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AC/DC: BACK IN BLACK Track by Track Pt. 1

Zum Geburtstag von BACK IN BLACK schaut CLASSIC ROCK ganz genau hin und beleuchtet jeden einzelnen Song der A-Seite des Klassikers.

ACDC - Back In Black-inside

„Nach den Aufnahmen musste ich sofort nach Hause fliegen und hatte keinen einzigen Song gehört. Mehrere Wochen später, als ich die erste Nummer hörte, war ich einfach nur überwältigt: BACK IN BLACK ist bis heute eine Naturgewalt“, erinnert sich Brian Johnson an die nervenaufreibende Zeit, als er in die Fußstapfen einer Legende trat, um 1980 mit AC/DC auf den Bahamas die Platte aufzunehmen, die bis heute den Rekord des meistverkauften Rockalbums aller Zeiten hält. Wir schauen genau hin und beleuchten jeden einzelnen Song der A-Seite des Klassikers.

›Hells Bells‹
Als BACK IN BLACK im Juli 1980 erschien, muss es vielen Fans ähnlich ergangen sein. Mit zitternden Fingern legten sie die Nadel auf das pechschwarze Vinyl und warteten angespannt. Alleine bei der extra für diesen Zweck gefertigten und wohl geschichtsträchtigsten Kirchenglocke der Rockmusik dürfte sich bei vielen Gänsehaut eingestellt haben. Dann das kriechend bedrohliche Riff, der wuchtige Einsatz der brillanten Band und ein Spannungsbogen, der kaum auszuhalten war. Wann würde der neue Typ endlich zeigen, ob er es verdient hatte, Bon Scotts Nachfolger zu sein? Und da war er schließlich, nach einer gefühlten Ewigkeit, mit den mächtigen, von einem Tropensturm inspirierten Lyrics: „I’m rolling thunder, pouring rain, I’m coming on like a hurricane“. Mit umfassender Stimmgewalt und atemberaubender Präsenz hielt Brian Johnson den gewaltigen Donnersturm namens AC/DC im Zaum und überzeugte Kritiker und Fans: Dieser Mann war der Richtige für den Job.

›Shoot To Thrill‹
Nach dem lupenreinen Prototyp eines perfekten Openers, wie ›Hells Bells‹ einer war, entschieden sich AC/DC für diesen groovigen Track als zweite Nummer und schwenkten weg vom düsteren Metal-Einschlag, hin zu ekstatischem Rock’n’Roll. Die kantigen Töne aus Malcolms „The Beast“ machen dem Begriff Rhythmus-Gitarre alle Ehre, Cliff Williams und Phil Rudd peitschen den Song gnadenlos vor sich her, während Brian Johnson fast ohne Atempause von „too many women and too many pills“ singt. Was auf den ersten Blick nach Frauenmörder-Fantasien oder einer Skizze des wilden Tourlebens klingt, sollte laut Johnson auf die Geschichte eines Dealers anspielen, der damals in England gelangweilte Ehefrauen mit Narkotika versorgte. Auf den Refrain nach dem frenetischen Solo folgt der epische Zwischenteil, welcher bei Konzerten den Zeitpunkt markiert, wo ganze Stadien euphorisch und hoffentlich im Takt klatschen. Gänsehaut pur.

›What Do You Do For Money Honey‹
Ohne Pause zogen AC/DC auf der A-Seite von BACK IN BLACK durch. ›What Do You Do For Money Honey‹ ist eine energetische Rock’n’Roll-Nummer mit grandiosem Chorus und die erste von dreien in einer Reihe, die sich mit Frauen und Sexualität auseinandersetzen. Wobei die Frage „Hey Schätzchen, was machst du eigentlich alles für Geld?“ verglichen zu den Texten der anderen Songs schon fast subtil wirkt. Deshalb sind auch viele Fans bis heute überzeugt, dass hier altes Material von Bon Scott verarbeitet wurde, ohne ihm die Credits dafür zu geben. AC/DC jedoch behaupten, eigentlich alle Inhalte selbst verfasst zu haben. Da BACK IN BLACK dem großen Bon Scott Tribut zollen sollte, hätte es von außen betrachtet auch nur wenig Sinn gemacht, das Adaptieren seiner Lyrics zu verschweigen. Die Wahrheit liegt wohl irgendwo auf den Bahamas vergraben …

›Givin’ The Dog A Bone‹
Apropos Texte: „She takes you down easy going down to her knees, going down to the devil down down to ninety degrees, ah she’s blowing me crazy till my ammunition is dry“. Wer in dieser pikanten Konstellation der Hund und was der Knochen ist, sollte klar sein. Der Song liefert eine unverblümte Erzählung des guten, alten Oralverkehrs und skizziert beispielhaft einen der Unterschiede zwischen Bon und Brian. Während ersterer seine Anspielungen etwas spitzfindiger verpackte, haut der Mann mit der Schiebermütze gerne ohne Umschweife auf die Zwölf. Bon war der charmante Rabauke, Brian ist der sympathische Arbeiterklassentyp. Die Lyrics des energetischen ›Givin’ The Dog A Bone‹ sorgten trotzdem nicht für großes Aufsehen. Ein grundlegendes Mysterium in der Geschichte von AC/DC.

›Let Me Put My Love Into You‹
Neben seiner Liebelei mit schweren Maschinen und schnellen Karren geht es Auto-Freak Johnson hier ähnlich direkt an wie in ›Givin’ The Dog A Bone‹. Die Zeile „Let me put my love into you, babe, let me cut your cake with my knife“ lässt nicht viel Interpretationsspielraum zu und wirft abermals die Frage auf, warum sich AC/DC nie wirklich mit Sexismus-Vorwürfen konfrontiert sahen. Aber gut, wer könnte diese augenzwinkernden Worte der schmächtigen Anti-Rockstars, einer davon in Schuluniform, schon guten Gewissens auf die Goldwaage legen? Immerhin schaffte es der Song 1985 in die „Filthy 15“ des Parents Music Resource Center. In der Liste fanden sich auch Mötley Crüe, Prince und Madonna wieder. Angus äußerte sich dazu damals im People Magazin: „Menschen, die die Rechte anderer beschneiden wollen, sind von einem der schlimmsten Teufel besessen – der Intoleranz. Im Rock’n’Roll geht es um Freiheit. Wenn jemand diese Freiheit zunichtemachen will, sind wir dagegen.“

 

AC/DC: Professioneller Mitschnitt von ›If You Want Blood‹ aus Bratislava

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Von AC/DCs aktueller POWER UP-Tournee gibt es jetzt einen weiteren professionellen Mitschnitt vom Tour-Opener ›If You Want Blood (You’ve Got It)‹ bei Youtube zu sehen. Entstanden ist der Clip beim Konzert in Bratislava am 21. Juli 2024 – wo AC/DC vor mehr als 100.000 Menschen auftraten.

In den nächsten drei Wochen wird die Band noch sechs Konzerte in Europa spielen. Am 27. Juli geht es in Nürnberg auf dem Zeppelinfeld weiter, die vorerst letzte Show der Tournee findet am 17. August in Irland in Dublin statt.

Bob Dylan: Trailer zum Film „A Complete Unknown“

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„A Complete Unknown“ zeichnet die Anfänge und den kometenhaften Aufstieg von Bob Dylan nach.

Searchlight Pictures hat den ersten Trailer zum kommenden Streifen „A Complete Unknown“ veröffentlicht. Der Film beschäftigt sich mit dem Leben und dem Aufstieg von Bob Dylan. Gespielt wird der legendäre Künstler von Schauspieler Timothée Chalamet. Wann der Film in die Kinos kommt, ist bisher noch nicht bekannt.

Die Macher über den Film: „“A Complete Unknown“ spielt in der einflussreichen New Yorker Musikszene der frühen 60er Jahre und verfolgt den kometenhaften Aufstieg des 19-jährigen Musikers Bob Dylan aus Minnesota als Folksänger in die Konzertsäle und an die Spitze der Charts – seine Songs und seine Mystik werden zu einer weltweiten Sensation – und gipfeln in seinem bahnbrechenden elektrischen Rock’n’Roll-Auftritt auf dem Newport Folk Festival 1965.“

Michael Schenker: Neue Version von ›Rock Bottom‹ feat. Kai Hansen

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Hört hier Michael Schenkers Neuinterpretation des UFO-Klassikers ›Rock Bottom‹:

Am 20. September erscheint das neue Album MY YEARS WITH UFO von Michael Schenker. Auf der Platte wird der Ausnahmegitarrist seine Zeit bei UFO nochmal aufgreifen und diese zusammen mit zahlreichen anderen Rockstars zelebrieren. Zu hören sind unter anderem Axl Rose, Slash, Kai Hansen, Roger Glover, Joey Tempest, Saxons Biff Byford, Jeff Scott Soto, Dee Snider, Joel Hoekstra, Joe Lynn Turner, Carmine Appice, Brian Tichy, Erik Grönwall und viele mehr.

Als erste Single wurde ›Mother Mary‹ mit Erik Grönwall am Gesang ausgekoppelt, jetzt folgt der UFO-Kracher ›Rock Bottom‹ vom 1974er Album PHENOMENON mit Kai Hansen am Mikrofon. Außerdem mit dabei: Derek Sherinian, Brian Tichy und Barry Sparks.

John Mayall: Die Blues-Legende ist gestorben

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Ruhe in Frieden, John Mayall. Der legendäre Blues-Musiker ist im Alter von 90 Jahren in Kalifornien verstorben. Das teilte seine Familie in einem Post auf Social Media mit. Mayall war einer der Urväter des British Blues. Seine Kombo John Mayall & The Bluesbreakers beherbergte spätere Stars wie Peter Green, Eric Clapton, Mick Taylor, Mick Fleetwood und viele mehr. Sein letztes Album, THE SUN IS SHINING DOWN, hatte Mayall im Jahr 2022 veröffentlicht.

John Mayalls Bluesbreakers mit Eric Clapton

Torus: Neue Single ›When It Comes‹

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Das aufstrebende Trio Torus aus Milton Keynes kündigt sein selbstbetiteltes Debütalbum mit der neuen Single ›When It Comes‹ an – ein energiegeladener Alternative-Rock-Song mit mitreißendem Refrain und einem heavy Zwischenteil. Am 13. September erscheint dann die dazu passende Platte TORUS.

Alfie Glass (Gesang/Gitarre) erklärt: „›When It Comes‹ ist ein Song über das aufregende Gefühl, wenn du aus einer langen, frustrierenden und schwierigen Zeit ausbrichst, in der es viele Spannungen in der Band gab und auch mein Chaos nach der Trennung. Das ist das Gefühl, wenn du das Licht am Ende des Tunnels sehen kannst und weißt, dass sich alles zum Guten wenden wird.“

Das Video zu „When It Comes“ (wieder einmal von Bassist Harry Quinn selbst produziert) ist eine Hommage an die Kyuss-Klassiker ›Green Machine‹ und ›One Inch Man‹, gedreht am Strand von Camber Sands.

Slash: Teufelswerk

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Er mag „im Herzen ein Hardrocker” sein, doch mit seinem neuesten Album – einer Auswahl an Klassikern der „Musik des Teufels“, gesungen von verschiedenen Gaststimmen – ist Slash ein weiterer Rock-Superstar, der den Pfad des Blues beschreitet.

Slash ist in Birmingham und bereitet sich auf den zweiten Abend seiner UK-Tour mit Myles Kennedy & The Conspirators vor. Aber, um Billy F. Gibbons zu paraphrasieren, sein Kopf ist in Mississippi, während er mit großer Leidenschaft über sein neues Album aus hauptsächlich Blues-Songs spricht, das eine Vielzahl von Star-Sänger*innen und -Spieler*innen wie Gibbons, Brian Johnson, Iggy Pop, Chris Robinson, Beth Hart, Chris Stapleton, Steven Tyler und Gary Clark Jr. präsentiert.

Es heißt ORGY OF THE DAMNED, was nach einer ziemlich wilden Party klingt. „Es ist im Wesentlichen eine Blues-Coverplatte“, sagt Slash. „Und ich dachte angesichts der Zusammenarbeit mit all diesen verschiedenen Leuten und der Tatsache, dass der Blues historisch als Teufelsmusik und Tabu betrachtet wird – du weißt schon, versteck deine Kinder vor dem fucking Blues-Kram –, dass ORGY OF THE DAMNED ein passender Titel wäre. Ich habe nicht wirklich darüber nachgedacht. Er fiel mir einfach so ein.“

Der Titel stand also schnell fest, ein entsprechend grelles, Slash-typisches Cover-Artwork wurde in Auftrag gegeben, und: boom! – eine Sammlung von Liedern, die von Blueslegenden wie Robert Johnson, Howlin’ Wolf und Muddy Waters geschrieben und zum ersten Mal aufgeführt wurden, findet sich wieder in der obersten Etage des Rockadels. Also, was haben diese Jungs vor 60, 70 oder sogar 80 Jahren gemacht, was so besonders war? „Das kommt darauf an, wen du fragst, denn jeder hat eine andere Vorstellung davon, was es für sie oder ihn bedeutet“, sagt Slash. „Für mich geht es ganz einfach um das Gefühl, die Kadenz, die Haltung, den Geist und natürlich den Rhythmus.“ Blues bleibt das Genre, das am magnetischen Nordpol des Classic-Rock-Kompasses sitzt.

Aber indem er solch bekannte Stücke wie ›Hoochie Coochie Man‹, ›Crossroads‹, ›Killing Floor‹, ›Born Under A Bad Sign‹ und ›Stormy Monday‹ zusammen mit Rock- und R&B-Standards wie ›Oh Well‹, ›The Pusher‹ und ›Papa Was A Rolling Stone‹ wiederbelebt, setzt Slash sich einem doppelten Risiko aus: nicht nur, dass er sich kühn das Werk der originalen Bluesmeister aneignet, sondern er lädt auch zu Vergleichen mit den größten Rockbands der 1960er-Jahre ein, darunter Cream, Fleetwood Mac, John Mayall’s Bluesbreakers und all die anderen.

„Weißt du, wenn ich unter diesen Aspekten darüber nachdenken würde, könnte ich einpacken und nach Hause gehen“, sagt Slash ernst. „Viele Leute haben mir wirklich tiefe Fragen gestellt, aber, Mann, das hatte einfach nichts damit zu tun. Es ging wirklich nur darum, dass ich diesen oder jenen Song mag und ihn gern so oder so spielen würde. Wir haben darauf gejammt, ein Arrangement erstellt, soundso hat gesungen, und fertig. Es gibt viele wirklich ernsthafte Bluespuristen da draußen. Wirklich studierte und gut informierte Blues-Guys, das sind großartige Musiker und sie halten sich an eine bestimmte Blues-Richtlinie, sie kennen alle Noten und alles ist perfekt. Das hier bin aber einfach nur ich, der Spaß hat. Es ist nicht einmal alles traditioneller Blues, sondern eine Mischung aus verschiedenen Dingen. Es hat mir Freude gemacht und ich möchte nicht, dass jemand das überanalysiert oder versucht, es auseinanderzunehmen, weil es einfach nicht aus allzu vielen Teilen zusammengesetzt wurde.“ (Text: David Sinclair)

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Die 80er: Als der Rock die Welt regierte

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Die 80er werden gleichermaßen geliebt wie gehasst und oft unterschätzt – doch in vielerlei Hinsicht waren sie eine Dekade, die alles veränderte. Auch in der Musik stellten sie viele Weichen neu.

Nach den 80ern war nichts mehr so wie früher. Sie waren eine funkelnde, aufregend verrückte Landschaft aus Haarspray, Innovation und absurden Geldmengen, und man kann kaum überbewerten, wie hoch die Wellen reichten, die sie in der Musik, der Kultur, der Wirtschaft und der Gesellschaft schlugen. Es war ein Jahrzehnt aus politischen Umwälzungen und technologischen Revolutionen. Der Kalte Krieg. Live Aid. Beidhändiges Tapping. VHS. CD-ROM. Mächtige Großkonzerne.

Synthesizer. Befreiung. Ausbeutung. Mobiltelefone. Underground-Szenen. Legenden … So viel in nur zehn Jahren. Betrachtet man diese Zeit im Kontext ihrer bekanntesten, visuell markantesten Zutaten, haben die 80er seither einen wichtigen Platz im Herzen derer eingenommen, die sie erlebten – ebenso wie in den Herzen vieler Menschen, die nicht dabei waren. Vertraute Kernelemente, die die Fans diese Ära so lieben (und die all die Skeptiker so lächerlich finden, die nach wie vor behaupten, „echte Musik“ sei in den 70ern gestorben). Mötley Crüe. Poison. Synthies und Simmons-Trommeln. ›The Final Countdown‹. Zügelloser Exzess.

Kenny Loggins. Wadenwärmer. „Top Gun“. Doch vor allem erwies es sich als die Zeit, in der die Rockmusik WIRKLICH den Mainstream erreichte. Mit der technologischen Evolution des Musikmachens wichen die Blueswurzeln der 70er dem Popgespür. Was zu Legionen neuer Bands führte, die ein Publikum weit über die existierenden Rockfans hinaus erreichten. Für einen relativ kurzen Zeitraum war Rock die Musik der jungen Leute, so wie es heute HipHop und Urban sind. AC/DC hatten ihre größte Platte überhaupt, Metallica legten ein Fundament, das sie in den 90ern in die Stratosphäre katapultierte. Acts wie Bruce Springsteen, Bon Jovi und Dire Straits zogen ein gigantisches Publikum an, mit einem Katalog wie geschaffen für Stadien und Mega-Events. Es war eben eine andere Zeit. Die ganze Welt durchlebte eine seltsame Phase. Große Erfolge brachten Konflikte und Tragödien mit sich.

Die Dekadenz der Yuppies´auf der einen Seite, Despoten und Hungersnöte auf der anderen – Letztere führten 1985 zu den Live-Aid-Konzerten, ein bahnbrechender Zusammenfluss von Medien, Politik und Spendenaktion. Unterdessen wurde Großbritannien unter Margaret Thatcher von zahlreichen Streiks lahmgelegt. Die Sowjetunion stürzte mit der Atomkatastrophe von Tschernobyl noch weiter ab. Die Mauer fiel. Die AIDS-Krise wütete. Das Internet wurde offiziell „geboren“. Es passierte verdammt viel, und all das trug dazu bei, dass ein phänomenaler Mix aus Pomp und Dreck in den Plattensammlungen der Menschen Einzug hielt. Die Ankunft von MTV führte zu einem Fest aus wunderschönen, augenfälligen und schlichtweg bizarren stilistischen Entscheidungen. Musiker*innen sahen anders aus, liefen anders. Die Kluft zwischen Bands und Fans begann zu schrumpfen, und die Öffentlichkeit konnte ihre Helden zunehmend vom bequemen Sofa aus ansehen. Die CD – und vor allem der Walkman – machten Musik erstmals richtig mobil. Plötzlich konnte man den Rock’n’Roll sehen und mitnehmen. Die Entwicklung bei Keyboards, Synthesizern und Samplern erweiterte die Grenzen des musikalisch Machbaren erheblich und erschuf Texturen und Klänge, die zuvor schlicht unmöglich gewesen waren. Aufnahmegeräte wurden erschwinglicher und blieben nicht mehr nur den Reichen und Privilegierten vorbehalten. Gruppen wie Def Leppard und Guns N’ Roses mögen obszöne Budgets gehabt haben, doch es gab auch reihenweise aufregende Acts, die mit sehr begrenzten Mitteln groß wurden. Von beiden Enden dieses Spektrums kamen knackige Pophits, aber auch ausladende, ambitionierte Epen.

Ende der Dekade gab es etwa so ehrgeizige, vielschichtige Projekte wie Nine Inch Nails (Trent Reznor) und No-Man (Steven Wilson) – frühe Vertreter der Welle von „Schlafzimmer-Künstlern“, die seither nie mehr abebbte. Im Gegensatz zu den Behauptungen der 80er-Hasser starb das progressiv-konzeptuelle Denken nach den 70ern keineswegs aus, es entdeckte lediglich ein neues Vokabular. Dieses massiv erweiterte Spielfeld ließ auch unzählige neue Szenen entstehen. Ganze Subgenres und Stilrichtungen wie Goth, Thrash, Post-Punk und Industrial kamen in den 80ern auf. Der HipHop nahm Fahrt auf. Die NWOBHM zog immer größere Massen an. Das Monsters Of Rock (heute Download) Festival in Donington wurde geboren und lieferte einen wichtigen Brennpunkt für Hardrock und Metal. Der Funk entwickelte sich dank aufstrebender Acts wie den Red Hot Chili Peppers und Faith No More in ganz neue, exzentrische Richtungen. Und während all das geschah, tobten die Hair-Metaller am Sunset Strip, New Wave verwandelte Europa, und Alt. Rock-Pioniere wie Hüsker Dü und The Replacements krempelten den Mittleren Westen der USA um.

Die existierenden Rockstars hielten sich aber trotz allem im Rennen. Viele, die sich in den 70ern ihren Namen gemacht hatten, erfanden sich in den 80ern neu. Kiss verzichteten auf die Schminke. Alice Cooper tat sich mit Desmond Child zusammen und schrieb ›Poison‹. Heart brachen mit dem Hochglanz-Megahit ›Alone‹ aus ihrer früheren Nische aus. Auteurs wie Kate Bush und David Bowie verpassten sich eine klangliche wie optische Frischzellenkur. Selbst klassische Prog-Veteranen wie Yes, Genesis, Robert Fripp und Bill Nelson durchlebten dramatische Verwandlungen. Natürlich gab es neben den Erfolgsgeschichten in all diesen Szenen auch Dutzende andere Gesichter, die nur am Rand auf sich aufmerksam machen konnten. Die waren kein bisschen weniger leidenschaftlich in ihrem Schaffen, doch der Durchbruch blieb ihnen verwehrt – kleinere Acts wie Thor, Girlschool, Tigertailz, This Heat, Hellion, Art Of Noise und viele andere. Auch sie werden wir hier würdigen, neben den großen Namen des Jahrzehnts.

https://www.youtube.com/watch?v=NpI777Ja07M

Heute leben wir in einer sehr anderen Welt als damals, und vieles, was früher als glamourös galt, ist es heute zurecht nicht mehr, doch die 80er werden nach wie vor innig geliebt. Der Einfluss dieses Jahrzehnts schlägt sich vielerorten nieder, von Themenabenden in Clubs über Guns-N’-Roses-T-Shirts bei H&M oder die regelmäßige Rückkehr von Neonfarben in der Alltagsmode bis hin zur jüngsten Staffel von „Stranger Things“, die Millionen heutiger Teenager mit Metallica und Kate Bush vertraut machte. Der Rock’n’Roll sollte nie wieder so viele Menschen erreichen wie in den 80ern. Doch musikalisch, gesellschaftlich und kulturell erwiesen sich jene magischen zehn Jahren zum Startpunkt von so viel mehr. (Aus: CLASSIC ROCK #123)