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The New Black – Gebündelte Energie

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The New BlackIn den vergangenen beiden Jahren hat sich einiges getan im Lager von The New Black. Nach der Veröffentlichung ihres 2009er-Debüts konnten die deutschen Heavy-Rocker für etliche internationale Riff-Ikonen eröffnen – und haben sich dadurch zu einem der vielbeachtetsten Newcomer im CLASSIC ROCK-Land entwickelt.

Umtriebigkeit zahlt sich aus – jedenfalls im Fall von The New Black. Die deutschen Rocker haben in den beiden Jahren, die seit der Veröffentlichung ihres gleichnamigen Premierenalbums vergangen sind, mit Fleiß und Spaß an der Sache etliche eindrucksvolle Show-Angebote an Land gezogen. So schafften es die Fünf unter anderem ins Vorprogramm von Volbeat, AC/DC oder Black Stone Cherry und baten zu-dem auch auf Mega-Festivals wie Rock am Ring oder dem Wacken:Open:Air zum Riff-Tanz. Kürzlich war die Band außerdem als Support von Alter Bridge unterwegs, wo sie ihr Publikum bereits mit einigen neuen Songs beglücken konnte, unter anderem der Single ›The King I Was‹.

Nun drängt das zweite Album auf den Markt – es trägt den Titel II: BETTER IN BLACK und ist zwar nicht schwärzer, aber doch in der Tat besser als das Erstwerk. Einer der Gründe dafür: Obwohl sich The New Black ihr Markenzeichen, die stilistische Offenheit – mit Einflüssen, die vom melodischen Thrash über Alternative Rock und Grunge bis hin zum klassischen Rock reichen –, bewahrt haben, klingt die neue Scheibe deutlich homogener. Will heißen: Die Konzert­erfahrungen haben die Band zusammengeschweißt, was dazu führte, dass sich ein eigener, prägnanter Stil entwickeln konnte. Eine Einschätzung, die auch Sänger Markus Hammer, Spitzname: Fludid, bestätigt: „Ich denke auch, dass wir durch die Shows enger zusammengerückt sind und besser wissen, was uns als Band ausmacht. Das schlägt sich natürlich auch in den Songs nieder. Außerdem haben wir beim Debüt einige Songs verwendet, die schon vor der Gründung von The New Black existierten – die neuen Stücke dagegen sind weitgehend von den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahren geprägt. Das macht natürlich auch einen Unterschied.“

Überhaupt scheinen The New Black eine Band zu sein, die stark von den Erlebnissen auf Tour zehrt. Was unter anderem daran liegt, dass die Musiker weit voneinander entfernt leben und keine wöchentlichen Proberaum-Sessions im klassischen Sinn stattfinden können. Das Songwriting findet also größtenteils zu Hause statt, die moderne Technik macht’s möglich. Der Großteil des Materials stammt von den beiden Chef-Komponisten, den Gitarristen Fabian Schwarz und Christof Leim. Aber auch Fludid konnte sich diesmal stärker einbringen als sonst. Besonders am Herzen liegt ihm der Track ›Into Modesty‹, in dem seine Tochter die zentrale Rolle spielt. „Ich weiß, dass es etwas klischeehaft erscheinen mag, wenn die Familie als Inspirationsquelle in einem Song auftaucht“, so der Frontmann, „aber andererseits ist das natürlich etwas, das mich bewegt und emotional beschäftigt. Daher ist der Song sicherlich das Persönlichste, das je von mir veröffentlicht wurde.“

Es ist dieser Spagat zwischen Ernsthaftigkeit und einem augenzwinkernden Humor, der The New Black definiert. Bestes Beispiel dafür: Für den nächsten Videodreh hat sich die Band den Song ›Happy Zombies‹ ausgesucht. Der Track überrascht nicht nur durch seinen Namen, sondern auch durch seinen markanten Refrain – das Lied dürfte sich zu einem neuen Live-Favoriten entwickeln. Insbesondere, wenn die für den Clip geplanten Ideen so realisiert werden können, wie Markus sich das wünscht. „Ich arbeite im Hauptjob als freiberuflicher Kameramann und Cutter. Daher habe ich ein Konzept ausgedacht und mir auch gleich das Drehbuch unter den Nagel gerissen. Und jetzt hoffe ich, dass alles auch genauso umgesetzt werden kann, wie ich mir das vorstelle!“

In Extremo

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In Extremo 2010Bei der Band-Gründung vor 15 Jahren hätte wohl niemand geglaubt, dass sich In Extremo mit ihrem Mix aus Mittelalter-Sounds und harten Riffs zu einem der erfolgreichsten deutschen Acts entwickeln würden. Nun beweisen die Berliner um Fronter Micha Rhein, dass die Reise für sie noch nicht vorbei ist – sie haben mit STERNENEISEN ein frisches Album im Gepäck und mit Florian „Specki“ Speckardt einen neuen Drum-Mann.

Micha, Specki, wie habt ihr zueinander gefunden?
Micha: Unsere Trennung von Reiner Morgenroth hatte sich quasi per Buschfunk in der Szene rumgesprochen. Wir sind damit gar nicht hausieren gegangen und hatten trotzdem viele Bewerber auf den Job. Während unserer Akustik-Tour rief mich Specki an. Wir haben ein bisschen geredet, schnell gemerkt, dass das ganz gut passt und beschlossen, uns mal zu treffen.

Specki: Dann ging alles sehr schnell. Ich kannte In Extremo, und sie kannten Letzte Instanz, die Band, bei der ich früher gespielt habe. Ihnen war vor allem wichtig, ob ich vom Typ her in die Band passe. Also sind wir zum Saufen gegangen und haben den Deal sozusagen am Tresen gemacht. Am 6. April 2010 habe ich den Anruf bekommen, dass ich der neue Schlagzeuger bin. Mein erstes Konzert hatte ich dann am 30. Juni: Rock im Park, Hauptbühne. Das ist natürlich ein guter Auftakt, das erste Konzert vor 70.000 Leuten zu spielen. Das werde ich nie vergessen. Du kannst mich in 40 Jahren um 4 Uhr früh wecken und fragen: „Was war am 30.6.2010?“ Dann werde ich sagen: „Rock im Park!“

Das letzte In Extremo-Album SÄNGERKRIEG belegte Platz eins der deutschen Charts. Hat sich dieser enorme Erfolg beim Schreiben von STERNENEISEN bemerkbar gemacht?
Micha: Der Druck ist natürlich da. Den macht man sich auch selber. Aber was kommt, das kommt. Es ist auch immer eine Glücksfrage, welche anderen Künstler parallel zu einem ein Album herausbringen – denn das spielt bei der Chartsplatzierung natürlich eine Rolle. Obwohl, bei SÄNGERKRIEG war es Madonna. Daher hat damals keiner damit gerechnet, dass wir sie überholen.

Wann habt ihr angefangen, an STERNENEISEN zu arbeiten?
Micha: Ab April vergangenen Jahres. Im September ging es dann intensiv weiter, und im Oktober haben wir uns schließlich eine Woche mit der Vorproduktion beschäftigt. Ab da ging es dann richtig los.

Specki: Die Vorproduktion war wichtig, um alle wachzurütteln – sowohl die Produzenten als auch die Band. Mitte November sind wir dann vier Wochen für die Aufnahmen ins Principal-Studio nach Münster gefahren. Wir wussten, dass dort noch sehr viel passieren würde, was die Song-Details angeht. In Ex-tremo sind keine Band, die komplett vorbereitet in die Aufnahmephase geht. Wir lassen uns noch Raum für Spielereien offen, für Spontaneität. Der Song ›Zauberspruch No. II‹ ist zum Beispiel komplett im Studio entstanden.

Micha: Das macht auch die Vielseitigkeit unserer Platten aus. Wir haben zwar natürlich einen Plan und gehen nicht völlig verpeilt ins Studio. Aber vieles entwickelt sich einfach besser, wenn es nicht durchgeplant ist.

Der Titel STERNENEISEN ist dagegen nicht spontan gewählt, sondern mit Bedacht. Der Begriff steht für Metall aus dem Weltraum, das man z.B. in Meteoriten findet und dem auch magische Eigenschaften zugeschrieben werden – so soll das Schwert „Excalibur“ aus diesem Metall geschmiedet worden sein. Wie kamt ihr auf den Albumtitel?
Micha: Ich glaube, Dr. Pymonte hat den Namen damals auf den Tisch ge-bracht. Wir fanden, dass der Begriff gut klingt und wollten wissen, was dahintersteckt.

Specki: Es ist ein Wort, mit dem die meisten erst einmal nichts anfangen können, das aber dennoch sofort im Gedächtnis bleibt. Zudem hat jeder seine eigene Vorstellung davon, was „Sterneneisen“ bedeuten könnte.

Wenn man STERNENEISEN mit dem Vorgänger SÄNGERKRIEG vergleicht, fällt auf, dass ihr jetzt düsterer und wuchtiger zu Werke geht. Wieso dieser Stimmungswechsel?
Micha: Die Songs basieren eben auf Texten, die eine andere Ausrichtung haben. Aber ich finde schon, dass auch STERNENEISEN ein sehr positives Album geworden ist – so handeln die Lyrics unter anderem von Sternen und Romantik. Aber es ist natürlich auch gut, ein paar düsterere Songs dabeizuhaben. Und dass die Scheibe streckenweise etwas härter geworden ist, lag ein bisschen an Speckis Trommeln. Er hat des Öfteren fette Vorlagen geliefert, auf die man richtig was draufsetzen konnte.

Ihr habt auch zwei Gäste auf dem Album: Mille von Kreator bei ›Unsichtbar‹ und den Graf von Unheilig bei ›Hol die Sterne‹. Wie kamt ihr auf die beiden?
Micha: Als ›Unsichtbar‹ fertig komponiert war, hatten wir das Gefühl, dass dem Stück ein Gastsänger gut zu Gesicht stehen würde. Wir haben dann überlegt, wen wir fragen sollen, und da kam uns Mille in den Sinn. Wir haben ihn dann angerufen, und er wollte sofort mitmachen. Als er schließlich ins Studio kam, haben wir erst einmal zwei Stunden zusammen Kaffee getrunken. Dann ist er ans Mikro gegangen, bekam den Text, und er hat vier oder fünf Varianten ausprobiert. Das war’s dann auch schon.

Specki: (reißt den Arm nach vorne, kreischt und lacht dann) Er stand in der typischen Thrash Metal-Pose da, super! Aber der Grund, warum wir uns eigentlich für diese Musiker entschieden haben, ist der: Beide sind wahre Spielmänner! Sie machen das, bis sie irgendwann ins Grab gehen!

Diese Konstanz ist auch etwas, das In Extremo auszeichnet. So treten bei ›Zauberspruch No. VII‹ eure Wurzeln wieder deutlich zu Tage…
Micha: Wir sind eine moderne Rockband, die mittelalterliche Instrumente benutzt. Und wir werden unsere Wurzeln nie verleugnen. Wenn heute einige Leute behaupten, dass wir keine Mittelalter-Rocker mehr wären, dann sage ich darauf: „Natürlich sind wir das!“ Für uns hat alles auf Mittelaltermärkten angefangen. Ohne die gäbe es die Band gar nicht.

Bedeutet das auch, dass wir euch in den nächsten Monaten wieder live sehen werden?
Specki: Ja. Erst stehen ein paar Deutschland-Shows und Festival-Gigs im Sommer an, und dann wollen wir wieder ins Ausland. Heißt: Wir werden viel von der Welt sehen und uns bestimmt die ein oder andere Bockwurst an der Raststätte genehmigen.

Earth – Zeit unter der Lupe

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Earth 2010b_swEarth 2010_swIn nur zwei Monaten spannen die US-Drone-Pioniere EARTH einen Bogen, der 20 Jahre umfasst: erst die Wiederveröffentlichung ihrer allerersten Aufnahmen, dann ein neues Album, das vor allem eins tut – in die Zukunft schauen.

Dylan Carlson ist kein Mensch, der nostalgisch in die Vergangenheit blickt. Es gibt auch nicht so wahnsinnig viel, was bei ihm nostalgische Gefühle auslösen könnte. Eine gewisse notorische Berühmtheit erlangte der 42-Jährige, weil er einst der beste Kumpel von Kurt Cobain war, der 1989 auch mal bei Earth mithalf: beim Song ›Divine And Bright‹, der auf der A BUREAUCRATIC DESIRE FOR EXTRA CAPSULAR EXTRACTION betitelten Wiederveröffentlichung der ersten Gehversuche von Earth enthalten ist. Dylan brachte Cobain damals erst an die Nadel und gab ihm auch die Schrotflinte, mit der er sich das Leben nahm. Ein Kapitel, über das er nicht spricht, weil, so betont er, „alles längst gesagt ist. Ich hatte meine Lebenskrise, als ich jung war. Deswegen lasse ich die Midlife-Crisis hoffentlich aus und muss mir diese Dinge nicht schönreden.“

Dennoch ist die Vergangenheit natürlich Teil seines Lebens: Die Nachfrage nach den Pionieraufnahmen der Band reißt nicht ab. „Auf unserer Tour 2009 sprachen uns am Merch-Stand viele junge Fans an, die die Band erst mit HEX ken­nen­gelernt hatten, und fragten nach dem alten Material. Und da das Lizenzabkommen mit unserer früheren Plattenfirma Sub Pop auslief, stand es mir frei, diese Songs so herauszubringen, wie wir es stets vorhatten: als Album, nicht in Form einer EP und eines Haufen Bootlegs.“

Doch Dylan spielt seine Pionier-Rolle – trotz gelegentlicher Kollaborationen mit Drone-Größen wie Sunn O))) – gern herunter. „Ich schäme mich dieser Songs nicht“, betont er. „Aber ich war damals ein anderer Mensch, hatte andere Motive für das, was ich tat. Natürlich gibt es eine oberflächliche Kontinuität bei Earth: Die Songs sind immer noch langsam und eher lang. Aber alles andere hat sich gewandelt. Ich sehe jedes Album als eine Chance, Neues auszuprobieren.“ Die aktuelle „Phase“ von Earth begann 2005 mit dem schon erwähnten Album HEX, einer Art multiinstrumentaler Inszenierung von Neil Youngs Soundtrack zu „Dead Man“. „Das Thema der letzten drei Alben, von HEX über THE BEES MADE HONEY IN THE LION’S SKULL bis zum neuen, ist eine Reise in die Vergangenheit“, erläutert Dylan. „Nicht meine eigene, wohlgemerkt! Aber ich sehe einfach, dass meine Einflüsse immer älter werden. 1990 begannen wir mit Rock und Heavy Metal, dann ging die Reise über Blues, Country & Western und Jazz zu britischem Folk Rock.“

Dass das neue Album ANGELS OF DARKNESS, DEMONS OF LIGHT 1 eine kleine „1“ am Ende trägt, ist kein Zufall. „Wir nahmen zwei Alben während dieser Session auf“, erklärt Dylan. „Der zweite Teil wird wohl Anfang 2012 erscheinen. Er schließt an den letzten Song der aktuellen CD an. Den haben wir, genau wie das gesamte Material für den zweiten Teil, frei improvisiert.“ Genau genommen war nur ein Song fertig, bevor Earth das Studio buchten: ›Old Black‹, der Opener. „Den Rest arbeiteten wir auf einer zweiwöchigen Tour aus, live auf der Bühne“, erklärt Dylan – eine Arbeitsweise, die für ihn vor 20 Jahren undenkbar gewesen wäre. „Damals war ich ein totaler Kontroll-Freak. Heute sind Earth eher ein Kollektiv. Ich habe gelernt, dass es am Ende besser klingt, wenn ich die Leute das tun lasse, was sie lieben.“

Und vor allem hat er gelernt, selbst zu lieben: Nachdem aufgrund von Problemen mit der US-Drogenfahndung jahrelang Misstrauen Dylans Leben beherrschte, hat er bei Earth jetzt, angefangen mit seiner Freundin Adrienne Davies, Menschen um sich geschart, denen er bedingungslos vertraut.

Crowbars – Eiserner Wille

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©2010 M.Trombly / M.Prophet Photography

 

Crowbars neuntes Album SEVER THE WICKED HAND zeigt: Die Welt mag hart und ungerecht sein, doch Kapi­tulation kommt für die Doom-/Sludge-Vorreiter aus New Orleans partout nicht in Frage. Denn Chef Kirk Wind­stein braucht kein Ziel­was­ser mehr, um ins Schwar­ze zu treffen.

Exakt sechs Jahre nach LIFESBLOOD FOR THE DOWNTRODDEN gleicht SEVER THE WICKED HAND einer Rundreise durch seine acht Vorgänger: Aus tiefer gestimmten Gitarrenwänden, langsam brodelnden Rhythmen, pfeilschnellen Hardcore-Ausbrüchen, zwischen Leiden und Aufbruchstimmung pendelndem Wechselgesang und betörenden (Südstaaten-)Melodien errichten Crowbar tonnenschwere Groove-Doom-Fundamente. Wie in der Geschichte der 1989 entstandenen Formation üblich, reflektiert SEVER THE WICKED HAND Kirk Windsteins derzeitige Perspektiven: So rechnet der Komponist, Sänger, Gitarrist und Produzent in dem aggressiv eröffnenden ›Isolation (Desperation)‹ mit falschen Vertrauten und eigenen Fehlern ab, bestreitet in ›Cleanse Me, Heal Me‹ Brüllduette mit sich selbst („I’m all alone…“) oder zitiert in ›The Cemetery Angels‹ aus einem Buch der Anonymen Alkoholiker („You gave me wings and took the sky away…“). „Ich bin kein Verfechter solcher Programme“, betont der Mann, der seine Karriere 1987 als Gitarrist der Judas Priest-/Iron Maiden-Cover-Band Victorian Blitz begann. „Doch die Zeile drückt exakt aus, was Alkohol für mein Leben bedeutete: Er gab mir Flügel und raubte mir anschließend den Himmel. Mit Hilfe von Alkohol kann man sich gut fühlen, aber ebenso schnell verloren sein.“

Diese Erkenntnis führte im Sommer 2010 zu einem radikalen Lebenswandel: Kurz vor den SEVER THE WICKED HAND-Aufnahmen zog sich Windstein für einige Wochen in die Einsamkeit zurück und besiegte seine Dämonen. „Der Veränderungswille hatte mich schon lange Zeit beschäftigt“, erinnert sich der zum Interview-Zeitpunkt vier Monate trockene Musiker. „Dieser Weg führte letztlich zu der Entscheidung, Drogen und Alkohol aus meinem Alltag zu streichen, um eine neue Sicht auf die Dinge zu erlangen, die das Leben bereithält.“

Mit Erfolg: Der auch bei Down und Kingdom Of Sorrow aktive Kraftklotz bewies Kämpferwillen, kam von der Flasche los – und spielte das erste Album mit klarem Kopf ein. „SEVER THE WICKED HAND zu schreiben und aufzunehmen, war die beste aller denkbaren Therapieformen“, glaubt Windstein und gibt zu: „Ich hatte meine Gitarrenspuren schon immer nüchtern aufgenommen, mich während des Singens aber meist ziemlich volllaufen lassen. Gesangsaufnahmen markieren die emotionalste Phase einer Produktion. In dieser Hinsicht unterschied sich die Entstehung der neuen Scheibe deutlich von vorherigen. Und zwar im positiven Sinn: Es war eine sehr gute Erfahrung, die Songs nüchtern einzusingen.“

Im Vordergrund des Faszinosums Crowbar steht 2011 einmal mehr Windsteins eiserner Wille, den Schattenseiten des Lebens selbst aus tiefsten Seelenlöchern heraus provokant entgegenzulachen – angefangen bei dem zwischen Raserei und Schwere schwingenden SEVER THE WICKED HAND-Titelstück („Never let it drag you down, stay strong to the bitter end…“) bis hin zum Walzfinale ›Symbiosis‹ („I’ve never lost my will… I stand behind myself”). „Meine Beziehung zu Gott hat mir stets Hoffnung gegeben“, verrät der 45-Jährige sein persönliches Durchhalterezept. „Ich glaube aber nicht an Religion oder Prediger, sondern pflege eine eigene Beziehungsform zu meiner höheren Kraft. Sie hat mich in ihrer Rolle als Stärkespenderin noch nie im Stich gelassen.“

Children Of Bodom – Ohne Reue

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Chrildren of Bodom

 

Beinahe zwei Jahre waren die Finnen unterwegs, um ihr Erfolgsalbum BLOODDRUNK auf der Bühne zu präsentieren. Nun kommt der Nachfolger RELENTLESS RECKLESS FOREVER auf den Markt – ein weiterer Metal-Kracher mit viel Melodie-Gespür.

Seit über zehn Jahren gehören Children Of Bodom zu den Speerspitzen des europäischen Melodic Death Metal und können seit einiger Zeit auch beträchtliche Erfolge in Übersee verzeichnen. Vor allem ihr letztes Album BLOODDRUNK von 2008 katapultierte die Finnen in internationale Höhen: Platz eins in den finnischen, Platz zehn in den deutschen, Platz 22 in den USA und Platz zwölf in den japanischen Charts. Dabei hatten die Musiker einen derartigen Erfolg nicht zu hoffen gewagt. „Du hoffst zwar als Musiker immer, dass sich ein Album einigermaßen verkauft“, erklärt Gitarrist Roope Latvala. „Wir waren aber schlichtweg überwältigt, wie gut es diesmal für uns lief. Vor allem vor dem Hintergrund, dass Downloads das Geschäft kaputt machen.“

Nach einem fast zweijährigen Tourmarathon, der die Band unter anderem mit Slayer, Megadeth und der Black Label Society durch die USA und als Headliner durch Europa führte, zogen sich die Musiker im Frühling 2010 in ihren neuen Proberaum zurück, um bis Mitte August an den Songs zu RELENTLESS RECKLESS FOREVER zu schreiben. Dabei machte sich auch der Erfolg von BLOODRUNK bemerkbar. „Zu Beginn der Songwriting-Phase war der Druck etwas stärker als zuvor“, schildert Roope diese Zeit. „Aber als alles ins Rollen kam, war es wie eine Befreiung. Unsere Lektion daraus: Man muss einfach sein eigenes Ding durchziehen, dann kann eigentlich nichts schief gehen.“ Die Aufnahmen selbst waren nach etwa sechs Wochen beendet. „Es lief alles sehr entspannt ab“, sagt Roope, „denn wir hatten alle Songs schon ausgiebig geprobt, bevor wir ins Studio fuhren. Das hat uns geholfen, denn wir waren nicht nur schneller, sondern auch konzentrierter.“

Nachdem bei BLOODDRUNK noch der auf Death Metal-Produktionen spezialisierte Hypocrisy-Chef Peter Tägtgren hinter den Reglern saß, entschied sich die Band dieses Mal für Matt Hyde, der sich mit seiner Arbeit für Monster Magnet, Slayer und No Doubt einen Namen machen konnte. „Wir wollten etwas Neues ausprobieren. Matt schien der richtige Mann für den Job zu sein“, erklärt Roope die Entscheidung. „Und alles hat gepasst. Er besitzt einen tollen Sinn für Humor und hat eine gute Arbeitseinstellung. Er ist die Sache zügig, aber dennoch nicht überstürzt angegangen.“

Für die Band stellt RELENTLESS RECKLESS FOREVER eine Art Dokumentation der Band-Phase dar, in der das Album entstanden ist. Neben altbewährten Children Of Bodom-Attitüden enthält es auch ein paar neue Kniffe, die sich vor allem bei den komplexen Gitarrensoli bemerkbar machen und die das Album erwachsener klingen lassen als seine Vorgänger. Auch der Titel selbst hat für die Band eine spezielle Bedeutung. „Er sagt aus, dass man nichts bereuen sollte“, erklärt Roope. „Man muss die Dinge einfach machen, loslegen, ohne viel darüber nachzudenken.“

Momentan hat sich die Band jedoch vorerst eine kleine Auszeit genommen und genießt die Ruhe vor dem kommenden Tournee-Sturm. „Diese Pause ist gerade wirklich nötig“, erzählt der Gitarrist. „Wir müssen unsere Batterien für die kommenden Touren aufladen. Kurz nach Veröffentlichung des Albums, genauer gesagt am 19. März, geht’s nämlich wieder los.“ Diese Tour führt die Band über zwei Monate hinweg quer durch Europa, insgesamt zehn Mal macht sie dabei auch im CLASSIC ROCK-Land Halt. Also: hingehen – schließlich sollte man nichts bereuen, sondern einfach loslegen, ohne viel darüber nachzudenken.

Evergrey – In der Zwischenwelt

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Evergrey

Seit ihrer 1993er-Gründung sitzen EVERGREY zwischen allen Stühlen. Mit einer eigenwilligen, melancholischen Mischung aus diversen Metal-Stilen, elektronischen Elementen sowie Prog-Einflüssen hatten es die Schweden oft schwer, sich Gehör zu verschaffen. Daran wird wohl auch ihr achtes Studioalbum GLORIOUS COLLISION nichts ändern. Bandkopf Tom S. Englund ist dennoch guten Mutes.

Die Geschichte des Rock ist voller Widersprüche. Unzählige Gruppen sind ohne großes Talent oder erkennbare musikalische Begabung die Erfolgsleiter hinaufgestolpert. Andere quälen sich trotz hoher Originalität und Virtuosität jahrelang, ohne dabei den Durchbruch zu schaffen. Evergrey zählen zur letzteren Kategorie – doch bezeichnenderweise nicht völlig: Auf ihren ausgedehnten Tourneen konnten sich die Schweden inzwischen eine loyale Anhängerschar erspielen, die fein, aber nicht riesig ist. Denn diese Band will einfach in keine Schublade passen. Bandkopf Tom S. Englund trägt sein Schicksal mit Fassung. Lächelnd macht sich der stämmige, hochgewachsene Schwede in seiner Garderobe im schweizerischen Pratteln erst einmal ein Bier auf. Die skandinavische Form der Vorbereitung auf den letzten Auftritt der aktuellen Konzertreise.

„Für uns hat es sich immer eher als Fluch erwiesen, in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden“, sinniert der Sänger. „Die Kategorisierung als Progressive Metal-Band zum Beispiel weckt falsche Vorstellungen von unserer Musik. Wir haben gar nicht das Talent, wie Dream Theater zu spielen. Dafür braucht man keinen Doktortitel, um unsere Songs zu verstehen.“ Für Englund besteht der einzige Ausweg aus den „Schubladen“ darin, die Leute live zu überzeugen. Nach jedem Gig hat die Band einige frisch gewonnene Anhänger mehr, und die erzählen den Musikern häufig, wie überrascht sie von Evergrey waren. „Vielleicht verkaufen wir uns selbst zu schlecht“, überlegt der Schwede. „Aber ich sehe keine Möglichkeit, dies zu ändern, ohne uns dabei zu verbiegen.“ So bleibt es wohl bei der Ochsentour. Entsprechend großen Wert legt die Band auf möglichst perfekte Shows.

Nur einmal gerieten die Dinge außer Kontrolle. Trotz selbst auferlegtem Alkoholverbot vor dem Auftritt endete der Band-Ausflug in eine Kopenhagener Konditorei im Vollrausch – und dem entsprechenden Konzertniveau am späteren Abend. „Als wir auch noch Bruce Springsteen gecovert haben, ging auch der letzte Zuschauer aus dem Saal“, erinnert sich Englund mit einem schaudernden Grinsen. „Vielleicht hätte es geholfen, ›Born In The USA‹ vorher zu proben. Aber wir haben unsere Lehre aus diesem verpatzten Headliner-Auftritt gezogen und nie wieder so einen Mist gemacht.“

Zumal inzwischen auch andere Leute in der Band sind. Denn im Jahr 2010 mussten Evergrey gleich drei langjährige Mitstreiter ersetzen. „Es gab keinen Streit, aber wir hatten auch keinen Spaß mehr miteinander“, gibt Englund zu Protokoll. „Musikalisch stimmte es nicht mehr, aber wir wollten unbedingt unsere Freundschaft erhalten.“ Mit den neuen Mitgliedern kam aber auch für den Sänger und Gitarristen, der ungefähr 3/4 der Musik und nahezu alle Texte von Evergrey verfasst, frischer Schwung in die Band. Es fällt auf, dass GLORIOUS COLLISION eher an die klassische Phase mit solch epischen und detailverliebten Alben wie RECREATION DAY (2003) und THE INNER CIRCLE (2004) anknüpft denn an die jüngsten Evergrey-Werke. „Das war nicht so geplant, hat sich aber aus unserem Zusammenspiel so ergeben“, stimmt der Bandkopf zu. „Bei Evergrey geht es um Ehrlichkeit. Und um ein geradezu therapeutisches Freisetzen von Emotionen. Deshalb singen wir auch nicht über Drachen.“ Für ihn erweist sich so mancher Zusammenprall im Leben als Anstoß in eine neue, bessere Richtung, worauf sich auch die „Glorreiche Kollision“ des Albumtitels bezieht.

Nur eine Sache hat sich bei Evergrey nie verändert: Durch sämtliche Song der Schweden zieht sich eine zerbrechliche Traurigkeit, die man dem Sänger gar nicht zutraut. „Dur passt nicht zu uns“, beendet Englund das Gespräch. „Wir klingen am besten in Moll!“

Psychotic Waltz – Götterdämmerung

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Devon Graves  @ M.H«Ùfinger_bearbnew
Im Zuge der „Power Of Metal“-Tour kehrt eine der einflussreichsten Progressive Metal-Acts der Neunziger zurück auf die hiesigen Bühnen: Psychotic Waltz. Wie es die Band schaffte, die früheren Streitigkeiten beizulegen und was sie sich nun für ihre Rückkehr wünscht, verrät Sänger Devon Graves im CLASSIC ROCK-Gespräch.

Bands werden gemocht, geliebt, verehrt. Psychotic Waltz werden vergöttert, auch über zehn Jahre nach dem Split. Nun sind sie zurück, um mit ihrem hippiesken, hochemotionalen, Siebziger-beeinflussten, grandios inszenierten, klischeefreien Progressive Metal abermals zum Tanz zu bitten. Und das in der Original-Besetzung der Göttergaben A SOCIAL GRACE und INTO THE EVERFLOW, sprich mit Ward Evans am Bass, Dan Rock und Brian McAlpin an den Gitarren, Norm Leggio am Schlagzeug und Devon Graves aka Buddy Lackey an der Querflöte und am Gesang. Der Frontmann gibt Auskunft.

Devon, woher stammt der Impuls, einen Neustart zu wagen?
Ich habe immer wieder versucht, Dan zu einer Reunion zu bewegen. Denn wir waren damals die Hauptauslöser für den Split. Ich wollte unsere zwischenmenschlichen Probleme aus der Welt schaffen. Dan fühlte sich jedoch nicht bereit, die Opfer zu bringen, die das Leben in einer hart arbeitenden Band erfordern. Plötzlich meldeten sich Norm, Ward und Brian und sagten, dass sie Psychotic Waltz wiederbeleben möchten. Ich fühlte mich innerlich zerrissen, weil ich mitten in der Produktion zum Debüt von The Shadow Theory steckte. Außerdem zweifelte ich, ob die Sache ohne Dan Sinn machen würde. Die Offerte für die „Power Of Metal“-Tour bot ihm schließlich eine Perspektive.

Zuerst war aber Steve Cox als zweiter Gitarrist für Dan eingeplant.
Dan und Brian passen perfekt zusammen. Sie sind überragende Gitarristen und geniale Songwriting-Partner. Sie gründeten den Psychotic Waltz-Vorgänger Aslan und verstehen sich blind. Als Steve Brian ersetzte, zerstörte das die Bandchemie. Nichts gegen Steve. Er ist ein wahres Gitarren-Monster! Aber wenn es darum geht, neue Musik zu kreieren, reicht er an das Gespann Dan und Brian nicht heran.

Brian sitzt seit einem Autounfall im Rollstuhl. Er konnte die Tourstrapazen nicht mehr ertragen, weshalb er 1996 aufgab, nicht wahr?
Exakt. Und es war der Anfang vom Ende. Brian ist sehr kreativ und war mein engster Freund in der Band. Als er uns verließ, verstärkte sich mein Wunsch, musikalisch eigene Wege zu gehen, so dass ich mit Dan in Streit geriet.

Du bist daraufhin mit deiner damaligen zweiten Frau in deren Heimatland Österreich umgezogen…
Ja, wir verbrachten zwei Jahre in San Diego und siedelten anschließend nach Österreich über, wo ich heute noch lebe. Mit meiner neuen Frau Genia habe ich vier Kinder: Anastasia (8), Evan James (6), Solomon Alexander (3) und Angelina Sophia (6 Monate).

Wie haben denn die anderen die Zeit seit der Auflösung von Psychotic Waltz verbracht?
Ward ist mit Lorraine verheiratet, hat einen Sohn und arbeitet als leitender Tontechniker bei Qualcomm. Brian ist geschieden, seine Tochter heißt Haley, und er verkauft Gitarren. Dan ist verheiratet und arbeitet in einem Labor. Norm ist Single – und so was wie ein Lebenskünstler. Musikalisch kam von den ehemaligen Waltz-Mitgliedern nach 1997 nur wenig, außer ein paar halbgaren Versuchen mit End Amen, Teabag oder Darkstar.

Außer von dir. Du hast mit Deadsoul Tribe fünf Alben veröffentlicht und gerade erst das Debüt von The Shadow Theory.
Ward konzentrierte sich auf seine berufliche Karriere, und Dan hing die Gitarre schnell an den Nagel. Brian komponierte zwar über all die Jahre, weiß sich jedoch nicht zu vermarkten, sondern ist zu bescheiden. Ich erkannte im Laufe der Zeit, wie sehr mir Psychotic Waltz fehlen – Groll hin oder her. Hätte ich doch unserem damaligen Manager Ray Woodbury vertraut. Er verschaffte uns durch seine blendenden Kontakte und seine harte Arbeit tolle Voraussetzungen für Tourneen in den USA. Aber meine Ungeduld zermürbte mich. Ich wollte zu früh zu viel. Und bei Deadsoul Tribe war ich dann für alles allein zuständig, was sehr an die Substanz ging. Außerdem fühlte ich mich kompositorisch eingeschränkt, da meine Musiker die Ideen live nicht umsetzen konnten.

Gerüchten zufolge scheiterten geplante Psychotic-Reunion-Gigs auf Festivals an überzogenen Gagen-Forderungen…
Es gab wirklich Angebote von einigen Open Air-Veranstaltern, doch wir konnten Dan nicht überreden und lehnten daher ab. Wir betrachten Gagen nämlich nicht als Leistung für unsere Live-Gigs, sondern als Ausgleich dafür, dass wir von unseren Familien ge-trennt sind, stundenlang auf Flughäfen warten, ewig im Flieger sitzen und einige von uns auch Urlaub einreichen müssen.

Ihr seid in der Besetzung der ersten beiden Alben zusammen. Werdet ihr deshalb bei den Auftritten den Schwerpunkt darauf legen?
Nicht unbedingt. Alle Phasen werden abgedeckt. Übrigens spielte Ward auch auf MOSQUITO Bass und nicht Phil Cuttino, wie im Booklet vermerkt war. Es ist also das Line-up der ersten drei Platten.

Ist die unbeschreibliche Magie von früher reproduzierbar?
Das können wir nicht kontrollieren, weil nicht wir die Magie kreieren, sondern sie von allein entsteht. Ich liebe die alten Alben wie meine Kinder. Diese Liebe und die totale Hingabe sind die Schlüssel dafür, dass eine magische Entfaltung überhaupt erst möglich wird.

Wird es dir schwer fallen, dich parallel auf Psychotic Waltz und The Shadow Theory zu konzentrieren?
Vermutlich wird der Kompositionsprozess bei Psychotic Waltz langsam vorangehen. Ganz einfach, weil alle anderen privat beschäftigt sind. Deshalb denke ich, dass das zweite Shadow Theory-Album noch vor der Comeback-Scheibe von Psychotic Waltz erscheinen wird. Ich rechne damit, dass die Waltz-Platte irgendwann 2012 auf den Markt kommt. Und mal ehrlich: Wenn Maynard James Keenan Tool und A Perfect Circle auf die Reihe bringt, kann ich das auch. Außerdem habe ich mich noch nie im Leben so kreativ und ambitioniert gefühlt wie im Moment. Ich bin zu allen Schandtaten bereit.“

Stratovarius – Harte Zeiten

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Stratovarius 2010a @ Ville Akseli Juurikkala

 

Mit ihrem neuen Album ELYSIUM bedienen STRATOVARIUS perfekt die Melodic Metal-Zielgruppe. Dennoch drücken die finnische Band zurzeit allerlei Sorgen.

Dies sind nicht eben die einfachsten Monate im Leben von Stratovarius-Sänger Timo Kotipelto: Die Aufnahmen des am 14.1. veröffentlichten Albums ELYSIUM nahmen mehr Zeit als geplant in Anspruch, so dass die Tour-Vorbereitungen darunter litten. Außerdem meldete sich zum Tour-Start auch noch Drummer Jörg Michael krank. Doch der Reihe nach:

Seit dem Ausstieg ihres langjährigen Chefs, Gitarrist Timo Tolkki, vor drei Jahren haben Stratovarius mit Matias Kupiainen einen neuen Saiten-Experten an Bord. Während sich Kupiainen auf seinem Stratovarius-Einstand POLARIS (2009) noch spürbar zurückhielt, hat er mittlerweile das Zepter übernommen: Der vielseitige Musiker schrieb nicht nur mehr als die Hälfte der neuen Songs, er fungierte auf ELYSIUM auch als Toningenieur und Produzent. „Für mich als Sänger ist es natürlich besonders wichtig, dass unsere Kompositionen immer die Bandbreite meiner Stimme berücksichtigen, da-mit die Stücke auch wirklich strahlen“, erläutert Kotipelto. „Matias und ich mussten uns erst aneinander gewöhnen. Insofern war ELYSIUM eine schwierige Geburt. Ich verbrachte vier Wochen lang jeden Tag im Studio, damit wir auf den gleichen Nenner kommen. Das kostete Zeit und Kraft.“

Nur mit Ach und Krach wurde die aktuelle Scheibe, an der Kupiainen vier Monate lang ununterbrochen werkelte, rechtzeitig zur Tournee mit den Power Metal-Kollegen Helloween fertig. „Wir sind ja keine Band, bei der alle im gleichen Ort wohnen und sich locker im Proberaum treffen können. Jens (Johansson, Keyboarder der Band, Anm.d.A.) lebt in Schweden, Jörg Michael in Dortmund, der Rest in Finnland. Es muss also immer alles frühzeitig organisiert werden.“

In diesem speziellen Fall machte die Hiobsbotschaft schlechthin das Chaos perfekt: Bei Drummer Jörg Michael wurde ein Krebsleiden diagnostiziert. Im vergangenen Herbst mussten bei ihm eine Geschwulst entfernt und eine Strahlenbehandlung durchgeführt werden. „Zum Glück scheint der Krebs noch nicht gestreut zu haben, sodass sich Jörg bereits wieder auf dem Weg der Besserung befindet. Aber natürlich fiel er für den ersten Teil der Tournee aus“, bedauert Kotipelto. Als Ersatzmann wurde Alexander Landenburg (Mekong Delta, Annihilator) verpflichtet, doch ab Mitte Januar soll Michael wieder an Bord sein. „Er ist schon im Proberaum und trainiert für die Tournee“, freut sich der Stratovarius-Frontmann für seinen Bandkollegen.

Zum Glück kann man der neuen Scheibe ELYSIUM diese schwierige Entstehungsgeschichte nicht anmerken. Stratovarius klingen auf ihrem 14. Studioalbum unbeschwert wie ehedem und glänzen mit hymnenartigen Gesangsmelodien und opulenten Arrangements. „Bei so vielen Vorgängerscheiben ist es natürlich schwierig, wirklich signifikante Änderungen auszumachen“, weiß Kotipelto nur allzu gut, „zumal wir den etwas progressiveren Ansatz, den Mattias in die Band bringt, natürlich sehr begrüßen, andererseits Stratovarius aber nicht grundlegend verändern wollen. Es war schon so mühsam genug, Matias Wunsch entsprechend die Gesänge etwas tiefer als gewohnt anzulegen. Anfangs machte ich mir Sorgen, dass wir zu viele Veränderungen auf einmal vornehmen. Aber jetzt bin ich sehr zufrieden und auch stolz darauf, dass wir diesen Spagat geschafft haben.“

In diesen Wochen entscheidet also zunächst das Publikum von Helloween darüber, ob ELYSIUM auch auf der Bühne sein hohes Potenzial bestätigen kann. Doch für den Frontmann ist dies kein Problem: „Die Zuschauer von Helloween und Stratovarius sind sowieso fast identisch: Beide Bands machen einen melodischen Power Metal, insofern interessiert mich die Reaktion der Helloween-Fans ebenso wie die unserer eigenen Anhänger.“

Matthias Mineur