Mit nur einem Album unter dem Gürtel zählten die Bad Nerves bereits Stars wie Green Days Billie Joe Armstrong oder Justin Hawkins zu ihren Fans.
Da kann es durchaus passieren, dass man den eigenen Geist beim Nachfolger erst einmal von allerlei Druckgespenstern reinigen muss. „Es gibt da ein seltsames Ringen mit Erwartungshaltungen, das man überwinden muss. Man muss aus der Intuition heraus schreiben, sonst wird es nicht authentisch. Wenn du einen guten Song machen willst, musst du dich auf Empfang umstellen, experimentieren und dich treiben lassen“, erklärt Frontmann und Songwriter Bobby Nerves im Interview über das neue STILL NERVOUS, einen auf High Speed gedrehten Mix aus Ramones und Power Pop, der aus seiner Feder stammt.
„Ich bin dankbar, dass ich testen konnte, was ich ganz alleine schaffe. Doch beim nächsten Album wollen wir definitiv wieder mehr gemeinsam jammen.“ Da die Bad Nerves ständig touren, war es schwierig, die Aufnahme-Sessions und das Mixing mit Produzent und Freund Mike Curtis im Bandterminkalender unterzubringen. „Den Bass nahmen wir komplett im Tourbus auf. Danach haben Mike und ich ab Dezember 2023 einen Monat lang jeden Tag am Mix gearbeitet. Ziemlich intensiv!“ Und lohnenswert, schließlich ist STILL NERVOUS die logische Fortführung des Bad-Nerves-Stils, der von Energie, Melodie, einem Hauch Hyperaktivität und Themen wie „Angst, Liebe, Hoffnung und metaphorischen Wanderschaften“ geprägt ist.
Im Grunde sind die Bad Nerves ein Beispiel, an dem man die Chancen einer jungen Band im heutigen Musikbusiness mitverfolgen kann. Die Ausgangsparameter: Gute Musik, tolle Künstler, cooler Style, berühmte Unterstützer, ein voller Tourkalender. Außerdem: Musiker, die alles geben für den Rock’n’Roll. „Dieses Leben kann anstrengend sein“, gibt Bobby Nerves zu. „Ich höre oft diese Stimme in meinem Kopf, die mir sagt, dass ich nicht gut genug oder zu faul bin. Doch ich lerne, sie abzuschalten und mich auf das, was ich liebe, zu konzentrieren. Wenn ich in diesen Flow hineinkomme, ist das für mich sehr nah am inneren Frieden.“
Neben dem eigenen inneren Kritiker sind es vor allem geschäftliche Faktoren, die diesen friedlichen Zustand stören: „Wir durften schon einige klischeehafte Business-Probleme mitnehmen. Von einem unserer früheren Labels wurden wir um die Streaming-Tantiemen gebracht. Wir gingen vor Gericht, Teil der Vereinbarung ist nun, dass ich die Namen der beteiligten Firmen nicht nennen darf, um wenigstens einen kleinen Teil unseres Geldes zu bekommen. Ich darf nicht mal irgendwen warnen. Wo sind denn die Menschen in diesen Unternehmen, die nur „das Beste“ für die Künstler wollen? Was ist mit den Musikern, die kein Geld haben für einen Anwalt? Ich habe gelernt: Unterschreibe nichts ohne einen guten Anwalt. Ich würde fast sagen: unterschreibe nichts! Vertraue keinen Empfehlungen, selbst wenn deine eigene Mutter darauf schwört. Natürlich gibt es Ausnahmen. Suburban Records ist seit Tag eins an unserer Seite und sie sind großartig.“
Trotz aller Hürden und auch Enttäuschungen machen die Bad Nerves zielstrebig weiter: „Irgendwann wird es nicht mehr schwer sein. Wir wollen Musik erschaffen, die wir lieben. Der Rock’n’Roll ist nicht tot und wird es auch nicht sein, solange wir leben!“, so Bobby zuversichtlich. Und fügt mit der genau richtigen Prise Rockstar-Eigensinn hinzu: „Die Bad Nerves sind nicht kategorisierbar, komplett einzigartig!
Heute erscheint die neue EP PARADISE ALONE von den Sheepdogs auf allen digitalen Plattformen. Der physische Release folgt am 13. September.
Ziemlich spontan veröffentlichen The Sheepdogs heute eine neue EP namens PARADISE ALONE. Die EP gibt es auf allen digitalen Plattformen zu hören, am 13. September folgt dann auch der physische Release auf CD und Vinyl.
PARADISE ALONE markiert eine neue Ära in der Karriere der talentierten kanadischen Retro-Band, schließlich stellt die EP mit fünf Songs die erste Veröffentlichung auf dem neu gegründeten Label Right On Records der Sheepdogs dar.
„Es erlaubt uns, verschiedene Dinge auszuprobieren, und wir sind begeistert von der Aussicht darauf“, erklärt Bassist/Bandmanager Ryan Gullen. „Wir leben in einer Welt der kurzen Inhalte, so scheint es zumindest, und ich denke, der beste Inhalt, den eine Band veröffentlichen kann, ist Musik. Besser als TikTok-Videos oder was auch immer. Es geht darum, die Häufigkeit, mit der wir Musik veröffentlichen, zu erhöhen und Dinge anders zu machen als wir es in der Vergangenheit getan haben, aufgrund der Zwänge eines Labels.“
Die Saat für PARADISE ALONE wurde Anfang des Jahres 2023 gepflanzt. Nach einigen schwierigen Zeiten in seinem Privatleben fand sich Sänger, Gitarrist und Produzent Ewan Currie allein auf den Florida Keys wieder. Er saß am Ende einer Bar, trank Mezcal und sah zu, wie andere Menschen eine wunderbare Zeit hatten. Er saugte den lieblichen Country der 80er und 90er Jahre von Alan Jackson und der Nitty Gritty Dirt Band in sich auf – ganz zu schweigen von der Stimmung von Margaritaville.
Zuhause in Kanada machte er sich dann kurz vor seinem 40. Geburtstag daran, diese Erlebnisse in neue Songs zu gießen: „Es war mir nicht entgangen, dass ich das Potenzial für eine Midlife-Crisis vor mir hatte. Aber ich beschloss, mich nicht voll darauf einzulassen. Ich hatte einfach eine schlechte Zeit, und dann dachte ich: ‚Na gut, ich schreibe ein paar Songs‘. Das ist es, was mein Leben ausmacht. Ich bin Musiker, das ist es, was ich tue. Ich bin so verdammt glücklich, dass ich mit diesem Job meinen Lebensunterhalt bestreiten kann.“
Hier The Sheepdogs live erleben: 13.11.2024 München, Strom 14.11.2024 Dresden, Beatpol 15.11.2024 Berlin, Frannz 17.11.2024 Hamburg, Bahnhof Pauli 26.11.2024 Köln, Luxor
Am 22.08.1968 hat Ringo Starr die Schnauze voll und verlässt die Beatles. Und kehrt kurze Zeit später wieder zurück.
1968, während der Aufnahmesessions des WHITE ALBUM, verlässt Schlagzeuger Ringo Starr die Beatles. Er hält die Spannungen zwischen den Bandmitgliedern nicht mehr aus. Regelmäßig wurden damals alle Beteiligten wie Tontechniker und Co. aus den Abbey Road Studios geschickt, damit die Beatles ihre hitzigen Diskussionen und Streitgespräche unter sich austragen konnten.
Ringo Starr wird das zu viel und er haut nach Sardinien ab. Während er dort seine Gedanken sortiert, gehen die Aufnahmen in der Abbey Road weiter. ›Back in the U.S.S.R.‹ und ›Dear Prudence‹ werden eingespielt, Paul McCartney übernimmt das Schlagzeug, John Lennon spielt Bass. Doch schließlich schicken die drei Beatles ein Telegramm aus dem Studio an ihren vierten Beatle im italienischen Exil und bitten ihn, zurückzukommen.
Am 4. September folgt Ringo Starr dieser Bitte und kehrt ins Studio zurück. Sein Drumkit ist dekoriert und dem Schriftzug „Welcome back, Ringo“ versehen. Diese kurze Episode der Harmonie sollte nicht lange halten, im Jahr 1970 trennten sich die Beatles endgültig und offiziell.
Von ihrem kommenden Album ATTRACTED TO DANGER veröffentlichen The New Roses heute den Titeltrack.
Am 4. Oktober erscheint ATTRACTED TO DANGER, das neue Album von The New Roses, bei Napalm Records. Jetzt koppelt die Band als weiteren Vorgeschmack den hymnischen Titeltrack der kommenden Platte aus. Die Single wird von einem Lyric-Video begleitet.
Sänger Timmy Rough dazu: „Wir freuen uns sehr, den zweiten Song unseres neuen Albums zu veröffentlichen und wir haben uns für den Titeltrack des Albums entschieden. ›Attracted To Danger‹ ist ein harter Rocksong mit einer etwas düsteren Note als die erste Single ‚When you fall in love‘. So können wir das gesamte Spektrum unseres Albums zeigen – also dreht die Boxen auf und genießt es…“
Hört hier ›Attracted To Danger‹ von The New Roses:
THE NEW ROSES über ihr neues Album: „Ich denke, dass Attracted To Danger alles hat, was eine gute Rock’n’Roll-Platte braucht. Dabei sollenalle Emotionen eingefangen werden. Gute Zeiten, schwere Zeiten, der traditionelle Roadtrip-Vibe, eineBallade und fetzige Riffs. Wenn du also eine Rock'n'Roll-Party feiern willst, ist diese Platte genau derrichtige Soundtrack dafür…”
Simon Napier-Bell gibt in einem neuen Interview Hinweise darauf, dass Collins vielleicht bald wieder an neuer Musik arbeiten wird.
Laut Aussagen von Simon Napier-Bell hat Phil Collins sein Studio am Genfer See renoviert. In einem Social-Media-Post erzählt der Produzent und Manager von seinem letzten Treffen mit dem Künstler, bei dem er ihn für eine Dokumentation über den Marquee Club in London interviewte. „Er war in Topform, voller lustiger Geschichten, sehr witzig.“ Zusammen mit Genesis stand Collins im Jahr 1982 auf der Bühne der legendären Venue.
„Er hat gerade sein Studio umgestaltet“, fügte Napier-Bell hinzu. „Mit Sicherheit werden wir in Kürze neue Musik hören.“ Neue Musik von Phil Collins wäre eine kleine Sensation, schließlich liegen seine letzten Kompositionen über 20 Jahre zurück. 2003 hatte er den Soundtrack für den Disneyfilm „Bärenbrüder“ gestaltet, sein letztes Soloalbum mit Originalmaterial war TESTIFIY aus dem Jahr 2002.
Für seine neue Dokumentation „Brian May: the badgers, the farmers and me“ für die BBC erhält Queen-Gitarrist Brian May Gegenwind von Jagd-Freunden…
In einer neuen Dokumentation namens „Brian May: the badgers, the farmers and me“ beschäftigt sich der Queen-Gitarrist damit, den Ausbruch der Rindertuberkulose auf einem landwirtschaftlichen Betrieb einzudämmen, ohne dabei Dachse zu keulen. Da die Wildtiere Rindertuberkulose übertragen können, hat die britische Behörde „Natural England“ 2021 mehrere Gebiete ausgewiesen, in denen die eigentlich geschützten Tiere vorsorglich getötet wurden. Insgesamt sollten so über 70.000 Tiere gekeult werden, was ungefähr 70% des gesamten Bestandes in England ausmacht.
Einer, der dieses Vorgehen stark kritisierte, war und ist Queen-Gitarrist Brian May. Schon seit Jahren setzt er sich gegen das prophylaktische Keulen von Dachsen ein, in seiner BBC-Doku „Brian May: the badgers, the farmers and me“ beleuchtet er ein vierjähriges Projekt, in dem er zusammen mit Landwirten die Rindertuberkulose bekämpft, ohne dabei Dachse zu schädigen.
May, der vor 15 Jahren die Tierschutzorganisation „Save Me Trust“ mitbegründete, hat in einem Statement bereits erklärt, dass Queen nicht auf dem Glastonbury-Festival auftreten werden, weil dessen Veranstalter, der Landwirt Michael Eavis, die Keulung unterstützt.: „Wir werden nicht [in Glastonbury] spielen, und dafür gibt es eine Menge Gründe“, erklärte May. „Einer davon ist, dass Michael Eavis mich oft beleidigt hat, und das gefällt mir nicht besonders. Was mich noch mehr stört, ist, dass er für die Keulung von Dachsen ist.“
May im Streit mit der Country Alliance
Jetzt meldete sich die „Country Alliance“ zu Wort, eine Organisation, die sich mit „ländlichen Angelegenheiten“ beschäftigt, vor allem mit dem Jagen und Angeln. Deren Vorstandsvorsitzender, Tim Bonner, hat sich nun beim BBC-Boss Tim Davie darüber beschwert, dass Brian May „eindeutig parteiische Ansichten“ vertrete und dass die Doku „grundlegend unvereinbar mit der Verpflichtung der BBC, unparteiisch zu sein“, sei.
Zu diesem Vorwurf äußerte sich Brian May nun auf Instagram: „Es ist kaum verwunderlich, dass die Countryside Alliance verhindern will, dass Sie unseren Dokumentarfilm sehen – das Ergebnis von 12 Jahren Forschung darüber, wie die Rinderkrankheit TB tatsächlich übertragen wird. Der Auftrag der „CA“ besteht natürlich darin, dafür zu sorgen, dass Blutsportarten weiter betrieben werden, sie vertritt Jäger und Schützen.
Das sind genau die Leute, die in den Tötungsgebieten Arbeit finden und für jeden getöteten Dachs ein hohes Honorar erhalten. Es ist leicht zu erkennen, dass die CA ein persönliches Interesse daran hat, dass die Dachsabschlachtungen weitergehen. Bis heute wurden im Vereinigten Königreich rund 230.000 Dachse geschlachtet. Stellen Sie sich vor, wie viel Geld hier gemacht wird.
Wir können auch sehen, dass sie ein persönliches Interesse daran haben, dass TB NICHT ausgerottet wird. Es ist also kein Wunder, dass diese Leute es vorziehen würden, wenn Sie unseren Film nicht sehen würden. Hoffentlich wird die BBC standhaft bleiben. Der Dokumentarfilm ist absolut fair und ehrlich, und es bedeutet mir sehr viel, dass die Notlage der Landwirte gut und mitfühlend dargestellt wird.“
Die Dokumentation soll am 23. August erstmals ausgestrahlt werden.
Fünf grundverschiedene Menschen, die ein gemeinsames musikalisches Ziel verfolgen – die Gleichung, die Deep Purple auf ihrem neuen Album „=1“ aufstellen, geht sowas von auf.
Anders als ihre Platte INFINITE im Jahr 2017 und die zugehörige „The Long Goodbye Tour“ damals vermuten ließen, denken Deep Purple auch sieben Jahre, ein Studio- und ein Coveralbum später, nicht ans Aufhören. Dass es irgendwann einmal vorbei sein wird, ist den britischen Hardrock-Legenden, die seit 1968 auf den Beinen sind, natürlich bewusst. Doch solange alle Beteiligten Freude an ihrem Job haben, sich auf der Bühne wohlfühlen und bei den Songwriting-Sessions weiterhin hochwertiges Material erschaffen, ist das Ende dieser ikonischen Band derzeit kein wirklich präsentes Thema für sie selbst.
Vielleicht zählt das Quintett gerade deswegen zu einer der langlebigsten Formationen im Rock-Business. Trotz zahlreicher Besetzungswechsel – erst 2022 verließ Gitarrist Steve Morse Deep Purple, um seiner inzwischen leider an Krebs verstorbenen Frau in der Krankheit beistehen zu können – vieler virtuoser Höhen und manch flauer Phasen, steht Deep Purple noch immer wie ein Fels in der Brandung, „in rock“ eben. Als jüngsten Beweis hierfür liefern Ian Gillan, Ian Paice, Roger Glover, Don Airey und Simon McBride, der „Neue“ an der Gitarre, nun ihr extrem starkes Album „=1“ ab.
Der etwas rätselhafte, mathematische Titel stellt eine Gleichung auf, in der sich durch das Chaos hindurch alles auf eine einheitliche Essenz aufsummieren lässt. Ein fast schon pantheistisch angehauchter Ansatz und gleichzeitig Sinnbild für eine Band, deren fünf Mitglieder wohl nicht unterschiedlicher sein könnten und am Ende doch zu einer sagenhaften Einheit verschmelzen. Welches (pragmatische) Geheimnis hinter dieser Rechnung steckt, wie sich die Banddynamik verändert hat und wie das von Bob Ezrin produzierte „=1“ entstanden ist, verraten Sänger Ian Gillan, Schlagzeuger Ian Paice und Gitarrist Simon McBride im Interview.
Ian Gillan – Der ewige Poet
Hat sich an eurer Herangehensweise an ein neues Album etwas geändert?
Das Songschreiben läuft bei uns seit 1968 immer gleich ab. Normalerweise treffen wir uns für eine Woche und arbeiten jeden Tag. Die Jungs jammen, alles ist improvisiert, nichts ist vorbereitet. Ich sitze dabei und höre zu. Wir starten am Vormittag und arbeiten bis abends mit einer Tee-Pause dazwischen. Wie im Büro. Am Ende der ersten Woche haben wir circa 30 Ideen beisammen. Ein paar Wochen oder Monate später treffen wir uns erneut, um weiterzuarbeiten und danach gibt es eine dritte Session, in der an den Arrangements gearbeitet wird. Dann sind wir eigentlich schon gut in Form. Danach folgt eine Pre-Recording-Session und das vierte Treffen findet dann schon im Studio statt. Im Grunde ist Deep Purple eine Instrumental-Band. Die Musik steht an erster Stelle und erst im Anschluss schreibe ich meine Texte.
Ihr seid eine der wenigen Bands, die wirklich gemeinsam Songs schreibt. Was ist der Schlüssel zum Erfolg dieser Methode?
Mir erscheint das ganz organisch und natürlich. Die Musik muss so sein, dass wir sie spannend finden. Wir haben keine Pläne, alle fünf tragen gleichermaßen ihren Teil bei. Für mich liegt der Schlüssel darin, meinen Kopf richtig zu justieren, um die Lyrics schreiben zu können.
Wie muss es dir also gehen, damit du gut texten kannst?
Ich denke, ich brauche einen ersten Funken, damit alle Songs aus demselben Mindset heraus entstehen. Letzten Sommer habe ich viel geschrieben, aber es wollte nicht so recht funktionieren. Ich konnte mich nicht darauf fokussieren, was ich überhaupt schreiben wollte. Das war sehr frustrierend. Eines Morgens hatte ich Dinge zu erledigen, Papierkram, was weiß ich. Heutzutage ist alles so kompliziert! Ich saß also am PC und versuchte, eine Matrix zu lösen, indem ich Motorräder und Ampeln anklickte, um einem Roboter zu beweisen, dass ich ein Mensch bin. Und ich dachte mir: „Das hört nicht mehr auf. Es ist zu spät, es ist bereits passiert.“ Also schrieb ich eine Gleichung auf, bei der auf der linken Seite alle Komplikationen und Schwierigkeiten stehen sollten und auf der rechten Seite das, was ich eigentlich erreichen will. Die Zahl 1, etwas einfaches. Und das war der Ausgangspunkt, ab da klappte es wieder. Diese Gleichung half mir, eine lose konzeptuelle Idee von Simplizität zu entwickeln. Im Anschluss hatte ich alle Texte innerhalb von drei Wochen fertig.
Kennst du diese Blockaden bereits oder war das etwas Neues für dich?
Das habe ich jedes Mal. (lacht) Das ist wahrscheinlich der natürliche Lauf der Dinge. Aber wenn ich dann mal weiß, wohin die Reise geht, ist es einfach. Meiner Meinung nach sollten die besten Songs in unter 20 Minuten entstehen. Wenn man tagelang an einem Track basteln muss, damit er irgendwie funktioniert, wird er sich nie richtig anfühlen.
Gibt es gar keine Songs auf „=1“, die ein bisschen länger brauchten?
Nein. Alles war ganz leicht. Ich persönlich schreibe ständig, weswegen ich viele Notizen und Ideen herumliegen habe, aus denen ich schöpfen kann. Sobald ich mal den Titel und das Kernthema habe, ist das Schreiben ganz einfach. Eher der kreative Part, die Vorstellungskraft, wovon der Song handeln kann, dauert. Ein Beispiel ist der Song ›Old-Fangled Thing‹. Schon vor 20 oder 30 Jahren schrieb ich einmal einen Text darüber, dass irgendwann Graphit entdeckt wurde und so durch die Erfindung des Stiftes die Zivilisation entstand. Dann beginnt der Prozess des Songwritings. Ich sitze in einer Bar, kritzele herum und „along came you“! Mit „you“ ist der Song gemeint. Diese Idee schwebt mir schon lange vor, doch bisher passte sie nie auf eines unserer Alben. Der Opener ›Show Me‹. Da hatte ich den Titel und die Melodie, aber keine passenden Worte. Jeder Song hat seine eigene Geschichte, ›Lazy Sod‹, ›Portable Door‹…
Hast du ›Lazy Sod‹ [fauler Sack]nicht mal als Selbstbezeichnung in einem Interview verwendet?
Das hat ein Journalist zu mir gesagt. Er fragte mich: „Wie viele Songs hast du bisher geschrieben?“ So vor zwanzig Jahren waren es etwa 500 und ich dachte, das ist schon was. Doch dann sah ich eine Dokumentation über Dolly Parton, in der sie erklärt, dass sie um die 5000 Songs geschrieben hat. Daraufhin meinte der Journalist zu mir: „Das macht dich wohl zum ›Lazy Sod‹!“ Dieses Narrativ habe ich angewendet auf eine Situation, in der das eigene Haus in Flammen steht, man jedoch nicht aus dem Bett kommt. Ein Symbolbild. Im Traum geht dann die Sprinkleranlage an und flutet das Haus. Daraufhin muss ich für mich und meine schwarze Katze eine Arche bauen. Einfach und simpel, mit metaphorischen Aspekten.
In ›I’m Saying Nothin’‹ schreibst du über das perfekte Verbrechen und die ewige Qual des Verbrechers, mit niemandem über diese Glanztat sprechen zu dürfen.
Absolut. Wenn man das perfekte Verbrechen begehen möchte, gibt es gewisse Regeln. Man darf das Opfer nicht kennen, weil es ansonsten Anhaltspunkte für die Ermittler gibt. Man darf kein Motiv haben, außerdem keine Komplizen, denn am Ende wird einer reden oder sein Geld unbedacht ausgeben. Zu guter Letzt: Du darfst niemandem davon erzählen. Bleibt also die Frage: Wozu das Ganze?
Wie war es, dieses Album ohne Steve Morse aufzunehmen?
Wir denken nicht in diesen Kategorien. Steve ist jetzt schon seit einigen Jahren nicht mehr in der Band und Simon fing als sein Ersatz an. Das mit Steve war tragisch, ich kenne das Gefühl, ich habe Ähnliches erlebt. Doch Simon war da, da schwelgt man nicht in der Vergangenheit, man lebt im Moment. Da war so viel Energie, wir hatten so viel Spaß, dass wir gar nicht über Steve gesprochen haben. Weißt du, wenn du einen guten Spieler im Football durch einen anderen guten Spieler ersetzt, dann redest du doch nicht über den alten Spieler. Du ziehst den Job durch, du machst weiter. Man bringt da nichts Persönliches rein. Generell sind wir nicht so stark persönlich verbunden. Wir leben neun Monate im Jahr auf engstem Raum zusammen, nach der letzten Show gehen wir alle nach Hause. Ich glaube nicht, dass in dieser Zeit irgendwer von uns miteinander telefoniert oder man sich zum gemeinsamen Grillen trifft. Steves Präsenz ist schon da, genauso wie die von Ritchie Blackmore, Joe Satriani oder dem großartigen Jon Lord – Gespenster der Vergangenheit. Was sie uns sagen? „Gebt euch Mühe!“
Wie fügt sich Simon McBride in den Deep-Purple-Kosmos ein? Hat er eure Dynamik verändert?
Zwischenmenschliche Chemie ist eine wundervolle und gleichzeitig seltsame Angelegenheit. Jemand kann einen Raum betreten und die gesamte Energie verändert sich. Wir alle kennen das. In unserem Fall war es ganz einfach. Wahrscheinlich auch, weil Steve ja nicht weitermachen konnte. Das ist etwas ganz anderes, da entstehen keine unguten Schwingungen. Simon kam mit blütenweißer Weste zu uns. Und er hat ja live schon einige Zeit mit uns gearbeitet. Ich erinnere mich noch an eine Situation, wo wir nach sechs Monaten voller Konzerte zusammen in einer Bar saßen und ich ihn fragte: „Bist du jetzt in der Band oder was?“ und er antwortete: „Nun, ich glaube schon.“ Die Stimmung zwischen uns ist seither wirklich gut. Der größte Unterschied zwischen den beiden ist wahrscheinlich ihre Herkunft, ihr Hintergrund. Beide sind Musiker auf höchstem Niveau, da kann man also keine sinnvollen Vergleiche ziehen. Beide sind exzellent. Steve wuchs in Amerika auf, er zählt Southern Rock und Jazz zu seinen Einflüssen. Simon kommt aus Belfast, wuchs mit Gary Moore und Joe Satriani auf, er strahlt diese unmittelbare UK-Energie aus, während amerikanische Musik oft dazu tendiert, ein bisschen zurückgelehnter zu klingen. Sie haben eine unterschiedliche Herangehensweise an Musik, ohne das bewerten zu wollen. Das hört man aus den Arrangements raus. Aber sonst ist das echt schwer zu beurteilen. Da könnte ich auch fragen: Was ist der Unterschied zwischen diesem und jenem Typen? Der eine kommt aus Newcastle und hat einen anderen Dialekt. So oder so: Mit beiden Musikern war die Stimmung innerhalb der Band großartig. Und natürlich führt ein neues Mitglied dazu, dass man sich selbst nochmal neu betrachtet. Ein seltsamer Prozess, dieses menschliche Verhalten. Aber es hat alles gut geklappt.
An manchen Stellen, z.B. bei ›Portable Door‹ oder ›Now You’re Talkin’‹, höre ich verstärkt frühe Purple-Vibes heraus. Wie schafft man neue Songs, die nach einem selbst klingen, ohne sich dabei in seinem übermächtigen Erbe zu verfangen?
Wahrscheinlich klingen sie wirklich, als könnten sie aus einer anderen Ära stammen, aber für mich klingen sie frisch und vital. Die Antwort auf solche Fragen fällt mir wirklich schwer, weil wir so nicht denken. Diese Selbstanalyse findet bei uns nicht statt. Wenn wir schreiben oder im Studio sitzen, sprechen wir nie über solche Dinge. Wir reden über das neue Auto, das einer von uns gekauft hat, oder wie es den Kindern und dem Hund geht. Dann scherzen wir über Kricket. Deswegen kann ich auf solche Fragen nicht wirklich etwas Intelligentes antworten.
Na, solche Fragen sind wohl eine Krankheit von uns Magazinleuten …
Ach, ich verstehe es ja. Mir werden diese Fragen wirklich oft gestellt, schon mein ganzes Leben lang. Weil es die Menschen fasziniert und interessiert. Am meisten, wenn irgendwas schief läuft.
Es ist ja auch eine Antwort, wenn du sagst, dass ihr euch darüber absolut keine Gedanken macht.
Das stimmt. Und wenn es Probleme gibt, haben wir ein Abstimmungssystem. Denn wir sind oft nicht derselben Meinung. Wir handhaben das ganz simpel. Wenn es eine Mehrheit gibt, wird es so gemacht und jeder akzeptiert das. Ich kenne das Gefühl, überstimmt zu werden, ziemlich gut. (lacht) Wenn jemand etwas nicht tun möchte, alle anderen aber schon, dann ist das eben der Lauf der Demokratie. Also setzt du ein Lächeln auf und tust es.
Viele könnten ihr Ego wahrscheinlich trotzdem nicht der Demokratie unterwerfen…
Da hast du so Recht. Aber mit einem Abstimmungssystem wirst du jegliche Egos los, weil man das Ergebnis einfach akzeptieren muss. Das funktioniert super und wir benutzen es immer und überall. Bei Arrangement-Fragen, Musik, Tourneen, Studios. All diese Angelegenheiten, über die man ewig diskutieren kann. Mit einer Wahl löst man dieses Problem ein für allemal. Wenn man es nicht so handhabt, lässt es sich nicht vermeiden, dass es persönlich wird. Und das bringt niemandem etwas. Was ich gelernt habe: Jede Entscheidung, die unter Stress, emotionaler Aufgewühltheit oder aus persönlichem Interesse heraus getroffen wird, ist eigentlich immer die falsche Entscheidung für die Gruppe. Das sieht man auch beim Football. Wenn einer abhebt und sich als Superstar aufspielt, dann funktioniert das vielleicht für zehn Minuten, aber irgendwann verliert man die Spiele, weil keiner mehr Bock hat, den Ball an den Typen abzugeben. Das sieht man doch auch an den Supergroups der 70er Jahre, die vom Business geformt wurden. Die haben nie wirklich lange funktioniert. Mir fällt keine ein, die etwas langlebiger war.
Ist also das der Grund, warum Deep Purple so eine langlebige, zähe Formation ist?
Weißt du was? Ja! Jetzt wo du es so sagst, stimme ich absolut zu. Aber auch darüber haben wir noch nie nachgedacht.
Was magst du am meisten am aktuellen Line-Up von Deep Purple?
Es ist einfach. Unkompliziert. Wie soll man fünf verschiedene Menschen mit verschiedenen Meinungen zu Politik, Kultur und Musik unter einen Hut bringen? Wir schaffen das immer wieder. Deswegen ist die Stimmung in unserem Backstage immer gut und wenn die Tour vorbei ist, gehen wir nachhause und warten auf die nächste. Ich komme ins Stocken, wenn ich nach anderen Worten suche, deswegen bleibe ich dabei. Es ist einfach. Fünf Menschen mit einem geteilten Interesse, demselben Kurs. Eine gute Balance.
Die vollständige Titelstory mit Interviews mit Ian Paice und Simon McBride, lest ihr in Ausgbe 131 von CLASSIC ROCK. Jetzt hier versandkostenfrei online bestellen: CLASSIC ROCK #131
SLIPPERY WHEN WET von Bon Jovi wird heute 38 Jahre alt. Aus diesem Anlass blicken wir zurück…
… und zwar auf das Jahr 1986, als SLIPPERY WHEN WET erschien. Mit zahlreichen Hits wie ›Livin‘ On A Prayer‹, ›You Give Love A Bad Name‹, ›Wanted (Dead Or Alive)‹ oder ›Raise Your Hands‹ ist die dritte Platte von Bon Jovi bis heute das erfolgreichste Studioalbum von Bon Jovi.
Das sexuell aufgeladene bis sexistische Originalcover-Artwork, das die Brust einer Frau in einem engen, gelben Shirt mit dem Titel als Aufdruck zeigt, wurde von der Plattenfirma damals abgelehnt. Nur in Japan gab es die Platte mit diesem Artwork zu kaufen. Durchgesetzt wurde dann ein sehr viel weniger polemisches Bild mit einem verwischten SLIPPERY-WHEN-WET-Schriftzug
Zum Geburtstag von SLIPPERY WHEN WET blicken wir heute zurück auf das Musikvideo zu ›Wild In The Streets‹: