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Start Blog Seite 1361

Joe Bonamassa – BLACK ROCK

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bonamassa joe_cdSo gut wie Free und der frühe Clapton, dieser Blues-Könner.

Würde Paul Kossoff noch leben, er wäre ohne Zweifel ein riesiger Fan von Joe Bonamassa. Wie der legendäre Free-Gitarrist, der nach vergleichsweise kurzer und heftiger Drogenkarriere bereits 1976 als gerade mal 25-Jähriger verstarb, erzeugt auch Bonamassa mit seinen Fingern ein ähnlich stimmungsvolles und atemberaubendes Gemenge aus Rock und Blues. Nun lebt zwar Kossoff nicht mehr, aber seine fabelhaften Songs haben überlebt und inspirierten Bonamassa unüberhörbar. Mit seinem grandiosen Album THE BALLAD OF JOE HENRY konnte Bonamassa im vergangenen Jahr seine Free-Aufarbeitung bereits nahezu perfektionieren, zumal der noch junge Amerikaner – im Mai wird er 33 – mit zunehmendem Alter auch als Sänger immer besser wird. Der in diesem Zusammenhang offenkundige Vergleich mit Paul Rodgers mag etwas hochgestochen klingen, aber der Blasphemie würde man bei einer solchen Analogie wohl sicherlich nicht angeklagt. Mit BLACK ROCK erweitert Bonamassa sein Repertoire erneut um einige betagte Coversongs: Da erweckt er den Jeff-Beck-Group-Klassiker ›Spanish Boots‹ zu neuem Leben, zeigt sich in Leonard Cohens ›Bird On A Wire‹ als konkurrenzfähiger Interpret und macht aus Willie Nelsons ›Night Life‹ einen heißen Rockstampfer. Die höchsten Weihen in diesem Track indes beschert ihm B.B. King, der nicht nur zur Gitarre griff, sondern gleich auch noch ein Gesangsduett für seinen jungen Partner spendierte. Fünf der insgesamt 13 Tracks stammen aus Bonamassas eigener Feder und verdeutlichen, dass bei ihm Tradition und Moderne, Gegenwart, Vergangenheit und auf erstaunliche Weise auch die Zukunft zusammentreffen. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch noch die Tatsache, dass Toningenieur Kevin Shirley dem Album entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten keinen polierten High-Tech-Sound verpasst hat, sondern die Produktion bewusst in Richtung Retro bürstete. Das kommt dem Gesamteindruck ungemein zugute und dokumentiert die Reputation, die Bonamassa mittlerweile in der Szene genießt: Hier stellen sich sogar Koryphäen selbstlos in den Dienst einer bewiesenermaßen großen Sache.

Black Rebel Motorcycle Club – BEAT THE DEVIL’S TATTOO

Black Rebel Motorcycle Club_cdSchöner Leiden im Club.

Unbeirrt von Mode-Trends knattert der Black Rebel Motorcycle Club mit seinem sechsten Album durch die pechschwarze Nacht. Den Lederjacken-Kragen hochgestellt, bleibt der Blick stur auf den musikalischen Mittelstreifen aus My Bloody Valentine, The Jesus and Mary Chain, The Velvet Underground und The Charlatans gerichtet. Und genau diese stoische stilistische wie ideologische Verweigerungshaltung macht die Band aus San Francisco so sympathisch. Also alles wie gehabt? Nicht ganz, denn mit mit dem Einstieg von Schlagzeugerin Leah Shapiro gibt es nicht nur ein neues Clubmitglied, sondern somit auch rhythmisch etwas frischen Fahrtwind zu verzeichnen. Zudem vermengen sich auf BEAT THE DEVIL’S TATTOO im selbstreferenziellen Rahmen die dominanteren Blues- und Americana-Töne von HOWL stärker mit den britischen Noise-Schwaden der Band-Vergangenheit. Außerdem gilt auch 2010 noch: Kaum eine andere Band lässt Missmut, Verdruss und Ver­dammnis so verlockend und cool klingen.

Black Francis – NONSTOPEROTIK

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715SmjavfXL._SL1434_Selbst mit Mitte 40 und mehreren Kindern zu Hause ist der Ex-Pixie nicht auszubremsen.

Im unvermeidlichen Promo-Anschreiben schwadroniert Black Francis alias Frank Black alias Charles Michael Kittridge Thompson IV kryptisch über Gespenster, Vaterliebe, den Schmerz unerträglich großen Glücks, die Ähnlichkeiten zwischen Farnen und Vaginas und den Geruch von Sex, der in der Luft liegt. Klingt reichlich wirr, gibt aber doch die Songthemen des neuen Albums gut wieder. Vor allem das Sexmotiv nimmt breiten Raum ein. NonStopErotik also? Eher schon PartTimeErotik, denn nicht alles hier versetzt einen in orgiastische Verzückung. Was der schwarze Francis auf Tour meist spät nachts in Studios am Wegesrand aufgenommen hat, klingt nicht durchgehend hochwertig. Titel vom Kaliber ›Headache‹ und ›Debaser‹ sucht man vergebens, mangelnden Enthusiasmus kann man dem US-Amerikaner dennoch nicht vorwerfen. Mit einer unermüdlichen Verve spielt er diesmal Pub-Rock mit Klimperpiano (›Wild Son‹), Metal (›Lake Of Sin‹), Post-Punk (beim Flying-Burrito-Brothers-Cover ›Wheels‹) und Grungiges à la Hüsker Dü (›Six Legged Man‹). Ein echtes Energiebündel.

Big Ball – HOTTER THAN HELL

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Big ball_cdAch du dickes Ei: Haben wir nun etwa deutsche AC/DC?

Aufgepasst: Die Band ist nur allzu leicht zu verwechseln mit der deutschen Bon Scott-Tribute-Band. Die trägt aber ein „s“ mehr an ihren Bällen. Dennoch ist bei dem Namen die musikalische Marschrichtung erkennbar vorprogrammiert: Ja, AC/DC-Rock! Zur Abwechslung allerdings mal nicht aus Australien, sondern aus Deutschland. Debauchery-Sänger und -Gitarrist Thomas Gurrath frönt hier todesmutig seinen Rock’n’Roll-Plagiats-Vorlieben und lässt den Death Metal zu Hause. Dabei gehen Big Ball fast schon getreuer als das Original zur Sache. Sie zollen Bon Scott und der Young-Schaft einen musikalisch gebührenden, rockigen Mid-Tempo-Hard-Blues-Tribut. Allein die etwas grenzwertige Humor-Herangehensweise an die Texte passt nicht so recht: Big Ball reichen bei sexuellen Wortwitz-Titeln wie ›Double Demon‹ oder dem wirklich hohlen ›Porna Lisa‹ nicht an Scotts schöne Schlüpfrigkeiten heran. Ansonsten: nett, dass nach Airbourne mal eine heimische Band fast in der Energie-A-Liga mitspielen kann.

Jeff Beck – EMOTION & COMMOTION

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beck_jeff_cdDer Meister lässt die Gitarre singen – aber leider zu den falschen Songs.

Sieben Jahre hat er uns zappeln lassen, nun meldet sich der UK-Gitarrengott mit epischen Instrumentals und ehrgeizigen Kollaborationen (Joss Stone, Imelda May) zurück. Dabei lässt er sich mal von einem 64-köpfigen Orchester, mal von einer dreiköpfigen Band begleiten – und lebt nebenbei noch seine Vorliebe für klassische Musik (›Elegy For Dunkirk‹) aus.

Nur bei der Songauswahl beweist er kein allzu glückliches Händchen. Und zwar deshalb, weil Jeff Buckleys ›Lilac Wine‹ kaum zu übertreffen ist, ›I Put A Spell On You‹ keiner Neuauflage bedarf und ›Somewhere Over The Rainbow‹ schon als Live-Standard eine harte Nuss ist. Genau wie die Produktion von Steve Lipson und Trevor Horn, die das Ganze mit elektronischen Spielereien, Mönchsgesängen und synthetischen Drums würzten – und Beck in Stücken wie ›Corpus Christi Carol‹ zum neuen Ricky Shayne degradieren. Einsames Highlight: Der Funk-Rocker ›There’s No Other Me‹, der an Mother’s Finest erinnert. Der Rest ist eher durchwachsen.

Avantasia – THE WICKED SYMPHONY & ANGEL OF BABYLON

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Avantasia - Angel Of Babylon_cdSinfonien-Meister Sammet schwingt die Bombast-Keule.

Mit einer saftigen Doppel­veröffentlichung schließt Tobias Sammet den „The Wicked Trilogy“-Kreis, der 2008 mit THE SCARECROW seinen erzählerischen Anfang genommen hat. Schon der Opener ›The Wicked Symphony‹ glänzt mit knapp zehn Minuten Spielzeit und präsentiert sinfonischen Power Metal auf internationalem Top-Niveau. Das liegt unter anderem an Mega-Gastsängern wie Jorn Lande (Masterplan) und Russell Allen (Symphony X). Insgesamt reiht Sammet eine illustre Schar an Kollaborateuren um sich: Bob Catley von Magnum, Ex-Helloween-Sänger Michael Kiske, Savatages Jon Oliva oder Ober-Scorpion Klaus Meine – die Avantasia-Besetzungsliste geizt nicht mit großen Namen, und dabei war das nur die Auflistung der Sänger… Am Ende des Tages ist das aber zu viel des Guten, denn der Bombast schlägt so heftig zu, dass man zur Aspirin-Packung greifen muss. Fazit: Eine Platte hätte auch gereicht.

Audrey Horne – AUDREY HORNE

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audrey horne_cdPrima Crossover, dem man etwas Zeit gönnen sollte.

Die nach einem weiblichen Charakter der TV-Serie „Twin Peaks” benannten Audrey Horne sorgten mit dem Vorgänger LE FOL und energetischen Live-Auftritten für Furore. Die Erwartungen ans neue Album sind dementsprechend hoch gesteckt, und die Norweger können sie auch erfüllen. Zwar nicht auf Anhieb, da einem die aktuellen Songs nicht sofort ins Gesicht springen und zwei, drei Durchläufe benötigen, doch mit der Zeit kristallisieren sich einige Stücke heraus, die zeitlos klingen, von höchster songschreiberischer Kompetenz und großem musikalischem Potenzial zeugen. Trotz unterschwelliger Alternative-Schlagseite und schwermütiger Atmosphäre musiziert das Quartett aus der Black Metal-Hauptstadt Bergen anno 2010 insgesamt härter, erdiger, aber auch metallischer. Phasenweise erinnern Audrey Horne sogar leicht an die Spiritual Beggars und Alice In Chains. Kein Wunder, denn auf dem Produzentenstuhl saß Joe Barresi, der auch schon für den Sound von Isis, Melvins, Clutch und Queens Of The Stone Age verantwortlich zeichnete. Als Höhepunkte entpuppen sich der Einstieg ›These Vultures‹, das fintenreiche ›Charon‹, das mit tollen Melodien gespickte ›Down Like Suicide‹, die Gänsehaut-Halbballade ›Sail Away‹, das heimelige ›Firehouse‹ und besonders das erhabene ›Godspeed‹.

Asteroid – II

asteroidcoverSchwedischer Stoner-Rock, der nicht erschlägt.

Anstatt in den heimischen schwedischen Seen hat dieses Trio wohl lieber in der jeweiligen elterlichen Vinyl-Sammlung gebadet. Folgt man dieser Analogie weiter, müssen die Erzeugerpaare beim deren Zusammenstellung ziemlich geschmäcklerisch vorgegangen sein – sie haben nämlich offensichtlich mehr als nur Allgemeinplatz-Alben aus dem Psychedelia-Fach des nächsten Plattenladens aufgegriffen. Asteroid bedien­en sich zumindest in ihrer künstlerischen Darbietung des Tradierten sowohl an den obligaten Blues- und Blumenkinder-Brauchtümern als auch an fluffigen Folk-Essenzen. Mit markanten, aber nie zu markigen Motiv-Mantren versprühen sie dabei eine relaxte klassische Kiffer-Rock-Entspanntheit, die stellenweise fast schon meditative Stoner-Züge annimmt.

Dem vom Bandnamen möglicherweise in die falsche Richtung geleiteten Kyuss-Fan sei jedoch ein dynamischer Warn-Sticker mit auf den Weg gegeben. Gänzlich abzuraten ist ihm von II deshalb aber nicht. Denn Asteroid törnen und tönen zu authentisch, um als bloße Brösel-Brocken oder Fuzz-Pedal-Fußnote abgetan zu werden. Daher: abwarten, was III bringt.