Für ihre neunte LP HEAVY SOUL besinnt sich Joanne Shaw Taylor auf der einen Seite auf ihre Blues-Wurzeln und rangiert auf der anderen in komplett zeitlosen Gefilden. Während ihrer laufenden US-Tour gewährte die singende Gitarristin CLASSIC ROCK einen intimen Einblick in ihre höchst interessante Arbeitsweise und ihre Inspirationsquellen.
Joanne, auf HEAVY SOUL lebst du deine Vorliebe für Stevie Ray Vaughan wieder etwas mehr aus als während der Sessions zu NOBODY’S FOOL (2022). Ehrlich gesagt denke ich über die Ausrichtung eine Scheibe nie nach. Ich schreibe ständig neue Songs und gerade in den letzten Jahren während der Pandemie hat sich enorm viel tolles Material angesammelt. Nach meiner gerade durch die USA rollenden Tour geht es schnurstracks wieder ins Studio, um den Nachfolger zu HEAVY SOUL aufzunehmen. Für mich ist Musik eine konstante Reise, die aus den drei Pfeilern Komposition, Aufnahme und Liveshow besteht. Verschnaufpausen gibt es faktisch nicht bei mir.
Bist du dauerhaft inspiriert? Das Songwriting verändert sich über die Jahre hinweg genauso, wie du dich als Mensch weiterentwickelst. Meine Tracks basieren ausschließlich auf persönlichen Erlebnissen. Da gibt’s die glücklichen Momente, tiefe Traurigkeit und alles, was dazwischen liegt. Ich verarbeite diese emotionale Achterbahn, indem ich sie in Liedform kanalisiere und mit anderen Leuten teile. Über diese Gabe bin ich mehr als glücklich und sie ist um Welten günstiger und beständiger als der Gang zum Therapeuten. Der Prozess vom ersten Einfall bis zum finalen Stück ist für mich wie das Eintauchen in eine Komfortzone. Erst kommt ein Riff oder eine Melodie, währenddessen fällt mir immer ein Titel ein, der dann den Startschuss für die Texte gibt. Ein paar Fragmente davon tauchen meist dann auf, wenn ich zur Musik das erste Mal singe. Das ist ein komplett organischer Prozess, bei dem du die Welt um dich herum komplett ausblenden kannst.
Wie viele Lieder aus dem sicher immens großen Archiv hast du für HEAVY SOUL in Erwägung gezogen? Ursprünglich waren es mal zwölf. Bei mir passiert es förmlich immer, dass bei einer Albumproduktion einige Tracks übrig bleiben, die die Marschrichtung des Nachfolgers vorgeben. Ich gehöre definitiv nicht zu den Musikern, die 20 Stücke schreiben und davon nur zehn aufnehmen.
Das klingt nach einer sehr fokussierten Arbeitsweise. Das ist es auch. 20 meiner Kompositionen, die ich in einem gewissen Lebensabschnitt schreibe, können auf fünf verschiedenen LPs laden. Ausschussware zu produzieren, macht für mich seit jeher keinen Sinn. Meine Festplatten sind voll mit potenziellen Albumtracks, die nur noch aufgenommen werden müssen.
Apropos aufnehmen: Hinter dem Mischpult gibt es für dich eine Reunion mit Kevin Shirley, der schon WILD (2016) produzierte. Mit Kevin wollte ich nach WILD auf jeden Fall noch mal eine Platte machen. Termintechnisch hat es danach bei uns beiden allerdings bis HEAVY SOUL nicht mehr geklappt. Dann kam auch noch Covid, weswegen Joe (Bonamassa, Freund und Labelchef von Joanne; Anm. d. Verf.) und Josh Smith kurzerhand mit mir ins Studio gingen. Mit Joe wäre ich sofort wieder an eine Produktion gegangen, da wir uns wirklich blind verstehen. Der Knackpunkt hierbei ist − wie zuvor mit Kevin − die unvereinbaren Kalender. Wenn ich’s mir recht überlege, sind sich die beiden total ähnlich − weswegen sie wahrscheinlich auch schon eine halbe Ewigkeit zusammen LPs aufnehmen. Ihre ruhige Herangehensweise und das Fingerspitzengefühl für kleine Details liegt erstaunlich nahe beieinander. Der wichtigste Aspekt ist jedoch das persönliche Vertrauen, das ich zu ihnen hege. Sie kennen nämlich nicht nur die Musikerin, sondern auch die Frau hinter Joanne Shaw Taylor.
Der frühere Chef der Dire Straits über die gefährliche Polarisierung der Gesellschaft, „Klimakleber“, Bob Dylan und Van Morrison, seine Söhne, kindische Beste-Gitarristen-Listen und Newcastle Unite.
Schon anstrengend gerade: Rechtsradikale fühlen sich so stark wie lange nicht , Antisemitismus erlebt ein Revival und gut die Hälfte aller Deutschen mit Einwanderungsgeschichte fürchtet sich vor Massenabschiebungen, wie eine Umfrage des ARD-Magazins Panorama ergab. Logisch, dass diese Rechtsdrift – nicht nur bei uns – auch Brexit-Gegner Mark Knopfler nicht egal ist. Im neuen Song ›This One’s Not Going To End Well‹ diagnostiziert er, dass vergangen geglaubte Zeiten gerade aus der Hölle zurückkommen.
Und so wurde das Gespräch – eine Stunde Zoom-Interview aus seinem Arbeitszimmer in London – recht schnell politisch. Knopfler macht klar, was er von Extremisten hält, besteht aber trotzdem darauf, Optimist zu sein; gerade was den Klimawandel angeht. Um Musik geht’s freilich auch. Nicht nur bringt der frühere Frontmann der Dire Straits im April seine zehnte Soloplatte ONE DEEP RIVER raus, die erste seit sechs Jahren – gerade hat er außerdem zusammen mit mehr als 60 Kollegen, darunter Bruce Springsteen, Eric Clapton, Joan Jett und Ringo Starr, seinen Soundtrack-Song ›Going Home (Theme From Local Hero)‹ von 1983 neu aufgenommen.
Die Einnahmen gehen an die Krebshilfe. Ebenfalls im April, zum Record Store Day, kommt das Mini-Album THE BOY, das in die kriminelle Unterwelt der 50er- und 60er-Jahre eintaucht. Knopfler verrät, wer seine größten Idole sind, warum er heute nicht mehr auf Konzerte geht, dass er sich selbst für keinen herausragenden Gitarristen hält und was er über ein Leben nach dem Tod denkt. Aber jetzt zuallererst zum Sport.
Seit deinem letzten Album DOWN THE ROAD WHEREVER sind sechs Jahre vergangen. Irgendwelche größeren Veränderungen seitdem? Eigentlich nicht. Ich bin vielleicht in allem noch ein bisschen langsamer geworden. Ich lerne langsam, gehe langsam. Dauernd überholen mich uralte Ladys, die sich gerade ihre Pension abholen. Ich bin halt ein Träumer geblieben.
Du denkst also so viel nach beim Spazierengehen? Gar nicht unbedingt, meine Beine bewegen sich auch einfach nicht schneller. Keine Ahnung, woran das liegt. Selbst beim Radfahren treten alle anderen irgendwie schneller in die Pedale. Echt erstaunlich. Ich hab da mal was über diesen berühmten Quarterback in der NFL gelesen: Tom Brady. Der hat als junger Spieler verzweifelt versucht, es zum Profi zu schaffen. Bei einer Talentsichtung hat er dann vor sich auf dem Boden zufällig einen Zettel mit der Notiz eines Scouts gesehen, der ihn als furchtbar behäbig beschrieb. Langsam, langsam, langsam – mit drei fetten Ausrufezeichen dahinter. Das hat den Unterschied gemacht. Nachdem er das gesehen hatte, entwickelte sich Brady zum besten Quarterback der Welt. Er wurde zum absoluten Meister, was das perfekte Timing angeht. Sowas ist mir nie gelungen, haha.
Apropos Sport: Wie läuft’s eigentlich bei deinem Lieblingsclub Newcastle United? Vor zwei, drei Jahren ist dort ja ein saudischer Investor eingestiegen. Es läuft großartig. Das Problem ist nur, dass die Erwartungen viel zu hoch sind. Die Leute sind zu ungeduldig. Weißt du, wie lang es gedauert hat, bis Manchester City irgendwas gewonnen hat, nachdem sie auf einmal so viel Geld hatten?
Vermutlich recht lange … Acht Jahre!
Gehst du noch hin und wieder ins Stadion? Nein, ich bin eigentlich immer in London. Wobei, relativ bald komm ich wieder rauf, weil wir die neue Charity-Single im St. James’ Park in Newcastle vorstellen, also auf dem Fußballplatz. [Am 15. März ist die bereits erwähnte Charity-Single ›Going Home (Theme From Local Hero)‹ erschienen, deren Einnahmen den Krebshilfe-Organisationen Teenage Cancer Trust und Teen Cancer America zugutekommen; Anm. d. Red.]
An den Aufnahmen waren mehr als 60 Musiker beteiligt, darunter Bruce Springsteen, Eric Clapton, Ringo Starr und Joan Jett. Wie kam’s dazu? Die beiden Organisationen haben das angeleiert, mein Produzent Guy Fletcher hat dann die Leute zusammengetrommelt. Echt berührend, was da zurückkam. Wir mussten am Ende sogar zwei Versionen machen – eine fürs Radio und eine, die ewig lang ist, neun Minuten oder so.
Wie geht das überhaupt, so viele Musiker in einem einzigen Track? Im Grunde geht es gar nicht, aber Guy hat es irgendwie fertiggebracht. Es dürfte die letzte Performance von Jeff Beck überhaupt sein. Phänomenal! Hank Marvin ist auch dabei, er klingt besser denn je.
Alle spielten also kurze Parts? Genau, anders würde es den ganzen Tag dauern. Die meisten schickten uns ihre Beiträge zu. Aber Pete Townshend kam zum Beispiel bei mir im British Grove Studio vorbei, genauso Eric oder auch David Gilmour.
Dein neues Album ONE DEEP RIVER ist mit deiner etatmäßigen Band um Guy Fletcher entstanden. Eines der Stücke, die sich mir beim ersten Durchhören am stärksten eingeprägt haben, ist ›Tunnel 13‹. Wahrscheinlich, weil es eine zusammenhängende, noch dazu wahre Geschichte erzählt. Es geht um die drei De Autremont-Brüder, die 1923 in den Wäldern von Kalifornien einen Zug überfielen und vier Leute ermordeten. (greift sich eine Akustikgitarre) Diese Gitarre hier ist aus Redwood-Holz. Arthur Boswell hat sie gebaut, es ist das MK-Modell mit der kleinen Brücke auf dem Steg, die auch auf dem Albumcover drauf ist. Irgendwo habe ich gelesen, dass sie die kalifornischen Redwoods früher zur Stabilisierung der Eisenbahntunnel verwendet haben, teilweise ist es immer noch dort verbaut. Heutzutage geht das gar nicht mehr, weil die Bäume längst unter Naturschutz stehen. Die Geschichte im Song ist auch deshalb so interessant, weil es echt schwer ist, ein Motiv für ein derart brutales Verbrechen zu finden. Doch dann habe ich herausgefunden, dass der Anführer der drei Brüder Mitglied bei den Industrial Workers Of The World war, einer linken Arbeitervereinigung. Ich glaube, dass das seine Wut befeuert hat. Offensichtlich ging es ihnen um die Schere zwischen Arm und Reich, vielleicht hegten sie auch eine generelle Abneigung gegen das Establishment – ich sehe darin sogar Parallelen zu Baader und Meinhof. Eines der Motive der DeAutremont Brothers, das ist meine These, war einfach Hass auf das System.
Also ein linksradikales Motiv? Ja, daher die Wut. Das hat nichts Glamouröses, es war ein furchtbares Ver- brechen. Vier Männer wurden sinnlos ermordet.
In den Lyrics heißt es: „Tunnel 13 is the place in the song, where the beautiful redwood for my guitar came from.“ Ging es dir um eine subtile Form der Rache: Ihr begeht dieses Verbrechen und hundert Jahre später erzähle ich davon mit meiner Gitarre aus demselben Wald? Es ging mir nicht aus dem Kopf, dass das Holz für die Gitarre vielleicht sogar aus demselben Tunnel stammt, in dem der Überfall stattfand. Das hat natürlich eine schöne Ironie.
Reizte dich die Geschichte auch deshalb, weil heutzutage wieder eine Menge Leute Wut auf das „System“ zu haben scheinen, was auch immer sie im Einzelnen darunter verstehen? Nicht unbedingt. Aber eine Geschichte wie diese bleibt immer relevant. Es geht um Raub und Plünderei. In Amerika werden bis heute jeden Tag Züge ausgeraubt.
In ›This One’s Not Going To End Well‹ singst du folgende interessante Zeilen: „They whip up old lies to ride into power, and history Comes back from hell“. In ganz Europa erstarken seit Jahren rechte Parteien, Trump könnte wieder US-Präsident werden, in Italien regieren Postfaschisten. Ging dir das durch den Kopf, als du das geschrieben hast? Yep, absolut. Alles wird immer polarisierter, und sowas kommt dann davon. Es ist zunehmend schwer, durch den Rauch zu sehen, weil viele Leute ihre Informationen aus weiß Gott welchen Quellen bekommen. Bis sie nicht mehr wissen, was sie da eigentlich lesen und sehen. Jeder wirft dem anderen die gleichen Sachen vor. Fake News, Fake News …
Früher wurde Zeitung gelesen, so ziemlich jeder hat die Fernsehnachrichten geschaut – es gab diesen gemeinsamen öffentlichen Raum, den sich alle teilten. Auch durch die sozialen Netzwerke funktioniert die öffentliche Wahrnehmung heute viel zersplitterter. Ist das ein Problem? Ja, klar. Das Pendel der Geschichte schwingt heute stärker und gewaltvoller als in den 30 oder 40 Jahren davor, die Reaktionen auf beiden Seiten fallen extremer aus. Es gibt Rechtsextremisten und Linksextremisten, die einen bedingen die anderen.
Hältst du beide für gleich gefährlich? Ja, finde ich schon. Ob links oder rechts, alles wird politisiert. Als rauskam, dass der König Krebs hat, dauerte es nicht lang, bis die Linken gemurrt haben: Um meinen Krebs würde sich keiner so viel scheren. Mich würde keine ganze Gruppe von Ärzten behandeln, wie den König … Sowas kommt natürlich erst recht, wenn man eh schon eine Abneigung gegen das System hat … Genauso, wenn es halt mal länger dauert, bis die Leute einen Termin beim Zahnarzt kriegen … Wie lang ohne Essen, wie lang ohne Job, wie viele braucht es, bevor die Leute endlich aufhören, alles Mögliche für ihre Situation verantwortlich zu machen?! Die Ironie dabei ist, dass die extreme Linke sich der extremen Rechten annähert.
Trotzdem erscheint mir die linke Perspektive nachvollziehbarer, denn es ist ja tatsächlich so, dass es große Unterschiede zwischen Arm und Reich gibt – was man als Grund nehmen könnte, gegen das System zu sein. Dieses Gefälle gibt es, ja. Andererseits kann ich einen jungen Arzt auch gut verstehen, der sechs Jahre studiert hat und hart arbeitet – und dann kommt er nicht ins Krankenhaus, weil die Bahnangestellten mal wieder streiken und mehr Geld wollen. Dabei ist die einzige Ausbildung, die sie brauchen, „Bitte zurückbleiben!“. Das ist was anderes als sechs Jahre Medizinstudium. „Bitte zurückbleiben!“ – ihr werdet recht gut bezahlt, dafür, dass ihr das gelernt habt. Es gibt halt immer auch die andere Perspektive, das will ich damit sagen.
In Deutschland gab es gerade riesige Demonstrationen gegen Rechtsextremismus. Hunderttausende gingen in den Großstädten auf die Straße. Ja, wegen eurer Geschichte. History comes back from hell … Ich verstehe, dass viele Leute das so verstörend finden, aber nicht nur in Deutschland, sondern überall auf der Welt.
Hast du Angst um unsere westlichen Demokratien? Ähm … ja. Und du?
Das vollständige Titelstory-Interview mit Mark Knopfler lest ihr in CLASSIC ROCK #128. Jetzt hierversandkostenfrei online bestellen.
Die Olympischen Sommerspiele in Paris sind beendet. Und die Red Hot Chili Peppers stimmten schon mal auf die nächsten Spiele in Los Angeles ein…
Bei der Abschlussfeier der Olympischen Sommerspiele 2024 spielten die Red Hot Chili Pepppers bei strahlendem Sonnenschein ihren Song ›Can’t Stop‹ vom Album BY THE WAY aus dem Jahr 2002 in Los Angeles. 2028 werden hier die nächsten Olympischen Sommerspiele ausgetragen, ihre Performance war Teil der traditionellen Übergabe. Weitere Musikschaffende, die an der Zeremonie in L.A. mitwirkten waren Billi Eilish, und die Rapper Snoop Dog und Dr. Dre.
Frontmann Anthony Kiedies über Los Angeles: „Die Red Hot Chili Peppers, wie wir sie kennen, gehen gerne in einen Raum und machen Lärm. Und wir bringen alles, was wir im Leben erleben, in unsere Arbeit ein. und LA ist definitiv eine dieser Dimensionen. Es gibt immer noch einen Grund Grund, warum jeder von LA fasziniert ist.“
›American Woman‹ ist der größte Hit von The Guess Who. Zum heutigen Ehrentag von Jim Kale blicken wir auf eine Liveperformance der Band zurück.
Jim Kale feiert heute Geburtstag. Bekannt wurde der Kanadier als Bassist von The Guess Who, die im Jahr 1970 mit dem Song ›American Woman‹ ihren größten Hit landeten. Die Single stammt vom gleichnamigen Album der Band, übrigens das letzte mit Gitarrist Randy Bachman an Bord, der dann später Bachman-Turner-Overdrive gründete.
Entstanden sind die Grundlagen des Hits zufällig während eines Konzerts, als Bachman seine Gitarre stimmte und dabei ein kleines Riff spielte. Die anderen stimmten in Form eines Jams ein, Sänger Burton Cummings improvisierte ein paar Textzeilen dazu. Die Band soll danach auf Basis dieser Improvisation ›American Woman‹ fertig gestellt haben.
Zum Text kursierten damals viele Gerüchte, er wurde unter anderem politisch interpretiert. Doch laut Sänger Cummings enthielten seine Lyrics absolut keine Kritik an Politik und Regierung. In einem Interview mit The Toronto Star erklärte er einmal: „Was mich beschäftigte, war, dass die Mädchen in den USA schneller zu altern schienen als unsere Mädchen, und das machte sie, nun ja, gefährlich. Als ich sagte ‚Amerikanische Frau, bleib weg von mir‘, meinte ich eigentlich ‚Kanadische Frau, ich bevorzuge dich.‘ Das war alles ein glücklicher Zufall.“
Eine weitere Lesart von ›American Woman‹ war, dass der Text eine Aneinanderreihung von chauvinistischen Aussagen war. Dazu Bassist Jim Kale: „Das gängige Missverständnis war, dass es sich um ein chauvinistisches Lied handelte, was keineswegs der Fall war. Tatsache ist, dass wir aus einem sehr geradlinigen, konservativen, entspannten Land kamen, und plötzlich waren wir in Chicago, Detroit, New York – all diesen schrecklich großen Städten mit ihren Großstadtproblemen. Nach dieser besonders anstrengenden Tournee war es eine wahre Freude, nach Hause zu kommen und die Mädchen zu sehen, mit denen wir aufgewachsen waren. Außerdem war der Krieg im Gange, und der war furchtbar unpopulär. In Kanada gab es keine Wehrpflicht, und dafür waren wir dankbar. Viele Leute nannten es antiamerikanisch, aber das war es nicht wirklich. Wir waren nicht gegen irgendetwas. John Lennon sagte einmal, dass die Bedeutung aller Songs erst nach der Aufnahme entsteht. Jemand anderes muss sie interpretieren.
Zum Geburtstag von Jim Kale blicken wir heute auf einen Konzertfilm aus dem Jahr 1983 zurück und auf eine Live-Performance von ›American Woman‹ in Ontario im Zuge der Guess-Who-Reunion. Damals fanden Jim Kale, Drummer Gary Peterson, Sänger Burton Cummings und Leadgitarrist Randy Bachman wieder zueinander. Die Show wurde unter dem Titel TOGETHER AGAIN 1984 veröffentlicht.
Es ist das fünfte Telefonat mit Snowy White und inzwischen hat sich eine fast schon freundschaftliche Beziehung zu diesem Mann entsponnen, der zu den ganz Großen der Britischen Blues-Schule gehört und ein ruhiges Leben in Bescheidenheit und Nachdenklichkeit führt.
Bei fast allen dieser besagten Telefonate verwies Snowy White darauf, dass dies nun wohl sein letztes Album sein würde. Nicht etwa aus Effekthascherei, sondern weil er vielleicht dann doch die Anziehungskraft seiner Gitarre unterschätzt. Ein Album ist für Snowy nämlich keine aktive Entscheidung, sondern ein schleichender Prozess:. „Ich plane so etwas nie. Mir kommt eine Idee, die ich aufnehme. Dann spiele ich ein wenig Bass dazu und denke mir: ‚Ach, das klingt gut.‘ Dann spielt mein Sohn Thomas die Drums dazu und plötzlich nehme ich eine Platte auf.“, erklärt White gut gelaunt im Interview.
„Wir haben zwei Aufnahmeräume, meiner ist unten und der von Thomas oben.Wir können also simultan an den Liedern arbeiten, das funktioniert sehr gut, weil wir eine extrem gute Beziehung haben. Es gibt keinen Druck.“ Das einzige, was der Künstler bei diesem Arrangement vermisst: „Die Situation mit anderen im Studio. Wenn ich mein nächstes letztes Album mache, möchte ich vielleicht wieder mit einer Band aufnehmen. Ich arbeite gerne zuhause, doch ich vermisse den Input von anderen Musikern, den Spaß. Wir werden es sehen, ich plane ja nichts!“, erzählt er lächelnd. Doch immerhin sind auf seinem neuen UNFINISHED BUSINESS einige seiner The-White-Flames-Partner wie Juan van Emerloot oder Max Middleton zu hören, auch wenn die ihre Spuren bei sich zuhause eingespielt haben.
Das Artwork stammt vom französischen Künstler Aurélien Villette, auf dessen Motive er durch ein Puzzle aufmerksam wurde. Vielleicht wird der Gitarrist künftig selbst einmal den Pinsel für ein Cover schwingen, da er ein passionierter Ölmaler ist: „Das habe ich mir eigentlich vorgenommen und weiß gar nicht genau, warum ich es noch nie getan habe. Mir gefallen meine Malereien wirklich gut, vielleicht beim nächsten Mal.“ Seiner Gitarre gegenüber empfindet White nach wie vor eine Art „Hassliebe“: „Ich spiele jeden Tag auf ihr, eine Akkordfolge, die mir nicht aus dem Kopf geht, ein bisschen Blues. Doch nie mehr als zehn Minuten, weil meine Finger dann schmerzen. Es tut immer noch gut, meine Goldie-Replica in meinen Armen zu spüren. Seltsam, oder? Nach all den Jahren. Doch meist ist meine Les-Paul-Kopie oben im Schrank, unten steht meine PRS herum, für die Einbrecher“, scherzt er ausgelassen.
Ob er zufrieden ist, wenn er sich UNFINISHED BUSINNES anhört? „Nein. Ich war noch nie zufrieden mit meinen Aufnahmen. Direkt danach denke ich vor allem darüber nach, was ich anders hätte machen sollen. Natürlich bin ich im Großen und Ganzen zufrieden, sonst hätte ich UNFINISHED BUSINESS ja nicht veröffentlicht. Doch erst, wenn ich meine Alben nach einem Jahr nochmal auflege, kann ich sie mit anderen Ohren hören, ich werde objektiver. Das ist sehr interessant, manchmal bin ich sogar positiv überrascht.“
In einem Jahr wird Snowy White hoffentlich wohlwollend auf UNFINISHED BUSINESS zurückblicken, schließlich ist es ein weiteres gehaltvolles Album, das diese berührende White’sche Mixtur aus punktueller Beschwingtheit, Sehnsucht, Melancholie, Rastlosigkeit – eben dem „feeling blue“ – überträgt. „So blicke ich nun mal auf das Leben, es liegt eine gewisse Traurigkeit darin, die mich ständig begleitet. Ich weiß nicht genau, warum, doch ich habe mich noch nie in einer Situation wiedergefunden, in der ich mich zu 100% wohlfühlte. Irgendwie warte ich ständig auf etwas. Alles, was ich tue, ist ein Schritt dorthin, wo ich hinwill. Doch ich weiß nicht, wo das ist. UNFINISHED BUSINESS eben.“
Hört hier die brandneue Single ›Dark And Velvet Nights‹ von David Gilmour und seiner Frau Polly Samson.
Am 6. September erscheint das neue Soloalbum LUCK AND STRANGE von David Gilmour. Es ist die erste Soloplatte des Pink-Floyd-Mannes in neun Jahren. Fünf Monate arbeitete Gilmour in Brighton und London an der LP, die von David und Charlie Andrew produziert wurde. Heute gibt es die neue Single ›Dark And Velvet Nights‹ zu hören, inklusive Musikvideo.
›Dark And Velvet Nights‹ wurde von David Gilmour und seiner Ehefrau Polly Samson geschrieben. Die Lyrics stammen von einem Gedicht aus Pollys Feder. David Gilmour erzählt, wie der Song entstand: „Er tauchte eines Tages aus dem Nichts auf. Polly hatte anlässlich unseres Hochzeitstags ein wunderschönes Gedicht geschrieben, das neben mir auf dem Schreibtisch lag. Um auszuprobieren, wie sich der Track mit Text anhören würde, sang ich die Zeilen von Pollys Gedicht dazu. Als ich ihr das Ergebnis präsentierte, sagte sie, ‚Klingt toll, aber ich muss noch ein bisschen daran feilen‘. Sie ergänzte noch ein paar Verse und fertig war der Song – eine wahre Fügung des Schicksals!“
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Als Bob Daisley mitbekam, wie Ozzy Osbourne und Gitarrist Randy Rhoads Texte schreiben wollten, war er nicht begeistert.
In einem Gespräch mit dem Youtuber Johnny Beane erzählt Bassist Bob Daisley von seinen Erfahrungen in Ozzy Osbournes Soloband in den 80er Jahren. Während einer Songwriting-Session wurde Daisley Zeuge von den Schwierigkeiten, die sowohl Ozzy als auch Randy Rhoads beim Schreiben hatten.
Besonders im Gedächtnis geblieben sind ihm dabei die Sessions für das Debüt BLIZZARD OF OZZ, die sie zu dritt im Proberaum abhielten. „Ich dachte mir nur: Oh Gott, das ist schrecklich“, erklärt Daisley im Interview. „Es war wie bei Spinal Tap, nur schlimmer. Also sagte ich mir: Ich muss mir wohl den Texter-Hut aufsetzen.“ Und so hat Bob Daisley auf jedem Song von BLIZZARD OF OZZ einen Cowriting-Credit, außer auf Rhoads Gitarreninstrumental ›Dee‹.
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Titelstory: Insider von Kiss, Aerosmith und Status Quo über das Erfolgsgeheimnis von AC/DC
Groß, größer, AC/DC! Seit mehr als einem halben Jahrhundert zimmern die Australier ihre Riffs in die Stadien der Welt. Der Tod von Malcolm Young war ein harter Einschnitt, genau wie damals bei Bon Scott – und doch: Solange der kleine Mann mit der Schuluniform sich samt Gitarre im Konfettiregen auf der Bühne wälzt und eins seiner berauschenden Solos abfeuert, bleiben die Starkstrom-Rock’n’Roller eine Konstante im Leben von Millionen Fans. In unserer Titelstory schauen wir mit den Bewunderern Francis Rossi, Gene Simmons und Joe Perry auf die ruhmreiche Vergangenheit zurück – und richten mit Konzertberichten aus Gelsenkirchen und München alle Scheinwerfer auf die Gegenwart von Angus Young und Co.
Thin Lizzy: Helden der westlichen Welt
Auf VAGABONDS OF THE WESTERN WORLD, dem dritten Album von Thin Lizzy, „hört man erst richtig Phil, den Dichter“, sagt Schlagzeuger Brian Downey. Nach dieser Platte waren die „boys“ definitiv „in town“
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The Sweet: Das finale Grande Finale?
Unter dem Banner „The Final Round“ spielen The Sweet in diesem Jahr auch einige Shows in Deutschland. Gitarrist Andy Scott aka „the last man standing“ erklärt, was es mit dem Titel dieser Tournee auf sich hat und blickt zurück und in die Zukunft.
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Außerdem in dieser Ausgabe: Toto, REO Speedwagon, Suzi Quatro, Dio, Epitaph, Gene Simmons von Kiss, Albert Castigila, Axxis, Powerwolf und viele mehr!
Wie immer mit Heft-CD mit Songs von Bonsai Kitten, Razzmattazz, Elles Bailey, Torus, Parzival und mehr!