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Spidergawd: Ausdauerwunder

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Spidergawd: Ausdauerwunder

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Von wegen verflixte Sieben! Sänger und Gitarrist Per Borten ist überzeugt, dass die Zahl kein Unglück bringt. Er freut sich lieber darüber, dass die Besetzung auf SPIDERGAWD VII stabiler denn je ist und vom Metal und Hardrock der 80er befeuert wird. Ein Gespräch …

Hattet ihr schon im Vorfeld der Aufnahmen einen klaren Plan?
Wir setzen uns vorher immer hin und suchen nach einem Rezept. Meistens kommt nicht viel dabei heraus. Es ist wichtig, allen Mitgliedern das Gefühl zu geben, dass sie beteiligt sind. Ich
sammle die Ideen, nehme sie dann Stück für Stück auseinander und verbinde sie zu etwas Neuem. Das betrifft eine Hälfte des Materials. Für die andere bin ich alleine zuständig.

Welcher Track der neuen Platte entstand zuerst, was hat er ausgelöst?
›The Tower‹ und ›Your Heritage‹ gehörten zu den ersten Titeln. Da merkten wir bereits, wie wichtig unser neuer Gitarrist Brynjar für uns ist. Mit ihm funktioniert alles reibungslos. Versteh mich nicht falsch, ich mag unsere älteren Sachen. Aber ich finde es schon wichtig, dass Kunst eine Zielrichtung hat. Für mich muss mehr rauskommen als Musik, die ich mag. Ich muss spüren, dass die Welt unsere Sachen braucht und wir etwas liefern, das sich vom Rest abhebt.

Wo liegt der Unterschied im Vergleich zum Vorgänger SPIDERGAWD VI?
Bei der Tour zu unserem letzten Album fühlte es sich wie bei Kindern an, die erwachsen geworden sind. Danach wollten wir wieder ein Album machen, auf dem man Reibung spürt und es drunter und drüber geht. Gleichzeitig wollten wir die Pop-Qualität nicht vernachlässigen.

Es hört sich wieder nach der New Wave of British Heavy Metal an, oder?
Dieser Stil gehörte von Anfang an zur Band. Zuerst war es immer ein Stück pro Platte. Seit SPIDERGAWD IV spielt die NWOBHM durchgängig hinein. Heute denken wir nicht mehr groß darüber nach. Es fließt alles natürlich aus uns heraus.

Oft halten es Musiker für beleidigend, wenn man sie mit anderen Künstlern vergleicht. Ihr seid anders. Im Video zu ›Sands Of Time‹ zeigt ihr Plattencover von Künstlern, die ihr liebt. Warum seid ihr offener?
Wir haben überhaupt kein Problem damit, wenn es darum geht, andere Musiker als Bezugspunkte zu benennen. Melodien, Riffs oder Klangfolgen sind immer von anderen Liedern und Leuten beeinflusst. Etwas anderes zu behaupten, wäre töricht. Man kann ruhig Nachäffer sein. Es darf nur nicht in Diebstahl ausarten. Das ginge zu weit. Die Texte sind auf jeden Fall persönlicher. Sie müssen enthalten, was ich spüre. Ansonsten kann ich sie nicht singen.

Reden wir ein wenig über die anderen Mitglieder der Gruppe. Wie geht Kenneth als Drummer mit dem Sound um, der im Vergleich zu dem, was er früher bei Motorpsycho spielte, schneller und geradliniger ist?
Niemand in der Band stürzt sich so mit Feuereifer auf den Hardrock der frühen 80er wie er. Er liebt das Zeug. Bei ihm und auch bei Bassist Hallvard spürt man Turboantrieb. Es sprudelt
nur so aus ihnen heraus. Wenn sie den Rhythmus in etwa so wie bei Iron Maiden vorgeben, folgen wir gerne. Ich und Brynjar standen immer auf diese Art von Musik, hatten sie aber nie auf unseren Instrumenten gespielt. Wir mussten einen Schnellkurs machen, unser Picking auf mehr Tempo ausrichten.

Brynjar ist schon der zweite Gitarrist seit SPIDERGAWD VI von 2021. Was speziell bringt er ein?
Er spielte vorher in anderen Formationen, die nichts mit dem zu tun hatten, was wir machen. Bei einer Gruppe namens El Cuero zog es ihn in Richtung Country-Rock. Das ist jetzt kein Thema mehr, er legt sich bei uns ins Zeug wie alle anderen auch. Wir haben privat alle unsere eigenen Neigungen. Wer in Spidergawd spielen will, braucht hohe Ausdauer und Lust auf Thin Lizzy. Das reicht völlig.

Natürlich müssen wir auch über Rolf Martin sprechen. Er hat wie so häufig am Ende des Albums seinen großen Auftritt. Erst ist es jazzig, dann verwandelt sich alles in einen wilden Ritt. Warum hören wir ihn nicht öfter? Ist es manchmal schwierig, das Saxofon zu integrieren?
Er ist vielleicht derjenige, der angesichts der jüngsten Entwicklung bei Spidergawd den größten Verlust verspürt. Ich glaube, dass er persönlich mehr auf den Psychedelic- und Stoner-Rock der frühen Sachen steht. Aber er hat sich trotzdem auf alles eingerichtet. Das Saxofon ist immer vorhanden. Wir benutzen es nur eben nicht als Solo-Instrument. Wir nehmen es für Verzerrung und Low-End-Töne. Das ist die besondere Note im Sound von Spidergawd. Ohne sie würden wir uns anders anhören.

Euer Sound hat sich über die Jahre verändert, anderes bleibt stabil. Die Prog-Nummer am Ende, acht Songs pro Album, römische Zahlen im Titel, ähnliches Cover-Artwork. Wie oft spielt ihr mit dem Gedanken, alles mal komplett über den Haufen zu werfen? So wie Led Zeppelin mit HOUSES OF THE HOLY.
HOUSES OF THE HOLY war die erste Platte, die ich mir von meinem Geld gekauft habe. Für zwei Kronen vor fast vierzig Jahren. Klar reden wir jedes Mal über mögliche Varianten. Am Ende bleiben wir aber doch immer bei den Eigenheiten, die du so schön erwähnst. Ich fürchte, es wird für den Rest unserer Karriere so bleiben. Wir sind da irgendwo Dickköpfe.

›The Tower‹ und ›Afterburner‹ sind die politischen Stücke auf der neuen Platte. Es geht um den Rechtsruck in vielen Ländern. Wie sehr beunruhigt dich das als Sänger und Texter in einer Band?
Ich versuche immer, nicht zu politisch zu werden. Aber dann schleichen sich doch wieder mindestens zwei Texte in dieser Art ein. Wenn es nicht so wäre, hätte ich das Gefühl, ich würde lügen. Egal, in welchem Land man wohnt: Wir werden alle von der düsteren rechten Wolke bedroht, die über uns liegt. Kann ich auch in Zukunft noch sagen, was ich denke? Es gibt Krieg, Umweltverschmutzung, schlechte Arbeitsbedingungen, eine immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich. Es ist die große Frage, wie Kunst unter diesen Bedingungen funktionieren kann. Die stelle ich mir natürlich.

Ihr geht im ersten Quartal 2024 wieder in Europa auf Tour. Was können wir erwarten?
Es geht bei einer Tour immer um die Präsentation der neuen Sachen. Acht Stücke wären aber insgesamt zu wenig. Also liefern wir einen Rundumschlag mit Material aus allen Abschnitten, die nach zehn Jahren hinter uns liegen. Man kann Jubiläumsshow dazu sagen. Wir freuen uns total darauf.

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