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John Garcia plays Kyuss: NL-Tilburg, O13

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John Garcia live Roadburn 2010Nicht die Original-Wüste, aber dennoch ein würdiger Höhepunkt des holländischen Roadburn-Festivals.

Meist sind es nur die Headliner, die ein Festival attraktiv machen. Doch es gibt auch Events, bei denen es gerade die kleinen, bislang unentdeckten Bands sind, die für Charme und Flair sorgen. So auch bei Roadburn, einem Drei-Tages-Festival im niederländischen Tilburg, das in diesem Jahr sein 15. Jubiläum gefeiert hat. Über 70 Bands sollten eigentlich auftreten, verteilt auf vier Konzerthallen, von denen jedoch drei im selben Gebäudekomplex vereint sind. Aufgrund des Vulkanausbruchs mussten zwar viele US-Künstler ihre Shows absagen, darunter Shrinebuilder und Candlemass. Doch mit viel Improvisations- und Organisationstalent ist es den Veranstaltern gelungen, dennoch ein abwechslungsreiches Riff-Programm zusammenzustellen. Das Besondere am Roadburn ist – neben der Vielzahl der Bands – auch die Zusammensetzung des Publikums: Von Al-ternative-Fans über Metaller, Stoner und Indies bis hin zum Classic Rocker ist alles vertreten.

Während für die Ultrahart-Fraktion vor allem die Gigs von Enslaved und Triptykon, der neuen Band des ehemaligen Celtic Frost-Chefs Tom Gabriel Fischer, interessant sind, ist die Rock-Fraktion vor allem auf den ersten (großen) Gig von John Garcia gespannt, der – mit neuer Band – seine alten Kyuss-Hymnen wiederaufleben lassen will.

Dementsprechend voll ist es auch bei der Show in der größten Halle des Clubs 013, in dem das Festival stattfindet. Rund 1.500 Fans sind gekommen, um zu erkunden, ob Kyuss hauptsächlich von Garcias Stimme geprägt sind oder die Magie der Band doch durch mehr bestimmt wird als die reine Summe der Töne. Unterstützt wird der Kalifornier nämlich von einer komplett neuen Begleit-Band, bestehend aus dem Belgier Bruno Fevery (Gitarre) und den beiden Holländern Jacques de Haard (Bass) und Rob Snijders (Drums). Die Drei kommen auch als Erste auf die Bühne und starten das Set mit ›Molten Universe‹, bevor Garcia zu ›Thumb‹ die Bühne betritt.

Und ja, der Groove ist da, die Beine zucken – selbst wenn es manchmal wo wirkt, als wären die Songs einen Tick zu schnell. Das jedoch liegt jedoch vermutlich daran, dass die Musiker allesamt weitaus nüchterner sind, als Kyuss das bei ihren Shows vor 15 Jahren waren. Garcia selbst wirkt abgeklärt, bis auf eine kleine Textpanne ganz zum Ende des Gigs hat er die Songs aber perfekt einstudiert – die Lern-Lektionen seiner Ehefrau sind also von Erfolg gekrönt.

Doch im Grunde hätte er sich die Mühe sparen können: Die Fans singen ohnehin jede Zeile mit, natürlich bei den BLUES FOR A RED SUN- und SKY VALLEY-Songs ein wenig lauter und einstimmiger, aber auch ›El Rodeo‹ wird bejubelt. Auf WRETCH-Stoff wartet die Menge zwar vergeblich, dafür wer-den ›100 Degrees‹ oder das großartige ›Gardenia‹ umso warmherziger begrüßt. Der ›Demon Cleaner‹ holpert zwar ein wenig, doch spätestens bei ›Allen’s Wrench‹ mit Ben Ward von Orange Goblin als Unterstützung und natürlich ›Green Machine‹ gibt es kein Halten mehr: Tilburg steht Kopf – und rastet bei den Zugaben ›Spaceship Landing‹ und Slo-Burns ›Pilot The Dune‹ noch einmal komplett aus.

Das Experiment ist also geglückt: Und selbst wenn eine Reunion im Original-Line-up vielleicht mehr Wüsten-Flair verbreitet hätte – möglich wäre sie im Moment ohnehin nicht, von daher ist Garcia Plays Kyuss nicht nur eine legitime, sondern auch stimmige und adäquat umgesetzte Riff-Sache.

Petra Schurer

AC/DC: Hannover, Messegelände

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ACDC live 2010 1 @ C. Taylor CrothersRock-Feuertaufe bestanden: AC/DC bringen gemeinsam mit 80.000 Fans den Hermesplatz zum Beben. In dieser Größenordnung ist das für Hannover eine Premiere.

Es ist ein Aufgebot der Superlative: Für die Großkonzert-Premiere auf Hannovers Hermesplatz, direkt neben dem Expo-Holzdach, lassen sich AC/DC in Sachen Technik & Co. nicht lumpen. 31 Lkw, allesamt 40-Tonner, schaffen das Equipment nach Niedersachsen, wo 80.000 Fans auf Angus Young und seine Mitriffer warten. Zunächst jedoch gehört die Bühne den Wiener Metallern Boon, die sich von der Masse nicht einschüchtern lassen und souverän ihr Set durchziehen – selbst wenn logischerweise viele erst einmal am Bier-stand kampieren anstatt vor der Bühne. Besser läuft es für Accept: Die Metal-Veteranen, die mit ihrem neuen Frontmann Mark Tornillo an den Start gehen, sichern sich die Sympathien der Hannoveraner. Und beweisen: Es geht auch ohne Udo Dirkschneider. Es bleibt spannend, was das neue Album BLOOD OF NATIONS bringt, das am 20. August auf den Markt kommt.

Doch nun wird es Zeit für die Hauptattraktion des heutigen Abends: Das 55.000 Quadratmeter große Gelände ist bis auf den letzten Zentimeter mit Rockern vollgestopft, als AC/DC mit ›Rock’n’Roll Train‹ in ihr Set starten und die bereits von der Vorjahres-Tour bekannte Lok auf die Fans zurasen lassen. Angus Young und Brian Johnson übernehmen dabei die Rolle der (An-)Heizer, sie animieren das Publikum zu Hörnergruß und Mähnenschüttlung, was auch bestens funktioniert. Nach dem BLACK ICE-Einstieg gibt es Altbekanntes zum weiteren Warmwer-den: ›Hell Ain’t A Bad Place To Be‹, ›Back In Black‹, ›Big Jack‹ und ›Dirty Deeds Done Dirt Cheap‹ – angesichts solcher Kracher, die noch dazu mit unglaublicher Präzision abgeschossen werden, drängen alle nach vor, selbst wenn die Bierbecher leer sind. Das Nachschubholen wird vertagt. Zu ›Thunderstruck‹ müssen AC/DC die Masse nicht mehr einpeitschen – Zehntausende lassen den Donner aus ihren Kehlen grollen, ein wahres Naturschauspiel. Angesichts der geballten Partykraft der Hannoveraner müssten Johnson, die Youngs, Cliff Williams und Phil Rudd gar nicht mehr mit voller Kraft weiterheizen, doch natürlich lassen es sich die Australier nicht nehmen, noch eine Riff-Schippe draufzulegen. Während bei ›War Ma-chine‹ noch ein bisschen Zeit zum Atemholen ist, geht’s danach im Höllentempo weiter: ›High Voltage‹, ›You Shook Me All Night Long‹ und das wie immer hochexplosive ›T.N.T‹ detonieren punktgenau, und Angus dreht sich einmal mehr in Solo-Hochgeschwindigkeit um die eigene Rückenachse. Als dann auch die Rosie in überdimensionaler Form einschwebt, ist allen klar – es kann nur ein Motto geben: ›Let There Be Rock‹! Und damit die AC/ DC-Pilger sich über den langen Heimwegsstau auch mit ordentlichen Ohrwürmern hinwegtrösten können, kommt die Band noch für zwei Zugaben wieder: ›Highway To Hell‹ und ›For Those About To Rock (We Salute You)‹. Keine Über­raschungen, sicher. Aber absolute Ekstase-Garanten. Und genau auf die haben heute alle gewartet.

Setlist
Rock N‘ Roll Train
Hell Ain’t A Bad Place To Be
Back in Black
Big Jack
Dirty Deeds Done Dirt Cheap
Shot Down In Flames
Thunderstruck
Black Ice
The Jack
Hells Bells
Shoot To Thrill
War Machine
High Voltage
You Shook Me All Night Long
T.N.T.
Whole Lotta Rosie
Let There Be Rock

Highway To Hell
For Those About To Rock (We Salute You)

Rock am Ring: Nürburgring

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Kiss(mit Kiss, Muse, Rammstein, Rage Against The Machine, Them Crooked Vultures uvm.)

Was für eine Gästeliste: Zum 25. Geburtstag von Rock am Ring treten so illustre Gratulanten wie Kiss, Rammstein, Rage Against The Machine und Muse live an.

Wenn gefeiert wird, dann richtig: Zum 25. Geburtstag von Rock am Ring gibt es in diesem Jahr gleich zwei Geschenke für die Fans: einen weiteren Festivaltag sowie ein besonderes Programm mit noch größeren Headlinern als gewohnt. Von Donnerstag bis Sonntag wird durchgehend gerockt, und mit Kiss, Rammstein, Muse und Rage Against The Machine bietet der Veranstalter Marek Lieberberg mit seinem Team gleich vier Riff-Giganten auf. Auch das weitere Billing lässt einem das Bier im Mund zusammenlaufen: So versüßen zum Beispiel Them Crooked Vultures den Ringrockern mit ihrer Show die letzten Festivalstunden, zudem sorgen Motörhead, Slayer, Volbeat oder Alice In Chains im Verlauf des langen Wochenendes für musikalisches Sperrfeuer. Rund 87.000 Fans sind gekommen, um bei der kolossalen Party dabei zu sein – seit mehreren Monaten ist die Veranstaltung ausverkauft.

Bereits am Mittwochabend reiht sich ein Heck­scheibenaufkleber an den anderen: Der Anreisestau hat die Gegend um den Nürburgring voll im Griff – für die Fans ist das jedoch nichts weiter als eine erste Gelegenheit, schon mal etwas vorzuglühen. Schließlich wollen alle in der richtigen Stimmung sein, wenn am Donnerstagabend der erste Head­liner über den Ring donnert.

Dementsprechend grandios ist die Kulisse, als Kiss schließlich um 22 Uhr auf der Center Stage einfallen. Die größte der drei Ring-Bühnen erzittert, als Zehntausende zum Begrüßungsjubel ansetzen. Selbst Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer und Eric Singer, die wahrlich einiges gewohnt sind in Sachen Fanandrang, erleben so etwas nicht alle Tage. Doch diese beeindruckende Menge hat nicht nur Vorteile: Es ist extrem voll auf dem Gelände, da auf keiner der beiden anderen Bühnen gerockt wird. Zudem kennen viele Ring-Besucher kaum einen Song der Band: Das wird vor allem bei den neueren Stücken wie ›Modern Day Delilah‹ deutlich – von Textsicherheit kann nicht die Rede sein. Was aber keineswegs heißt, dass keiner feiert. Die Leute genießen nur anders. Es ist vor allem die imposante Show, die begeistert. Als die Band auf einer monströsen Hebebühne einschwebt und in den dichten Nebelteppich eintaucht, setzt sich der Jubel bis weit hinter den dritten Wellenbrecher fort, der gut 150 Meter vom Bühnenrand entfernt steht.

Nun ist zwei Stunden lang Feiern unter einem herrlichen Sommernachts-Sternenhimmel angesagt: ›Let Me Go, Rock’n’Roll‹ ist da ein gutes Motto, und als zum brennenden ›Firehouse‹ Ronnie James Dio posthum mit einem gigantischen „Dio“-Chor geehrt wird, kriecht das erste Mal Gänsehaut den Rücken herauf. Bei ›Say Yeah‹ von SONIC BOOM sinkt die Stimmung zwar zunächst wieder etwas ab, aber danach geht es Schlag auf Schlag: ›Deuce‹, ›Crazy Crazy Nights‹ und ›Calling Dr. Love‹ vertreiben das letzte bisschen Müdigkeit aus den rockenden Körpern. ›I Love It Loud‹ ist das einende Motto aller Ringrocker, egal ob sie nun für Kiss, Rage Against The Machine oder Muse in die Eifel gereist sind. Und dem Charme von ›Black Diamond‹ und ›Detroit Rock City‹ kann heute auch niemand widerstehen. Schließlich startet bereits der Zugabenblock, bei dem ›Shout It Out Loud‹ sich wie so oft als Mitmachgarant entpuppt, während bei ›I Was Made For Loving You‹ vor allem Paul Stanleys Flugeinlage auf den Turm inmitten des Publikums für Staunen und Applausdonner sorgt. ›God Gave Rock’n’Roll To You‹ und ›Rock And Roll All Nite‹ beschließen standesgemäß den Abend – hier kennt schließlich auch das bunt gemischte Ring-Publikum alle Zeilen. Mit einem monumentalen Regen aus den Konfettikanonen beenden Kiss den ersten Festival-Tag und stellen damit klar: Wenn das erst der Anfang der Jubiläumsausgabe des Open Airs ist, wird es ein Wahnsinns-Wochenende: „Rock’n’Roll all night, party everyday!“ Amen.

Raige Against The MachineRage Against The Machine würden dieses Motto zwar etwas anders formulieren, wollen im Grunde aber bei ihrem Gig auch nichts anders. Die Band kehrt nach ihrem umjubelten 2008er-Auftritt als Freitags-Headliner an den Ring zurück. Diesmal bröselt der Sound zwar nicht so brachial aus den Boxen wie beim letzten Mal, doch Zack De La Rocha, Tom Morello, Tim Commerford und Brad Wilk geben nichtsdestotrotz ihr Bestes. Und das wird von den Fans mit Kusshand angenommen – ganz so, als hätten sie nur auf den letzten Funken gewartet, der das Partyfeuer in ein echtes Inferno verwandelt. Binnen von Sekunden wird deutlich: Auch fast 20 Jahre nach dem Release ihres Debüts haben Songs wie ›Bullet In The Head‹, ›Bombtrack‹ oder ›Killing In The Name‹ nichts an Energie (und leider auch nicht an Aktualität) eingebüßt. Daher sind sie noch immer jedem Ringrocker ein Begriff: Egal, ob jemand 14 oder 45 Jahre alt ist – hier kann jeder alle Texte auswendig, anders als bei Kiss am Vorabend.

Das spielt bei manchen Bands jedoch überhaupt kein Rolle: Muse sind dafür das beste Beispiel. Kommen, sehen, genießen – so einfach kann Rock’n’Roll manchmal sein. Schon auf der Hallentour zu THE RESISTANCE hatte das Trio bewiesen, dass es inzwischen in derselben Liga spielen kann wie Pink Floyd oder Peter Gabriel, doch dass diese monströse Melange aus Klang- und Lichtspektakel auch vor einem derart gemischten Publikum funktionieren würde, war im Vorfeld nicht abzusehen. Umso schöner, dass am Ende des Ring-Samstags alle euphorisch vom Muse-Set sprechen: ›Map Of The Problematique‹, ›Starlight‹ und natürlich ›Knights Of Cydonia‹, aber auch Songs wie ›Exogenesis: Symphony Part 1 (Overture)‹ richten es musikalisch, dazu gönnt die Band ihren Fans die passende optische Untermalung auf polygonen, wabenförmigen Video­wänden. Die zusätzlichen Laserprojektionen nehmen ein derart immenses Ausmaß an, dass damit das gesamte Areal in grünes Licht getaucht werden kann. Als schließlich noch ein gigantisches Ufo direkt über den ­Köpfen der Fans einschwebt (und nebenbei die MTV-Liveübertragung von Slayer lahm legt), gibt es kein Halten mehr. Merke: Jubeln und Staunen funktioniert also auch parallel.

Zumindest zum Staunen ist bei Rammstein kaum Zeit. Zum krönenden Ring-Abschluss fahren die Berliner ein derartiges Riff-Dauerfeuer auf, dass einem noch nicht mal die Zeit bleibt, kurz Biernachschub zu holen. Das ›Rammlied‹ eröffnet die Attacke standesgemäß – und schon nach diesem ersten Lied wird deut­l­ich, dass der Preis für den besten Sound des Wochenendes an Till Lindemann & Co. geht. Kraftvoll und zugleich transparent – eine Meisterleistung! Meisterlich geht’s auch weiter: Das Horn von ›Waidmanns Heil‹ jagt Schauerwellen durch die Körper, ›Feuer Frei‹ zwingt die Nacken zur Rotation, während ›Frühling in Paris‹ ein Musterbeispiel für musikalische Inbrunst ist. Noch dazu bietet die Band alles auf, was derzeit in Sachen Pyrotechnik auf dem Markt ist – selbst für einen mickrigen Knallfrosch muss man nach der Rammstein-Show wahrscheinlich mehrere 100 Kilometer weit fahren, weil rund um den Ring alles komplett leer gekauft worden ist. Doch es sind nicht nur die massiven Feuerwände, die den Abend zu einem ganz besonderen machen. Die Liebe zum Detail zeichnet den Gig aus: Als Flake Lorenz zu ›Haifisch‹ in einem Gummiboot durch die Massen paddelt und schließlich ein aufblasbarer Hai vor der Kameralinse erscheint, sorgt das für mehr Jubel als mancher 10.000-Euro-Effekt. Als die Band schließlich im ›Ich will‹-Finale fragt: „Könnt ihr mich hören, könnt ihr mich sehen, könnt ihr mich fühlen?“, bekommt sie zwar nur eine einzige Antwort: „Jaaaaaaaaaa!“ Die aber kommt aus 87.000 geeinten Kehlen.

Them Crooked Vultures
Ganz zum Ende des Ring-Jubilläums gibt’s diesen Leckerbissen: Dave Grohl, Josh Homme, John Paul Jones und ihre Live-Unterstützung Alain Johannes zeigen, wie das mit der perfekten Balance aus Hits und Jam-Session funktioniert. Sie lassen sich gegenseitig Raum für Impros (und Applaus), genießen die entspannte Atmosphäre und verlieren zugleich nie den Faden. Einer der Höhepunkte: ›Spinning In Daffodils‹ mit Jones am Piano.

Stone Sour
Für Corey Taylor und James Root ist es kein einfaches Unterfangen, so kurz nach dem Tod ihres Slipknot-Kollegen Paul Gray mit Stone Sour zu touren. Doch sie reißen sich zusammen und beweisen damit echte Profiqualitäten. Die Belohnung dafür lässt nicht lange auf sich warten: Stone Sour empfehlen sich mit ihrer Show klar für die Hauptbühne, was an Hits wie ›30/30-150‹ liegt. Aber auch die drei neuen Stücke, zum Beispiel das groovige, melodische ›The Bitter End‹, unterstreichen den Band-Status.

VolbeatVolbeat
Die geborene Festival-Band: Sympathische Ansagen, markante Songs und Fangeschenke! Die Dänen kennen ihre Kern­kompetenzen. Dank ›Sad Man’s Tongue‹ und Co. kann ohnehin nichts schief gehen. Und Anfang September kommt endlich das neue Album BEYOND HELL/ABOVE HEAVEN auf den Markt!

Airbourne
Die australischen Live-Dauer­gäste überzeugen auch hier: Es wird den Riffs gehuldigt, außerdem der Sonne, dem Bier – und den Kletterküns­ten von Joel O’Keeffe, der ohne Sicherungsseil, dafür aber mit Gitarre auf dem Rücken die ca. 20 Meter hohe Traverse hochklettert. Ohne Worte.

Motörhead
Ein Partygarant, so auch heute. Selbst wenn Lemmy alkoholtechnisch extrem angeschlagen wirkt – ›Ace Of Spades‹, ›Iron Fist‹ oder ›Killed By Death‹ kriegt keiner tot.

SlashSlash
Es ist es voll vor der Center Stage: Alle hoffen auf Guns N’Roses-Hits. Die gibt’s auch – wenn auch nicht in der Masse, wie es sich die Ringrocker wohl gewünscht hätten. Die Stimmung bei den Slash-Stücken ist verhalten, obwohl stilis­tisch an ›Black Cali‹ & Co. nichts auszusetzen ist. Doch an ›Sweet Child O‘ Mine‹ oder ›Paradise City‹ kommt eben immer noch nichts ran.

Alice In Chains
Unaufgeregt, entspannt, hymnisch: Alles ist perfekt. Die Abend­sonne taucht die Alternastage in ein warmes Rot. Dazu ›Them Bones‹, ›Would?‹, ›Rooster‹: wunderschön!

Super Mario Galaxy 2

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SuperMarioGalaxy2Hüpferei in Perfektion.

Hier reist Nintendos bärtiges Maskottchen entgegen allen Gravitationsregeln durch kunterbunte Comic-Welten, sammelt auf der Jagd nach Erzfeind Bowser Münzen und Sterne ein, löst (Geschicklichkeits-)Rätsel und hüpft fantasievolle Gegner zu Mus. Zusätzlich zu Marios bewährter „Nach mehrmaligem Draufspringen gibt jeder Widersacher klein bei“-Mentalität kehrt der Italo-Klempner mit neuen (freischaltbaren) Kniffen, Kostümen und Kumpanen zurück. Der markanteste heißt Yoshi: Auf dem Rücken des Serienkennern seit zwei Dekaden bekannten Dinosauriers flitzt und schwebt Mario durch weitläufige Galaxien, zweckentfremdet ihn als Taschenlampe und Kampfgefährten. Von diesem Miteinander profitiert nicht nur der Einzel-, sondern vor allem der überarbeitete Zwei-Spieler-Koop-Modus. Auch das letztjährige NEW SUPER MARIO BROS. WII hat positiv abgefärbt: Die Level-Karte erstrahlt übersichtlicher, während häufigere 2D-Abschnitte das überwiegend dreidimensionale Jump’n’Run auflockern. Der Hilfe-Assistent hat ebenfalls Einzug gehalten, bleibt aufgrund perfekter Steuerung aber meist arbeitslos.

Richard Groothuizen – Pop TV 1960 – 1975

Groothuizen PopTV1960-1975

Pop-TV in den Niederlanden: Verblüffende Details über Musik-Shows im Land der aufgehenden Tulpen.

YouTube macht es seit geraumer Zeit möglich, dass sich Pop-Begeisterte uralte TV-Musik-Sendungen aus dem goldenen Rock’n’Roll-Zeitalter zumindest in Teilen zu Gemüte führen können. Während eine globale Auflistung noch aussteht, liefert die 186 Seiten starke Lektüre POP TV 1960 – 1975 des AVRO-Television-Archivisten Richard Groothuizen zumindest eine superb recherchierte Bestandsaufnahme des niederländischen Fernsehens. Mit Akribie sammelte Groothuizen über Dekaden hinweg Informationen über legendäre Shows wie „Top Pop“, „Eddy Ready Go“, „Twien“, „Vjoew“, „Doebidoe“ und „Fan Fan“. Seit Jahren brennende Fragen werden ausführlich beantwortet: Wann traten T. Rex erstmals im holländischen Fernsehen auf? Lief der Promoclip von ›Straw-berry Fields Forever‹ tatsächlich auf „Fanclub Fenklup“? Stimmt es, dass die Les Humphries Singers ihre weltweite TV-Premiere bei Eddy Beckers „Eddy Ready Go“ mit ›To My Father’s House‹ hatten? Wie oft waren The Move in „Jam“ zu Gast? Trat David Bowie in „Top Pop“ mit Augenklappe auf, als er ›Rebel Rebel‹ in roter Piratenkluft samt gleichfarbiger Gitarre performte?

Die beiligende, 75-minütige Doku-DVD begleitet das satte Rundum-glücklich-Paket: Da gibt es die Beatles auf ihrer Tournee 1964 mit dem kurzfristig für den erkrankten Ringo Starr eingesprungenen Jimmy Nicol zu sehen. DJ-Legende John Peel interviewt 1967 die gerade aus Australien eingetroffenen Bee Gees in idyllischem Park-Ambiente. Schlicht beeindruckend die längst vergessene Formation Flaming Youth mit dem späteren Genesis-Mitstreiter Phil Collins am Schlagzeug, ausgesucht rare Clips von den Moody Blues, The Byrds und T. Rex ergänzen den Rundumschlag. Wer wagt sich wohl an ein vergleichbares Werk mit deutschen Show-Raritäten wie „Soeben eingetroffen“, „Beat Beat Beat“, „Hör hin, schau zu“, „4 – 3 – 2 – 1 – Hot And Sweet“ und anderen?

 

Porcupine Tree – ANESTHETIZE – LIVE IN TILBURG 2008

PorcupineTreeDie zweite DVD der Proggies gerät zum Triumphzug in HD.

Hier stehen sie und können nicht anders. Steven Wilson, Colin Edwin, Gavin Harrison, Richard Barbieri und Tour-Gitarrist John Wesley zeigen sich in diesen 130 Minuten als die heimlichen Superstars des Prog – frei von Allüren, aber entspannt in dem Wissen, verdammt gut (geworden) zu sein. Kaum anders lässt es sich erklären, dass sie dem Publikum erst einmal die komplette FEAR OF A BLANK PLANET servieren, bevor sie dann die Rosinen aus dem Katalog picken.

Aufgenommen an zwei Abenden im Oktober 2008, von der sympathischen Multitasking-Krake Wilson glasklar in 5.1 gemischt, besinnt sich ANESTHETIZE auf die eigentliche Tugend des Konzertmitschnitts: Vergiss Gimmicks und Eier-suche im Menü, bleib beim Wesentlichen.

So zeigt Regisseur Lasse Hoile dann auch nicht weniger, als wie akribisch hier Musik entsteht. Die Kameras kriechen ganz nah an die Musiker heran, gucken Mikros hinauf und in Drums hinein, statt mit Gekreisch und offenmäuligem Publikum zu nerven, und für manche von Hoiles Kameraeinstellungen würden gestandene Konzertfotografen töten. Zu gleichen Teilen Eitelkeit und Understatement – bei Porcupine Tree liegt darin nun mal kein Widerspruch.

Molly Hatchet

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SONY DSCRockiger Aufruf für mehr Gerechtigkeit.

Für Bobby Ingram sind Begriffe wie „Fürsorge“, „Treue“ oder „Solidarität“ keine leeren Hülsen. Der Gitarrist und Haupt-Songschreiber von Molly Hatchet ist Mitglied der »Southern Community«, zu denen auch Bands wie Lynyrd Skynyrd oder die Allman Brothers zählen. Sie alle teilen nicht nur einen ähnlichen Musikgeschmack, sondern auch die Lebensphilosophie eines familiären Miteinanders. Wer zum erweiterten Kreis dazu gehört, kann sich auf absolute Loyalität verlassen, besonders in Krisen: „Wir sind unserer Plattenfirma trotz ihrer wirtschaftlichen Probleme treu geblieben, weil sie unsere Freunde sind und immer zu Molly Hatchet gestanden haben“, erklärt Ingram die fünf Jahre zwischen der letzten Veröffentlichung und dem neuen Werk JUSTICE.

Das aktuelle Album entschädigt mit einem knappen Dutzend handfester Southern Rock-Hymnen, die geschickt auf die Reibeisenstimme von Sänger Phil McCormack zugeschnitten sind und in gewohnter Weise den ausgeprägten Gerechtigkeitssinn der amerikanischen Südstaatenrocker artikuliert. In Titelsong beispielsweise heißt es: „We need some justice to make the wrong into right“.

Aber es gibt noch einen weiteren Grund für die Verzögerung: Mitten während der Produktion zu WARRIORS OF THE RAINBOW BRIDGE (2005) verstarb überraschend Ingrams Ehefrau Stephanie: „Sie war quasi Bandmitglied und kümmerte sich um viele Dinge hinter den Kulissen. Das alles musste erst neu organisiert werden. Aber ich habe dennoch viel gelernt in dieser Zeit: Ich merkte, wie viel Schmerz ich ertragen kann. Wichtig war in dieser Zeit der Trost, den mir Freunde zusprachen.“

Eine solche Hilfe lassen Ingram und Molly Hatchet zurzeit auch einer Familie in Florida zukommen, deren siebenjährige Tochter entführt und auf grausame Weise ermordet wurde. Zu ihrem Gedenken hat die Band das Lied ›Fly On Wings Of Angels (Somer’s Song)‹ geschrieben, in dem die Schwester des Opfers zu hören ist. Zeitgleich stellten sich Molly Hatchet für ein Benefizkonzert zur Verfügung, bei dem Gelder für die neu gegründete „Somer Thompson Stiftung“ gesammelt wurden. Deren Ziel ist es, die Polizei bei der schnellen Ergreifung des Täters zu unterstützen. Ingram erklärt: „Die Eltern des Mädchens luden mich zu sich ein. Es war erschreckend zu sehen, wie viel Presse vor dem Haus herumlungerte. Ich nahm die Mutter in den Arm und sagte ihr: ‚Ich kenne das Gefühl, ich habe selbst Tragödien erlebt. Nicht eine so schreckliche wie eure, aber ich kann nachvoll-ziehen, wie euch zumute ist. Ich stehe euch zur Seite.‘ Fast jeden Tag rufe ich sie an, wir sammeln Spendengelder, veranstalteten Benefizkonzerte.“ Das ist es, was Bobby Ingram mit der Fürsorge und Solidarität meint, von der seine Band auf JUSTICE singt.

Matthias Mineur

Francis Rossi

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FrancisRossi2Altern in Würde? Klar, aber keinesfalls ohne Groove.

Sechzig Jahre ist er alt und mitt­lerweile zum „Officer Of The British Empire“ geadelt. Was ihn womöglich darüber hinweg tröstet, dass sein lang­jähriges Markenzeichen – der Pferdeschwanz – aufgrund dramatischer Ausdünnung dran glauben musste. Rossi nimmt’s mit Humor: „Ich habe beschlossen, in Würde zu altern“. Nach weltweit 118 Millionen verkauften Status-Quo-Alben könnte er sich jetzt getrost zurücklehnen, das Leben auf dem Lande genießen und die Telecaster dekorativ übers Sofa dübeln. Was aber ganz offensichtlich nicht zur Diskussion steht.

2011 wird es ein neues Status-Quo-Album geben, und Anfang Mai erscheint sein zweites Solowerk. „Ich höre nie auf, Songs zu schreiben, und über die Jahre haben sich einige Exemplare angesammelt, die einfach nicht zu Status Quo passen“, erklärt Rossi das Konzept hinter ONE STEP AT A TIME. Und irrt, bei allem Respekt, ganz gewaltig: Die zehn Songs würden nämlich jedem jüngeren Album seiner Band zur Ehre gereichen, denn Herr Rossi klingt solo im Prinzip nicht viel anders als in Kombination mit Rick Parfitt und dem Rest der Gang. Will heißen: Gitarren-Boogie, Shuffle-Beats und jene Sorte Rock’n’Roll, die im Pub um die Ecke den Ale-Konsum fördert, ohne beim Dartspielen allzu sehr zu stören. Charmant ist das, sehr britisch, sehr gelassen und von großer Herzlich­keit.
Dass sich Rossi auch in fremder Umgebung gut zurechtfindet, beweist die folkig angehauchte, semi-hymnische Pianoballade ›One Step‹; dass er von seiner Stammband dann doch nicht so einfach lassen kann, lässt sein Remake des 1973er-Hits ›Caroline‹vom legendären Status-Quo-Album HELLO! vermuten.

Aber wie könnte es auch anders sein? Francis Michael Nicholas Dominic Rossi, 1949 als Sohn eines Italieners und einer Irin in London geboren, gründete The Spectres im Jahr 1962, fünf Jahre später ging die Combo fast nahtlos in Status Quo über. Musiker kamen und gingen, doch Rossi blieb bis heute die einzige Konstante. So was nennt man dann wohl eine Lebensaufgabe, Solo-Album hin oder her.

Uwe Schleifenbaum