0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

0,00 EUR

Es befinden sich keine Produkte im Warenkorb.

Start Blog Seite 321

Robert Plant: Träume von John Bonham

0

In der aktuellen Folge seines Podcasts spricht Robert Plant über außergewöhnliche Lockdown-Träume.

In der mittlerweile vierten Staffel seines Podcasts „Digging Deep: The Robert Plant Podcast“ sprechen Radiomoderator Matt Everitt und der Led-Zeppelin-Sänger über ungewöhnliche Träume. Besonders im Lockdown, wo es nicht sonderlich viel zu tun gegeben habe, seien die Träume intensiver und verrückter gewesen, erklärt Plant.

Plant erzählt: „Ich habe geträumt, ich wäre wieder mit alten Freunden zusammen, so wie John Bonham, meinem Vater, mein Sohn, der uns verlassen hat, als er fünf Jahre alt war. Und es waren wundervolle Momente großer Erleichterung.“

Rückblende: Soundgarden – ›Jesus Christ Pose‹

0

1991 übernimmt Grunge die musikalische Weltherrschaft. Mit unter den Regenten: Soundgarden mit ihrem damals aktuellen Album BADMOTORFINGER. Dessen größter Hit heißt ›Jesus Christ Pose‹ – ein Song, der nicht nur Ruhm und Ehre, sondern auch jede Menge Ärger mit sich bringt.

Anfang der Neunziger bäumt sich die Grunge-Welle schäumend auf: Nirvana werfen NEVERMIND auf den Markt, Pearl Jam ihr Debüt TEN, und Alice In Chains feiern mit ›Man In The Box‹ Erfolge. Seattle hat plötzlich mehr zu bieten hat als Boeing und Starbucks. Eine Band jedoch, von der alle den baldigen Durchbruch erwarten, hat mit Anlaufschwierigkeiten zu kämpfen: Soundgarden. Sie kann fast ein Jahr lang keinen festen Bassisten finden, nichts geht voran.

Schließlich stößt Ben Shepherd zur Band – ein Glücksfall für Chris Cornell (Gesang/Gitarre), Kim Thayil (Gitarre) und Matt Cameron (Schlagzeug), denn der Mann ist nicht nur ein Top-Basser, sondern auch ein guter Songwriter.

Er ist es, der ›Jesus Christ Pose‹ vom BADMOTORFINGER-Album maß­geblich prägt, wie sich Kim Thayil erinnert: „Wir gingen Anfang 1991 ins Avast Studio, das von unserem Sound-Mann Stuart ­Hallerman geleitet wurde – er hatte bereits ­einige unserer Demos aufgenommen. Wir konnten uns daher bei ihm treffen und in aller Ruhe den ganzen Tag proben. Am Abend kamen dann andere Musiker, die bezahlten, um bei ihm aufzunehmen. Dann mussten wir unsere Sachen wegpacken und uns ­verziehen.“

Während die Vier nachmittags ihr neues Material analysieren, stolpern sie über etwas, das sich wenige Monate später als Soundgarden-Hit entpuppen soll. „Wir haben vor uns hin gejammt“, so Thayil, „und plötzlich hörten wir diesen unglaublich coolen Sound. Es war einer von Bens Riffs. Matt fing dann automatisch an, dazu Schlagzeug zu spielen. Und von da an ging alles rasend schnell.“

Shepherd liefert die Grundidee – dann verwandeln Thayil und Cornell ›Jesus Christ Pose‹ in einen Hit. „Man konnte die Noten und den exakten Rhythmus von Ben gar nicht richtig hören. Alles klang verschwommen, da er so schnell und unglaublich laut spielte. Während ich also versuchte, den Takt nachzuvollziehen, fiel mir ein Gitarrenlauf ein, der wie ein Pterodaktylus auf Crack klang! Das war also mein Beitrag zu ›Jesus Christ Pose‹…

Jedenfalls haben wir die Song-Bausteine alle aufgenommen, und Chris ist mit dem Tape nach Hause gefahren. Er wollte unbedingt den Gitarren-Part lernen. Daraus entwickelte er dann die Bridge.“ ›Jesus Christ Pose‹ ist also ein klassisches Teamwork-Stück, daher tauchen auch alle vier Mitglieder in den Credits auf.

Für den Text ist allerdings nur Chris ­Cornell verantwortlich. Zur damaligen Zeit – Hard Rock driftet gerade in seine albernste Phase ab – will der Soundgarden-Frontmann mit viel Zynismus und schwarzem Humor auf die Lächerlichkeit der Poser-Rocker hinweisen. „Chris hatte diese so genannten Stars einfach satt. Er hasste es, wenn sie beide Arme ausstreckten, um ihren Pseudo-Schmerz zu symbolisieren. Daher griff er die Pose auf und verspottete sie. Doch im Laufe der Zeit ist der ironische Unterton des Songs auf der Strecke geblieben.“

Einige Seattle-Bands hielten Cornell nämlich selbst für einen Poser-Rocker – so zum Beispiel Mark Arm von Mudhoney, der in dem Buch „Grunge Is Dead: The Oral History Of Seattle Rock Music“ schreibt: „Ich mag es, wenn jemand über die Bühne wirbelt und sich die Klamotten vom Leib reißt, um das Publikum zu fesseln. Doch Chris griff sich bei den Gigs immer einen bestimmten Teil seines Shirts und riss es mit einer einzigen Bewegung runter. Da war mir klar, dass er diese Aktion geplant hatte.“

Eine andere Form der Kritik mussten Soundgarden für das Video zu ›Jesus Christ Pose‹ über sich ergehen lassen – denn es gibt darin etliche Anspielungen auf die Kreuzigung Christi. „Wir haben absicht­lich provokante Bilder verwendet – es gab sowohl umgedrehte als auch brennende Kreuze zu sehen. Das war jedoch nichts Neues für uns: Unser ehemaliger Bassist Hiro Yamamoto hatte schon früher ähn­liche Motive für unsere Texte verwendet“, berichtet Gitarrist Thayil. „Doch die Verantwortlichen bei MTV wollten das Video nicht spielen – und das, obwohl Madonna kurz zuvor das Video zu ›Like A Prayer‹ gedreht hatte. Darin ist auch ein brennendes Kreuz zu sehen. Wir fühlten uns natürlich ungerecht behandelt. Sie durfte es, aber wir, die Rocker, wurden ausgeschlossen. Dabei war die Sequenz in unserem Clip wesentlich kürzer.“

Das spielt damals jedoch keine Rolle. Soundgarden müssen auf die Unterstützung des Senders verzichten – obwohl ihnen zumindest niemand eine direkte Jesus-Beleidigung vorwerfen kann. „Wir wollten unbedingt eine farbige Frau ans Kreuz hängen – und auf keinem Fall einen weißen Kerl!“, beteuert Thayil. „Letztendlich haben wir dann eine Dame gefunden, die indianische Wurzeln hatte. Aber im Clip konnte man das kaum sehen.“

Nach einer zähen Debatte lief ›Jesus Christ Pose‹ dann aber doch noch auf MTV – allerdings meist nur spät nachts in der Metal-Sendung „Headbangers Ball“. Doch obwohl das Video kaum gespielt wurde, entwickelte sich das dazugehörige Album BADMOTORFINGER zu einem Verkaufs­schlager – dem weitaus TV-freundlicheren Video zur zweiten Single ›Outshined‹ und erstklassigen Gigs im Vorprogramm von Metallica, Guns N’Roses und beim Lollapalooza-Festival sei Dank. Am Ende schafften Soundgarden also doch noch den Durchbruch – und auch ›Jesus Christ Pose‹ kam zu Ruhm und Ehren.

Bis zum Split der Band im Jahr 1997 haben die Seattle-Riffer die meisten ihrer Shows mit diesem Track entweder eröffnet oder beendet. Und obwohl der Song zu den am ­häufigsten gespielten Tracks der Band-Karriere zählt, nervte er die Komponisten nie – im Gegenteil: Er zählt sogar zu Kim Thayils persönlichen Favoriten. „Ich liebe diesen Song immer noch“, betont er. „Viele Soundgarden-Songs gehen mir wirklich auf die Nerven, ›Jesus Christ Pose‹ jedoch bis heute nicht.“

Das Albumcover von BADMOTORFINGER:
92100990242330742347

Iron Maiden: Neues Album SENJUTSU

0

Endlich lassen Iron Maiden die Bombe platzen: Am 3. September erscheint ihr 17. Studioalbum mit dem Titel SENJUTSU, dessen Cover-Artwork Maskottchen Eddie in Samurai-Kluft zeigt.

Iron Maiden Senjutsu

Eine Tracklist mit den zehn neuen Songs hat die Truppe auch schon veröffentlicht, die sich wie folgt liest:

1. Senjutsu (Smith/Harris) 8:20

2. Stratego (Gers/Harris) 4:59

3. The Writing On The Wall (Smith/Dickinson) 6:13

4. Lost In A Lost World (Harris) 9:31

5. Days Of Future Past (Smith/Dickinson) 4:03

6. The Time Machine (Gers/Harris) 7:09

7. Darkest Hour (Smith/Dickinson) 7:20

8. Death Of The Celts (Harris) 10:20

9. The Parchment (Harris) 12:39

10. Hell On Earth (Harris) 11:19

Somit sind auf dem Nachfolger zu THE BOOK OF SOULS von 2015 nur drei Songs unter sieben Minuten, was zu einem Doppel-Album-Format führt. Bruce Dickinson dazu wörtlich: „Die Songs sind ziemlich unterschiedlich, einige von ihnen sehr lang. Außerdem gibt es ein oder zwei Nummern, die ziemlich von unserem typischen Stil abweisen und ich denke, unsere Fans werden überrascht sein. Positiv, wie ich hoffe.“

Am 15. Juli ist bereits eine erste Single namens ›The Writing On The Wall‹ erschienen, inklusive eines animierten Videoclips, der Samurai-Eddie zeigt sowie voller biblischer Anspielungen und Rückbezüge auf den Maiden-Kosmos steckt.

Die reine Polemik: Ein Hoch auf das Vinyl!

Tipps zum korrekten Plattenkauf, spannende Fakten aus der flugzeugverarbeitenden Industrie und ein total konstruktiver Recycling-Plan (unter Realisierungsvorbehalt).

Record Store Day hin oder her: Kauft mehr Platten, denn das ist gut! Einerseits für Sie, liebe Lesenden, denn dann müssen Sie nicht immer den gleichen Quark hören, den Sie mittlerweile ohnehin schon in- und auswendig kennen. Oder sich gar darauf verlassen müssen, dass irgendetwas Relevantes im Radio läuft, was zu Enttäuschung, Frust und Bitterkeit führen kann. Gut ist es auch für die Plattenfirmen: Sobald Sie ihnen eine Scheibe abgekauft haben, fühlen die sich womöglich motiviert, noch eine weitere zu veröffentlichen. Was dann wiederum vorteilhaft für die Plattenhändler ist, wenn in ihren Regalen mehr als zwei unter schiedliche Tonträger auf Kundschaft warten. Und gut für uns ist es natürlich auch, das soll an dieser Stelle gar nicht verschwiegen werden, denn ein Rezensionsteil ohne Rezensionen birgt zwar jede Menge Raum für eigene Notizen, demoralisiert aber all jene Autorinnen und Autoren, die lieber fachlich kompetent über Musik schreiben wollen als über Saurierknochenfunde auf der schwäbischen Alb, die jüngste Novellierung des Bundeswasserstraßengesetzes unter Einbeziehung der Flutpolderverordnungsverordnung (zweite Lesung) oder die korrekte Ernährung von mexikanischen Rennmäusen.

Apropos korrekt: Aufrufen zu mehr Konsum, und darum handelt es sich ja beim eingangs erwähnten „Kauft mehr Platten!“, haftet dieser Tage natürlich der Ruch des potenziellen Klimakillers an. Vor dem geistigen Auge erscheinen missgelaunte Halbwüchsige mit Transparenten, die meine Neuerwerbungen – trotz mancher Zuckerstücke und Raritäten – partout nicht gegen ihre Zukunft eintauschen wollen. O je … schnell an etwas anderes denken! Hundewelpen! Hundewelpen!

Dabei gibt es einen Ausweg aus der Misere: Gebrauchtkauf, denn die Ökobilanz bereits gepresster Vinyl- oder Polycarbonatscheiben, mithin die erdölbasierten Stoffe, aus denen unsere LP- und CD -Träume sind, ist so schlecht nicht. Klang gewordene Wiederverwertung, die den Müllberg schrumpfen lässt, Weltmeere und Gewissen entlastet! Der Haken an der Sache: Vor allem in Flohmarktkisten mit der Aufschrift „Zehn LPs für einen Euro“ wimmelt es gemeinhin nur so von schwer vermittelbarer Ware, die prädestiniert ist für deutlich rustikalere Recyclingtechniken. Konkret: den Schredder.

Keine Ahnung, ob das heute noch so ist, aber früher war es tatsächlich gängige Praxis, das fein zerkrümelte Vinyl dem Asphalt bei zumischen, mit dem dann sonnengegerbte, lederhäutige Männer unsere Bundesautobahnen um weitere Stauspuren verbreiterten. Wir fuhren also quasi auf Musik, die niemand mehr hören wollte. Mit der CD ist es leider nicht ganz so einfach. Bisweilen entdeckt man Fahrzeughalter, die sich einen ausgedienten Silberling an den Rückspiegel hängen, was einerseits mit wirren Lichtreflexionen irritieren kann, andererseits auch nur quantitativ begrenzt zur Entsorgung beiträgt. 37 silberne Scheiben am Rückspiegel werten Ordnungshüter zu Recht als „ Sichtbehinderung“ , die mit einem Bußgeld geahndet wird. Wohin also damit? Das Zeug landet, sofern legal entsorgt und zerhäckselt, entweder im Müllverbrennungswerk oder wird (hoffentlich) fachgerecht recycelt – je nach Marktlage. Aus Polycarbonat lassen sich theoretisch nämlich – außer CDs – noch allerlei andere, mehr oder minder sinnhafte Dinge herstellen. Etwa Brillengläser und Gewächshäuser. Oder Flugzeugfenster.

Ich räume ein: Der Gedanke, dass man in 10.342 Mete n Höhe und bei einer Geschwindigkeit von 917 Stundenkilometern von der bitterkalten und auch ansonsten reichlich lebensfeindlichen Stratosphäre nur durch aufgebackene Ex-CDs getrennt wird, kann empfindsamen Gemütern Anlass zur Beunruhigung geben. Falls man beim Blick aus der Boeing einen blass verschwommenen GEMA-Aufdruck entdeckt, sollte man vielleicht doch besser die Fluggesellschaft wechseln. Aber das mit dem Fliegen ist ja eh so eine Sache, ebenso wie das Autofahren auf ehemaligen Heintje-Platten. Genau: Hundewelpen! Hundewelpen! Konstruktiver Vorschlag: ein Pfandsystem für ungeliebte CDs. Die schiebt man, sofern dezidiert unverkäuflich, in ein Gerät beim Plattenhändler und kassiert dafür 20 Cent pro Scheibe, die umgehend in den Erwerb neuer Ware investiert werden können. Das Presswerk holt den Kram, schleift ab, beschichtet neu und verwandelt Scheiße in Gold. Alchemie des frühen 21. Jahrhunderts. Wenn jetzt irgendein diplomierter Polymerisations-Nerd behauptet, dass das leider nicht so einfach ginge: L a la la … will ich gar nicht hören! Und schon wieder: Hundewelpen! Hundewelpen!

Queen: Das letzte Lebwohl

0

Selbst als ihm die Zeit davonlief, war Freddie Mercury die treibende Kraft hinter dem Album INNUENDO von 1991 und die Stimme aus dem Jenseits auf MADE IN HEAVEN, das 1995 erschien. Wir erzählen, wie Queen sich in Würde verabschiedeten.

1990. Die Bluthunde der britischen Regenbogenpresse hatten sich an Freddie Mercurys Fersen geheftet. Tag und Nacht belagerten Reporter das Zuhause des Queen-Frontmanns in West-London, wann immer er das Haus verließ – was er zusehends seltener tat –, wurde er begleitet von einer Kakophonie von Kameraauslösern und Mikrofonen, die man ihm entgegengereckte. Seine Verfolger hatten alle dasselbe Ziel, nämlich eine Bestätigung für das offenste Geheimnis im Rock’n’Roll zu bekommen: dass Mercury HIV-positiv, an AIDS erkrankt war – und nicht mehr lang zu leben hatte. Doch mehr als Krümel bekam die Presse nicht, aus der sie ihre reißerischen Artikel zusammenpflücken konnte. Am meisten bezog man sich auf Mercurys hageres Aussehen bei den Brit Awards im Februar. Brian May hielt sie unterdessen mit dem offiziellen Statement auf Abstand: „Er hat definitiv nicht AIDS, aber ich denke mal, sein wilder Rock’n’Roll-Lifestyle hat ihn eingeholt“.

In jener Zeit, als noch niemand wusste, was Social Media ist, war das Schweigen aus dem Queen-Lager absolut. Die öffentliche Leugnung von Mercurys rapide abbauender Gesundheit stand jedoch im Gegensatz zu den musikalischen Lebenszeichen der Band zu jener Zeit. INNUENDO im folgenden Jahr bestätigte quasi die Diagnose des Sängers und tauchte tiefer in seine Gedankenwelt ein als jedes noch so offenherzige Interview. „Wir hatten mit Dingen zu kämpfen, über die man damals nicht so leicht sprechen konnte“, so May, „doch in der Musikwelt konnte man das.“

INNUENDO war in den Metropolis Studios in London und bei Mountain in Montreux entstanden. Es war ein zu vielfältiges Werk, um platt als „das AIDS-Album“ abgetan zu werden, und in der besten Tradition von Queen deckten diese zwölf Songs ein breites Spektrum an Genres ab. Im Titelstück gab es Varieté-Drumrolls, Flamenco-Gitarren und ein kreischendes Hardrock-Gitarrensolo von Brian May, andere Songs waren inspiriert von so unterschiedlichen Themen wie Roger Taylors Autos (›Ride The Wild Wind‹) und Mercurys Katze (›Delilah‹). Das lebhafte ›I Can’t Live Without You‹ und die Vollgasnummer ›Headlong‹ (ursprünglich offenbar für Mays Solokarriere geplant) klangen gewiss nicht wie die Arbeit eines Sterbenden. „Das Letzte, was er wollte“, so Taylor über Mercurys trotziges letztes Gefecht, „war die Aufmerksamkeit auf irgendeine Schwäche oder Gebrechlichkeit zu lenken. Er wollte kein Mitleid.“

Mindestens drei der Stücke auf INNUENDO gaben allerdings Einblicke in Mercurys Gefühlswelt, während die Körner unerbittlich durch die Sanduhr rannen. Auf dem von ihm geschriebenen ›I’m Going Slightly Mad‹ verband er eine kratzige, etwas unheimliche Strophe mit einem leichtherzigen Refrain, einem irgendwie deplatzierten hawaiianischen Slide-Gitarrensolo und Metaphern voller Galgenhumor, die den Text davor bewahrten, allzu deprimierend auszufallen („This kettle is boiling over/I think I’m a banana tree“).

›The Show Must Go On‹ stammte hautpsächlich aus Mays Feder und war noch düsterer. Mercury sorgte hingegen für den Text und bestand darauf, dass der finster-ironische Arbeitstitel beibehalten würde. Unheilvolle Streicher trafen hier auf Zeilen ohne Hoffnung („Empty spaces/What are we living for?“). Taylors ›These Are The Days Of Our Lives‹ fiel unterdessen lieblicher aus, war aber kein bisschen weniger bewegend, ein wehmütiger Blick des Schlagzeugers zurück auf die glücklichen Anfangstage, „when the bad things in life were so few“. Die Kluft zwischen jenen Zeiten und dem Hier und Jetzt wurde eindringlich unterstrichen von dem monochromen Video zum US-Single-Release: Mercury spindeldürr und aufgrund einer hartnäckigen Läsion am Fuß bewegungslos, aber immer noch mit einem Funkeln in den Augen, als er für das geflüsterte Adieu am Ende tief in die Linse blickt: „I still love you“.

Das Gefühl beruhte offensichtlich auf Gegenseitigkeit, zumindest in Großbritannien, wo sowohl das Album als auch die gleichnamige Single Platz 1 erreichten, ohne dass irgendwelche Promotion-Aktivitäten stattgefunden hätten oder die Band auch nur in die Nähe einer Bühne gekommen wäre. „Ich denke, das ist unser bestes Album seit langem“, sagte May in der „Vox“. „Ich schäme mich für nichts. Oft veröffentlicht man eine Platte und denkt sich: ‚ich wünschte, wir hätten dies oder jenes getan …‘ Mit dieser bin ich ziemlich zufrieden und ich kann sie mir ohne Probleme anhören. Ich mag sie sehr. Sie ist schön komplex und heavy, mit sehr vielen Einfällen.“

Queen mussten nichts mehr beweisen. Nachdem er mit INNUENDO einen würdigen Schwanengesang abgeliefert hatte, wäre der logische nächste Schritt für einen Mann in Mercurys Position gewesen, sich zurückzuziehen, seine Angelegenheiten zu regeln und in Frieden die Uhr zu Ende ticken zu lassen. Doch wie Taylor in der Dokumentation „Days Of Our Lives“ erzählte, sah der Sänger seine rasch verstreichende Zeit als eine Chance für einen letzten Kreativschub, entweder um seine eigene Legende zu bestätigen, oder um seinen Bandkollegen noch frisches Material für die Zukunft zu hinterlassen.

„Je kränker er wurde, desto mehr schien er das Aufnehmen zu brauchen“, erinnerte sich der Schlagzeuger. „Um sich eine Aufgabe zu geben, einen Grund, aufzustehen. Also kam er ins Studio, wann immer er konnte. Tatsächlich wurde so eine ziemlich intensive Arbeitsphase daraus.“ May sah es ähnlich: „Freddie sagte einfach nur: ‚Ich will weiter arbeiten, alles wie immer, bis ich fucking tot umfalle. Das ist, was ich will. Und ich hätte gerne, dass ihr mich dabei unterstützt, und ich will keine Diskussion
darüber‘.“

T.G. Copperfield: In die große, offene Weite

0

Nachdem der Regensburger T. G. Copperfield bei 3 Dayz Whizkey mitgemischt hatte, wollte er es einmal solo versuchen und selbst für sein musikalisches Schaffen verantwortlich sein. Ganz allein ist er dabei natürlich doch nicht und so unterstützt ihn seine Electric Band, nach der er auch sein neuestes, mittlerweile achtes „eigenes“ Studioalbum benannt hat. „Es war mir wichtig, die Platte so Band-bezogen wie möglich zu machen, also auch Songs darauf zu haben, die ihr einen gewissen Freiraum geben, wo sie sich gut einbringen kann, auch was Jams und Soli betrifft“, sagt der Songwriter, auch Bezug nehmend auf das harte letzte Jahr für ihn und seine Kollegen.

Besonders stolz ist er auf die Veröffentlichung des Albums im Vinyl-Format, denn: „Manche Alben sind einfach für dieses Medium gemixt und gemastert“. Und auch THE ELECTRIC BAND ist genau dafür konzipiert, mit klarer A- und B-Seite, die ihre eigenen Spannungsbögen und Rausschmeißer haben. „Das hängt auch damit zusammen, wie Sachen aufgenommen wurden, wie eine Band aufeinander reagiert hat, wie viel Energie da reingeflossen ist.“ Genau diese wollte der Sänger unbedingt bewahren, weshalb die Songs von der ganzen Band gemeinsam im Studio eingespielt wurden. „Musiker verhalten sich anders, wenn man in einem Raum steht und sich in die Augen schauen kann, wenn man ein bisschen das Tempo variiert. All das macht eine Band aus. Das ist wie ein Organ, wie ein Herz. Das schlägt ja auch nicht ganz genau. Außerdem hasse ich es, wenn alles so zusammengenagelt und super exakt ist wie am Operationstisch.“

Das Ergebnis sind zehn Songs, die sich der „lonesome Cowboy aus der Oberpfalz“ so auch in den eigenen Plattenschrank stellt, denn er möchte Musik erschaffen, die er selbst gerne hört. Inspiration hierfür zieht der Liebhaber von alternativem Americana- und R’n’B-Sound, der sich selbst als Landei bezeichnet, aus seiner Heimat: „Die Weite der bayerischen Landschaft, das inspiriert mich, das ist sehr ähnlich wie in den USA. Auch vom Mindset her, dieses Einfache. Man besinnt sich darauf, was wichtig ist.“

Bei der Interpretation seiner Werke möchte der Gitarrist und Sänger keine Vorgaben machen: „Ein Song heißt ›Ten Men On A Dead Man’s Chest‹. Das ist eine Story über ein Schiff, das vom Kapitän ins Verderben gelenkt wird und dann Schiffbruch erleidet. Eine Story, die auf der Meta-Ebene viele Bedeutungen haben kann.“ Wer also der Kapitän im eigenen Leben ist, muss der Hörer für sich herausfinden – am besten natürlich auf Platte: „Das ist wie Rotweintrinken“.

Gewinnspiel: Hier Tickets für das Cannonball Festival gewinnen!

0

Das größte Classic-Rock-Festival in Skandinavien darf dieses Jahr wieder stattfinden!

Das Ein-Tages-Festival in Dänemark findet am 04. September statt. Nachdem es letztes Jahr aufgrund der Pandemie nicht möglich war, ist jetzt die Freude umso größer.

Cannonball-poster.jpeg wird angezeigt.

Neben den Headlinern D-A-D und The Sandmen sind auch Lucer, Timechild und Kellermensch am Start. Wer also wieder Lust auf Live-Musik hat, der kann bei uns zwei Tickets gewinnen!

[contact-form-7 id=“105478″ title=“Cannonball Festival Tickets“]

Video der Woche: The Sweet mit ›Hell Raiser‹

Mick Tucker wäre heute 74 Jahre alt geworden. Doch der Drummer verstarb im Jahr 2002.

The Sweet feierten in den 70ern riesige Erfolge. Aufgrund von Glitzer, Glam und Bubblegum musste die Band immer wieder kämpfen, vor allem gegen ihr Management, das andere Pläne hatte und aus der Rockband am liebsten eine kommerzielle Popgruppe gemacht hätte. Neben dem wohl bekanntesten Track ›The Ballroom Blitz‹ hatten die Briten jedoch noch eine ganze Reihe weiterer Erfolgssongs, die gerne auch in Soundtracks und Trailern von Filmen auftauchen (Suicide Squad, Guardians Of The Galaxy). Es ist ebenso wie ›Hell Raiser‹ Teil von BLOCK BUSTER!, das mit ›Teenage Rampage‹ gleich drei Hits vorweisen konnte.

Obwohl Sänger Brian Connolly die Band 1979 verließ und damit das erfolgreiche Line-Up zerbrach, bleiben The Sweet ein prägender Einfluss auf die Glam-Rock Szene.

Wer sich noch tiefer in den Katalog von The Sweet einarbeiten möchte, hat die Möglichkeit zum heutigen zweiten Teil des Record Store Days eine Doppel-LP zu erstehen, die mit Outtakes, Demos und Instrumentalversionen besticht – selbstverständlich inklusive ›The Ballroom Blitz‹, ›Hell Raiser‹ und ›Teenage Rampage‹.