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Flashback: Ringo Starr verlässt für kurze Zeit die Beatles

Am 22.08.1968 hat Ringo Starr die Schnauze voll und verlässt die Beatles. Und kehrt kurze Zeit später wieder zurück.

1968, während der Aufnahmesessions des WHITE ALBUM, verlässt Schlagzeuger Ringo Starr die Beatles. Er hält die Spannungen zwischen den Bandmitgliedern nicht mehr aus. Regelmäßig wurden damals alle Beteiligten wie Tontechniker und Co. aus den Abbey Road Studios geschickt, damit die Beatles ihre hitzigen Diskussionen und Streitgespräche unter sich austragen konnten.

Ringo Starr wird das zu viel und er haut nach Sardinien ab. Während er dort seine Gedanken sortiert, gehen die Aufnahmen in der Abbey Road weiter. ›Back in the U.S.S.R.‹ und ›Dear Prudence‹ werden eingespielt, Paul McCartney übernimmt das Schlagzeug, John Lennon spielt Bass. Doch schließlich schicken die drei Beatles ein Telegramm aus dem Studio an ihren vierten Beatle im italienischen Exil und bitten ihn, zurückzukommen.

Am 4. September folgt Ringo Starr dieser Bitte und kehrt ins Studio zurück. Sein Drumkit ist dekoriert und dem Schriftzug „Welcome back, Ringo“ versehen. Diese kurze Episode der Harmonie sollte nicht lange halten, im Jahr 1970 trennten sich die Beatles endgültig und offiziell.

The New Roses: Neue Single ›Attracted To Danger‹

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Von ihrem kommenden Album ATTRACTED TO DANGER veröffentlichen The New Roses heute den Titeltrack.

Am 4. Oktober erscheint ATTRACTED TO DANGER, das neue Album von The New Roses, bei Napalm Records. Jetzt koppelt die Band als weiteren Vorgeschmack den hymnischen Titeltrack der kommenden Platte aus. Die Single wird von einem Lyric-Video begleitet.

Sänger Timmy Rough dazu: „Wir freuen uns sehr, den zweiten Song unseres neuen Albums zu veröffentlichen und wir haben uns für
den Titeltrack des Albums entschieden. ›Attracted To Danger‹ ist ein harter Rocksong mit einer etwas düsteren Note als die erste Single ‚When you fall in love‘. So können wir das gesamte Spektrum unseres Albums zeigen – also dreht die Boxen auf und genießt es…“

Hört hier ›Attracted To Danger‹ von The New Roses:

THE NEW ROSES über ihr neues Album: „Ich denke, dass Attracted To Danger alles hat, was eine gute Rock’n’Roll-Platte braucht. Dabei sollenalle Emotionen eingefangen werden. Gute Zeiten, schwere Zeiten, der traditionelle Roadtrip-Vibe, eineBallade und fetzige Riffs. Wenn du also eine Rock'n'Roll-Party feiern willst, ist diese Platte genau derrichtige Soundtrack dafür…”

Phil Collins: Will er an neuer Musik arbeiten?

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Simon Napier-Bell gibt in einem neuen Interview Hinweise darauf, dass Collins vielleicht bald wieder an neuer Musik arbeiten wird.

Laut Aussagen von Simon Napier-Bell hat Phil Collins sein Studio am Genfer See renoviert. In einem Social-Media-Post erzählt der Produzent und Manager von seinem letzten Treffen mit dem Künstler, bei dem er ihn für eine Dokumentation über den Marquee Club in London interviewte. „Er war in Topform, voller lustiger Geschichten, sehr witzig.“ Zusammen mit Genesis stand Collins im Jahr 1982 auf der Bühne der legendären Venue.

„Er hat gerade sein Studio umgestaltet“, fügte Napier-Bell hinzu. „Mit Sicherheit werden wir in Kürze neue Musik hören.“ Neue Musik von Phil Collins wäre eine kleine Sensation, schließlich liegen seine letzten Kompositionen über 20 Jahre zurück. 2003 hatte er den Soundtrack für den Disneyfilm „Bärenbrüder“ gestaltet, sein letztes Soloalbum mit Originalmaterial war TESTIFIY aus dem Jahr 2002.

Brian May: Wehrt sich gegen Vorwürfe der „Countryside Alliance“

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Für seine neue Dokumentation „Brian May: the badgers, the farmers and me“ für die BBC erhält Queen-Gitarrist Brian May Gegenwind von Jagd-Freunden…

In einer neuen Dokumentation namens „Brian May: the badgers, the farmers and me“ beschäftigt sich der Queen-Gitarrist damit, den Ausbruch der Rindertuberkulose auf einem landwirtschaftlichen Betrieb einzudämmen, ohne dabei Dachse zu keulen. Da die Wildtiere Rindertuberkulose übertragen können, hat die britische Behörde „Natural England“ 2021 mehrere Gebiete ausgewiesen, in denen die eigentlich geschützten Tiere vorsorglich getötet wurden. Insgesamt sollten so über 70.000 Tiere gekeult werden, was ungefähr 70% des gesamten Bestandes in England ausmacht.

Einer, der dieses Vorgehen stark kritisierte, war und ist Queen-Gitarrist Brian May. Schon seit Jahren setzt er sich gegen das prophylaktische Keulen von Dachsen ein, in seiner BBC-Doku „Brian May: the badgers, the farmers and me“ beleuchtet er ein vierjähriges Projekt, in dem er zusammen mit Landwirten die Rindertuberkulose bekämpft, ohne dabei Dachse zu schädigen.

May, der vor 15 Jahren die Tierschutzorganisation „Save Me Trust“ mitbegründete, hat in einem Statement bereits erklärt, dass Queen nicht auf dem Glastonbury-Festival auftreten werden, weil dessen Veranstalter, der Landwirt Michael Eavis, die Keulung unterstützt.: „Wir werden nicht [in Glastonbury] spielen, und dafür gibt es eine Menge Gründe“, erklärte May. „Einer davon ist, dass Michael Eavis mich oft beleidigt hat, und das gefällt mir nicht besonders. Was mich noch mehr stört, ist, dass er für die Keulung von Dachsen ist.“

May im Streit mit der Country Alliance

Jetzt meldete sich die „Country Alliance“ zu Wort, eine Organisation, die sich mit „ländlichen Angelegenheiten“ beschäftigt, vor allem mit dem Jagen und Angeln. Deren Vorstandsvorsitzender, Tim Bonner, hat sich nun beim BBC-Boss Tim Davie darüber beschwert, dass Brian May „eindeutig parteiische Ansichten“ vertrete und dass die Doku „grundlegend unvereinbar mit der Verpflichtung der BBC, unparteiisch zu sein“, sei.

Zu diesem Vorwurf äußerte sich Brian May nun auf Instagram: „Es ist kaum verwunderlich, dass die Countryside Alliance verhindern will, dass Sie unseren Dokumentarfilm sehen – das Ergebnis von 12 Jahren Forschung darüber, wie die Rinderkrankheit TB tatsächlich übertragen wird. Der Auftrag der „CA“ besteht natürlich darin, dafür zu sorgen, dass Blutsportarten weiter betrieben werden, sie vertritt Jäger und Schützen.

Das sind genau die Leute, die in den Tötungsgebieten Arbeit finden und für jeden getöteten Dachs ein hohes Honorar erhalten. Es ist leicht zu erkennen, dass die CA ein persönliches Interesse daran hat, dass die Dachsabschlachtungen weitergehen. Bis heute wurden im Vereinigten Königreich rund 230.000 Dachse geschlachtet. Stellen Sie sich vor, wie viel Geld hier gemacht wird.

Wir können auch sehen, dass sie ein persönliches Interesse daran haben, dass TB NICHT ausgerottet wird. Es ist also kein Wunder, dass diese Leute es vorziehen würden, wenn Sie unseren Film nicht sehen würden. Hoffentlich wird die BBC standhaft bleiben. Der Dokumentarfilm ist absolut fair und ehrlich, und es bedeutet mir sehr viel, dass die Notlage der Landwirte gut und mitfühlend dargestellt wird.“

Die Dokumentation soll am 23. August erstmals ausgestrahlt werden.

Deep Purple: Fünf ist gleich eins

Fünf grundverschiedene Menschen, die ein gemeinsames musikalisches Ziel verfolgen – die Gleichung, die Deep Purple auf ihrem neuen Album „=1“ aufstellen, geht sowas von auf.

Anders als ihre Platte INFINITE im Jahr 2017 und die zugehörige „The Long Goodbye Tour“ damals vermuten ließen, denken Deep Purple auch sieben Jahre, ein Studio- und ein Coveralbum später, nicht ans Aufhören. Dass es irgendwann einmal vorbei sein wird, ist den britischen Hardrock-Legenden, die seit 1968 auf den Beinen sind, natürlich bewusst. Doch solange alle Beteiligten Freude an ihrem Job haben, sich auf der Bühne wohlfühlen und bei den Songwriting-Sessions weiterhin hochwertiges Material erschaffen, ist das Ende dieser ikonischen Band derzeit kein wirklich präsentes Thema für sie selbst.

Vielleicht zählt das Quintett gerade deswegen zu einer der langlebigsten Formationen im Rock-Business. Trotz zahlreicher Besetzungswechsel – erst 2022 verließ Gitarrist Steve Morse Deep Purple, um seiner inzwischen leider an Krebs verstorbenen Frau in der Krankheit beistehen zu können – vieler virtuoser Höhen und manch flauer Phasen, steht Deep Purple noch immer wie ein Fels in der Brandung, „in rock“ eben. Als jüngsten Beweis hierfür liefern Ian Gillan, Ian Paice, Roger Glover, Don Airey und Simon McBride, der „Neue“ an der Gitarre, nun ihr extrem starkes Album „=1“ ab.

Der etwas rätselhafte, mathematische Titel stellt eine Gleichung auf, in der sich durch das Chaos hindurch alles auf eine einheitliche Essenz aufsummieren lässt. Ein fast schon pantheistisch angehauchter Ansatz und gleichzeitig Sinnbild für eine Band, deren fünf Mitglieder wohl nicht unterschiedlicher sein könnten und am Ende doch zu einer sagenhaften Einheit verschmelzen. Welches (pragmatische) Geheimnis hinter dieser Rechnung steckt, wie sich die Banddynamik verändert hat und wie das von Bob Ezrin produzierte „=1“ entstanden ist, verraten Sänger Ian Gillan, Schlagzeuger Ian Paice und Gitarrist Simon McBride im Interview.

Ian Gillan – Der ewige Poet

Hat sich an eurer Herangehensweise an ein neues Album etwas geändert?

Das Songschreiben läuft bei uns seit 1968 immer gleich ab. Normalerweise treffen wir uns für eine Woche und arbeiten jeden Tag. Die Jungs jammen, alles ist improvisiert, nichts ist vorbereitet. Ich sitze dabei und höre zu. Wir starten am Vormittag und arbeiten bis abends mit einer Tee-Pause dazwischen. Wie im Büro. Am Ende der ersten Woche haben wir circa 30 Ideen beisammen. Ein paar Wochen oder Monate später treffen wir uns erneut, um weiterzuarbeiten und danach gibt es eine dritte Session, in der an den Arrangements gearbeitet wird. Dann sind wir eigentlich schon gut in Form. Danach folgt eine Pre-Recording-Session und das vierte Treffen findet dann schon im Studio statt. Im Grunde ist Deep Purple eine Instrumental-Band. Die Musik steht an erster Stelle und erst im Anschluss schreibe ich meine Texte.

Ihr seid eine der wenigen Bands, die wirklich gemeinsam Songs schreibt. Was ist der Schlüssel zum Erfolg dieser Methode?

Mir erscheint das ganz organisch und natürlich. Die Musik muss so sein, dass wir sie spannend finden. Wir haben keine Pläne, alle fünf tragen gleichermaßen ihren Teil bei. Für mich liegt der Schlüssel darin, meinen Kopf richtig zu justieren, um die Lyrics schreiben zu können.

Wie muss es dir also gehen, damit du gut texten kannst?

Ich denke, ich brauche einen ersten Funken, damit alle Songs aus demselben Mindset heraus entstehen. Letzten Sommer habe ich viel geschrieben, aber es wollte nicht so recht funktionieren. Ich konnte mich nicht darauf fokussieren, was ich überhaupt schreiben wollte. Das war sehr frustrierend. Eines Morgens hatte ich Dinge zu erledigen, Papierkram, was weiß ich. Heutzutage ist alles so kompliziert! Ich saß also am PC und versuchte, eine Matrix zu lösen, indem ich Motorräder und Ampeln anklickte, um einem Roboter zu beweisen, dass ich ein Mensch bin. Und ich dachte mir: „Das hört nicht mehr auf. Es ist zu spät, es ist bereits passiert.“ Also schrieb ich eine Gleichung auf, bei der auf der linken Seite alle Komplikationen und Schwierigkeiten stehen sollten und auf der rechten Seite das, was ich eigentlich erreichen will. Die Zahl 1, etwas einfaches. Und das war der Ausgangspunkt, ab da klappte es wieder. Diese Gleichung half mir, eine lose konzeptuelle Idee von Simplizität zu entwickeln. Im Anschluss hatte ich alle Texte innerhalb von drei Wochen fertig.

Kennst du diese Blockaden bereits oder war das etwas Neues für dich?

Das habe ich jedes Mal. (lacht) Das ist wahrscheinlich der natürliche Lauf der Dinge. Aber wenn ich dann mal weiß, wohin die Reise geht, ist es einfach. Meiner Meinung nach sollten die besten Songs in unter 20 Minuten entstehen. Wenn man tagelang an einem Track basteln muss, damit er irgendwie funktioniert, wird er sich nie richtig anfühlen.

Gibt es gar keine Songs auf „=1“, die ein bisschen länger brauchten?

Nein. Alles war ganz leicht. Ich persönlich schreibe ständig, weswegen ich viele Notizen und Ideen herumliegen habe, aus denen ich schöpfen kann. Sobald ich mal den Titel und das Kernthema habe, ist das Schreiben ganz einfach. Eher der kreative Part, die Vorstellungskraft, wovon der Song handeln kann, dauert. Ein Beispiel ist der Song ›Old-Fangled Thing‹. Schon vor 20 oder 30 Jahren schrieb ich einmal einen Text darüber, dass irgendwann Graphit entdeckt wurde und so durch die Erfindung des Stiftes die Zivilisation entstand. Dann beginnt der Prozess des Songwritings. Ich sitze in einer Bar, kritzele herum und „along came you“! Mit „you“ ist der Song gemeint. Diese Idee schwebt mir schon lange vor, doch bisher passte sie nie auf eines unserer Alben. Der Opener ›Show Me‹. Da hatte ich den Titel und die Melodie, aber keine passenden Worte. Jeder Song hat seine eigene Geschichte, ›Lazy Sod‹, ›Portable Door‹…

Hast du ›Lazy Sod‹ [fauler Sack] nicht mal als Selbstbezeichnung in einem Interview verwendet?

Das hat ein Journalist zu mir gesagt. Er fragte mich: „Wie viele Songs hast du bisher geschrieben?“ So vor zwanzig Jahren waren es etwa 500 und ich dachte, das ist schon was. Doch dann sah ich eine Dokumentation über Dolly Parton, in der sie erklärt, dass sie um die 5000 Songs geschrieben hat. Daraufhin meinte der Journalist zu mir: „Das macht dich wohl zum ›Lazy Sod‹!“ Dieses Narrativ habe ich angewendet auf eine Situation, in der das eigene Haus in Flammen steht, man jedoch nicht aus dem Bett kommt. Ein Symbolbild. Im Traum geht dann die Sprinkleranlage an und flutet das Haus. Daraufhin muss ich für mich und meine schwarze Katze eine Arche bauen. Einfach und simpel, mit metaphorischen Aspekten.

In ›I’m Saying Nothin’‹ schreibst du über das perfekte Verbrechen und die ewige Qual des Verbrechers, mit niemandem über diese Glanztat sprechen zu dürfen.

Absolut. Wenn man das perfekte Verbrechen begehen möchte, gibt es gewisse Regeln. Man darf das Opfer nicht kennen, weil es ansonsten Anhaltspunkte für die Ermittler gibt. Man darf kein Motiv haben, außerdem keine Komplizen, denn am Ende wird einer reden oder sein Geld unbedacht ausgeben. Zu guter Letzt: Du darfst niemandem davon erzählen. Bleibt also die Frage: Wozu das Ganze?

Wie war es, dieses Album ohne Steve Morse aufzunehmen?

Wir denken nicht in diesen Kategorien. Steve ist jetzt schon seit einigen Jahren nicht mehr in der Band und Simon fing als sein Ersatz an. Das mit Steve war tragisch, ich kenne das Gefühl, ich habe Ähnliches erlebt. Doch Simon war da, da schwelgt man nicht in der Vergangenheit, man lebt im Moment. Da war so viel Energie, wir hatten so viel Spaß, dass wir gar nicht über Steve gesprochen haben. Weißt du, wenn du einen guten Spieler im Football durch einen anderen guten Spieler ersetzt, dann redest du doch nicht über den alten Spieler. Du ziehst den Job durch, du machst weiter. Man bringt da nichts Persönliches rein. Generell sind wir nicht so stark persönlich verbunden. Wir leben neun Monate im Jahr auf engstem Raum zusammen, nach der letzten Show gehen wir alle nach Hause. Ich glaube nicht, dass in dieser Zeit irgendwer von uns miteinander telefoniert oder man sich zum gemeinsamen Grillen trifft. Steves Präsenz ist schon da, genauso wie die von Ritchie Blackmore, Joe Satriani oder dem großartigen Jon Lord – Gespenster der Vergangenheit. Was sie uns sagen? „Gebt euch Mühe!“

Wie fügt sich Simon McBride in den Deep-Purple-Kosmos ein? Hat er eure Dynamik verändert?

Zwischenmenschliche Chemie ist eine wundervolle und gleichzeitig seltsame Angelegenheit. Jemand kann einen Raum betreten und die gesamte Energie verändert sich. Wir alle kennen das. In unserem Fall war es ganz einfach. Wahrscheinlich auch, weil Steve ja nicht weitermachen konnte. Das ist etwas ganz anderes, da entstehen keine unguten Schwingungen. Simon kam mit blütenweißer Weste zu uns. Und er hat ja live schon einige Zeit mit uns gearbeitet. Ich erinnere mich noch an eine Situation, wo wir nach sechs Monaten voller Konzerte zusammen in einer Bar saßen und ich ihn fragte: „Bist du jetzt in der Band oder was?“ und er antwortete: „Nun, ich glaube schon.“ Die Stimmung zwischen uns ist seither wirklich gut. Der größte Unterschied zwischen den beiden ist wahrscheinlich ihre Herkunft, ihr Hintergrund. Beide sind Musiker auf höchstem Niveau, da kann man also keine sinnvollen Vergleiche ziehen. Beide sind exzellent. Steve wuchs in Amerika auf, er zählt Southern Rock und Jazz zu seinen Einflüssen. Simon kommt aus Belfast, wuchs mit Gary Moore und Joe Satriani auf, er strahlt diese unmittelbare UK-Energie aus, während amerikanische Musik oft dazu tendiert, ein bisschen zurückgelehnter zu klingen. Sie haben eine unterschiedliche Herangehensweise an Musik, ohne das bewerten zu wollen. Das hört man aus den Arrangements raus. Aber sonst ist das echt schwer zu beurteilen. Da könnte ich auch fragen: Was ist der Unterschied zwischen diesem und jenem Typen? Der eine kommt aus Newcastle und hat einen anderen Dialekt. So oder so: Mit beiden Musikern war die Stimmung innerhalb der Band großartig. Und natürlich führt ein neues Mitglied dazu, dass man sich selbst nochmal neu betrachtet. Ein seltsamer Prozess, dieses menschliche Verhalten. Aber es hat alles gut geklappt.

An manchen Stellen, z.B. bei ›Portable Door‹ oder ›Now You’re Talkin’‹, höre ich verstärkt frühe Purple-Vibes heraus. Wie schafft man neue Songs, die nach einem selbst klingen, ohne sich dabei in seinem übermächtigen Erbe zu verfangen?

Wahrscheinlich klingen sie wirklich, als könnten sie aus einer anderen Ära stammen, aber für mich klingen sie frisch und vital. Die Antwort auf solche Fragen fällt mir wirklich schwer, weil wir so nicht denken. Diese Selbstanalyse findet bei uns nicht statt. Wenn wir schreiben oder im Studio sitzen, sprechen wir nie über solche Dinge. Wir reden über das neue Auto, das einer von uns gekauft hat, oder wie es den Kindern und dem Hund geht. Dann scherzen wir über Kricket. Deswegen kann ich auf solche Fragen nicht wirklich etwas Intelligentes antworten.

Na, solche Fragen sind wohl eine Krankheit von uns Magazinleuten …

Ach, ich verstehe es ja. Mir werden diese Fragen wirklich oft gestellt, schon mein ganzes Leben lang. Weil es die Menschen fasziniert und interessiert. Am meisten, wenn irgendwas schief läuft.

Es ist ja auch eine Antwort, wenn du sagst, dass ihr euch darüber absolut keine Gedanken macht.

Das stimmt. Und wenn es Probleme gibt, haben wir ein Abstimmungssystem. Denn wir sind oft nicht derselben Meinung. Wir handhaben das ganz simpel. Wenn es eine Mehrheit gibt, wird es so gemacht und jeder akzeptiert das. Ich kenne das Gefühl, überstimmt zu werden, ziemlich gut. (lacht) Wenn jemand etwas nicht tun möchte, alle anderen aber schon, dann ist das eben der Lauf der Demokratie. Also setzt du ein Lächeln auf und tust es.

Viele könnten ihr Ego wahrscheinlich trotzdem nicht der Demokratie unterwerfen…

Da hast du so Recht. Aber mit einem Abstimmungssystem wirst du jegliche Egos los, weil man das Ergebnis einfach akzeptieren muss. Das funktioniert super und wir benutzen es immer und überall. Bei Arrangement-Fragen, Musik, Tourneen, Studios. All diese Angelegenheiten, über die man ewig diskutieren kann. Mit einer Wahl löst man dieses Problem ein für allemal. Wenn man es nicht so handhabt, lässt es sich nicht vermeiden, dass es persönlich wird. Und das bringt niemandem etwas. Was ich gelernt habe: Jede Entscheidung, die unter Stress, emotionaler Aufgewühltheit oder aus persönlichem Interesse heraus getroffen wird, ist eigentlich immer die falsche Entscheidung für die Gruppe. Das sieht man auch beim Football. Wenn einer abhebt und sich als Superstar aufspielt, dann funktioniert das vielleicht für zehn Minuten, aber irgendwann verliert man die Spiele, weil keiner mehr Bock hat, den Ball an den Typen abzugeben. Das sieht man doch auch an den Supergroups der 70er Jahre, die vom Business geformt wurden. Die haben nie wirklich lange funktioniert. Mir fällt keine ein, die etwas langlebiger war.

Ist also das der Grund, warum Deep Purple so eine langlebige, zähe Formation ist?

Weißt du was? Ja! Jetzt wo du es so sagst, stimme ich absolut zu. Aber auch darüber haben wir noch nie nachgedacht.

Was magst du am meisten am aktuellen Line-Up von Deep Purple?

Es ist einfach. Unkompliziert. Wie soll man fünf verschiedene Menschen mit verschiedenen Meinungen zu Politik, Kultur und Musik unter einen Hut bringen? Wir schaffen das immer wieder. Deswegen ist die Stimmung in unserem Backstage immer gut und wenn die Tour vorbei ist, gehen wir nachhause und warten auf die nächste. Ich komme ins Stocken, wenn ich nach anderen Worten suche, deswegen bleibe ich dabei. Es ist einfach. Fünf Menschen mit einem geteilten Interesse, demselben Kurs. Eine gute Balance.

Die vollständige Titelstory mit Interviews mit Ian Paice und Simon McBride, lest ihr in Ausgbe 131 von CLASSIC ROCK. Jetzt hier versandkostenfrei online bestellen: CLASSIC ROCK #131

Video der Woche: Bon Jovi mit ›Wild In The Streets‹

SLIPPERY WHEN WET von Bon Jovi wird heute 38 Jahre alt. Aus diesem Anlass blicken wir zurück…

… und zwar auf das Jahr 1986, als SLIPPERY WHEN WET erschien. Mit zahlreichen Hits wie ›Livin‘ On A Prayer‹, ›You Give Love A Bad Name‹, ›Wanted (Dead Or Alive)‹ oder ›Raise Your Hands‹ ist die dritte Platte von Bon Jovi bis heute das erfolgreichste Studioalbum von Bon Jovi.

Das sexuell aufgeladene bis sexistische Originalcover-Artwork, das die Brust einer Frau in einem engen, gelben Shirt mit dem Titel als Aufdruck zeigt, wurde von der Plattenfirma damals abgelehnt. Nur in Japan gab es die Platte mit diesem Artwork zu kaufen. Durchgesetzt wurde dann ein sehr viel weniger polemisches Bild mit einem verwischten SLIPPERY-WHEN-WET-Schriftzug

Zum Geburtstag von SLIPPERY WHEN WET blicken wir heute zurück auf das Musikvideo zu ›Wild In The Streets‹:

Joanne Shaw Taylor: Therapeutische Kreativität

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Für ihre neunte LP HEAVY SOUL besinnt sich Joanne Shaw Taylor auf der einen Seite auf ihre Blues-Wurzeln und rangiert auf der anderen in komplett zeitlosen Gefilden. Während ihrer laufenden US-Tour gewährte die singende Gitarristin CLASSIC ROCK einen intimen Einblick in ihre höchst interessante Arbeitsweise und ihre Inspirationsquellen.

Joanne, auf HEAVY SOUL lebst du deine Vorliebe für Stevie Ray Vaughan wieder etwas mehr aus als während der Sessions zu NOBODY’S FOOL (2022).
Ehrlich gesagt denke ich über die Ausrichtung eine Scheibe nie nach. Ich schreibe ständig neue Songs und gerade in den letzten Jahren während der Pandemie hat sich enorm viel tolles Material angesammelt. Nach meiner gerade durch die USA rollenden Tour geht es schnurstracks wieder ins Studio, um den Nachfolger zu HEAVY SOUL aufzunehmen. Für mich ist Musik eine konstante Reise, die aus den drei Pfeilern Komposition, Aufnahme und Liveshow besteht. Verschnaufpausen gibt es faktisch nicht bei mir.

Bist du dauerhaft inspiriert?
Das Songwriting verändert sich über die Jahre hinweg genauso, wie du dich als Mensch weiterentwickelst. Meine Tracks basieren ausschließlich auf persönlichen Erlebnissen. Da gibt’s die glücklichen Momente, tiefe Traurigkeit und alles, was dazwischen liegt. Ich verarbeite diese emotionale Achterbahn, indem ich sie in Liedform kanalisiere und mit anderen Leuten teile. Über diese Gabe bin ich mehr als glücklich und sie ist um Welten günstiger und beständiger als der Gang zum Therapeuten. Der Prozess vom ersten Einfall bis zum finalen Stück ist für mich wie das Eintauchen in eine Komfortzone. Erst kommt ein Riff oder eine Melodie, währenddessen fällt mir immer ein Titel ein, der dann den Startschuss für die Texte gibt. Ein paar Fragmente davon tauchen meist dann auf, wenn ich zur Musik das erste Mal singe. Das ist ein komplett organischer Prozess, bei dem du die Welt um dich herum komplett ausblenden kannst.

Wie viele Lieder aus dem sicher immens großen Archiv hast du für HEAVY SOUL in Erwägung gezogen?
Ursprünglich waren es mal zwölf. Bei mir passiert es förmlich immer, dass bei einer Albumproduktion einige Tracks übrig bleiben, die die Marschrichtung des Nachfolgers vorgeben. Ich gehöre definitiv nicht zu den Musikern, die 20 Stücke schreiben und davon nur zehn aufnehmen.

Das klingt nach einer sehr fokussierten Arbeitsweise.
Das ist es auch. 20 meiner Kompositionen, die ich in einem gewissen Lebensabschnitt schreibe, können auf fünf verschiedenen LPs laden. Ausschussware zu produzieren, macht für mich seit jeher keinen Sinn. Meine Festplatten sind voll mit potenziellen Albumtracks, die nur noch aufgenommen werden müssen.

Apropos aufnehmen: Hinter dem Mischpult gibt es für dich eine Reunion mit Kevin Shirley, der schon WILD (2016) produzierte.
Mit Kevin wollte ich nach WILD auf jeden Fall noch mal eine Platte machen. Termintechnisch hat es danach bei uns beiden allerdings bis HEAVY SOUL nicht mehr geklappt. Dann kam auch noch Covid, weswegen Joe (Bonamassa, Freund und Labelchef von Joanne; Anm. d. Verf.) und Josh Smith kurzerhand mit mir ins Studio gingen. Mit Joe wäre ich sofort wieder an eine Produktion gegangen, da wir uns wirklich blind verstehen. Der Knackpunkt hierbei ist − wie zuvor mit Kevin − die unvereinbaren Kalender. Wenn ich’s mir recht überlege, sind sich die beiden total ähnlich − weswegen sie wahrscheinlich auch schon eine halbe Ewigkeit zusammen LPs aufnehmen. Ihre ruhige Herangehensweise und das Fingerspitzengefühl für kleine Details liegt erstaunlich nahe beieinander. Der wichtigste Aspekt ist jedoch das persönliche Vertrauen, das ich zu ihnen hege. Sie kennen nämlich nicht nur die Musikerin, sondern auch die Frau hinter Joanne Shaw Taylor.

Mark Knopfler im Interview: „Ich bin kein Schwarzmaler“

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Der frühere Chef der Dire Straits über die gefährliche Polarisierung der Gesellschaft, „Klimakleber“, Bob Dylan und Van Morrison, seine Söhne, kindische Beste-Gitarristen-Listen und Newcastle Unite.

Schon anstrengend gerade: Rechtsradikale fühlen sich so stark wie lange nicht , Antisemitismus erlebt ein Revival und gut die Hälfte aller Deutschen mit Einwanderungsgeschichte fürchtet sich vor Massenabschiebungen, wie eine Umfrage des ARD-Magazins Panorama ergab. Logisch, dass diese Rechtsdrift – nicht nur bei uns – auch Brexit-Gegner Mark Knopfler nicht egal ist. Im neuen Song ›This One’s Not Going To End Well‹ diagnostiziert er, dass vergangen geglaubte Zeiten gerade aus der Hölle zurückkommen.

Und so wurde das Gespräch – eine Stunde Zoom-Interview aus seinem Arbeitszimmer in London – recht schnell politisch. Knopfler macht klar, was er von Extremisten hält, besteht aber trotzdem darauf, Optimist zu sein; gerade was den Klimawandel angeht. Um Musik geht’s freilich auch. Nicht nur bringt der frühere Frontmann der Dire Straits im April seine zehnte Soloplatte ONE DEEP RIVER raus, die erste seit sechs Jahren – gerade hat er außerdem zusammen mit mehr als 60 Kollegen, darunter Bruce Springsteen, Eric Clapton, Joan Jett und Ringo Starr, seinen Soundtrack-Song ›Going Home (Theme From Local Hero)‹ von 1983 neu aufgenommen.

Die Einnahmen gehen an die Krebshilfe. Ebenfalls im April, zum Record Store Day, kommt das Mini-Album THE BOY, das in die kriminelle Unterwelt der 50er- und 60er-Jahre eintaucht. Knopfler verrät, wer seine größten Idole sind, warum er heute nicht mehr
auf Konzerte geht, dass er sich selbst für keinen herausragenden Gitarristen hält und was er über ein Leben nach dem Tod denkt. Aber jetzt zuallererst zum Sport.

Seit deinem letzten Album DOWN THE ROAD WHEREVER sind sechs Jahre vergangen. Irgendwelche größeren Veränderungen seitdem?
Eigentlich nicht. Ich bin vielleicht in allem noch ein bisschen langsamer geworden. Ich lerne langsam, gehe langsam. Dauernd überholen mich uralte Ladys, die sich gerade ihre Pension abholen. Ich bin halt ein Träumer geblieben.

Du denkst also so viel nach beim Spazierengehen?
Gar nicht unbedingt, meine Beine bewegen sich auch einfach nicht schneller. Keine Ahnung, woran das liegt. Selbst beim Radfahren treten alle anderen irgendwie schneller in die Pedale. Echt erstaunlich. Ich hab da mal was über diesen berühmten Quarterback in der NFL gelesen: Tom Brady. Der hat als junger Spieler verzweifelt versucht, es zum Profi zu schaffen. Bei einer Talentsichtung hat er dann vor sich auf dem Boden zufällig einen Zettel mit der Notiz eines Scouts gesehen, der ihn als furchtbar behäbig beschrieb. Langsam, langsam, langsam – mit drei fetten Ausrufezeichen dahinter. Das hat den Unterschied gemacht. Nachdem er das gesehen hatte, entwickelte sich Brady zum besten Quarterback der Welt. Er wurde zum absoluten Meister, was das perfekte Timing angeht. Sowas ist mir nie gelungen, haha.

Apropos Sport: Wie läuft’s eigentlich bei deinem Lieblingsclub Newcastle United? Vor zwei, drei Jahren ist dort ja ein saudischer Investor eingestiegen.
Es läuft großartig. Das Problem ist nur, dass die Erwartungen viel zu hoch sind. Die Leute sind zu ungeduldig. Weißt du, wie lang es gedauert hat, bis Manchester City irgendwas gewonnen hat, nachdem sie auf einmal so viel Geld hatten?

Vermutlich recht lange …
Acht Jahre!

Gehst du noch hin und wieder ins Stadion?
Nein, ich bin eigentlich immer in London. Wobei, relativ bald komm ich wieder rauf, weil wir die neue Charity-Single im St. James’ Park in Newcastle vorstellen, also auf dem Fußballplatz. [Am 15. März ist die bereits erwähnte Charity-Single ›Going Home (Theme From Local Hero)‹ erschienen, deren Einnahmen den Krebshilfe-Organisationen Teenage Cancer Trust und Teen Cancer America zugutekommen; Anm. d. Red.]

An den Aufnahmen waren mehr als 60 Musiker beteiligt, darunter Bruce Springsteen, Eric Clapton, Ringo Starr und Joan Jett. Wie kam’s dazu?
Die beiden Organisationen haben das angeleiert, mein Produzent Guy Fletcher hat dann die Leute zusammengetrommelt. Echt berührend, was da zurückkam. Wir mussten am Ende sogar zwei Versionen machen – eine fürs Radio und eine, die ewig lang ist, neun Minuten oder so.

Wie geht das überhaupt, so viele Musiker in einem einzigen Track?
Im Grunde geht es gar nicht, aber Guy hat es irgendwie fertiggebracht. Es dürfte die letzte Performance von Jeff Beck überhaupt sein. Phänomenal! Hank Marvin ist auch dabei, er klingt besser denn je.

Alle spielten also kurze Parts?
Genau, anders würde es den ganzen Tag dauern. Die meisten schickten uns ihre Beiträge zu. Aber Pete Townshend kam zum Beispiel bei mir im British Grove Studio vorbei, genauso Eric oder auch David Gilmour.

Dein neues Album ONE DEEP RIVER ist mit deiner etatmäßigen Band um Guy Fletcher entstanden. Eines der Stücke, die sich mir beim ersten Durchhören am stärksten eingeprägt haben, ist ›Tunnel 13‹. Wahrscheinlich, weil es eine zusammenhängende, noch dazu wahre Geschichte erzählt.
Es geht um die drei De Autremont-Brüder, die 1923 in den Wäldern von Kalifornien einen Zug überfielen und vier Leute ermordeten. (greift sich eine Akustikgitarre) Diese Gitarre hier ist aus Redwood-Holz. Arthur Boswell hat sie gebaut, es ist das MK-Modell mit der kleinen Brücke auf dem Steg, die auch auf dem Albumcover drauf ist. Irgendwo habe ich gelesen, dass sie die kalifornischen Redwoods früher zur Stabilisierung der Eisenbahntunnel verwendet haben, teilweise ist es immer noch dort verbaut. Heutzutage geht das gar nicht mehr, weil die Bäume längst unter Naturschutz stehen. Die Geschichte im Song ist auch deshalb so interessant, weil es echt schwer ist, ein Motiv für ein derart brutales Verbrechen zu finden. Doch dann habe ich herausgefunden, dass der Anführer der drei Brüder Mitglied bei den Industrial Workers Of The World war, einer linken Arbeitervereinigung. Ich glaube, dass das seine Wut befeuert hat. Offensichtlich ging es ihnen um die Schere zwischen Arm und Reich, vielleicht hegten sie auch eine generelle Abneigung gegen das Establishment – ich sehe darin sogar Parallelen zu Baader und Meinhof. Eines der Motive der DeAutremont Brothers, das ist meine These, war einfach Hass auf das System.

Also ein linksradikales Motiv?
Ja, daher die Wut. Das hat nichts Glamouröses, es war ein furchtbares Ver- brechen. Vier Männer wurden sinnlos ermordet.

In den Lyrics heißt es: „Tunnel 13 is the place in the song, where the beautiful redwood for my guitar came from.“ Ging es dir um eine subtile Form der Rache: Ihr begeht dieses Verbrechen und hundert Jahre später erzähle ich davon mit meiner Gitarre aus demselben Wald?
Es ging mir nicht aus dem Kopf, dass das Holz für die Gitarre vielleicht sogar aus demselben Tunnel stammt, in dem der Überfall stattfand. Das hat natürlich eine schöne Ironie.

Reizte dich die Geschichte auch deshalb, weil heutzutage wieder eine Menge Leute Wut auf das „System“ zu haben scheinen, was auch immer sie im Einzelnen darunter verstehen?
Nicht unbedingt. Aber eine Geschichte wie diese bleibt immer relevant. Es geht um Raub und Plünderei. In Amerika werden bis heute jeden Tag Züge ausgeraubt.

In ›This One’s Not Going To End Well‹ singst du folgende interessante Zeilen: „They whip up old lies to ride into power, and history Comes back from hell“. In ganz Europa erstarken seit Jahren rechte Parteien, Trump könnte wieder US-Präsident werden, in Italien regieren Postfaschisten. Ging dir das durch den Kopf, als du das geschrieben hast?
Yep, absolut. Alles wird immer polarisierter, und sowas kommt dann davon. Es ist zunehmend schwer, durch den Rauch zu sehen, weil viele Leute ihre Informationen aus weiß Gott welchen Quellen bekommen. Bis sie nicht mehr wissen, was sie da eigentlich lesen und sehen. Jeder wirft dem anderen die gleichen Sachen vor. Fake News, Fake News …

Früher wurde Zeitung gelesen, so ziemlich jeder hat die Fernsehnachrichten geschaut – es gab diesen gemeinsamen öffentlichen Raum, den sich alle teilten. Auch durch die sozialen Netzwerke funktioniert die öffentliche Wahrnehmung heute viel zersplitterter. Ist das ein Problem?
Ja, klar. Das Pendel der Geschichte schwingt heute stärker und gewaltvoller als in den 30 oder 40 Jahren davor, die Reaktionen auf beiden Seiten fallen extremer aus. Es gibt Rechtsextremisten und Linksextremisten, die einen bedingen die anderen.

Hältst du beide für gleich gefährlich?
Ja, finde ich schon. Ob links oder rechts, alles wird politisiert. Als rauskam, dass der König Krebs hat, dauerte es nicht lang, bis die Linken gemurrt haben: Um meinen Krebs würde sich keiner so viel scheren. Mich würde keine ganze Gruppe von Ärzten behandeln, wie den König … Sowas kommt natürlich erst recht, wenn man eh schon eine Abneigung gegen das System hat … Genauso, wenn es halt mal länger dauert, bis die Leute einen Termin beim Zahnarzt kriegen … Wie lang ohne Essen, wie lang ohne Job, wie viele braucht es, bevor die Leute endlich aufhören, alles Mögliche für ihre Situation verantwortlich zu machen?! Die Ironie dabei ist, dass die extreme Linke sich der extremen Rechten annähert.

Trotzdem erscheint mir die linke Perspektive nachvollziehbarer, denn es ist ja tatsächlich so, dass es große Unterschiede zwischen Arm und Reich gibt – was man als Grund nehmen könnte, gegen das System zu sein.
Dieses Gefälle gibt es, ja. Andererseits kann ich einen jungen Arzt auch gut verstehen, der sechs Jahre studiert hat und hart arbeitet – und dann kommt er nicht ins Krankenhaus, weil die Bahnangestellten mal wieder streiken und mehr Geld wollen. Dabei ist die einzige Ausbildung, die sie brauchen, „Bitte zurückbleiben!“. Das ist was anderes als sechs Jahre Medizinstudium. „Bitte zurückbleiben!“ – ihr werdet recht gut bezahlt, dafür, dass ihr das gelernt habt. Es gibt halt immer auch die andere Perspektive, das will ich damit sagen.

In Deutschland gab es gerade riesige Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Hunderttausende gingen in den Großstädten auf die Straße.
Ja, wegen eurer Geschichte. History comes back from hell … Ich verstehe, dass viele Leute das so verstörend finden, aber nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.

Hast du Angst um unsere westlichen Demokratien?
Ähm … ja. Und du?

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