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Start Blog Seite 64

Walter Trout: Das letzte Wort

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Nach einer Lebertransplantation 2014 musste Walter Trout erst wieder sprechen, laufen und Gitarre spielen lernen und dachte, er würde vielleicht nie wieder auf der Bühne stehen. Zum Glück konnte er ab 2015 doch wieder touren…

Dein erster Gig nach dem Lockdown war eine Social-Distancing-Show in Amsterdam …
Wir spielten zwei Abende in meiner Lieblingshalle auf der ganzen Welt, dem Paradiso. Statt 1.600 durften nur 250 Zuschauer kommen. Nach 20 Monaten ohne Auftritte war ich besorgt, dass ich vielleicht vergessen hätte, wie das geht, aber mein Hirn funktionierte wunderbar und es war eine tolle Erfahrung.

Was hast du in der Quarantäne über dich selbst gelernt?
Ich musste daran arbeiten, nicht in tiefe Depressionen zu stürzen. Ich ging online und recherchierte die Technik des Sweep-Picking von Yngwie Malmsteen, bevor mir klar wurde, dass ich gar nicht so spielen will. (lacht) Es geht nicht darum, technisch zu beeindrucken, sondern darum, mit Gefühl und Seele zu spielen.

Nach deiner Lebertransplantation bist du vermutlich extrem anfällig für jede Art von Virus. Macht dich das vorsichtiger als die meisten Musiker?
Das muss ich sein, denn nach einer Organtransplantation musst du für den Rest deines Lebens Immunsuppressiva nehmen. Die meisten Menschen bekommen zwei oder drei Impfungen und sind zu 98 % sicher. Ich hatte drei und bin zu 20 % sicher. Aber ich war seitdem trotzdem Tour, wobei die Band immer in einer Blase blieb. Angesichts meiner Situation war das ein kalkuliertes Risiko, doch es bewies, dass das Touren noch möglich ist, auch wenn ich es vermisst habe, die Fans zu treffen.

Hat die US-Regierung Musiker und die darstellenden Künste hängen lassen?
Ja, so ziemlich. Es gab nur sehr wenig Hilfe.

Dein ehemaliger Chef, John Mayall, gab unlängst bekannt, dass er nicht mehr außerhalb seines Heimatstaates Kalifornien touren werde. Wie hast du diese Nachricht aufgenommen?
Es ist das Ende einer Ära. John ist wie ein Ersatzvater für mich.

Kannst du dir vorstellen, die Gitarre an den Nagel zu hängen?
Ich will es nicht. Ich würde das gerne machen, bis ich abkratze, und wenn das nicht geht, ziehe ich mich vielleicht in eine Ecke zurück und sterbe einfach.

Seasick Steve: Neue Doppelsingle ›Funky Music‹ und ›Let The Music Talk‹

Heute veröffentlicht Seasick Steve gleich zwei Singles auf einmal. ›Funky Music‹ und ›Let The Music Talk‹ heißen die beiden neuen Song, die auf sein am 7. Juni erscheinendes Album A TRIP A STUMBLE A FALL DOWN ON YOUR KNEES vorbereiten.

Über die Platte meint Seasick Steve: „Dieses Album ist aus Versehen entstanden, wie der Titel schon sagt, sind wir einfach hineingestolpert, und es ist mein Lieblingsalbum geworden und das Werk, auf das ich bis heute am stolzesten bin. Es vergeht keine Woche, in der ich nicht meinen Glückssternen für diese Nacht „Hootenanny“ danke, die uns zu diesem Album gebracht hat.“

Vor drei Wochen bereits hatte der Künstler seine erste offizielle Singleauskopplung ›Backbone Slip‹ veröffentlicht.

Blues-Boom: Ten Years After

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Als Teil der britischen Invasion der Hardrock-Bluesbands waren sie mit die Größten.

Als die britischen Bluesrocker Ten Years After am 16. August 1969 per Privathubschrauber beim Woodstock-Festival ankamen, waren sie nicht übermäßig beeindruckt von der halben Million Menschen, die da unter ihnen am Fuß der Catskill Mountains mariniert wurden. „Es war einfach ein weiterer Tag von vielen“, sagte der damalige Frontmann Alvin Lee 2012 in CLASSIC ROCK. „Wir hatten schon bei riesigen Festivals gespielt, und wenn die Menge eine gewisse Größe erreicht, macht es keinen Unterschied mehr – der Horizont streckt sich einfach weiter in die Ferne.“ Dennoch machte sich backstage Nervosität breit, als Lee und seinen Bandkollegen Leo Lyons, Ric Lee (nicht verwandt) und Chick Churchill klar wurde, dass sie während eines Sturms auf die Bühne gehen müssten. Andere Acts wie Janis Joplin, Joe Cocker und Country Joe McDonald spürten dieses Unbehagen und zogen sie damit auf. „Alle sagten: ‚Pech gehabt – sieht aus, als würdet ihr per Stromschlag draufgehen’“, erinnerte sich Lee.

Mit dem für Briten typischen makabren Humor schoss er zurück: „Yeah. Und stellt euch nur vor, wie viele Platten wir verkaufen werden, wenn wir sterben“. Als Teil der britischen Invasion von Hardrock-Bluesbands spielten Ten Years After in der Oberliga. Die Geschichte besagt zwar, dass sie nie so cool wie Cream, Jeff Beck Group oder Led Zeppelin waren, doch Alvins Spitznamen (Captain Speed Fingers, The Fastest Guitar In The West) belegen, dass er angesehen war.


Neben Joe Cockers besessener Darbietung von ›With A Little Help From My Friends‹ und Country Joe & The Fishs Anti-Kriegs-Mitsinghymne ›I-Feel-Like-I’m-Fixin’-To-Die Rag‹ war Ten Years Afters Vollgas Boogie ›I’m Goin’ Home‹ einer der legendärsten musikalischen Momente in Woodstock. Als ein Jahr später der Film über das Festival erschien, katapultierte diese furiose Performance die britische Bluesband in den USA umgehend in die Megastar-Liga, obwohl die Studiofassung ursprünglich gefloppt war, als sie aus dem hervorragenden Livealbum UNDEAD ausgekoppelt worden war. Ein Jahr zuvor hatten sie die Nummer noch in kleinen Clubs wie dem Klooks Kleek in West-London gespielt. Jetzt brachte Michael Wadleighs Film (geschnitten von Martin Scorsese) ihre Gesichter auf Kinoleinwände in aller Welt, wie sie einen flotten Blues spielen, der sämtliche Klischees aufzuwärmen schien. Es war eine tolle Zeit, um Brite in Amerika zu sein.

„Es herrschte ein Wettbewerb mit Jeff Beck und Jimmy Page, aber da war Platz für alle. Es fühlte sich an, als würden wir dort das Ruder übernehmen“, erinnerte sich Lee. Ten Years After waren die Vorhut der zweiten (härteren) Invasion der USA durch britische Bands gewesen, hatten unablässig dort gespielt und schnell Headliner-Status erreicht. „Wir hatten diesen Tick – rückblickend schäme ich mich etwas dafür –, dass wir jeder Band, die nach uns auf die Bühne ging, wehtun mussten. Wir setzten einfach alles daran, sie wegzublasen und schlecht aussehen zu lassen.“ Ihr Ruhm mag über die Jahre verblasst sein, doch Ten Years After haben sich ihren Platz unter den ganz Großen der britischen Blues-Explosion absolut verdient.


Killer-Track: ›I’m Goin’ Home‹

Skurrile Cover: Scorpions mit LOVEDRIVE (1979)

Bevor spontane Reflexe moralischer Entrüstung aufwallen, lassen wir doch mit Storm Thorgerson den Erschaffer dieses Artworks zu Wort kommen, der sein Werk später zumindest gebremst selbstkritisch kommentierte: „Nicht unbedingt die politisch korrekteste Darstellung aller Zeiten. Ich dachte, es sei lustig, aber Frauen nehmen es heutzutage anders wahr.“ Tja, werter Chef der Hipgnosis-Coverschmiede: Merkste selbst, wa? Was jetzt aber auch kein Grund sein sollte, empört „geht ja gaaaar nicht!“ zu schrillen und rechtliche Schritte gegen wen auch immer – im schlimmsten Fall uns – in Erwägung zu ziehen. Reifere Herren, die zu nostalgischen Betrachtungen neigen, mögen stattdessen das Schwinden der guten alten Zeit bedauern, in der man angeblich noch freier und gelassener war als heute. Das Problem: War man nicht. Oder besser: nur partiell. Dieses Motiv, inszeniert mit einem beherzten Griff zwischen nackte Männerbeine, hätte mit Sicherheit die Staatsanwaltschaft Hannover auf den Plan gerufen, was dann doch für eine gewisse Doppelmoral im Umgang mit primären Geschlechtsmerkmalen spräche. Zeitgeist vermittelt das Bild vom Luxus-Pärchen auf dem Rücksitz aber auch in anderer Hinsicht: 1978 hatte der US-Konzern Wrigley Kaugummi der Marke „Hubba-Bubba“ auf dem deutschen Markt eingeführt, dessen rosarote Ausführung in der Geschmacksrichtung „Frucht“ Storm Thorgersons brustlösende Darstellung vermutlich erst ermöglicht haben mag. Wir wissen es nicht. Vielleicht war es ja auch irgendein zähes Zeug auf Silikonbasis, mit dem Maskenbildner falsche Nasen verleimen. Etwas naiv mutet retrospektiv Klaus Meines Verwunderung darüber an, dass in den USA ein Alternativ-Cover nötig wurde, denn: „Wenn wir in den 80ern auf US-Tour waren, blitzten uns auf der Bühne immer nackte Brüste entgegen. Nirgendwo sonst auf der Welt, nur hier.“ Und: „Es war doch nur Sex und Rock’n’Roll!“ Na, eben!

Gary Rossington: 4.12.1951– 5.03.2023

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Wir blicken zurück auf das Leben und die Musik des Gitarristen von Lynyrd Skynyrd, der nicht nur den Flugzeugabsturz der Band 1977 überlebte, sondern auch alle anderen Gründungsmitglieder.

Dass man die Zeit, die einem auf dieser Welt gewährt wird, schätzen sollte, wusste kaum einer so gut wie Gary Rossington. Indem er jenen Flugzeugabsturz am 20. Oktober 1977 überlebte, wurden ihm 46 zusätzliche Jahre geschenkt. Sechs Mitglieder der legendären Southern-Rock-Band und ihres Teams – Frontmann Ronnie Van Zant, Gitarrist Steve Gaines, Backingsängerin Cassie Gaines, Tourmanager-Assistent Dean Kilpatrick sowie Pilot Walter McCreary und Copilot William John Gray – hatten weniger Glück. Ein gläubiger Mensch wie Rossington hätte vielleicht sogar gesagt, dass der Herr ihm, Gitarrist Allen Collins, Bassist Leon Wilkeson, Keyboarder Billy Powell, Schlagzeuger Artimus Pyle und Backingsängerin Leslie Hawkins ein zweites Leben gewährt hatte. Unmittelbar danach und in den folgenden Jahrzehnten wirkte sich der Unfall unterschiedlich auf die Überlebenden aus. Powell etwa hatte lang unter Repressalien des aufbrausenden Van Zant gelitten, dessen gnadenlose Taktik die noch junge Band wort- wörtlich von Amateuren an der Robert E Lee High School zu Arena-Headlinern prügelte. Seine erste Reaktion war Erleichterung.

„Mit der Zeit habe ich Ronnie mehr oder weniger verziehen, dass er mir die Zähne ausgeschlagen hat, doch kurz vor dem Absturz hatte ich von allem die Nase voll“, gab er in einem Interview 2003 zu. „Als der Flieger abschmierte, wurde ich nicht ohnmächtig wie die anderen. Einer meiner ersten Gedanken war: ‚Gott sei Dank ist es vorbei – ich muss mich nie wieder verdreschen lassen.‘ Das hielt nicht lange an. Natürlich wollte ich, dass die Schläge aufhören, aber nicht so.“ Pyle, der vom Absturzort unter anderem mit gebrochenen Rippen durch den Wald gekrochen war, um Hilfe zu holen, wurde später nach der – vermeintlich endgültigen – Auflösung der Gruppe selbst Pilot. Was doppelt beeindruckend ist, da der Vater des Schlagzeugers ebenfalls bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen war. Gary Rossington, der Stahlstäbe in seinen rechten Arm und sein rechtes Bein eingesetzt bekam, reagierte auf den Unfall, indem er noch motivierter als vorher war. Mit Collins gründete er die Rossington Collins Band, wo Gary die Liebe seines Lebens und zukünftige Ehefrau kennenlernte, Leadsängerin Dale Kranz. Wilkeson und Powell zählten ebenfalls zu der neuen Formation, die den Überlebenden half, das Erlebte zu verarbeiten und einen Neustart zu wagen. Auch Pyle machte zunächst mit, bis ihn ein Motorradunfall ausbremste. Über einen langen Zeitraum gelang es ihnen, ihre Differenzen beizulegen und eine Übereinkunft mit Van Zants Witwe Judy zu erreichen, die es dem „Free Bird“ erlaubte, wieder abzuheben – mit Ronnies jüngerem Bruder Johnny am Mikro. Ab 1991 tourte die neue Inkarnation von Skynyrd nicht nur um die Welt, sondern ging auch wieder ins Studio. Nach und nach stiegen die ehemaligen Mitstreiter der klassischen Ära aus oder verstarben, doch Rossington, nach dem Tod von Originalbassis.

Larry Junstrom 2019 das letzte verbliebene Gründungsmitglied, schwor, die Musik seiner alten Freunde weiter zu spielen. Am 5. März 2023 gab jedoch auch Rossingtons gebrechlicher Körper den
Kampf auf. Ein Statement besagte: „Gary ist nun bei seinen Skynyrd-Brüdern und seiner Familie im Himmel und spielt wunderschön wie immer. Nehmt bitte Dale, [die beiden Töchter] Mary und Annie sowie die ganze Rossington-Familie in eure Gebete auf und respektiert in dieser schweren Zeit ihre Privatsphäre.“ Gary Robert Rossington erblickt am 4. Dezember 1951 in Jacksonville, Florida das Licht der Welt. Gemeinsam mit seinen Schulfreunden Ronnie Van Zant, Allen Collins, Larry Junstrom und Schlagzeuger Bob Burns gründet er The Noble Five. Es gab noch weitere Namen, etwa The One Per Cent und My Backyard, bevor sie sich als Spitze gegen ihren Lehrer Leonard Skinner, der sie für ihre langen Haare verfolgte, ein letztes Mal umbenennen. Van Zant, ein gewalttätiger, tyrannischer Säufer, war der unbestrittene Anführer der Gruppe. Der Sänger behauptet sogar einmal: „Ich habe all diese Jungs persönlich ausgewählt, um mit mir zu spielen.“

Trotz seiner unvorhersehbaren Wutausbrüche zog es den vaterlosen Rossington zu Ronnie. Mit Keyboarder Billy Powell zum Sextett angewachsen, unterschrieben sie einen Vertrag bei MCA Records und veröffentlichten 1973 ihr Debüt PRONOUNCED ‘LEH-‘NÉRD ‘SKIN-‘NÉRD. Die Beliebtheit des letzten Tracks darauf, das mehr als neunminütige ›Free Bird‹, brachte ihnen sofort großen Erfolg, doch auf Tour kämpften sie um jeden Quadratzentimeter Territorium – manchmal im wahrsten Sinn des Wortes. Zahlreiche Geschichten ranken sich um diese Ära der Schlägereien, Saufgelage und weiblichen Eroberungen, und sie inspirierte viele Songs, etwa ›I Ain’t Got One‹, ›Gimme Three Steps‹, ›On The Hunt‹ oder ›Don’t Ask Me No Questions‹. Die Band suchte keinerlei Entschuldigungen für ihre ländliche Herkunft oder ihren haarigen Look, und wann immer Skynyrd in eine Hotelbar kamen, war praktisch garantiert, dass die Funken flogen. Bei einem frühen Gig in New York musste Mountain-Gitarrist Leslie West für Rossington einspringen, nachdem der sich bei einer Prügelei die Hand gebrochen hatte.

Slade: Whatever happened to Slade?

Uriges Lesevergnügen, nicht nur für die Hardcore-Anhängerschaft von Slade

Mit keinem Geringeren als Sir Bob Geldof beginnt der ausführliche Trip in die Vita über einen der Eckpfeiler der britischen Glamrock-Bewegung: Slade. Musiker, selbst von der Queen Geadelte, sind schließlich auch Fans. Mr. Geldof findet im Vorwort denn auch nichts als warme Worte zu seinem einstigen Teenager-Schwarm. Auch Autor Daryl Easlea outet sich als Aficionado. Als Teenager legte er sich im Herbst 1972 seine erste Slade-Single zu – ›Gudbuy T’Jane‹ –, und die Faszination ließ ihn nie wieder los. In „Whatever Happened To Slade? When The Whole World Went Crazee“ taucht Easlea tief ein in die Historie und fördert so manch bis dato Unbekanntes zutage. Als 1965 im britischen Wolverhampton Teile von Steve Brett & The Mavericks mit The ’N Betweens fusionierten, ahnten Sologitarrist Dave Hill, Schlagzeuger Don Powell, Multiinstrumentalist Jim Lea sowie Vokalist und Rhythmusgitarrist Noddy Holder nicht, dass es bis zum Durchbruch noch weitere sechs Jahre dauern sollte. Auf Rhythm & Blues und Motown-Soul lag der Fokus der Ära 1966/67, gefolgt von mild Psychedelischem. Als 1969 das Ambrose-Slade-Debüt BEGINNINGS erschien, liebäugelte das Quartett schon mit dem Progressive-Rock härterer Gangart, lieferte die ersten Versuche des zukünftigen Hit-Songwriter-Teams Lea/Holder. Immerhin schon neun von zwölf knapp verrockten Tracks lieferte das Duo für das Zweitwerk PLAY IT LOUD 1970. Um mediale Aufmerksamkeit zu generieren, griff Chandler auf die wenig geniale Idee von Publizist Keith Altham zurück, der nunmehr Slade betitelten Gruppe ein kontroverses Brachial-Image als Skinheads zu verpassen: Millimeterkurze Frisuren und typischer Look (Dr. Martens, Hosenträger etc.) – doch die Hooligan-Masche erwies sich als Einbahnstraße. Erst als die Haarschöpfe wieder Schulterlänge aufwiesen, gelang der Durchbruch. Mit dem Uptempo-Kracher ›Get Down And Get With It‹, inklusive vehementem Handklatschen und Fußstampfen (im Original von Bobby Marchan), erzielten Slade 1971 im UK einen respektablen Rang 16. Wenige Monate später knackte das selbstverfasste ›Coz I Luv You‹ die UK Poleposition. Zahlreiche Hits folgten im Glam-Aufschwung – im Gegensatz zu T. Rex, Sweet und David Bowie verzichteten Slade allerdings auf Make-up. Es folgten der mittlerweile in den Kultstatus erhobene Kinofilm „Slade In Flame“, der vergebliche Versuch, in den USA Fuß zu fassen, der langsame Abstieg in den späten 70ern, das Comeback als Heavyweights in den 80ern in der New Wave Of British Heavy Metal, der Zerfall des originalen Line-ups 1992, Slade II sowie Solokarrieren. Ein uriges Lesevergnügen, nicht nur für die Hardcore-Slade-Anhängerschaft.

7 von 10 Punkten

Whatever Happened To Slade?
VON DARYL EASLEA
OMNIBUS

Meilensteine: Glam-Rock-Finale

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Winter/Frühjahr 1974: T. Rex, Alice Cooper, David Bowie und Co. leiten das Glam-Rock-Finale ein.

Es gab jenen einen Moment, der das Subgenre Glam-Rock maßgeblich definierte und ins Rollen brachte: Im März 1971 traten die nach dem ersten UK-Top-2-Hit ›Ride A White Swan‹ 1970/71 von Duo- auf Quartettbesetzung erweiterten T. Rex mit dem Nummer-eins-Hit ›Hot Love‹ in der wöchentlichen UK-TV-Show Top Of The Pops auf: Bandchef Marc Bolan trug Satinklamotten aus der angesagten Londoner Boutique Mr. Freedom und auf den Wangen Glitzerstaub. Was zuerst die Modewelt in Aufruhr brachte, setzte sich mit weiteren Glam-Protagonisten fort: David Bowie, Slade, Sweet, Roxy Music, Gary Glitter sowie wenig später Mud, Suzi Quatro, Glitter Band und Cockney Rebel reihten sich mehr oder minder in die Glam-Rock-Bewegung ein. Aus den USA gesellten sich Jobriath, Sparks, Alice Cooper, Rick Derringer, New York Dolls und Wayne County‘s Queen Elizabeth hinzu.

Doch der Glam-Fokus lag im Rock-Mekka London. Stilistisch mehr oder minder ein knackiges Rock‘n‘Roll-Revival im Neugewand der technischen Studiomöglichkeiten der frühen 70er, vor allem aber eine Opposition gegen den allzu abgehobenen Progrock, steigerte sich Glam-Rock binnen Monaten zur treibenden Kraft. Nicht nur die immer exaltierteren Kostümierungen und travestiehaftes Make-up auf Jungmänner-Antlitzen provozierten. Mehr und mehr tendierte der Stil von T. Rex (›20th Century Boy‹), David Bowie (›The Jean Genie‹), Sweet (›Ballroom Blitz‹), Slade (›Gudbuy T‘Jane‹), Suzi Quatro (›Daytona Demon‹), Roxy Music (›Street Life‹), Gary Glitter (›I Love You Love Me Love‹), Sparks (›This Town Ain‘t Big Enough For The Both Of Us‹), Cockney Rebel (›Psychomodo‹) oder Mud (›Tiger Feet‹) in Richtung härtere Gangart. Doch schon Mitte 1973 zeichnete sich das Genre-Finale ab! Marc Bolan, apostrophiert als King of Glam, verkündete im Juni im Melody Maker: „Glam Rock is dead!“ Gleich vier Singles beschäftigten sich Ende 1973, Anfang 1974 mit dem Phänomen Teenager: T.Rex (›Teenage Dream‹), Sweet (›Teenage Rampage‹), Alice Cooper (›Teenage Lament ’74‹) und Rick Derringer (›Teenage Love Affair‹). Sweet legten mit ›The Six Teens‹, David Bowie mit ›Rebel, Rebel‹ und Slade mit ›The Bangin‘ Man‹ nach. Urplötzlich schien nicht nur der Glitter-Look out, auch die Pop-Stilistik änderte sich zur Mitte der 70er drastisch.

Blackberry Smoke: Drummer Brit Turner gestorben

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Brit Turner, der Schlagzeuger der Southern Rock Band Blackberry Smoke, ist im Alter von 57 Jahren gestorben. Diese traurige Nachricht teilte die Band vor wenigen Stunden auf ihren Social-Media-Kanälen mit. Der Schlagzeuger erlag einem Glioplastom, einem Gehirntumor, der 2022 bei ihm gefunden wurde.