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Brian Robertson

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Brian Robertson & FriendsDer Gitarrist Brian Robertson veröffentlicht am 25. März sein erstes Soloalbum
DIAMONDS AND DIRT – und huldigt darauf u.a. seiner früheren Band Thin Lizzy.

Abstinent lebt Robbo weiß Gott nicht: Bereits nachmittags um vier schenkt sich der ehemalige Gitarrist von Thin Lizzy und Motörhead ein Glas randvoll mit Hochprozentigem ein, nimmt einen mächtigen Schluck und lehnt sich entspannt zurück: „Mein kleiner Muntermacher“, grinst er und kippt gleich noch mal nach.

Insgesamt vier Alben hat Robertson zwischen 1974 und 1978 mit der irischen Rocklegende Thin Lizzy aufgenommen. Es war die Blütezeit seiner Karriere – und eine Ära, auf die er noch heute stolz ist: „Lizzy waren eine Musikerband“, erzählt er und liefert sofort die Erklärung dieser Aussage: „Wir waren, ähnlich wie später Little Feat, allesamt erstklassige Instrumentalisten mit Songs, die nicht nur den normalen Zuhörern gefielen, sondern auch Kollegen und Kritikern. Wenn man sich heute umschaut, entdeckt man viele Gruppen, die sich di-rekt auf Thin Lizzy beziehen, beispielsweise Bon Jovi.“

Dass Robertson diesen Ball nun mit seinem ersten Soloalbum DIAMONDS AND DIRT quasi zurückwirft und einen – zugegeben: Blueslastigen – Mainstream zelebriert, wie er auch bei eben jenen Bon Jovi zu finden ist, überrascht ein wenig. Zu-mal Robbo nach seiner Lizzy-Phase kurzfristig bei Motörhead („die reinste Chaostruppe, viel zu viele Drinks, viel zu viele Drogen, viel zu wenig Schlaf – ich musste da wirklich schleunigst wieder weg“) handfesten Kraftrock spielte und mit seinem Freund Frankie Miller dem britischen Blues Rock frönte. Doch DIAMONDS AND DIRT ist eben auch spürbar beeinflusst von den musikalischen Vorstellungen seines Freundes (und Managers) Søren Lindberg, dem Initiator der Scheibe.

Lindberg durchforstete auf einer seiner vielen Fahrten von Schottland in seine schwedische Heimat eine Tüte mit verstaubten Kassetten, auf denen Robertson über Jahre Ideen gesammelt hatte. Typisch schlampiges Genie: Robbo selbst verspürte keinerlei Lust, die Kollektion auf eine mögliche Verwertbarkeit zu prüfen, Lindberg dagegen hatte bereits einen konkreten Plan im Hinter­kopf: Er verpflichtete einige namhafte schwedische Rockinstrumen­­talisten (darunter Ian Haugland von Europe) und kümmerte sich um Logistik bzw. Finanzierung der Studioproduktion.

Das Ergebnis ist eine Mischung aus Robertson-Nummern, Stücken von Thin Lizzy und Frankie Miller sowie einer bislang unveröffent­lichten Co-Komposition zwischen Robbo und dem 1986 verstorbenen Lizzy-Chef Phil Lynott. „Phil wäre stolz auf das, was ich aus seinen Songs gemacht habe“, ist Robertson überzeugt.

An der aktuellen x-ten Thin Lizzy-Comeback-Tour unter Leitung von Scott Gorham möchte der eigenwillige Musiker („Ich bin Schotte und deshalb schwierig“) indes auf keinen Fall teil­nehmen: „Scott rief mich an und fragte, ob ich Lust hätte. Aber ich sagte: ,Hör mal, Scotty, Lizzy waren immer eine vierköpfige Band – zwei Gitarristen, Bass und Schlagzeug –, du aber willst mit sechs Musikern inklusive Keyboards und zusätzlichem Sänger losziehen. Das hat doch nichts mit Thin Lizzy zu tun!’ Nein danke, so etwas ist nicht mein Ding.“

Amplifier

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Alleine ist besser. Denn dann stellt keiner Fragen. Außer wir natürlich – und dazu geben die britischen, immer progressiver werdenden Alternative-Helden Amplifier auch jede Menge Anlass.

Gitarrist und Sänger Sel Balamir tun die Finger weh. Nicht etwa, weil er sie im Proberaum blutig gespielt hätte: „Ich hab in den letzten Tagen etwa 600 Exemplare unseres neuen Albums unterschrieben“, stöhnt er. Wenn man so will, eine Vielen-Dank-Aktion ihrer Plattenfirma, um die Fans über das vierjährige Warten nach dem letzen Album INSIDER zu trösten – nur dass die Plattenfirma Ampcorp heißt und der Band selbst gehört, lediglich den Vertrieb übernehmen Amplifier nicht in Eigenregie. „Es ist leider nicht so, dass wir tonnenweise Alben verkaufen“, versucht sich Sel an einer Erklärung für den Weg in die Selbstbestimmung. „Zumindest nicht so viele, dass wir davon leben könnten, wenn eine externe Plattenfirma was vom Kuchen ab­haben möchte. Wir haben etliche Plattenverträge hinter uns. Erst sind die Leute immer über­schwäng­lich begeistert und am Ende voller Bedauern und Enttäuschung. Was daran liegt, dass wir nicht die kommerziellste Musik der Welt machen – aber auch nie behauptet haben, es zu tun.“

amplifier 2010Sich mal eben vier Jahre Zeit zu lassen, um dann eine Doppel-CD zu veröffentlichen, ist sicher auch kein Plan, der bei externen Geldgebern auf übertriebene Begeisterung gestoßen wäre… „Natürlich nicht“, lacht Sel. „Aber in dem Moment, wo wir niemandem mehr Rechenschaft schuldig waren, entdeckten wir wieder, wie sehr wir die Musik lieben, um die es doch letztlich geht. THE OCTOPUS ist ein Monster geworden, ich bin der Letzte, der das bestreitet – und muss gestehen, dass es mit schwerfällt, alles am Stück durchzuhören. Aber die Dynamik dahinter ließ nichts anderes zu, das war schon sehr früh im Kompositionspro­zess absehbar.“ Und auch eine Reaktion auf den Druck, den sie zuvor zu spüren bekommen hatten. „Wir haben eine Seite in uns, die große Panoramen, grandiose Spannungsbögen liebt – und die konnten und haben wir hemmungslos ausgelebt!“

Herausgekommen ist nicht nur ein für die Band befreiender auraler Exzess, sondern –„und das ist ganz klar Zufall und Glück in einem“, so Sel – ein wunderbar in die aufblühende Landschaft des Alternative-Neo-Prog passendes Album. „Für uns ging es darum, unserem internen musikalischen Dialog freie Bahn zu lassen. So gut wie alle Songs auf THE OCTOPUS sind aus Jamsessions geboren. Wir nahmen tonnenweise Material live auf, der Rest war ein Destillationsprozess, in dem wir die essenziellen Momente extrahiert und zu Songs arrangiert haben. Wobei das diesmal kein rigoroser Prozess war: 11-Minuten-Songs schulden ihre Länge vor allem unserer Begeisterung für die Magie des Augenblicks.“

Bei aller „Lass es fließen“-Mentalität ist aber doch eine Menge Gehirnschmalz in THE OCTOPUS geflossen – und zwar lyrisch: „Ob es ein Konzeptalbum ist?“, lacht Sel. „Aber sowas von! Das Konzept dahinter ist der Oktopus, ein mysteriöser Code unserer Existenz“, erläutert er hinreichend schwammig. Es handelt sich um eine elaborierte, auf verschiedenen Ebenen verschlüsselte Kunst-Theorie über – ja, letzten Endes – den Sinn des Lebens. „Es ist keine Story, es gibt keine Hauptfigur. Es ist ein Konzept, teils Philosophie, teils kreatives Schreiben, teils Logik. Es ist ein Buch, an dem ich seit zehn Jahren schreibe und das ich jetzt zweckentfremdet habe, über das, was… ist.“ So sei es, und so ist es: Worte ver­sagen, wo die Musik die zusätzliche Dimension des Verstehens schafft.

Devotchka

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DevotchkaVom Genre einer Band auf ihren Lebensstil zu schließen – das kann leicht in die Hose gehen. Vor allem, wenn die Band dem Zigeuner-Punk zugeordnet wird. Und vor allem, wenn die Band DeVotchKa heißt, die mit ihrer vorzüglichen fünften Platte, 100 LOVERS, überhaupt nicht mehr in diese Schublade passen will. Sei’s drum: Begeben wir uns auf das dünne Eis der Klischees…

Wenn Nick Urata mit DeVotchKa auf Tour ist, lebt er ein Leben, das man durchaus zigeunerhaft nennen kann: Er zieht von Ort zu Ort, gibt Kostproben seiner fidel-melancholischen Weisen, schläft schon mal spätnachmittags und muss extra für ein Interview aufgeweckt werden. Auch die Aufnahmemethoden, derer sich die Multiinstrumentalisten-Kapelle bedient, sind nicht gerade topmodern. Bei den Recording Sessions für 100 LOVERS zog es Urata mit Tom Hagerman (Geige, Akkordeon, Piano, Melodica), Jeanie Schroder (Tuba, Kontrabass) und Shawn King (Schlagzeug, Trompete, Orgel) erneut in die Wüste Arizonas: in das Studio der befreun-deten Calexico.
„Es ist, als ob man eine Reise in die Vergangenheit unternimmt“, schildert Urata die Erfahrung. „Ich mag das. Dort gibt es keine Computer oder digitale Hilfsmittel, da gibt es nur Röhren, Staub und analoge Bänder.“ Gemischt und produziert wird dann – nach der Digitalisierung der Tapes – aber am Computer. Denn, so der Band-Kopf mit deutlichen Worten: „Höhlenbewohner sind wir auch wieder nicht.“

Hin und wieder aber reißt es den Frontmann, dessen Gesangsstimme diese wohlige Traurigkeit verströmt, aus dem chilligen Tour- und Aufnahme-Trott heraus. Seit DeVotchKa 2006 den Soundtrack zu „Little Miss Sunshine“ mitgestalten durften, engagieren Hollywood-Produzenten Nick Urata regelmäßig als Filmmusik-Komponist. Bislang geht u.a. die musikalische Untermalung von „I Love You Philip Morris“, „The Joneses“ und „Fat-her Of Invention“ auf sein Konto.

Diese Auftragsarbeiten stehen im krassen Gegensatz zu Uratas Sein und Schaffen bei DeVotchKa. „Du kannst nicht einfach warten, bis dich die Muße küsst“, erinnert er sich. „Du musst wirklich jeden Tag aufstehen, ins Studio gehen und schreiben. Schließlich rückt die Deadline näher und näher.“ Urata eignete sich also eine gewisse Arbeitsmoral an, die sich jedoch nicht wirklich in den DeVotchKa-Kosmos hinüberretten konnte: „Ich habe schätzen gelernt, dass meine Band eben kein Job ist. Wenn du drei ebenbürtige Musiker neben dir hast, die sich mit einbringen, gilt es, das zu genießen. Bei 100 LOVERS sind wir viel mehr aus uns herausgegangen, haben improvisiert anstatt vor dem Gang ins Studio alles vorzubereiten.“

Man hört es 100 LOVERS an – das Jammen, das Ab-hängen, das Sich-von-der-Muse-küssen-lassen und das Wenn-nötig-ne-Pause-einlegen-und-sich-auch-mal-bis-spätnachmittags-Ausschlafen. DeVotchKa spielen auf Augenhöhe mit Calexico, Beirut, Get Well Soon und frühen Radiohead. Manchmal schadet es also offenbar nicht, sich etwas zu entspannen.

Lothar Gerber

Schandmaul

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Schandmaul 2010d @ Volker Beushausen

Sie hatten eine Pause nötig: 18 Monate war es still um das Sextett aus Bayern. Nach einem jahrelangen Marathon aus Ver­öffentlichungen und Tourneen war die Luft in der Band raus und man sehnte sich nach ein bisschen Normalität. „Wir wollten einfach mal die Wochenenden zu Hause verbringen und etwas mit der Familie und Freunden unternehmen“, erklärt Schlag­zeuger Stefan Brunner die Auszeit. „Außerdem geht dir das Ganze irgendwann auf den Keks. Wir lieben es, auf Tour zu sein. Aber irgendwann willst du kein Catering und keinen Backstageraum mehr sehen, sondern deine eigene Dusche benutzen.“ „Und du möchtest deinen Geburtstag auch einmal zu Hause und nicht im Tourbus feiern“, fügt Sänger Thomas Lindner hinzu.

Die Bühnenabstinenz ermöglichte der Band aber nicht nur ein mehr oder weniger geregeltes Leben für ein paar Monate, sondern auch eine stressfreie Herangehensweise an das neue Album TRAUM­TÄNZER. „Wir haben uns lange damit zurückgehalten, einen konkreten Ver-öffentlichungstermin preiszugeben, auch wenn wir immer im Hinterkopf hatten, dass das Album Anfang 2011 erscheinen soll“, erzählt Stefan. „Erst als wir wussten, dass wir genug gute Songs zusam­men haben, um da-mit ein Album zu füllen, haben wir uns konkrekt an die Umsetzung gemacht. Das war sehr angenehm.“ „Wir haben auch sofort nach der letzten Tour mit der Arbeit an TRAUMTÄNZER begonnen“, fügt Thomas hinzu. „Eine Pause im klassischen Sinn gab es also nicht. Es war ein ständiges Arbeiten – nur die Konzerte fielen weg. Deswegen war es möglich, von Montag bis Freitag Musik zu machen und das Wochenende mit Partnern und Freunden zu verbringen.“

Diese innere Ruhe hört man dem siebten Studioalbum der Band auch an. So frisch klangen Schandmaul lange nicht, und die Songs strahlen eine positive Energie aus. „Ja, das hat viel mit den Umständen zu tun, in denen das Album entstanden ist“, erzählt Thomas. „Die Fröhlichkeit der Songs kommt daher, dass wir keinen Druck und Stress während der Aufnahmen empfanden. Außerdem läuft es privat bei uns allen gut. Wir sind gerade einfach fröhlich.“
Außerdem ist es der Band gelungen, endlich ihren Traum-Sound zu finden. „Wir haben schon bei den letzten Alben immer danach gesucht. Als dann SINNFONIE erschien – das Album mit unserem Jubiläumskonzert –, wussten wir: Das ist der Sound! So wollen wir klingen!“, schildert Thomas das Aha-Erlebnis. „Also war es unser Ziel, diese Bühnenatmosphäre ins Studio zu packen. Dazu haben wir uns auf das Wesentliche reduziert, also etwa anstatt 20 Gitarren nur eine aufgenommen. Und plötzlich war der Sound da, den wir wollten.“

Mit dem Song ›Geas Traum‹ findet sich auch eine interessante Kollaboration auf TRAUMTÄNZER wieder, da die Vorlage zum Text ein unveröffentlichtes Skript des Autors Wolfgang Hohlbein ist. „Thomas hat mir seit Jahren immer wieder gesagt, dass ich mal ein Buch von Hohlbein lesen soll“, beschreibt Stefan das Zu-­standekommen dieser Zusammenarbeit. „Also habe ich das vor zwei Jahren im Urlaub endlich gemacht – und war begeistert. Ich habe dann dem Manager eine E-Mail geschrieben und eine mp3-Datei von ›Wolfs­herz‹ angehängt, das durch das gleichnamige Buch von Hohlbein inspiriert war. Ich hätte nie gedacht, dass et-was zurückkommt.“

Doch bereits einige Wochen später traf sich die Band mit Manager und Autor – das kleine Projekt war geboren. Zu diesem Song hat die Band auch ihren ersten Videoclip gedreht, der an Heiligabend seine Premiere auf der Homepage der Band feierte. Ab März werden Schandmaul dann endlich wieder auf der Bühne stehen, worauf sie sich schon sehr freuen. „Wir scharren schon mit den Füßen“, betont Thomas lachend.

Pushking

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Russische Erfolgsrocker mit West-Stars als Gastmusiker – die Lizenz zum Gelddrucken? Das dürfte wohl die Idee hinter Pushkings A ROCK AND ROLL JOURNEY sein. Denn beim Hören fragt man sich: Handelt es sich um eine Art Spinal Tap? Denn die Namen der Kollaborateure lesen sich wie das Who-is-Who des Rock: Paul Stanley (Kiss), Billy Gibbons (ZZ Top), Alice Cooper, Glenn Hughes, Steve Vai, Joe Bonamassa, Eric Martin (Mr. Big), Steve Lukather (Toto), Nuno Bettencourt (Extreme), Graham Bonnet und Joe Lynn Turner (beide Ex-Rainbow), John Lawton (Uriah Heep) oder auch Udo Dirkschneider etc. Sie alle waren an A ROCK AND ROLL JOURNEY aktiv beteiligt – ei-ner Scheibe, der trotz ihres pathetischen Untertitels „The World As We Love It“ dennoch kein Charity-Gedanke zugrunde liegt. Was also steckt dahinter? Pushking existieren seit 1994. Die Band hat in ihrer russischen Heimat 13 Alben mit fein-ster traditioneller Rockmusik veröffentlicht und füllt – glaubt man den Geschichtsschreibern – mühelos die größten Hallen des Landes. „Irgendjemand sagte, dass unsere Musik wie eine Enzy-klopädie der Rockmusik sei, weil man bei uns Querverweise zu Deep Purple, Nazareth, Queen, Pink Floyd, Tears For Fears und weiteren Klassikern findet. So entstand die Idee für das Album”, erläutert Konstantin „Koha“ Shustarev, Sänger und Push­king-Hauptkomponist. Die Idee ist schön und gut, doch zur Realisation eines solchen Projekts braucht man exzellente Kontakte und vor allem viel, viel Geld. „Falsch“, sagt Shustarev und wirkt dabei fast ein wenig beleidigt, denn: „In Russland gibt es eine Menge Talent.“ Es ist also das überragende künst­lerische Niveau der Gruppe, welches das internationale Star-Ensemble zum Mitmachen animierte. Sagt Shustarev. Aber wohl auch das Resultat der freundlichen Mithilfe von Fabrizio Grossi und Gabe Reed. Der Mailänder Produzent Grossi und der texanische Jurist Reed (Kiss, Mötley Crüe, ZZ Top) fädelten den Ost-West-Coup nämlich ein. Mit Erfolg: Denn Pushking ist ein echter Earcatcher gelungen.

White Lies

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White Lies

Auf ihrem zweiten Album RITUAL kultivieren die Londoner die Lust am Mor­biden. Dabei schweben sie karrieretechnisch auf Wolke 7. Laut Sänger Harry McVeigh kein wirklicher Widerspruch.

Harry, wie hat sich euer Leben verändert, seit ihr so erfolgreich seid?
Eigentlich kaum. Wir haben keine Mons­ter-Egos entwickelt, keine Überdosis Dro­gen genommen und keinen Entzug hin­ter uns. Wir sind einfach ein bisschen erwachsener geworden – auch musikalisch.

Und scheinbar viel Nine Inch Nails gehört.
Ohne Zweifel! (lacht) Was auch daran liegt, dass Alan Moulder, unser Produzent, ja auch The Fragile betreut hat. Eines der bestklingenden Alben aller Zeiten. Das hatte sicher großen Einfluss auf uns.

Was dabei hilft, die unliebsamen Vergleiche mit Interpol, Joy Division & Co. abzustreifen, die euer Debüt evoziert hat?
Wir werden bestimmt auch diesmal mit ihnen verglichen. Selbst wenn wir das eigentlich hinter uns gelassen haben und eh nie viel mit diesen Bands zu tun hatten. Aber auf dem zweiten Album sind definitiv einige Songs, bei denen sich keine Beziehung zu dieser Art von Musik aufbauen lässt. Und das gefällt mir.

Welche heidnische oder mystische Botschaft verbirgt sich hinter RITUAL?
Musik sollte etwas Mystisches haben. Dabei umschreibt der Begriff natürlich auch Profanes. Etwa die Tatsache, dass jeder irgendwelche Rituale hat. Die können zum Beispiel darin bestehen, jeden Tag von der Arbeit nach Hause zu kommen, den Fernseher einzuschalten und auf der Playstation zu zocken. Aber das Ganze hat genauso mit Liebe, Beziehungen und Religion zu tun.

Dabei seid ihr passionierte Atheisten…
Das sind wir wirklich. Wobei wir unsere Position aber niemandem aufzwingen. Und wir kritisieren die Religion ja auch nicht. Es ist eher so, dass Charles, unser Hauptsongwriter, sehr an diesem Thema interessiert ist. Und zwar aus der Perspektive des Beobachters, der in seinen Songs einfach kommentiert.

Smoke Mohawk

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Smoke Mohawk 2010a

In Skandinavien ist die Platte bereits seit einem knappen Jahr veröffentlicht – und nun erscheint Smoke Mohawks Debüt THE DOGS ARE TURNING RED auch endlich offiziell bei uns. Smoke Mohawk, fragt ihr euch? Hinter diesem Namen verbergen sich alte Bekannte, nämlich Thomas Felberg (Gesang, auch bei WE), Gitarrist Rolf Yngve Uggen (Gluecifer, The Highrollers, Turbonegro), Basser Raymond Jensen (My Midnight Creeps) sowie Schlagzeuger Danny Young (Gluecifer, Bela B). Stilistisch verorten sich die Skandinavier selbst „im selben Keller wie The Who, Killdozer, Van der Graaf Generator, Led Zeppelin und Van Halen – wir machen also einen Mix aus den coolsten Sounds: Garagenrock, Psychedelia, Prog, Country und Metal“. Als Referenz nennt die Truppe speziell ein Album, das ihrer Meinung nach all diese Elemente in sich vereint und perfekt auf den Punkt bringt: Dr. Feelgoods Debüt DOWN BY THE JETTY aus dem Jahr 1975. Klingt vielsprechend – und zwar insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Truppe plant, Anfang Oktober auch in unseren Breitengraden live zu rocken.

JP, Chrissie & The Fairground Boys – Chronik einer unmöglichen Liebe

Chrissie_JP_8photo credit by C. Taylor Crothers_BEABREin überraschendes neues Kapitel im Leben der Chrissie Hynde könnte das Ende der Pretenders bedeuten.

Es muss eine Szene gewesen sein wie aus einer romantischen britischen Filmkomödie à la „Notting Hill“ oder „Mitten ins Herz – ein Song für dich“: Junger, erfolg- und mittelloser Songschreiber fasst sich, auch weil er schon ein paar Drinks intus hat, auf einer Party ein Herz und spricht die berühmte Musikerin an. Die lehnt, ebenfalls nicht mehr ganz nüchtern, gelangweilt an der Bar. Was da an einem Novemberabend 2008 in London seinen Anfang nahm, ist eine Geschichte, für die Drehbuchschreiber ihre rechte Hand her-geben würden. Aber sie ist wahr – und ihr Ausgang und ihre Folgen durchaus ungewiss.

„Das Leben ist eben einfach für die unglaublichsten Überraschungen gut. Ich für meinen Teil hätte mir so etwas nie träumen lassen. Aber jetzt muss ich halt mit den Folgen der Geschichte leben“, seufzt Chrissie Hynde beim Gespräch mit CLASSIC ROCK. Denn sie, die 59-jährige Amerikanerin, einst eine Heldin der jungen Punk-Bewegung und über die Jahrzehnte bis heute mit ihrer Band The Pretenders eine durch manche Höhen und Tiefen erstaunlich verlässliche Lieferantin zeitlos guter Rockmusik, war die Dame am Tresen. Der etwas abgerissen aussehende, aber irgendwie unwiderstehlich charmante junge Musiker, der sie ansprach, heißt JP Jones, ist in der Nähe eines Rummelplatzes in Wales aufgewachsen (das ist für den weiteren Fortgang unserer Ge-schichte noch von Bedeutung) und hatte vor jener schicksalhaften Begegnung bereits einige ernüchternde Erfahrungen mit dem Musikbusiness hinter sich.

Hynde flog bereits am Tag nach besagter Begegnung zu einer Tournee in die USA – es galt, das aktuelle Pretenders-Album BREAKING UP THE CONCRETE zu promoten. Aber irgendetwas an der offenen, jovialen Art des jungen Walisers zog sie an. So hatte nicht zuletzt das Reizwort „Rummelplatz“ eine Saite in ihr anklingen lassen – Rummelplätze („Fairgrounds“) waren schon immer Orte voller Faszination und Sehnsucht für sie gewesen. Und deshalb hatte sie JP ihre Telefonnummer da gelassen. Über die nächsten Wochen intensivierte sich der Kontakt, Jones schickte Hynde Songideen und mp3s. „Und ich war überrascht von ihrer Qualität, es war klar, dass da kein Aufschneider oder Spinner am Werk war.“

Als Hynde von der Tour zurück in ihre Wahlheimat London kam, trafen sich die beiden auf einen Kaffee – und dabei kam die Amerikanerin spontan auf eine etwas abenteuerliche Idee: „Kurz zuvor hatte mir mein Friseur erzählt, dass er jüngst auf Kuba gewesen war. Und ich dachte mir: ,Kuba wird nicht mehr lange das sein, was es im Moment noch ist. Ich sollte es mir bald einmal ansehen!‘ Nun hatte ich nach der US-Tour das Gefühl, etwas Erholung und Sonne brauchen zu können. Und plötzlich höre ich mich, wie ich JP einlade, mit mir nach Kuba zu fahren.“

Unter der wärmenden Sonne entdeckten die beiden recht schnell, dass sie nicht nur professionellen Respekt füreinander empfanden. Aber, erklärt Hynde im Interview sehr offen: „Mir war rasch klar, dass wir als Paar keine Zukunft haben können. Ich bin fast 30 Jahre älter als JP – er wird eines Tages mal Kinder haben, eine Familie gründen wollen. All das kann ich ihm nicht mehr bieten.“ Was die erfahrene Künstlerin ihrem begabten jungen Verehrer aber bieten konnte, war eine musikalische Partnerschaft: „Wir haben die ganze emotionale Energie, die sich aufgestaut hatte, ins Songwriting investiert. Wir saßen sechs Tage in einem Hotel in Havanna, und die Ideen flogen nur so hin und her“, erinnert sich JP Jones.

Das „Lovechild“, das während der Tage und Nächte von Havanna gezeugt wurde, trägt den Namen FIDELITY! und ist das erste komplette Album, das Chrissie Hynde in ihrer mehr als 30-jährigen Karriere außerhalb der Pretenders einspielte. Die elf Songs wirken wie ein einziges, intensives Zwiegespräch der beiden. „Wenn man in so einer Situation ist wie wir beide damals in diesem Hotelzimmer, also dasitzt und Songs füreinander und übereinander schreibt – da kann man doch nur ehrlich und aufrichtig sein. Aber heutzutage sind so wenige Alben ehrlich und aufrichtig – alle wollen immer nur Hits aushecken“, beschreibt Jones die erfrischend direkte und emotionale Wirkung der neuen Stücke. Und so singen sich die beiden in den Songs von FIDELITY! mit einer fast schon verstörenden Offenheit an. Da hört man etwa Chrissie im Eröffnungsstück ›Perfect Lover‹ mit den Zeilen: „I’ve found my perfect lover but he’s only half my age/He was learning how to stand when I was wearing my first wedding band“, zu Deutsch: „Ich habe meinen perfekten Liebhaber gefunden, aber er ist nur halb so alt wie ich / Er lernte zu stehen als ich zum ersten Mal heiratete“.

Hyndes Haltung in diesem hochemotionalen Dilemma hört sich sehr nach Vernunft und Verantwortungsbewusstsein an – aber ging es im Rock’n’Roll nicht stets um das Gegenteil? „Klar, die Rock-Mythologie predigt, dass man sich kopfüber in seine Leidenschaften stürzen soll“, sagt Hynde, in deren Vita immerhin auch zwei gescheiterte Ehen mit den Kollegen Ray Davies (mit ihm hat sie einen mittlerweile erwachsenen Sohn) und Jim Kerr stehen. „Viele, die diesen Mythos unreflektiert ausgelebt haben, sind heute ganz schön abgefuckt, vor allem Sänger. Aber im wirklichen Leben sollte man eben doch auch seinen Verstand benutzen. Und ich kann einfach die Augen nicht davor verschließen, was der Altersunterschied für JP und mich in ein paar Jahren bereits bedeuten wird.“

Fast ein Jahr nach dem Kuba-Aufenthalt wurde in Studios in Oxford und London das gemeinsame Album FIDELITY! in der neuen Formation JP, Chrissie & The Fairground Boys eingespielt. Es besticht durch einen lockeren, vom Country, Folk und Blues beeinflussten Sound, der sich vom stets sehr tighten, kompakten Stil der Pretenders deutlich abhebt. Die Fairground Boys rekrutieren sich größtenteils aus Mitgliedern einer mit Jones befreundeten Band namens Big Linda. Mit diesem Line-up ist das eigenwillige Pärchen in der Zwischenzeit bereits in Amerika auf Tour gewesen, wo FIDELITY! deutlich früher als in Europa erschien und sehr gut aufgenommen wurde.

JP und Chrissie machen bereits eifrig Pläne für ein weiteres Album mit den Fairground Boys, außerdem möchte Hynde als Produzentin eines Soloalbums von JP Jones fungieren. Was aber bedeutet das alles für die Pretenders? „Ich weiß es im Moment wirklich nicht. Ein weiteres Pretenders-Album kann ich mir im Augenblick nicht vorstellen. Gottlob sind die anderen Bandmitglieder nicht von mir abhängig, weil jeder noch genügend eigene Projekte am Start hat. Demnächst steht eine Pretenders-Tournee in Australien an – und bei der Gelegenheit werde ich das alles mit ihnen besprechen. Und egal, wie mein künftiger Weg aussieht – ich bin sicher, sie wünschen mir Glück dafür!“