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Start Blog Seite 1336

The Gracious Few

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The Gracious Few 2010Manche bezeichnen sie als Supergroup, manche dagegen behaupten, es handle sich bei The Gracious Few lediglich um den Versuch, aus den Überresten der glorreichen Zeit noch Kapital zu schlagen. Ersteres ist übertrieben, letzteres gemein und noch dazu falsch. Denn The Gracious Few, bestehend aus Kevin Martin (Vocals), Sean Hennesy (Gitarre), ehemals Candlebox, sowie Chad Taylor (Gitarre), Chad Gracey (Drums) und Patrick Dahlheimer (Bass), Ex-Live, sind einfach nur glücklich, dass sie wieder Musik machen können.

Und wer das Debüt THE GRACIOUS FEW hört, das vor wenigen Tagen bei Earmusic erschienen ist, der ist ebenfalls glücklich. Denn die neue Band baut nicht allein auf das Erbe von Live und Candlebox – sie ist weitaus klassischer orientiert: Als großes Vorbild dienen Led Zeppelin, aber im Grunde zollt die Band allem Tribut, was in den Siebzigern Rang und Namen in Sachen Rock hatte. Die Songs sind mal bluesig-erdig (›Honest Man‹), mal hymnisch-beseelt (›Sing‹), mal melancholisch-er-greifend (›What’s Wrong‹) – vor allem aber eines: stets authentisch. Man hat fast den Eindruck, dass die Musiker heilfroh sind, nun endlich das Etikett „Alternative“ abkratzen und sich traditionsbewussteren Aufgaben zuwenden zu können. Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft: Them Crooked Vultures haben schließlich höchst erfolgreich einen ähnlichen Schritt vollzogen, ohne dabei ihre bisherigen Karriere-Erfolge zu schmälern.

Doch so locker, kreativ und inspiriert, wie das nun klingt, lief die Gründungsphase von The Gracious Few keineswegs ab. Chad Taylor beispielsweise wollte ursprünglich gar nicht mitmachen, er fühlte sich nicht bereit für eine neue Band, sondern hatte vor, sich verstärkt im Filmbereich zu betätigen. Doch nachdem ihn Chad Gracey und Patrick Dahlheimer zu einer Jam-Session überreden konnten, ging alles Schlag auf Schlag. Taylor brachte sogar Song-Ideen mit in den Proberaum – daraus entstanden innerhalb kürzester Zeit sechs Tracks. Das alte Feuer loderte wieder.

Ähnlich erging es auch Kevin Martin. Er war nach dem Aus von Candlebox zwar weiterhin musikalisch aktiv, nämlich bei The Hiwatts. Doch die Zeiten, in de-nen er für die Musik brannte, schienen vorbei. Dachte er zumindest. Als die The Gracious Few Martin fragten, ob er bei ihrem Projekt mitmachen wolle, war er sofort entflammt. Im Nachhinein sagt er sogar, dass der erste Kontakt zwischen ihm und den Musikern „der beste Telefonanruf seines Lebens“ war. Kein Wunder, denn schon bei seiner Proben-Premiere lief alles so rund, dass er selbst kaum glauben konnte, was da passierte. Eigentlich wollten die Rocker nur das Studio besichtigen. Mit dem Ergebnis, dass sie am Ende des Tages drei neue Songs fertig komponiert hatten – die im Übrigen allesamt auf dem Debüt gelandet sind (›Silly Thing‹, ›Sing‹ und ›Nothing But Love‹).

Diese Natürlichkeit, Leichtigkeit ist dem gesamten Album anzuhören. Es fließt, kommt nie ins Stocken, wirkt nicht erzwungen, mit Gewalt in ein Schema ge-presst. Vielleicht, weil es so ehrlich ist – die Musiker haben sich nicht verstellt, sondern einfach ihren Gefühlen freien Lauf gelassen, sei es nun in musikalischer oder lyrischer Hinsicht. Licht und Schatten liegen hier nahe beieinander – mal hat man den Eindruck, dass die hitzige Kraft der Riffs sogar den eisigsten Winter vertreiben könnte, dann wieder wendet sich das Blatt, weil The Gracious Few sich nun daran machen, die passende musikalische Antwort auf einige Textzeilen zu finden, in denen Martin in düstere, introvertierte Gefilde abtaucht. Das gelingt stets. Eben weil die Musiker sich von vornherein vorgenommen haben, sich nicht selbst zu limitieren. „Wir wollten, dass alle Einflüsse, alle Alben, alle Künstler, die uns seit unserer Jugend begleiten, auch durchschimmern dürfen.

Werkschau: Gotthard

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steveleeSteve Lee
(5. August 1963 – 5. Oktober 2010)

Wertbeständig wie Schweizer Uhren, beliebt wie die Alpen: Einige der Gotthard-Alben haben Rockgeschichte geschrieben.

Welch tragisches Ende einer beispielslosen Erfolgsgeschichte: Am 5. Oktober 2010 verunglückte Steve Lee, Frontmann der Schweizer Rockband Gotthard, während eines Motorrad-Trips mit Freunden auf der amerikanischen Interstate 15 zwischen Mesquite und Las Vegas tödlich. Etwa 50 Kilometer vor Las Vegas hatte die Gruppe aufgrund einsetzenden Regens am Straßenrand anhalten müssen, auf der rutschigen Straße geriet der Anhänger eines vorbeifahrenden LKWs ins Schleudern und erwischte fünf parkende Motorräder, eines davon traf Steve Lee. Gegen 16:13 Uhr Ortszeit konnten die herbeigerufenen Rettungskräfte nur noch seinen Tod feststellen. Ob damit auch das Ende von Gotthard verbunden ist, steht zurzeit in den Sternen.

Bis zum Tag der tragischen Ereignisse waren Gotthard zusammen mit Krokus die national erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten, weltweit gingen mehr als zwei Millionen ihrer Tonträger über den Ladentisch, allein die Hälfte da-von in der Heimat. Sechs Scheiben schaff-ten Platin, fünf erreichten Doppel-Platin und eines sogar Dreifach-Platin – so liest sich wahrer Triumph. Dabei hing zu-nächst der große Schatten von Krokus über der Band, als sie Anfang der Neunziger die Bildfläche betrat, zumal sich Krokus-Bassist Chris Von Rohr auf ihrem Debütalbum GOTTHARD als Produzent und Co-Komponist eingebracht hatte. Doch die Fans jubelten – und auch die Medien zeigten sich beeindruckt, wie schnell sich die Gruppe zur festen Institution der Rock- und Metal-Szene entwickelte.

Zwischenzeitlich kamen Gotthard kurzfristig von ihrem musikalischen Weg ab: Der geschäftstüchtige Von Rohr glaubte ein riesiges Mainstream-Potential er-kannt zu haben, sah Gotthard perspek-tivisch als europäisches Pendant zu den Eagles oder Bon Jovi und verordnete einen gemäßigteren Pop-Rock-Kurs ohne die gewohnt schneidigen Gitarren.

Die abgeschwächte Variante stieß bei der Rockpresse allerdings auf schroffe Ablehnung – und auch die Musiker äu-ßerten ihren Unmut über diesen zweifelhaften Schachzug. Deshalb trennte sich die Band 2003 von ihrem Mentor und griff seit HUMAN ZOO (2003) wieder härter in die Saiten.

Unverzichtbar

Gotthard_-_Gotthard_-_Front2Gotthard
bmg/Ariola., 1992

Der Überraschungseffekt ist auf Seiten der Schweizer, als sie 1992 mit einem Debüt aufwarten, das stilistisch (und qualitativ) mühelos in der Region um Whitesnake ansetzt. Der Sound noch etwas roh und ungeschliffen, die Ideen dafür aber sofort zündend und mittels energetischer Rock­gitarren, dröhnender Hammond-Orgel und bluesigen Gesängen absolut hingebungsvoll intoniert. Das hymnische ›Firedance‹ lässt den Fan niederknien, die überzeugende Deep Purple-Adaption ›Hush‹ an die Zeitlosigkeit von Rockmusik glauben. Und mit der Ballade ›All I Care For‹ deuten Gotthard bereits früh an, welch großes Radiopotenzial die Band besitzt.

Gotthard_-_G_(14_Titel)_-_FrontG.
bmg/Ariola., 1996

Nach der etwas steifen Zweit-Scheibe, die nicht die unbekümmerte Vitalität des Debüts konservieren kann, legen Gotthard mit ihrem Drittwerk G. (gesprochen: G-Spot) ihren bis heute unumstrittenen Klassiker vor. Auf G. treffen die Musiker die goldene Mitte zwischen erdigem Hard Rock, eingängigen Melo-d­ien und zeitlosen Arrangements. Gleich die drei ersten Nummern ›Sister Moon‹, ›Make My Day‹ und das Manfred Mann-Cover ›Mighty Quinn‹ manifestieren, dass Gotthard endgültig die Erfolgs­formel gefunden haben. In dieser atmosphärischen Dichte wirkt auch die abschließende Schmonzette ›One Life, One Soul‹ durchaus stimmig.

Wunderbar

Gotthard_-_Dial_Hard_-_FrontDial Hard
BMG/Ariola, 1994

Im Vergleich zum Debüt kann der 1994er-Nachfolger zwar weniger überraschen, seine Fans aber dennoch mit einer handfesten Mixtur aus Rock, Metal und Blues überzeugen. Produ­ziert wird DIAL HARD in Amerika – ein Zeichen für das gestiegene Selbstbewusstsein von Gotthard. Die bewusste Orientierung am US-Markt baut allerdings auch ein gewissen Druck auf. Der Opener ›Mountain Mama‹ gehört dennoch zu den stärksten Num­mern der Gotthard-Historie, das erneute Covern (diesmal ›Come Together‹ von den Beatles) ist aufgrund der Wiederholung indes nicht mehr so spannend.

Gotthard_-_Domino_Effect_(15_Tracks)_-_FrontDomino Effect
Nuclear Blast/Warner, 2007

Diese Scheibe ist – nach dem gelungenen Vorgänger LIPSERVICE (2005) – die endgültige Bestä­tigung, dass Gotthards Rückkehr in die Heavy-Szene richtig war und der Ausflug ins Pop-Genre mit OPEN (1998) und HOME-RUN (2001) nun der Ver­gangenheit angehört. DOMINO EFFECT bietet die Sorte Kraft­rock, die man sich von dieser Band wünscht. Nicht alles ist so über-zeugend wie der ganz fabelhafte Opener ›Master Of Illusion‹, aber die leicht orientalischen Einflüsse und eine kernige Produktion stehen der Band glänzend zu Gesicht. Da lassen sich auch die vier (!) Balladen einigermaßen verschmerzen.

Gotthard_-_Need_To_Believe_-_FrontNeed To Believe
Nuclear Blast/Warner, 2009

Mit NEED TO BELIEVE verdeutlichen Gotthard mehr denn je, dass sie keine externen Orientierungs­punkte mehr benötigen. Die Band hat ihren eigenen, unvergleichlichen Stil etabliert. Sicherlich besitzt das Album neben dem imposanten Opener ›Shangri La‹ auch einige durchschnittliche Kompositionen, aber die Art der Arrangements und die Produktion beweisen absolute Klasse. Zudem bedient die Scheibe in punkto Spielweise und Sound moderne Hörge­wohnheiten und mischt diese geschickt mit dem traditionellen Songwriting. Eine Tragödie, dass Frontmann Steve Lee hier nicht mehr anknüpfen kann.

Anhörbar

Gotthard_-_D_Frosted_-_FrontD-Frosted
BMG, 1997

Ein cleverer Schachzug von Pro­duzent Chris von Rohr: Bevor er Gotthard Ende der Neunziger einen radiotauglicheren Main­stream-Kurs verordnet, überprüft er das bisherige Material auf sein kommerzielles Potenzial. Die Aufnahmen zum Live-Album D-FROSTED finden – mit über­wiegend akustischen Instru­menten – vor Schweizer Publi­kum statt, verzerrte Rockgitarren fehlen. Das Ergebnis verblüfft und ist, ganz im Sinne von Rohrs, zugleich zukunftsweisend: Gott­hard öffnen sich für ein neues Publikum. Erstaunlich: Auch pure Rocktracks wie ›Sister Moon‹ oder ›Mountain Mama‹ funktionieren in diesem Umfeld.

Gotthard_-_Human_Zoo_-_FrontHuman Zoo
BMG, 2003

So ganz scheinen die Band und ihr geschäftliches Umfeld von der Mainstream-Abkehr noch nicht überzeugt zu sein. Zudem verläuft die Trennung von ihrem einstmaligen Mentor von Rohr nicht ganz ohne Wundschmerz, weder menschlich noch kompositorisch. In Anbetracht dieser Umstände ist HUMAN ZOO ein erstaunlich rundes Werk, selbst wenn Gotthard hier keine konsequente Emanzipation wagen, sondern sich in punkto Songwriting und Produktion ein kleines Hintertürchen offenhalten. Gleichzeitig offenbart das sechste Studiowerk unmissverständlich: Diese Band eifert bereits seit geraumer Zeit keinerlei Vorbildern mehr nach.

Gotthard_-_Lipservice_-_FrontLipservice
NuCLear Blast/Warner, 2005

Mit dem Plattenfirmenwechsel dokumentierten Gotthard 2005 gleich zweierlei: ihre künstlerische Unabhängigkeit (die Bands bei einem Major bekanntlich nur begrenzt eingeräumt wird) und ihr klares Bekenntnis zur Heavy-Szene – dokumentiert durch die Unterschrift bei einem reinen Metal-Label. Natürlich mutiert die Band damit nicht gleich zu Grunz-Monstern, sondern zelebriert auch auf LIPSERVICE einen energischen Rock mit Ohrwurm-Qualitäten. Aber so konsequent rockend hat man Gotthard fast zehn Jahre nicht mehr gehört. Andererseits: Von ihrem ge­-wohnt reichhaltigen Balladen­programm lassen sie sich auch hier nicht abhalten.

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Open
BMG, 1998

Ermuntert durch die positiven Resonanzen und glänzenden Verkaufserfolge ihres Akustik- Live-Werks D-FROSTED (1997) vollziehen Gotthard 1998 einen ziemlich radikalen Paradigmen­wechsel. Bon Jovi, Springsteen oder die Eagles sind nunmehr die offenkundigen Idole, nicht mehr Whitesnake & Co. Kom­merziell steigern Gotthard mit OPEN ihre Bilanz, musikalisch dagegen verliert die Musik der Schweizer an Eigenständigkeit und Kontur. Für Management und Label zwar ein lohnender Schritt, für Gitarrist Leo Leoni je-doch eine Unterforderung – und für die tolle Rockstimme von Sänger Steve Lee eindeutig die falsche Entscheidung.

Gotthard_-_Homerun_-_FrontHomerun
bmg, 2001

Verblendet durch die sehr guten Verkaufszahlen ihres Kurs­korrektur-Albums OPEN verfolgen Gotthard auch auf HOME­RUN einen schwachbrüstigen Pop-Kurs, der zwar durch die Beförderung von Gitarrist Leo Leoni zum Co-Produzenten ein paar handfeste Gitarren zulässt, ansonsten aber den Main­stream-Kurs fortsetzt. Der auf dem Cover abgedruckte Bume­rang ist sinnbildlich: Er schleudert zurück, denn diesmal greift die Band auch kompositorisch einige Male daneben: ›Take It Easy‹ mit seinem gru­seligen Text passt allenfalls in Bierzelte, und ›Reason To Live‹ ist offensichtlich ein halbgarer Rip-Off von Whitesnakes ›Is This Love‹.

Traumsampler

Master Of Illusion
Domino Effect

Mountain Mama
Dial Hard

Firedance
Gotthard

Sister Moon
G.

Make My Day
G.

Shangri La
Need To Believe

Mighty Quinn
G.

All We Are
Lipservice

Hush
Gotthard

Human Zoo
Human Zoo

Domino Effect
Domino Effect

One Life, One Soul
G.

Dream On
Lipservice

Top Of The World
Human Zoo

Heaven
Homerun

I Wonder
Lipservice

Unconditional Faith
Need To Believe

Rolling Stones – The Rolling Stones–1964-1969 Vinyl Box Set/The Rolling Stones 1971-2005 Vinyl Box Set

ROLLING_STONES_1964_1969_VinylBox1Das Gesamtwerk der Stones erstmals komplett in remasterten 180-Gramm-Vinylpressungen, aufgeteilt in zwei voluminöse Boxen.

Wer sich in den Achtzigern seine ersten CD-Versionen von Alben der Rolling Stones zulegte, auf den warteten beim ersten Hören meist schlimme Erlebnisse: Damals remasterte man die Aufnahmen meist noch nicht für die neuen Tonträger, und deshalb klangen die Silberscheiben blechern und spitz, die Mitten des Frequenzspektrums schienen zu fehlen, die ganze Erdigkeit und Wärme, der „Sex“ des Stones-Sounds ging schlicht flöten. Mit späteren, zum Teil technisch exzellent aufbereiteten CD-Fassungen des Stones-Katalogs (etwa der schönen Reissue-Fassung von EXI-LE aus diesem Sommer) hat sich dieses Problem zwar weitgehend erledigt, für eingefleischte Stones-Fans bleibt die Gruppe aber für immer ein „Vinyl-Act“.

Wer so empfindet, für den könnte Weihnachten 2010 das schönste Fest seit langem werden, wenn auch nicht ganz billig: Erstmals in der Geschichte der Band gibt es nun zwei Vinyl-Boxsets, die zusammen die komplette, über 40 Jahre währende Karriere der Band umfassen. Die Sets beinhalten 23 Original Studioalben, zwei Hit-Sammlungen sowie zwei rare EPs – Platten, die zum großen Teil seit langer Zeit nicht mehr auf Vinyl erhältlich waren.

Box Nummer Eins enthält damit die gesamte Schaffensphase von Jagger & Co. von der Debüt-EP ›The Rolling Sto-nes‹ vom Januar 1964 und dem gleichnamigen Debütalbum vom April 1964 bis zum grandiosen LET IT BLEED, das im UK am 6. Dezember 1969 herauskam – just an jenem Tag, an dem die Stones im fernen Kalifornien in das Al-tamont-Fiasko schlitterten. Die ersten fünf Titel des Sets sind im ursprünglichen Original-Mono-Format gehalten, seit Jahren gibt es also erstmals wieder die Möglichkeit, die remasterten Versio-nen von ›I Can’t Be Satisfied‹, ›Time Is On My Side‹ (Version 2) und ›Down On The Road Apiece‹ in ihrer Originalversion zu hören. Das Album THROUGH THE PAST, DARKLY ist mit dem originalen achteckigen Cover und Artwork enthalten. Die Compilation METAMORPHOSIS ist ebenfalls Teil des ersten Sets. Das Album wurde zwar erst 1975 veröffentlicht, besteht jedoch kom-plett aus Songs der sechziger Jahre.

Box Zwei enthält schlicht alle 14 Originalalben, die danach kamen – also vom genialen, funky STICKY FINGERS mit dem berühmten Cover von Andy Warhol (1971) bis zum vorerst letzten Stones-Studioalbum, dem rockigen A BIGGER BANG aus dem Jahr 2005.

In gewisser Hinsicht gelingt mit diesen Edel-Ausgaben die Quadratur des Kreises: Sie werden sowohl der „Vintage-Autoradio-Klangphilosophie“ der Band gerecht als auch den audiophilen Bedürfnissen anspruchsvoller Hörer.

Wings – Band On The Run 2010 Remaster Deluxe Edition

wings

Auf der Flucht vor sich selbst: Paul & der Post-Beatles-Fluch.

Wie mustergültig die Auswer­tung längst bekannten Materials erfolgen kann, machte Yoko Ono anlässlich von Lennons 70. Geburtstag klar. Da darf Paul McCartney natürlich nicht nachstehen und schickt flugs den ersten Katalog-Klassiker seiner Reihe „Archive Collection“ ins Rennen: Nicht chronologisch, sondern mit dem ersten Millionenseller nach den Beatles, BAND ON THE RUN aus dem Jahr 1974, kontert der frisch Geschiedene.

Er offeriert vier Formate: etwa die Standard-Version mit Original-UK-Version und die Special Edition mit zwei CDs plus DVD. Immerhin schon drei CDs, eine DVD sowie ein 120-Seiten-Hardcover-Buch mit Fotos von Linda McCartney und Clive Arrowsmith offeriert die Deluxe Edition, und eine Doppel-Vinyl-Ausgabe darf auch nicht fehlen.

Warum Macca nicht so mutig war, mit seinem Debüt MC- CARTNEY zu starten, das ja 2010 den 40. Geburtstag feierte, wissen die Götter allein. Da scheint den Multimilliardär noch immer die alte Angst zu beschleichen, seine Solowerke würden qualitativ nicht an das Beatles-Vermächtnis heranreichen. Schließlich lobte die Kritik gerne überschwänglich die Solo-arbeiten seiner Kollegen – allen voran George Harrisons –, während er permanent abgewatscht wurde und Lennon mit seinem Song ›How Do You Sleep?‹ zusätzlich Öl ins Feuer goss. Doch bei dem durchweg erstklassigen Material wie ›Jet‹, ›Bluebird‹, ›Mrs. Vandebilt‹, ›Let Me Roll It‹ und ›Helen Wheels‹ stimmt einfach alles: von den prominenten Akteuren (u.a. Christopher Lee, James Coburn) auf dem Coverfoto über die Gäste Ginger Baker, Howie Casey und Remi Kabaka bis hin zu den teils von Tony Visconti kongenial arrangierten Songs.

Und um das oft verletzte Musikerherz von Paul zu beruhigen: Mit RAM hatte er schon 1971 einen Klassiker fabriziert.

Thin Lizzy – Thin Lizzy/Shades Of A Blue Orphanage/Vagabonds Of The Western World

thin lizzy

Die Frühphase der Iren.

Mit einem Hit ungewohnten Zuschnitts katapultierten sich Thin Lizzy 1973 ins Bewusstsein der Rock-konsumenten: ›Whiskey In The Jar‹ hieß der irische Folksong – rein inhaltlich ein europäisches Gegenstück zu ›Hey Joe‹. Der Vergleich mit der Jimi Hendrix Experience hat Phil Lynott und seinen beiden Mitstreitern, Gitarrist Eric Bell und Schlag-zeuger Brian Downey, allerdings mehr geschadet als genutzt. Auf ihrem Debüt THIN LIZZY, dem hier die rare 71er-EP NEW DAY als Bonus angehängt wurde, pendelt das Trio noch zwischen akustischem Folk
(›Honesty Is No Excuse‹, ›Diddy Levine‹) und elektrifiziertem Blues-Rock (›The Friendly Ran-ger At Clontarf Castle‹, ›Look What The Wind Blew In‹, ›Re- turn Of The Farmer‘s Son‹) irischer Prägung.

Einen Schritt vorwärts geht das autobiografische SHADES OF A BLUE ORPHANAGE – Lynotts desolate Kindheit zwischen Waisenhaus und Erziehung durch die Oma wird in stilistischem Mischmasch aufgearbeitet: ›The Rise And Dear Demise Of The Funky Nomadic Tribes‹ zündet mit Soul Funk, zart balladesk fällt die Ode an Mutter ›Sarah‹ aus, und ›Baby Face‹ ist trotziger Hard Rock.

Was nach dem Labelwechsel zu Vertigo und Bells Austausch zugunsten eines Gitarren-Duos in den nächsten Jahren folgen sollte, veranschaulicht VAGA-BONDS OF THE WESTERN WORLD mit zugefügten Single-A- und B-Seiten: Saftiger Losgeh-Rock (›Mama Nature Said‹, ›The Rocker‹ und der Titelsong) lässt Lizzy wenig später weltweit durchstarten.

Thin Lizzy 7

Shades Of A Blue Orphanage 7

Vagabonds Of The Westerm World  8

Supertramp – Breakfast In America Deluxe Edition

supertramp

Supertramps Zenit: das Kon­sensalbum der späten 70er.

Und noch immer schwelt der Streit zwischen den Kampfhäh-nen Rick Davies und Roger Hodgson, der sich schon 1978 bei den Aufnahmen zu Supertramps sechstem Album angekündigt hatte. Heiter bis sonnige Geschichten gibt es um die monatelangen Sessions in den Village Recorder Studios: Etwa die, dass Davies weder Hodgsons Song noch den Albumtitel BREAKFAST IN AMERICA mochte. Stattdessen schlug er „Working Title“ respektive „Hello Stranger“ vor. Es blieben nicht die einzigen Querelen.

Mit dem Abstand von 31 Jahren lässt sich konstatieren, dass die in einem fabelhaften Cover von Mike Doud verpackten zehn Originaltracks, die für die DELUXE EDITION um zwölf Konzertmitschnitte aus Paris, London und Miami ergänzt wurden, nach wie vor Supertramps Verkaufsrenner sind. Sechs Millionen verkaufte Exemplare allein in den USA sowie ein Grammy in der etwas undankbaren Kategorie „Best Recording Package“ sprechen eine deutliche Spra-che. Zu Klassikern entwickelten sich – abgesehen vom Titelsong – auch noch ›Goodbye Stran-ger‹, ›Take The Long Way Home‹ und ›The Logical Song‹. An Supertramps Mixtur aus Pop, Rock und Jazz – gewürzt mit dem signifikanten Wurlitzer E-Piano – ging seinerzeit kein Weg vorbei. Für ganz hartnäckige Fans wird auch eine SUPER DELUXE EDITION mit Doppel-CD, Vinyl-LP-Replika, DVD, Poster und Buch aufgelegt.

Quicksilver Messenger Service – Happy Trails

quicksilver messenger service

Im halluzinogenen Rausch: Improvisation kontra Konzept.

No risk, no fun – für den Quick-silver Messenger Service aus San Franciscos seliger Hippie-Ära dürfte die Marschrichtung spätestens mit dem 69er-Longplayer HAPPY TRAILS klar definiert gewesen sein: Halb Konzertmitschnitt, halb Studiowerk, demonstriert das mit rund 50 Minuten ziemlich lang geratene Elaborat Vor- und Nachteile des Kollektivs um Ausnahmegitarrist John Cipollina. Zwei R’n’R-Klassiker von Bo Diddley, ›Who Do You Love‹ und ›Mona (I Need You)‹, stehen im Mittelpunkt. In Mammutmanier ausgewalzt, werden die Grenzen konsequent ausgelotet und auch furchtlos überschritten. Nicht minder spannungsarm gestalten sich Zweitgitarrist und Sänger Gary Duncans Kompositionen ›Maiden Of The Cancer Moon‹, ›Cavalry‹ und ›Happy Trails‹. Vor allem das fast 14-minütige Instrumental ›Cavalry‹ mit seinen Stilüberblendungen aus Acid-Rock und Folklore in unvorhersehbaren Tempowechseln hebt den Zweitling weit über das durchschnittliche Niveau hinaus.

The Pretty Things – Parachute 40th Anniversary Edition

pretty things

Unterschätzter 70er-Klassiker.

Im steten stilistischen Wandel befanden sich die 1963 ursprünglich als wüste R’n’B-Rabauken gestarteten Pretty Things vor allem im ersten Jahrzehnt ihrer Existenz. In der Besetzung immer mal wieder Veränderungen unterworfen, lieferte die Truppe um Sänger Phil May kontinuier-lich solide bis hervorragende Arbeit.

Auch das progressive Prachtstück PARACHUTE von 1970 macht da keine Ausnahme. Das erste Werk nach Weggang von Ur-Gitarrist Dick Taylor, der durch Pete Tolson ersetzt wurde, erzielte wie das vorangegangene Psychedelik-Konzeptalbum S.F. SORROW in Europa weder nennenswerten Absatz noch gesteigertes Prestige. Immerhin erbarmten sich Fach-kreise in den USA: Im „Rolling Stone“ wurde das mit deutlichen Referenzen an die Beatles in den Abbey Road Studios ein-gespielte PARACHUTE völlig zu Recht zum „Album des Jahres“ gekürt.

Eine gewisse Zeitlosigkeit umflort sowohl die 13 originalen Tracks als auch die um eine zweite CD mit Single-A- und B-Seiten, Demos sowie aktuellen akustischen Re-Interpre-tationen ergänzte 40TH ANNI-VERSARY EDITION. Selbst auf nackter Akustikbasis mit vierstimmigem Harmoniegesang funktionieren sämtliche Songs, durchsetzt nur von sparsamen E-Gitarren-Overdubs: ›She’s A Lover‹, ›Sickle Clowns‹ und das damals auch im Bremer Beat-Club präsentierte ›Cries From The Midnight Circus‹ eignen sich als Anspieltipps eines LP- Klassikers, der auch 40 Jahre später ohne Ausnahme hohes Niveau garantiert.