An jedem Jahresende gibt es die große Leserumfrage von CLASSIC ROCK, damit wir euch besser kennenlernen. Wir fragen nach euren Lieblingskünstlern, Wünschen und Vorschlägen. Die Ergebnisse unserer Umfrage aus dem Jahr 2023 lest ihr hier:
Eine der besten Rockbands kehrt zurück – und macht nichts falsch
Als die frühen Platten der Black Crowes in Neuauflagen erschienen, hätte man es sich schon denken können: Chris und Rich Robinson haben sich zusammengerauft. 14 Jahre sind seit dem letzten Werk CROWEOLOGY vergangen, einer tollen Rockplatte. Solche haben die beiden mit ihren jeweiligen Projekten Chris Robinson Brotherhood und Tha Magpie Salute zwar auch aufgenommen. Aber wie das mit Bands unter Brüdern nun einmal so ist: Blut ist nicht nur dicker als Wasser, sondern erschafft auch eine besondere Atmosphäre. HAPPINESS BASTARDS haben die Black Crowes das neue Album betitelt – als glückliche Bastarde bezeichnen sich die Robinson-Brüder, ausgehend von der Prämisse, dass es an der Zeit sei, den ganzen Scheiß hinter sich gelassen. Und so geht’s gut gelaunt los: ›Beside Manners‹ ist ein Kick für alle, die die jüngste Platte der Stones doch ein wenig lahm fanden, ›Rats And Clowns‹ schaut in einer Südstaatengosse vorbei – ein großer Spaß. ›Cross Your Fingers‹ bietet den ersten intim-intensiven Moment, seit jeher eine Stärke dieser Gruppe. ›Wilted Rose‹, ein Duett mit Country-Star Laney Wilson, wirkt zunächst kalkuliert – aber wenn die Band nach gut drei Minuten den Westernblues auf die große Leinwand bringt, wird’s fabelhaft. Was HAPPINESS BASTARDS noch zu bieten hat: Saloon-Punk und Verzweiflungsblues, Radiorock und die finale Ballade ›Kindred Friend‹, die beklagt, es vergehe zu viel Zeit fürs Wiedersehen. Nun, das haben The Black Crowes selbst in der Hand.
8 von 10 Punkten
The Black Crowes HAPPINESS BASTARDS SILVER ARROW/H’ART
Titelstory: Mark Knopfler im Interview über sein neues Album ONE DEEP RIVER und den Fluss des Lebens
Der bedächtige Brite – in einem früheren Leben Rocksuperstar bei den Dire Straits – packt aus! Im großen Titelinterview verrät Knopfler, wo er politisch steht, was er in seiner Freizeit treibt, wieso er sich für keinen überragenden Gitarristen hält und wie er damit fertigwird, dass er bald 75 ist. Um die teils autobiografische neue Platte ONE DEEP RIVER geht’s freilich auch. Dazu kommen demnächst eine EP über die kriminelle Unterwelt und eine weltrekordverdächtige Charity-Single mit mehr als 60 Rockikonen auf einem einzigen Song.
Als Jimi Hendrix 1966 nach London kam, war die gesamte britische Rockelite inklusive Eric Clapton, Jimmy Page und Jeff Beck überwältigt. Doch schon bald folgten sie seinem Beispiel und entwickelten eine explosive neue Form des elektrischen Blues …
Wayne Kramer: April 1948 – 2. Februar 2024
Wir blicken auf das Leben eines Gitarristen zurück, der in seinen Jahren mit den legendären MC5 und darüber hinaus die Jams raushaute – mehr als die meisten anderen.
Queen: Basic Instinct
Von MTV verbannt. Trunkene Ausfälle. Videos, die Amerika provozierten. Bandmitglieder, die das Weite suchten … Nach einem stilistischen Ausfallschritt mit dem vorigen Album HOT SPACE kehrten Queen mit THE WORKS wieder zum Wesentlichen, ihren Rockwurzeln und dem „echten“ Queen-Sound, zurück.
Deep Purple: „Die ganze Sache hätte auch mächtig schief gehen können“
Wenn sich eine Erzählung aus dem Rock‘n‘Roll-Universum ins kollektive Gedächtnis eingeschliffen hat, dann dürfte es wohl die berühmt-berüchtigte Entstehungsgeschichte von Deep Purples Meilenstein MACHINE HEAD sein. Ein Frank-Zappa-Konzert und ein Trottel mit einer Signalpistole, ein brennendes Casino in Montreux, Chaos und Rauchschwaden, die vom aufkommenden Wind über den Genfer See getragen werden …
Außerdem im Heft: Steve Hackett, The Black Crowes, Billy Joel, The Black Keys, Don Henley und viele mehr!
Wie immer mit Heft-CD mit Songs von Atomic, Reach, Cold Years, Those Damn Crows und mehr!
Eine Stimme wie Van Morrison und musikalisch ganz auf bluesige Americana gepolt – dabei stammt Jesper Lindell aus einer schwedischen Kleinstadt. Wir waren neugierig…
Pünktlich auf die Minute erscheint Jesper Lindell im Zoom-Fenster. Zu sehen: ein netter Kerl. Sehr unaufgeregt und fast schon bescheiden sitzt er da an seinem Arbeitsplatz in dem schwedischen Kaff namens Brunnsvik – hinter den Mischpultreglern in seinem eigenen Tonstudio. „Ich nehme gerade das neue Album von Magnus Carlsson auf“, sagt er und – wie aufs Stichwort – erscheint das ehemalige Mitglied der Hitband Alcazar auch schon im Bild. „Er ist so unglaublich talentiert“, lacht Carlsson aufgedreht in die Kamera und deutet auf den etwas verdutzten Jesper Lindell, dem diese spontane Huldigung etwas peinlich ist. Warum nur? Der aufgedrehte Popper hat recht. Mehr noch: Lindell wird in Insider-Kreisen schließlich schon seit einer ganzen Weile als scheues Musik-Genie gehandelt. Mit seinem neuen Werk BEFORE THE SUN befeuert er diese Expertise bestimmt noch mehr. Denn der junge Musik-Nerd aus der schwedischen Provinz präsentiert auf der Platte ein ausgeschlafenes Potpourri von bluesigen und souligen Retro-Stücken. Musik, die erstens nicht nach 2024 und zweitens schon gar nicht nach Schweden klingt. Wie kommt’s?
„Ich bin mit dieser Musik aufgewachsen“, verrät er, „bei uns lief den ganzen Tag über Musik von Neil Young, Bob Dylan oder Van Morrison. Meine Mutter mochte dazu noch David Bowie und mein Vater liebte Wishbone Ash. Das Retro-Ding steckt also irgendwie in mir – und das zeigt sich auch in meiner eigenen Musik.“ Obwohl Jesper noch weitere Bands wie Thin Lizzy, Mando Diao und The Hives als Inspirationsquellen nennt, hat es ihm der knorrige Van Morrison ganz besonders angetan. Die Stimmlage, die Art zu singen und zu phrasieren, das Gefühl für die Blue Notes, die Schönheit der Melancholie … „Es ist dieses Gefühl von Freiheit in seiner Musik“, sagt Jesper über seinen irischen Hero, „er hat sich nie auf nur eine Richtung festgelegt, er ließ vieles zu und auf sich zukommen.“ Vor allem aber liebt er seine Stimme. „Ganz besonders in seinen frühen Arbeiten in den 60er-Jahren. Das liegt wohl auch daran, dass ich auch ein großer Louis-Prima-Fan bin. Ich liebe den rhythmischen Jazz-Scat-Gesang.“ Wer die zehn Lieder seines aktuellen, von ihm gemeinsam mit Björn Pettersson produzierten Albums hört, wird sich Augen und Ohren reiben. Denn in den Credits ist als Aufnahmeort nicht ein Studio wie Fame Recordings in Muscle Shoals oder das Bluebird in Nashville angegeben, sondern: Jesper Lindells eigener Recording-Tempel in Brunnsvik. „Klar“, sagt er, „es wäre schon ein Traum, einmal in Muscle Shoals aufzunehmen. Diese Vibes würde ich gerne mal auskosten.“ Noch heißer wäre er aber auf eine Session in den legendären Stax-Studios in Memphis. Dass er das dafür geeignete Song-Futter mitbringen würde, beweist er im Track ›Howlin’‹. „Der Titel ist wirklich Stax-inspiriert“, gibt er zu, „der hat was von Elvis, und die Horns geben richtig Zunder.“ Mit Sessions in einer der legendären amerikanischen Tonschmieden wird es vielleicht noch dauern. Ein Besuch dieser Kultstätten ist aber für dieses Jahr fest eingeplant: „Es wird mein erster Trip nach Amerika sein“, sagt ausgerechnet der ausgewiesene Americana-Experte.
THE ANSWER theanswerrock.com Mit dem jahrelang erwarteten Studioalbum SUNDOWNERS starten The Answer aus Nordirland in ihr neues Bandleben. Mit neuer Motivation spielt die Truppe im April 2024 einige Gigs bei uns.
BLACKBERRY SMOKE wizpro.com Die Southern Rocker aus Georgia haben 2024 nicht nur ein neues Album mit dem Titel BE RIGHT HERE herausgebracht, sondern treten im September auch auf vier deutschen Bühnen live auf.
ERIK COHEN starkult.de 2024 geht Daniel Geiger alias Erik Cohen unter dem Motto „Zurück aus der Zukunft“ auf Tournee und feiert dabei das 10-jährige Jubiläum seines Debütalbums.
04.05. Kiel, Die Pumpe 06.09. Wiesbaden, Schlachthof 07.09. Düsseldorf, Zakk (Open Air Show) 28.09. Oldenburg, Cadillac 06.12. Hamburg, Knust
LAURA COX lauracoxmusic.com Vom Youtube-Hit zum Bühnenstar. Im Mai kommt Laura Cox auf „Head Above Water“-Tour. 08.05. Isernhagen, Bluesgarage 10.05. Bielefeld, Lokwerk 11.05. Dortmund, Piano 12.05. Bonn, Harmonie 14.05. Ulm, Roxy 15.05. Augsburg, Spektrum 16.05. Bensheim, Musiktheater Rex 17.05. Aschaffenburg, Colos Saal
ELLIOT BROOD elliottbrood.com Das kanadische Alternative-Country-Trio steht im kommenden April an vier Terminen auf deutschen Bühnenbrettern.
DEAP VALLY deapvally.com Nach über zehn gemeinsamen Jahren gehen Deap Vally nun auf Abschiedstournee. In zwei deutschen Großstädten kann man gemeinsam mit Lindsey Troy und Julie Edwards gebührend das Ende einer tollen Ära feiern.
26.05. Köln, Blue Shell 30.05. Berlin, Cassiopeia
CHARLES ESTEN wizpro.com Bekannt durch seine Rollen als Ward Cameron in der Netflix-Hitserie „Outer Banks“ und Deacon Claybourne in ABC/CMT’s „Nashville“, veröffentlichte der Künstler im Januar sein Debütalbum LOVE AIN’T PRETTY und stellt dieses dann im Mai live vor.
FERRIS & SYLVESTER wizpro.com Ferris & Sylvester gelten derzeit als der wohl größte Folk-Geheimtipp aus dem UK und kommen im März für drei Termine nach Köln, Hamburg und Berlin.
18.03. Köln, Blue Shell 19.03. Hamburg, Nochtwache 21.03. Berlin, Prachtwerk
THE GASLIGHT ANTHEM fkpscorpio.com Nach neun Jahren Plattenpause haben The Gaslight Anthem im Oktober 2023 ihr brandneues Album HISTORY BOOKS veröffentlicht. Und natürlich folgt auf dieses freudige Event auch eine Tournee. Support: Spanish Love Songs.
KNUCKLE HEAD knuckle-head.com Die beiden Fuzz-Cowboys Jack und Jock beehren ihr geneigtes Publikum mit dunkel gefärbtem Country und seelenvollem Blues und werden nicht umsonst als „The Dark Country Kings“ gefeiert.
12.07. CH-Basel, Biker Days Basel 28.08. Mannheim, 7er Club 29.08. Aschaffenburg, Colos-Saal 31.08. München, Backstage 01.09. Dortmund, Piano
KARNIVOOL fkpscorpio.com Die Band aus Down Under geht im Juni auf „Tri-Continental Drift Tour“.
20.06. Hannover, Capitol 22.06. Köln, Kantine
KULA SHAKER fkpscorpio.com Im Mai spielen Kula Shaker mit ihrem jüngsten Album NATURAL MAGICK im Gepäck eine einzige Deutschland-Show in München.
11.05. München, Technikum
CHRIS NORMAN chris-norman.de Zusammen mit seiner Band und mit seinem jüngsten Album JUNCTION 55 im Gepäck, geht Ex-Smokie-Mann Chris Norman 2024 auf große „Junction 55“ Tournee.
“The Rock’n’Roll Wrestling Bash” präsentiert eine einzigartige Mischung aus Mexican Wrestling und Rock’n’Roll und geht auch 2024 wieder auf Tournee unter dem Motto „A well deserved Braincation“.
„The Rock n Roll Wrestling Bash steht für eine einzigartige Mischung aus Musik, Sport und Entertainment“, sagt Frontmann und Produzent Carlos „Howling Mad“ Martinez. „Mit der ‚A well deserved Braincation‘ Tour wollen wir unserem Publikum eine unvergessliche Erfahrung bieten und sie dazu bringen, für einen Moment alles um sich herum zu vergessen. Wie immer!“.
Die Band aus New Jersey hielt ihrem Markenzeichen-Sound (fast) immer die Treue und bescherte uns damit Jahrzehnte voller Rockhymnen.
Unverzichtbar
SLIPPERY WHEN WET (1986)
Mit 28 Millionen Exemplaren rangiert SLIPPERY WHEN WET an 21. Stelle der meistverkauften Studioalben aller Zeiten – ein Klassiker des 80s-Arena-Rock. Es rettete außerdem Bon Jovis Karriere, nachdem ihr zweites Album 7800° FAHRENHEIT gefloppt war. Die Rettung kam in Person von Songwriter Desmond Child, der mit Jon und Richie die Durchbruch-Hits ›You Give Love A Bad Name‹ und ›Livin‘ On A Prayer‹ schrieb. Auch ohne ihn gelang dem Duo aber großartiges Material: die „Rockstar als Outlaw“-Hymne ›Wanted Dead Or Alive‹ und der Crowdpleaser ›Raise Your Hands‹. Bon Jovis bestes Album, mit einigem Abstand.
NEW JERSEY (1988)
Nach dem Erfolg von SLIPPERY WHEN WET blieben Bon Jovi der Erfolgsformel mit dem Nachfolger treu, inklusive Produzent Bruce Fairbairn und Child, Co-Autor der Monster-Single ›Bad Medicine‹. Nachdem sie ursprünglich wieder eine Doppeldeutigkeit als Titel gewählt hatten – 68 AND I OWE YOU ONE (68 und ich schulde dir noch einen) –, entschieden sie sich dafür, ihren Wurzeln Tribut zu zollen: NEW JERSEY. Der Einfluss des Lieblingssohns dieses Staats, Bruce Springsteen, war auf ›Blood On Blood‹ hörbar. NEW JERSEY belegte in zehn Ländern die Spitzenposition der Charts und brachte fünf US-Top 10-Hits hervor, mehr als jedes Hardrock-Album zuvor.
Wunderbar
BON JOVI (1984)
In der ersten Rezension der britischen Presse schrieb Kritikerveteran Paul Suter: „Jon Bon Jovi hat eine Band von klassischer Finesse zusammengestellt…gesegnet mit einer Kommerzialität, die reichlich Verkäufe und Erfolg garantieren sollte.“ Er sollte Recht behalten. Das Debüt ging zwar nicht gleich durch die Decke, erreichte in den USA aber Platz 43. Das herausragendste Stück ist ›Runaway‹, eine hochoktanige Hardrock-Hymne, die Jon 1982 mit Sessionmusikern aufgenommen hatte. Doch andere brillante Stücke wie ›Roulette‹ zeigten, dass Jons neue Truppe ebenfalls eine besondere Chemie hatte.
KEEP THE FAITH (1992)
In dem Jahr, als NEVERMIND von Nirvana an der Spitze der US-Charts stand, überlebten Bon Jovi das große Hair-Metal-Blutbad, indem sie äußerst smart ihr Blatt spielten. Jon landete mit seinem neuen Kurzhaarschnitt in den Schlagzeilen und die Band veröffentlichte ihr symbolisch betiteltes KEEP THE FAITH. Das Album definierte Bon Jovi als Stadionrockband, das Titelstück, gleichzeitig die Single, lieferte die typisch radiofreundlichen Hooks in einem moderneren Stil, das neunminütige ›Dry County‹ demonstrierte wachsende Reife und das kitschige ›Bed Of Roses‹ hielt die Damen bei der Stange.
7800° FAHRENHEIT (1985)
Der Titel des zweiten Albums mag zwar die Temperatur glühender Lava andeuten, die Reaktion seitens Presse und Publikum fiel jedoch lauwarm aus. Mit eher bescheidenem Erfolg (USA: 37, UK: 28, D: 40) fielen Bon Jovi weit hinter ihre Konkurrenten zurück. Doch verdient das Album eine Neubewertung, denn es beinhaltet durchaus große Lieder: ›In And Out Of Love‹ ist Mitte-80er-Cock-Rock vom Feinsten, doch am besten ist ›Toyko Road‹, ein treibender Hardrocker mit Jons bis dato gewagtester Textzeile („Snortin‘ whiskey, drinkin‘ coke…“ – „wir schnupfen Whiskey und trinken Koks“).
THESE DAYS (1995)
Vier der fünf Bandmitglieder, die einst das Debütalbum aufnahmen, sind noch heute an Bord. Das fünfte jedoch, Alec John Such, wurde vor diesem, dem sechsten, „gehen gelassen“. Der Grund war jener schöne Rock‘n‘Roll-Euphemismus: „Substanzmissbrauch“. Hugh McDonald, ein alter Freund, trat an seine Stelle (wenn auch nicht als offizielles Mitglied) und Bon Jovi machten weiter. In Großbritannien und Deutschland erreichte THESE DAYS Platz 1. ›Hey God‹ war eine kraftvolle Rockhymne und auf dem Titelstück kam Jon seinem Held Bruce Springsteen nahe wie nie zuvor oder seitdem. Für viele war dies Bon Jovis letztes gutes Album.
Anhörbar
BLAZE OF GLORY (1990)
Als Jon Bon Jovis Solo-Debütsingle ›Blaze Of Glory‹ Platz 1 der US-Charts erreichte, schien die Band dem Untergang geweiht. Doch wie sich herausstellte, hatte Jon einfach nur eine Pause von dem zermürbenden Album-Tour-Zyklus gebraucht. ›Blaze Of Glory‹ – ein mystisches Cowboylied wie ›Wanted Dead Or Alive‹ – war der Soundtrack des Westerns „Blaze Of Glory – Flammender Ruhm“. Mit hochkarätigen Gästen wie Jeff Beck, Elton John und Little Richard und mehreren guten Stücken (insbesondere ›Justice In The Barrel‹) war das Album sicherlich erfolgreicher als Jons Cameo im Film, wo er innerhalb von Sekunden erschossen wurde.
CRUSH (2000)
Acht Jahre, nachdem KEEP THE FAITH den Sound der Band für die 90er aufgefrischt hatte, tat ›It‘s My Life‹, ein weiterer Monsterhit, dasselbe fürs folgenden Jahrzehnt. Jon und Richie schrieben das Stück mit dem schwedischen Hitmacher Max Martin, der zuvor für Britney Spears gearbeitet hatte. Doch das Lied ist nicht nur eines der härtesten in Bon Jovis Repertoire, sondern auch eine Rückbesinnung auf ihren Pomp der 80er, mit einem klassischen „Fäuste in die Luft“-Refrain, Samboras Talk-Box-Effekt als Reminiszenz an ›Livin‘ On A Prayer‹ und einem Text, der sich auf die Hauptcharaktere Tommy und Gina aus jenem Lied bezieht. Der Rest von CRUSH ist bestenfalls solide.
THE CIRCLE (2009)
Richie Sambora war wohl etwas geistesabwesend, als er über THE CIRCLE sagte: „Es rockt hart!“ Tatsächlich war Bon Jovis elftes Studioalbum und vierte US-Nr. 1 weit weniger heavy als die 80s-Klassiker der Band. Aber es war immerhin besser als sein Vorgänger, das kitschige LOST HIGHWAY. Die erste Single ›We Weren‘t Born To Follow‹ ist eine klassische Bon-Jovi-Hymne, ›Broken-promiseland‹ ist U2 auf Steroiden. Und auch wenn ›Work For The Working Man‹ aus der Feder eines Mannes, dessen Vermögen 100 Millionen Dollar betrug, nicht mehr ganz so glaubwürdig klang, wurde das Stück doch zur Inspirationsquelle für Barack Obama.
Sonderbar
BOUNCE ISLAND (2002)
Nach den Anschlägen vom 11. September machten Bon Jovi ihr ernstestes Album. Eine Entscheidung, die sich als falsch erwies: BOUNCE ist das einzige Bon-Jovi-Studioalbum, das sich in den USA weniger als eine Million mal verkauft hat. Im Gegensatz zu seinem Titel klingt das Album flach, lässt das typische Melodiegespür der Band vermissen und lehnt sich in der Dichte des Gitarrensounds eher an Metallica an. Jon schrieb zwar auf ›Everyday‹ und ›Undivided‹, beide von 9/11 inspiriert, mit mehr Tiefgang als sonst, doch verspielte diesen Bonus umgehend wieder mit ›You Had Me From Hello‹, dem schmalzigsten Liebeslied, das er je verfasste.
Gut 20 Jahre sowie diverse Studioalben, EPs und eine Liveplatte hat die in Rostock gegründete Retro-Kombo nun schon auf dem Buckel und erbringt mit dem jüngsten BALADA erneut den Beweis dafür, Zugang zu einem scheinbar niemals versiegenden Quell an Inspiration und spannenden Soundkulissen zu haben. Das auf das portugiesische Wort für „Party“ getaufte neue Album fächert in alter Coogans Bluff-Manier einen breiten Klangbogen auf, verwebt Krautrock mit Funk, Soul, Avantgarde, Psychedelic, Prog, einer Allman-Brothers-Hommage und was dem Quintett nicht sonst noch alles einfällt. „Das Schweizer Taschenmesser der Rockmusik – so hat uns mal ein Kumpel in seiner Radiosendung umschrieben.“, erklärt Gitarrist Willi Paschen lachend im Zoom-Interview, als man auf die Soundvielfalt zu sprechen kommt und ergänzt ehrlich: „Zwischendurch hatten wir Panik, dass das alles ein bisschen wie Kraut und Rüben wirkt. Aber als wir die Songreihenfolge festgelegt hatten, merkten wir schnell, dass BALADA trotz der Heterogenität nach einem geschlossenen Album klingt.“
Entstanden ist der siebte Streich der Band eher unbeabsichtigt, mitten in der Corona-Zeit: „Eigentlich ging es während der Pandemie los mit dem Joe-Jackson-Cover ›One More Time‹. Alle machten Coveralben und auch wir nahmen uns einige Lieder vor, doch so richtig gefallen hat uns eben nur ›One More Time‹. Daraus haben sich dann weitere Songideen entwickelt, hinzu kamen ältere Ideen von der letzten Platte und formten sich zu einem Grundgerüst. Unsere nächste Tour Anfang 2022 mussten wir wieder absagen, wollten dafür jedoch an den hierfür geblockten Tagen unser Album fertig machen. Wir fuhren zu unserem Drummer, meinem Bruder, Charlie ins Studio nach Leipzig und nahmen dort die Basictracks auf. Im Sommer 2022 kamen dann die ganzen Live-Nachholtermine und deswegen konnten wir BALADA erst 2023 fertigstellen. Wurde alles bisschen knapp, aber wir haben’s trotzdem geschafft.“, so Paschen über den sich stückweise zusammensetzenden Entstehungsprozess des Albums, der vor allem eines in den Mitgliedern ausgelöst hat: Dankbarkeit. „Der Prozess hat wirklich Spaß gemacht, das war gar nicht krampfig. Während der Pandemie und dem daraus resultierenden Abstand habe ich für mich nochmal realisiert, was ich an dieser Band habe und gemerkt, dass es am Ende nicht um die ganzen Business-Aspekte geht, sondern um die Grundessenz. Wir sind schon so lange zusammen, haben immer noch Bock und es kommt immer noch neue Musik raus. Das ist schon cool. Wir können auf Tour gehen, wir verkaufen Platten – ist doch alles ziemlich stabil!“ 2024 werden Coogans Bluff vor allem damit beschäftigt sein, Konzerte zu spielen. Danach geht es dem Lauf der Dinge entsprechend an das nächste Album. Das Coverartwork hierfür hat die Band immerhin schon ausgesucht – „nur die Musik muss noch gemacht werden.“