das Leben nun völlig anders als zwei Jahre zuvor.
Jon genoss die Aussicht von ganz oben. „Das ist nicht Scheiße“, sagte er mit einem breiten Grinsen. Und als er von seinem Hunger nach noch größerem Erfolg sprach, offenbarte er, was ihn antrieb: Nach Jahren des Kämpfens kam seine Motivation von der Angst, zu versagen.
„Natürlich gibt es da Angst“, sagte er. „Das hat nichts mit Geld zu tun – ich meine, wie viel Geld kann ein Mann schon brauchen? Es geht darum, dass es keinen größeren Rausch gibt, als zu wissen, dass man mit einem einzigen fucking Anruf drei Abende im Madison Square Garden buchen kann. Das ist wahnwitzig – ein Traum. Es ist ein High, vor einer ausverkauften Halle voller Leute zu spielen, die deine Musik wirklich lieben. Das sei unsere Realität, dachte ich am Anfang der SLIPPERY-Tour. Wir fuhren nach Japan und dachten, klar, wir spielen im Budokan, kein Problem.“
Er hielt effektvoll inne und lachte dann. „Und das ging dann nach hinten los! Wir hatten nur die Hälfte der Tickets dort verkauft und ich tat alles, was ich konnte, um die Kids da reinzubekommen. Da wird einem klar, dass man das ganze Geld sofort zurückgeben würde, nur um diese Halle vollzukriegen. Geld bedeutet einen Scheißdreck! Das war eine Erfahrung, die uns auf den Boden zurückholte.“
Jon und Richie hatten nur einen Monat nach dem Ende jener Tournee im Oktober 1987 in Hawaii mit der Arbeit an NEW JERSEY begonnen. „Wir nahmen noch vor Weihnachten Demos für neue Songs auf“, sagte Jon mit einem müden Gesichtsausdruck. Richie schien engagierter. „Wir sind krank, Mann!“, sagte er lachend. „Zwischen November und Dezember hatten wir 17 Songs geschrieben.“ Richie sagte auch, dass es einfach gewesen sei, das Album zu machen. „Wir spielten das meiste davon live ein. Und schnell.“
Dennoch war es schwer, SLIPPERY WHEN WET zu toppen, und es schien mehr als nur ein wenig unaufrichtig, als Jon behauptete, sie hätten es „nicht bewusst darauf angelegt, es zu übertreffen.“
Am 5. Mai erscheint COLOURS OF ROCK, eine große Special Edition zur Feier der Bandhistorie der Scorpions. 12 Alben wir das Paket auf coloured Vinyl enthalten. Von vier der enthaltenen Platten – FLY TO THE RAINBOW, VIRGIN KILLER, IN TRANCE und HUMANITY (HOUR 1) – wurden erstmals die Originalbänder für die Neuauflage remastert.
Zusammengefasst erscheinen unter dem TitelCOLOURS OF ROCK die folgenden zwölf Alben von 1974 bis 2007:
FLY TO THE RAINBOW (1974): 180g 1LP, gepresst auf transparentem violettem Vinyl
IN TRANCE(1975): 180g 1LP, gepresst auf transparentem Vinyl
VIRGIN KILLER (1976): 180g 1LP, gepresst auf himmelblauem Vinyl
TAKEN BY FORCE (1977): 180g 1LP, gepresst auf weißem Vinyl
TOKYO TAPES (1978): 180g Gatefold 2LP, gepresst auf gelbem Vinyl
LOVEDRIVE (1979): 180g 1LP, gepresst auf transparentem rotem Vinyl
ANIMAL MAGNETISM (1980): 180g 1LP, gepresst auf rotem Vinyl
BLACKOUT (1982): 180g 1LP, gepresst auf kristallklarem Vinyl
LOVE AT FIRST STING (1983): 180g 1LP, gepresst auf silbernem Vinyl
WORLD WIDE LIVE (1985): 180g Gatefold 2LP, gepresst auf transparentem orangenem Vinyl
SAVAGE AMUSEMET“ (1988): 180g 1LP, gepresst auf transparentem hellblauem Vinyl
HUMANITY (HOUR 1)(2007): 180g Gatefold 2LP, gepresst auf goldenem Vinyl