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Rückblende: Jane’s Addiction mit ›Been Caught Stealing‹

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Wie ein Song, der mit einer zufällig bellenden Hündin begann, die schrägste Band in Los Angeles in die Paten des Alternative Rock verwandelte.

Die Stimme, die den Song einleitet, der die 90er-Jahre erfand, war keine menschliche. Sie gehörte Annie, einer
Hündin, die Jane’s-Addiction-Sänger Perry Farrell aus einem Tierheim adoptiert hatte. Es war Annies rhythmisches Bellen, das den Anfang von ›Been Caught Stealing‹ markierte – des Tracks, der den Alt.Rock-Visionären zu ihrem größten Hit verhelfen sollte. „Sie war ziemlich anhänglich, also nahm ich sie an dem Tag ins Studio mit, statt sie zu Hause zu lassen“, erzählte Farrell 2000. „Ich sang in der Kabine mit Kopfhörern und Annie wurde ganz aufgeregt und legte plötzlich los: ‚Wuff! Wuff! Wuff!’ Dass sie auf der Aufnahme landete, war reiner Zufall.“ Zufall oder nicht, es war die perfekte Einleitung für den Song, der die Alt.Rock-Revolution lostrat. ›Been Caught Stealing‹ und das Album RITUAL DE LO HABITUAL brachten die Außenseiter in den Mainstream und positionierten Jane’s Addiction als die Wegbereiter einer Welle von Bands, die folgen würden.

Jane’s Addiction waren 1985 in Los Angeles von Farrell, Gitarrist Dave Navarro, Bassist Eric Avery und Schlagzeuger Stephen Perkins gegründet worden. Der Glam-Metal erreichte da gerade seinen Höhepunkt und die Musik, die sie machten, war Lichtjahre entfernt von der im Haarspray-Nebel badenden Unbekümmertheit
dieser Szene. Farrell und seine Kollegen blickten nicht nur auf die dunklere Seite des Lebens, sie waren dort auch beheimatet. Erstaunlicherweise lies sich ihr Label Warner dadurch nicht abschrecken und nahm sie nach
ihrem selbstbetitelten Livealbum von 1987, das auf dem Independent- Label Triple X erschienen war, unter Vertrag. Der Nachfolger, das elektrisierende NOTHING’S SHOCKING von 1988, klang dann wie nichts sonst und bediente sich bei allem, von der Psychedelik der 60er über den Hardrock der 70er bis zum frühen britischen Post-Punk der 80er. Mit RITUAL DE LO HABITUAL schalteten die musikalischen Ambitionen von Jane’s Addiction jedoch einen Gang höher. Das Album war grob in zwei Hälften unterteilt. Die erste Seite der ursprünglichen Vinyl-LP war voller kurzer Hochspannungs-Rocksongs, wenngleich durch das einzigartige Prisma der Band gebrochen. Die ausladendere zweite Seite führte ihren Sound dann aber an Orte, die nur wenige andere Bands
erkundeten.

›Been Caught Stealing‹ mit seinem Hundegebell-Intro schloss die erste Seite ab. Geschrieben von Farrell und Avery, fügte es dem Funkrock- Sound, den etwa die Red Hot Chili Peppers und auch Jane’s selbst begründet hatten, einen typisch schrägen Twist hinzu, während die erste Zeile des Songs – „been caught stealing, once, when I was five“ – auf einer wahren Geschichte basierte. „An der Ecke bei unserer Wohnung in Queens war ein Süßigkeitenladen, in den ich ständig ging“, sagte Farrell im Rolling Stone. „Ich dachte, ich sei ziemlich gut im Klauen, doch dann ertappte mich ein Typ auf frischer Tat, als ich eine Pennsy Pinky [einen Kinder-Sportball aus rosa Gummi] mitgehen ließ.“ Im Text der Nummer begeben sich Farrell und seine Freundin auf eine Ladendiebstahl-Exkursion, klauen Röcke und Rasierklingen und lachen, während sie diese ihrem Haufen aus Diebesgut hinzufügen. Der Sänger wies Vorwürfe, dass er solches Verhalten gutheißen würde, zurück – oder dass er in seinen Songs überhaupt irgend- etwas predigte. „Ich habe nicht mit der Musik angefangen, um
Reden zu schwingen oder ein Regelsystem zu entwickeln, nach dem andere leben sollen“, sagte er 1990 im BAM. „Es liegt mir fern, irgendetwas zu lehren. Es geht nur darum, mich auf diesem absolut langweiligen Planeten zu amüsieren.“ Der Song mag locker und lässig klingen, doch die Aufnahmesessions zu dem Album waren alles andere als das. Der Drogenmissbrauch der Band – Farrell, Navarro und Avery waren sämtlich begeisterte Heroinkonsumenten – war ein Teil ihrer Mythologie. Doch zu jener Zeit begannen ihre chemischen Vorlieben, sie auseinander zu treiben.


„Eric, Perry und ich kämpften alle zu verschiedenen Zeiten mit denselben Dämonen und spachen nicht miteinander darüber, was wirklich seltsam war“, sagte Dave Navarro im Rolling Stone. „Es herrschte also eine gewisse Geheimhaltung zwischen uns und das Gefühl, dass wir nicht miteinander im Reinen waren, während andererseits dieses Verständnis füreinander und unser unausgesprochenes Wissen existierten. Und das sorgte für eine wirklich bizarre Dynamik.“ Aber irgendwie funktionierte diese Dynamik. RITUAL DE LO HABITUAL erschien im August 1990 und ›Been Caught Stealing‹ wurde im folgenden November als Single veröffentlicht. Begleitet wurde es von einem Videoclip, in dem eine Reihe wunderbarer Freaks den Text des Songs in einem
kleinen Supermarkt nachspielten. Er landete auf MTV in der Heavy Rotation und brachte die Single immerhin auf Platz 34 der Billboard-Charts. ›Been Caught Stealing‹ war aber nicht nur der größte Hit für Jane’s Addiction, sondern auch ein Wendepunkt für die gesamte Alternative-Rock-Bewegung. R.E.M. waren aus dem College-Underground zu Darlings des Mainstreams aufgestiegen, während Faith No More einige Monate zuvor im selben Jahr mit der Rap-Metal-Hymne ›Epic‹ ihrerseits den Durchbruch geschafft hatten. Doch Jane’s Addiction waren noch mal ganz anders: Sie stellten das endgültige, stolze Hissen der Freak-Flagge im Rock dar. Ihr Status als kulturelle Galionsfiguren wurde im folgenden Jahr zementiert, als Farrell das bahnbrechende Festival-als-Wanderzirkus Lollapalooza aus der Taufe hob. Mit Jane’s Addiction als Headlinern und u. a. Nine Inch Nails, Living Colour und der Rollins Band im Line-up wurde es zum Blitzableiter der „Alternative Nation“.

Es erwies sich allerdings auch als Schwanengesang für Jane’s Addiction selbst. Die Gräben, die sich bei den Albumsessions aufgetan hatten, waren unüberbrückbar geworden. Am 28. August 1991 kam so nicht nur das Lollapalooza-Festival zu seinem Ende, sondern auch Jane’s Addiction. „Es hatte etwas Romantisches an sich, uns zu diesem Zeitpunkt aufzulösen“, sagte Farrell 2018 in Q. „Aber wir hätten so oder so nicht weiterma-
chen können. Wir brachten einander um.“ Für Jane’s Addiction mag die Reise vorbei gewesen sein, zumindest bis zu ihrer späteren Reunion, doch ihr Erfolg hatte den Korken ploppen lassen und der Flaschengeist war entwichen. Im September 1991, nicht mal einen Monat nach dem letzten Jane’s-Konzert, veröffentlichten Nirvana NEVERMIND und der stete Tropfen des Wandels wurde zu einer Sturmflut. Die 90er-Jahre hatten Fahrt
aufgenommen.

Black Star Riders: Neues Album im Januar

Am 22. Januar erscheint WRONG SIDE OF PARADISE, das neue Album der Black Star Riders bei Earache Records. Mit Ricky Warwick (Leadgesang/Gitarre), Robert Crane (Bass), Christian Martucci (Gitarre) und Schlagzeuger Zak St. John hat die Band am 6. Juni außerdem die erste Single inklusive Video mit dem Titel ›Better Than Saturday Night‹ (mit Backing Vocals von Joe Elliott von Def Leppard) veröffentlicht.

Gründungsmitglied und Thin-Lizzy-Gitarrist Scott Gorham ist im September 2021 bei den Riders ausgestiegen. Für die 2023 anstehende UK-Tour zum 10-jährigen Jubiläum wird Gorham der Band jedoch nochmal auf die Bühne folgen.

Bandchef Ricky Warwick über die Single: „›Better Than Saturday Night‹ ist ein feel-good Song, der davon handelt, dass man trotz aller Widrigkeiten stark bleiben muss, dass man sich selbst treu bleiben muss und dass man positiv denken kann. Ich habe es für meine Kinder geschrieben, aber unterschwellig denke ich, dass ich es auch für mich selbst und für jeden anderen geschrieben habe, für die Tage, an denen wir ein bisschen mehr Kraft brauchen.Wir wollten das positive Gefühl, die Kraft, die Einstellung und die Stärke durchzuhalten, in dem Text des Songs reflektieren. Und es gibt keinen besseren Weg, das zu tun, als wenn Black Star Riders mit den Los Angeles Roller Derby Dolls rocken.“



The Rolling Stones: Live im Olympiastadion München (05.06.)

Minga, I mog dei

Sie rollen wieder, die Steine. Und wenn die größte Band der Welt die Stadt beehrt, hört selbst der Himmel auf zu weinen. Pünktlich zur Stagetime der Rolling Stones gegen kurz vor neun ist das Unwetter, das zwei Stunden zuvor über München hereingebrochen war, weitergezogen und die mehrere Generationen umfassenden Fans aller Altersstufen dürfen sich auf hundert Minuten Rock’n’Roll aus den und für die Geschichtsbücher im Trocknen freuen. Pandemiebedingtes Innehalten, der Tod von Schlagzeuglegende Charlie Watts im vergangenen Jahr und die unaufhaltsam fortschreitende Zeit, die auch vor Mick, Keith, Ron und ihren Jungs nicht Halt macht, ließen trotz aller Unkaputtbarkeit der Stones zögerlich daran zweifeln, ob die Band überhaupt noch einmal auf Tour gehen würde. Doch 60 Jahre Bandjubiläum wollen nun mal gefeiert werden – und an diesem Abend geriet die „SIXTY“-Geburtstagssause zu einer Party, an die man sich noch lange erinnern wird. In bester Spiellaune brillieren die Stones im vollgepackten Münchner Olympiastadion nach einer das Konzert eröffnenden, berührenden Video-Hommage an Watts – erwartungsgemäß – mit einem Set aus Klassikern, darunter die beiden High-Energy-Opener ›Street Fighting Man‹ und ›19th Nervous Breakdown‹, der Fan-Web-Vote ›Ruby Tuesday‹, die beiden obligatorischen Nummern mit Richards am Mic (›Connection‹, das das beim Tour-Kick-off in Madrid vier Tage zuvor gespielte ›Happy‹ ersetzt, und ›Slipping Away‹) sowie eine überragende, Gänsehaut triggernde, bassbetonte Extended Version von ›Miss You‹ inklusive Bass- und Sax-Soli. Hier zeigt sich die ganze Klasse von Darryl Jones an den vier Saiten – und das Feuer, das nach all den Dekaden noch immer lichterloh in den Herzen von Mick, Keith, Ron und Co. brennt.

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Nicht zu vergessen natürlich das immer wieder einnehmende ›Gimme Shelter‹ mit dem – heute nicht mehr so exaltiert wie vor 25 Jahren vorgetragenen – Gesangsduell von Jagger und seinem Backgroundsängerin-Counterpart. Auch wenn mit ›Out Of Time‹ ein großartiger Titel zum allerersten Mal überhaupt seinen Weg in die Setlist der Stones gefunden hat, werden Die-hard-Fans natürlich über die Songauswahl wie bei jedem Act mit einem derartig immensen Backkatalog bis zum Sankt-Nimmerleinstag diskutieren. Unbestreitbar an diesem Abend jedoch ist die schiere Lust der Band, eine Granatenshow abliefern zu wollen. „Minga, i mog dei [sic]“ – allein die zahlreichen von Jagger auf Deutsch bzw. Bayrisch abgegebenen Ansagen brachten Fanherzen in Sekundenschnelle zum Schmelzen. Dass diese Grandseigneurs des Rock’n’Roll noch lange nicht daran denken, das Feld zu räumen, diese beruhigende Gewissheit dürfte neben dem Beweis, dass sie einfach einzigartig sind, das Konzert in München unmissverständlich gebracht haben.

Die skurrilsten Cover der Rockwelt: ELO mit THE LIGHT SHINES ON

Ein Artwork, das zur Zeitreise einlädt! Die Haltestellen sind auch schon angelegt: Siebzehnhundertirgendwas, 1966, 1971 und 1977. Aber schön der Reihe nach: Unter modischen Aspekten betrachtet, bewegen sich Roy Wood, Jeff Lynne und Bev Bevan (v. l. n. r.) in jener galanten Epoche, als James Cook Richtung „terra australis incognita“ aufbricht, Rüschenhemden der ganz heiße Scheiß sind und in der guten Stube trübe Tranfunzeln oder olfaktorisch herausfordernde Talgkerzen für gemütlich rußendes Dämmerlicht sorgen – denn teure Wachskerzen sind nur was für reiche Leute. Zugegeben: Woods 70er-Jahre-Brille konterkariert das historische Idyll ein ganz klein wenig. Jenes Objekt, das hier mittig auf dem Tisch platziert wurde, zerstört es dann endgültig. Womit wir im Jahr 1966 angekommen sind, als der Münchner Designer Ingo Maurer die Tischlampe „Bulb“ vorstellt, mit metallenem Fuß und einer Glocke aus Murano-Glas. Das New Yorker Museum Of Modern Art ist vom Entwurf derart angetan, dass es umgehend ein Exemplar in seine Sammlung aufnimmt. Als 1971 ELOs Debütwerk erscheint, greifen die Cover-Designer von Hipgnosis sinnigerweise auf das edle Stück zurück, zumal sich der Bandname damit ja auch trefflich illustrieren lässt. Die dazugehörige Fotosession findet im Londoner Banqueting House in Whitehall statt und auf der Rückseite des Albums kann man die drei Herren bereits damals in ihren antiken Fummeln bewundern. Für THE LIGHT SHINES ON, eine Best-of-Compilation der frühen ELO-Jahre aus dem Jahr 1977, wird dann eines der damals entstandenen Fotos verwendet – zuvor aber ein wenig aufgepeppt: Dort, wo eine handelsübliche E-27-Birne sitzen sollte, montierte man im Fotostudio von Michael Mann den ELO-Schriftzug ins Bild. Einfach, aber effektiv. Und dank des Kontrastes aus Freibeuter-Ästhetik und Pop-Art-Design sogar angemessen skurril.

Blues Boom: The Rolling Stones

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Die Stones haben wohl mehr als die meisten geleistet, um den Blues am Leben zu erhalten, ob sie 1964 vor Horden nichtsahnender Teenie-Mädchen Chess-Klassiker spielten oder sich das Genre mit Songs wie ›Midnight Rambler‹ und ›Stray Cat Blues‹ am Ende jenes Jahrzehnts zueigen machten. Vor allem aber legten die Stones diese Wurzeln immer offen und stellten so sicher, dass Helden wie Muddy Waters, Howlin’ Wolf und B.B. King bei jeder Gelegenheit genannt und einem neuen Publikum ins Bewusstsein gerufen wurden.
Killer-Track: ›Midnight Rambler‹

The Rolling Stones: Ihre 50 besten Songs (Teil 2)

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It’s only Rock’n’Roll… aber wir stehen drauf – und wie! Ebenso wie jede Menge Künstler. Wir haben sie gefragt, was ihre Lieblingssongs der Rolling Stones sind und was diese Band so gut oder so wichtig für sie macht. Start ’em up!

›Jumpin‘ Jack Flash‹ (1968)

Von dem Moment an, in dem ich es zum ersten Mal hörte, liebte ich alles an diesem Stück. Es hat so etwas Düsteres und Cooles an sich. Das ist sinister, aber anziehend, nicht sinister und abstoßend. Für mich hat sich das nie abgenutzt. Im Gegenteil, die Wirkung dieser Nummer wuchs, je mehr ich über das Handwerk des Songwritings lernte. Es ist immer noch so badass und die Produktion ist so gut. Für mich fühlte es sich fast ein bisschen wie ein Comeback für die Stones an, es half ihnen wirklich, ihre Identität wiederzufinden. Ab diesem Punkt hatten sie es wieder so richtig drauf, also war das ein Wahnsinns-Comeback.

William DuVall, Alice In Chains

Den Song habe ich schon 20.000 Mal gehört, aber auch heute noch drehe ich jedes Mal, wenn er im Radio läuft, die Lautstärke auf und raste komplett aus. Da will ich einfach nur dazu schreien und plärren. Sie kamen gerade aus dieser psychedelischen Phase heraus, in der sie THEIR SATANIC MAJESTIES gemacht hatten, was ihr SGT. PEPPER darstellen sollte, und sie drohten, ihre Wurzeln im Blues zu verlieren. Als ich die Nummer zum ersten Mal hörte, war ich vielleicht 16 und sie blies mich komplett weg – der Klang der Gitarren. Das ist einfach knochentrocken, Mann.

Walter Trout

Durch das Vorsingen dieses Songs bekam ich den Job als Sänger meiner allerersten Band. Das war 1975 und ich wusste, dass mein Schulfreund Luke Morley, der dieses Vorsingen organisiert hatte, Gitarrist war. Ich werde nie vergessen, wie ich in diesen Raum ging, um zu singen, mit einem Mikrofon, das ich mir von einem Onkel geborgt hatte, und ein strahlend rotes Schlagzeug von Pearl in der Ecke stehen sah. Das war das Beeindruckendste, was ich in meinem ganzen Leben gesehen hatte. Ich kannte ›Jumpin’ Jack Flash‹, hatte es aber noch nie zuvor laut gesungen, außer in der Badewanne. Wann immer ich es heute höre, versetzt es mich zurück in diesen verrauchten Proberaum mit diesem Schlagzeug. Das gibt mir ein schönes, warmes, glückliches Gefühl.

Danny Bowes, Thunder

Dieser Song, Mann … Hin und wieder covern wir und ich liebe es. Denn wir spielen ihn in E und das ist verdammt heavy. Doch es gibt noch so viel andere gute Sachen von ihnen: ›Beast Of Burden‹, ›Gimme Shelter‹, ›Paint It Black‹ … Und in Nashville muss es natürlich ›Honky Tonk Women‹ sein, oder? Das ist überall. Wenn du heute Abend ins Tootsies gehst, wird es irgendwann laufen.

Chris Robertson, Black Stone Cherry

›Child Of The Moon‹ (1968)

Ich nehme mal was Exotisches. Das ist die B-Seite von ›Jumpin’ Jack Flash‹, aber ein ziemlich brillantes Stück Psychedelik. Es ist fast schon Proto-Grunge. Und wenn ich noch eine Nr. 2 erlaubt bekomme – ja, ich weiß, nur ein Track, aber als absolut eingefleischter Stones-Fan nehme ich mir das Recht, noch einen Klassiker vorzuschlagen –, wäre das ›I’m Alright‹ von GOT LIVE IF YOU WANT IT! Es ist einfach so roh und echt, man kann es fast anfassen. Und natürlich ist das eine Komposition von Bo Diddley, wobei ich den Begriff eher lose verwende, denn größtenteils ist das einfach ein knackiger Jam, was es noch wertvoller macht.

Billy Gibbons, ZZ Top

›Street Fighting Man‹ (1968)

Ihre Karriere verfolge ich schon, seit ich mit 16 in einem Pub in Guildford für sie eröffnete – so weit reicht unsere gemeinsame Geschichte schon zurück. Dieses Lied fängt die Essenz der Stones ein, die ich so liebe, das ganze Straßending. Das ist die Art von Song, die man nicht im Sitzen hören kann, das ist ein Monster.

Mick Jones, Foreigner

›Sympathy For The Devil‹ (1968)

Am Anfang klingt es, als sei man im Dschungel, da hört man den Beat der Bongos und das Gekreische der Tiere. Nach dem ersten Akkord setzt dann der Gesang ein: „Please allow me to introduce myself/I’m a man of wealth and taste“. Das ist einfach der beste Anfang eines Songs aller Zeiten. Und man muss einfach dazu tanzen. Wenn es nicht diesen Drang in dir auslöst, hast du ein Problem. Wahrscheinlich bist du dann schon tot.

Tony Wright, Terrorvision

Rhythmisch betrachtet war ›Sympathy For The Devil‹ immer einer meiner Favoriten der Band. Wer den Making-Of-Film dazu nie gesehen hat, sollte das unbedingt tun, denn er ist wirklich fesselnd. Als sie endlich über diesen Rhythmus stolpern, der am Anfang zum Einsatz kommt, das ist faszinierend. Ich bin so beeindruckt davon, wie sie darauf hinarbeiten, den perfekten Vibe zu finden, das beste Szenario, in dem der Song funktionieren kann. Und als sie dann endlich ins Schwarze treffen, geht’s ab. Als ich noch bei Guns N’ Roses war, versuchten wir mal, das zu covern [für den Abspann des Films „Interview mit einem Vampir“ von 1994], und ich war nicht besonders glücklich darüber. Es ist eines dieser Stücke, bei denen man einer Neuerschaffung nicht mal nahekommen kann. Ähnlich wie ›Won’t Get Fooled Again‹ von The Who oder Queens ›Bohemian Rhapsody‹ – warum sollte man diese Songs covern wollen? Unsere Fassung war okay, aber natürlich konnte sie dem Original nicht das Wasser reichen.

Matt Sorum, Ex-Guns N’ Roses

›You Can’t Always Get What You Want‹ (1969)

In meiner Jugend war ich eher der Beatles-als der Stones-Typ, aber später entdeckte ich sie dann doch noch. Die Stücke von ihnen, die ich am liebsten mag, kamen alle im Film „Der große Frust“ vor. ›You Can’t Always Get What You Want‹ hört man in der ersten Szene – die große Beerdigung. Das ist so soulful und wunderschön. Die Dynamik – wie es sich zu diesem unglaublichen Gospelchor aufbaut – spricht mich wirklich an. Ich finde es absolut furchtbar, dass es heute bei Auftritten von Trump gespielt wird. Da sollte jemand aufstehen und sage: „Hört sofort damit auf!“, bevor die Leute zu glauben beginnen, da gebe es irgendeine Verbindung zwischen dem Künstler, dem Song und der Sache.

Fish

›Gimme Shelter‹ (1969)

„It’s just a shot away, it’s just a shot away“ – diese Worte fangen den Aufruhr in der Welt und vor allem im Amerika des Jahres 1969 ein. Kurz bevor dieses Lied aufgenommen wurde, hatten die Stones gesehen, wie in Altamont jemand vor ihren Augen getötet worden war. Das war ein Schock für alle Rockfans. Nachdem ich den Song jahrzehntelang gehört hatte, wurde mir erst in jüngerer Vergangenheit, nachdem ich den Text nachgeschlagen hatte, klar, dass die ersten beiden Wörter des Refrains, die ich zuvor nie verstanden hatte, „rape, murder“ [Vergewaltigung, Mord] lauteten. Diese furchterregende Botschaft mildern sie dann am Ende ab, als sie sagen, die Liebe sei „nur einen Kuss entfernt“. Aus irgendeinem Grund bin ich immer den Tränen nahe, wenn ich das Stück höre. Ich liebe, wie es klingt, es ist simpel und schlicht orchestriert, doch der Vibe ist überirdisch. Merry Claytons erstaunliche Background-Stimme ist wie ein Engel im Himmel, der himmlische warnende Worte zu uns heruntersingt. Diese Verbindung von weißen, männlichen, vom Chicago-Blues beeinflussten Rockern und dem amerikanischen Gospel-Gesang berührt mich immer wieder.

James „JY“ Young, Styx

Dieser Song löst etwas bei mir aus, weil er zu dem passt, was in den 60er Jahren passierte. Die Stones waren sehr fokussiert auf die gesellschaftlichen Probleme jener Zeit, und traurigerweise hat sich die Welt seither nicht groß verändert.

John Mayall

Diese Nummer strotzt nur so vor Atmosphäre und Attitüde. Der Text ist wie bei ›Sympathy For The Devil‹ und ›Street Fighting Man‹ ziemlich furchteinflößend. Das Gitarrenintro packt mich schon aus 50 Metern Entfernung und dieses unglaubliche Schreien im Outro macht es zu einem textlichen wie klanglichen Meisterwerk.

Philip Lewis, L.A. Guns

Man muss die Langlebigkeit, das Gesamtwerk und die Sturheit der Stones einfach bewundern. Und wenn sie mal ins Schwarze treffen, kriegt man das mit, Mann. Für mich ist die Tragödie der Stones, dass sie infantil geblieben sind. Der Triumph der Stones ist aber ebenfalls, dass sie infantil geblieben sind. Diese beiden Seiten gehen Hand in Hand. Nachdem ich mich jahrelang geweigert hatte, sie live zu sehen, ging ich vor nicht allzu langer Zeit endlich auf ein Konzert von ihnen. Wenn ich die Augen schloss, genoss ich es wirklich. Sie sind eigentlich eine Garage-Band, oder eine Pubrock-Band, wie wir das in Australien nennen würden – und zwar eine verdammt gute. Wenn man nicht mehr auf die Lichter, die Turnanzüge und Leoparden-Gitarrengurte achtet, begreift man, dass – WOW – hier etwas Unglaubliches passiert. Sie überzeugten mich. Die Stones haben etwa 20 großartige Songs. Bei ›Gimme Shelter‹ hört man all ihre Mechanismen, und die Mundharmonika ist überall darauf. Das baut sich wunderbar auf und klingt 50 Jahre später immer noch toll.

Peter Garrett, Midnight Oil

›Gimme Shelter‹. Das ist der Song. Der eine. Vielleicht einer der machtvollsten gesellschaftlichen Kommentare überhaupt. Und noch so ein Moment der Genialität, wenn Mary Claytons Stimme bricht und Mick singt: „Whoo!“ Und dieser Gitarrenklang. Das geht absolut unter die Haut.

John Rzeznik, Goo Goo Dolls

›Honky Tonk Women‹ (1969)

Für meine Begriffe ist ›Honky Tonk Women‹ der perfekt geschriebene Song. Ich glaube, das war das erste ihrer Stücke in offener D-Stimmung, das zum Hit wurde. Danach wurde das für Keith zum Standard. Als ich aufwuchs, spielte ich Hillbilly, Bluegras und traditionellen Country, was ich alles von meinem Dad gelernt hatte, doch meine Mama stand auf die Stones, die Beach Boys, die Beatles und Bob Dylan. Sie hatte eine Kassette von HOT ROCKS 1964–1971, die Greatest Hits auf Doppelalbum, und die spielte sie ständig. Ich war es gewohnt, ihre Hits von Mitte der 60er zu hören, die super waren. Wie könnte man die nicht mögen? Doch mit elf fingen meine Ohren an, sich wirklich zu öffnen. ›Honky Tonk Women‹ faszinierte mich sofort. Das war wie ein aufgebohrter, elektrifizierter Country-Song, wenn man sich auf das Wesentliche konzentrierte. Drei Akkorde und großartige Harmonien. Und da ging mir ein Licht auf: Es ist dasselbe wie Hank Williams, nur lauter. Da fing alles an, Sinn zu ergeben, und dieses Gefühl verließ mich nie wieder. Noch heute, wenn ich das erste Krachen dieser Snare höre, bin ich sofort wieder gefesselt und kann es nicht abschalten.

Charlie Starr, Blackberry Smoke

Ich war immer eher ein Beatles- als ein Stones-Mann, aber ›Honky Tonk Women‹ ist so ein toller Song. Dieser Anfang mit der Kuhglocke ist grandios, der Refrain ist absolut wunderbar und der Text ebenso. Ich denke mal, die Worte reflektieren exakt das, was die Inspiration dazu war. Es ist wie eine ernste Nummer, aber gleichzeitig macht sie Spaß.

Graham Gouldman, 10cc

›Brown Sugar‹ (1971)

Oh Mann, gib mir ein ganzes Album: STICKY FINGERS! Aber wenn ich mich für nur ein Lied entscheiden
muss, sage ich ›Brown Sugar‹. Das wurde auf acht Spuren aufgenommen, es ist umwerfend, perfekt, einer der am wenigsten heruntergemixten Tracks auf sämtlichen Stones-Platten. Aber yeah, STICKY FINGERS ist das beste Album, ›Brown Sugar‹ der beste Song. Doch das ist echt schwer bei den Stones. Wie wär’s mit ›You Can’t Always Get What You Want‹? Das erste Mal, als ich das gehört habe, Mann …

John Harvey, Monster Truck

Video der Woche: Sweet mit ›The Lies In Your Eyes‹

Heute vor zwei Jahren ist Steve Priest gestorben. Der Bassist von Sweet machte in den 70er Jahren mit seinen eigenwilligen Outfits (z.B. als „Gay Hitler“) bei Top Of The Pops und Co auf sich aufmerksam.

In Gedenken an den Exzentriker blicken wir heute auf das Jahr 1976 zurück, als Sweet im Rahmen ihres Albums GIVE US A WINK den Song ›The Lies In Your Eyes‹ veröffentlichten, all das ganz ohne Beihilfe ihrer vorherigen Hauptsongwriter Chinn und Chapman, die für den Pop-orientierten Sound der Gruppe verantwortlich waren, obwohl Sweet im Herzen eigentlich waschechte Hardrocker waren.

The Rolling Stones: Ihre besten 50 Songs (Teil 1)

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It’s only Rock’n’Roll… aber wir stehen drauf – und wie! Ebenso wie jede Menge Künstler. Wir haben sie gefragt, was ihre Lieblingssongs der Rolling Stones sind und was diese Band so gut oder so wichtig für sie macht. Start ’em up!

Mit frühen Tracks wie ›Walking The Dog‹ (ausgesucht von Ian Anderson, Jethro Tull), Klassikern wie ›Jumpin’ Jack Flash‹ (William DuVall von Alice In Chains) oder späteren Hits wie ›Start Me Up‹ (Steve Hogarth von Marillion) beweist die breit gefächerte Auswahl unserer Stars eine unbestreitbare Tatsache: Die Rolling Stones sind wahrhaftig die größte Rock’n’Roll-Band des Planeten.

›I’m A King Bee‹ (1964)

Als Teenager war ich ein riesiger Beatles-Fan und kaufte mir alles, was sie herausbrachten, mit dem Geld, das ich mir mit Zeitungsaustragen verdiente. Dann ging der ganze Trubel um die gebildeten Bad Boys aus dem Süden los mit THE ROLLING STONES, ihrem ersten Album. Ich war pleite, aber lieh mir das Geld von meiner Mutter. Es hat Wochen gedauert, ihr das zurückzuzahlen, aber Mann, war es das wert! Jeder Song war der Wahnsinn und ich wurde zu einem großen Fan. Ich liebte, wie Mick ihre Coverversion von Slim Harpos ›I’m A King Bee› sang und den Text so anspielungsreich verkaufte. Dieses erste Album liebe ich bis heute. Irgendwo habe ich noch das Original-Vinyl.

George Glover, Climax Blues Band

›Walking The Dog‹ (1964)

Im Vergleich zu dem kitschigen Pop, der damals in den britischen Charts war, war dies ein richtig frischer Wind. Ich weiß noch, wie ich das 1964 lernte und spielte, als ich gerade mal 17 war. Wir spielten das dann bei einer Feier im örtlichen Jugendzentrum, und eine Gang von fiesen jungen Bikern sagte ganz aggressiv: „Spielt es noch mal“. Trotz meiner höflichen Erklärung, dass wir den Song nun schon dreimal dargeboten hatten, hatten wir keine Wahl, denn wir konnten es uns nicht leisten, zertrümmerte Gitarren und Verstärker zu ersetzen. Irgendwann konnte ich nicht mehr zählen, wie oft wir die Nummer „noch mal“ gebracht hatten, und seither kann ich sie nicht mehr hören!

Ian Anderson, Jethro Tull

›It’s All Over Now‹ (1964)

Anfang bis Mitte der 60er war ich in einer Band namens Missing Link, die viele Stones-Cover spielte, ich habe also eine lange Geschichte mit ihnen. Damals war ich Bassist, und der Song von ihnen, den ich live am liebsten spielte, war ›It’s All Over Now‹. Davor war ich ein Fan der Beatles und Shadows gewesen, das war also ein Wendepunkt für mich. Die Stones brachten mich sogar dazu, dieses Bad-Boy-Image zu feiern. Zunächst wehrte ich mich gegen diesen Wandel aber letztlich musste ich klein beigeben. Die Aufnahme dieses Songs ist so gut, ebenso wie diese ganze rhythmische Sache. Und man hört die beiden Gitarren – sie klingen tatsächlich unterschiedlich im Mix. Es war einer der ersten Pop-Rock-Songs. Die Stones inspirieren mich bis heute. Wo wären wir ohne sie? Ich gebe ihnen die Schuld dafür, dass alle immer noch auf Tour sind. Vor den Stones musste man sich dem Jazz oder Folk zuwenden, um 64-Jährige zu finden, die noch auf Tour gehen. Im Pop oder Rock, wenn man erstmal 20 oder vielleicht höchstens 30 war, hatte man ausgedient. Die Stones haben diese Regeln umgeschrieben, und das tun sie auch weiterhin.

Andy Scott, Sweet

Es ist eine schwere Entscheidung zwischen dieser Nummer und der Live-Version von ›Midnight Rambler‹ (auf GET YET YA-YA’S OUT!). Die Unterschiede zwischen ihrem liveigen, rockigen Scheiß und den Singles, die sie veröffentlichten, waren so groß. Ich sah sie live im Fernsehen, und sie waren Meister darin, einen Song zu dehnen – sie waren 45 Minuten auf der Bühne gestanden und hatten erst drei oder vier Stücke gespielt. ›Midnight Rambler‹ ist eine der Nummern, die sie so richtig strecken. Und das tun sie genial, besser als jeder, den ich kenne – selbst einige der Yankee-Bands. Bei denen denkt man sich: „Oh Mann! Lass uns nach Hause gehen“. Ich las mal ein Interview mit Bill [Wyman] über die Dynamik innerhalb der Band – dieser Typ macht das eine, ein anderer macht etwas anderes, ein dritter ist hinter dem Beat und der vierte schläft in der Ecke. Er wunderte sich, wie zum Teufel die ganze Sache nicht in die Binsen ging. Selbst die Band selbst weiß es nicht, und das ist die Magie daran. Aber, um auf deine Frage zurückzukommen: Ich mag beide Aspekte von dem, was sie tun. Doch wenn mir jemand eine Knarre an den Kopf halten würde, müsste ich mich für ihre poppige Seite entscheiden.

Francis Rossi, Status Quo

›Time Is On My Side‹ (1964)

Die Stones waren mein frühester Einfluss, vor allem, weil man als angehender Gitarrist tatsächlich Teile ihrer Songs nachspielen konnte, während man bei den Beatles die Noten brauchte, um die schwierigen Akkorde zu lernen. ›Satisfaction‹ war das erste Riff, das ich je gespielt habe – und es war wohl der erste verzerrte Gitarrenton und Vorläufer von dem, was dann zum Heavy Metal wurde. Zum Glück hatte ich ältere Geschwister, die all die Stones-Alben kauften und sammelten. ›Time Is On My Side‹ ist ein so großartiger Song. Der Tonfall in Micks Stimme ist so denkwürdig, und die Melodie verfolgt einen bis in alle Ewigkeit. An verschiedenen Punkten in meinem Leben hatten diverse Lieder eine besondere und sehr spezifische Bedeutung für mich. Zum Beispiel ›Got To Get Away‹ während der Scheidung meiner ersten Ehe. ›Heart Of Stone‹ war noch so ein Lied. ›Paint It Black‹ war so wichtig, dass wir es mit Anvil auf unserem ersten Album coverten. Ich fühlte mich sehr wohl dabei, das zu singen, da es komplett in meinem Stimmumfang liegt. ›Jumpin’ Jack Flash‹ war ein weiteres Stück, das ich in den frühen Jahren coverte. Das Gitarrenriff gehört zu den legendärsten überhaupt. Ich habe diese Band schon immer geliebt und liebe sie auch heute noch.

Lips, Anvil

›Miss You‹ (1978)

Es ist bluesig, hat aber auch etwas Urbanes an sich. Ich weiß nicht, wie es ihnen gelungen ist, Blues und Disco so zusammenzubringen, aber der Gedanke gefällt mir. Im Text gibt es das Pathos einer Person, die herumsitzt und auf den Anruf einer anderen Person wartet – der nie kommt. Die Person will, dass jemand diesen Raum ausfüllt, doch der oder die Auserwählte wird es nicht tun. Das ist ein schlauer Song. In den Anfangstagen von Living Colour durfte ich ein bisschen Zeit mit Mick Jagger verbringen. Als er unsere ersten Demos produzierte, unterhielten wir uns oft über den Blues. Ich hörte damals viel Howlin’ Wolf und Muddy Waters, darüber hatten wir eine lange Unterhaltung. Am nächsten Tag kam er ins Studio und gab mir diese Kassette. Er war nach Hause gefahren und hatte mir ein Mixtape gemacht – oder eher ein Mick’s Tape. (lacht) Diese Kassette habe ich bis heute und sie bedeutet mir sehr viel. Es war surreal, mit Mick Jagger zusammenzuarbeiten. Natürlich. Wenn man im Studio ist, zum Mischpult blickt, und da sitzt er dahinter, muss man sich fast zwicken. Ich war jung und leicht zu beeindrucken, und da sah ich diesen Mann an, der sich so eine Karriere in der populären Musik aufgebaut hatte, was eine tiefe Dankbarkeit in mir auslöste. Er erzählte mir, wie die Musik der Schwarzen ihm sein Leben geschenkt habe. Da war ein Junge aus London in England, der sich diese alten Bluessongs angehört hatte und davon so bewegt gewesen war. Und da war ich, irgendein Junge aus Brooklyn, der nicht nur diesen Jungen aus London hörte, sondern auch die Musik, die ihn beeinflusst hatte. Es inspiriert mich bis heute, dass die Stones immer noch losziehen und rocken. Das erfüllt mich mit Hoffnung, dass ich dies auch weiterhin tun und meinen Kindern Essen auf den Tisch bringen kann.

Corey Glover, Living Colour

›(I Can’t Get No) Satisfaction‹ (1965)

Ihr habt mit dieser Story für ganz schön viel Ärger gesorgt. Jeder bei den Quireboys hat einen Lieblingssong der Rolling Stones, und jeder einen anderen. Da kam es zu sehr erhitzten Diskussionen. Jeder hatte seine eigene Meinung. Ich werde mich für ›(I Can’t Get No) Satisfaction‹ entscheiden, denn Keith Richards sagte einst zu meinem guten Freund Alan Clayton, dass es sein eigener Lieblingssong der Stones sei. Könnte es einen besseren Grund geben?

Spike, The Quireboys

Ich liebe ›Satisfaction‹ für das Riff, das man so leicht mitsummen kann. Ich las mal ein Interview mit Keith, in dem er sagte, das Riff sei ihm im Schlaf eingefallen, also wachte er auf und spielte es auf Band. Für mich klingt es wie eine Bläsersektion, es ist fantastisch.

Rudolf Schenker, Scorpions