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Ozzy Osbourne: Sagt bei „Powertrip“-Festival ab

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Zwischen 6. und 8. Oktober findet das „Powertrip“-Festival in Kalifornien statt. Bei dem Event werden AC/DC, Guns N‘ Roses, Iron Maiden, Metallica und Tool auftreten. Auch Ozzy Osbourne war für das Line-Up bestätigt, obwohl der Prince Of Darkness zuletzt seine Europatour abgesagt hatte, weil er körperlich für lange Tourneen nicht mehr fit genug ist.

Doch jetzt verkündete Osbourne, dass er beim „Powertrip“ nicht auf der Bühne stehen können werde. Auf Instagram schrieb er: „Ursprünglich wollte ich im Sommer 2024 auf die Bühne zurückkehren und als das Angebot für das Festival reinkam, nahm ich es optimistisch an. Leider sagt mir mein Körper, dass ich noch nicht so weit bin und ich bin viel zu stolz, als dass ich meine erste Show in fast fünf Jahren nur halbherzig durchziehen könnte. Die Band, die mich bei „Powertrip“ ersetzen wird, wird bald verkündet. Sie sind meine Freunde und ich kann euch versprechen, dass ihr nicht enttäuscht sein werdet. Vor allem möchte ich meinen Fans, meiner Band und meiner Crew für ihre uneingeschränkte Loyalität und Unterstützung danken.“

Ghost: Neues Cover von ›Stay‹ feat. Patrick Wilson

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Vor kurzem veröffentlichten Ghost ihr Cover des Shakespear’s Sister-Songs ›Stay‹, der ursprünglich im Jahr 1992 erschien und damals u.a. einen Brit Award gewann. Das Cover entstand in Zusammenarbeit mit Patrick Wilson, seines Zeichens Schauspieler, Regisseur und Sänger, der schon in zahlreichen Musical-Produktionen und Filmen mitgewirkt hat.

2023 erschien mit dem Horrorstreifen „Insidious: The Red Door“ das Regie-Debüt von Wilson, die Single, die der Ghost-Fan gemeinsam mit Tobias Forge aufgenommen hat, stellt den Schlusssong des Film-Soundtracks dar.

High South: Da waren’s nur noch zwei

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Pünktlich zum zehnjährigen Band-Jubiläum veröffentlichen High South ihr fünftes Album FEEL THIS GOOD. Obwohl sich die Rahmenbedingungen sehr verändert haben, bleibt der Act weiterhin solide auf Retro-Kurs. Wir gingen auf Tuchfühlung.

Ihr habt als Quartett begonnen, in Trio-Formation weitergemacht – jetzt seid ihr nur noch zu zweit. Der nächste logische Schritt ist, dass ihr zwei Solo-Karrieren einschlagt: Der eine kann sich ja „High“ und der andere „South“ nennen …

Jamey Garner: Haha, das ist wirklich lustig. Ich liebe es. Aber du liegst mit deiner Prognose völlig falsch: Nächstes Jahr sind wir zu sechst (lautes Lachen von beiden).

Aber mal ernst nachgefragt: Vermisst ihr nicht das frühere Bandgefühl? Wird es nicht manchmal etwas einsam?

Jamey Garner: Also einsam … das würde ich so nicht sagen. Wenn man in einer Gruppe ist, hat man eine sehr enge Beziehung zu den Mitmusikern. In vielerlei Hinsicht ist es ähnlich wie in einer romantischen Beziehung, weil man jemanden so gut kennenlernt und so viel Zeit mit ihm verbringt. Andererseits: Sieh dir an, wie viele Bands keine zehn Jahre alt werden. Das haben wir, wenngleich auch personell geschrumpft, hinbekommen.

Kevin Campos: Es ist tatsächlich wie in einer Beziehung. So ist das Leben. Menschen wachsen und verändern sich – und sie schlagen vielleicht auch verschiedene Wege ein. Ich bin ja auch nicht mehr derselbe, der ich noch vor zehn Jahren war, als ich einstieg. Es gibt also nicht unbedingt etwas zu

bereuen – aber klar ist auch: Man blickt schon gerne auf die Zeit mit den anderen zurück.

Eine Duo-Besetzung dürfte auch einige Vorteile mit sich bringen, oder?

Jamey Garner: Klar, je weniger Leute bei Entscheidungen mitreden, desto einfacher und schneller kannst du eine Entscheidung auch fällen. Kevin und ich kennen uns einfach sehr gut. Wir haben kürzlich ein Fernsehinterview im „Rockpalast“ gegeben. Als ich das dann später gesehen habe, hat mich das an ein altes Ehepaar erinnert. Das sind Dinge, die können nur passieren, wenn man sich in- und auswendig kennt.

Musikalisch ist das ein Vorteil, oder?

Jamey Garner: Auf alle Fälle! Wir haben die gleiche Vision von High South. Wir wissen, wo wir mal waren, wo wir hinwollen. Das macht sich vor allem beim Songwriting positiv bemerkbar: Da können wir uns die Bälle zuwerfen. Der eine kann mit den Ideen des anderen immer etwas anfangen, wir denken da komplett in die gleiche Richtung.

Euer Trademark-Sound war immer der mehrstimmige Gesang. Zu zweit ist das schwer umzusetzen.

Kevin Campos: Richtig, deshalb haben wir live auch Leute dabei, die das draufhaben. Wir mögen es, wenn ein schöner Akkord durch mehrere Stimmen entsteht.

Hat jeder von euch eine bestimmte Rolle bei High South?

Jamey Garner: Hm, ich weiß nicht. Ich denke, wir teilen beide immer alles. Kevin Campos: Ja, das ist auch so. Wir machen alles im Teamwork. Der eine springt für den anderen ein, wenn es sein muss.

Jamey Garner: Wir respektieren einander, ich liebe Kevin. Ich weiß, das klingt jetzt kitschig, aber ich betrachte ihn als meinen Bruder.

Ihr habt euer neues Album FEEL THIS GOOD in München aufgenommen – und nicht wie die letzten Platten in großen Studios mit den weltbesten Studiomusikern. Ein großer Unterschied?

Jamey Garner: Nein, ehrlich gesagt überhaupt nicht. Es stimmt, als uns Josh Leo produziert hat, nahmen wir in Top-Studios auf und arbeiteten mit Leuten wie Shannon Forrest (u. a. Toto; Anm. d.

Red.) zusammen. Jetzt hat Thomas Simmerl Schlagzeug gespielt – und er ist ebenfalls Weltklasse. Da kann ich keinen Unterschied erkennen. Wir haben die 13, 14 Tracks innerhalb von zwei Tagen aufgenommen. Schneller geht es in Nashville auch nicht.

Musstet ihr den deutschen Session-Musikern eure Musik-Philosophie erklären und ihnen Vorgaben machen, wie die Stücke klingen sollten?

Jamey Garner: Auch das kann ich nur verneinen. Wir sind alle ähnlich alt, sind mit der gleichen Musik aufgewachsen. Wenn wir also sagen, das sollte so oder so klingen, dann wissen die schon genau, wovon wir sprechen. Ich denke, jüngere Musiker verfügen nicht über dieses Vokabular.

Auch FEEL THIS GOOD klingt wieder sehr retro nach dem Westcoast-Pop der 1970er-Jahre. Der Titeltrack erinnert mich beispielsweise an die frühen Doobie Brothers …

Jamey Garner: Danke, das ist ein großes Kompliment. Wir lieben die Doobie Brothers. Und natürlich auch die Eagles, Crosby, Stills, Nash & Young. Das ist genau die Musik, die ich beim Hausputz höre, im Auto oder am Strand – also eigentlich immer.

Dazu passen auch eure Lyrics: Die Lieder sind vollgepackt mit positiver Energie. Woher nehmt ihr diese Zuversicht – wo wir doch in einer verrückten Welt leben?

Kevin Campos: Wir wissen schon auch ganz genau, dass die Welt ein verrückter Ort ist. Aber wir zwei sind Typen, die die meiste Zeit ein Lächeln im Gesicht haben. Wir gehen immer positiv auf Menschen zu. Und wenn wir eine Show spielen, möchten wir, dass das Publikum eine gute Zeit mit uns hat und dass sie mit einem Lächeln die Location verlassen.

Jamey Garner: So ist es! Und weißt du was: Je verrückter die Dinge werden, desto wichtiger ist es, positive Songs zu veröffentlichen – um die Schräglage wieder etwas auszugleichen.

Während Corona war es sicher nicht leicht, zuversichtlich zu bleiben. Habt ihr zwischendrin nicht mal daran gedacht, euch einen regulären Job zu suchen?

Jamey Garner: Doch. Und ich hatte auch einen Job zwischendurch. Was sollte ich machen? Meine Frau ist Ballettlehrerin, sie hat also Unterricht gegeben. Zu Hause herumsitzen kam für mich nicht infrage. Also habe ich in einem Spa an der Rezeption gearbeitet. Nicht gerade sehr Rockstar-mäßig, oder?

Jamey, du lebst in Florida, Kevin, du im österreichischen Graz. Wie lässt sich die Band trotzdem aufrechterhalten?

Jamey Garner: Das funktioniert, man muss nur sorgfältig planen. Mit der neuen Technik schreiben wir über Zoom oder WhatsApp auch gemeinsam an Liedern. Alles kein Ding. Schon bei unserer ersten Platte lebte Kevin in Los Angeles und ich in Dallas, auch da ein paar Flugstunden Distanz.

Kevin Campos: Und zwischendrin haben wir – Jamey und ich – zwei Jahre lang gemeinsam in einer Wohnung in Nashville gelebt. Aber das war auch nicht viel anders, weil wir ja sowieso die ganze Zeit auf Tour sind. Die räumliche Nähe ist also nicht entscheidend.

Kevin, was vermisst du in deinem neuen Leben in Österreich?

Kevin Campos: Nur eines – ordentliches mexikanisches Essen.

Video der Woche: AC/DC ›Highway To Hell‹

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Heute wollen wir einer Legende Tribut zollen: Bon Scott von AC/DC hätte heute seinen 77. Geburtstag gefeiert. Dazu erheben wir unser Glas und widmen ihm das Video der Woche.

›Highway To Hell‹ ist wohl eines der bekanntesten Stücke der australischen Rock-Größen AC/DC. Der Text, der aus Bon Scotts Feder stammt, wurde vom Leben auf Tour inspiriert, einer Abfolge von unendlich langen Busfahrten zwischen den Venues, bei denen man nichts tun konnte als warten, Karten spielen und trinken.

Veröffentlicht wurde der Song auf dem gleichnamigen Album vom Juli 1979. Nicht einmal ein Jahr später sollte Bons Text traurige Wahrheit werden, als er nach einer durchzechten Nacht im Februar 1980 in London auf der Rückbank eines Autos starb und somit seinem Highway To Hell zum Opfer fiel…

Neuheiten: Ab heute im Plattenladen

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PJ Harvey: I INSIDE THE OLD YEAR DYING

„Ihre Zehnte ist das Gegenteil zu diesen Vorgängern. Nach langer Pause ist Polly Jeans Rückkehr eine introspektive, intime, minimalistisch-sphärische Platte der Stille und der Nuancen. Eine in sich geschlossene Klangwelt der Andeutung und der Poesie…“

Hier geht’s zur Review…

The Dust Coda: LOCO PARADISE

„Gleich das zweite Stück ›Fairweather Love‹ hat einen The-Who-›Pinball Wizzard‹-Touch mit Akustikgitarren-Part. Im weiteren Verlauf wird es gern mal etwas ruhiger, aber intensiv gegroovt wird trotzdem. Auch ein countryeskes Intro ist erlaubt. ›Rock’n’Roll Paradise‹ tönt dann wieder richtig schön hardrockig.“

Hier geht’s zur Review…

A Life Divided: DOWN THE SPIRAL OF A SOUL

„Gleich das breitwandig, dabei erstaunlich vielseitig eröffnende ›Last Man Standing‹ zeigt, wo man hinwill: auf die großen Bühnen. Dort stand man bereits als Support von Acts wie Oomph!, Apocalyptica oder Mono Inc., dürfte mittlerweile aber durchaus willens sein, die in diesem Rahmen besuchten Venues bald auch auf eigene Rechnung zu bespielen.“

Titelstory: The Beatles – „Die beste Band aller Zeiten“

Mit Superlativen ist es ja so eine Sache, doch dieses Zitat stammt von Lemmy Kilmister. Und wer sind wir, an seinem Urteil zu zweifeln? Über 60 Jahre nach dem Urknall der Beatlemania ergibt es jedenfalls Sinn, auf das Phänomen The Beatles ein wenig genauer zurückzublicken. Denn in einem Punkt gibt es keine zwei Meinungen: Sie waren die wichtigste Band der Rockgeschichte. Der Ausgangspunkt für alles, was wir lieben.

Lemmy Kilmister war ein weiser Mann. In der nach ihm benannten Filmbiografie von Wes Orshoski und Greg Olliver, lässt die Rock’n’Roll-Ikone mit dem Doppelfibrom einen denkwürdigen Satz fallen: „Die Beatles waren die beste Band aller Zeiten.“ Eine Erkenntnis, zu der er gelang, nachdem er extra nach Liverpool getrampt war, um die damals brandheiße Band im „Cavern Club“ zu hören. Die Mädels aus seinem Heimatkaff hatten ihm den Tipp dazu gegeben, denn die standen plötzlich nicht mehr auf Billy Fury, einen der zahlreichen britischen Elvis-Klone, sondern eben auf The Beatles. Jung-Lemmy war schwer beeindruckt.

Nun mögen Motörhead und die Fab Four auf den ersten Blick nicht allzu viele Gemeinsamkeiten besitzen, doch dieser erste Blick täuscht gewaltig. Denn die Pioniertat der Beatles bestand ja nun mal nicht darin, Rock’n’Roll zu spielen, das hatten bereits andere vor ihnen getan. Neu war allerdings, dass sie eben nicht Johnny Moondog & The Liverpool Three hießen, wie das um 1960 noch üblich war: Ein Star in der Band, in der Regel der Sänger, ergänzt um relativ austauschbare Begleitmusiker, die sich brav im Hintergrund zu halten hatten. Wobei der Frontmann natürlich auch optisch herausstach, er trug die schicksten Klamotten, während sich der Glamourfaktor der restlichen Band bestenfalls in synchronen Tanzschritten erschöpfte. Meist plärrte dazu ein Saxophon.

Die Beatles im „Cavern Club“ waren anders. Vier Typen in Lederjacken, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug. Kein Saxophon, kein Frontmann im Glitzerfummel – und keine albernen Tanzschrittchen. Das war nicht Elvis, der King, mit seinem Hofstaat, sondern offensichtlich eine recht demokratische Versammlung vier gleichberechtigter Musiker. Zumindest in der Außenansicht. Was gut in eine Zeit passte, in der Englands Jugend nach Emanzipation von überkommenen Traditionen trachtete und die seit Jahrhunderten festgefügte Klassengesellschaft ins Wanken brachte. Noch schwerer wog allerdings ein anderer Aspekt: Popmusiker waren bislang fast ausnahmslos vor allem eines – Interpreten. Die Musik schrieben und betexteten professionelle Songwriterteams, bisweilen wie am Fließband. Und der Produzent wählte das Lied aus, das sein Schützling zu singen hatte, weil es seiner Ansicht nach am besten zu dessen Image passte, die größten kommerziellen Chancen versprach oder weil er dem Komponisten noch einen Gefallen schuldete.

Ebenfalls ein beliebter Deal: Produzenten, womöglich bar aller kompositorischen Fähigkeiten, ließen sich im Gegenzug als Co-Autoren eintragen, um später Tantiemen zu kassieren. Mitspracherecht für Musiker? Aber nicht doch! Das Pop-Business des Jahres 1960 war nicht allzu weit von dem entfernt, was uns heute dank Casting-Shows und inszenierter Superstars geboten wird: singende und tanzende Marionetten, die schön aussehen sollten, ansonsten aber bitte die Klappe halten mögen – denn für Songauswahl und Stil, für Produktion, Imageberatung und Bühnenoutf it sind andere zuständig. Profis.

Chuck Berry, Little Richard und Buddy Holly, allesamt profunde Songwriter und frühe Idole der Beatles, waren im damaligen System die Ausnahme, nicht die Regel, und noch dazu: Amerikaner. Typen, die Lieder schreiben, Gitarre spielen und dazu singen, folgten jenseits des Atlantiks einer alten Blues/ Country-Tradition, die es in England so nicht gab. Britische Folklore war vom Rock’n’Roll deutlich weiter entfernt.

Auch in kreativer Hinsicht pflegten The Beatles einen völlig anderen Ansatz. Sie entschieden selbst, welche Stücke sie coverten. Und, noch wesentlich wichtiger: Sie schrieben eigene Songs, anfangs zaghaft, später dann sowohl qualitativ als auch quantitativ auf höchstem Niveau. Die Geschichte der Rockband, so wie man sie heute kennt, beginnt also genau hier. Die Beatles haben es vorgelebt, alle anderen folgten. Irgendwann auch Lemmy und Motörhead.

In der Rockgeschichtsschreibung wird gerne der Do-It-Yourself-Aspekt der Punk-Bewegung Mitte der 70er glorifiziert, als junge Musiker merkten, dass man eben nicht zwangsläufig auf die spielerischen Fähigkeiten Pink Floyds zurückgreifen muss, sondern drei Akkorde völlig ausreichen, um die Welt aus den Angeln zu heben. Alles korrekt. Nur eben eine fast identische Kopie jener Vorkommnisse, die bereits 15 Jahre zuvor die Popkultur revolutioniert hatten. Gerade die frühen Songs der Beatles, landläufig ihrer „naiven Phase“ zugerechnet, ließen eine ganze Generation von Wanderklampfenbesitzern erkennen, dass Pop- Songwriting offenbar doch keine Geheimwissenschaft ist. Und dass man mit Selbstgestricktem sogar Erfolg haben, die Welt bereisen, viel Geld verdienen kann. Nicht zu vergessen: Wer in einer coolen Band spielt, hat glänzende Aussichten auf amouröse Abenteuer.

Für junge Männer Ende zehn, Anfang zwanzig gemeinhin Motivation genug. Fakt ist: Der Verkauf von Schlagzeugen, elektrischen Gitarren und Bässen erlebte um 1964, den Beatles sei Dank, einen ganz unglaublichen Boom, egal ob in großen Städten oder kleinen Dörfern: Überall lärmten Beatbands, die nach oben wollten. Und zwar weltweit, wobei die jeweiligen Medien nie müde wurden, vollmundig die „deutschen“, die „dänischen“ oder auch „amerikanischen Beatles“ auszurufen. Denn die Fab Four waren das Maß aller Dinge. Selbst im fernen Uruguay, einem popkulturell gemeinhin unauffälligen Land, formierte sich mit den „Los Shakers“ Montevideos Antwort auf das Liverpooler Quartett. Rio de la Plata? Mersey River? Ganz egal!

Besonders erfreulich: Auch jenseits des eisernen Vorhangs, in Zeiten des Kalten Krieges bekanntlich ein Bollwerk der Trennung, und zwar in jeder Hinsicht, hörten junge Völker die Signale. Auch in Berlin-Ost, Leipzig, Prag und Warschau formierten sich „Gitarrengruppen“, von der Staatsmacht abwechselnd geduldet, beargwöhnt, behindert und verboten. Doch der Traum, mit dem verqualmten Bandbus durch die Gegend zu fahren, das Publikum ordentlich zu rocken und danach Freundschaft mit der örtlichen Damenwelt zu schließen, war eben universell und ist es noch heute.

Dass dieser Traum Realität werden konnte, hatte nicht Elvis vorgelebt. Der gehörte schon recht schnell zum Showbiz-Establishment, war sogar dem Ruf Hollywoods gefolgt. Ein Unnahbarer, der seine Musik von professionellen Songwritern bezog. Nein, dass Zehntausende junge Männer (um die handelte es sich vornehmlich) lieber den Wechsel von C auf F7 und wieder zurück auf C übten, um ›A Hard Day’s Night‹ nachspielen zu können, anstatt „was Ordentliches“ zu lernen, dass sie sich die Haare unerhörterweise über den Hemdkragen wachsen ließen und spitze Chelsea-Boots mit „Cuban High Heel“ trugen (acht Zentimeter Absatz galten als angemessen), dass sie ihr Geld lieber in eine sündteure Gretsch „Country Gentleman“ mit Koffer und einen Vox AC 30, statt in den Bausparvertrag investierten, all diese Flausen hatten ihnen die Beatles in den Kopf gesetzt.

The Dust Coda: LOCO PARADISE

Chris Cornell lässt grüßen

„The road to hell is wide open …“: The Dust Coda legen gleich mit dem Opener richtig zackig los. Das geht beinahe in Richtung australischer Schweinerock. Ist aber doch nicht ganz repräsentativ für das komplette Album, denn danach wird es wesentlich variantenreicher. Gleich das zweite Stück ›Fairweather Love‹ hat einen The-Who-›Pinball Wizzard‹-Touch mit Akustikgitarren-Part. Im weiteren Verlauf wird es gern mal etwas ruhiger, aber intensiv gegroovt wird trotzdem. Auch ein countryeskes Intro ist erlaubt. ›Rock’n’Roll Paradise‹ tönt dann wieder richtig schön hardrockig. Neben den abwechslungsreichen Arrangements sticht Sänger und Gitarrist John Drake hervor. Sein kraftvolles Timbre lässt sich durchaus mit dem des seligen Chris Cornell vergleichen (›On Fire‹ geht richtig groß auf, im Stil von Soundgardens ›Rusty Cage‹). Drakes Stimme hat allerdings auch einen gewissen Maroon-5-Vibe, wenngleich weniger affektiert als bei Adam Levine. Den Londonern gelingt mit LOCO PARADISE jedenfalls eine kraftvolle Scheibe zwischen Alternative- und Hardrock, auf der durchaus die Post beziehungsweise der Post-Grunge abgeht.

7 von 10 Punkten

The Dust Coda
LOCO PARADISE
EARACHE/EDEL

A Life Divided: DOWN THE SPIRAL OF A SOUL

Cleverer Mix aus Metal und Emotionen

Mit ihrer effektiven Melange aus epischem Düsterrock, knackigen Neue-Deutsche-Härte-Anklängen, 1980er-Synthpop-Einflüssen und alternativem Metal haben sich die Münchner in den 20 Jahren seit ihrer Gründung eine stattliche Anzahl von Fans erspielt. Die dürften mit Album Nummer sieben rundum zufrieden sein und bestimmt auch noch einiges an Zuwachs erleben. Gleich das breitwandig, dabei erstaunlich vielseitig eröffnende ›Last Man Standing‹ zeigt, wo man hinwill: auf die großen Bühnen. Dort stand man bereits als Support von Acts wie Oomph!, Apocalyptica oder Mono Inc., dürfte mittlerweile aber durchaus willens sein, die in diesem Rahmen besuchten Venues bald auch auf eigene Rechnung zu bespielen. Ob und wann es dazu kommt, wird sich zeigen. Den passenden Sound und das Song-Material für einen solchen Schritt hätten A Life Divided aber allemal. Das hymnische ›Best Time‹ und der melancholische Titeltrack etwa zeugen von kompositorischer Reife, ohne dass dabei die nötige Aggression und Spontaneität abhandenkämen. Und mit ihrer clever-druckvollen Neuinterpretation des Eighties-Charttoppers ›Send Me An Angel‹ von Real Life haben die vier zudem einen Hit-Kandidaten mit Airplay-Potenzial im Programm.

7 von 10 Punkten

A Life Divided
DOWN THE SPIRAL OF A SOUL
AFM/SOULFOOD