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    Evergrey – In der Zwischenwelt

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    Evergrey – In der Zwischenwelt

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    Evergrey

    Seit ihrer 1993er-Gründung sitzen EVERGREY zwischen allen Stühlen. Mit einer eigenwilligen, melancholischen Mischung aus diversen Metal-Stilen, elektronischen Elementen sowie Prog-Einflüssen hatten es die Schweden oft schwer, sich Gehör zu verschaffen. Daran wird wohl auch ihr achtes Studioalbum GLORIOUS COLLISION nichts ändern. Bandkopf Tom S. Englund ist dennoch guten Mutes.

    Die Geschichte des Rock ist voller Widersprüche. Unzählige Gruppen sind ohne großes Talent oder erkennbare musikalische Begabung die Erfolgsleiter hinaufgestolpert. Andere quälen sich trotz hoher Originalität und Virtuosität jahrelang, ohne dabei den Durchbruch zu schaffen. Evergrey zählen zur letzteren Kategorie – doch bezeichnenderweise nicht völlig: Auf ihren ausgedehnten Tourneen konnten sich die Schweden inzwischen eine loyale Anhängerschar erspielen, die fein, aber nicht riesig ist. Denn diese Band will einfach in keine Schublade passen. Bandkopf Tom S. Englund trägt sein Schicksal mit Fassung. Lächelnd macht sich der stämmige, hochgewachsene Schwede in seiner Garderobe im schweizerischen Pratteln erst einmal ein Bier auf. Die skandinavische Form der Vorbereitung auf den letzten Auftritt der aktuellen Konzertreise.

    „Für uns hat es sich immer eher als Fluch erwiesen, in eine bestimmte Ecke gestellt zu werden“, sinniert der Sänger. „Die Kategorisierung als Progressive Metal-Band zum Beispiel weckt falsche Vorstellungen von unserer Musik. Wir haben gar nicht das Talent, wie Dream Theater zu spielen. Dafür braucht man keinen Doktortitel, um unsere Songs zu verstehen.“ Für Englund besteht der einzige Ausweg aus den „Schubladen“ darin, die Leute live zu überzeugen. Nach jedem Gig hat die Band einige frisch gewonnene Anhänger mehr, und die erzählen den Musikern häufig, wie überrascht sie von Evergrey waren. „Vielleicht verkaufen wir uns selbst zu schlecht“, überlegt der Schwede. „Aber ich sehe keine Möglichkeit, dies zu ändern, ohne uns dabei zu verbiegen.“ So bleibt es wohl bei der Ochsentour. Entsprechend großen Wert legt die Band auf möglichst perfekte Shows.

    Nur einmal gerieten die Dinge außer Kontrolle. Trotz selbst auferlegtem Alkoholverbot vor dem Auftritt endete der Band-Ausflug in eine Kopenhagener Konditorei im Vollrausch – und dem entsprechenden Konzertniveau am späteren Abend. „Als wir auch noch Bruce Springsteen gecovert haben, ging auch der letzte Zuschauer aus dem Saal“, erinnert sich Englund mit einem schaudernden Grinsen. „Vielleicht hätte es geholfen, ›Born In The USA‹ vorher zu proben. Aber wir haben unsere Lehre aus diesem verpatzten Headliner-Auftritt gezogen und nie wieder so einen Mist gemacht.“

    Zumal inzwischen auch andere Leute in der Band sind. Denn im Jahr 2010 mussten Evergrey gleich drei langjährige Mitstreiter ersetzen. „Es gab keinen Streit, aber wir hatten auch keinen Spaß mehr miteinander“, gibt Englund zu Protokoll. „Musikalisch stimmte es nicht mehr, aber wir wollten unbedingt unsere Freundschaft erhalten.“ Mit den neuen Mitgliedern kam aber auch für den Sänger und Gitarristen, der ungefähr 3/4 der Musik und nahezu alle Texte von Evergrey verfasst, frischer Schwung in die Band. Es fällt auf, dass GLORIOUS COLLISION eher an die klassische Phase mit solch epischen und detailverliebten Alben wie RECREATION DAY (2003) und THE INNER CIRCLE (2004) anknüpft denn an die jüngsten Evergrey-Werke. „Das war nicht so geplant, hat sich aber aus unserem Zusammenspiel so ergeben“, stimmt der Bandkopf zu. „Bei Evergrey geht es um Ehrlichkeit. Und um ein geradezu therapeutisches Freisetzen von Emotionen. Deshalb singen wir auch nicht über Drachen.“ Für ihn erweist sich so mancher Zusammenprall im Leben als Anstoß in eine neue, bessere Richtung, worauf sich auch die „Glorreiche Kollision“ des Albumtitels bezieht.

    Nur eine Sache hat sich bei Evergrey nie verändert: Durch sämtliche Song der Schweden zieht sich eine zerbrechliche Traurigkeit, die man dem Sänger gar nicht zutraut. „Dur passt nicht zu uns“, beendet Englund das Gespräch. „Wir klingen am besten in Moll!“

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