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Luke Haines & Peter Buck: ALL THE KIDS ARE SUPER BUMMED OUT

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Avantgarde-Pop

ALL THE KIDS ARE SUPER BUMMED OUT ist das zweite Album bzw. die zweite Kollaboration zwischen Luke Haines (The Auteurs, Baader Meinhof, Black Box Recorder) und Peter Buck (R.E.M). Nach einem zufälligen Treffen im Jahr 2019, als Buck eines von Haines (Lou Reed-)Gemälden online für £ 99.00 kaufte, beschlossen die beiden zusammenzuarbeiten. Das daraus resultierende Debüt, BEAT POETRY FOR SURVIVALISTS, erschien im Frühjahr 2020. Die Songs über den legendären Raketenforscher und Okkultisten Jack Parsons mussten fast zwei Jahre warten, bevor Haines, Buck und Band sie auf ihrer Tour durch das Vereinigte Königreich vorstellen
konnten – der Abschluss waren zwei ausverkaufte Abende im 100 Club im April 2022. Musikalisch driftet die Musik eher Richtung Haines denn Buck ab – eigenartig zwischen Psychedelic, LoFi, Glam, Kammerpop und Post-Punk. Im Laufe der letzten zwei Jahre, während diverser Lockdowns zogen sich Haines und Buck in einen Bunker des Kalten Krieges zurück und nahmen dieses Doppelalbum/Manifest auf. Buck spielt Gitarre und füttert seinen Moog, Haines singt und spielt gelegentlich Flöte und Gitarre, Scott McCaughey zupft den Bass, spielt Piano sowie Gitarre und Linda Pitmon (The Baseball Project) spielt Schlagzeug. Lenny Kaye von der Patti
Smith Group gastiert auf einem Track am Gesang.

5 von 10 Punkten

Luke Haines & Peter Buck
ALL THE KIDS ARE SUPER BUMMED OUT
CHERRY RED/ROUGH TRADE

Luke Haines & Peter Buck All The Kids Are Super Bummed Out

Dead Cross: II

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Harte Kost

Eine harte Zeit liegt hinter der All-Star-Truppe: Nicht nur hat(te) Mike Patton mit psychischen Problemen zu kämpfen, was u. a. zu einer Tourabsage seiner Stammband Faith No More führte, auch Gitarrist Michael Crains befand sich nach einer Krebsdiagnose in einer gesundheitlichen Extremsituation und musste sich einer kräfte-
zehrenden Chemotherapie unterwerfen. Als ob die vergangenen zwei Jahre nicht ohnehin belastend genug gewesen wären … In dieser Zeit veröffentlichten Dead Cross im Juni 2020 das Black-Flag-Cover ›Rise Above‹ als Solidaritätsbekundung gegenüber der Black Lives Matter Bewegung und auch auf dem nun vorliegenden Zweitwerk, schlicht II betitelt, gibt sich das Quartett kämpferisch und nimmt dabei kein Blatt vor den Mund. So sei laut Band der Song ›Christian Missile Crisis‹ eine Abrechnung mit „institutionalisierter Religion, NRA-holes, die ihren Mangel an Männlichkeit mit einem Waffenfetisch kompensieren, und allen Amerikanern, die statt lösungsorientiert zu handeln lieber andere unterdrücken“. Klar, dass derart kompromisslose Rundumschläge mit unerbittlicher Musik befeuert werden muss, so bewegen sich Dead Cross auch auf II wieder in gewohnt avantgardistischen Grenzgebieten des Noise und Rock. Harte Zeiten, harte Musik.

7 von 10 Punkten

Jerry Lee Lewis: „Wenn ich in die Hölle komme, werde ich dort Piano spielen“

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Jerry Lee Lewis Mean Old Man„Wenn ich in die Hölle komme, werde ich dort Piano spielen“, hat Jerry Lee Lewis einst gesagt. Am 28.10. ist die als „Killer“ bekannte Ikone im Alter von 87 Jahren gestorben.

Nachdem Lewis mit Anfang 20 von Ferriday in Louisiana nach Memphis in Tennessee gezogen war, spielte er dort 1956 bei Sun Records vor. Auf einer Probeaufnahme er­­kannte Sam Phillips, der auch Elvis unter Vertrag genommen hatte, das Potenzial dieses wilden Pianisten und Sängers und begann ihn zu fördern. Im Dezember des Jahres kam es zum Treffen und den Sessions des als „Million Dollar Quartet“ in die Geschichte eingegangenen Vierers Jerry Lee Lewis, Elvis Presley, Johnny Cash und Carl Perkins. Von Perkins stammt angeblich der Tipp mit dem Wegtreten des Hockers. Wobei es Lewis bei diesem Bühnengag nicht belassen sollte, mit Händen und Füßen spielte, um sein Instrument herumlief und dieses auch gerne mal anzündete.

Mit Hits wie ›Whole Lotta Shakin’ Goin’ On‹, ›Great Balls Of Fire‹ und ›Breathless‹ lieferte Lewis in den 50ern etliche Klassiker ab. Die anzüglichen Texte, extrovertierten Auftritte und vor allem das skandalöse Privatleben – hinlänglich dokumentiert ist die Ehe mit seiner 13-jährigen Cousine Myra – legten ihm einige Stolpersteine in den Weg. In den Folgejahrzehnten verlagerte sich der Rock’n’Roll- und Rockabilly-Pionier immer mehr auf die Country-Musik und konnte auch hier mit ›Me And Bobby McGee‹ und ›Chantilly Lace‹ Erfolge feiern. Bis 1983 landete er 65 Singles in den Country-Charts!

Über die Jahre war er immer wieder mit berühmten Zeitgenossen unterwegs, darunter Roy Orbison. 1989 wurde ihm mit „Great Balls Of Fire“ mit Dennis Quaid in der Hauptrolle ein cineastisches Denkmal gesetzt. Auch Platten nahm das zeitweilig drogenabhängige En­­fant Terrible weiterhin auf. Zuletzt MEAN OLD MAN 2009 und ROCK & ROLL TIME 2014.

Am 28.10.2022 ist Jerry Lee Lewis im Alter von 87 Jahren wohl eines natürlichen Todes gestorben.

King’s X: Dreikönigstreffen

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Was ewig währt, wird endlich (richtig) gut: King’s X haben mit THREE SIDES OF ONE endlich das ersehnte neue Studioalbum veröffentlicht. Bassist Doug Pinnick erklärt die lange Wartezeit.

Als Fan der texanischen Prog-/Alternative-Rockband King’s X braucht man vor allem eines: Geduld. Ihre Konzerte in Europa sind rar, ihre Präsenz auf YouTube oder Instagram vergleichsweise sporadisch bis selten. Bleiben noch die Alben, die das Trio Doug Pinnick (Bass, Gesang), Ty Tabor (Gitarre, Gesang) und Jerry Gaskill
(Schlagzeug, Gesang) in unregelmäßigen Abstän- den auf die interessierte Menschheit loslässt. Doch wenn diese eine Vorlaufzeit von 15 Jahren benötigen, wird es eng – sogar mit der treuesten Fan-Liebe. Dies wissen die Beteiligten auch selbst und haben sich jetzt – genauer gesagt: 2019; die Verzögerung ist pandemiebedingt – zu einem neuen Studiowerk aufraffen können. Titel der Scheibe: THREE SIDES OF ONE. Bei den Aufnahmen kam vor allem Pinnick zu einer ihm zwar bekannten, aber lange verschütteten Erkenntnis: „Wir sind eine verdammt gute Band! Dies generelle Gefühl war sofort da, als wir im Studio loslegten. Ich erinnere mich noch an den ersten Song, den wir produzierten. Wir spielten ihn, machten einen groben Mix, hörten ihn an, und ich dachte: Wow! Unfassbar! Ich hatte völlig vergessen, wie gut wir sind! Ich hatte sofort ein breites Grinsen im Gesicht und wusste: So ist es also, wenn sich enge Freunde wieder treffen. Freunde, die über viele Jahre Musik gemacht, sich dann etwas aus den Augen verloren haben, und nun, frei von jeglichen negativen Gefühlen, wieder zusammenspielen.“


Zuvor hatte vor allem übertriebener Ehrgeiz und eine allzu kritische Herangehensweise zur Produktionslosigkeit geführt. „Wir wollten unseren Fans nicht einfach nur ein weiteres neues Album präsentieren, sondern etwas, auf das wir wirklich stolz sein können. Niemand möchte belangloses Zeugs aufnehmen und die Fans enttäuschen“, erklärt der King’s-X-Bassist. „Für ein solches Ziel musste die Zeit aber erst reifen, denn dazu braucht man ein stabiles Selbstbewusstsein und das Gefühl, ein solches Werk wirklich in sich zu haben. Um an diesen Punkt zu gelangen, dauerte es bei uns eine halbe Ewigkeit.“ Und von wem stammen die wichtigsten Beiträge auf THREE SIDES OF ONE? Immerhin verfügen King’s X über drei gleichstarke Komponisten. Pinnick: „Ich brachte 27 Songs mit, von denen es sieben aufs Album geschafft haben. Ty und Jerry hatten zwar nicht so viel in petto, aber ihre Ideen waren trotzdem sehr stark. Speziell Jerry überraschte uns mit einigen tollen Stücken. Er brachte drei Songs mit, und die sind – wenn man der Meinung Außenstehender Glauben schenkt – die besten der neuen Scheibe.“

Mötley Crüe: Mick Mars zieht sich aus dem Tourgeschäft zurück

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Mick Mars wird nicht länger an kommenden Tourgeschehen von Mötley Crüe teilnehmen. Seine chronische und schmerzhafte Erkrankung namens „Spondylitis ankylosans“ lasse ihn künftig nicht mehr auf der Bühne stehen.

In einem Statement gegenüber der Variety steht geschrieben: „Mick Mars, Mitbegründer und in den letzten 41 Jahren Leadgitarrist der Heavy Metal Band Mötley Crüe, hat heute verkündet, dass er aufgrund des schmerzhaften Kampfes mit „Spondylitis ankylosans“ nicht mehr mit der Band touren können wird.“

Mars wird weiterhin Mitglied von Mötley Crüe bleiben. Wer seine Bühnennachfolge antritt, ist bisher nicht geklärt. Gerüchten zufolge ist jedoch John 5 hoch im Kurs. Der Gitarrist spielte bereits mit Rob Halford bei 2wo, kollaborierte mit David Lee Roth, Marilyn Manson und war zuletzt fest mit Rob Zombie unterwegs. Der Künstler ist gut mit Crüe-Bassist Nikki Sixx befreundet.

Meilensteine: The Beatles werden von der Queen geehrt

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26. Oktober 1965: Queen Elizabeth II. ernennt die Liverpooler Fab Four zu Members Of The British Empire (MBE)

Als im Juni 1965 bekannt wurde, dass Queen Elisabeth II. auf Vorschlag von Premierminister Harold Wilson die Beatles mit dem Rang Members Of The British Empire (MBE, niedrigster von fünf Ordensrängen) auszeichnen würde, spaltete das nicht nur die britische Gesellschaft, wurde diese Ehre doch üblicherweise zumeist älteren, konservativeren Semestern zuteil. Manch bereits Ausgezeichneter geriet über den Frevel, Beatmusiker zu dekorieren, derart in Rage, dass er seine Trophäe wutentbrannt zurücksandte. Colonel Frederick Wagg, Kämpfer in beiden Weltkriegen, war so erbost, dass er sein rundes Dutzend Kriegsmedallien auf den Postweg zur Queen schickte und aus der Labour Party austrat. Mr. Wagg fand die Musik, die Haare und Klamotten der Liverpooler Fab Four schlichweg grauenhaft.

Doch trotz weltweiter Proteste fand die Zeremonie am 25. Oktober 1965 im Londoner Buckingham Palast mit insgesamt 189 Auszuzeichnenden statt. „Ein Gardeoffizier nahm uns zur Seite, erklärte uns das Protokoll: Drehe niemals Ihrer Majestät den Rücken zu, redet nur mit ihr, wenn einer von euch vier angesprochen wird“, erinnerte sich Paul McCartney Dekaden später. „Ich empfand sie uns gegenüber als sehr mütterlich – wir waren ja noch Jungspunde von Anfang bis Mitte 20. Sie fragte uns: ‚Wie lange seid ihr zusammen?‘ Ich sagte: ‚Viele Jahre‘. Darauf entgegnete Ringo: ‚40 Jahre‘, worauf die Queen herzhaft lachte.“ John Lennon behauptete wenig später, dass die Beatles aufgrund der Nervosität vor der Audienz sich auf der Toilette einen Joint reingezogen hätten. George Harrison erinnerte sich anders: „Es war eine stinknormale Zigarette!“ Für über 50 Ordensempfänger mussten die Beatles Autogramme geben. Einer sagte bissig zu Paul: „Ist für meine Tochter. Ich verstehe wirklich nicht, was sie in Ihnen sieht!“ Vier Jahre später sandte John seinen Orden zurück an die Queen mit den Zeilen: „Ich sende meinen MBE zurück aufgrund von Großbritanniens Beteiligung in der NigeriaBiafra-Sache, der britischen Unterstützung für die USA in Vietnam und weil ›Cold Turkey‹ in den Charts abgestiegen ist!“ Auf so eine perfide Idee wären Paul, George und Ringo nie gekommen. 2009 fand man Lennons Orden in einem Archiv im St. James Palace.

Brian Johnson: Autobiografie „Die Leben des Brian“ erscheint

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Heute erscheint die Autobiografie von Brian Johnson, dem Nachfolger von Bon Scott, der mit seiner unvergleichlichen Stimme seit über 40 Jahren die Klangwelt von AC/DC entscheidend mitprägt.

Das Buch heißt „Die Leben des Brian“, darin schildert Johnson sein Leben. Von den Anfängen seiner Kindheit in bescheidenen Verhältnissen im Norden Englands, wo schon früh für ihn feststand: Er will Rocksänger werden.

Über ein Jahrzehnt lang versuchte sich Brian Johnson später mit verschiedenen Bands einen Namen zu machen, doch der große Erfolg schien unerreichbar. Erst mit 31 Jahren – nach scheinbar gescheiterter Karriere, gescheiterter Ehe und einigen Gelegenheitsjobs – kam seine große Chance: Er wurde von AC/DC, schon damals eine der größten Rockbands, zum Vorsingen nach London eingeladen. Der Rest ist Geschichte. Und diese Geschichte erzählt Johnson nun in eigenen Worten.

Scorpions: Don’t Stop Believing

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Während der bescheidenen Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum ihrer ersten Veröffentlichung bereiten sich die Scorpions auf ihr 19. Album ROCK BELIEVER vor – mehr als ein Jahrzehnt nach ihrer Abschiedstournee. Werden sie jemals aufhören?

„Nein Klaus, jetzt mal im Ernst, erzähl uns bitte, wie die CIA für ›Wind Of Change‹ verantwortlich war – falls Klaus überhaupt dein wirklicher Name ist …“ Die mäßige Bildqualität des Zoom-Gesprächs an diesem Nachmittag macht es unmöglich, festzustellen, ob Klaus Meine und Rudolf Schenker von den Scorpions das irgendwie witzig finden. Es könnte aber auch an den großen schwarzen Sonnenbrillen liegen, die beide tragen. Natürlich lässt sich nicht eruieren, ob auch nur ein Fünkchen Wahrheit in einem unlängst veröffentlichten Podcast mit dem Titel „Wind Of Change“ steckt, der sich mit der Theorie befasst, der Song mit demselben Titel sei ein von der CIA erschaffenes Propagandawerkzeug gewesen, um Deutschland wiederzuvereinen. Und falls das wirklich der Fall ist, verraten es Meine und Schenker trotzdem nicht. Ein Moment verstreicht, dann noch einer … und endlich kommt ein Lächeln. Meine ist vielleicht ein bisschen resigniert ob der Tatsache, dass einer der größten Erfolge der Band, zu der er seit 52 Jahren gehört (und die seit einem halben Jahrhundert ohne große Unter-brechungen Platten veröffentlicht und um die Welt tourt) nun untrennbar mit einer wilden Verschwörungs-theorie in Verbindung gebracht wird, die im Lockdown viele Anhänger fand. „Wir leben in verrückten Zeiten, und als ich mit dieser Behauptung konfrontiert wurde, brach ich natürlich erst mal in Gelächter aus“, berichtet er. „Alle sagten mir: ‚Du musst dir diesen Podcast anhören!‘ Patrick Radden Keefe, ein Journalist, der für The New Yorker arbeitet, kam tatsächlich nach Deutschland, um mir mitten im Interview zu sagen: ‚Klaus, hast du die Geschichte gehört, dass die CIA ›Wind Of Change‹ geschrieben hat?‹ Ich antwortete: ‚Wie bitte?!‘ Aber dann sagte ich, wenn das wahr wäre, würde es nur beweisen, welche Macht Musik haben kann.“

„Das ist eine gute Geschichte!“, fügt Schenker hinzu. „Sie ist super! Was die Musik bewirken kann und wie die Leute daran glauben …“ Der Glaube, Mauern und der Umgang damit waren dabei von Anfang an definierende Charakteristika der Band. Abgesehen von ihrer Langlebigkeit – ihr Debütalbum LONESOME CROW, längst ein Klassiker, wird dieses Jahr 50 – sind es auch die Dinge, die sie durchmachen mussten, die sie zu wahren Legenden gemacht haben. Wer sich mit den euphorischen Glanzpunkten des neuen (und 19.) Albums ROCK BELIEVER befasst, erkennt unschwer, warum das so ist. Die harte Direktheit erinnert Scorpions-Fans un-weigerlich an ihre Hits der 80er, und dies ist kein zurückhaltendes Spätwerk, das sich im Schatten früherer Ruhmestaten versteckt. Vielmehr ist es eine selbstbewusste, hymnenhafte Bestätigung, dass die Scorpions nach wie vor ihr Versprechen einzulösen gedenken, das nach all diesen Jahren weder abgemildert noch durch jegliche Kompromisse verwässert worden ist. Meisterhaft dargebotener Hardrock, zur Perfektion gereift und berstend vor dieser einen, allerwichtigsten Zutat: Spaß. Gerade sitzt die Band in einer Lounge der Peppermint Park Studios in Hannover. Sie haben ihre Proben für eine anstehende Tournee – inklusive eines längeren Engagements in Las Vegas – unterbrochen, um mit uns zu reden. „Das ist seit hundert Jahren unsere Basis hier“, sagt Schenker. „Und es war unsere Blase, in der wir uns von der Pandemie zurückziehen und Musik machen konnten. Das war sehr therapeutisch.“ „Wir trafen uns alle zwei Tage hier“, so Meine. „Dann sperrten wir uns ein, tauchten tief in unsere kreative Welt ab und ließen die grausame Realität vor der Tür.“


Es standen bereits einige Ideen für das Album zur Auswahl, da es ursprünglich schon für 2018 geplant
gewesen war. Doch die Zwangspause vom Touren, nachdem sie im März 2020 noch ihre Termine in Australien
und Südostasien absolviert hatten, gewährte ihnen eine kreative Atempause, die sie durch ihre fast perma-nenten Liveaktivitäten nur selten bekommen. „Das letzte Mal war vielleicht 1986?“, fragt sich Schenker. Diese Zwangspause hatte durchaus ihre Vorteile. Die Anforderungen eines lebenslangen Tourmarathons – trotz einer
sogenannten Abschiedstournee 2010, die wir nur kurz ansprechen – sind nicht unbedingt mit der schöpferischen Freiheit in Einklang zu bringen, die für ein neues Album nötig ist. „Wenn man unterwegs ist, erhält man viele Emotionen von den Menschen, aus dem Publikum, und das beeinflusst die Musik, die man spielt“, so Schenker. „Das passt alles zusammen, aber man muss aufpassen, dass man dabei nicht zu einer Maschine wird.“ „Kreativität ist nichts, das immer selbstverständlich ist“, sagt Meine. „Als wir sagten, dass wir ein neues Album machen sollten, war die Frage natürlich: Können wir es noch bringen? Ich fing 2019 an, Texte zu schreiben, ohne auf Demos von Rudolf zu warten. So hatten wir viele Jahre gearbeitet – die Texte kamen
immer an zweiter Stelle. Aber diesmal war es umgekehrt. Ich begann einfach mit den Texten, also fragte ich mich, worüber zum Teufel ich überhaupt schrei ben will , und schickte Rudolf dann ein paar Sachen. Ein Song war ›Gas In The Tank‹. Das war ein Dialog, denn Rudolf war damals nicht in Deutschland, sondern in Thailand.

Ihm die Texte zu schicken war, als würde ich sagen: ‚Hey, mach mal, gib mir ein paar Killer-Riffs, mein Freund! Ich will Benzin im Tank!‘“ „Es ist großartig, denn wenn man eine gewisse Routine hat, ist es sehr schwer, aus ihr auszubrechen“, sagt Schenker. „Und wir hatten Zeit. Keinen Druck. Genug Zeit, um Songs auch erstmal unvollendet zu lassen, sie beiseite zu schieben und später wieder aufzugreifen. Das war fantastisch und half uns durch diese furchtbare Zeit.“ Trotz dieses umgekrempelten Songwriting-Prozesses ist der zeitlos-klassische Klang von ROCK BELIEVER unbestreitbar und scheint sich seine DNA mit der Genialität des bombastischen BLACKOUT von 1982 zu teilen. „Das war dieselbe Situation“, so Schenker. „Willst du wissen, warum? Bei BLACKOUT hatten wir unsere eigene Pandemie, denn Klaus hatte Probleme mit seiner Stimme, also konnte er nicht wirklich singen. Wir konnten also auch nicht auf Tour gehen und mussten auf Klaus warten. Daher nutzten wir diese Zeit, um Songs sehr natürlich entstehen zu lassen. Das Problem ist ja immer, dass man zu früh aufhört weil man unter dem Druck steht, wieder loszuziehen. Wir hatten auch sehr viel Erfahrungen mit einiger der besten Produzenten der Welt, die uns immer ein bisschen hierhin oder dahin drängten. Diesmal konnten wir uns absolut entspannen, weil kein Produzent involviert war.“

Meine führt aus, dass die Scorpions zu der Zeit von LOVEDRIVE (1979) und ANIMAL MAGNETISM (1980) ein
Alben aufnehmender, pausenlos tourender Dampfdrucktopf waren. „Alle wollten uns an der Spitze sehen – die
Plattenfirmen und das Management sagten: ‚Jetzt! Macht sofort ein Album!‘“, erinnert er sich. „Heute sind wir im Winter unserer Karriere und müssen niemandem außer uns selbst irgendetwas beweisen. Das ist ein
großartiges Gefühl. Rudolf und ich wurden schon vor so langer Zeit Songwriting-Partner. Wir waren ohnehin
schon Freunde, und diesen Vibe immer wieder zu aktivieren, fühlt sich super an. Der Kern von alledem war, an sich selbst zu glauben. Wir saßen in Hannover fest und konnten nirgendwohin fahren. Es war gut, dass wir sagen konnten: ,Okay, wir haben diesen fantastischen Tontechniker Hans Martin-Buff und werden das Album
mit ihm produzieren‘. Wir wussten, was wir da taten. Wir hatten eine lange Karriere und wissen, wie das geht.“
Natürlich war das nicht das erste Mal, dass die Scorpions an sich selbst glauben und durchhalten mussten. Dies ist keine Band, die so tut, als liege noch alles vor ihr, sondern eine Band, die sich wohl in ihrer Haut fühlt, der eigentlich immer noch alles scheißegal ist und die zufrieden damit ist, ihre Musik und ihre ausverkauften Hallen und Stadien für sich sprechen zu lassen.

Man gewinnt aber auch den Eindruck, dass sie sich nicht groß um Jubiläen scheren – es wird keine Kuchen und Girlanden für den 50. von LONESOME CROW geben. „Das ist für uns kein großes Ding, um das irgendwie besonders zu feiern“, sagt Meine. „Klar, es ist ziemlich verrückt, dass die Scorpions im Februar 50 Jahre auf ihre erste Veröffentlichung zurückblicken. Ich denke, einer der Gründe, dass es uns immer noch gibt, ist dass wir eine deutsche Band sind. Heute gibt es ein paar mehr, wie Rammstein, aber Anfang der 70er war da niemand. Wir waren junge Kids aus Deutschland mit großen Träumen. Als wir in der ersten Hälfte der 70er nach England gingen, dachten wir: ‚Alle unseren Helden kommen von hier‘. Wir waren inspiriert von den Beatles, den Stones, The Who, den Kinks. Dann in London im Marquee zu spielen, war schon ein ‚Wow!‘-Erlebnis. Und es war absolut entscheidend – man tritt dort auf und der Melody Maker und der NME sitzen an der Bar und sind bereit, dich umzubringen!“