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Kansas: Tage der Wiederauferstehung

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Nach einer Karriere voller beachtlicher Erfolge – und diverser Line-up-Wechsel und Streitigkeiten – waren Kansas Mitte der 80er fast am Ende. Doch sie nahmen ihren bekanntesten Songtitel beim Wort, rafften sich wieder auf und machten weiter …

Ab dem Moment, als sie vor einem halben Jahrhundert in Topeka anfingen, Musik zu machen, passten Kansas nie in ein Schema. Sie entstanden in der Hauptstadt des US-Bundesstaates, nach dem sie sich benannten, und ihr Sound war eine bunte, stark von Boogie beeinflusste Version dessen, was in der britischen Artrock-Szene formuliert worden war. Dessen komplexe Elemente konterkarierten sie jedoch häufig mit radiofreundlichen Hooks und der Geige des klassisch ausgebildeten Robby Steinhardt. Doch während sich die beliebten AOR-Bands jener Ära wie Pfauen anzogen, hatte keines der Mitglieder von Kansas Pin-up-Potenzial. Einige waren übergewichtig, andere dürr, teils hatten sie ausladende Frisuren, während einer von ihnen sich nicht mal die Mühe machte, seine Arbeitsoveralls abzulegen. Doch wenn Kansas einstöpselten und spielten, waren sie wahrlich bemerkenswert. Bergeweise Drogen, entfesselte Egos und Rock’n’Roll-Exzess waren nicht die Stolpersteine, die Kansas aus der Bahn warfen. Ihr klassisches Line-up wurde von etwas ganz anderem entzweit: Religion. Im Zenit ihres Erfolgs stieg Gitarrist und Hauptsongwriter Kerry Livgren aus, um gemeinsam mit Bassist Dave Hope – der später zu einem anglikanischen Priester geweiht wurde – die christliche Rockgruppe A.D. zu gründen. Doch abgesehen von einer winzigen Pause Mitte der 80er ließen sich Kansas nicht den Wind aus den Segeln nehmen, erzielten acht Goldalben, drei weitere, die sechsfach Platin in den USA verbuchten (LEFTOVERTURE, POINT OF KNOW RETURN und THE BEST OF KANSAS), sowie über eine Million Verkäufe für das Doppel-Livealbum TWO FOR THE SHOW. Mit insgesamt 24 Mitgliedern haben Kansas eine 50-jährige Karriere hingelegt. Wir präsentieren diese außergewöhnliche Geschichte in den eigenen Worten der Band (siehe Besetzungsliste).

Phil Ehart: Vier von uns waren schon gemeinsam zur Highschool gegangen, und gleich von Anfang an gab es drei Dinge, die Kansas einzigartig machten: die Songs von Kerry [Livgren], die Stimme von Steve Walsh und die Geige von Robby Steinhardt.
Kerry Livgren: In Topeka waren wir von beiden Küsten isoliert und steckten mitten in den USA fest, aber irgendwie machten wir diese unglaubliche Musik. Wir hatten keine Ahnung, woher sie
kam.
Rich Williams: Wir haben in verschiedenen Gruppen angefangen, in Bars und bei Highschool-Abschlussfeiern gespielt, bevor wir unsere Teenager-Jahre hinter uns ließen und begannen, unser eigenes Material zu schreiben. Das Verlangen nach einer Karriere als Musiker hielt die ursprünglichen sechs Jungs zusammen. Keiner von uns wollte einen richtigen Job. Wir folgten Yes, King Crimson und diesen Bands, die auf sämtliche Regeln pf iffen. Über Autos und Mädchen zu singen, war nicht unser Ding. Das einzige Ziel, von dem wir träumten: ein Album schreiben und aufnehmen.
Ehart: Es gab keinen Masterplan für den Erfolg, und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir dieses Gespräch nicht führen würden, hätte Don Kirshner [der Unternehmer hinter The Monkees und
anderen Acts] uns nicht durch das Demoband entdeckt, das wir ihm geschickt hatten.
Livgren: Don Kirshner hatte ein Label, das von CBS vertrieben wurde. Er wollte uns nach New York holen, um dort in den berühmten Record Plant Studios zu arbeiten – besser konnte es für
eine junge Gruppe wie uns gar nicht laufen. An dem Abend floss das Bier, und nicht nur das. Der Beginn eines lebenslangen Traums.
Ehart: Plötzlich waren wir auf Tour in großen Hallen mit Queen, den Eagles und den Kinks.
Livgren: Einer der Gigs mit den Kinks in Arizona fand auf einer sich drehenden Bühne statt. Rich Williams verlor die Orientierung und stieg ins Publikum. Wir kamen in die Garderobe, aber Rich lief immer noch mit seiner Gitarre durch den Zuschauerraum, als die Saallichter längst wieder angegangen waren.

Niemand wusste es zu jener Zeit, doch der Deal von Kansas mit Kirshner (der 2011 verstarb) war alles andere als vorteilhaft für die Band. „Wir lasen den Vertrag, ohne ihn zu lesen, und verkauften unsere Seelen“, seufzt Williams. „Erst bei unserem fünften Album konnten wir nachverhandeln. Davor bekamen wir gerade mal 25 Prozent von jeder Platte, die dann mit dem Management durch acht geteilt werden mussten.“ Das selbstbetitelte Debüt von Kansas erschien 1974, verkaufte sich ordentlich (100.000 Einheiten), erreichte aber nur Platz 174 in den US-Charts. SONG FOR AMERICA lief im Jahr darauf wesentlich besser und schaffte es auf Platz 57. Dessen Nachfolger MASQUE (ebenfalls 1975) ließ dann jedoch mit Rang 70 wieder nach. 1976 änderte sich dann alles. Befeuert vom Erfolg der Hitsingle ›Carry On Wayward Son‹, katapultierte das vierte Werk LEFTOVERTURE Kansas in Superstarsphären und wurde zum echten Meisterwerk in ihrem Katalog. Und weil Steve Walsh an einer Schreibblockade litt, beförderte es zudem Livgren in die Rolle des Hauptsongwriters. Er schrieb auch ›Wayward Son‹, doch wie so oft bei den glücklichen Wendungen der Rockgeschichte tat er das beinahe zu spät.

Livgren: Damals schrieb ich vielleicht 70 Prozent des Materials jeder Platte und Steve steuerte den Rest bei. Am alleresten Tag der Proben sagte Steve dann, dass er nichts hatte – keinen einzigen Track. Ich genieße diese Art von Druck keineswegs, aber rückblickend betrachtet trieb er mich zu Höchstleistungen an.
Ehart: Wir packten gerade unser Zeug zusammen, als Kerry hereinkam und dieses in letzter Minute geschriebene Stück aus dem Hut zog. Es ist ein sehr, sehr besonderer Song, und er hätte es fast nicht auf die Platte geschafft.
Livgren: Ich sagte: „Jungs, vielleicht solltet ihr euch das anhören.“ Die Augenbrauen gingen hoch und natürlich veränderte es alles für Kansas. Es ist ein autobiografisches Lied. Ich befand mich schon immer auf einer spirituellen Reise und suchte nach Wahrheit und Sinn. Dieses Stück sollte mir Mut machen: Ich sagte mir selbst, such weiter, dann findest du, was du suchst.

Bei ihrem nächsten Album POINT OF KNOW RETURN von 1977 (das tatsächlich eine um eine Position höhere Spitzenposition als sein Vorgänger erreichte) zeigte sich Walsh erleichtert, wieder seine Inspiration gefunden zu haben, doch es war Livgren, der einen weiteren Klassiker ablieferte, die fragile Ballade ›Dust In The Wind‹. Als LEF TOVERTURE Goldstatus erreicht hatte (eine halbe Million Einheiten), hatte die Band ihre Schulden bei Kirshner für die Aufnahmen und Tourneen beglichen. Doch jetzt, wo die Tantiemen an die Songwriter gingen, war es ein Mann, der richtig abkassierte, und hinter den Kulissen wuchs die Eifersucht.

Williams: Den Track, der uns den Deal mit Don Kirshner einbrachte, ›Can I Tell You‹, hatten wir zu fünft geschrieben – ohne Kerry. Als Kerry einstieg, wollten wir sein Songwriting. Das war
uns wichtig. Bei den ersten paar Platten fühlten wir uns wie Piraten auf offener See: alle für einen und einer für alle. Aber Geld verändert alles. Das Ungleichgewicht zwischen denen mit
Geld und denen ohne wurde immer deutlicher.
Livgren: Plötzlich begannen wir, richtig zu verdienen, und wir waren alle aufgeregt darüber. Ich war noch so naiv, mir kam nicht mal in den Sinn, dass Steve verstimmt über den Erfolg
einer Platte sein könnte, für die er nichts geschrieben hatte.
Ehart: Kerry arbeitete damals so produktiv, dass ihm alle freie Bahn ließen. Wir akzeptierten alles, was er uns brachte, weil es so großartig war. Aber ja, es floss nun viel Geld. Die Leute sagten, wie fantastisch wir seien, und einige von uns begannen, es zu glauben.
Williams: Als die Autoren anfingen, diese fetten Schecks zu bekommen, wurde es schwierig für diesen Haufen junger Männer voller Saft und Kraft. Wir arbeiteten alle sehr hart, also war das nicht leicht zu akzeptieren. Einige der Jungs kauften sich Autos, Boote und Häuser und ich wohnte immer noch bei meiner Mutter im Keller.

Die andere bedauernswerte Seite war, dass gewissen Leuten in den Sinn kam, dass sie nicht mehr so hart arbeiten und so viel reisen wollten. Etwa zur selben Zeit entwickelten sich Livgrens Lieder der „Selbstermutigung“ hin zu etwas, das direkter in der Theologie wurzelte. Walsh stieg während der Aufnahmen zu POINT OF KNOW RETURN aus, nur um dann doch zum Bleiben überredet zu werden. Bassist Dave Hope fand seinen Trost in Medikamenten. Als die 70er-Jahre endeten, spiegelte das sechste Kansas-Studioalbum MONOLITH von 1979 das Ausmaß ihrer inneren Turbulenzen nicht wirklich wieder. Livgren wurde auf der folgenden Tour zu einem wiedergeborenen Christen, und Hope tat es ihm später gleich.

Video der Woche: The Clash ›Should I Stay Or Should I Go‹

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Am 09. März 1991 erreicht ›Should I Stay Or Should I Go‹ von The Clash erstmals Platz eins der britischen Single-Charts. Der Auslöser: eine Jeans-Werbung.

Spätzünder gibt es auch bei Songs. Als ›Should I Stay Or Should I Go‹ von The Clash zusammen mit ›Straight To Hell‹ 1982 als Doppelsingle veröffentlicht wurde, war ihr Erfolg eher bescheiden und ohne nennenswerte Charterfolge.

Fast zehn Jahre später fragte der amerikanische Jeanshersteller Levi’s die Band, ob er ›Should I Stay Or Should I Go‹ für einen Werbespot verwenden dürfe. Anfangs waren die britischen Punk-Rocker zwiegespalten, schließlich standen sie für künstlerische Unabhängigkeit und Kommerz kritisch gegenüber. Die übrigen Mitglieder überließen die endgültige Entscheidung schließlich Mick Jones, aus dessen Feder der Song hauptsächlich stammte. Jones erteilte Levi’s schließlich die Erlaubnis, da die Marke in seinen Augen ein fester Bestandteil der Rock’n’Roll-Popkultur war.

Im Rahmen des Spots veröffentlichten The Clash den Song am 18. Februar 1991 erneut als Single – mit grandiosem Erfolg. Am 09. März 1991 erreichte sie Platz eins der britischen Single-Charts und ist bis heute die einzige ihrer Singles, die diese Position erreichte. Hier in Deutschland schafften sie es immerhin auf Platz fünf.

Seht hier den Levi’s-Werbespot, der alles ins Rollen brachte:

Seht hier auch die Performance von ›Should I Stay Or Should I Go‹ im Shea Stadium vom 13. Oktober 1982, dem Jahr der Erstveröffentlichung des Songs:

Plattensammler: Joe Satriani

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Die lange Karriere dieses Gitarrenhelden hob mit dem oft kopierten Album SURFING WITH THE ALIEN von 1987 ab, das zu einer Reihe von Erfolgswerken, Grammy-Nominierungen, Engagements bei Mick
Jagger und Deep Purple und natürlich seiner Supergroup Chickenfoot führte. Mit seiner 17. Platte SHAPESHIFTING zog er den Hut vor seinen Idolen und seiner Vergangenheit. Hier erzählt Satch uns von der Musik, die „immer bei mir ist“. (Interview: Grant Moon)

DIE ERSTE MUSIK, AN DIE ICH MICH ERINNERN KANN
Meine Eltern spielten Jazz- und Klassikplatten, während meine älteren Geschwister auf Chuck Berry und Elvis standen, doch meine eindringlichste Erinnerung ist, wie ich in unserem 1949er Dodge saß und ›Sleep Walk‹ von Santo & Johnny im Autoradio lief. Das transportiert mich immer in jene Zeit zurück.

DAS GRÖSSTE ALBUM ALLER ZEITEN
ELECTRIC LADYLAND von Jimi Hendrix, für die Bandbreite des Materials und dafür, wie bahnbrechend es war. Was für eine wundervolle Einladung von Jimi in alle Facetten seiner Kreativität. ›1983… (A Merman I Should Turn To Be)‹: Solche Klänge machte sonst niemand.

DER GITARRENHELD
Es gibt mehrere! Viele sind meine Freunde und es besteht die ungeschriebene Regel, dass man sie nicht nennen darf, also ist es Hendrix. Er brillierte in so vielen Kategorien: der natürlichen musikalischen Begabung, der Originalität, der völligen Hingabe an seine Kunst. Er lebte in der analogen Welt – Messer und Tonbänder, nichts Digitales – und er bekam es einfach hin.

DER SÄNGER
John Lennon. Teils wegen der Zeit, in der ich geboren wurde und aufwuchs. Aber er deckte auch alle wichtigen Punkte ab: Er legte seine Seele bloß, er probierte alles aus und ging Risiken ein. Er konnte ein Liebeslied singen und trotzdem schreien wie verrückt.

https://www.youtube.com/watch?v=bLlIe6uHzEQ

DER SONGWRITER
Ich werde hier Lennon, McCartney und Harrison gemeinsam nennen, denn die drei veränderten, wie Songs geschrieben wurden. Sie erschufen wunderschöne Stücke, lustige Stücke, „Steh auf und
brülle“-Stücke und „Verkriech dich in einer Ecke und weine“-Stücke. Was sie leisteten, ist einfach monumental.

MEIN KULTHELD
Anfang der 80er ging ich zu einem Konzert von Mick Ronson im Old Waldorf in San Francisco. Wir standen total auf alles, was er mit Bowie gemacht hatte, und da spielte er in diesem winzigen
Club vor uns Idioten, die ihn anstarrten. Wir fanden immer, dass er der Coolste von allen war.

DIE UNTERBEWERTETSTE BAND ALLER ZEITEN
Ich wurde an Gang Of Four erinnert, als Andy Gill [im Februar 2020] starb. ›Love Like Anthrax‹ ist ein unglaublicher Track, so wichtig für meine Entwicklung. Ich glaube, sie nisteten sich in den Köpfen viele Musiker*innen ein und machten ihnen bewusst, dass man ein musikalisches Statement setzen kann, ohne alle anderen zu kopieren.

DER ERSTE SONG, DEN ICH LIVE SPIELTE
›Funk 49‹ von der James Gang, oder vielleicht auch ›Volunteers‹ von Jefferson Airplane. So oder so geschah es bei einer Party an der Carle Place High School in New York, an einem Samstagabend 1971. Da spielte ich erst seit ein paar Monaten Gitarre.

DIE BESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE
Nun, das wird wohl die Neue sein, nicht wahr? [wissendes Lachen] Jetzt, wo die Erinnerungen an die Entstehung von SHAPESHIFTING verblassen, kann ich es mir als Außenstehender anhören statt
als Musiker, der dabei war. Als ich die Parts für die Tour danach ausarbeitete, überraschte ich mich selbst mit all den Sachen, die wir da gemacht haben. Ich bin begeistert von der Vielfalt an Musik und Gitarrenstilen.

DAS BESTE LIVE-ALBUM
BAND OF GYPSYS von Hendrix. Es ist keine perfekte Aufnahme, aber ich höre es mir wegen Herz und Seele an. Innerhalb von einem Abend veränderte er den Lauf der Musikgeschichte. Selbst wenn es nur aus der Version von ›Machine Gun‹ bestünde, wäre das genug für mich. Das ist die Bibel, das Zauberbuch der elektrischen Gitarre.

DIE SCHLECHTESTE PLATTE, DIE ICH JE GEMACHT HABE
Meine erste EP [JOE SATRIANI], damals 1984. Kein Bass, kein Schlagzeug, keine Keyboards. Nur Gitarre, mit in Alufolie gewickelten Pickups, die ich mit einem Inbusschlüssel anschlug, um Kickdrum-Geräusche zu erzeugen. Teile der Musik sind schön und ich liebe, dass es Avantgarde war, aber ich habe keine Ahnung, warum ich dachte, dass irgendjemand das hören wollen würde!

MEIN GUILTY PLEASURE
Jedes Mal, wenn ich Greta Van Fleet auflege, sagt jemand, meistens eine ältere Person: „Wer sind diese Typen, die Led Zeppelin nachäffen?!“ Lasst sie in Ruhe! Es gibt Bands, die eine Generation älter sind als sie und es nur für das Geld und den Ruhm tun, aber für mich scheinen diese Jungs diese Musik wirklich zu lieben, und sie haben echtes Feuer.

MEIN SAMSTAGABEND-PARTYSONG
›Casino Boogie‹ auf EXILE ON MAIN ST. von den Rolling Stones. Ich liebe Musik, die so rein ist, dass man die Technik ganz vergisst, und die einen einfach zum Lächeln bringt.

DER SONG, DER MICH ZUM WEINEN BRINGT
John Lennons Stimme in ›Across The Universe‹ hat etwas an sich … Wahrscheinlich lässt es mich an ihn und sein Leben denken, und an das, worüber er da singt.

MEIN „IN STIMMUNG“-SONG
Was auch immer Mrs. Satriani mag! Das kann man nie wissen, manchmal sind es frühe Van Halen, was ich auch liebe. Die frühen Sachen mit David Lee Roth hatten diesen sexy, dynamischen Appeal
– alle vier mit Vollgas, man spürte die jugendliche Energie.

DER SONG, DER BEI MEINER BEERDIGUNG LAUFEN SOLL
Ehrlich gesagt würde ich vorschlagen, dass gar keine Musik gespielt wird. Mein Lieblingsgeräusch ist der Wind in den Bäumen. Dieses leichte Flüstern klingt so wunderschön. Musik kann die Menschen so unterschiedlich berühren. Man glaubt, man spielt das perfekte Lied für eine Beerdigung, aber die Hälfte der Trauernden wundert sich, warum da ihr Samstagabendsong läuft! (Interview: Grant Moon)

Meilensteine: Rare Earth veröffentlichen MA

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8. März 1973: Die Rock-Soul-Formation Rare Earth veröffentlicht das Album MA samt gleichnamigem Kulthit.

Als The Sunliners wirkte die 1968 in Rare Earth umbenannte R‘n‘B-Formation aus Detroit, Michigan schon seit den frühen 60ern im lokalen Umfeld mit. Ein erster Vertrag mit dem renommierten Label Verve warf 1968 das unbeachtet gebliebene LP-Debüt DREAM/ANSWERS ab. 1969 weitete das bis dato auf afroamerikanische Künstler abonnierte Label Tamla Motown sein Repertoire aus – Chef
Berry Gordy zielte auf weiße Künstler, nahm Rare Earth unter Vertrag und benannte auch das eigens neu geschaffene Label so. Mit der zweiten LP GET READY, auf der sich eine mehr als 20-minütige psychedelische Soulrock- Version des von Smokey Robinson für The Temptations verfassten 66er Charthits ›Get Ready‹ tummelte, gelang auf Anhieb der Durchbruch. Allerdings haderte die Truppe von Anbeginn an immer wieder mit der Besetzung: Von 1969 bis 1971 wirkten Gil Bridges (Saxofon, Flöte, Harmoniegesang), Peter Hoorelbeke (Schlagzeug, Lead Vocals), Kenny James (Keyboards), John Persh (Bass, Posaune, Harmoniegesang), Rod Richards (Sologitarre, Harmoniegesang) und Eddie Guzman (Percussion) mit. Ab 1972 ersetzte Mike Urso den ausgeschiedenen Persh.

Mit den Nachfolge-LPs ECOLOGY (1970), ONE WORLD (1971), RARE EARTH IN CONCERT (1971) und Charthits wie ›(I Know) I‘m Losing You‹, ›Born To Wander‹, ›I Just Want To Celebrate‹, ›Someone To Love‹, ›Any Man Can Be A Fool‹ und ›Hey Big Brother‹ konsolidierte sich der Karriereauftrieb. Aus unerfindlichen Gründen lag das exzellente Album WILLIE REMEMBERS (1972) wie Blei in den Verkaufsregalen. Für das sechste Studiowerk MA kollaborierten Rare Earth nach ECOLOGY abermals mit Norman Whitfield, Motowns Produzentengenius. Whitfield trieb seit den Spätsechzigern das Subgenre Psychedelic-Soul mit LPs von The Temptations, Edwin Starr und The Undisputed Truth voran. MA lieferte mit dem knapp 18-minütigen Titelsong sowie weiteren Tracks wie ›Big John Is My Name‹, ›Smiling Faces Sometimes‹, ›Hum Along And Dance‹ und ›Come With Me‹ einen weltweiten Diskothekenreißer ersten Ranges. In den USA platzierte sich MA auf Rang 12 der R & B-Charts. Doch auch das konnte den kommerziellen Niedergang der bis heute in völlig anderer Besetzung existenten Rare Earth nicht aufhalten.

Bon Scott: Biopic über AC/DC-Sänger geplant

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In Australien arbeitet man gerade an einem Biopic über die frühen Jahre von Bon Scott und seine Zeit in Fremantle. Der Film soll den Titel „The Kid From Harvest Road“ tragen. Ian Hale von „Halo Films“, der zuständigen Produktionsfirma, in einem Statement über das Vorhaben: „Seine Geschichte ist eine Geschichte der Unverwüstlichkeit, der Leidenschaft und des unermüdlichen Strebens nach den eigenen Träumen. Mit diesem Film wollen wir sein Vermächtnis ehren und das Publikum mit der transformativen Kraft von Musik und Entschlossenheit inspirieren.“

Den jungen Bon Scott vor seiner Zeit bei AC/DC soll Schauspieler Lee Tiger Halley (bekannt aus der Netflix-Adaption Boy Swallows Universe) mimen. Der Film werde „ohne Einwände von Scotts Nachlass“ gedreht. Die Dreharbeiten sollen 2025 beginnen.

Dead Star Talk: Neue Single ›The Hurricane‹

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Am 31. Mai erscheint SOLID STATE CHEMICALS, das neue Album von Dead Star Talk. Als Vorgeschmack auf den Debütnachfolger der Band, deren Mitglieder ihre Wurzeln in Dänemark, Deutschland und der Türkei haben, erscheint heute die neue Single ›The Hurricane‹.

Die zehn Song starke Platte wurde, wie der Vorgänger, von Flemming Rasmussen produziert. Die Band selbst über ›The Hurricane‹: „Bei diesem Song haben viele Dinge geklickt – und wir genossen den Moment mit unserem Produzenten (Flemming Rasmussen), als uns klar wurde, was wir gerade aufgenommen hatten. In dem Lied geht es darum, Krisen zu bewältigen und sich während dieses Prozesses weiterzuentwickeln. Eine Stimmung, die wir im Studio wirklich getroffen haben.“

Judas Priest: INVINCIBLE SHIELD

Die Seele für den Priest

Mit FIREPOWER hat die britische Stahlschmiede um Rob Halford vor sechs Jahren ordentlich vorgelegt. Fast vier Jahre in der Mache, hauen die Priester jetzt mit elf Tracks (und einer Gesamtlänge von über 52 Minuten, plus drei Bonus-Stücken auf der Deluxe-Ausgabe) unter der Regie von Andy Sneap, der zusammen mit Tom Allom schon FIREPOWER betreute und auf Tour die Gitarre von Glenn Tipton übernahm, ihr neunzehntes Studio-Langeisen raus. Der „Turbokiller“, der ›Panic Attack‹ ist (ein Wortspiel aus den Synthie-Klängen von ›Turbo Lover‹ und der Hartwurst
›Painkiller‹), glänzt mit mitreißenden Vocals im Mittelteil – schnell und angriffslustig. Noch aggressiver, rapider und auch fieser keift Halford in ›The Serpent And The King‹. ›Trial By Fire‹, die wohl beste Nummer hier, ist ein eher verschachteltes Werk, das auch gut und gern in den Spätsiebzigern hätte entstehen können und in etwa mit ›Sinner‹ oder ›Exciter‹ vergleichbar ist. Der flotte Titeltrack überzeugt mit hervorragender doppelstimmiger Gitarre, der Chorus kann da leider nicht ganz mithalten. Für ›Devil In Disguise‹ nimmt das Quintett ein wenig den Fuß vom Gas und bringt einen eingängigen Refrain – die Nummer zündet sofort, das melodische Solo von Richie Faulkner ist sehr gelungen. ›As God Is My Witness‹ ist ein schneller Track zwischen ›Ram It Down‹ und ›Screaming For Vengeance‹, Halford singt hier mal, anstatt zu schreien und zu keifen. Classic Priest dann in ›Gates Of Hell‹ („let the priest have your soul“) – simpler stampfender Rhythmus. Das hymnische ›Crown Of Horns‹ hält als kommerziellster Track her und hat Ohrwurm-Charakter. ›Escape From Reality‹ ist ein schleppender Brocken mit psychedelischen
Zwischentönen und seicht arabischem Flair, ›Giants In The Sky‹ eine pomp-böse Priest-Hymne mit streckenweise balladesken Tönen. Lediglich das schlichte ›Sons Of Thunder‹ hätte sich die Truppe zum Ende hin verkneifen können.

8 von 10 Punkten

Judas Priest
INVINCIBLE SHIELD
EPIC/SONY

Wolfgang Van Halen: Reagiert auf David Lee Roths Geschimpfe

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Im Januar hat David Lee Roth in einem Audiobeitrag mit dem Titel „This crazy kid“ ziemlich über seinen ehemaligen Bandkollegen Wolfgang Van Halen hergezogen. Es ging darin um Van Halens Nordamerika-Tour im Jahr 2015, bei dem sich Eddie Van Halens Sohn laut Lee Roth recht verwöhnt und egozentrisch verhalten haben soll.

In einem Interview bei „The Morning X With Barnes & Leslie“ hat sich Wolfgang Van Halen jetzt zu diesen Vorwürfen geäußert. „Ich schätze, ich bin geehrt, weil er so viel an mich denkt“, so Van Halen. „Ich schätze, man muss seine Aussagen mit Vorsicht genießen, schließlich hat er auch mal erzählt, dass er „Eruption“ [Eddie Van Halens ikonisches Gitarrensolo] geschrieben hat und die Idee für Frankenstein [Eddie Van Halens ikonische Gitarre] hatte. Er behauptete, alle Soli meines Vaters geschrieben zu haben. Ich schätze, das ist alles, was ich sagen kann. Ich scheine in dieses Van-Halen-Drama hineingeboren worden zu sein, das lange vor mir stattgefunden hat. Und ich schätze, jetzt, wo mein Vater nicht mehr hier ist, um ein Ziel zu sein, ist er wohl zum nächstbesten übergegangen.“