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Doro – 25 YEARS IN ROCK

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doroGroßes Kino zugunsten der sympathischen Metal-Queen!

Die Feierstunde im Haus der Düsseldorfer Metal-Queen gestaltete sich zu einem ve- ritablen Who-is-who: Die Scorpions waren da, die finnische Sopranistin Tarja Turunen, der amerikanische Paradiesvogel Jean Beauvoir, dazu Mitglieder von Grave Digger und Overkill, von Girlschool und Nevermore, kurzum: Es wurde gefetet, dass die Schwarte krachte. Dazu eine festlich dekorierte Bühne im Düsseldorfer ISS Dome, ein praller Sound und tolle Lichteffekte – der Rahmen des 25-jährigen Jubiläums war stimmig und dem Anlass entsprechend würdig.

DVD 1 zeigt das komplette Konzert des Abends, DVD II wei-tere Aufnahmen anderer Shows sowie Interviews mit vielen Be- teiligten und einige ausführliche Statements von Doro selbst, die nicht nur die Aktualität, sondern auch ihre Vergangenheit einer genauen Bestandsanalyse unterzieht. Viel zu sehen, viel zu hören, hier gibt’s ordentlich was fürs Geld.

Deep Purple – DEEPEST PURPLE – THE VERY BEST OF DEEP PURPLE 30TH ANNIVERSARY EDITION

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DeepPurpleVon der Wiege bis ins Trotzalter: Entwicklungsjahre des Hardrock-Urgesteins in Bild und Ton.

Selbstverständlich sind sämtliche Singles und Alben des britischen Quintetts in den vergangenen Dekaden gleich mehrmals auf Vinyl und CD erschienen – multimedial im Angebot waren Purple-Klassiker der Jahre 1968 bis 1976 allerdings noch nie. Für die 30TH ANNIVERSARY EDITION von DEEPEST PURPLE – THE VERY BEST OF DEEP PURPLE leistet sich die EMI einen doppelten CD/DVD-Hybriden, der penibel die Entwicklungs-jahre des Hardrock-Urgesteins festhält. Einziges Manko bei der CD ist die mangelnde Chronologie, wenn Mark 2 mit ›Black Night‹ startet, aber dann nach drei Songs mit ›Hush‹ von Mark 1 zurückblendet.

Inhaltliche Konfusion herrscht auch bei den restlichen der ins-gesamt 16 Tracks, die Single-A- und B-Seiten wie ›Demon’s Eye‹, ›Smoke On The Water‹, ›When A Blind Man Cries‹, ›Woman From Tokyo‹, ›Burn‹, ›You Keep On Moving‹ mit den Key-Alben-Tracks ›Highway Star‹, ›Space Truckin’‹ und ›Child In Time‹ munter kreuzt.

Ebenfalls zeitlich nicht ganz akkurat, erfreut die DVD allerdings mit raren TV-Auftritten, Konzertmitschnitten und sogar neu kreierten Clips – Track-by-Track und mit süffisantem Un- derstatement kommentiert von Gründungsmitglied Jon Lord. Der Keyboarder lässt reichlich Insider-Infos einfließen, wenn er etwa Anekdoten über die erste US-Tournee, das Playback-Mimen im Deutschen Fernsehen, die Single-Auswahl in Purples Erfolgsphase und Dissonanzen im Aufnahmestudio zum Besten gibt.

Mehr als nur einen Nostalgieschauer erzeugen essenzielle Auftritte in TV-Musikshows wie Top Of The Pops (›Strange Kind Of Woman‹), Disco 71 (›Fire-ball‹), Music Today (›Demon’s Eye‹) und Beat-Club (›Highway Star‹). Schlichtweg unbezahlbar ist Purples Beitrag ›Speed King‹ aus Vicky Leandros’ ARD-Show „Ich bin“ von 1970 – eine opu-lente post-psychedelische Produktion des leider allzu früh verstorbenen WDR-Innovators Rolf Spinrads.

Eric Clapton – CROSSROADS

crossroadsErics Gitarren-Sause mit prominenter Besetzung.

Seit Eric Clapton 2004 zum ersten Mal die Creme der bluesenden und rockenden Gitarristenzunft für ein Benefizfestival zugunsten seiner Drogenklinik „Crossroads Center“ auf Antigua zusammenrief, hat sich die Marke „Crossroads“ nicht nur als Live-Ereignis, sondern auch als DVD-Thema bestens etabliert (der Mitschnitt des ersten Festivals ist inzwischen die meistverkaufte Konzert-DVD weltweit). Wer in dem Line-up der dritten Ausgabe arg viele Wiederholungsgäste (von Robert Cray über Buddy Guy bis ZZ Top) ausmacht, sieht sich in den folgenden viereinhalb Stunden aufs Angenehmste überrascht, denn genau das entpuppt sich als Stärke: Man kennt sich inzwischen und wirft sich quer durch drei Generationen in teilweise aufregenden Jam-Sessions die Licks zu – ob Country-Star Vince Gill mit Elvis-Gitarrst James Burton, Jazzer Earl Klugh und Albert Lee, ob Buddy Guy mit Jonny Lang und Ron Wood oder ob der Gastgeber mit Sonny Landreth, Jeff Beck und Steve Winwod spielt. Dabei machen inzwischen gerade die Jüngsten (Lang, John Mayer, Doyle Bram-hall, Derek Trucks) richtig Eindruck, während es bei den Ältesten (Hubert Sumlin, B.B. King) mitunter schon die Gebrechlichkeit ist, die die großen Emotionen auslöst. Alles in allem aber: ein Triumph der bodenständigen Spielfreude.

Asia – SPIRIT OF THE NIGHT – LIVE IN CAMBRIDGE 09

asiaNur phasenweise heiße Momente mit den Herren Wetton, Downes, Howe and Palmer.

Dieser Mitschnitt stammt von der vorletzten Asia-Performance auf ihrer PHOENIX-Tour von 2009. Die Band tritt dort im Original Line-up als Headliner des Cambridge Rock Festival auf. Nach nur zwei Post-Comeback-Alben scheint eine weitere Live-Platte nach dem 2007er FANTASIA – LIVE IN JAPAN zwar etwas verfrüht, doch mit ihren 85 Minu-ten Spielzeit ist die DVD-Versi-on ein aktuelles Kompakt-Kraftpaket in Sachen Asia-Imbiss für den kleinen Hunger zwischendurch.

Präsentiert werden natürlich die Klassiker, klar, aber so richtig toll kommen erstaunlicherweise gerade die beiden frischen Nummern von PHOENIX rüber: ›An Extraordinary Life‹ ist und bleibt ein (hoffentlich) künftiger Knüller im Kanon, und ›Never Again‹ belegt, dass Asia auch mit neuem Material ihre Hymnen-Heterogenität noch lange nicht bis zum Äußersten ausgereizt ha-ben. Doch eigentlich sollte dann die Nacht mit ›Heat Of The Moment‹ noch weiter an Hit-Hitzegraden zunehmen – was allerdings nicht wirklich passiert. Stattdessen geht man schon vor dem Ende duschen. Aber immer-hin: ein schöner Abend.

Alice Cooper – Theatre Of Death

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Project9Solide Live-DVD eines Gigs im Londoner Hammersmith Apollo.

Heutzutage setzen Bands auf der Bühne gerne mal High-Tech-Spiel-zeuge wie Bild-schirme und alles in Grund und Boden strahlende Lightshows ein. Alice Cooper macht da natürlich nicht mit. Als Schockrocker alter Schule lässt er sich auf der Bühne lieber ein paar Mal live hinrichten. Galgen, Guillotine, Giftspritze und eine Art Eiserne Jungfrau kommen dabei zum Zug. Das haben wir jüngst auch selbst live erleben dürfen, denn Cooper war gerade mit seinem Todestheater auf den hiesigen Bühnen zu sehen. Und er hat dabei deutlich gemacht, dass ihm all die Grausamkeiten nichts anhaben können. Ein ums andere Mal steht er wieder von den Toten auf und rockt unermüdlich weiter. Freilich muss man inzwischen sagen: Die Show-Einlagen des passionierten Golfers schocken heutzutage höchstens noch die Omas, aber sichtlich keinen, der unter 30 Jahre alt ist – da ist zu viel passiert an der Horrorfront. Doch der 62-Jährige hat seinen DVD-Zuschauern zum Glück noch mehr zu bieten als bloße Effekthascherei: Er kann auf THEA­TRE OF DEATH daher vor allem mit den 26 Cooper-Klas­sikern punkten.

Dr. Feelgood – OIL CITY CONFIDENTIAL

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drfeelgood_neuÜberaus eindrucksvolles Porträt einer britischen R’n’B-Kultformation – wenngleich ohne ein richtiges Happy End.

Haarscharf an einer internatio-nalen Karriere vorbei schlitterten Mitte der siebziger Jahre Dr. Feelgood. Ruppig und authentisch in-szenierten sich Schlagzeuger John „The Big Figure“ Martin, Bassist John B. Sparks, Frontmann Lee Brilleaux sowie der hy-pernervöse Gitarrero Wilko Johnson, der aufgrund intensiven Speedkonsums einen Bühnenmanierismus entwickelte, als leide er an motorischen Störungen. Prägnanten Rhythm’n’Blues mischte das kompakte Quartett von der britischen Canvey Island mit würzigem Pub Rock und galt als integratives Bindeglied zwischen Fifties-Rock’n’Roll, Sixties-Beat und Seventies-Punk.

Julien Temples Kinofilm OIL CITY CONFIDENTIAL zeichnet mit ruhiger Collagentechnik minutiös den Weg von Dr. Feelgood mit jeder Menge altem Ar-chivmaterial und aktuellen Interviews nach – lässt aber auch zahllose prominente Musikerkollegen zu Wort kommen: Von den Anfängen in schwitzigen Clubs über die Zeit als Londons „Next Big Thing“ mit brillanten Alben wie DOWN BY THE JETTY, MALPRACTICE, STUPIDITY und SNEAKIN’ SUSPICION bis hin zur abrupten Trennung von Johnson 1977 – der erste heftige von nicht gerade wenigen Rückschlägen für die vor allem auf nachfolgende Musikergenerationen so einflussreiche Truppe. Doch Temple liefert auch ein eindringliches Porträt über das englische Provinzleben, das nur wenige Chancen bereit hält für ambitionierte Mitglieder der un-terprivilegierten Working Class.

Bonusmaterial von rund 50 Minuten inklusive eines ausführlichen Interviews mit dem 1994 verstorbenen Lee Brilleaux machen OIL CITY CONFIDENTIAL für jeden zum Must-Have, der an der Entwicklung britischer Pop-Kultur auch nur halbwegs interessiert ist.

The Gracious Few

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The Gracious Few 2010Manche bezeichnen sie als Supergroup, manche dagegen behaupten, es handle sich bei The Gracious Few lediglich um den Versuch, aus den Überresten der glorreichen Zeit noch Kapital zu schlagen. Ersteres ist übertrieben, letzteres gemein und noch dazu falsch. Denn The Gracious Few, bestehend aus Kevin Martin (Vocals), Sean Hennesy (Gitarre), ehemals Candlebox, sowie Chad Taylor (Gitarre), Chad Gracey (Drums) und Patrick Dahlheimer (Bass), Ex-Live, sind einfach nur glücklich, dass sie wieder Musik machen können.

Und wer das Debüt THE GRACIOUS FEW hört, das vor wenigen Tagen bei Earmusic erschienen ist, der ist ebenfalls glücklich. Denn die neue Band baut nicht allein auf das Erbe von Live und Candlebox – sie ist weitaus klassischer orientiert: Als großes Vorbild dienen Led Zeppelin, aber im Grunde zollt die Band allem Tribut, was in den Siebzigern Rang und Namen in Sachen Rock hatte. Die Songs sind mal bluesig-erdig (›Honest Man‹), mal hymnisch-beseelt (›Sing‹), mal melancholisch-er-greifend (›What’s Wrong‹) – vor allem aber eines: stets authentisch. Man hat fast den Eindruck, dass die Musiker heilfroh sind, nun endlich das Etikett „Alternative“ abkratzen und sich traditionsbewussteren Aufgaben zuwenden zu können. Sie befinden sich damit in bester Gesellschaft: Them Crooked Vultures haben schließlich höchst erfolgreich einen ähnlichen Schritt vollzogen, ohne dabei ihre bisherigen Karriere-Erfolge zu schmälern.

Doch so locker, kreativ und inspiriert, wie das nun klingt, lief die Gründungsphase von The Gracious Few keineswegs ab. Chad Taylor beispielsweise wollte ursprünglich gar nicht mitmachen, er fühlte sich nicht bereit für eine neue Band, sondern hatte vor, sich verstärkt im Filmbereich zu betätigen. Doch nachdem ihn Chad Gracey und Patrick Dahlheimer zu einer Jam-Session überreden konnten, ging alles Schlag auf Schlag. Taylor brachte sogar Song-Ideen mit in den Proberaum – daraus entstanden innerhalb kürzester Zeit sechs Tracks. Das alte Feuer loderte wieder.

Ähnlich erging es auch Kevin Martin. Er war nach dem Aus von Candlebox zwar weiterhin musikalisch aktiv, nämlich bei The Hiwatts. Doch die Zeiten, in de-nen er für die Musik brannte, schienen vorbei. Dachte er zumindest. Als die The Gracious Few Martin fragten, ob er bei ihrem Projekt mitmachen wolle, war er sofort entflammt. Im Nachhinein sagt er sogar, dass der erste Kontakt zwischen ihm und den Musikern „der beste Telefonanruf seines Lebens“ war. Kein Wunder, denn schon bei seiner Proben-Premiere lief alles so rund, dass er selbst kaum glauben konnte, was da passierte. Eigentlich wollten die Rocker nur das Studio besichtigen. Mit dem Ergebnis, dass sie am Ende des Tages drei neue Songs fertig komponiert hatten – die im Übrigen allesamt auf dem Debüt gelandet sind (›Silly Thing‹, ›Sing‹ und ›Nothing But Love‹).

Diese Natürlichkeit, Leichtigkeit ist dem gesamten Album anzuhören. Es fließt, kommt nie ins Stocken, wirkt nicht erzwungen, mit Gewalt in ein Schema ge-presst. Vielleicht, weil es so ehrlich ist – die Musiker haben sich nicht verstellt, sondern einfach ihren Gefühlen freien Lauf gelassen, sei es nun in musikalischer oder lyrischer Hinsicht. Licht und Schatten liegen hier nahe beieinander – mal hat man den Eindruck, dass die hitzige Kraft der Riffs sogar den eisigsten Winter vertreiben könnte, dann wieder wendet sich das Blatt, weil The Gracious Few sich nun daran machen, die passende musikalische Antwort auf einige Textzeilen zu finden, in denen Martin in düstere, introvertierte Gefilde abtaucht. Das gelingt stets. Eben weil die Musiker sich von vornherein vorgenommen haben, sich nicht selbst zu limitieren. „Wir wollten, dass alle Einflüsse, alle Alben, alle Künstler, die uns seit unserer Jugend begleiten, auch durchschimmern dürfen.

Werkschau: Gotthard

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steveleeSteve Lee
(5. August 1963 – 5. Oktober 2010)

Wertbeständig wie Schweizer Uhren, beliebt wie die Alpen: Einige der Gotthard-Alben haben Rockgeschichte geschrieben.

Welch tragisches Ende einer beispielslosen Erfolgsgeschichte: Am 5. Oktober 2010 verunglückte Steve Lee, Frontmann der Schweizer Rockband Gotthard, während eines Motorrad-Trips mit Freunden auf der amerikanischen Interstate 15 zwischen Mesquite und Las Vegas tödlich. Etwa 50 Kilometer vor Las Vegas hatte die Gruppe aufgrund einsetzenden Regens am Straßenrand anhalten müssen, auf der rutschigen Straße geriet der Anhänger eines vorbeifahrenden LKWs ins Schleudern und erwischte fünf parkende Motorräder, eines davon traf Steve Lee. Gegen 16:13 Uhr Ortszeit konnten die herbeigerufenen Rettungskräfte nur noch seinen Tod feststellen. Ob damit auch das Ende von Gotthard verbunden ist, steht zurzeit in den Sternen.

Bis zum Tag der tragischen Ereignisse waren Gotthard zusammen mit Krokus die national erfolgreichste Schweizer Rockband aller Zeiten, weltweit gingen mehr als zwei Millionen ihrer Tonträger über den Ladentisch, allein die Hälfte da-von in der Heimat. Sechs Scheiben schaff-ten Platin, fünf erreichten Doppel-Platin und eines sogar Dreifach-Platin – so liest sich wahrer Triumph. Dabei hing zu-nächst der große Schatten von Krokus über der Band, als sie Anfang der Neunziger die Bildfläche betrat, zumal sich Krokus-Bassist Chris Von Rohr auf ihrem Debütalbum GOTTHARD als Produzent und Co-Komponist eingebracht hatte. Doch die Fans jubelten – und auch die Medien zeigten sich beeindruckt, wie schnell sich die Gruppe zur festen Institution der Rock- und Metal-Szene entwickelte.

Zwischenzeitlich kamen Gotthard kurzfristig von ihrem musikalischen Weg ab: Der geschäftstüchtige Von Rohr glaubte ein riesiges Mainstream-Potential er-kannt zu haben, sah Gotthard perspek-tivisch als europäisches Pendant zu den Eagles oder Bon Jovi und verordnete einen gemäßigteren Pop-Rock-Kurs ohne die gewohnt schneidigen Gitarren.

Die abgeschwächte Variante stieß bei der Rockpresse allerdings auf schroffe Ablehnung – und auch die Musiker äu-ßerten ihren Unmut über diesen zweifelhaften Schachzug. Deshalb trennte sich die Band 2003 von ihrem Mentor und griff seit HUMAN ZOO (2003) wieder härter in die Saiten.

Unverzichtbar

Gotthard_-_Gotthard_-_Front2Gotthard
bmg/Ariola., 1992

Der Überraschungseffekt ist auf Seiten der Schweizer, als sie 1992 mit einem Debüt aufwarten, das stilistisch (und qualitativ) mühelos in der Region um Whitesnake ansetzt. Der Sound noch etwas roh und ungeschliffen, die Ideen dafür aber sofort zündend und mittels energetischer Rock­gitarren, dröhnender Hammond-Orgel und bluesigen Gesängen absolut hingebungsvoll intoniert. Das hymnische ›Firedance‹ lässt den Fan niederknien, die überzeugende Deep Purple-Adaption ›Hush‹ an die Zeitlosigkeit von Rockmusik glauben. Und mit der Ballade ›All I Care For‹ deuten Gotthard bereits früh an, welch großes Radiopotenzial die Band besitzt.

Gotthard_-_G_(14_Titel)_-_FrontG.
bmg/Ariola., 1996

Nach der etwas steifen Zweit-Scheibe, die nicht die unbekümmerte Vitalität des Debüts konservieren kann, legen Gotthard mit ihrem Drittwerk G. (gesprochen: G-Spot) ihren bis heute unumstrittenen Klassiker vor. Auf G. treffen die Musiker die goldene Mitte zwischen erdigem Hard Rock, eingängigen Melo-d­ien und zeitlosen Arrangements. Gleich die drei ersten Nummern ›Sister Moon‹, ›Make My Day‹ und das Manfred Mann-Cover ›Mighty Quinn‹ manifestieren, dass Gotthard endgültig die Erfolgs­formel gefunden haben. In dieser atmosphärischen Dichte wirkt auch die abschließende Schmonzette ›One Life, One Soul‹ durchaus stimmig.

Wunderbar

Gotthard_-_Dial_Hard_-_FrontDial Hard
BMG/Ariola, 1994

Im Vergleich zum Debüt kann der 1994er-Nachfolger zwar weniger überraschen, seine Fans aber dennoch mit einer handfesten Mixtur aus Rock, Metal und Blues überzeugen. Produ­ziert wird DIAL HARD in Amerika – ein Zeichen für das gestiegene Selbstbewusstsein von Gotthard. Die bewusste Orientierung am US-Markt baut allerdings auch ein gewissen Druck auf. Der Opener ›Mountain Mama‹ gehört dennoch zu den stärksten Num­mern der Gotthard-Historie, das erneute Covern (diesmal ›Come Together‹ von den Beatles) ist aufgrund der Wiederholung indes nicht mehr so spannend.

Gotthard_-_Domino_Effect_(15_Tracks)_-_FrontDomino Effect
Nuclear Blast/Warner, 2007

Diese Scheibe ist – nach dem gelungenen Vorgänger LIPSERVICE (2005) – die endgültige Bestä­tigung, dass Gotthards Rückkehr in die Heavy-Szene richtig war und der Ausflug ins Pop-Genre mit OPEN (1998) und HOME-RUN (2001) nun der Ver­gangenheit angehört. DOMINO EFFECT bietet die Sorte Kraft­rock, die man sich von dieser Band wünscht. Nicht alles ist so über-zeugend wie der ganz fabelhafte Opener ›Master Of Illusion‹, aber die leicht orientalischen Einflüsse und eine kernige Produktion stehen der Band glänzend zu Gesicht. Da lassen sich auch die vier (!) Balladen einigermaßen verschmerzen.

Gotthard_-_Need_To_Believe_-_FrontNeed To Believe
Nuclear Blast/Warner, 2009

Mit NEED TO BELIEVE verdeutlichen Gotthard mehr denn je, dass sie keine externen Orientierungs­punkte mehr benötigen. Die Band hat ihren eigenen, unvergleichlichen Stil etabliert. Sicherlich besitzt das Album neben dem imposanten Opener ›Shangri La‹ auch einige durchschnittliche Kompositionen, aber die Art der Arrangements und die Produktion beweisen absolute Klasse. Zudem bedient die Scheibe in punkto Spielweise und Sound moderne Hörge­wohnheiten und mischt diese geschickt mit dem traditionellen Songwriting. Eine Tragödie, dass Frontmann Steve Lee hier nicht mehr anknüpfen kann.

Anhörbar

Gotthard_-_D_Frosted_-_FrontD-Frosted
BMG, 1997

Ein cleverer Schachzug von Pro­duzent Chris von Rohr: Bevor er Gotthard Ende der Neunziger einen radiotauglicheren Main­stream-Kurs verordnet, überprüft er das bisherige Material auf sein kommerzielles Potenzial. Die Aufnahmen zum Live-Album D-FROSTED finden – mit über­wiegend akustischen Instru­menten – vor Schweizer Publi­kum statt, verzerrte Rockgitarren fehlen. Das Ergebnis verblüfft und ist, ganz im Sinne von Rohrs, zugleich zukunftsweisend: Gott­hard öffnen sich für ein neues Publikum. Erstaunlich: Auch pure Rocktracks wie ›Sister Moon‹ oder ›Mountain Mama‹ funktionieren in diesem Umfeld.

Gotthard_-_Human_Zoo_-_FrontHuman Zoo
BMG, 2003

So ganz scheinen die Band und ihr geschäftliches Umfeld von der Mainstream-Abkehr noch nicht überzeugt zu sein. Zudem verläuft die Trennung von ihrem einstmaligen Mentor von Rohr nicht ganz ohne Wundschmerz, weder menschlich noch kompositorisch. In Anbetracht dieser Umstände ist HUMAN ZOO ein erstaunlich rundes Werk, selbst wenn Gotthard hier keine konsequente Emanzipation wagen, sondern sich in punkto Songwriting und Produktion ein kleines Hintertürchen offenhalten. Gleichzeitig offenbart das sechste Studiowerk unmissverständlich: Diese Band eifert bereits seit geraumer Zeit keinerlei Vorbildern mehr nach.

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NuCLear Blast/Warner, 2005

Mit dem Plattenfirmenwechsel dokumentierten Gotthard 2005 gleich zweierlei: ihre künstlerische Unabhängigkeit (die Bands bei einem Major bekanntlich nur begrenzt eingeräumt wird) und ihr klares Bekenntnis zur Heavy-Szene – dokumentiert durch die Unterschrift bei einem reinen Metal-Label. Natürlich mutiert die Band damit nicht gleich zu Grunz-Monstern, sondern zelebriert auch auf LIPSERVICE einen energischen Rock mit Ohrwurm-Qualitäten. Aber so konsequent rockend hat man Gotthard fast zehn Jahre nicht mehr gehört. Andererseits: Von ihrem ge­-wohnt reichhaltigen Balladen­programm lassen sie sich auch hier nicht abhalten.

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Open
BMG, 1998

Ermuntert durch die positiven Resonanzen und glänzenden Verkaufserfolge ihres Akustik- Live-Werks D-FROSTED (1997) vollziehen Gotthard 1998 einen ziemlich radikalen Paradigmen­wechsel. Bon Jovi, Springsteen oder die Eagles sind nunmehr die offenkundigen Idole, nicht mehr Whitesnake & Co. Kom­merziell steigern Gotthard mit OPEN ihre Bilanz, musikalisch dagegen verliert die Musik der Schweizer an Eigenständigkeit und Kontur. Für Management und Label zwar ein lohnender Schritt, für Gitarrist Leo Leoni je-doch eine Unterforderung – und für die tolle Rockstimme von Sänger Steve Lee eindeutig die falsche Entscheidung.

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bmg, 2001

Verblendet durch die sehr guten Verkaufszahlen ihres Kurs­korrektur-Albums OPEN verfolgen Gotthard auch auf HOME­RUN einen schwachbrüstigen Pop-Kurs, der zwar durch die Beförderung von Gitarrist Leo Leoni zum Co-Produzenten ein paar handfeste Gitarren zulässt, ansonsten aber den Main­stream-Kurs fortsetzt. Der auf dem Cover abgedruckte Bume­rang ist sinnbildlich: Er schleudert zurück, denn diesmal greift die Band auch kompositorisch einige Male daneben: ›Take It Easy‹ mit seinem gru­seligen Text passt allenfalls in Bierzelte, und ›Reason To Live‹ ist offensichtlich ein halbgarer Rip-Off von Whitesnakes ›Is This Love‹.

Traumsampler

Master Of Illusion
Domino Effect

Mountain Mama
Dial Hard

Firedance
Gotthard

Sister Moon
G.

Make My Day
G.

Shangri La
Need To Believe

Mighty Quinn
G.

All We Are
Lipservice

Hush
Gotthard

Human Zoo
Human Zoo

Domino Effect
Domino Effect

One Life, One Soul
G.

Dream On
Lipservice

Top Of The World
Human Zoo

Heaven
Homerun

I Wonder
Lipservice

Unconditional Faith
Need To Believe