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Start Blog Seite 1325

Bryan Adams

Bryan AdamsDer Mann hat Hummeln im Hintern: Gerade war Bryan Adams mit einer gefeierten Ausstellung seiner Fotografien in den Hamburger Deichtorhallen in den Schlagzeilen, zudem hat er soeben einen großformatigen Fotokalender mit Porträts einschlägiger Berühmtheiten von Elle MacPherson bis Lenny Kravitz herausgebracht (für einen guten Zweck natürlich). Nun macht der Kanadier auch als Musiker wieder von sich reden: Sein neues Album BARE BONES präsentiert ihn live ganz ohne Band und Strom, nur im Duo mit dem Pianisten Gary Breit.

Bryan, 13 Jahre nach einem erfolgreichen Unplugged-Album bringst du mit Bare Bones nochmal eine Akustik-CD heraus – warum?
„Unplugged” sind zwar beide Alben – aber damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf: Damals hatte ich eine zehnköpfige Band und 26 Streicher auf der Bühne, diesmal waren wir nur zu zweit. Auf allen meinen bisherigen Alben war jedes bisschen Raum mit irgendeinem Sound ausgefüllt – diesmal ging es mir darum, möglichst viel frei zu lassen!

Du bist eigentlich für einen kraftvollen, großen Bandsound bekannt. Wie hast du dich denn auf diese spezielle Tour vorbereitet?
Ich habe mich in dieses neue Format ab 2008 ganz langsam hineingearbeitet, um das richtige Gefühl für diese Art von Show zu entwickeln. Das ist eine ganz andere Gangart, die man da lernen muss, wenn man es vorher gewohnt war, immer eine volle Band im Rücken zu haben.

Du warst mit den Akustik-Konzerten schon seit 2008 unterwegs, aber alle Tracks auf BARE BONES stammen von Shows im Mai und Juni 2010 – musstest du erstmal deinen Mut zusammennehmen, bevor du „nackt”, ohne schützenden Bandsound, aufnehmen konntest?
Eigentlich hatte ich nie den Plan, aus diesen Mit-schnitten eine „große” kommerzielle Ver­öffentlichung zu machen. Das Ganze war eher als eine Art halb-offizielles Souvenir für die eingefleischten Fans gedacht und sollte ursprünglich ausschließlich am Ende der Konzerte verkauft werden. Erst als die Leute bei meiner Plattenfirma das Material hörten und so-fort begeistert waren, haben wir uns entschieden, daraus ein offizielles Livealbum zu machen.

Manche Songs nehmen einen ganz anderen Charakter an, wenn sie plötzlich in Unplugged-Arrangements gespielt werden. Welches waren die größten Überraschungen für dich?
Für die Fans sicher die neuen Versionen der großen Hits – ›(Everything I Do) I Do It For You‹ etwa konnte man ja noch nie in einem anderen Arrangement als in der Originalfassung für den „Robin-Hood”-Soundtrack hören. Für mich selbst war die große Über-raschung, wie gut und schnell die neuen Songs angenommen wurden: ›I Still Miss You…A Little Bit‹ beispielsweise kannte keiner der Konzertbesucher vorher – aber wenn wir in den Shows bei der letzten Strophe angekommen waren, konnten ihn die Leute bereits mitsingen.

Alice Cooper

Alice Cooper 3Als Alice Cooper die beiden letzten Male durch Deutschland tourte, tat die Horror-Rock-Legende das in weiser Voraussicht stets im exklusiven Band-Paket: Erst paarte sich der mit reichlich Fantasie und Geschäftssinn begabte ame-rikanische Entertainer mit den britischen Hardrock-Veteranen Deep Purple, dann mit deren Ableger Whitesnake. Für die aktuelle Show „Theatre Of Death“ legte sich der mittlerweile 62 Jahre alte Horror-Rock-Pionier ebenfalls Verstärkung zu: Eisbrecher, Münchener Rocker um den Frontmann Alexander Wesselsky (auch bekannt als der „Checker“), sowie die nach der Trennung 2005 von der finnischen Formation Nightwish solo tätige Sopranistin Tarja Turnen.

Der Support-Zinnober scheint offensichtlich notwendig zu sein. Denn wie diverse Kollegen im etwa gleichen fortgeschrittenen Zielgruppenalter verzeichnet der Meister „grauenhafter“ Inszenierungen einen chronischen Rückgang bei den Zuschauerzahlen – da hilft es auch nicht, dass sich der noch immer topagile Veteran bei seinen aktuellen Fahrten in der gruseligen Geisterbahn statt wie gewohnt einmal gleich viermal möglichst spektakulär killen lässt. Ein ähnlich beängstigendes Tem-po legt Mr. Cooper auch in seiner gegenwärtigen Veröffentlichungspolitik vor: Sage und schreibe vier Projekte plant er in den kommenden Jahren, nachdem ja gerade erst die DVD THEATRE OF DEATH erschienen ist.

So gut wie abgeschlossen zu sein scheint das lange angekündigte Album THE NIGHT SHIFT, dessen Veröffentlichung jetzt für Frühjahr/Sommer 2011 ins Auge genommen wird. Was es mit diesem Konzeptwerk auf sich hat, verriet der Fürst der Finsternis auch schon in groben Zügen: Er begibt sich in die Rolle eines undurchsichtigen Radio-Moderators und -DJs, der nur im Dunkel der Nacht in Erscheinung tritt. In bislang zehn Songs liefert er den passenden Soundtrack der albtraumhaften Nacht-Radio-Show – jeder Song symbolisiert eine andere fiktionale Band. Ein Metier, in dem sich Alice Cooper bekanntlich bestens auskennt: Alben-Klassiker wie LOVE IT TO DEATH, KILLER, SCHOOL’S OUT oder BILLION DOLLAR BABIES klangen ja auch schon wie ein Mix aus Broadway Musical, Glam Rock, Top 5-Pop und James Bond-Soundtrack.

Ebenfalls schon in Arbeit befindet sich – nach immerhin 35 Jahren Pause – die Fortsetzung von Coopers erstem Solowerk WELCOME TO MY NIGHTMARE. An den Studioreglern sitzt abermals der kanadische Produzent Bob Ezrin, der 1970 aus der konfusen Underground-Formation mit Wohnsitz Los Angeles, die bei Frank Zappas Label Straight unter Vertrag stand, binnen weniger Jahre ein Multimillionen-Unternehmen zauberte. Schließlich behauptet Alice Cooper ja heute noch: „Bob Ezrin nahm für die Band in etwa die gleiche Rolle ein wie ein George Martin bei den Beatles.“ Möglicherweise wird es auch eine Fortsetzung von ALONG CAME A SPIDER geben, Coopers viel gepriesenem Album von 2008 über einen Halunken und Serienkiller.

Eine echte Überraschung für Cooper-Enthusiasten der frühen Stunde hält der privat auf Glaube und Golf fixierte Horror-Rock-Mime auch parat: Nach 36 Jahren kommt es definitiv zur Reunion der Ur-Formation. Seit einigen Monaten schon arbeitet Alice mit Gitarrist Michael Bruce, Bassist Dennis Dunaway und Schlagzeuger Neal Smith an einem gemeinsamen Projekt – wohl auch im Gedenken an Sologitarrist Glen Buxton, der Klassiker wie ›I’m Eighteen‹, ›School’s Out‹, ›Elected‹ und ›Generation Landslide‹ co-komponierte und 1997 im Alter von 49 Jahren an einer Lungenentzündung verstorben war. Mehrere Songs sollen schon fertig eingespielt sein. An WELCOME TO MY NIGHTMARE II soll sich das Ur-Trio ebenfalls beteiligen.

Nick Mason (Pink Floyd)

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NickMasonNick Mason hat ein neues Projekt. Doch der Pink Floyd-Drummer macht diesmal nicht in musikalischer Hinsicht von sich reden, sondern ist – gemeinsam mit Mark Hales – Autor des Buchs „Passion For Speed“.

Darin zollen die beiden ihrer Liebe zu schnellen Autos Tribut – nämlich mit über 400 Hochglanz-Fotos. Doch keine Sorge: Im CLASSIC ROCK-Interview spricht Mason aber nicht nur über Rennen, sondern auch über Rock’n’Roll.

Nick, David Gilmour und Roger Waters haben im Juli bei einer Charity-Veranstaltung wieder gemeinsam auf der Büh-ne gestanden. Wo warst du zu diesem Zeitpunkt?
Bei der Geburtstagsparty von Peter Gabriel. Er wurde 60 und feierte in Italien ein großes Fest. Es traten unter anderem afrikanische Drummer auf, einfach wunderbar! Ich habe mich allerdings zurückgehalten und nicht mitgespielt. Peter übrigens auch nicht. Wir haben es genossen, einfach mal nichts zu tun und das Spektakel als Zuschauer zu genießen. Was den gemeinsamen Auftritt von David und Roger angeht, so kann ich mit Bestimmtheit sagen, dass ich mich darüber freue. Aber es hätte keinen Sinn ergeben, wenn ich auch noch dabei gewesen wäre. Das ist nicht der richtige Ort für eine Pink Floyd-Reunion, obwohl der Anlass natürlich ehrenwert ist. Aber wenn so etwas passiert, dann in einem anderen Rahmen, nicht vor Anzugträgern, Stars und Sternchen. Mir schwebt da eher so etwas wie damals bei Live8 vor.

Wie sieht es denn aus – ist eine Wiedervereinigung der Band etwas, das du in Erwägung ziehst?
Ich hoffe, dass wir es tun. Zumindest verspüre ich Lust dazu. Und die anderen haben ebenfalls Interesse bekundet. Seit unserem Auftritt bei Live8 ist es auch leichter geworden, denn die Show hat uns und den Fans bewiesen, dass wir es durchziehen können. Im Grunde kommt es nun eigentlich nur darauf an, dass jemand von außen an uns herantritt und ein Angebot macht, das uns alle reizt. Ein US-Präsident zum Beispiel… Dann könnten wir sogar darüber nachdenken, mehr als nur ein Konzert zu geben, sondern eine richtige Tour planen. Natürlich würden alle Shows als Benefiz-Gigs angelegt sein, das ist klar. Aber selbst damit muss man vorsichtig sein: Es gibt inzwischen viele Charity-Konzerte, daher sind die Leute diesbezüglich nicht mehr so leicht zu begeistern. Es gibt erste Ermüdungserscheinungen…

Und trotzdem hast du im Mai 2006 an einem Benefiz-Konzert zu Gunsten der „Countryside Alliance“, einer britischen Pro-Jagd-Organisation, im Highclere Castle teilgenommen.

Das ist richtig. Außer mir waren noch Eric Clapton, Roger Waters, Roger Taylor, Georgie Fame, Bryan Ferry, Gary Brooker, Roger Daltrey und viele mehr dabei. Ich stehe nicht besonders auf dieses ganze Tamtam, das ums Jagen und Fischen gemacht wird, aber das Ganze war für mich eine wunderbare Gelegenheit, mit Eric Clapton zusammenzuspielen. Dafür wäre ich sogar zu einem Event der „National Front“ gefahren. Schließlich hat er bzw. Cream mich 1966 erst auf die Idee gebracht, das Hobby Musik wirklich ernsthaft und zielgerichtet zu betreiben.

In den Sechzigern warst du ein junger Rebell, der sich gegen das Establishment gewehrt hat. Heute bist du selbst ein Teil davon. Wie passt das zusammen?
Nun, es ist in der Tat so, dass ich 2010 völlig anders lebe und denke als früher. Wenn mir meine Eltern damals gesagt hätten: „Nick, als 60-Jähriger wirst du nicht einen, sondern zwei Anzüge besitzen“, hätte ich ihnen geantwortet: „Er-zählt doch nicht so einen Quatsch!“ Die Veränderungen, die man im Lauf seines Leben vollzieht, sind wirklich bemerkenswert. Wenn ich heute auf meine Zeit als Twen zurückblicke, sehe ich einen reinrassigen Sozialisten – was ja an sich keine schlechte Sache ist. Dennoch bin ich wirklich erstaunt darüber, wie wenig Ahnung ich damals von der Welt hatte, in welche Richtung sich mein Leben in den folgenden Jahrzehnten entwickeln würde.

Du hast vor wenigen Tagen PASSION FOR SPEED veröffentlicht – ein Coffeetable-Buch, das sich deiner großen Liebe und Leidenschaft widmet: schnellen Autos. Seit wann bist du Renn-Fan?
Mein Vater Bill hat mich dazu gebracht, er produzierte Dokumentationen über Autorennen. Schon als Kind bekam ich mein erstes Auto geschenkt, einen Austin Chummy. Die Rallye-Liebe hat sich übrigens auch weiter vererbt: Meine Kinder sind ebenfalls Fans, besitzen so-gar alle eine Rennlizenz.

Wie sieht es mit den anderen Floyd-Mitgliedern aus – teilen sie deine Begeisterung?
Nun, sie sind zumindest noch nicht in Le Mans an den Start gegangen! David fährt ab und an, aber er hatte einmal einen schweren Unfall, wäre fast eine Klippe hinabgestürzt. Daraufhin hat er umgesattelt – er fliegt inzwischen lieber. Allerdings ist er vor einiger Zeit mit einer großen Militärmaschine gefährlich ins Trudeln geraten – seither lässt ihn seine Frau in kein Gefährt mehr steigen, mit dem man ein Rennen bestreiten könnte. Roger besitzt einige tolle Autos. Diese Sammelleidenschaft scheint typisch für Rockstars zu sein. Immer wenn jemand einen Scheck von der Plattenfirma bekommt, wird er von den Autohändlern in der Gegend umschwärmt – und zwar so lange, bis er sich ein neues, teures Auto zugelegt hat. Daher ist viel von dem Geld, das wir mit Pink Floyd bedient haben, in ihre Taschen gewandert.

Würdest du die Zeit zurückdrehen wollen, wenn du es könntest?
Wenn es um die Band geht: ja. Und in politischer Hinsicht auch. Heute ist alles so verschwommen, es gibt keine klare Linie mehr. Und für Musiker ist es verdammt schwer geworden, von ihren Songs zu leben. Niemand verdient mehr etwas an einem Album. Die Zeiten, in denen die Label-Leute einem großzügige Deals angeboten haben, sind vorbei. Nur mit Konzerten und Merchandise-Verkäufen lassen sich heute noch Einnahmen erzielen. In der Anfangszeit von Pink Floyd kostete ein Ticket noch 75 Cent – nun aber 100 Euro! Platten waren damals zwar billig, aber man musste sie als Fan kaufen, wohingegen sie nun oft nur noch eine Gratis-Beilage der Sonntagszeitung sind. Als wir mit Floyd unseren ersten Deal unterzeichneten, bekamen wir 5.000 Pfund Vorschuss. Das war damals ein kleines Vermögen! Doch die EMI konnte es sich leisten, eine Band wie uns zu fördern, langsam aufzubauen. Erst einmal ein Single-Release, dann ab-warten, wie die Fans die Musik annehmen. Heute muss ein Label 100 Mal so viel Kohle investieren, um die Band nach vorne zu bringen.

Denkst du, dass es noch einmal ein neues Pink Floyd-Album geben wird?
Mit Blick auf die immer geringeren Verkaufszahlen ist das eher unwahrscheinlich. Große Bands setzen halt auf Tourneen, dort kann man noch etwas reißen, insbesondere in Verbindung mit massiven Werbekampagnen. Man muss sich doch nur mal ansehen, wie die Stones an die Sache herangehen. Ein neues Album? Brauchen sie nicht. Sie spielen live – und zwar dieselben 20 Songs, die sie auch in den vergangenen 20 Jahren stets in ihrer Setlist hatten.

Und wie wäre es mit einer Single?
Eine Single? Puh, da ist es wahrscheinlicher, dass wir ein neues Album aufnehmen! Doch das wird wohl nicht passieren, denn ich glaube kaum, dass die Verkäufe die Kosten für die Aufnahmen einspielen würden. Noch nicht einmal bei einer Band, die so groß ist wie Pink Floyd. Und um gleich die Antwort auf die Frage vorwegzunehmen, ob wir jemals wieder gemeinsam auf eine Welttournee gehen werden: Nein, werden wir nicht. Das ist zwar eine schöne, nostalgische Idee. Aber mal ehrlich: Wir werden uns nicht ein Jahr lang im Studio einschließen und dann noch eine Tournee durchziehen. Vor allem nicht jetzt, da Rick nicht mehr lebt. Es wäre auch zu gefährlich: Roger und David würden sich irgendwann gegenseitig umbringen – dann wäre ich das einzige verbliebene Pink Floyd-Mitglied. Obwohl, wo ich gerade darüber nachdenke – das ist doch im Grunde ein guter Plan. Dann wäre ich endlich der Chef von Pink Floyd.

Daniel Lanois (Black Dub)

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Black Dub 2010e_bearbEr ist der Produzent von U2, Neil Young, Bob Dylan, Peter Gabriel und vielen anderen. Doch Daniel Lanois macht auch eigene Musik – und die, so zeigt sein neues Projekt Black Dub, ist nicht minder ambitioniert als die seiner renommierten Klientel. CLASSIC ROCK hat den 59-Jährigen in seinem Studio in Toronto besucht und mit ihm über eine ungewöhnliche Karriere und ausgefallene Sounds gesprochen.

Daniel, du giltst als rechte Hand des exzentrischen englischen Klangtüftlers Brian Eno. Darf man fragen, worauf die Arbeitsbeziehung beruht?
Wahrscheinlich sind wir beide gleichermaßen positiv verrückt. (lacht) In dem Sinne, dass wir nichts lieber tun, als stundenlang an irgendwelchen Sounds zu basteln und mit technischem Equipment herumzuspielen. Das gibt uns den größten Kick. Und bevor ich ihn traf, habe ich lange in einem Studio in Hamilton, Ontario, gearbeitet, meine Fähigkeiten verbessert und Hunderte von Alben aufgenommen, die kaum jemand kennt. Es waren Gospel-Platten und wirklich obskure Sachen. Doch dann bekam ich diesen denkwürdigen Anruf von Brian, dem sie scheinbar zu Ohren gekommen sind. Er schlug mir vor, etwas Gemeinsames zu probieren. Was dann so gut funktioniert hat, dass wir uns entschieden, diese Zusammenarbeit auszudehnen. Und gerade in den frühen Achtzigern hatten wir einen unglaublichen kreativen Lauf.

Dabei ist auch THE UNFORGETTABLE FIRE entstanden. Ein Album, das dich zum Haus- und Hofproduzenten von U2 gemacht hat. Was gibst du dieser Band, das sie von einem anderen Produzenten scheinbar nicht bekommt?
Ganz einfach: Zwischen uns herrscht blindes Vertrauen – und eine Art nonverbale Kommunikation. Ich war schon an so vielen U2-Alben beteiligt, dass wir nicht noch groß was durchsprechen müssen, sondern einfach loslegen können. Und U2 sind toll, wenn sie jammen. Sie sind als Live-Band groß geworden und haben schon als Kids eine Menge Shows gespielt. Deshalb haben sie auch kein Problem mit dem Improvisieren. Das ist bis heute ihre große Stärke. Und wenn Eno und ich da aufspringen, verwandelt sich das Ganze zu einem tollen, merkwürdigen Gebräu.

Wobei du ja auch noch mit anderen Künstlern arbeitest. Wer ist für dich interessant – wer weniger?
Wenn es darum geht, einen Job zu übernehmen, ist mein einziges Kriterium: Ich muss spüren, dass jemand an einen faszinierenden Ort gehen und neuen Boden erschließen will. Also rein kompositorisch gesprochen. Und wenn sich jemand gut benimmt, ein solides Management, ein Label und einen seriösen Tour-Veranstalter hinter sich hat, dann weiß ich, dass die Musik, die wir da machen, auch ganz sicher auf die Bühne gelangen wird. Denn natürlich willst du als Produzent Platten machen, die gut auf der Stereoanlage klingen, aber es ist auch nett, wenn sie live unterstützt werden.

Was z.B. für Neil Young gilt, mit dem du LE NOISE aufgenommen hast?
Richtig. Und ich wollte schon immer ein Album mit Neil machen. Doch ich habe aufgehört, darüber nachzudenken, weil er nie angerufen hat. Aber jetzt, da er das getan hat, ist es wie der Beginn einer interessanten Beziehung. Denn er erkennt, dass ich es liebe, neue Wege und Ansätze zu finden. Genau wie er. Denn so sehr Neil ein Traditionalist ist, so hat er auch einen Heißhunger auf neue Techniken und Sounds. Und er mag die Idee, dass wir gemeinsam in unerforschtes Gebiet vorstoßen. LE NOISE ist übrigens der Spitzname, den er mir nach den ersten Sessions verpasst hat. Keine Ahnung, warum. Ich nehme das einfach mal als Kompliment.

Wobei Black Dub, deine neue Band, ja einem ähnlichen Ansatz zu folgen scheint wie die Zusammenarbeit mit Neil Young: Alle Kompositionen beruhen auf konspirativen Live-Jams. Und zwar mit erstklassigen Musikern wie Jazz-Drummer Brian Blade und Sängerin Trixie Whiley. Geht es dir um handgemachte Musik, quasi als Gegenpol zur blutarmen musikalischen Moderne?
Durchaus. Und ich finde, das ist etwas, was nie außer Mode geraten sollte. Wenn das Pendel irgendwann zurückschwingt, ist das Gegenteil von durchgestylter Musik eben solche, die auf einer richtigen Performance beruht. Was der Hörer hoffentlich genauso empfindet. Also, dass man bei elektronischer Musik vielleicht mit Showeffekten und vorproduzierten Sounds arbeiten kann, und das alles ziemlich cool ist. Aber dass es im Grunde nichts Besseres gibt, als jemandem zuzuhören, der volles Risiko eingeht – und alles gibt, was er hat. Egal was auch passiert: Wir als Menschen haben immer Appetit auf etwas, das sich direkt vor unseren Augen entfaltet.

Und woher stammt der Name Black Dub bzw. warum hast du ihn für ein Projekt gewählt, das nur wenig mit Reggae zu tun hat?
Ich habe in den vergangenen 15 Jahren viel Zeit auf Jamaika verbracht. Und ich liebe die Dub-Kultur, die ja aus den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern stammt. Eben von Leuten wie Lee Scratch Perry, die mit ganz wenig Studio-Equipment extrem viel geleistet haben, und vor allem jede Menge Soul besaßen. Danach streben auch wir in unserer Arbeit. Und wenn ich Musik produziere, verwende ich eine ähnliche Technik: Ich nehme einzelne Teile aus einem Song heraus und bearbeite sie so lange auf meinem Operations­tisch, bis sie einen vollkommen neuen Sound besitzen. Sprich: Bis sie ungewöhnlich und cool klingen. Dann füge ich sie wieder in ihren ursprünglichen Kontext ein und sorge somit für eine exotische, frische Note. Für et-was, das es in dieser Form noch nicht gegeben hat. Insofern mache ich es wie die Jamaika-Jungs: Ich nutze die Technik, um innovative Ansätze zu finden – aber nie auf Kosten der Seele.

Um ein Haar wäre Black Dub aber auch dein letztes musikalisches Unterfangen gewesen. Schließlich hattest du im Juni einen schlimmen Motorradunfall und musstest mehrere Wochen auf der Intensivstation verbringen. Geht es dir mittlerweile besser?
Die Knochen sind so gut wie verheilt. Und ich stehe auch schon wieder auf der Bühne bzw. arbeite an neuer Musik für eine Installation. Aber der Unfall war wirklich heftig. Es waren das Nierenbecken, sechs Rippen, das Schlüsselbein, und ich hatte Blutungen rund um die Lunge. Also innere Verletzungen von den gebrochenen Rippen. Dabei war das mein allererster Unfall. Und das erste Mal, dass ich überhaupt im Krankenhaus war. Deswegen ist das Motorrad auch vorerst eingelagert – bis nächstes Jahr. Denn wenn wir im Frühjahr nach Europa kommen, würde ich gerne ein paar Runden drehen. Sofern man mich lässt. (lacht)

David Feinstein

David FeinsteinFür den amerikanischen Gitarristen David Feinstein, der sich gerne mit dem Begriff „Rock“ zwischen Vor- und Nachnamen schmückt, ist der Tod des unvergleichlichen Sängers Ronnie James Dio im Mai 2010 auch eine private Tragödie.

Dio und Feinstein sind Cousins und spielten einige Jahre sogar in der gleichen Band: The Electric Elves, die später in Elf umbenannt und unmittelbar nach Feinsteins Ausstieg im Jahr 1973 vom Deep Purple-Abtrünnigen Ritchie Blackmore quasi annektiert wurden. Während sich aus Elf fast übergangslos die Erstbesetzung von Ritchie Blackmore‘s Rainbow entwickelte (lediglich Gitarrist Steve Edwards bekam kein Engagement) und Dio dank legendärer Alben wie RAINBOW RISING (’76) und LONG LIVE ROCK‘N‘ ROLL (’78) zu Weltruhm gelangte, konnte Feinstein mit den von ihm formierten The Rods nur mittelmäßige Erfolge verbuchen.

Die Wege der beiden Verwandten sollten sich im Laufe der Jahre zwar dann und wann kreuzen, doch künstlerisch zueinander fanden sie nur noch ein einziges Mal: im Herbst 2008. „Wir hatten so oft über eine Zusammenarbeit gesprochen, sogar über eine Reunion von Elf“, erklärt Feinstein, „aber wir lebten fast 5.000 Kilometer voneinander entfernt, außerdem hatte Ronnie einen vollgepackten Terminkalender. Doch vor zwei Jahren war er für ein paar Wochen zu Hause, rief mich an und sagte: ‚Wenn du willst, kann ich auf einem oder zwei deiner Songs singen!‘“

Feinstein war natürlich total aus dem Häuschen und komponierte umgehend geeignetes Material. Am Tag vor den geplanten Aufnahmen hatte er den perfekten Track geschrieben: ›Metal Will Never Die‹. Ein maßgeschneiderter Song für Dio, der aus der Nummer eine Hymne machte. „Als ich das Lied schrieb, wusste ich sofort, dass der Song perfekt für ihn sein würde. Ronnie lieferte eine Weltklasse-Performance ab und gab dem Stück genau das, was es brauchte.“

Zu hören ist ›Metal Will Never Die‹ auf BITTEN BY THE BEAST, Feinsteins neuem Soloalbum. Der erfindet auf dem Album das Rock-Rad zwar nicht neu, unterhält den Hörer aber mit einigen kurzweiligen Tracks. Stilistisch sind die neun Stücke in den Achtzigern verwurzelt, und wer weiß: Vielleicht verhilft die posthume Dio-Veröffentlichung der Scheibe ja zu größerer Bedeutung.

Übrigens wurde bei erwähnter Studiosession noch ein weiterer Track von Dio eingesungen. Doch den hält Feinstein vorsorglich zurück, genau wissend, dass man einen solchen Trumpf nicht mit einem einzigen Schuss verpulvern darf. Also wird man auf das kommende Werk der reformierten The Rods warten müssen, bis auch das zweite Geheimnis gelüftet wird. „Rods-Produktionen sind immer sehr zeitraubend, weshalb mein Soloalbum ja auch vorgezogen wurde. Aber alle Fans können sich schon jetzt freuen: Dank des zweiten Tracks mit Ronnie ist unsere Motivation natürlich größer denn je.“

Loreena McKennitt – Verstand & Gefühl

Loreena McKennitt 2010 (5)Mit ihrem neuen Album THE WIND THAT SHAKES THE BARLEY geht die Hohepriesterin des Celtic Folk zurück an die Wurzeln einer lebenslangen Faszination.

Sie ist in hohem Maße für eine der bedeutendsten popmusikalischen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte mitverantwortlich – nur dass so-wohl diese Entwicklungen als auch McKennitts entscheidende Anstöße dazu nie hinreichend in den großen Publikumsmedien thematisiert wurden: In den Folk-, den New-Age- und auch in den Pop-Abteilungen von Plattenläden und Online-Stores finden sich heute unzählige Releases, die auf die eine oder andere Weise das reiche Erbe der keltischen Folklore musikalisch nutzen – und die Kanadierin McKennitt hat diesen Boom mit den Platten, die sie seit 1985 auf ihrem eigenen Label „Quinlan Road“ veröffentlicht, und mit gefeierten Tourneen maßgeblich mit ausgelöst.

Von ungefähr kommt das alles nicht – wer sich mit McKennitts Alben beschäftigt und mit ihr spricht, dem fällt schnell auf, dass die Sängerin, Harfenistin und Komponistin ein tiefes und umfangreiches Wissen über die keltische Kultur in ihre Arbeit investiert. Wie viel von einer Gelehrten steckt eigentlich in ihr? „Ich verfüge, von ein paar Semestern Tiermedizin mal abgesehen, über keinen klassischen akademischen Hintergrund, etwa im Sinne eines Musik- oder Geschichtsstudiums. Als Teenager habe ich schlicht eine große Faszination für die keltische Musik und damit bald auch die keltische Geschichte und Kultur entwickelt – und meine persönliche Neugier trieb mich dann immer weiter. Aber das geht alles auf eher informellen Wegen vor sich.“
Seit ihre Karriere ins Rollen kam, kann McKennitt auf privilegierte Weise ihrer Faszination frönen. „So in etwa seit 1994 habe ich durch meine Musik die Möglichkeit, zu all diesen Orten zu reisen, die mit der keltischen Geschichte irgendwie verbunden sind, und da nun vieles aus erster Hand zu erfahren, vieles unmittelbar zu erleben, was mich interessiert – und das sind oft ganz andere Dinge als die, nach denen Historiker oder Archäologen suchen würden: etwa wie das Licht an einem bestimmten Ort ist, wie die Winde dort gehen, die Luft dort riecht, was für eine Esskultur die Menschen dort haben. Für mich als Künstlerin sind diese sinnlichen Aspekte ganz wichtige Informationen, die mir helfen, mich in ein altes Lied hineinzufühlen, ein persönliches Verhältnis dazu zu entwickeln, eine spannende Emotion in meiner Performance aufzubauen.“ Ganz ohne akademische Unterstützung muss die Neugierige aber doch nicht auskommen: „Ich stehe in regem Austausch mit einem Archäologen der Universität von Arizona, der mir immer wieder wertvolle Hinweise gibt.“

Was aber hat seinerzeit diese Faszination in der jungen Loreena ausgelöst, die immerhin so stark war, dass sie ein Leben lang angehalten hat? „Na ja, ich bin rotblond, mein Vater ist ein Viehhändler mit schottischen Vorfahren, die Familie meiner Mutter kommt aus Irland – irgendwann während der Schulzeit wird man eben neugierig, beginnt sich Fragen nach den eigenen Wurzeln zu stellen. Und als ich schließlich mit den ersten alten irischen Liedern in Berührung kam, gab es kein Halten mehr…“

Seitdem befindet sich Loreena McKennitt auf einem künstlerischen Trip, der auch geografisch an Orte führt, die weniger Informierte zunächst nicht mit dem keltischen Erbe in Verbindung bringen würden: Reisen durch die Mongolei und die Türkei resultierten in dem fernöstlich geprägten Werk AN ANCIENT MUSE (2006). Für die Alben NIGHTS FROM THE ALHAMBRA (2007) und A MEDITERRANEAN ODYSSEY (2009) machte sie sich mit den keltischen Spuren im Mittelmeerraum vertraut.

Mit ihrem neuen Album THE WIND THAT SHAKES THE BARLEY geht Loreena jetzt stilistisch zurück an die irischen Wurzeln ihrer lebenslangen Passion: Man hört darauf bekannte Klassiker des Irish Folk wie ›Down By The Sally Gardens‹, ›The Star Of The Country Down‹ und ›The Parting Glass‹, aber auch weniger bekannte traditionelle Lieder wie ›The Death Of Queen Jane‹ und ›As I Roved Out‹. Zwei Instrumentalstücke sind ebenfalls auf dem Album enthalten, eines davon ist ein Loreena-McKennitt-Original namens ›The Emigration Tunes‹. Dieses Stück bezieht sich auf die irisch-kanadische Geschichte während der Hungersnot 1840. Die Weltmusik-Tendenzen der Vorgängeralben schränkte die Künstlerin diesmal zu Gunsten eines wieder stärker auf den Folk konzentrierten Sounds ein. „Seit einigen Jahren haben mich immer wieder Leute danach gefragt, wann ich denn mal wieder etwas im Stil meiner ersten, musikalisch traditionelleren Alben aufnehmen würde. Ich hab das einige Zeit vor mir her geschoben, aber im vergangenen Jahr hatte ich dann plötzlich das Gefühl, dass die Umstände passten und die Zeit dafür gekommen war. Und dann ging alles sehr schnell, innerhalb von wenigen Tagen, nachdem ich mich endlich zu dem Projekt durchgerungen hatte, begannen wir auch schon mit den Sessions.“

Für die Aufnahmen suchte sich die Hohepriesterin des Keltenfolk einen ganz besonderen Ort aus: den Sharon Temple, ein handwerkliches Holzgebäude nördlich von Toronto, aus dem Jahr 1832. Mit vollem Namen heißt das Gebäude „The Temple Of The Children Of Peace“, und es ist das Herzstück eines historischen Kulturerbes von insgesamt neun alten Gebäuden, die in einem Park liegen. „Ich kannte den Tempel schon von einigen Sommerkonzerten her, seine Größe, Form und das Licht dort sind einfach wundervoll…“ Allerdings dürfe man nun nicht annehmen, dass sie den Tempel etwa ausgesucht habe, um sich für die traditionellen Songs „in Stimmung“ zu bringen – das nämlich geht die Wissbegierige dann doch wieder gelehrsamer an: „Um einen Song wie etwa das Titelstück ›The Wind That Shakes The Barley‹ richtig zu interpretieren, muss man seinen Zeithintergrund verstehen. Das Lied stammt aus dem 19. Jahrhundert, erzählt aber vom Aufstand der United Irishmen gegen die britische Krone im Jahr 1798, also einer politisch ziemlich unruhigen Epoche. Darüber habe ich mich vor den Aufnahmen schlau gemacht.“

Bei allem Interesse für geschichtliche Hintergründe – gänzlich traditionell wollte McKennitt die Songs dann doch nicht interpretieren: „Ich wollte ihnen gerecht werden, den Absichten der Komponisten treu bleiben – aber deswegen sollte trotzdem nicht alles total konventionell klingen, auch wenn wir traditionelle Instrumente verwenden. Ich habe schon den Ehrgeiz, immer etwas Eigenes in meine Darbietungen einzubringen.“

Magnum – Alte Gewohnheiten

Magnum 2010bNach knapp 40 Jahren im Geschäft kann die britische Rock-Institution auf einige bewährte Schemata im Arbeitsprozess zurückgreifen. Dennoch lassen Magnum auf dem neuen Album THE VISITATION auch ihr Herz sprechen.

Das Wort „Pause“ kennt Tony Clarkin vermutlich nur vom Hörensagen. Leben ist für den umtriebigen Gitarristen der britischen Rockgruppe Magnum gleichbedeutend mit Arbeit. Und davon hat der Mann weit mehr als genug: Er schreibt nicht nur sämtliche Stücke der Band im Alleingang, er betreut die Scheiben auch als Toningenieur und kümmert sich um sämtliche Studio-Belange, die im Laufe einer Produktion anfallen. „Angefangen habe ich mit den neuen Songs bereits unmittelbar nach unserer letzten Veröffentlichung vor zwei Jahren“, erklärt er die An-fänge von THE VISITATION, dem aktuellen Werk seiner Band. „Im Grunde genommen komponiere ich ununterbrochen. Kaum ist ein Album fertig, starte ich auch schon mit dem Sammeln neuer Ideen. So arbeite ich bereits seit den frühen Siebzigern. Für mich ist das die beste Methode, das Optimum aus mir herauszuholen.“

Clarkins tadelloser Arbeitsethos in Verbindung mit der signifikanten Stimme von Sänger Bob Catley machten aus Magnum in den Achtzigern eine der beliebtesten und erfolgreichsten Artrock-Bands Englands. Einige Jahre lang durfte die Gruppe sogar die Höhenluft von Superstars schnuppern. Vor allem mit dem Opus A STORYTELLER’S NIGHT schuf die Gruppe 1985 einen Klassiker und landete mit dem nur ein Jahr später folgenden VIGILANTE einen weiteren Topseller. „VIGILANTE war wirklich ein fabelhaftes Album, sicherlich der Höhepunkt unserer Karriere“, findet Clarkin noch heute.

Dem Höhenflug folgte eine Phase, die Magnum wieder ins Reich der Normalsterblichen zurückholte. Die Verkaufszahlen ihrer nachfolgenden Veröffentlichungen relativierten sich auf ein branchenübliches Maß, der Boom der goldenen Jahre war vorüber. Nach einem auch als solches proklamierten Abschiedsalbum und einer aufwändigen Farewell-Tournee, bei der die Livescheibe THE LAST DANCE aufgezeichnet wurde, war Mitte 1997 vorüber-gehend Schluss.

Schluss? Nun ja, so ganz konnten und wollten Clarkin und Catley nicht auf ihre künstlerischen Visionen verzichten. Im Sommer 1997 erschien unter dem Projektnamen Hard Rain ein Debütalbum, das die stilistischen Direktiven Magnums fortführte, allerdings bei weitem nicht so griffig wie das Original klang und bei den Fans eher zwiespältige Reaktionen hervorrief. Speziell der Projektcharakter des Ganzen und der fehlende Biss der Produktion schmälerten den Hörgenuss – ein Manko, das auch dem anschließenden Zweitwerk WHEN THE GOOD TIMES COME (1999) anhaftete.

Im Herbst 2001 verdichteten sich deshalb Gerüchte, dass mit dem Ge-spann Clarkin/Catley und ihrem Original-Keyboarder Mark Stanway der Nukleus von Magnum an einer Comeback-Scheibe arbeiten wolle. Das Ergebnis, BREATH OF LIFE (2002), veranlasste Clarkin damals zu einer stili-stischen Bestandsaufnahme von Vergangenheit und Gegenwart. „Hard Rain war sicherlich poppiger, nicht ganz so tiefschürfend wie Magnum“, äußerte er sich selbstkritisch. „Die Songs auf BREATH OF LIFE dagegen sind heavier und intensiver, zudem fühle ich mich deutlich mehr in sie eingebunden.“

Mittlerweile sind weitere acht Jahre ins Land gegangen, die Erde hat sich unaufhörlich gedreht, und der Zeitgeist fordert heute andere Themen, andere Sounds, andere Botschaften. Magnum tragen dem auf THE VISITATION gebührend Rechnung: „Wenn man sich die gesamte Karriere meiner Band anschaut, dann gab es in den meisten Fällen Texte, die sich mit zeitgemäßen Themen und aktuellen Problemen beschäftigten“, konstatiert Clarkin, „nur dass die Dramatik der Vorfälle zugenommen hat und damit auch die Erfordernis, diese schonungslos anzusprechen.“
Der Gitarrist spricht von einem Song wie ›Mother’s Nature Final Dance‹, das sich um Umweltsünden, um die verhängnisvolle Mischung aus Verantwortungslosigkeit, Geldgier und gewissenloser Risikobereitschaft dreht. „Schau doch nur, was da vor kurzem in Ungarn passiert ist, dieser stinkend-rote Giftschlamm, der eine gesamte Ortschaft verseucht hat“, schimpft er, „oder aber die Ölpest im Golf von Mexiko. Man darf über die langfristigen Folgen besser nicht nachdenken, denn sonst wird man vollkommen irre.“

Eine Botschaft, eine Moral oder gar eine politisch-motivierte Kritik haben die Texte allerdings nicht, erklärt Clarkin. „so etwas maßen wir uns nicht an, wir beschreiben nur Zustände und überlassen die daraus resultierenden Konsequenzen der Meinung unserer Zuhörer.“

Dabei: Vielleicht wäre es ja durchaus wünschenswert, wenn Magnum noch klarer Position beziehen und musikalisch wie textlich mehr Reibungspunkte liefern würde. Doch streiten mag die Band ebenso wenig wie polarisieren. Ihre Musik hat etwas Friedfertiges, Versöhnliches, sie zeichnet sich durch Wohlklang aus und dadurch, dass sie den Zuhörer einlädt. Deshalb also der neue Albumtitel THE VISITATION, der übersetzt sowohl Besuch als auch Erscheinung bedeuten kann. „Ich finde es absolut positiv, wenn einem im Schlaf Menschen heimsuchen, die von uns gegangen sind, denn es bedeutet, dass sie trotz ihres Todes noch immer in Kontakt zu unserer Seele stehen“, übt sich Clarkin als Traumdeuter. „Manche sprechen dann von Geistern und fürchten sich vor ihnen. Ich aber finde, dass Erscheinungen im Traum die betreffenden Menschen in unserer Erinnerung lebendig halten, und das wünschen wir uns doch alle nach unserem Tod, oder etwa nicht?“

Genau dieses Anliegen verfolgt der Magnum-Boss auch mit seiner Musik: Sie soll kurzlebige Trends und Moden überdauern, soll auch dann noch frisch und vital klingen, wenn die niveaulosen Lieder hipper „Wellenreiter“ bereits lange verblüht sind. „Wir machen keine Musik für eine bestimmte Phase der Rockgeschichte, wir kreieren voller Stolz Magnum-Songs, die keinem konkreten Kalkül entsprungen sind, sondern einfach unsere Fans glücklich machen sollen.“

THE VISITATION wird dieses Kriterium erfüllen, da können sich Clarkin und seine Bandmitglieder sicher sein. Vielleicht sind ihre Kompositionen nicht mehr ganz so verträumt wie vor 25 Jahren, und vielleicht orientieren sich Magnum doch ein klein wenig stärker an heutigen Hörgewohnheiten, als es die Macher selbst wahrhaben wollen. Fakt bleibt jedoch: THE VISITATION ist so typisch Magnum, wie es ein Album nur sein kann. Und man entdeckt darauf jene kompositorischen Widerhaken, die Clarkin seinen Songs bewusst implantiert hat. „Glücklich bin ich dann, wenn Fans auch nach mehrmaligem Hören immer noch fasziniert sind. Denn in dem Fall weiß ich, dass unsere Musik unter die Haut geht.“

Neil Diamond – Torschlusspanik

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Neil Diamond 2008a @ Jesse Diamond_BEARBDie amerikanische Singer/Songwriter-Legende hört die Lebensuhr ticken: Kurz vor seinem 70. Geburtstag ist Neil Diamond so ehrgeizig wie nie. Aber auch extrem schrullig, wie CLASSIC ROCK im Interview herausfindet.

Wer 128 Millionen Alben verkauft hat und seit fünf Dekaden im Geschäft ist, kann sich einiges erlauben. Etwa CLASSIC ROCK nach LA fliegen zu lassen, obwohl er am nächsten Morgen nach London aufbricht. Oder den Ort für dieses Gespräch mehrfach zu verlegen – von Santa Monica via Malibu nach Hollywood. Dort besitzt er seit 35 Jahren die „Archangel Studios“ mit Sitz in einem zweistöckigen Gebäude an der Third Street, das einem Museum gleicht und Memorabilia aus allen Schaffensphasen vereint: Cordhosen und wallendes Haar bis Glitzeranzug und lichter Scheitel.

Dort taucht er an einem frühen Dienstagmorgen im Jogginganzug und mit Baseballkappe auf, knabbert Sonnenblumenkerne zu Mineralwasser von den Fidschi-Inseln und gibt sich ungewohnt wortkarg. Fast so, als hätte er Schwierigkeiten, das zu beschreiben, was er da gerade als DREAMS vorlegt. Das 28. Album seiner Karriere besteht nämlich aus 14 Coverversionen von so unterschiedlichen Künstlern wie Bill Withers, Leon Russell, Gilbert O’Sullivan, The Beatles, den Eagles, Leonard Cohen, Harry Nilsson oder Randy Newman. „Meine Lieblingsstücke aus den Sechzigern und Siebzigern – der Zeit, in der ich groß geworden bin. Und ich wollte ihnen etwas Neues abgewinnen, indem ich sie anders arrangiere habe und auf meine Weise sin-ge“, so der hölzerne Rechtfertigungsversuch für Neuinterpretationen von ›Hallelujah‹ (Cohen), ›Blackbird‹ oder ›Yesterday‹, die eigentlich gar keiner Überarbeitung bedürfen, weil sie „Klassiker“ der Musikgeschichte sind. Aber die Diamond so spartanisch und sphärisch rü-berbringt, dass sie neidlose Anerkennung verdienen. Einfach, weil er es schafft, ihnen seinen ureigenen Stempel aufzudrücken. Was gerade im Falle der Beatles (›Blackbird‹ in einer Cajun-Version) eine echte Meisterleistung ist – und auf tiefem Respekt basiert. „Ohne die Beatles hätte ich es nie so weit gebracht. Sie waren es, die dafür sorgten, dass ein Songwriter auch seine eigenen Stücke singen kann – und nicht nur Zulieferer für andere ist. Was aus heutiger Sicht banal klingt, aber damals hat es das gesamte Musikgeschäft auf den Kopf gestellt. Es war eine Revolution – und ich war ein Teil davon.“

Weshalb er 50 Jahre später, frisch nominiert für die Rock’n’Roll Hall Of Fame, schon mal nostalgisch sein darf. Nur, dass es bei ihm nichts Schwelgerisches hat, sondern auf akuter Torschlusspanik basiert: „Ich höre die Uhr ticken. Deshalb versuche ich jetzt, möglichst viele neue Sachen auszuprobieren. Und solche, die ich mir schon immer vorgenommen habe.“ Wozu ein Strandhaus in Malibu, aber auch DREAMS und weitere Kollaborationen mit Star-Produzent Rick Rubin (12 SONGS, HOME BEFORE DARK) zählen. „Wir haben uns schon getroffen, um darüber zu reden. Aber: Vorher gönne ich ihm und mir erst mal eine Pause. Denn dieser Seelenstriptease, das tief-in-der-eigenen-Psyche-Kramen, ist unglaublich anstrengend und macht keinen Spaß. Deshalb bin ich auf DREAMS auch nur der Sänger – was ich sehr genieße.“

Zumal das auch viel gesünder ist als die anderen Dinge, die er bis vor kurzem zum Selbstamüsement unternommen hat: Harley fahren, Zigarre rauchen, Florett fechten und Whiskey trinken. Mit fast 70 und bei so viel spätem Ehrgeiz natürlich absolutes „No-Go“. Aber: „Die Leute meinen immer, ich wäre ein Softie – dabei habe ich mehr Rock’n’Roll in mir als manch anderer“, so der Mann, der ›Red Red Wine‹ und ›Girl You’ll Be A Woman Soon‹ geschrieben hat. Und der zum Ende des Interviews noch ganz mutig von Wasser zu schwarzem Kaffee wechselt beziehungsweise sich als Palin-Supporter und US-Patriot outet. Kleine Schwächen eines großen Musikers.