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Special: Melodic Rock – Zurück zur Melodie, die zweite Blüte des AOR

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Foreigner 2Er ist zurück: der Melodic Rock. Eine Reunion jagt die nächste, Journeys ›Don’t Stop Believing‹ gehört mit drei Millionen Downloads zu den meistgekauften Songs im Online-Bereich, und mehr und mehr Nachwuchsbands stellen ihre Liebe zum Rock mit softer Schlagseite offen zur Schau. CLASSIC ROCK spricht mit den Protagonisten, um herauszufinden, was und wer dem »Adult Orientated Rock« neues Leben eingehaucht hat.

Vor nicht allzu langer Zeit schien es, als sei der Melodic Rock tot. Mausetot. Doch diese Zeiten sind vorbei. Das Genre hat sich nicht nur erholt, indem es die früheren Helden reanimiert und aufpoliert hat – es erstrahlt auch in neuem Glanz. Junge, frische Bands verschreiben sich mit Haut und Haaren einem Sound, der vor Kurzem noch als „zu soft“ oder „völlig aus der Mode“

belächelt worden ist. In England, dem Mutterland des Rock, kommen plötzlich Hunderte von Fans zu Konzerten, bei denen sich vor fünf Jahren gerade mal ein paar Dutzend Hartnäckige vor der Bühne versammelt haben. Und eine Band wie Cinderella wird 2010 nicht nur beim kultigen Traditionalisten-Festival Sweden Rock bejubelt, sondern reißt auch die Fans beim Download-Open Air mit, wo Rage Against The Machine als Headliner spielen. Das Firefest, seit Jahren heiß-geliebtes Event der Melodic-Aficionados und quasi der Bewahrer des AOR-Grals, gewinnt mehr und mehr an Popularität. Frontiers Records, ein auf das Genre spezialisiertes Label aus Italien, nimmt eine Band nach der anderen unter Vertrag: Journey, Survivor, Toto, Styx, Winger, Y&T, Tesla, Nelson, Giant, Great White, Extreme, Mr. Big, Night Ranger, ja sogar Whitesnake – und die Liste wird länger und länger. Journey, Foreigner und Styx werden im Juni gemeinsam auf England-Tour gehen, und unser britisches Muttermagazin CLASSIC ROCK wagt es sogar, ein eigenes Heft auf den Markt zu bringen, in dem sich alles aus-schließlich um AOR bzw. Melodic Rock dreht. Zunächst ist nur ein dreimonatiger Veröffent-lichungsturnus geplant – aber wer weiß, was die Zukunft bringt. Aus dem Ableger „CLASSIC ROCK presents PROG“ ist inzwischen eine Publikation mit sechswöchigem Erscheinungsrhythmus geworden.

Auch hierzulande treibt das Melodic-Segment neue Blüten. Reunion-Aktivitäten von einstigen Megasellern wie Mr. Big tun das ihre dazu, und im weiteren Verlauf des Jahres stehen neue Studioalben von Journey u.a. auf dem Programm.

Auch auf dem Live-Sektor tut sich einiges: Im Juni feiert eine Tournee Premiere, das mit Superlativen nicht geizt. Unter dem Banner „Rock The Nation“ kommen Foreigner, Journey, Kansas und Saga ins CLASSIC ROCK-Land. Und zwar nicht nur für eine gewöhnliche Konzertreise. Nein, um dieses Ereignis gebührend zu feiern, finden zu Ehren der Melodic Rock-Veteranen zwei Festivals statt, nämlich auf der Loreley und in Ferropolis nahe Dessau. Zwei Tage lang, nämlich am 24./25.6. (Loreley) bzw. 25./26.6. (Ferropolis) können Fans von Riffs mit Harmonien ihren Szene-Veteranen zujubeln. Und wer lieber nur einen Tag Vollgas geben will und zudem wetterunab-hängig rocken möchte, der kann eines der insgesamt vier Indoor-Festivals besuchen, die rund um die Open Airs stattfinden und strategisch günstig auf ganz Deutschland verteilt sind. Am 15. Juni gastieren die Acts in der Berliner Zitadelle Spandau, am 17.6. auf Hannovers Parkbühne, am 18. Juni steht das Esslinger Eisstadion nahe Stuttgart auf dem Tourplan, und quasi als Warm-up für die Freiluft-Gigs kann die Show in der Augsburger Schwabenhalle gelten – sie steigt am 22. Juni.

Diese Auftritte, bei denen insgesamt mehrere Zehntausend Fans erwartet werden, beweist: Es handelt sich hier nicht nur um eine Wiederbelebung ehemals erfolgreicher Gruppen, sondern vielmehr um eine echte Renaissance. Sprich: Die alte Werte haben nach wie vor Gültigkeit, doch die Ausdrucksform ist alles andere als antiquiert. Der Melodic Rock kommt mit denselben Stilmitteln aus, aber sie werden durchaus anders ein-gesetzt, um zeitgemäß zu klingen. Damit erreichen die Bands neue Zielgruppen.

Paradebeispiel dafür: Journey. In den vergangenen Jahren hat die Gruppe um Gitarrist Neal Schon einen enormen Popularitätsschub unter jungen Rockfans erfahren. Ihre Hymne ›Don’t Stop Believing‹ (vom 1981er-Album ESCAPE) zählt zu den meistverkauften Download-Songs aller Zeiten. Zu verdanken haben das die US- Rocker vor allem ihrer Präsenz in diversen Me- dien. So verhalf Journey unter anderem eine Neu-aufnahme des Tracks für die amerikanische TV- Serie „Glee“ zu frischem Ruhm (auf der dazu-gehörigen Compilation befinden sich u.a. auch Queens ›Somebody To Love‹, Neil Diamonds ›Sweet Caroline‹). Und spätestens seit ›Don’t Stop Believing‹ in der Schluss-Szene der „Sopranos“ zu hören war, kennt nicht nur die Generation 35+, sondern auch ein Großteil der nordamerikanischen Bevölkerung unter 30 das Lied.

„Das hat uns wirklich nach vorne gebracht“, bestätigt Schon im Gespräch mit CLASSIC ROCK. „Aber es hilft auch anderen Bands des Genres, weil sie dadurch überhaupt erst auf diese Art von Musik aufmerksam werden. Mir macht es übrigens auch gar nichts aus, wenn die Zuschauer keinen blassen Schimmer davon haben, dass ›Don’t Stop Believing‹ von Journey ist und nicht extra für ,Glee‘ komponiert wurde. Die Hauptsache ist doch, dass den jungen Leuten der Sound gefällt. Dann bin ich glücklich, Punkt.“

Dazu hat der Gitarrist auch allen Grund. Denn dank des zweiten Frühlings von ›Don’t Stop Believing‹ ist es Journey gelungen, den Song zu einem Download-Dauerbrenner zu machen. Insgesamt drei Millionen Mal ist das Stück bereits herunter-geladen worden – legal, wohlgemerkt. „Es ist absoluter Wahnsinn, ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben“, staunt Schon. „›Don’t Stop Believing‹ ist damit im Online-Bereich bislang erfolgreicher als die Songs von Led Zeppelin. Verrückt, nicht wahr?“

Wo so viel Geld zu verdienen ist, da sind die Konkurrenten nicht weit. So liebäugelt auch Foreigner-Gitarrist Mick Jones mit den Verdienstmöglichkeiten, die sich in diesem Geschäftsbereich auftun – und zwar speziell vor dem Hintergrund, dass die „Glee“-Macher sich jüngst dazu entschlossen haben, den REO Speedwagon-Song ›Can’t Fight This Feeling‹ für ihre Sendung zu lizenzieren. „Wenn die Leute mich fragen würden, ob sie einen Titel von Foreigner verwenden dürfen, würde ich mit breitem Grinsen zusagen“, gibt Jones unumwunden zu. „Denn das Musikbusiness hat sich verändert. Es gibt kaum noch Plattenläden, insbesondere in den USA. Das Geschäft ist ein anderes geworden. Ohne die Vermarktung auf breiter Basis, zum Beispiel über das Fernsehen, ist es extrem schwierig, die Käufer zu erreichen. Wenn ,Glee‘ einen Beitrag dazu leistet, dass die Zuschauer auf den Melodic Rock-Sektor aufmerksam werden und sich daraufhin intensiver mit der Musik auseinander setzen, dann kann ich das nur begrüßen.“ Zumindest ein Foreigner-Stück dürfte je- doch aufgrund der Doppeldeutigkeit für den nordamerikanischen Markt ausfallen: Mit ›Feels Like The First Time‹ wird in den prüden USA wohl nichts zu holen sein. Und auch der Terminus „AOR“ (Adult Orientated Rock) würde in dem Zusammenhang ad absurdum geführt. Doch Mick Jones ist das egal – er hat es ohnehin nicht besonders mit Kategorien: „Wir sind im Laufe unserer Karriere schon als alles Mögliche bezeichnet worden. Doch im Grunde ist das Quatsch. Foreigner sind eine Rockband, basta. Aber eben eine, die viele Melodien in ihre Songs einflicht.“

In dieser Hinsicht unterscheiden sich Journey, Foreigner und Co. nicht von ihren Kollegen, die in weniger privilegierten Rock-Regionen unterwegs sind. Doch das Schöne am Comeback des Melodic Rock ist: Nicht nur die Giganten, sondern auch die weniger erfolgreichen Acts haben etwas davon. So reformierten sich vor wenigen Monaten die britischen Acts FM und Skin. Allerdings setzten beide Bands nicht mehr alles auf eine Karte. Der Traum vom Profimusiker-Dasein ist ausgeträumt, zumindest sieht das Skins Myke Gray so: „Wir wollen weitermachen, neue Songs aufnehmen und sie veröffentlichen. Aber die Kosten müssen im Rahmen gehalten werden, denn das sind wir den Fans schuldig“, betont der Gitarrist. „Denn heute ist keiner von uns mehr so naiv, alles hinzuwerfen für die Musik. Wir haben Familien und arbeiten in Festanstellungen. Daher lautete unsere Entscheidung: Wir gehen raus, rocken wieder, komponieren Stücke – aber wir verlassen uns nicht darauf, dass Zehntausende unsere Platte kaufen. Wenn wir 2.000 Exemplare unter die Leute bringen, dann geht die Rechnung auf und alle Kosten sind gedeckt. Wenn nicht, haben wir unseren Spaß gehabt – und die Welt geht auch nicht unter.“

Klingt vielleicht emotionslos, ist aber vernünftig. Und es mindert keineswegs die Leidenschaft für die Sache, im Gegenteil. Durch die finanzielle Unabhängigkeit fällt eine große Last von den Beteiligten ab. So erging’s auch Laurie Mansworth, der zuletzt bei Roadstar aktiv war (aus denen schließlich nach einigen internen Turbulenzen Heaven’s Basement hervorgingen). Der Gitarrist, der gleichzeitig auch als Manager arbeitet, ist nun wieder mit Airrace am Start. Die Band ruinierte sich im Zuge des 25-jährigen Jubiläums ihres 1984er-Debütalbums SHAFT OF LIGHT – das zugleich auch das bislang einzige Werk der Rocker bleiben sollte. Nach einer umjubelten Show beim 2009er-Firefest traten Airrace u.a. mit Tesla, Thunder und Winger auf.

Im Moment arbeitet die Band an Songs für ihr zweites Album. „Die Reaktionen auf unseren Gig beim Firefest waren so euphorisch, dass wir es selbst kaum fassen konnten“, berichtet Mansworth. „Die Leute kamen ja nicht nur aus England, sondern aus der ganzen Welt. Einige hatten sogar die Original-LPs von SHAFT OF LIGHT dabei, um sie sich signieren zu lassen. Da habe ich erst gemerkt, wie sehr mir das alles in den letzten Jahren gefehlt hat.“
Ein Gefühl, das auch sein Kollege Steve Overland kennt. Der Sänger der britischen Rocker FM hat einer Reunion seiner Band nur zugestimmt, weil er wieder auf der Bühne stehen wollte. „Es ist toll, Songs aufzunehmen und diese dann auf einer Platte zu veröffentlichen. Aber es gibt nichts Cooleres, als in einem Club zu stehen und die Stücke zu performen, die man zwar allein zu Hause in seinem Wohnzimmer komponiert hat, die aber inzwischen so bekannt geworden sind, dass es Menschen gibt, die jedes Wort verinnerlicht haben. Und so lange es noch Leute gibt, die FM sehen und hören wollen, werde ich weitermachen.“

Doch es sind nicht nur die etablierten Acts, die ihr Melodic-Feuer neu entfacht haben. Auch etliche Nachwuchs-Talente machen nachdrücklich auf sich aufmerksam. Ganz vorne mit da- bei: Die Schweden H.E.A.T., die jüngst ihr zweites Album FREEDOM ROCK veröffentlicht haben und nun mit Erik Grönwal auch einen neuen Frontmann verpflichten konnten. Der Sechser aus dem Stockholmer Vorort Upplands Väsby hat es geschafft, bereits den dritten Firefest-Slot zu ergattern. „Das Genre war schon beinahe tot – doch damals habe ich gerade erst Lesen und Schreiben gelernt“, berichtet Bassist Jimmy Jay lachend und verrät, dass das Durchschnittsalter der H.E.A.T.-Besetzung bei zarten 24 Jahren liegt. „Das ist ein Vorteil für uns. Denn so gehen wir ganz ohne Hintergedanken an die Musik heran. Wir wollen damit nicht reich und berühmt werden. Melodic Rock liegt uns einfach im Blut, so einfach ist das.“ Und wenn man sich vor Augen führt, dass z.B. Bon Jovi im vergangenen Jahr zwölf ausverkaufte Shows hintereinander in der Londoner O2- Arena (Kapazität: 20.000+) absolviert haben, dann wird klar: Für Bands wie H.E.A.T. gibt es ein Publikum.

Das einzige Problem: Wie werden die Fans auf solche Acts überhaupt aufmerksam? „Die-se Frage hat mir schon so manche schlaflose Nacht bereitet“, gibt Jay zu. „Ich würde alles da- für tun, damit es uns mit H.E.A.T. gelingt, eine ähnlich gigantische Fan-Basis aufzubauen, wie es Bon Jovi geschafft haben. Aber das ist heutzutage praktisch unmöglich. In den Achtzigern sind sowohl Pop- als auch Rock-Fans zu den Konzerten gekommen. Das passiert heute nicht mehr, es gibt viel mehr Unterteilungen in einzelne Genres.“

Hinzu kommt, dass es weitaus mehr Bands gibt und dank digitaler Aufnahmetechnik geringere Produktionskosten anfallen. Fast jeder, der es gerne möchte, kann heutzutage ein Album veröffentlichen. Aufgrund der Masse der Releases binden sich Fans häufig nicht mehr so stark an einzelne Künstler, da es ständig etwas Neues zu entdecken gibt.

Diese Entwicklung gibt auch Steve Overland von FM zu denken. „Loyalität einer bestimmten Band gegenüber ist heutzutage höchst selten geworden. Das war in meiner Generation noch anders. Viele junge Leute wissen oft nicht ein-mal, von wem der Song ist, den sie sich da gerade heruntergeladen haben. Ich bekomme das oft hautnah mit, denn meine Kinder sind genauso. Neulich fragte mich mein Sohn: ,Dad, ich habe einen total coolen Song gehört. Ich weiß zwar nicht, von wem der ist, aber das Lied heißt ›The Boys Are Back In Town‹!‘ Das ist ein ziemlich typisches Beispiel, wie Jugendliche heutzutage an Musik herangehen. Sie haben alle nur erdenklichen Möglichkeiten, können sich über diverse Kanäle Platten besorgen. Es ist nicht mehr so wie früher, als man sich mit den jeweils aktuellen Top40 begnügen musste, die im Radio ständig rauf- und runtergedudelt wurden.“
Um Erfolg zu haben, muss eine Band also vor allem drei Dinge tun: a) Promotion für sich und ihre Sache betreiben und b) Herzblut beweisen und c) hart arbeiten und das Ego klein halten. Ein Ratschlag, der vor allem für die Etablierten nicht einfach zu befolgen sein wird. Denn natürlich haben sie noch die glorreichen Zeiten erlebt, in denen Geld keine Rolle spielte – Hauptsache, die Haare lagen richtig. „Vergesst, wie viele Platten ihr früher in Japan oder den USA verkauft habt. Teilt euch einen Bus. Und strengt euch an!“ – diese Ratschläge gibt Steve Strange, britischer Booker von FM und Foreigner, seinen Künstlern mit auf den Weg. Und sie tun gut daran, sie zu befolgen.

Ein steiniger Weg für manchen, aber doch ein lohnenswerter, wie Kip Winger berichten kann. „Die Europa-Tournee, die wir im vergangenen Frühjahr gespielt haben, war die beste Winger-Tour überhaupt. Es dauerte zwar über ein halbes Jahr, bis wir alle Daten gebucht und bestätigt hatten und die Werbung für die Gigs anlief. Doch dann ging alles Schlag auf Schlag – die Clubs waren zwar nicht riesig, aber stets gut gefüllt.“

Eine perfekte Beschreibung für den aktuellen Zustand des Melodic Rock-Genres: Es geht deutlich aufwärts, die Begeisterung der alten Fans hält an, und an neuen Gesichtern vor und auf der Bühne mangelt es nicht. Und selbst wenn die goldene Ära definitiv nicht wieder-kehren wird: Tot ist der Melodic Rock keines-wegs. „Sowohl Foreigner als auch Journey gehören zu den zehn meistgespielten Bands im US-Radio. Das ist schon ein ziemlich exklusiver Club“, betont Mick Jones. „Und das bedeutet für uns, dass wir es geschafft haben, eine neue Generation von Fans zu begeistern. Manchmal kommen sogar Zehnjährige nach der Show zu uns und wollen ein Autogramm. Aber nicht für ihre Eltern, sondern für sich selbst. Weil sie ›Cold As Ice‹ mögen. Songs wie diese sind unabhängig von jeglichen Trends, die gerade die Musikwelt beherrschen. Sie sind einfach zeitlose Klassiker.“

Dave Ling

Die Stammhalter: Diese Melodic-Rocker wollen in die Fußstapfen der ganz Großen treten.

H.E.A.T.
Bei ihrem ersten Firefest-Auftritt im Jahr 2008 hatten die Skandinavier Coversongs von Europe, Bon Jovi, Journey und Whitesnake in ihr Set integriert. Nicht nur eine gute Wahl, sondern auch stilistisch überaus passend – der Sound der Schweden klingt nämlich wie ein perfekter Mix aus den vier ge- nannten Acts.
Anspieltipp: ›We’re Gonna Make It‹ (2010)

EDEN´S CURSE
Wer es etwas härter vertragen kann, dem sei diese multinationale Truppe um Frontmann Michael Eden empfohlen. Eden’s Curse verbinden leichtfüßig melodische Momente mit stählernen Riffs. Gerade ist ihr jüngstes Album TRINITY fertig geworden, im November kam die DVD CREATION OF EDEN auf den Markt.
Anspieltipp: ›Masquerade Ball‹ (2008)

WORK OF ART
Wessen Herz bei Toto, Journey und Giant schneller schlägt, wird sich auch für die Stockholmer Work Of Art begeistern. Die haben nämlich völlig zu Recht ordentlich Kritikerlob für ihr Debüt ARTWORK einheimst – was vielleicht auch daran liegt, dass sie sich mit der Fertigstellung mehrere Jahre Zeit gelassen haben, wodurch das Material hörbar reifen konnte.
Anspieltipp: ›Why Do I?‹ (2008)

ECLIPSE
Eine weitere Gruppe aus Stockholm, die ihren Melodic Rock jedoch nicht nur klassisch mag, sondern ihm eine durchaus moderne, zeitgemäße Note verleiht. Ihr aktuelles Album ARE YOU READY TO ROCK? ist durch einen Line-up-Wechsel etwas kantiger ausgefallen als die ersten Werke, doch das steht den Skandinaviern bestens zu Gesicht.
Anspieltipp: ›Breaking My Heart Again‹ (2008)

W.E.T.
Diese Band besteht aus Mitgliedern von (W)ork Of Art, (E)clipse und (T)alisman, daher auch der gewöhnungsbedürftige Name. Alles andere als gewöhnungsbedürftig ist jedoch die Musik, was nicht allein den Songwritern, sondern insbesondere Ausnahmesänger Jeff Scott Soto zu verdanken ist. Wer AOR in Reinkultur sucht, wird hier fündig.
Anspieltipp: ›If I Fall‹ (2009)


Die HEIMKEHRER: Diese Acts haben kürzlich eine zweite Melodic Rock-Runde eingelegt.

FM
Es war eine Anfrage der Firefest-Organisatoren, die Steve Overland, Merv Goldsworthy und Pete Jupp dazu bewogen hatte, es noch einmal zusammen zu versuchen. Die zwölfjährige Pause merkte ihnen bei ihrem 2007er-Reunionauftritt jedoch niemand an – und so be­­­­schlossen sie (plus Keyboarder Jem Davis und Gitarrist Jim Kirkpatrick) einfach weiterzumachen.
Anspieltipp: ›Hollow‹ (2010)

SKIN
Es ist selten, dass bei einer Reunion alle Gründungsmitglieder mitziehen. Skin ist es gelungen. Nach elf-jähriger Pause haben sich die vier Briten (und Keyboarder Colin McLeod) für das 2009er-Download-Festival zusammengetan. Nun ist ihr ein neues Album da: BREAKING THE SILENCE. Von Dauer wird die Wiedervereinigung jedoch nicht sein, gerade gab’s Abschieds-Gigs.
Anspieltipp: ›Stronger‹ (2010)

ROMEO´S DAUGHTER
In den Achtzigern war Olga Lange die Managerin der Briten. Praktisch, denn als die damalige Ehefrau von „Mutt“ Lange (Def Leppard) hatte sie gleich einen Produzenten für das Debüt der Truppe zur Hand. 2009 reformierte sich die Truppe um Leih Matt, und wenn alles so läuft wie geplant, stehen neue Songs und auch weitere Live-Gigs an.
Anspieltipp: ›Heaven In The Back Seat‹ (1988)

NELSON
Die Zwillinge sind wieder da. Die blonden Wallemähnen haben die Nelson-Brüder Gunnar und Matthew zwar inzwischen abgeschnitten, musikalisch hat sich aber we- nig geändert. Gerade ist ihr Album LIGHTNING STRIKES TWICE sowie die Demo-Sammlung BEFORE THE RAIN erschienen, und auch Konzerte sind in Planung.
Anspieltipp: ›(Can’t Live Without Your) Love and Affection‹ (1990)

STRANGEWAYS
Auch diese Reunion haben wir den Firefest-Veranstaltern zu verdanken: Denn nach dem Gig hatte die schottisch-amerikanische Allianz Feuer gefangen. Ihr neues Album PERFECT WORLD ist seit einigen Wochen erhältlich. Wem das etwas zu ruhig ist, der kann sich ja immer noch an NATIVE SONS (1987) und WALK IN THE FIRE (1989) erfreuen.
Anspieltipp: ›Dance With Some­body‹ (1987)

Brian Robertson

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Brian Robertson & FriendsDer Gitarrist Brian Robertson veröffentlicht am 25. März sein erstes Soloalbum
DIAMONDS AND DIRT – und huldigt darauf u.a. seiner früheren Band Thin Lizzy.

Abstinent lebt Robbo weiß Gott nicht: Bereits nachmittags um vier schenkt sich der ehemalige Gitarrist von Thin Lizzy und Motörhead ein Glas randvoll mit Hochprozentigem ein, nimmt einen mächtigen Schluck und lehnt sich entspannt zurück: „Mein kleiner Muntermacher“, grinst er und kippt gleich noch mal nach.

Insgesamt vier Alben hat Robertson zwischen 1974 und 1978 mit der irischen Rocklegende Thin Lizzy aufgenommen. Es war die Blütezeit seiner Karriere – und eine Ära, auf die er noch heute stolz ist: „Lizzy waren eine Musikerband“, erzählt er und liefert sofort die Erklärung dieser Aussage: „Wir waren, ähnlich wie später Little Feat, allesamt erstklassige Instrumentalisten mit Songs, die nicht nur den normalen Zuhörern gefielen, sondern auch Kollegen und Kritikern. Wenn man sich heute umschaut, entdeckt man viele Gruppen, die sich di-rekt auf Thin Lizzy beziehen, beispielsweise Bon Jovi.“

Dass Robertson diesen Ball nun mit seinem ersten Soloalbum DIAMONDS AND DIRT quasi zurückwirft und einen – zugegeben: Blueslastigen – Mainstream zelebriert, wie er auch bei eben jenen Bon Jovi zu finden ist, überrascht ein wenig. Zu-mal Robbo nach seiner Lizzy-Phase kurzfristig bei Motörhead („die reinste Chaostruppe, viel zu viele Drinks, viel zu viele Drogen, viel zu wenig Schlaf – ich musste da wirklich schleunigst wieder weg“) handfesten Kraftrock spielte und mit seinem Freund Frankie Miller dem britischen Blues Rock frönte. Doch DIAMONDS AND DIRT ist eben auch spürbar beeinflusst von den musikalischen Vorstellungen seines Freundes (und Managers) Søren Lindberg, dem Initiator der Scheibe.

Lindberg durchforstete auf einer seiner vielen Fahrten von Schottland in seine schwedische Heimat eine Tüte mit verstaubten Kassetten, auf denen Robertson über Jahre Ideen gesammelt hatte. Typisch schlampiges Genie: Robbo selbst verspürte keinerlei Lust, die Kollektion auf eine mögliche Verwertbarkeit zu prüfen, Lindberg dagegen hatte bereits einen konkreten Plan im Hinter­kopf: Er verpflichtete einige namhafte schwedische Rockinstrumen­­talisten (darunter Ian Haugland von Europe) und kümmerte sich um Logistik bzw. Finanzierung der Studioproduktion.

Das Ergebnis ist eine Mischung aus Robertson-Nummern, Stücken von Thin Lizzy und Frankie Miller sowie einer bislang unveröffent­lichten Co-Komposition zwischen Robbo und dem 1986 verstorbenen Lizzy-Chef Phil Lynott. „Phil wäre stolz auf das, was ich aus seinen Songs gemacht habe“, ist Robertson überzeugt.

An der aktuellen x-ten Thin Lizzy-Comeback-Tour unter Leitung von Scott Gorham möchte der eigenwillige Musiker („Ich bin Schotte und deshalb schwierig“) indes auf keinen Fall teil­nehmen: „Scott rief mich an und fragte, ob ich Lust hätte. Aber ich sagte: ,Hör mal, Scotty, Lizzy waren immer eine vierköpfige Band – zwei Gitarristen, Bass und Schlagzeug –, du aber willst mit sechs Musikern inklusive Keyboards und zusätzlichem Sänger losziehen. Das hat doch nichts mit Thin Lizzy zu tun!’ Nein danke, so etwas ist nicht mein Ding.“

Amplifier

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Alleine ist besser. Denn dann stellt keiner Fragen. Außer wir natürlich – und dazu geben die britischen, immer progressiver werdenden Alternative-Helden Amplifier auch jede Menge Anlass.

Gitarrist und Sänger Sel Balamir tun die Finger weh. Nicht etwa, weil er sie im Proberaum blutig gespielt hätte: „Ich hab in den letzten Tagen etwa 600 Exemplare unseres neuen Albums unterschrieben“, stöhnt er. Wenn man so will, eine Vielen-Dank-Aktion ihrer Plattenfirma, um die Fans über das vierjährige Warten nach dem letzen Album INSIDER zu trösten – nur dass die Plattenfirma Ampcorp heißt und der Band selbst gehört, lediglich den Vertrieb übernehmen Amplifier nicht in Eigenregie. „Es ist leider nicht so, dass wir tonnenweise Alben verkaufen“, versucht sich Sel an einer Erklärung für den Weg in die Selbstbestimmung. „Zumindest nicht so viele, dass wir davon leben könnten, wenn eine externe Plattenfirma was vom Kuchen ab­haben möchte. Wir haben etliche Plattenverträge hinter uns. Erst sind die Leute immer über­schwäng­lich begeistert und am Ende voller Bedauern und Enttäuschung. Was daran liegt, dass wir nicht die kommerziellste Musik der Welt machen – aber auch nie behauptet haben, es zu tun.“

amplifier 2010Sich mal eben vier Jahre Zeit zu lassen, um dann eine Doppel-CD zu veröffentlichen, ist sicher auch kein Plan, der bei externen Geldgebern auf übertriebene Begeisterung gestoßen wäre… „Natürlich nicht“, lacht Sel. „Aber in dem Moment, wo wir niemandem mehr Rechenschaft schuldig waren, entdeckten wir wieder, wie sehr wir die Musik lieben, um die es doch letztlich geht. THE OCTOPUS ist ein Monster geworden, ich bin der Letzte, der das bestreitet – und muss gestehen, dass es mit schwerfällt, alles am Stück durchzuhören. Aber die Dynamik dahinter ließ nichts anderes zu, das war schon sehr früh im Kompositionspro­zess absehbar.“ Und auch eine Reaktion auf den Druck, den sie zuvor zu spüren bekommen hatten. „Wir haben eine Seite in uns, die große Panoramen, grandiose Spannungsbögen liebt – und die konnten und haben wir hemmungslos ausgelebt!“

Herausgekommen ist nicht nur ein für die Band befreiender auraler Exzess, sondern –„und das ist ganz klar Zufall und Glück in einem“, so Sel – ein wunderbar in die aufblühende Landschaft des Alternative-Neo-Prog passendes Album. „Für uns ging es darum, unserem internen musikalischen Dialog freie Bahn zu lassen. So gut wie alle Songs auf THE OCTOPUS sind aus Jamsessions geboren. Wir nahmen tonnenweise Material live auf, der Rest war ein Destillationsprozess, in dem wir die essenziellen Momente extrahiert und zu Songs arrangiert haben. Wobei das diesmal kein rigoroser Prozess war: 11-Minuten-Songs schulden ihre Länge vor allem unserer Begeisterung für die Magie des Augenblicks.“

Bei aller „Lass es fließen“-Mentalität ist aber doch eine Menge Gehirnschmalz in THE OCTOPUS geflossen – und zwar lyrisch: „Ob es ein Konzeptalbum ist?“, lacht Sel. „Aber sowas von! Das Konzept dahinter ist der Oktopus, ein mysteriöser Code unserer Existenz“, erläutert er hinreichend schwammig. Es handelt sich um eine elaborierte, auf verschiedenen Ebenen verschlüsselte Kunst-Theorie über – ja, letzten Endes – den Sinn des Lebens. „Es ist keine Story, es gibt keine Hauptfigur. Es ist ein Konzept, teils Philosophie, teils kreatives Schreiben, teils Logik. Es ist ein Buch, an dem ich seit zehn Jahren schreibe und das ich jetzt zweckentfremdet habe, über das, was… ist.“ So sei es, und so ist es: Worte ver­sagen, wo die Musik die zusätzliche Dimension des Verstehens schafft.

Devotchka

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DevotchkaVom Genre einer Band auf ihren Lebensstil zu schließen – das kann leicht in die Hose gehen. Vor allem, wenn die Band dem Zigeuner-Punk zugeordnet wird. Und vor allem, wenn die Band DeVotchKa heißt, die mit ihrer vorzüglichen fünften Platte, 100 LOVERS, überhaupt nicht mehr in diese Schublade passen will. Sei’s drum: Begeben wir uns auf das dünne Eis der Klischees…

Wenn Nick Urata mit DeVotchKa auf Tour ist, lebt er ein Leben, das man durchaus zigeunerhaft nennen kann: Er zieht von Ort zu Ort, gibt Kostproben seiner fidel-melancholischen Weisen, schläft schon mal spätnachmittags und muss extra für ein Interview aufgeweckt werden. Auch die Aufnahmemethoden, derer sich die Multiinstrumentalisten-Kapelle bedient, sind nicht gerade topmodern. Bei den Recording Sessions für 100 LOVERS zog es Urata mit Tom Hagerman (Geige, Akkordeon, Piano, Melodica), Jeanie Schroder (Tuba, Kontrabass) und Shawn King (Schlagzeug, Trompete, Orgel) erneut in die Wüste Arizonas: in das Studio der befreun-deten Calexico.
„Es ist, als ob man eine Reise in die Vergangenheit unternimmt“, schildert Urata die Erfahrung. „Ich mag das. Dort gibt es keine Computer oder digitale Hilfsmittel, da gibt es nur Röhren, Staub und analoge Bänder.“ Gemischt und produziert wird dann – nach der Digitalisierung der Tapes – aber am Computer. Denn, so der Band-Kopf mit deutlichen Worten: „Höhlenbewohner sind wir auch wieder nicht.“

Hin und wieder aber reißt es den Frontmann, dessen Gesangsstimme diese wohlige Traurigkeit verströmt, aus dem chilligen Tour- und Aufnahme-Trott heraus. Seit DeVotchKa 2006 den Soundtrack zu „Little Miss Sunshine“ mitgestalten durften, engagieren Hollywood-Produzenten Nick Urata regelmäßig als Filmmusik-Komponist. Bislang geht u.a. die musikalische Untermalung von „I Love You Philip Morris“, „The Joneses“ und „Fat-her Of Invention“ auf sein Konto.

Diese Auftragsarbeiten stehen im krassen Gegensatz zu Uratas Sein und Schaffen bei DeVotchKa. „Du kannst nicht einfach warten, bis dich die Muße küsst“, erinnert er sich. „Du musst wirklich jeden Tag aufstehen, ins Studio gehen und schreiben. Schließlich rückt die Deadline näher und näher.“ Urata eignete sich also eine gewisse Arbeitsmoral an, die sich jedoch nicht wirklich in den DeVotchKa-Kosmos hinüberretten konnte: „Ich habe schätzen gelernt, dass meine Band eben kein Job ist. Wenn du drei ebenbürtige Musiker neben dir hast, die sich mit einbringen, gilt es, das zu genießen. Bei 100 LOVERS sind wir viel mehr aus uns herausgegangen, haben improvisiert anstatt vor dem Gang ins Studio alles vorzubereiten.“

Man hört es 100 LOVERS an – das Jammen, das Ab-hängen, das Sich-von-der-Muse-küssen-lassen und das Wenn-nötig-ne-Pause-einlegen-und-sich-auch-mal-bis-spätnachmittags-Ausschlafen. DeVotchKa spielen auf Augenhöhe mit Calexico, Beirut, Get Well Soon und frühen Radiohead. Manchmal schadet es also offenbar nicht, sich etwas zu entspannen.

Lothar Gerber

Schandmaul

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Schandmaul 2010d @ Volker Beushausen

Sie hatten eine Pause nötig: 18 Monate war es still um das Sextett aus Bayern. Nach einem jahrelangen Marathon aus Ver­öffentlichungen und Tourneen war die Luft in der Band raus und man sehnte sich nach ein bisschen Normalität. „Wir wollten einfach mal die Wochenenden zu Hause verbringen und etwas mit der Familie und Freunden unternehmen“, erklärt Schlag­zeuger Stefan Brunner die Auszeit. „Außerdem geht dir das Ganze irgendwann auf den Keks. Wir lieben es, auf Tour zu sein. Aber irgendwann willst du kein Catering und keinen Backstageraum mehr sehen, sondern deine eigene Dusche benutzen.“ „Und du möchtest deinen Geburtstag auch einmal zu Hause und nicht im Tourbus feiern“, fügt Sänger Thomas Lindner hinzu.

Die Bühnenabstinenz ermöglichte der Band aber nicht nur ein mehr oder weniger geregeltes Leben für ein paar Monate, sondern auch eine stressfreie Herangehensweise an das neue Album TRAUM­TÄNZER. „Wir haben uns lange damit zurückgehalten, einen konkreten Ver-öffentlichungstermin preiszugeben, auch wenn wir immer im Hinterkopf hatten, dass das Album Anfang 2011 erscheinen soll“, erzählt Stefan. „Erst als wir wussten, dass wir genug gute Songs zusam­men haben, um da-mit ein Album zu füllen, haben wir uns konkrekt an die Umsetzung gemacht. Das war sehr angenehm.“ „Wir haben auch sofort nach der letzten Tour mit der Arbeit an TRAUMTÄNZER begonnen“, fügt Thomas hinzu. „Eine Pause im klassischen Sinn gab es also nicht. Es war ein ständiges Arbeiten – nur die Konzerte fielen weg. Deswegen war es möglich, von Montag bis Freitag Musik zu machen und das Wochenende mit Partnern und Freunden zu verbringen.“

Diese innere Ruhe hört man dem siebten Studioalbum der Band auch an. So frisch klangen Schandmaul lange nicht, und die Songs strahlen eine positive Energie aus. „Ja, das hat viel mit den Umständen zu tun, in denen das Album entstanden ist“, erzählt Thomas. „Die Fröhlichkeit der Songs kommt daher, dass wir keinen Druck und Stress während der Aufnahmen empfanden. Außerdem läuft es privat bei uns allen gut. Wir sind gerade einfach fröhlich.“
Außerdem ist es der Band gelungen, endlich ihren Traum-Sound zu finden. „Wir haben schon bei den letzten Alben immer danach gesucht. Als dann SINNFONIE erschien – das Album mit unserem Jubiläumskonzert –, wussten wir: Das ist der Sound! So wollen wir klingen!“, schildert Thomas das Aha-Erlebnis. „Also war es unser Ziel, diese Bühnenatmosphäre ins Studio zu packen. Dazu haben wir uns auf das Wesentliche reduziert, also etwa anstatt 20 Gitarren nur eine aufgenommen. Und plötzlich war der Sound da, den wir wollten.“

Mit dem Song ›Geas Traum‹ findet sich auch eine interessante Kollaboration auf TRAUMTÄNZER wieder, da die Vorlage zum Text ein unveröffentlichtes Skript des Autors Wolfgang Hohlbein ist. „Thomas hat mir seit Jahren immer wieder gesagt, dass ich mal ein Buch von Hohlbein lesen soll“, beschreibt Stefan das Zu-­standekommen dieser Zusammenarbeit. „Also habe ich das vor zwei Jahren im Urlaub endlich gemacht – und war begeistert. Ich habe dann dem Manager eine E-Mail geschrieben und eine mp3-Datei von ›Wolfs­herz‹ angehängt, das durch das gleichnamige Buch von Hohlbein inspiriert war. Ich hätte nie gedacht, dass et-was zurückkommt.“

Doch bereits einige Wochen später traf sich die Band mit Manager und Autor – das kleine Projekt war geboren. Zu diesem Song hat die Band auch ihren ersten Videoclip gedreht, der an Heiligabend seine Premiere auf der Homepage der Band feierte. Ab März werden Schandmaul dann endlich wieder auf der Bühne stehen, worauf sie sich schon sehr freuen. „Wir scharren schon mit den Füßen“, betont Thomas lachend.

Pushking

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Russische Erfolgsrocker mit West-Stars als Gastmusiker – die Lizenz zum Gelddrucken? Das dürfte wohl die Idee hinter Pushkings A ROCK AND ROLL JOURNEY sein. Denn beim Hören fragt man sich: Handelt es sich um eine Art Spinal Tap? Denn die Namen der Kollaborateure lesen sich wie das Who-is-Who des Rock: Paul Stanley (Kiss), Billy Gibbons (ZZ Top), Alice Cooper, Glenn Hughes, Steve Vai, Joe Bonamassa, Eric Martin (Mr. Big), Steve Lukather (Toto), Nuno Bettencourt (Extreme), Graham Bonnet und Joe Lynn Turner (beide Ex-Rainbow), John Lawton (Uriah Heep) oder auch Udo Dirkschneider etc. Sie alle waren an A ROCK AND ROLL JOURNEY aktiv beteiligt – ei-ner Scheibe, der trotz ihres pathetischen Untertitels „The World As We Love It“ dennoch kein Charity-Gedanke zugrunde liegt. Was also steckt dahinter? Pushking existieren seit 1994. Die Band hat in ihrer russischen Heimat 13 Alben mit fein-ster traditioneller Rockmusik veröffentlicht und füllt – glaubt man den Geschichtsschreibern – mühelos die größten Hallen des Landes. „Irgendjemand sagte, dass unsere Musik wie eine Enzy-klopädie der Rockmusik sei, weil man bei uns Querverweise zu Deep Purple, Nazareth, Queen, Pink Floyd, Tears For Fears und weiteren Klassikern findet. So entstand die Idee für das Album”, erläutert Konstantin „Koha“ Shustarev, Sänger und Push­king-Hauptkomponist. Die Idee ist schön und gut, doch zur Realisation eines solchen Projekts braucht man exzellente Kontakte und vor allem viel, viel Geld. „Falsch“, sagt Shustarev und wirkt dabei fast ein wenig beleidigt, denn: „In Russland gibt es eine Menge Talent.“ Es ist also das überragende künst­lerische Niveau der Gruppe, welches das internationale Star-Ensemble zum Mitmachen animierte. Sagt Shustarev. Aber wohl auch das Resultat der freundlichen Mithilfe von Fabrizio Grossi und Gabe Reed. Der Mailänder Produzent Grossi und der texanische Jurist Reed (Kiss, Mötley Crüe, ZZ Top) fädelten den Ost-West-Coup nämlich ein. Mit Erfolg: Denn Pushking ist ein echter Earcatcher gelungen.

White Lies

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White Lies

Auf ihrem zweiten Album RITUAL kultivieren die Londoner die Lust am Mor­biden. Dabei schweben sie karrieretechnisch auf Wolke 7. Laut Sänger Harry McVeigh kein wirklicher Widerspruch.

Harry, wie hat sich euer Leben verändert, seit ihr so erfolgreich seid?
Eigentlich kaum. Wir haben keine Mons­ter-Egos entwickelt, keine Überdosis Dro­gen genommen und keinen Entzug hin­ter uns. Wir sind einfach ein bisschen erwachsener geworden – auch musikalisch.

Und scheinbar viel Nine Inch Nails gehört.
Ohne Zweifel! (lacht) Was auch daran liegt, dass Alan Moulder, unser Produzent, ja auch The Fragile betreut hat. Eines der bestklingenden Alben aller Zeiten. Das hatte sicher großen Einfluss auf uns.

Was dabei hilft, die unliebsamen Vergleiche mit Interpol, Joy Division & Co. abzustreifen, die euer Debüt evoziert hat?
Wir werden bestimmt auch diesmal mit ihnen verglichen. Selbst wenn wir das eigentlich hinter uns gelassen haben und eh nie viel mit diesen Bands zu tun hatten. Aber auf dem zweiten Album sind definitiv einige Songs, bei denen sich keine Beziehung zu dieser Art von Musik aufbauen lässt. Und das gefällt mir.

Welche heidnische oder mystische Botschaft verbirgt sich hinter RITUAL?
Musik sollte etwas Mystisches haben. Dabei umschreibt der Begriff natürlich auch Profanes. Etwa die Tatsache, dass jeder irgendwelche Rituale hat. Die können zum Beispiel darin bestehen, jeden Tag von der Arbeit nach Hause zu kommen, den Fernseher einzuschalten und auf der Playstation zu zocken. Aber das Ganze hat genauso mit Liebe, Beziehungen und Religion zu tun.

Dabei seid ihr passionierte Atheisten…
Das sind wir wirklich. Wobei wir unsere Position aber niemandem aufzwingen. Und wir kritisieren die Religion ja auch nicht. Es ist eher so, dass Charles, unser Hauptsongwriter, sehr an diesem Thema interessiert ist. Und zwar aus der Perspektive des Beobachters, der in seinen Songs einfach kommentiert.

Smoke Mohawk

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In Skandinavien ist die Platte bereits seit einem knappen Jahr veröffentlicht – und nun erscheint Smoke Mohawks Debüt THE DOGS ARE TURNING RED auch endlich offiziell bei uns. Smoke Mohawk, fragt ihr euch? Hinter diesem Namen verbergen sich alte Bekannte, nämlich Thomas Felberg (Gesang, auch bei WE), Gitarrist Rolf Yngve Uggen (Gluecifer, The Highrollers, Turbonegro), Basser Raymond Jensen (My Midnight Creeps) sowie Schlagzeuger Danny Young (Gluecifer, Bela B). Stilistisch verorten sich die Skandinavier selbst „im selben Keller wie The Who, Killdozer, Van der Graaf Generator, Led Zeppelin und Van Halen – wir machen also einen Mix aus den coolsten Sounds: Garagenrock, Psychedelia, Prog, Country und Metal“. Als Referenz nennt die Truppe speziell ein Album, das ihrer Meinung nach all diese Elemente in sich vereint und perfekt auf den Punkt bringt: Dr. Feelgoods Debüt DOWN BY THE JETTY aus dem Jahr 1975. Klingt vielsprechend – und zwar insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Truppe plant, Anfang Oktober auch in unseren Breitengraden live zu rocken.