Der Urvater des Texas Blues kam in den 1880er Jahren als Kind von Farmpächtern auf die Welt. Sein eulenhaftes Porträt gehört zu den frühesten und bekanntesten Bildern der Bluesgeschichte. Zunächst als Straßenmusiker bekannt für seine schrille, klare Stimme und seinen unverwechselbaren Gitarrenstil, hielt seine Blindheit ihn nicht davon ab, auf Tour mit Lead Belly Anfang des 20. Jahrhunderts dem Glücksspiel und dem Alkohol zu frönen. Er war einer der ersten schwarzen Musiker, die mit Studioaufnahmen Erfolg hatten. Killer-Track: ›Matchbox Blues‹
https://youtube.com/watch?v=i3GEDqkJeVs
Muddy Waters:
Muddy war eine echte Größe im Chicago der 50er Jahre. Geboren als McKinley Morganfield in Mississippi, nahm der junge Blueser erstmals 1941 eine Platte auf und investierte den Erlös dieser ersten Pressung in einen Umzug nach Norden in die Blues-Metropole. Er wurde bei dem gerade gegründeten Label Chess Records unter Vertrag genommen, wo er mit einer Backing Band, in der sich u. a. Mundharmonikaspieler Little Walter und Pianist Otis Spann fanden, in den frühern 50ern die Songs abfeuerte, die bis heute Standards sind, etwa ›Mannish Boy‹ und ›Got My Mojo Workin’‹. Killer-Track: ›Mannish Boy‹
https://youtube.com/watch?v=w5IOou6qN1o
Skip James:
Das Timing war äußerst unglücklich: Seine ersten Aufnahmen erschienen just zu Beginn der Weltwirtschaftskrise. Andernfalls wäre der Sänger, Gitarrist und frühe Pionier des offenen D-Moll-Tunings (dessen tiefgründige, unter die Haut gehende Atmosphäre einen Großteil seiner Musik beherrscht) womöglich viel früher bekannt geworden. So blieb James jedoch bis in die 60er Jahre ein Geheimtipp, bevor Aficionados schließlich seine Werke und die von Son House, einem weiteren Delta-Blues-Helden, ausgruben und damit das Blues-Revival jenes Jahrzehnts lostraten. Über die Jahre wurde sein Name schließlich in Blues- und Rock-Kreisen zum beliebten Referenzpunkt. Killer-Track: ›Devil Got My Woman‹
Das Titelstück ihres Live-Debütalbums fing die Band in ihrem inspiriertesten und inspirierendsten Moment ein. Außerdem war es der brandheiße Schlachtruf, der die Flamme des Punk im Detroit der 60er entzündete.
Die Motor City 5 aus Detroit waren eine Naturgewalt. Und eine explosive Kollision aus Vollgas-Rock’n’Roll, psychedelisch angehauchtem Freejazz, radikal linken politischen Ansichten, soulbefeuerten R&B-Band-Schritten, LSD-beflügeltem Bewusstsein und roher, revolutionsanstiftender Kraft. Die Band hatte wie ein Waldbrand durch die Live-Szene von Detroit gewütet und innerhalb von zwei Jahren zwei Independent-Singles veröffentlicht: ›I Can Only Give You Everything‹/›One Of The Guys‹ auf Trans Love Energies und ›Looking At You‹/› Borderline‹ auf A-Square. Nachpressungen und der wachsende Ruf ihrer Konzerte, die gleichermaßen spirituell wie aufrührerisch waren, erregten bald die Aufmerksamkeit von Elektra Records, die die Band 1968 unter Vertrag nahmen.
Doch der Zauber der 5 konnte nicht in der Kälte eines Studios eingefangen werden, wie Gitarrist Wayne Kramer erklärt: „Live waren wir am besten. Die meisten Bands machten drei Platten im Studio und dann ein Live-Album, also dachten wir, wir müssten revolutionär sein, und legten gleich mit einem Live-Mitschnitt los. Für das Label war das auch besser. MC5 wussten gar nicht, wie man im Studio arbeitet, das hätte Elektra also ein Vermögen gekostet und wäre ein langwieriger, aufreibender Prozess geworden.“ Folglich wurde KICK OUT THE JAMS am 30. und 31. Oktober 1968 im Grande Ballroom in Detroit aufgenommen und dokumentierte die MC5 in ihrem größten Moment. Von Brother JC Crawfords anstachelndem Rap zu Beginn über die freigeistigen Exzesse von ›Come Together‹, die maschinengewehrartige Proto-Punk-Attacke von ›Rocket Reducer No. 62‹ und die straffe, zeitgeistige Leidenschaft auf ›Motor City Is Burning‹ bis hin zu dem abgedrehten Space-Rock-Rausch von ›Starship‹ (mitgeschrieben von Sun Ra) gibt es hier reichlich Schweiß, Lautstärke und Emotion.
Doch am ehesten erinnert man sich an diese Platte für ihr berüchtigtes Titelstück mit der unvergesslich kontroversen Aufforderung am Anfang: „Kick out the jams, motherfuckers!“ Doch bevor wir uns mit den Konsequenzen von Motherfuckergate befassen, und das müssen wir auf jeden Fall, sollten wir die Geschichte hinter dem Song hinter dem Schimpfwort beleuchten. Jede der Eigenkompositionen der Band wurde damals einfach MC5 zugeschrieben, aber wer hat diese wirklich ersonnen? „Wir waren Kommunenisten“, sagt Kramer mit einem Lachen. „Wir hatten diese Alle-für-einen-einer-für-alle… ich zögere, es Geschäftsstruktur zu nennen. Wir sahen uns einfach als eine Einheit, doch es waren [Sänger und Texter] Rob Tyner und ich, die ›Kick Out The Jams‹ am Küchentisch bei einem Joint schrieben.“ Bis heute klingt das Lied wie eine Absichtserklärung.
Ein freimütiges Vier-Wort-Manifest, das durch das aufmerksamkeitserregende, markige „motherfucker“ erst so richtig eingehämmert wird. „Tyner richtete sich damit eigentlich an uns, den Rest der Band. Manchmal war ich sehr kritisch zu ihm, und er sagte damit: ‚Lass mich sein, wer ich bin.‘ Er war ein Traum-Frontmann und schrieb Texte, die so gut funktionierten, auf so vielen Ebenen. Was meinen wir damit, wenn wir sagen: ‚Kick out the jams‘? Wir meinen, wenn du etwas tust, dann tue es zu 100 Prozent, zweifle nicht, stehe komplett dahinter.“
Auf einer anderen Ebene ist der Song ein absolutes Punk-Statement. Vielleicht sogar das erste überhaupt. Acht Jahre vor den Sex Pistols kam hier die Aufforderung, selbstgefälliges Gegniedel gegen kurze, heftige Stöße einzutauschen. Also im wahrsten Sinne des Wortes „die Jams“ rauszuwerfen, denn davon gab es in der Musikszene Ende der 60er-Jahre schließlich jede Menge, nicht zuletzt von Grateful Dead. „Sie waren das Ziel von so einigem Spott unsererseits“, so Kramer. „All diese Bands aus San Francisco, wir griffen sie alle an. Es war die Ära der 20-minütigen Gitarrensoli und der 40-minütigen Schlagzeugsoli. Die Wurzeln von MC5 sind Little Richard und Chuck Berry. Da kamen wir her, und dann gingen wir von Little Richard zu Sun Ra, alles verpackt in die Zeit des Vietnamkriegs, der Bürgerrechte und Jugendrebellion.“
Kommen wir nun also zum „motherfucker“. Ein Substanstiv, das zweifellos eine Reaktion hervorrief. Wie schnell eskalierte die Situation also von brüskierten Elektra-Bossen zum Rauswurf der Band? „Sehr schnell. Wir wussten, dass ‚Kick out the jams, motherfucker‘ niemals im Radio gespielt werden würde, also nahmen wir für die Single eine Version auf, in der es hieß, ‚Kick out the jams, brothers and sisters‘. Wir sagten Elektra, sie sollten die zuerst rausbringen und das Album erst veröffentlichen, nachdem sie ihre Höchstposition erreicht hatte. Denn wenn das Album erschien, würde der Shitstorm losgehen, aber dann hätten wir durch eine Hitsingle wenigstens schon etwas erreicht gehabt.
Nun, als sie sahen, dass die Single durch die Decke ging, ließen sie eilig das Album folgen. Und als die Kids dann mit dieser Platte nach Hause kamen und Mama und Papa ‚motherfucker‘ hörten, konnte man die Empörung durch ganz Amerika hallen hören. Elektra fragten uns, ob sie eine saubere Version des Albums veröffentlichen dürften. Wir sagten Nein und sie taten es trotzdem. Unser Verhältnis war schon ziemlich zerrüttet. Aber in unserem Vertrag stand, dass wir die Kontrolle über unsere Werbung hatten. Und dann weigerte sich dieser örtliche Plattenladen, unsere Platten zu verkaufen, wir reagierten darauf mit äußerst deutlichen Worten und schickten Elektra die Rechnung. [Das Kaufhaus Hudson’s in Detroit weigerte sich, MC5 ins Programm aufzunehmen, also schaltete die Band eine ganzseitige Anzeige in einer Underground-Zeitung, in der einfach nur ‚Fuck Hudson’s‘ stand, plus ohne Zustimmung des Labels das Elektra-Logo.] Das war dann der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte, und sie feuerten uns.“
Daraufhin unterschrieben MC5 bei Atlantic und schrieben weiter Geschichte, doch ›Kick Out The Jams‹ hat auch 50 Jahre später nichts von seiner lebendigen Intensität verloren. „Ich werde nie überdrüssig, es zu spielen“, sagt Kramer begeistert. Selbst akustisch. Diese Energie ist einfach in der DNS dieses Songs. Man kann ihn einfach nicht spielen und langweilig sein. Das ist nicht möglich.“
An jedem Jahresende gibt es die große Leserumfrage von CLASSIC ROCK, damit wir euch besser kennenlernen. Wir fragen nach euren Lieblingskünstlern, Wünschen und Vorschlägen. Die Ergebnisse unserer Umfrage aus dem Jahr 2021 lest ihr hier:
Bei einem Weihnachtsessen in Kopenhagen entschlossen sich die vier Musiker Christian Buhl, Günes Kocak, Erik Jensen und Claus Nielsen dazu, eine Band zu gründen. Auch die kurz darauf folgende Pandemie sollte sie daran nicht hindern.
Innerhalb von einem Jahr schrieben Dead Star Talk 45 Songs und planten ihr Debütalbum. Mit an Bord war Produzent Flemming Rasmussen, der mit Metallicas ›One‹ bereits einen Grammy gewann. Aufgenommen in Kopenhagen, wo die Band Erfahrungen in der Musikwelt sammeln konnte, sagt Rasmussen über die erst kürzlich erschienene Platte TOO MANY TOO MUCH: „Trotz meiner langjährigen Erfahrung passiert es eher selten, dass ich einer Band begegne, die von einer solch authentischen Liebe für starke Rocksongs getrieben wird.“
Die Band wurde bereits 1967 unter dem Namen The Army in Seattle gegründet, seit 1973 firmiert sie als Heart . 47 Jahre nach dem Erscheinen ihres Debüts DREAMBOAT ANNIE (1975) mit dem Hit ›Magic Man‹ haben Heart über 35 Millionen Platten verkauft, 2013 wurden sie in die Rock And Roll Hall Of Fame aufgenommen. Sängerin Ann Wilson ist seit jeher mit einer extrem starken Stimme gesegnet und gilt völlig zu Recht als eine der einflussreichsten Stimmen im Rock-Business.
Waren ihre ersten beiden Soloausflüge (HOPE & GLORY von 2007 und IMMORTAL von 2018) noch ausschließlich mit Coverversionen bestückt, hat sie auf FIERCE BLISS nun auch eigene Songs im Gepäck, produziert von Wilson zusammen mit ihrem neuen Gitarristen Tom Bukovac in Nashville. Gitarren-Legende Kenny Wayne Shepherd schaut beim gelungenen Cover von Robin Trowers ›Bridge Of Sighs‹ vorbei und gibt beim missglückten Eurythmics-Remake ›Missionary Man‹ abermals ein Stelldichein. Der Opener ›Greed‹ kommt recht leichtfüßig und unprätentiös rüber, das nachfolgende dramatische ›Black Wing‹ ist eine Mischung aus Soundgarden und Led Zeppelin – spektakulär. Neben ›Angel’s Blues‹ (das zusammen mit Gov’t Mule entstand) die beste Nummer von FIERCE BLISS.
›Gladiator‹ wurde ebenfalls mit Gov’t Mule eingespielt, ›Forget Her‹ ist leicht bluesig, hervorragend zugeschnitten auf Wilsons ausdrucksstarke Röhre. Völlig daneben geht leider die Neueinspielung von Queens ›Love Of My Life‹ (im Duett mit Country-Stimme und The-Eagles-Gitarrist Vince Gill). Das Cover-Artwork stammt von Roger Dean, der in den 70ern fast alle Yes-Hüllen entworfen hat.
Jetzt wo die „End Of The Road“-Tournee von Kiss weitergehen kann, hat Gene Simmons erneut eine Einladung an Ace Frehley auf Twitter ausgesprochen. Zu Ace Frehleys Geburtstag vor wenigen Tagen hatte Simons ihm alles Gute gewünscht und zudem geschrieben „die Einladung steht nach wie vor. Hüpf in der Zugabe zu uns auf die Bühne. Die Fans würden es lieben.“
Zuvor hatte Frehley in diversen Interviews bereits mehrmals davon gesprochen, auf eine Einladung dieser Couleur von Kiss zu warten.
Hat man im Jahr 2022 eine Chance, als Glam Rock-Gitarrenband nach oben zu kommen? Für Buzzard Buzzard Buzzard aus Cardiff sieht es gar nicht so schlecht aus.
Auf Deutsch nennt man sowas wohl „Hummeln im Hintern“, im Englischen sagt man für das, was Tom Rees ist, „buzzin’“. Während des Zoom-Interviews wandert der Sänger von Buzzard Buzzard Buzzard aufgedreht durch seine Wohnung und redet wie ein Wasserfall. Tom hat allen Grund, aufgekratzt zu sein, auf der Insel herrscht schließlich ein ordentlicher Buzz um seine Band. Nach viel beachteten Singles und EPs soll das Debütalbum BACKHAND DEALS die nächste Stufe ihres Aufstiegs zünden. Klappen könnte es. Die Songs haben Schmiss und Melodie – wer die 70s-Granden wir Wizzard, T. Rex und Slade mag, kann hier genauso seine Freude finden wie der Fan von Indie-Bands mit Glam-Element à la Supergrass oder Franz Ferdinand. Nur: Trendy ist das natürlich nicht. „Das ist uns hier in Cardiff aber ziemlich egal“, so der Sänger. „In den letzten Jahren hat sich in Wales wieder eine echt spannende Szene entwickelt – und zwar deshalb, weil die Bands aufgehört haben, auf die Trends aus London zu schielen und ihrer eigenen Nase folgen.“
Das spiegelt sich in Toms Geschichte wider. „Ich fing als Sänger einer Indie-Band an, aber war irgendwie nie mit vollem Herzen dabei. Dann habe ich mal wieder T. Rex gehört. Da wurde mir klar, dass dies echt meine Lieblingsband ist und dass mir kein Sound so viel Spaß macht wie Glam-Rock aus den 70ern. Wenn ich ehrlich zu mir selbst sein wollte, dann musste ich diese Musik machen.“ In Cardiff Bandmitglieder für diese neue Richtung zu finden war kein Problem. „Unser Gitarrist Zac ist ein noch größerer 70s-Fan als ich. Du solltest mal sein Zimmer sehen – das ist voll Memorabilia, du denkst, du bist in ein Zeitloch gefallen. Mein Bruder Ed am Bass hat zwar vorher keinen Glam-Rock gehört, ist aber, seit er in der Band ist, genauso besessen.“ Einzelbeispiele, die dennoch zeigen: Dass Seventies-Rock bei der jungen Generation nicht gefragt wäre, stimmt nicht. Auch die Zahlen der Streaming-Dienste sprechen eine andere Sprache. Allerdings: Neue Hörer landen direkt bei den Klassikern, nicht mehr den etwa gleichaltrigen Bands. Während ein aufsteigender Rapper seine Tracks nicht an Meilensteinen von, sagen wir, A Tribe Called Quest oder Public Enemy messen muss, tritt jede junge Gitarrenband heute sofort in Konkurrenz mit Queen und den Beatles. „Stimmt. Ich selbst bin noch über The Hives oder The Strokes herangeführt worden. Aber dass es heute anders ist, ist ok. Ich finde, es ist sogar ein Ansporn. Jetzt gilt es von Anfang an, mit den Besten mitzuhalten.“ Mit dieser Einstellung haben Buzzard Buzzard Buzzard dafür schon mal eine wichtige Grundlage.“