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Blues Boom: The Rolling Stones

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Die Stones haben wohl mehr als die meisten geleistet, um den Blues am Leben zu erhalten, ob sie 1964 vor Horden nichtsahnender Teenie-Mädchen Chess-Klassiker spielten oder sich das Genre mit Songs wie ›Midnight Rambler‹ und ›Stray Cat Blues‹ am Ende jenes Jahrzehnts zueigen machten. Vor allem aber legten die Stones diese Wurzeln immer offen und stellten so sicher, dass Helden wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf und B.B. King bei jeder Gelegenheit genannt und einem neuen Publikum ins Bewusstsein gerufen wurden.
Killer-Track: ›Midnight Rambler‹

The Rolling Stones: Ihre 50 besten Songs (Teil 2)

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It’s only Rock’n’Roll… aber wir stehen drauf – und wie! Ebenso wie jede Menge Künstler. Wir haben sie gefragt, was ihre Lieblingssongs der Rolling Stones sind und was diese Band so gut oder so wichtig für sie macht. Start ’em up!

›Jumpin‘ Jack Flash‹ (1968)

Von dem Moment an, in dem ich es zum ersten Mal hörte, liebte ich alles an diesem Stück. Es hat so etwas Düsteres und Cooles an sich. Das ist sinister, aber anziehend, nicht sinister und abstoßend. Für mich hat sich das nie abgenutzt. Im Gegenteil, die Wirkung dieser Nummer wuchs, je mehr ich über das Handwerk des Songwritings lernte. Es ist immer noch so badass und die Produktion ist so gut. Für mich fühlte es sich fast ein bisschen wie ein Comeback für die Stones an, es half ihnen wirklich, ihre Identität wiederzufinden. Ab diesem Punkt hatten sie es wieder so richtig drauf, also war das ein Wahnsinns-Comeback.

William DuVall, Alice In Chains

Den Song habe ich schon 20.000 Mal gehört, aber auch heute noch drehe ich jedes Mal, wenn er im Radio läuft, die Lautstärke auf und raste komplett aus. Da will ich einfach nur dazu schreien und plärren. Sie kamen gerade aus dieser psychedelischen Phase heraus, in der sie THEIR SATANIC MAJESTIES gemacht hatten, was ihr SGT. PEPPER darstellen sollte, und sie drohten, ihre Wurzeln im Blues zu verlieren. Als ich die Nummer zum ersten Mal hörte, war ich vielleicht 16 und sie blies mich komplett weg – der Klang der Gitarren. Das ist einfach knochentrocken, Mann.

Walter Trout

Durch das Vorsingen dieses Songs bekam ich den Job als Sänger meiner allerersten Band. Das war 1975 und ich wusste, dass mein Schulfreund Luke Morley, der dieses Vorsingen organisiert hatte, Gitarrist war. Ich werde nie vergessen, wie ich in diesen Raum ging, um zu singen, mit einem Mikrofon, das ich mir von einem Onkel geborgt hatte, und ein strahlend rotes Schlagzeug von Pearl in der Ecke stehen sah. Das war das Beeindruckendste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen hatte. Ich kannte ›Jumpin’ Jack Flash‹, hatte es aber noch nie zuvor laut gesungen, außer in der Badewanne. Wann immer ich es heute höre, versetzt es mich zurück in diesen verrauchten Proberaum mit diesem Schlagzeug. Das gibt mir ein schönes, warmes, glückliches Gefühl.

Danny Bowes, Thunder

Dieser Song, Mann … Hin und wieder covern wir und ich liebe es. Denn wir spielen ihn in E und das ist verdammt heavy. Doch es gibt noch so viel andere gute Sachen von ihnen: ›Beast Of Burden‹, ›Gimme Shelter‹, ›Paint It Black‹ … Und in Nashville muss es natürlich ›Honky Tonk Women‹ sein, oder? Das ist überall. Wenn du heute Abend ins Tootsies gehst, wird es irgendwann laufen.

Chris Robertson, Black Stone Cherry

›Child Of The Moon‹ (1968)

Ich nehme mal was Exotisches. Das ist die B-Seite von ›Jumpin’ Jack Flash‹, aber ein ziemlich brillantes Stück Psychedelik. Es ist fast schon Proto-Grunge. Und wenn ich noch eine Nr. 2 erlaubt bekomme – ja, ich weiß, nur ein Track, aber als absolut eingefleischter Stones-Fan nehme ich mir das Recht, noch einen Klassiker vorzuschlagen –, wäre das ›I’m Alright‹ von GOT LIVE IF YOU WANT IT! Es ist einfach so roh und echt, man kann es fast anfassen. Und natürlich ist das eine Komposition von Bo Diddley, wobei ich den Begriff eher lose verwende, denn größtenteils ist das einfach ein knackiger Jam, was es noch wertvoller macht.

Billy Gibbons, ZZ Top

›Street Fighting Man‹ (1968)

Ihre Karriere verfolge ich schon, seit ich mit 16 in einem Pub in Guildford für sie eröffnete – so weit reicht unsere gemeinsame Geschichte schon zurück. Dieses Lied fängt die Essenz der Stones ein, die ich so liebe, das ganze Straßending. Das ist die Art von Song, die man nicht im Sitzen hören kann, das ist ein Monster.

Mick Jones, Foreigner

›Sympathy For The Devil‹ (1968)

Am Anfang klingt es, als sei man im Dschungel, da hört man den Beat der Bongos und das Gekreische der Tiere. Nach dem ersten Akkord setzt dann der Gesang ein: „Please allow me to introduce myself/I’m a man of wealth and taste“. Das ist einfach der beste Anfang eines Songs aller Zeiten. Und man muss einfach dazu tanzen. Wenn es nicht diesen Drang in dir auslöst, hast du ein Problem. Wahrscheinlich bist du dann schon tot.

Tony Wright, Terrorvision

Rhythmisch betrachtet war ›Sympathy For The Devil‹ immer einer meiner Favoriten der Band. Wer den Making-Of-Film dazu nie gesehen hat, sollte das unbedingt tun, denn er ist wirklich fesselnd. Als sie endlich über diesen Rhythmus stolpern, der am Anfang zum Einsatz kommt, das ist faszinierend. Ich bin so beeindruckt davon, wie sie darauf hinarbeiten, den perfekten Vibe zu finden, das beste Szenario, in dem der Song funktionieren kann. Und als sie dann endlich ins Schwarze treffen, geht’s ab. Als ich noch bei Guns N’ Roses war, versuchten wir mal, das zu covern [für den Abspann des Films „Interview mit einem Vampir“ von 1994], und ich war nicht besonders glücklich darüber. Es ist eines dieser Stücke, bei denen man einer Neuerschaffung nicht mal nahekommen kann. Ähnlich wie ›Won’t Get Fooled Again‹ von The Who oder Queens ›Bohemian Rhapsody‹ – warum sollte man diese Songs covern wollen? Unsere Fassung war okay, aber natürlich konnte sie dem Original nicht das Wasser reichen.

Matt Sorum, Ex-Guns N’ Roses

›You Can’t Always Get What You Want‹ (1969)

In meiner Jugend war ich eher der Beatles-als der Stones-Typ, aber später entdeckte ich sie dann doch noch. Die Stücke von ihnen, die ich am liebsten mag, kamen alle im Film „Der große Frust“ vor. ›You Can’t Always Get What You Want‹ hört man in der ersten Szene – die große Beerdigung. Das ist so soulful und wunderschön. Die Dynamik – wie es sich zu diesem unglaublichen Gospelchor aufbaut – spricht mich wirklich an. Ich finde es absolut furchtbar, dass es heute bei Auftritten von Trump gespielt wird. Da sollte jemand aufstehen und sage: „Hört sofort damit auf!“, bevor die Leute zu glauben beginnen, da gebe es irgendeine Verbindung zwischen dem Künstler, dem Song und der Sache.

Fish

›Gimme Shelter‹ (1969)

„It’s just a shot away, it’s just a shot away“ – diese Worte fangen den Aufruhr in der Welt und vor allem im Amerika des Jahres 1969 ein. Kurz bevor dieses Lied aufgenommen wurde, hatten die Stones gesehen, wie in Altamont jemand vor ihren Augen getötet worden war. Das war ein Schock für alle Rockfans. Nachdem ich den Song jahrzehntelang gehört hatte, wurde mir erst in jüngerer Vergangenheit, nachdem ich den Text nachgeschlagen hatte, klar, dass die ersten beiden Wörter des Refrains, die ich zuvor nie verstanden hatte, „rape, murder“ [Vergewaltigung, Mord] lauteten. Diese furchterregende Botschaft mildern sie dann am Ende ab, als sie sagen, die Liebe sei „nur einen Kuss entfernt“. Aus irgendeinem Grund bin ich immer den Tränen nahe, wenn ich das Stück höre. Ich liebe, wie es klingt, es ist simpel und schlicht orchestriert, doch der Vibe ist überirdisch. Merry Claytons erstaunliche Background-Stimme ist wie ein Engel im Himmel, der himmlische warnende Worte zu uns heruntersingt. Diese Verbindung von weißen, männlichen, vom Chicago-Blues beeinflussten Rockern und dem amerikanischen Gospel-Gesang berührt mich immer wieder.

James „JY“ Young, Styx

Dieser Song löst etwas bei mir aus, weil er zu dem passt, was in den 60er Jahren passierte. Die Stones waren sehr fokussiert auf die gesellschaftlichen Probleme jener Zeit, und traurigerweise hat sich die Welt seither nicht groß verändert.

John Mayall

Diese Nummer strotzt nur so vor Atmosphäre und Attitüde. Der Text ist wie bei ›Sympathy For The Devil‹ und ›Street Fighting Man‹ ziemlich furchteinflößend. Das Gitarrenintro packt mich schon aus 50 Metern Entfernung und dieses unglaubliche Schreien im Outro macht es zu einem textlichen wie klanglichen Meisterwerk.

Philip Lewis, L.A. Guns

Man muss die Langlebigkeit, das Gesamtwerk und die Sturheit der Stones einfach bewundern. Und wenn sie mal ins Schwarze treffen, kriegt man das mit, Mann. Für mich ist die Tragödie der Stones, dass sie infantil geblieben sind. Der Triumph der Stones ist aber ebenfalls, dass sie infantil geblieben sind. Diese beiden Seiten gehen Hand in Hand. Nachdem ich mich jahrelang geweigert hatte, sie live zu sehen, ging ich vor nicht allzu langer Zeit endlich auf ein Konzert von ihnen. Wenn ich die Augen schloss, genoss ich es wirklich. Sie sind eigentlich eine Garage-Band, oder eine Pubrock-Band, wie wir das in Australien nennen würden – und zwar eine verdammt gute. Wenn man nicht mehr auf die Lichter, die Turnanzüge und Leoparden-Gitarrengurte achtet, begreift man, dass – WOW – hier etwas Unglaubliches passiert. Sie überzeugten mich. Die Stones haben etwa 20 großartige Songs. Bei ›Gimme Shelter‹ hört man all ihre Mechanismen, und die Mundharmonika ist überall darauf. Das baut sich wunderbar auf und klingt 50 Jahre später immer noch toll.

Peter Garrett, Midnight Oil

›Gimme Shelter‹. Das ist der Song. Der eine. Vielleicht einer der machtvollsten gesellschaftlichen Kommentare überhaupt. Und noch so ein Moment der Genialität, wenn Mary Claytons Stimme bricht und Mick singt: „Whoo!“ Und dieser Gitarrenklang. Das geht absolut unter die Haut.

John Rzeznik, Goo Goo Dolls

›Honky Tonk Women‹ (1969)

Für meine Begriffe ist ›Honky Tonk Women‹ der perfekt geschriebene Song. Ich glaube, das war das erste ihrer Stücke in offener D-Stimmung, das zum Hit wurde. Danach wurde das für Keith zum Standard. Als ich aufwuchs, spielte ich Hillbilly, Bluegras und traditionellen Country, was ich alles von meinem Dad gelernt hatte, doch meine Mama stand auf die Stones, die Beach Boys, die Beatles und Bob Dylan. Sie hatte eine Kassette von HOT ROCKS 1964–1971, die Greatest Hits auf Doppelalbum, und die spielte sie ständig. Ich war es gewohnt, ihre Hits von Mitte der 60er zu hören, die super waren. Wie könnte man die nicht mögen? Doch mit elf fingen meine Ohren an, sich wirklich zu öffnen. ›Honky Tonk Women‹ faszinierte mich sofort. Das war wie ein aufgebohrter, elektrifizierter Country-Song, wenn man sich auf das Wesentliche konzentrierte. Drei Akkorde und großartige Harmonien. Und da ging mir ein Licht auf: Es ist dasselbe wie Hank Williams, nur lauter. Da fing alles an, Sinn zu ergeben, und dieses Gefühl verließ mich nie wieder. Noch heute, wenn ich das erste Krachen dieser Snare höre, bin ich sofort wieder gefesselt und kann es nicht abschalten.

Charlie Starr, Blackberry Smoke

Ich war immer eher ein Beatles- als ein Stones-Mann, aber ›Honky Tonk Women‹ ist so ein toller Song. Dieser Anfang mit der Kuhglocke ist grandios, der Refrain ist absolut wunderbar und der Text ebenso. Ich denke mal, die Worte reflektieren exakt das, was die Inspiration dazu war. Es ist wie eine ernste Nummer, aber gleichzeitig macht sie Spaß.

Graham Gouldman, 10cc

›Brown Sugar‹ (1971)

Oh Mann, gib mir ein ganzes Album: STICKY FINGERS! Aber wenn ich mich für nur ein Lied entscheiden
muss, sage ich ›Brown Sugar‹. Das wurde auf acht Spuren aufgenommen, es ist umwerfend, perfekt, einer der am wenigsten heruntergemixten Tracks auf sämtlichen Stones-Platten. Aber yeah, STICKY FINGERS ist das beste Album, ›Brown Sugar‹ der beste Song. Doch das ist echt schwer bei den Stones. Wie wär’s mit ›You Can’t Always Get What You Want‹? Das erste Mal, als ich das gehört habe, Mann …

John Harvey, Monster Truck

Video der Woche: Sweet mit ›The Lies In Your Eyes‹

Heute vor zwei Jahren ist Steve Priest gestorben. Der Bassist von Sweet machte in den 70er Jahren mit seinen eigenwilligen Outfits (z.B. als „Gay Hitler“) bei Top Of The Pops und Co auf sich aufmerksam.

In Gedenken an den Exzentriker blicken wir heute auf das Jahr 1976 zurück, als Sweet im Rahmen ihres Albums GIVE US A WINK den Song ›The Lies In Your Eyes‹ veröffentlichten, all das ganz ohne Beihilfe ihrer vorherigen Hauptsongwriter Chinn und Chapman, die für den Pop-orientierten Sound der Gruppe verantwortlich waren, obwohl Sweet im Herzen eigentlich waschechte Hardrocker waren.

The Rolling Stones: Ihre besten 50 Songs (Teil 1)

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It’s only Rock’n’Roll… aber wir stehen drauf – und wie! Ebenso wie jede Menge Künstler. Wir haben sie gefragt, was ihre Lieblingssongs der Rolling Stones sind und was diese Band so gut oder so wichtig für sie macht. Start ’em up!

Mit frühen Tracks wie ›Walking The Dog‹ (ausgesucht von Ian Anderson, Jethro Tull), Klassikern wie ›Jumpin’ Jack Flash‹ (William DuVall von Alice In Chains) oder späteren Hits wie ›Start Me Up‹ (Steve Hogarth von Marillion) beweist die breit gefächerte Auswahl unserer Stars eine unbestreitbare Tatsache: Die Rolling Stones sind wahrhaftig die größte Rock’n’Roll-Band des Planeten.

›I’m A King Bee‹ (1964)

Als Teenager war ich ein riesiger Beatles-Fan und kaufte mir alles, was sie herausbrachten, mit dem Geld, das ich mir mit Zeitungsaustragen verdiente. Dann ging der ganze Trubel um die gebildeten Bad Boys aus dem Süden los mit THE ROLLING STONES, ihrem ersten Album. Ich war pleite, aber lieh mir das Geld von meiner Mutter. Es hat Wochen gedauert, ihr das zurückzuzahlen, aber Mann, war es das wert! Jeder Song war der Wahnsinn und ich wurde zu einem großen Fan. Ich liebte, wie Mick ihre Coverversion von Slim Harpos ›I’m A King Bee› sang und den Text so anspielungsreich verkaufte. Dieses erste Album liebe ich bis heute. Irgendwo habe ich noch das Original-Vinyl.

George Glover, Climax Blues Band

›Walking The Dog‹ (1964)

Im Vergleich zu dem kitschigen Pop, der damals in den britischen Charts war, war dies ein richtig frischer Wind. Ich weiß noch, wie ich das 1964 lernte und spielte, als ich gerade mal 17 war. Wir spielten das dann bei einer Feier im örtlichen Jugendzentrum, und eine Gang von fiesen jungen Bikern sagte ganz aggressiv: „Spielt es noch mal“. Trotz meiner höflichen Erklärung, dass wir den Song nun schon dreimal dargeboten hatten, hatten wir keine Wahl, denn wir konnten es uns nicht leisten, zertrümmerte Gitarren und Verstärker zu ersetzen. Irgendwann konnte ich nicht mehr zählen, wie oft wir die Nummer „noch mal“ gebracht hatten, und seither kann ich sie nicht mehr hören!

Ian Anderson, Jethro Tull

›It’s All Over Now‹ (1964)

Anfang bis Mitte der 60er war ich in einer Band namens Missing Link, die viele Stones-Cover spielte, ich habe also eine lange Geschichte mit ihnen. Damals war ich Bassist, und der Song von ihnen, den ich live am liebsten spielte, war ›It’s All Over Now‹. Davor war ich ein Fan der Beatles und Shadows gewesen, das war also ein Wendepunkt für mich. Die Stones brachten mich sogar dazu, dieses Bad-Boy-Image zu feiern. Zunächst wehrte ich mich gegen diesen Wandel aber letztlich musste ich klein beigeben. Die Aufnahme dieses Songs ist so gut, ebenso wie diese ganze rhythmische Sache. Und man hört die beiden Gitarren – sie klingen tatsächlich unterschiedlich im Mix. Es war einer der ersten Pop-Rock-Songs. Die Stones inspirieren mich bis heute. Wo wären wir ohne sie? Ich gebe ihnen die Schuld dafür, dass alle immer noch auf Tour sind. Vor den Stones musste man sich dem Jazz oder Folk zuwenden, um 64-Jährige zu finden, die noch auf Tour gehen. Im Pop oder Rock, wenn man erstmal 20 oder vielleicht höchstens 30 war, hatte man ausgedient. Die Stones haben diese Regeln umgeschrieben, und das tun sie auch weiterhin.

Andy Scott, Sweet

Es ist eine schwere Entscheidung zwischen dieser Nummer und der Live-Version von ›Midnight Rambler‹ (auf GET YET YA-YA’S OUT!). Die Unterschiede zwischen ihrem liveigen, rockigen Scheiß und den Singles, die sie veröffentlichten, waren so groß. Ich sah sie live im Fernsehen, und sie waren Meister darin, einen Song zu dehnen – sie waren 45 Minuten auf der Bühne gestanden und hatten erst drei oder vier Stücke gespielt. ›Midnight Rambler‹ ist eine der Nummern, die sie so richtig strecken. Und das tun sie genial, besser als jeder, den ich kenne – selbst einige der Yankee-Bands. Bei denen denkt man sich: „Oh Mann! Lass uns nach Hause gehen“. Ich las mal ein Interview mit Bill [Wyman] über die Dynamik innerhalb der Band – dieser Typ macht das eine, ein anderer macht etwas anderes, ein dritter ist hinter dem Beat und der vierte schläft in der Ecke. Er wunderte sich, wie zum Teufel die ganze Sache nicht in die Binsen ging. Selbst die Band selbst weiß es nicht, und das ist die Magie daran. Aber, um auf deine Frage zurückzukommen: Ich mag beide Aspekte von dem, was sie tun. Doch wenn mir jemand eine Knarre an den Kopf halten würde, müsste ich mich für ihre poppige Seite entscheiden.

Francis Rossi, Status Quo

›Time Is On My Side‹ (1964)

Die Stones waren mein frühester Einfluss, vor allem, weil man als angehender Gitarrist tatsächlich Teile ihrer Songs nachspielen konnte, während man bei den Beatles die Noten brauchte, um die schwierigen Akkorde zu lernen. ›Satisfaction‹ war das erste Riff, das ich je gespielt habe – und es war wohl der erste verzerrte Gitarrenton und Vorläufer von dem, was dann zum Heavy Metal wurde. Zum Glück hatte ich ältere Geschwister, die all die Stones-Alben kauften und sammelten. ›Time Is On My Side‹ ist ein so großartiger Song. Der Tonfall in Micks Stimme ist so denkwürdig, und die Melodie verfolgt einen bis in alle Ewigkeit. An verschiedenen Punkten in meinem Leben hatten diverse Lieder eine besondere und sehr spezifische Bedeutung für mich. Zum Beispiel ›Got To Get Away‹ während der Scheidung meiner ersten Ehe. ›Heart Of Stone‹ war noch so ein Lied. ›Paint It Black‹ war so wichtig, dass wir es mit Anvil auf unserem ersten Album coverten. Ich fühlte mich sehr wohl dabei, das zu singen, da es komplett in meinem Stimmumfang liegt. ›Jumpin’ Jack Flash‹ war ein weiteres Stück, das ich in den frühen Jahren coverte. Das Gitarrenriff gehört zu den legendärsten überhaupt. Ich habe diese Band schon immer geliebt und liebe sie auch heute noch.

Lips, Anvil

›Miss You‹ (1978)

Es ist bluesig, hat aber auch etwas Urbanes an sich. Ich weiß nicht, wie es ihnen gelungen ist, Blues und Disco so zusammenzubringen, aber der Gedanke gefällt mir. Im Text gibt es das Pathos einer Person, die herumsitzt und auf den Anruf einer anderen Person wartet – der nie kommt. Die Person will, dass jemand diesen Raum ausfüllt, doch der oder die Auserwählte wird es nicht tun. Das ist ein schlauer Song. In den Anfangstagen von Living Colour durfte ich ein bisschen Zeit mit Mick Jagger verbringen. Als er unsere ersten Demos produzierte, unterhielten wir uns oft über den Blues. Ich hörte damals viel Howlin’ Wolf und Muddy Waters, darüber hatten wir eine lange Unterhaltung. Am nächsten Tag kam er ins Studio und gab mir diese Kassette. Er war nach Hause gefahren und hatte mir ein Mixtape gemacht – oder eher ein Mick’s Tape. (lacht) Diese Kassette habe ich bis heute und sie bedeutet mir sehr viel. Es war surreal, mit Mick Jagger zusammenzuarbeiten. Natürlich. Wenn man im Studio ist, zum Mischpult blickt, und da sitzt er dahinter, muss man sich fast zwicken. Ich war jung und leicht zu beeindrucken, und da sah ich diesen Mann an, der sich so eine Karriere in der populären Musik aufgebaut hatte, was eine tiefe Dankbarkeit in mir auslöste. Er erzählte mir, wie die Musik der Schwarzen ihm sein Leben geschenkt habe. Da war ein Junge aus London in England, der sich diese alten Bluessongs angehört hatte und davon so bewegt gewesen war. Und da war ich, irgendein Junge aus Brooklyn, der nicht nur diesen Jungen aus London hörte, sondern auch die Musik, die ihn beeinflusst hatte. Es inspiriert mich bis heute, dass die Stones immer noch losziehen und rocken. Das erfüllt mich mit Hoffnung, dass ich dies auch weiterhin tun und meinen Kindern Essen auf den Tisch bringen kann.

Corey Glover, Living Colour

›(I Can’t Get No) Satisfaction‹ (1965)

Ihr habt mit dieser Story für ganz schön viel Ärger gesorgt. Jeder bei den Quireboys hat einen Lieblingssong der Rolling Stones, und jeder einen anderen. Da kam es zu sehr erhitzten Diskussionen. Jeder hatte seine eigene Meinung. Ich werde mich für ›(I Can’t Get No) Satisfaction‹ entscheiden, denn Keith Richards sagte einst zu meinem guten Freund Alan Clayton, dass es sein eigener Lieblingssong der Stones sei. Könnte es einen besseren Grund geben?

Spike, The Quireboys

Ich liebe ›Satisfaction‹ für das Riff, das man so leicht mitsummen kann. Ich las mal ein Interview mit Keith, in dem er sagte, das Riff sei ihm im Schlaf eingefallen, also wachte er auf und spielte es auf Band. Für mich klingt es wie eine Bläsersektion, es ist fantastisch.

Rudolf Schenker, Scorpions

The Cruel Intentions: VENOMOUS ANONYMOUS

Auf 11 gedreht

Getreu dem Motto „hit me with your best shot“ zünden die Cruel Intentions auf ihrem zweiten
Longplayer VENOMOUS ANONYMOUS ein perfekt produziertes Feuerwerk an Sleaze und modernem Melodic Rock. Die schwedisch-norwegische Truppe um Epizentrum Lizzy DeVine denkt nicht daran, sich von ihren offenkundigen Wurzeln abzukehren und setzt weiterhin selbstbewusst auf eine dreckige Mischung, die irgendwo zwischen Guns N’ Roses, den L.A. Guns, Hanoi Rocks, Faster Pussycat und einer Bande räudiger Straßenköter anzusiedeln ist. Songs wie ›Sunrise Over Sunset Strip‹ lassen davon träumen, wie der berühmt-
berüchtigte Streifen in Hollywood heute klingen könnte, gäbe es dort noch eine ausgeprägte Rockszene.

Die Cruel Intentions schaffen es, den Spirit der 80er ins Hier und Jetzt zu transportieren, eine upgedatete, punkige Version des Glam- und Sleaze-Metal-Genres zu zeichnen, wie man es von Kollegen wie Hardcore Superstar oder Buckcherry kennt. Als Distinktionsmerkmal fungiert vor allem Lizzy DeVines Stimme, die wie eine auf 11 aufgedrehte Version von Taime Downes Organ klingt und von den Höhen und Tiefen des Lebens erzählt. VENOMOUS ANONYMOUS ist Musik, zu der man die Nächte durchfeiern, Unfug anstellen, wild knut-
schen, die Fäuste in die Luft werfen und nicht an morgen denken will.

7 von 10

The Cruel Intentions
VENOMOUS ANONYMOUS
PLASTIC HEAD/SOULFOO

The Sheepdogs: OUTTA SIGHT

Instinkt

Jammen, wie sie es als Teenies schon gemacht haben, war die Antwort der kanadischen Sheepdogs auf die
Wehen der Pandemie. Ohne Fahrplan und mit einer grundlegenden Ungewissheit setzte sich die Band in einen Kreis, schloss ihre Verstärker an, teilte Riffs und Melodien und stützte sich aufeinander. So frei habe man sich laut eigener Aussage seit dem Debüt TRYING TO GROW von 2006 nicht mehr gefühlt. Die Bilanz des Fünfers
aus dem kanadischen Saskatoon, Saskatchewan, liest sich durchaus sehr schön: Nummer-eins-Songs, Gold-
und Platin-Alben, zahllose ausverkaufte Tourneen und das Cover des Rolling Stone. Jedoch hat sich die Truppe
nie verstellt oder um Trends geschert, sondern statt- dessen auf aalglatte Produktionen und Nabelschau verzichtet. Die Sheepdogs möchten auf dem Sweetspot zwischen Led Zeppelin und Crosby, Stills, Nash &
Young landen und haben noch die Allman Brothers, Lynyrd Skynyrd und CCR mitgebracht – ansteckend ein-
gängiger, gefühlvoller Retro-Sound mit schönen Harmonien und einer Prise Southern Rock. Nach dem psychedelischen CHANGING COLOURS ist OUTTA SIGHT eine Rückbesinnung: instinktiv, Groove-orientiert, einfache Songs, klasse Riffs, feine Harmonien. Ein Appell an die Sinne. ›I Wanna Know You‹ mit einem sehr starken Chorus und effektiven Gitarren- Harmonien hat was von ›Lets Spend The Night Together‹. ›Scarborough Street Fight‹ bietet Reminiszenzen an Rory Gallagher oder Frank Marino, ›Roughrider ’89‹ ist Country meets Lynyrd Skynyrd. Musik zum Wohlfühlen, Musik, um das Leben zu feiern.

8 von 10 Punkten

The Sheepdogs
OUTTA SIGHT
WARNER CANADA

Gewinnspiel: Tickets für Ugly Kid Joe im Lostopf

Im Juni kommen Ugly Kid Joe für drei Shows nach Hamburg, Essen und Köln. CLASSIC ROCK verlost für jedes der Konzerte zwei Tickets.

Jetzt mitmachen und gewinnen!

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(Teilnahmeschluss ist der 15.06.2022)

Die besten Live-Gitarrenmomente: Thin Lizzy 1976

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Thin Lizzys ›Still In Love With You‹ in seine besten Version Hammersmith Odeon, London, 1976

›Still In Love With You‹, ein wirklich herzzerreißender Song, war der eindeutige Beweis (falls es eines solchen bedurfte), dass Thin Lizzy wesentlich mehr als nur Partykracher wie ›The Boys Are Back In Town‹ und ›Jailbreak‹ draufhatten. Frontmann Phil Lynott ist bei dieser Darbietung, die zur definitiven Version des
Songs werden sollte (zu hören auf dem grandiosen Konzertmitschnitt LIVE AND DANGEROUS), in überragender Form, doch es sind die Soli von Brian Robertson und Scott Gorham, die hier die Glanzpunkte setzen. Letzterer steigt mit Santana-esk aufsteigenden Tönen ein, um die bluesigen Klänge seines Gegenspielers zu kontrastieren, und beide Gitarristen entblößen ihr Herz auf den Saiten. Robertson, der am Ende dieser Tournee die Band verließ, betrachtet ›Still In Love With You‹ angeblich als seinen wichtigsten Lizzy-Song.

(Text: Amit Sharma, Polly Glass, Henry Yates, Ian Fortnam, Paul Henderson, Damian Fanelli, Richard Bienstock, Andy Aledort, Joe Bosso)