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Start Blog Seite 122

PJ Harvey: I INSIDE THE OLD YEAR DYING

Comeback einer großen Dame in körniger Zeitlupe

Das zuerst: PJ Harvey ist ‘ne Göttin. Als furioser Independent-Blues-Banshee, als feminine Natur-gewalt, als spröde, ätherische Norne hat die Südengländerin seit ihrem Debüt DRY (1992) ein Werk geschaffen, das strahlend für sich steht wie ein Leuchtturm in der Brandung. Bestenfalls Kate Bush kann da als wandelbare Künstlerin und Charakterkopf mithalten. Die 2010er Jahre standen für die Streitbare im Zeichen schwerwiegender, konkreter Themen: LET ENGLAND SHAKE (2011) und THE HOPE SIX DEMOLITION PROJECT (2016) behandelten das damalige Kriegsgeschehen der Welt, die britische Beteiligung daran sowie Washingtons Innen- und Außenpolitik. Ihre Zehnte ist das Gegenteil zu diesen Vorgängern. Nach langer Pause ist Polly Jeans Rückkehr eine introspektive, intime, minimalistisch-sphärische Platte der Stille und der Nuancen. Eine in sich geschlossene Klangwelt der Andeutung und der Poesie, geprägt von trocken-kargen, aber auch wollig-wärmenden Arrangements – und als Gesamtpaket, wie könnte es anders sein, so faszinierend wie alles, was die Dame anfasst.

8 von 10 Punkten

PJ Harvey
I INSIDE THE OLD YEAR DYING
PIAS/PARTISAN/ROUGH TRADE

Buckcherry – Bis zur Zehnten und immer weiter!

Nicht viele Bands, die sich in den 90er Jahren gegründet haben, um die Fahne des Rock’n’Roll nach der übermächtigen Grunge-Explosion weiter hochzuhalten, schaffen es bis zu ihrem zehnten Album. Auch bei Buckcherry sah es zwischenzeitlich so aus, als würden sie an den Drogen, den Umständen, den Querelen zerbrechen, doch Frontmann und tätowiertes Aushängeschild Josh Todd hat irgendwie immer einen Weg gefunden, seine Formation am Leben zu halten. In den letzten Jahren surft die Truppe aus L.A., aktuell komplettiert von Stevie D (Gitarre), Billy Rowe (Gitarre), Kelly LeMieux (Bass) and Francis Ruiz (Drums), auf einer grandiosen Welle: ihr letztes Album HELLBOUND (2021) erwies sich als ein großartiges Stück Rock’n’Roll und auch auf ihrem brandneuen VOL. 10 läuft die Band zur Höchstform auf. Im Zoom-Interview erklärt Josh Todd alles Wichtige zur neuen Platte.

Fühlten sich die Arbeiten an deiner zehnten Buckcherry-Platte anders an als sonst?

Das war schon sehr besonders, nicht alle Bands schaffen es, zehn Platten zu veröffentlichen. Wir haben hart gearbeitet und viel Spaß gehabt. Ich finde, das merkt man auch. Natürlich muss man auch sagen, dass die Voraussetzungen ganz anders waren als bei HELLBOUND. An letzterem arbeiteten wir zu Beginn der Pandemie, als die Hölle losbrach. Deswegen ist VOL. 10 wohl auch etwas erbaulicher geraten als sein Vorgänger.

Wie kam VOL. 10 also genau zustande?

Wir hatten viele Ideen von den HELLBOUND-Sessions übrig, außerdem sammelten Stevie und ich zwischen den Touren viele Songs an. Dann flogen wir zu unserem Produzenten Marti [Frederiksen] nach Nashville – dort sind in neun Tagen neun Songs entstanden. Ein echter Marathon! Acht der zehn neuen Tracks aus diesen Sessions sind auf der Platte gelandet, zwei stammen aus HELLBOUND-Zeiten: ›This Or That‹ und ›Turn It On‹.

Das ist ja ein irrer Output, wie können wir uns den Workflow vorstellen?

Ich hatte Marti von Anfang an gesagt, dass ich die neue Platte in zwei Wochen fertigstellen will. Er meinte nur: ‚Das können wir nicht machen‘. Und ich nur: ‚Doch, klar können wir.‘ (lacht) Also haben wir’s durchgezogen. Ich sang vormittags, danach arbeiteten Stevie und Marti an den Arrangements, die sie mir am frühen Abend schickten. Über Nacht schrieb ich die Texte und sang am nächsten Vormittag wieder ein. So lief das neun Tage lang.

Klingt intensiv, man ist ziemlich „in the zone“, oder?

Wenn ich an einer Platte arbeite, will ich nicht mehr aufhören, bevor sie fertig ist. Wenn die Türe einmal offen ist, kann ich in einem irren Modus arbeiten. Wir sind Songwriter, Marti kann das auch. Er tut nichts anderes als Schreiben und Produzieren. Wenn wir zusammenkommen, sind wir auf einem ganz hohen Level, ständig auf Abruf und in Alarmbereitschaft. Ich sauge alles auf, lerne immer noch sehr viel und gebe mein Bestes.

Löst so ein zehntes Album eine gewisse Nostalgie aus?

Nein, nicht wirklich. Klar haben wir gewisse Muster, zu denen wir immer mal wieder zurückkehren, so funktionieren wir einfach. Ich bin beispielsweise ein riesiger Fan von Def Leppards HYSTERIA…

Ich wollte gerade fragen, ob ihr mit ›Feels Like Love‹ euer eigenes ›Hysteria‹ geschaffen habt!

(lacht) Volltreffer, ja haben wir! Genau das wollte ich, genau das haben Marti und Stevie geliefert. Ich hatte bereits eine Melodie und einen Text, doch Marti brachte einen anderen Vorschlag, der eindeutig besser war, also orientierte ich mich daran. Dieser Song ist vor allem live richtig großartig.

Ich dachte schon, du killst mich, wenn ich sage „das klingt total nach ›Hysteria‹.

Nein, so arbeiten wir nun mal. Wir lassen uns von anderen Bands inspirieren, um einen Funken loszutreten, um eine Idee zu zünden. Damals bei HELLBOUND schickten sie mir all diese verschiedenen Tracks und ich meinte nur: ‚Wo zur Hölle ist mein AC/DC-Song?‘ (lacht) Und dann kamen sie mit ›Hellbound‹ um die Ecke!

Obwohl ihr Party-Rock’n’Roll zelebriert, streut ihr auch immer Tiefgründigkeit mit ein. Wie den neuen Song ›Pain‹. Ist Schmerz ein konstanter Begleiter in deinem Leben?

Ja, ist er, auch wenn ich hier sitzen und nett mit dir plaudern kann. Unterm Strich gehen viele Dinge in mir vor und dieser Song ist sehr persönlich. ›Pain‹ entstand, weil ich Martis Piano sah und sagte: ‚Schreib mir den traurigsten Klavier-Song, den man sich vorstellen kann.‘ Und er schickte am vorletzten Tag ganz nebenbei zwei kurze Piano-Parts, etwas ganz anderes, als jetzt auf der Platte ist. Dann entstand der Text recht spontan. Ich war zu dem Zeitpunkt gerade an einem dunklen Ort, ohne ins Detail gehen zu wollen. In meinem Leben sind Dinge passiert, über die ich nicht spreche. Wir hatten einen kleinen Streit im Studio, der vieles wieder hochbrachte und ich war schlecht gelaunt. Die Lyrics für ›Pain‹ entstanden eben am vorletzten Tag, und weil ich gerade echten Schmerz empfand, schrieb sich der Text wie von selbst. Ich trug ihn den anderen am nächsten Tag im Studio vor, sang den Chorus jedoch im Falsett und Marti und mir war schnell klar, dass es so nicht passte. Also versuchte ich es nochmal in meiner normalen Tonlage und wir waren von den Socken! Über Nacht hatte er den Song dann komplett fertiggestellt. Er meinte nur: ‚das ist jetzt wie Buckcherrys ›November Rain‹.‘ Ursprünglich wollte ich nur einen kleinen Piano-Gesangs-Hidden-Track machen, daraus ist so viel mehr geworden.

Du hast ja schon gesagt: Nicht viele Bands machen es so lange wie Buckcherry. Tipps und Ratschläge?

Es ist super schwer, das Original-Line-Up zusammenzuhalten. Der Schlüssel zum Erfolg ist, die Banddynamik angenehm zu gestalten, damit man den Rest – das Touren, die Beziehungen zum Management, zum Label etc. – besser aushält. Es klingt fies, aber man muss sich von Leuten trennen, die toxisch fürs Team werden. Egal, wie man es dreht und wendet: Sobald du Erfolg hast, wird eine Band zum Business. Und so muss man es mit jedem Business machen, weil ein giftiger Samen das ganze Gebilde verpesten kann. Immer, wenn wir uns aus Gründen von Mitgliedern verabschiedet haben, erreichte Buckcherry ein neues Niveau. Für mich war das eine gute Lektion. Natürlich ist das nicht so, wie man sich das Bandleben am Anfang vorstellt. Aber 24 Jahre nach unserem Debüt weiß ich einfach, wie hart der Weg sein kann – Scheiße wie Pandemien, das sterbende Rock-Genre, die sinkenden Plattenverkäufe halten dich auf Trab. Da muss man es sich nicht auch noch schwer machen mit Bandmitgliedern, mit denen man nicht mehr gut auskommt.

CLASSIC ROCK präsentiert: Wolfmother live!

Mit seinem jüngsten Album ROCK OUT im Gepäck geht Andrew Stockdale mit seinem Projekt Wolfmother nun endlich wieder auf Tour. Der Charme dieser jüngsten Platte, die Wucht dieser so leichthin produzierten Rock-Gitarren-Tracks lassen sich vor allem live wunderbar fühlen. Im Sommer kommen Wolfmother deshalb nach der Pandemie nach Deutschland, mit den größten Stücken der alten Alben, neuem Material und natürlich mit dem lauten Ausruf „Rock Out!

Am 17. April gibt es Tickets an allen bekannten Vorverkaufsstellen für die Tournee.

Wolfmother live erleben:

13.07.23 Berlin – Huxleys

14.07.23 Frankfurt – Batschkapp

15.07.23 Dresden – Alter Schlachthof

16.07.23 Hannover – Musikzentrum

CLASSIC ROCK präsentiert: The Sisters Of Mercy, Phil Campbell, Larkin Poe und viele mehr live!

THE ANALOGUES
wizpro.com
The Analogues, die wohl beste Beatles-Tribute-Band überhaupt, gehen 2023 wieder auf große Tournee durch Deutschland und präsentieren ihr Live-Programm “Hello Goodbye: The Very Best Of The Studio Years.”

07.10. Frankfurt, Jahrhunderthalle
09.10. München, Circus Krone
10.10. Stuttgart, Liederhalle
12.10. Düsseldorf, Mitsubishi Electric Hall
13.10. Hamburg, Barclays Arena
14.10. Berlin, Verti Music Hall

MATT ANDERSEN

07.10. Düsseldorf, Savoy-Theater
08.10. Osnabrück, Rosenhof
11.10. Berlin, Passionskirche
12.10. Hamburg, Pop Seasons

ELLES BAILEY
fkpscorpio.com
Für ihre Headliner-Tour kommt die Americana- und Blues-Rock-Künstlerin im November nach Deutschland.

25.11. Berlin, Quasimodo
26.11. Hamburg, Nochtspeicher
27.11. Aschaffenburg, Colos-Saal
28.11. Köln, Gebäude 9

BLACK MIRRORS
blackmirrors.net
Die belgische Formation um Gesangswunder Marcella Di Troia ist ein echter Live-Geheimtipp.

26.10. Köln, Helios37
02.11. München, Backstage Club
03.11. Weinheim, Café Central
04.11. CH – Zürich, Werk 21
16.11. Münster, Sputnikcafé
17.11. Hamburg, Hafenklang
18.11. Berlin, Urban Spree
30.11. Nürnberg, der Cult
01.12. Dresden, Puschkin

Black Mirrors Press 2022

PHIL CAMPBELL & THE BASTARD SONS
philcampbell.net
Ab September fegt Motörhead-Mann Phil Campbell zusammen mit seinen Bastard Sons durch die Clubs.

21.09. Essen, Turock
22.09. Neuenstadt am Kocher, Stadthalle Neuenstadt
23.09. Aachen, Musikbunker
29.09. München, Backstage Werk
01.10. Aschaffenburg, Colos-Saal
05.10. Hamburg, Uebel & Gefährlich
06.10. Berlin, Frannz
07.10. Münster, Sputnikhalle

ERIK COHEN
royalanker.de
Daniel Geiger alias Erik Cohen bereist auf seiner „True Blue“ Tour 2023 das Land.

07.09. Frankfurt, Nachtleben
08.09. München, Backstage Halle
09.09. Leipzig, Naumanns (Felsenkeller)
29.09. Hannover, Béi Chéz Heinz
30.09. Berlin, Cassiopeia
27.10. Münster, Sputnik Café
28.10. Köln, Gebäude 9
09.12. Hamburg, Logo

CHARLEY CROCKETT
charleycrockett.com
„The Man From Waco“ kommt mit seiner American Roots Music im Herbst auf Tour. Die Gelegenheit sollte man dringend nutzen, allzu oft nimmt der Künstler den weiten Weg von Texas nach Europa nämlich nicht auf sich!

15.09.2023 Hamburg, Mojo Club
17.09.2023 Frankfurt, Batschkapp
18.09.2023 Berlin, Metropol

DIRE STRAITS LEGACY
wizpro.com
Original-Dire-Straits-Mitglied Alan Clark zelebriert zusammen mit weiteren Dire-Straits-Wegbegleitern wie Phil Palmer, Mel Collins, Danny Cummings und Jack Sonni das Erbe seiner großartigen Band. Die Shows in Deutschland sind das Debüt der Truppe hierzulande!

04.09. München, Circus Krone
05.09. Stuttgart, Beethovensaal
06.09. Köln, LMH
07.09. Leipzig, Parkbühne

EUROPE
europetheband.com
Die schwedischen Hard Rocker gehen 2023 auf Jubiläumstour, um ihr 40-jähriges Bestehen mit vielen Hits zu feiern.

04.10. Stuttgart, Theaterhaus
05.10. München, Circus Krone
06.10. Berlin, Admiralspalast

DAVE HAUSE
fkpscorpio.com
Im Januar kommt Dave Hause auf große Deutschlandtour mit sechs akustischen
Konzerten in Kulturkirchen und intimer Atmosphäre.

25.01.2024 Leipzig, UT Connewitz
26.01.2024 Berlin, Passionskirche
27.01.2024 Hamburg, Christianskirche
30.01.2024 Köln, Kulturkirche
09.02.2024 Oberhausen, Ebertbad
10.02.2024 München, St. Matthäuskirche

THE HEAVY
fkpscorpio.com
Langeweile? Gibt’s bei The Heavy garantiert nicht! Die Briten sind die perfekten Energielieferanten – mit ihrem fiebrigen Sound zwischen Funk, Rock, Soul, HipHop und Punk.

09.09. Köln, Kantine
10.09. Berlin, Metropol

Larkin Poe: So sah es bei ihrer Show in Ulm aus

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Am 28. Juni spielten Larkin Poe am Ulmer Zeltfestival. Unser Fotograf Frank Witzelmaier hat die zauberhafte Show der Künstlerinnen für euch festgehalten. Übrigens: Die begnadeten Roots-Rock-Schwestern Rebecca und Megan Lovell kommen im Herbst nochmal auf Clubtournee durch Deutschland an folgenden Terminen:

11.10. Hamburg, Große Freiheit 36

23.10. Köln, E-Werk

30.10. München, Circus Krone

01.11. Berlin, Huxleys

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Marek Arnold: Neues Album am 14. Juli

Am 14. Juli erscheint MAREK ARNOLD’S ARTROCK PROJECT, das neue Album von Marek Arnold und zahlreichen Kollegen, mit denen der Künstler kollaboriert. Schon zuvor gab es die am 26. Juni erschienene EP mit dem Titel STAY zu hören, welche die Reichenbach-Artrock-Festival Hymne ‘Stay’ in zwei Versionen enthält. Marek Arnold dazu: „Ich konnte für die Soli so geschätzte Kollege wie Kalle Wallner (RPWL), Marcella Arganese, Steve Unruh, Gary Chandler (Jadis), Stephan Pankow und Martin Schnella gewinnen. Für die komplette Albumversion haben wir auch einer KI (Künstliche Intelligenz) Vorgaben gemacht und ein Video kreieren lassen. Es ist aufregend, aber auch beängstigend zu sehen, wie spannend und kurzweilig die KI das schon gestalten kann.“

Das Album dann wird sich zwischen Artrock, Prog Metal und Canterbury bewegen und unter anderem mit einer 26-minütigen Progrock-Suite sowie zwei neu arrangierten Klassikern aus Arnolds bisheriger Karriere, eingespielt mit einer Vielzahl namhafter Gastmusiker, glänzen.

Unter Kollaborationspartnern befinden sich nicht nur weltberühmte Schlagzeuger wie Marco Minnemann (The Aristocrats, Steven Wilson), Craig Blundell (Pendragon, Steve Hackett), John Macaluso (Symphony X, Yngwie Malmsteen), Niklas Kahl (Lord Of The Lost) und Sebastian Lanser (Panzerballett), sondern unter anderem auch der amerikanische Ausnahme-Keyboarder Derek Sherinian (Dream Theater, Sons Of Apollo, Planet X, Black Country Communion) und sein Kollege Adam Holzman (Miles Davis, Steven Wilson, Michel Petrucciani), dazu die Gitarristen Kalle Wallner (RPWL), Gary Chandler (Jadis) und Luke Machin (The Tangent) sowie erstklassige Vokalisten á la Peter Jones (Camel), Arno Menses (Sieges Even, Subsignal), Manuel Schmid (Stern Combo Meissen) oder Larry B. (Toxic Smile).

Rival Sons – „Die Maschine namens Rival Sons“

Nach Ansicht der Autorin dieses Textes, sollten die Rival Sons die größte Rockband der 2000er Jahre sein. Die Band aus Long Beach hat alles, was eine Gruppe in den 70er Jahren noch unverzüglich auf den Olymp des Rock’n’Roll katapultiert hat: die Songs, das Talent, den Sound, die Persönlichkeiten, das Aussehen und mit Jay Buchanan einen Frontmann vom Format eines Plant oder Morrison, dessen unvergleichliche Stimme alles, aber wirklich alles und jeden, in Grund und Boden singt. Hinzu kommen die Studioalben, auf denen sich die Rival Sons ständig weiterentwickeln und inzwischen einen Sound gefunden haben, der jegliche „erinnert an“-Vergleiche obsolet werden lässt. Die Truppe klingt von Platte zu Platte anders und doch klar nach den Rival Sons. So auch auf ihrem neuen Album DARKFIGHTER, einem theatralischen Werk mit tiefschürfenden Texten und großartigen Strukturen, dessen Intensität einem wiederholt Gänsehaut über den Körper jagt. Im Interview plaudert ein gut aufgelegter Scott Holiday (alias Mr. Fuzzlord) über die Entstehung von DARKFIGHTER, das noch in diesem Jahr erscheinende, zugehörige zweite Album LIGHTBRINGER und die Position der Rival Sons in der zeitgenössischen Rockmusiklandschaft.

Was hat die Pandemie mit einer Live-Band wie den Rival Sons gemacht?

Wir waren am Ende des Albumzyklus von FERAL ROOTS und wollten noch eine Kampagne für die Single ›Shooting Stars‹ starten, doch die Pandemie hatte alles lahmgelegt. Wir mussten den Rest der Tour canceln, zuhause bleiben. Dann mussten wir eine weitere Tour absagen und das, wo wir nur durch das Touren überleben können. Also wurde uns schnell klar, dass wir uns sofort an die nächste Platte machen mussten. Auch das war schwierig, man durfte sich ja lange Zeit nicht mal im Studio treffen und das uns, einer Band, die eigentlich innerhalb von dreißig Tagen ein Album schreibt, einspielt, mischt und mastert. Der Prozess zu DARKFIGHTER zog sich diesmal über die ganze Pandemie. Wir schrieben, schickten Dateien herum, trafen uns eine Woche im Studio, gingen nachhause, schrieben weiter.

Wie hoch war dein Frustrations-Level zu dieser Zeit?

Als wir anfingen, Songs zu schreiben, hatte sich meine musikalische Frustration wieder gelegt. Doch menschlich gesehen sind in den letzten Jahren viele schlimme Dinge in meinem Land passiert, ein Tiefpunkt für Amerika, für die Welt. Ihr in Europa habt den Brexit überstanden, wir Donald Trump. Da denkt man sich schon: ‚Jesus Christus, wie soll das nur weitergehen?‘ George Floyd, die Pandemie, der Sturm aufs Capitol. Fuck! Wie in einem schlechten Film! (lacht) Die ganze verdammte Welt hatte den verdammten Verstand verloren! Aber am Ende muss man sagen: so etwas ist immerhin großartiges Futter für die Kunst. Sie reflektiert das Zeitgeschehen. Und irgendwo ist es unsere Aufgabe, die Menschen zum Nachdenken zu bringen und/oder sie in einen anderen Geisteszustand zu versetzen.

Denkst du, die zusätzliche Zeit war der Qualität von DARKFIGHTER zuträglich?

Ich denke schon, weil es sehr gesund sein kann, auch mal etwas auszuprobieren. Wir haben viele unserer Platten sehr schnell gemacht. Bei FERAL ROOTS haben wir uns etwas mehr Zeit genommen, mit DARKFIGHTER konnten wir viel nachdenken, vor allem über die Aussagen, die wir treffen wollten. Jay hatte einiges auf dem Herzen, das er loswerden wollte. Und ich konnte viele verschiedene Texturen beim Songwriting ausprobieren.

Meine Eindrücke beim Hören: DARKFIGHTER ist – auch textlich – ziemlich intensiv. Im Grundtenor düsterer, streckenweise recht schwer, im Gesamteindruck recht theatralisch.

Jays und meine Themen haben sich durch die schweren Zeiten sicherlich in etwas dunklere Gefilde bewegt. Trotzdem können wir es nicht ausstehen, wenn Kunst allzu vorhersehbar wird. Nach dem Motto: ‚Bitte Leute, sagt nicht das Wort „Pandemie“ in einem Song‘, weißt du! (lacht) Das wäre uns etwas zu klischeehaft, wobei die damit zusammenhängende Gefühle trotzdem durch das ganze Album schwingen. Wir wollten die Hörenden durch die Dunkelheit führen und das Licht am Ende des Tunnels aufzeigen. Die Uneinigkeit, die Streits und Kriege, die ganze Dunkelheit muss bekämpft werden. Deswegen der Titel. Wir als Menschheit müssen da gestärkt raus gehen!

Ist DARKFIGHTER eine Konzeptplatte?

Auch wenn wir nicht mit dieser Idee an die Platte herangegangen sind, ist DARKFIGHTER im Grunde recht konzeptuell angelegt, wie jedoch meiner Meinung nach viele unserer bisherigen Alben. Zumindest gibt es bei den meisten einen roten Faden und das hat sich in den letzten Jahren immer weiter verstärkt bis zu dem Punkt, wo DARKFIGHTER jetzt thematisch sehr stringent ist und dann ja auch noch mit dem zweiten Teil, LIGHTBRINGER, zusammengehört.

Wann hat sich herauskristallisiert, dass es zwei Alben werden?

Beim Songwriting vermischen Jay und ich meine Erdnussbutter und seine Schokolade zu schmackhaften Süßigkeiten. (lacht) Wir hatten dann eine Sammlung an guten Liedern, die wir so stark wie möglich zusammengekürzt hatten, immer im Hinblick darauf, wie viel Raum und Platz die Songs brauchen, um sich hörerfreundlich, aber mit der ganzen Botschaft entfalten zu können. Wenn eine Platte zu aufgebläht ist, können Konzept und Interesse schnell verloren gehen. Wir leben in einer Welt, in der die Aufmerksamkeitsspanne immer kürzer wird. Schau dir doch an, was sich viele Leute heutzutage am liebsten geben: 30-Sekunden-Clips, kleine Snacks. Ich saß schon mit Menschen zusammen, die mir Musik zeigen wollten und mir nur kleine Schnipsel vorspielten. So etwas treibt mich in den Wahnsinn, ich konnte überhaupt nicht hören, wohin der Song überhaupt geht! Das im Hinterkopf behaltend: Wir hatten etwa eine Stunde und 15 Minuten an Musik und das ist sogar mir zu viel für ein Album. Doch unserer Ansicht nach waren darin alle Songs enthalten, die es braucht, um die Geschichte zu erzählen. Also machten wir zwei Stück daraus, die pro LP etwa 32 Minuten dauern. Genauso lange, wie die meisten meiner Lieblingsplatten aus den 70ern, ganz einfach, weil diese Zeitspanne genau auf Vinyl passt.

Was sind deine persönlichen Ansprüche an jede neue Platte?

Wir wollen uns musikalisch nicht wiederholen, also suche ich als Gitarrist nach neuen Sounds, die wir zuvor noch nie verwendet haben. Ich baue neue Gitarren, ich sammle neue Effekte, neue Gadgets. Das ist einer meiner Standards – es soll nach den Rival Sons klingen, aber doch ganz anders. Eigentlich muss ich mein Live-Set-Up nach fast jedem Album komplett erneuern.

Ich finde ja, du hast einen sehr hohen Wiedererkennungswert beim Spielen!

Vielen Dank, es ist sehr schön, so etwas zu hören! Wie gesagt, ich beschäftige mich sehr viel mit verschiedenen Sounds und so ist es für mich manchmal sogar echt schwierig, einige der alten Nummern live zu spielen, auch wenn wir die Lieder spielen müssen, weil sie die Leute hören wollen. Wir treten ja nicht für uns selbst auf, sondern für unsere Fans. Im Grunde möchte ich ein unterstützender Gitarrist sein, ich sehe Musik als Spiel von Texturen. Dazu gehören auch Solos, aber die Klanglandschaften – oder auch einfach mal Stille – stehen für mich im Vordergrund. Manchmal braucht es nur einen Ton, um etwas auszusagen. Weniger ist für mich meist mehr.

Textlich geht es oft um das Thema Identiät – hat das etwas mit eurer Lebensmitte zu tun?

Ich möchte jetzt definitiv nicht sagen, dass Jay eine Midlife-Crisis hat. (lacht)

Ich habe das Wort „Krise“ extra nicht verwendet, weil ich darauf gar nicht hinaus wollte!

Ich bin sehr stolz auf meinen Partner, wie er sich und seine Kunst weiterentwickelt. Schon als ich ihn zum ersten Mal getroffen habe, war er ein unfassbar guter Song- und Texteschreiber, auf DARKFIGHTER hat er nochmal ein neues Level erklommen. Mit seinen Lyrics zu ›Rapture‹ oder ›Darkside‹ hat er mich sofort berührt. Er trägt sein Herz auf der Zunge und darum geht es doch, wenn man ehrliche Kunst macht. Ich kann es gar nicht erwarten, diese Nummern endlich live zu spielen, ihm bei der Performance zuzusehen und die Reaktionen des Publikums zu erleben. Wir beide wissen, dass Jay auf der Bühne aufblüht, dass die Rival Sons die Songs live in andere Sphären heben. Das liegt nicht in unserer Hand, das hat mit den Fans zu tun. Erst da verstehen wir meistens, was wir erschaffen haben.

Was ist der größte Unterschied zwischen euch heute und den Sons zu PRESSURE AND TIME-Zeiten?

Wir sind erfahrener. Diese Erfahrung kann man nicht faken oder auf Abkürzungen erlangen, man muss sie machen. Wir lernen uns besser kennen, unseren Produzenten, unsere Fähigkeiten. Wir entwickeln uns, werden gefühlt alle paar Jahre zu anderen Menschen, da muss unsere Kunst mitgehen. Wir haben heute andere Distinktionsmerkmale als damals, sind selbstbewusster geworden. Unsere frühen Alben haben eine sehr komplexe Maschinerie eröffnet, von der wir damals noch gar nicht genau wussten, was sie alles mit sich bringt. Wir verstehen die Maschine namens Rival Sons heute viel besser als früher.

Ist in der Rockmusiklandschaft noch Raum für Wachstum für eine Band wie die Rival Sons?

Ich spiele Gitarre, um zu überleben – da ist von Grund auf eine gewisse Enttäuschung in meiner Persönlichkeitsstruktur angelegt! (lacht) Ich denke, wir können weiterwachsen, auch wenn die Ökonomie heute komisch funktioniert. Menschen werden nicht mehr berühmt, weil sie etwas gut können, sondern weil sie in einem Tik-Tok-Video lipsyncen. Manche Künstler wurden nur wegen eines TikToks bekannt, nicht wegen ihrer grandiosen Musik. Das wird uns wahrscheinlich nicht passieren. (lacht) Wir arbeiten uns eher von Tour zu Tour eine Autogröße nach oben. Von einem Van schrittweise zum Nightliner. So sind wir nun mal und so sind wir hierher gekommen. Wäre es schön, wenn wir mehr Erfolg hätten? Ja klar! Aber trotzdem glauben wir fest an das, was wir tun.

Video der Woche: Blondie ›Union City Blue‹

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Happy Birthday Debbie Harry! Die Frontfrau von Blondie feiert heute ihr 78. Wiegenfest.

Mit der von ihr mitbegründeten New-Wave-Formation Blondie feierte Debbie Harry in den späten 70ern und frühen 80er viele Erfolge.

›Union City Blue‹ stammt aus EAT TO THE BEAT, dem vierten Album der Band. Textlich bezieht sich der Song auf Harrys Erfahrungen während des Drehs zum Film „Union City“ (1980), in dem sie die weibliche Hauptrolle spielt. Das Video wurde am Union Dry Dock in Weehawken, New Jersey gedreht.